{"id":10110,"date":"2021-09-19T13:16:13","date_gmt":"2021-09-19T11:16:13","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10110"},"modified":"2021-09-19T13:16:14","modified_gmt":"2021-09-19T11:16:14","slug":"25-000-demonstrieren-gegen-muenchner-automobilmesse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10110","title":{"rendered":"25.000 demonstrieren gegen M\u00fcnchner Automobilmesse"},"content":{"rendered":"<p><em>Veronika Schulz. <\/em>Bedenkt man, dass die VeranstalterInnen ausgerechnet wegen der vielf\u00e4ltigen Proteste und massiven St\u00f6raktionen rund um die IAA 2019 in Frankfurt einen Umzug nach M\u00fcnchen unternommen haben, haben die Aktionen der vergangenen Woche bewiesen, dass es f\u00fcr die AutoherstellerInnen und Konzernbosse kein Entkommen vor Widerstand gegen ihre Schau gibt.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Aktionen<\/strong><\/p>\n<p>Bereits am Dienstag gab es zum Auftakt der Messe Abseilaktionen von Br\u00fccken, die den Verkehr auf den Autobahnen um die Landeshauptstadt f\u00fcr mehrere Stunden lahmlegten.<\/p>\n<p>Im weiteren Verlauf der Woche fanden Solidarit\u00e4tsaktionen mit den Besch\u00e4ftigten bei Bosch statt, die von einer Werksschlie\u00dfung und Entlassungen bedroht sind. An dieser Stelle zeigt sich ein praktischer Ansatz zur Verbindung der K\u00e4mpfe von Klima- und ArbeiterInnenbewegung, ist es doch im Interesse von allen Lohnabh\u00e4ngigen, die notwendige Konversion und\/oder Transformation der bisherigen Produktion gemeinsam zu bewerkstelligen, ohne die Themen gegeneinander auszuspielen.<\/p>\n<p>Eine Besetzung von zwei H\u00e4usern an der Karlstra\u00dfe wurde ebenso rigide wie gewaltsam von den Bullen beendet wie die Aktionen am Bosch-Werk; am Einsatz von Pfefferspray und Kn\u00fcppel wurde nicht gespart.<\/p>\n<p>Parallel zu den vielf\u00e4ltigen Aktionen gab es beim Mobilit\u00e4tswende-Camp auf der Theresienwiese sowie beim Kontra-IAA-Kongress die M\u00f6glichkeit zu inhaltlichen Diskussionen und Austausch.<\/p>\n<p><strong>Demonstration<\/strong><\/p>\n<p>Die B\u00fcndelung der Proteste und damit den H\u00f6hepunkt bildeten die Demonstrationen am Samstag. Politische Organisationen und Parteien hatten ebenso aufgerufen wie Umweltverb\u00e4nde, AktivistInnen aus der Klimabewegung und GewerkschafterInnen. Aus dem postautonomen Spektrum waren Kr\u00e4ften wie Ende Gel\u00e4nde, Extinction Rebellion oder Sand im Getriebe ma\u00dfgeblich beteiligt. Zur Gro\u00dfdemonstration mit 5.000 TeilnehmerInnen kamen sogar noch an die 25.000 RadlerInnen, die sich in einer Sternfahrt aus mehr als 15 St\u00e4dten im Umland M\u00fcnchens teils bereits in den fr\u00fchen Morgenstunden auf den Weg gemacht hatten. Bei allen Unterschieden und Vielfalt in den Protestformen herrschte Einigkeit \u00fcber die notwendige und \u00fcberf\u00e4llige Abkehr vom Individualverkehr \u2013 egal ob mit Elektro- oder Verbrennungsmotor \u2013 sowie die Forderung nach einem massiven Ausbau des \u00d6PNV und Schienenverkehrs.<\/p>\n<p>Die nach wie vor hohe Beteiligung von verschiedensten politischen Spektren und Zusammenschl\u00fcssen, ebenso wie von vielen Einzelpersonen insbesondere bei der Radldemo, zeigt die Dynamik und den Durchhaltewillen der Klimabewegung.<\/p>\n<p>Wie es auch einer Verbindung der K\u00e4mpfe von Klima- und ArbeiterInnenbewegung bedarf, so m\u00fcssen auch die Aktionen der verschiedenen politischen Spektren k\u00fcnftig besser vernetzt und abgestimmt werden, um eine h\u00f6here Durchschlagskraft einerseits zu erzielen, andererseits H\u00fcrden und Vorurteile gegen\u00fcber den jeweils anderen abzubauen. Umweltverb\u00e4nde, Klimabewegung und Gewerkschaften m\u00fcssen gemeinsam f\u00fcr eine \u00dcberwindung des bisherigen Systems eintreten und Spaltungsversuchen von au\u00dfen konsequent begegnen.