{"id":10030,"date":"2021-08-31T15:11:47","date_gmt":"2021-08-31T13:11:47","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10030"},"modified":"2021-08-31T15:11:49","modified_gmt":"2021-08-31T13:11:49","slug":"stimmen-aus-lateinamerika-kabul-game-over","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10030","title":{"rendered":"Stimmen aus Lateinamerika: &#8222;Kabul, game over&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00dcber das Ende der US-Hegemonie, die &#8222;Freedom Fighters&#8220; Taliban und Contras und warum der Weg von Afghanistan nach Haiti \u00fcber die USA f\u00fchrt. Einsch\u00e4tzungen von Atilio Bor\u00f3n, Jorge Majfud und Pedro Brieger.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><em>Atilio Bor\u00f3n. <\/em>Der Fall Kabuls in die H\u00e4nde der Taliban ist ein Wendepunkt, der das Ende des globalen geopolitischen \u00dcbergangs markiert. Das internationale System hat seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhebliche Ver\u00e4nderungen erfahren.<\/p>\n<p>Hiroshima und Nagasaki waren zusammen mit der Niederschlagung des Nationalsozialismus in Europa durch die Rote Armee die Ereignisse, die die sogenannte &#8222;bipolare Ordnung&#8220; hervorbrachten.<\/p>\n<p>Der Fall der Berliner Mauer und der Zerfall der Sowjetunion Ende 1991 markierten das Ende dieser Epoche und erregten die Phantasien von US-amerikanischen Strategen und Wissenschaftlern, die sich die falsche Hoffnung eines &#8222;neue amerikanischen Jahrhunderts&#8220; machten.<\/p>\n<p>Zbigniew Brzezinski warnte erfolglos vor der Fragilit\u00e4t der unipolaren Ordnung und den Risiken einer solch gef\u00e4hrlichen Illusion. Seine Bef\u00fcrchtungen wurden am 11. September 2001 best\u00e4tigt, als mit dem Fall der Zwillingst\u00fcrme auch dieses unipolare Trugbild verschwand.<\/p>\n<p>Die Vervielfachung neuer staatlicher und nichtstaatlicher globaler Machtkonstellationen, die nach diesem Ereignis verst\u00e4rkt auftraten &#8211; oder besser gesagt nach diesem Datum sichtbar wurden &#8211; waren der Ausgangspunkt f\u00fcr eine neue Phase: die Multipolarit\u00e4t.<\/p>\n<p>Der lateinamerikanische &#8222;progressive Zyklus&#8220; entwickelte sich vor dem Hintergrund dieser neuen Realit\u00e4t, in der die US-Hegemonie auf immer mehr Schwierigkeiten stie\u00df, ihre Interessen und Priorit\u00e4ten durchzusetzen. Ein zunehmend einflussreiches China in der Weltwirtschaft und die R\u00fcckkehr Russlands in die vorderste Reihe der Weltpolitik nach der Finsternis der Jahre mit Boris Jelzin waren die Hauptmerkmale der entstehenden neuen Ordnung.<\/p>\n<p>Viele Analysten hielten den Polyzentrismus f\u00fcr dauerhaft, daher dachten sie an einen langen &#8222;globalen geopolitischen \u00dcbergang&#8220;. Einige verglichen diese neue internationale Konstellation sogar mit dem &#8222;Konzert der Nationen&#8220;, das auf dem Wiener Kongress (1815) nach der Niederlage der napoleonischen Armeen vereinbart wurde und \u00fcber ein Jahrhundert lang Bestand haben sollte.