{"id":1001,"date":"2016-02-22T09:32:51","date_gmt":"2016-02-22T07:32:51","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1001"},"modified":"2016-02-22T09:33:44","modified_gmt":"2016-02-22T07:33:44","slug":"syrien-assads-offensive-sorgt-fuer-weitere-eskalation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1001","title":{"rendered":"Syrien: Assads Offensive sorgt f\u00fcr weitere Eskalation"},"content":{"rendered":"<p><em>Baran Serhad.<\/em> Der Stellvertreter*innenkrieg in Syrien hat mit der milit\u00e4rischen Offensive Assads auf Aleppo eine neue Etappe erreicht. Eine neue Welle von Menschen befindet sich auf der Flucht.<!--more--> Das durchgehende Scheitern der Syrien-Politik Erdogans vertieft die Spannungen mit Russland.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Anfang dieses Monats marschierte die syrische Armee gemeinsam mit Hisbollah erfolgreich in Nubl und az-Zahra ein. Diese Operation hat es dem syrischen Regime erm\u00f6glicht, einerseits seinen Einfluss in der internationalen Arena zu bekr\u00e4ftigen, andererseits die R\u00fcckeroberung von Aleppo fortzusetzen.<\/p>\n<p>Das Gleichgewicht der Kr\u00e4fte in Syrien hat sich in den letzten Wochen sehr schnell ver\u00e4ndert, nachdem Russland seine milit\u00e4rische Kraft zur Unterst\u00fctzung des Assad-Regimes offensiv mobilisiert hat. Russland konfrontiert die Syrien-Politik Erdogans, die im Wesentlichen in der Unterst\u00fctzung aller m\u00f6glichen Kr\u00e4fte \u2013 unter anderem IS \u2013 gegen Assad und die kurdische PYD besteht. Dies verst\u00e4rkt nur die aggressive Politik der T\u00fcrkei.<\/p>\n<p>Unter diesen Bedingungen stellt sich die Frage, ob der t\u00fcrkische Staat eine direkte milit\u00e4rische Intervention in Syrien vornehmen wird, um seine sich im R\u00fcckzug befindlichen \u201eStellvertreter\u201c zu verteidigen. Kann die t\u00fcrkische Regierung, die in diesem reaktion\u00e4ren Stellvertreter*innenkrieg in die Ecke gedr\u00e4ngt wurde, sich ein solches Abenteuer leisten?<\/p>\n<p><strong>Die Offensive Assads und die neue politische Etappe im syrischen Stellvertreter*innenkrieg<\/strong><\/p>\n<p>Die milit\u00e4rische Intervention Russlands hat das Gleichgewicht der Kr\u00e4fte in Syrien enorm ver\u00e4ndert. Russland intervenierte unter dem Deckmantel der \u201eBek\u00e4mpfung von IS\u201c. Doch in der Tat geht es Russland haupts\u00e4chlich darum, die jetzige Machtkonstellation zu beeinflussen, um den Einfluss nicht zu verlieren, sollte es in Syrien zu einer Konsolidierung eines neuen Regimes unter F\u00fchrung der USA kommen. Mit der milit\u00e4rischen Offensive erm\u00f6glichte Putin Assad eine Atempause. Nun kommt es darauf an, den weiteren Verlauf des Kriegs zu beeinflussen.<\/p>\n<p>Das syrische Milit\u00e4r hat Aleppo inzwischen beinahe vollst\u00e4ndig eingekreist. Die Stadt war im Verlauf des Kriegs weitgehend von Anti-Assad-Truppen besetzt worden. Der aktuelle Vormarsch auf Aleppo bedeutet das Unterbrechen von Versorgungsrouten der islamistischen Kr\u00e4fte wie des IS.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das syrische Regime heute motiviert und ermutigt auf die Situation blickt, manifestiert sich das Fiasko der imperialistischen und t\u00fcrkischen Pl\u00e4ne. M\u00f6glicherweise werden die Anti-Assad-Milizen die Belagerung nicht \u00fcberleben und kapitulieren. Die milit\u00e4rischen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse sprechen nun f\u00fcr Assad, da Aleppo eine strategische Bedeutung hat.<\/p>\n<p>Das bedeutet f\u00fcr Erdogan den Zusammenbruch seines Plans f\u00fcr Syrien. Es ist eine gro\u00dfe Niederlage, denn der t\u00fcrkische Staat ist seit f\u00fcnf Jahren mit milit\u00e4rischer, logistischer und finanzieller Unterst\u00fctzung f\u00fcr die reaktion\u00e4ren Rebellen aktiv dabei, den Sturz von Assad zu beschleunigen. Gleichzeitig hat Erdogan sich nicht gescheut, mit Russland in einen Konflikt zu treten. Dazu gibt es heute einen Aufschwung von kurdischen Kr\u00e4ften und eine Erholung und sogar einen Vormarsch der syrischen Armee. Dies stellt einen gro\u00dfen Prestigeverlust f\u00fcr Erdogan dar.<\/p>\n<p>Auch wenn die USA mit der offensiven milit\u00e4rischen Zusammenarbeit zwischen Russland und der Assad-Regierung nicht gl\u00fccklich zu sein scheinen, beabsichtigen sie einen \u201ePlan des \u00dcbergangs mit m\u00f6glichst wenig Sch\u00e4den\u201c. Schon l\u00e4ngst haben die USA auf das Prinzip verzichtet, dass Assad unbedingt von der Macht verschwinden m\u00fcsse. Schon l\u00e4nger wird \u00fcber Formulierungen wie den \u201e\u00dcbergang mit Assad\u201c diskutiert. Sogar der russische Vorschlag einer \u201eRegierung der nationalen Einheit mit der Vertretung der Opposition\u201c scheint heute n\u00fctzlicher zu sein, als nur mittels Waffengewalt auf den Sturz von Assad und des IS zu hoffen.