<\/p>\n<p><strong>Berichterstattung<\/strong><\/p>\n<p>In der Berichterstattung der gro\u00dfen Medien ging es vorrangig um die Proteste der Klima- und Umweltbewegung gegen die Messe. Eine Hofberichterstattung wie noch vor wenigen Jahren mit verkl\u00e4rten Lobeshymnen auf \u201eInnovationsf\u00e4higkeit\u201c und \u201eTechnologiefortschritt\u201c der Automobilindustrie suchte man vergebens. Auch in dieser Hinsicht ist die Rechnung von Branche und VeranstalterInnen nicht aufgegangen. Es gelang ihnen ebenfalls nicht, durch Aufnahme von Fahrr\u00e4dern und E-Scootern ins Ausstellungsportfolio \u201eErg\u00e4nzungen\u201c zum weiterhin dominanten Automobil, wenn auch mit Elektroantrieb, zu pr\u00e4sentieren. Derart plumpe PR nehmen selbst die wohlwollendsten ReporterInnen als das wahr, was sie ist: ein gr\u00fcnes Feigenblatt inmitten weiterhin selbstherrlicher Arroganz und \u00dcberheblichkeit, h\u00e4ngen doch \u201eArbeitspl\u00e4tze\u201c, \u201eWohlstand\u201c und \u00fcberhaupt \u201edie deutsche Wirtschaft\u201c als Ganzes am Tropf der Autolobby und ihrer Zulieferbetriebe.<\/p>\n<p><strong>Polizei und Landesregierung<\/strong><\/p>\n<p>So wenig sich mittlerweile selbst PressevertreterInnen der Mainstreammedien von oberfl\u00e4chlich \u201egr\u00fcnen\u201c Neuheiten der Autoindustrie blenden lassen, so eng verwoben bleiben Politik und Wirtschaft. Bezeichnend ist einmal mehr nicht nur die Quantit\u00e4t, sondern auch Qualit\u00e4t an Repression. Das Vorgehen der bayerischen Polizei, unterst\u00fctzt durch USK und BFE-Einheiten aus verschiedenen anderen Bundesl\u00e4ndern, war vom bayerischen Innenminister Herrmann (CSU) nicht nur legitimiert, sondern geradezu erw\u00fcnscht und erwartet. Den \u201egr\u00f6\u00dften Polizeieinsatz seit 20 Jahren\u201c hatte Herrmann angek\u00fcndigt, um die 5.000 PolizistInnen standen bereit. Auch wenn derartige Parolen mittlerweile zur Folklore im Vorfeld politischer Gro\u00dfereignisse wie G20-Gipfeln z\u00e4hlen, muten sie vor einer Messe wie der IAA in ihrer Law-and-Order-Rhetorik doch eher wahltaktisch an.<\/p>\n<p>So entbl\u00f6deten die Bullen sich nicht, Spr\u00fchkreide und Transparente zum Anlass f\u00fcr weitere Kontrollen und Schikane zu nehmen und AktivistInnen an der Aus\u00fcbung ihres Demonstrationsrechts zu hindern. Auch die Regelungen des\u00a0<a href=\"https:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2018\/05\/02\/bayrisches-polizeiaufgabengesetz-gefahr-fuer-uns-alle\/\">neuen bayerischen Polizeiaufgabengesetzes<\/a>\u00a0kamen zur Anwendung.<\/p>\n<p>Den GenossInnen, die sich von den Autobahnbr\u00fccken abseilten, droht neben diversen Strafanzeigen auch eine Abw\u00e4lzung der Einsatzkosten zu ihren Lasten, au\u00dferdem wurden sie f\u00fcr die gesamte Dauer der IAA in Pr\u00e4ventivhaft genommen. Anfang dieser Woche wurde der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/muenchen-iaa-praeventivhaft-aktivisten-1.5409141\">\u201eSicherheitsgewahrsam\u201c von verschiedenen Gerichten als rechtswidrig<\/a>\u00a0eingestuft.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnen im Bayerischen Landtag fordern eine Aufarbeitung der Polizeieins\u00e4tze, insbesondere das Eingreifen w\u00e4hrend der Demonstration, was allerdings ebenfalls nicht ehrlicher Solidarit\u00e4t, sondern eigenem politischen Kalk\u00fcl geschuldet sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>S\u00e4mtliche Proteste, die b\u00fcrgerliches Eigentum in Frage stellen oder die Art und Weise, wie wir produzieren, wie wir wohnen, womit spekuliert wird, werden nicht nur unterbunden, sondern kriminalisiert. Dabei geht die eigentlich Gefahr nicht von den konkreten Aktionen und BesetzerInnen aus, sondern liegt im Aufzeigen von Alternativen zur kapitalistischen Verwertungslogik und damit bei dem Widerstand gegen die herrschende Ideologie.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2021\/09\/15\/25-000-demonstrieren-gegen-muenchner-automobilmesse\/\"><em>arbeiterinnenmacht.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 19. September 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Veronika Schulz. 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