<\/p>\n<p>Nur dass es in dem Fall, um den es hier geht, eine Ordnungsmacht gab, die USA, die mit ihrem riesigen Milit\u00e4rbudget und der globalen Reichweite ihrer Regeln und Institutionen ihre schwindende Vormachtstellung in anderen Bereichen \u2013 der Wirtschaft und einigen Zweigen der aktuellen technologischen Entwicklung \u2013 durch eine gewisse F\u00e4higkeit zur Schlichtung kompensieren konnte; sie d\u00e4mmte Meinungsverschiedenheiten unter ihren Verb\u00fcndeten ein und hielt widerstrebende M\u00e4chte in den Krisenherden des internationalen Systems in Schach.<\/p>\n<p>Der R\u00fcckschlag, den das von Barack Obama begonnene milit\u00e4rische Abenteuer in Syrien erlitten hat und das Russland wieder zu seiner verlorenen milit\u00e4rischen Bedeutung verholfen hat, die katastrophale Niederlage in Afghanistan nach zwanzig Jahren Krieg und die Verschwendung von zwei Billionen US-Dollar (das hei\u00dft 2.000 Milliarden) sowie das unbeschreibliche menschliche Leid, das durch die imperiale Besessenheit verursacht wurde, schlie\u00dfen diese Phase endg\u00fcltig ab.<\/p>\n<p>Der Einzug der Taliban in Kabul markiert die Entstehung einer neuen internationalen Ordnung, die durch die Pr\u00e4senz einer dominanten Triade aus den USA, China und Russland gekennzeichnet ist und diejenige abl\u00f6st, die seit den Jahren des Kalten Krieges mit M\u00fche \u00fcberlebt hatte und aus Washington, einigen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern und Japan bestand.<\/p>\n<p>Daher r\u00fchrt das Illusorische des von Joe Biden vorgebrachten Anspruchs, die wichtigsten Nationen der Welt an den Verhandlungstisch zu bringen und von der Stirnseite des Tisches her die neuen Regeln und Orientierungen festzulegen, die im internationalen System vorherrschen sollten, weil er, wie er sagte, eine solch heikle Aufgabe nicht den Chinesen und Russen \u00fcberlassen k\u00f6nne. Seine Worte wurden aber zu toten Buchstaben, weil dieser Tisch schon gar nicht mehr existiert.<\/p>\n<p>An seine Stelle ist ein anderer, dreieckiger getreten, der keine Stirnseite mehr hat und an dem neben den USA China und Russland Platz genommen haben. China, laut OECD die weltweit f\u00fchrende Volkswirtschaft und eine beeindruckende Macht im Bereich der k\u00fcnstlichen Intelligenz und der neuen Technologien, und Russland, ein Energieimperium, im Besitz des zweitgr\u00f6\u00dften Atomwaffenarsenal der Welt und traditioneller Protagonist der internationalen Politik seit Beginn des 18. Jahrhunderts: Sie setzen der einst unumst\u00f6\u00dflichen Vormachtstellung der USA Grenzen.<\/p>\n<p>Zum ersten Mal in der Geschichte wird Biden mit zwei M\u00e4chten verhandeln m\u00fcssen, die Washington als Feinde definiert und die zudem ein m\u00e4chtiges B\u00fcndnis geschlossen haben. Nutzlos sind Trumps Werbetricks &#8222;Lasst uns Amerika wieder gro\u00df machen&#8220; oder Bidens j\u00fcngster &#8222;Amerika ist zur\u00fcck&#8220;. Auf dem neuen Tisch z\u00e4hlen die wirklichen Faktoren, die die Macht der Nationen definieren: Wirtschaft, nat\u00fcrliche Ressourcen, Bev\u00f6lkerung, Territorium, Technologie, F\u00fchrungsqualit\u00e4t, Streitkr\u00e4fte und schlie\u00dflich alle Utensilien der sogenannten &#8222;sanften Macht&#8220; (soft power).<\/p>\n<p>In j\u00fcngster Zeit waren es die beiden letztgenannten Tr\u00fcmpfe, \u00fcber die die USA verf\u00fcgten, um ihre verlorene imperiale Allmacht zu erhalten.