<\/p>\n<p><strong>Weitere Eskalationen?<\/strong><\/p>\n<p>Zu den neuesten Entwicklungen in Syrien geh\u00f6rt der Vormarsch von YPG und Ceys El Suwar (Revolution\u00e4re Armee). Sie erlangten am 11. Februar die Kontrolle \u00fcber den Milit\u00e4rst\u00fctzpunkt Menagh und konnten die islamistischen Kr\u00e4fte in der Gegend vertreiben. Der St\u00fctzpunkt ist von strategischer Bedeutung, da er im Dreieck zwischen Azaz, Afrin und Aleppo liegt. Besonders die Entwicklung, dass die Verbindung zwischen der T\u00fcrkei und Aleppo unterbrochen wurde und nun unter der Kontrolle der YPG liegt, bedeutet f\u00fcr t\u00fcrkische Regierung einen schweren R\u00fcckschlag.<\/p>\n<p>Als Reaktion hat die t\u00fcrkische Armee in Rojava die D\u00f6rfer Malkiye und Tinib mit der Begr\u00fcndung des \u201eRechts auf Selbstverteidigung\u201c bombardiert. Der t\u00fcrkische Ministerpr\u00e4sident Ahmet Davutoglu sagte k\u00fcrzlich vor dem Parlament in Ankara, die Situation in Syrien bedrohe inzwischen die nationale Sicherheit seines Landes.<\/p>\n<p>Washington weigert sich weiterhin, die YPG als Terrororganisation einzustufen. Denn die YPG arbeitet mit den USA im Kampf gegen den IS zusammen und hat sich als die zuverl\u00e4ssigste und effektivste Bodentruppe in Syrien erwiesen. Die Partnerschaft zwischen USA und der YPG offenbart aber gleichzeitig die pro-imperialistischen Tendenzen in der kurdischen Bewegung. Besonders im Konflikt mit dem t\u00fcrkischen Staat folgt daraus eine gro\u00dfe demobilisierende Wirkung: So fordert die kurdische Bewegung den t\u00fcrkischen Staat, der in Nordkurdistan t\u00e4glich Zivilist*innen massakriert, immer noch zur R\u00fcckkehr an den Verhandlungstisch auf. Denn ihre Hoffnung besteht darin, als Verb\u00fcndete der imperialistischen M\u00e4chte eingestuft zu werden. Doch der Erfolg der kurdischen Bewegung in Syrien geschieht auf Kosten der Massaker an Kurd*innen in Nordkurdistan. Der diplomatische Pragmatismus ist schon l\u00e4ngst an seine Grenzen gesto\u00dfen.<\/p>\n<p>Es ist kein Zufall, dass heute Saudi-Arabien und die T\u00fcrkei, zwei der reaktion\u00e4rsten Gr\u00f6ssen im Stellvertreter*innenkrieg, an eine Bodenoffensive in Syrien appellieren. So sagte der t\u00fcrkische Au\u00dfenminister Mevl\u00fct Cavusoglu am Rande der NATO-Sicherheitskonferenz in M\u00fcnchen, dass sofern es eine internationale Strategie geben w\u00fcrde, die T\u00fcrkei und Saudi-Arabien Bodentruppen einsetzen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Die beiden \u201estrategischen Komplizen\u201c sind trotz der Beteiligung an der Anti-IS-Koalition mit f\u00fcr die finanzielle, logistische und milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung der \u201eIslamischen Front und des IS\u201c verantwortlich. Das prim\u00e4re Interesse von Riad besteht darin, das schiitische Regime in Iran, das heute auf derselben Seite wie Assad steht, zu entmachten. Mit der t\u00fcrkischen Regierung kann sich die Monarchie daher gut arrangieren, da Erdogan den strategischen Verb\u00fcndeten des Iran zu st\u00fcrzen versucht.<\/p>\n<p>Doch Russland ist mit einer solchen Entwicklung nicht einverstanden: So warnte der russische Premierminister Dmitri Medwedew: <em>\u201e<\/em><em>Bei einer Bodenoffensive wird es sich um die Einbeziehung aller daran beteiligten Kr\u00e4fte in den Krieg handeln. Die Amerikaner und unsere arabischen Partner m\u00fcssen es sich gut \u00fcberlegen: Wollen sie einen permanenten Krieg?\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Aggression von Riad und Ankara sind Ausdr\u00fccke des strategischen Fiaskos. Es drohen weitere Eskalationen. Doch die USA und die Europ\u00e4er stellen sich gegen eine Bodenoffensive und sind v\u00f6llig \u00fcberfordert, was die Kontrolle \u00fcber den Krieg und die Spielfiguren in Syrien angeht.<\/p>\n<p>Eins ist klar: Der Stellvertreter*innenkrieg in Syrien manifestiert sich in seiner blutigen Bilanz darin, dass er eine der gr\u00f6\u00dften Niederlagen der Arbeiter*innen und unterdr\u00fcckten V\u00f6lker im Nahen Osten darstellt.<\/p>\n<p><em>Quelle: klassegegenklasse.org vom 18. Februar mit einigen \u00c4nderungen durch Redaktion maulwuerfe.ch<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Baran Serhad. Der Stellvertreter*innenkrieg in Syrien hat mit der milit\u00e4rischen Offensive Assads auf Aleppo eine neue Etappe erreicht. 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