<\/p>\n<p>Aber wenn sich ihre Truppen in einem der \u00e4rmsten und r\u00fcckst\u00e4ndigsten L\u00e4nder der Welt nicht durchsetzen konnten, werden auch Hollywood und die ganze weltweite Medienoligarchie keine Wunder vollbringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Diese neue Epoche des internationalen Systems wird nicht frei von Risiken und Gefahren aller Art sein, aber sie er\u00f6ffnet den V\u00f6lkern und Nationen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas nie dagewesene M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.pagina12.com.ar\/361926-kabul-game-over\">https:\/\/www.pagina12.com.ar\/361926-kabul-game-over<\/a><\/p>\n<p><strong>&#8222;Freedom Fighters&#8220;: Contras und Taliban<\/strong><\/p>\n<p><em>Jorge Majfud. <\/em>Nach der Niederlage in Vietnam sagten der fr\u00fchere Au\u00dfenminister Henry Kissinger und die ehemalige Sozialistin und sp\u00e4tere Ultrarechte in der Regierung von Ronald Reagan, Jeane Kirkpatrick, dass die USA einen Krieg erfinden m\u00fcssten, den sie gewinnen k\u00f6nnten, um verlorenes Prestige zur\u00fcckzugewinnen.<\/p>\n<p>Kirkpatrick zufolge war Nicaragua ein guter Kandidat, aber noch besser war Granada, eine Karibikinsel mit kaum 100.000 Einwohnern, deren Pr\u00e4sident so unversch\u00e4mt war zu erkl\u00e4ren, dass sein Land unabh\u00e4ngig und souver\u00e4n ist und daher mit jedem Handel treiben k\u00f6nne, mit dem es Lust hatte.<\/p>\n<p>Die glorreiche Invasion und Befreiung US-amerikanischer Studenten, die sich nicht von einer nicht existierenden Tyrannei befreien lassen wollten, fand 1983 statt, und selbst die B\u00fcrokraten, die ihren Schreibtisch in Washington nie verlie\u00dfen, erhielten Medaillen f\u00fcr Tapferkeit im Krieg.<\/p>\n<p>Die Strategie stammt aus dem fr\u00fchen 19. Jahrhundert, als Washington Kanada annektieren wollte und damit endete, dass der Amts- und offizielle Regierungssitz des Pr\u00e4sidenten der Vereinigten Staaten in Flammen aufging (danach wurde er wei\u00df gestrichen, um die Schande des Brandes zu verbergen), so dass er beschloss, nach Westen und S\u00fcden zu expandieren, in Gebiete von &#8222;minderwertigen und unbewaffneten Rassen&#8220;.<\/p>\n<p>Am Ende desselben Jahrhunderts, nachdem er &#8222;eine Explosion&#8220; in Kuba voraussagte und ein Jahr vor der Erfindung des Mythos vom Untergang der\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/USS_Maine_(ACR-1)\">USS Maine<\/a>\u00a0im Jahr 1897, schrieb der gerade zum stellvertretenden Marineminister von Pr\u00e4sident Willian McKinley ernannte und zuk\u00fcnftige Pr\u00e4sident Theodore Roosevelt an einen Freund: &#8222;Ich bin f\u00fcr fast jeden Krieg, und ich denke, dieses Land braucht einen&#8220;.<\/p>\n<p>Es gibt nichts Besseres, als neunzig Meilen entfernt von einem auseinanderbrechenden Imperium wie Spanien angegriffen zu werden, mit Holzschiffen bewaffnet, um sich gegen Metallschiffe und modernste Technologie zu verteidigen.<\/p>\n<p>In seinem dritten Film, 1988, wird Rambo (Sylvester Stallone) Seite an Seite mit diesen tapferen &#8222;freedom fighters&#8220; (Freiheitsk\u00e4mpfern) des exotischen Afghanistan k\u00e4mpfen. Dieselbe Katharsis der Frustration von Vietnam, dieselbe Geschichte der milit\u00e4rischen Supermacht, die im Alleingang nur kleine tropische Inseln wie Grenada besiegen konnte und zu allem \u00dcberfluss 1961 von einer dieser Inseln, n\u00e4mlich Kuba, ohne Hilfe besiegt wurde.<\/p>\n<p>Wie so viele andere &#8222;Rebellen&#8220;-Gruppen sind auch die Taliban eine Sch\u00f6pfung der CIA, wenn auch keine origin\u00e4re. In den 1970er und 1980er Jahren versuchte Washington, die sozialistische Regierung des Schriftstellers Nur Muhammad Taraki zu st\u00fcrzen. Die s\u00e4kulare Demokratische Republik Afghanistan, die von einer kleinen Gruppe linker Intellektueller gef\u00fchrt wurde, \u00fcberlebte nur knapp von 1978 bis 1992, als sie von den Taliban zerst\u00f6rt wurde.<\/p>\n<p>Wie die New York Times selbst in einem vergessenen Nachruf berichtet, hatte Osama bin Laden eingestanden: &#8222;Dort [in Tora Bora] habe ich Freiwillige empfangen, die aus dem saudischen K\u00f6nigreich und aus allen arabischen und muslimischen L\u00e4ndern kamen. Ich richtete mein erstes Lager ein, in dem diese Freiwilligen von pakistanischen und US-amerikanischen Offizieren ausgebildet wurden. Die Waffen wurden von den Amerikanern geliefert, das Geld von den Saudis&#8220;.<\/p>\n<p>Das\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tora_Bora\">Tora Bora<\/a>-Gebiet, in dem sich Qaida-Mitglieder versteckten, war mit Hilfe der CIA als St\u00fctzpunkt f\u00fcr die Afghanen eingerichtet worden, die gegen die Sowjets und die damalige Regierung k\u00e4mpften. Obwohl die Mudjahedin und die Taliban nicht ein und dieselbe Gruppe waren, war der Gr\u00fcnder der Taliban, Mohammed Omar, ein Mudjahedin wie Osama Bin Laden und viele andere.<\/p>\n<p>Ein Jahr bevor er die Mudjahedin im Wei\u00dfen Haus empfing, hatte Pr\u00e4sident Ronald Reagan pers\u00f6nlich einen seiner &#8222;Diktatorenfreunde&#8220;, den v\u00f6lkermordenden Guatemalteken\u00a0<a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2018\/04\/198235\/ex-diktator-rios-montt-gestorben\">Efra\u00edn R\u00edos Montt<\/a>, besucht und ihn als ein Beispiel f\u00fcr die Demokratie in der Region anerkannt. Das Gleiche taten m\u00e4chtige Pastoren, Fanatiker wie Pat Robertson vom\u00a0<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/The_700_Club\">The 700 Club<\/a>.<\/p>\n<p>Zu den Heldentaten des Diktators R\u00edos Montt geh\u00f6rte das Massaker an mehr als 15.000 Indigenen, die auf die schlechte Idee kamen, ihr Land zu verteidigen, das von ausl\u00e4ndischen Konzernen und der traditionellen kreolischen Oligarchie begehrt wurde.<\/p>\n<p>Kurz darauf stellte Pr\u00e4sident Reagan, der heute von Republikanern und Demokraten f\u00fcr etwas, das er nicht getan hat (die endg\u00fcltige Zerschlagung der Sowjetunion), zum Mythos erhoben wird, die Contras in Mittelamerika (Soldaten der gest\u00fcrzten Somoza-Diktatur in Nicaragua) ebenfalls als &#8222;Freiheitsk\u00e4mpfer&#8220; dar.<\/p>\n<p>Als der US-Kongress weitere Millionen Dollar f\u00fcr die terroristischen Contras untersagte, wird die Reagan-Regierung heimlich \u00fcber Israel Waffen an den Iran verkaufen; das gewaschene Geld wird in einer Schweizer Bank deponiert und dann an die Contras in Honduras \u00fcberwiesen werden.<\/p>\n<p>Wie die Mudjahedin wurden auch die Contras von der CIA ausgebildet und finanziert und werden bald darauf zu den Maras, die Mittelamerika und in einigen F\u00e4llen auch die USA selbst heimsuchen.<\/p>\n<p>Wenn die Ausbilder in ihr Heimatland, die USA, zur\u00fcckkehren, werden sie &#8222;die Grenze&#8220; vor den armen Eindringlingen sch\u00fctzen, die auf der Suche nach Arbeit kommen. Aus reiner Nostalgie werden viele dieser armen Menschen eingemeindet, als w\u00e4ren sie in ihrem eigenen Land Revolution\u00e4re.<\/p>\n<p>Als die Taliban im August 2021 in kaum einer Woche Dutzende St\u00e4dte und schlie\u00dflich Kabul einnehmen, sprie\u00dfen in den USA die Presseanalysen nur so und versuchen, das Unerkl\u00e4rliche zu erkl\u00e4ren, nach 20 Jahren Krieg, Besatzung, Hunderttausenden von Toten und Hunderten von Milliarden Dollar. Alle, oder fast alle, zeigen ihre analytische Radikalit\u00e4t und beginnen oder enden mit der Warnung: Beginnen wir mit dem &#8222;very beginning&#8220; (dem Anfang vom Anfang) dieser Geschichte, den Terroranschl\u00e4gen vom 11. September 2021.<\/p>\n<p>Wie Ronald Reagan selbst am 24. M\u00e4rz 1983 in der Library of Congress anl\u00e4sslich der Eroberung des Wilden Westens sagte: &#8222;Die Amerikaner glaubten vom Westen nicht, was wahr war, sondern was f\u00fcr sie wahr sein sollte&#8220;.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gab es auch US-Amerikaner, die bereit waren, den Fanatikern die Wahrheiten zu sagen, die sind, nicht die, die sein sollten. Nat\u00fcrlich waren nur sehr wenige f\u00fcr einen solchen Gefallen dankbar. Ganz im Gegenteil.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alainet.org\/es\/articulo\/213523\">https:\/\/www.alainet.org\/es\/articulo\/213523<\/a><\/p>\n<p><strong>Der Weg von Afghanistan nach Haiti f\u00fchrt \u00fcber die USA<\/strong><\/p>\n<p><em>Pedro Brieger. <\/em>Die Entfernung zwischen Afghanistan und Haiti l\u00e4sst vermuten, dass die beiden L\u00e4nder nichts gemeinsam haben. Ihre Geschichte, Kulturen, Sprachen, ethnische Herkunft und Geografie sind nicht zu vergleichen, und es ist schwierig, etwas zu finden, was die beiden L\u00e4nder verbindet. Doch es gibt etwas und es ist sehr m\u00e4chtig: die USA.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die weltweit f\u00fchrende Macht ihre Truppen nach fast 20 Jahren Besatzung aus Afghanistan abzieht, treffen in Haiti wieder US-Soldaten ein.<\/p>\n<p>Jetzt sagen sie, dass sie humanit\u00e4re Hilfe wegen des Erdbebens vom 14. August bringen und m\u00f6glicherweise ist das so. Allerdings reiht sich die Pr\u00e4senz im Jahr 2021 in eine lange Liste von US-Interventionen in dem kleinen Land ein, das sich die Insel Hispaniola mit der Dominikanischen Republik teilt.<\/p>\n<p>Vor mehr als hundert Jahren, im Jahr 1915, landeten die US-Marineinfanteristen nach dem Mord an Pr\u00e4sident Jean Vilbrun Guillaume Sam, um die Interessen der USA zu sch\u00fctzen, und sie blieben &#8211; wie in Afghanistan &#8211; fast zwanzig Jahre lang.<\/p>\n<p>In dieser Epoche gab es Al-Qaida nicht, auch war nicht die Rede von &#8222;islamischen Terrorismus&#8220; und die Sowjetunion war noch nicht einmal geboren. Aber es war bereits die Rede davon zu intervenieren, &#8222;um die nordamerikanischen Interessen zu sch\u00fctzen&#8220;, diese ebenso vage wie weit gefasste Formulierung, mit der die USA zahllose Invasionen rechtfertigen, sowohl in Haiti &#8211; zu verschiedenen Zeiten seiner Geschichte &#8211; wie auch in anderen Teilen der Welt.<\/p>\n<p>Gegenw\u00e4rtig haben Afghanistan und Haiti, zwei der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt, Priorit\u00e4t in der Au\u00dfenpolitik der USA, wie Dokumente des US-Kongresses enth\u00fcllen, der die &#8222;Sondergeneralinspektion f\u00fcr den Wiederaufbau Afghanistans&#8220; (Special Inspector General for Afghanistan Reconstruction,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.sigar.mil\/\">Sigar<\/a>) schuf, ein Gremium, das sich ausdr\u00fccklich der Analyse des &#8222;Wiederaufbaus von Afghanistan&#8220; widmet.<\/p>\n<p>Im\u00a0<a href=\"https:\/\/www.sigar.mil\/pdf\/lessonslearned\/SIGAR-21-46-LL.pdf\">Sigar-Bericht<\/a>\u00a0von August dieses Jahres mit dem Titel &#8222;Was wir lernen m\u00fcssen: Lehren aus 20 Jahren Wiederaufbau Afghanistans&#8220; wird auf die Notwendigkeit hingewiesen, die afghanischen Erfahrungen f\u00fcr andere Wiederaufbaumissionen in den Bereichen &#8222;Institutionen, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Sicherheitskr\u00e4fte&#8220; in mehreren L\u00e4ndern, darunter Haiti und Panama, zu nutzen.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu Afghanistan, in das die USA 2001 einmarschiert sind, haben sie in Haiti seit dieser fr\u00fchen Besetzung zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts bereits Millionen Dollar in zahlreiche &#8222;Hilfsprojekte&#8220; investiert, um die Institutionen &#8222;wieder auf die Beine zu stellen&#8220;.<\/p>\n<p>Unter den &#8222;Hilfen&#8220; war die Unterst\u00fctzung der brutalen Diktatur der Duvalier-Familie, die von 1956 bis 1986 regierte, sowie Millionen Dollar f\u00fcr den &#8222;Wiederaufbau&#8220; nach dem schrecklichen Erdbeben von 2010, ohne dass Ergebnisse in Sicht w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Haiti bleibt weiterhin das \u00e4rmste Land Amerikas, trotz aller &#8222;Hilfe&#8220; aus den USA. Abgesehen davon, dass Demokraten und Republikaner sich das Recht anma\u00dfen, L\u00e4nder &#8222;wiederaufzubauen&#8220;, ohne ein Mandat der Vereinten Nationen erhalten zu haben, stimmt noch etwas an diesen &#8222;Wiederaufbauten&#8220; nicht, die nicht der lokalen Bev\u00f6lkerung zugute kommen. Afghanistan und Haiti k\u00f6nnen dies bezeugen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nodal.am\/2021\/08\/la-columna-de-pedro-brieger-la-ruta-de-afganistan-a-haiti-pasa-por-estados-unidos\/\">https:\/\/www.nodal.am\/2021\/08\/la-columna-de-pedro-brieger-la-ruta-de-afganistan-a-haiti-pasa-por-estados-unidos\/<\/a><\/p>\n<p><em>#Bild: Pr\u00e4sident Reagan mit Vertretern der afghanischen Mudjahedin am 2. Februar 1983 im Wei\u00dfen Haus<\/em><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/253667\/kabul-game-over\">amerika21.de&#8230;<\/a> vom 31. August 2021<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber das Ende der US-Hegemonie, die &#8222;Freedom Fighters&#8220; Taliban und Contras und warum der Weg von Afghanistan nach Haiti \u00fcber die USA f\u00fchrt. 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