{"id":10137,"date":"2021-10-04T16:31:40","date_gmt":"2021-10-04T14:31:40","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10137"},"modified":"2021-10-04T16:31:41","modified_gmt":"2021-10-04T14:31:41","slug":"und-die-welt-werde-google-googles-digitaler-angriff-und-die-folgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10137","title":{"rendered":"Und die Welt werde Google \u2014 Googles digitaler Angriff und die Folgen"},"content":{"rendered":"<p><em>SchwarzerPfeil. <\/em>Das Leben wird smart und clean. Alles Wissen und jede Kommunikation steht mir zu jeder Zeit zur Verf\u00fcgung. Alles wird praktisch und effizient, einfach spielerisch und immer positiv, alles wird google. Alle k\u00f6nnen mitmachen, es kostet nix und alles ist freiwillig. Ich kann jederzeit selbst entscheiden und die ganze Welt steht mir offen \u2013 ich habe doch nichts zu verbergen.<!--more--><\/p>\n<p>So scheint es. Das ist das Produkt, die Maschine.<\/p>\n<p>Doch wer \u00fcber das Smartphone hinweg schaut, sich dem WARUM und dem WIE stellt, dem werden sich unangenehme Fragen und Antworten aufwerfen, die zu Konsequenzen dr\u00e4ngen. Google ist nur eine Firma von vielen, nur ein Teil der neuen Herrschaftsstrukturen, aber ein entscheidender. Die Technologien sind machtvolle Mittel und Werkzeuge, die zur Restrukturierung von Kapitalismus und Herrschaft eingesetzt werden. Aus Anlass des Kampfes gegen den Google-Campus in Berlin-Kreuzberg soll dieser Megakonzern hier beispielhaft betrachtet werden. Doch keine Analyse bringt etwas, wenn es keine Folgen f\u00fcr das eigene Handeln gibt\u2026<\/p>\n<p><strong>Was macht Google eigentlich?<\/strong><\/p>\n<p>Das Firmengeflecht des zweitgr\u00f6\u00dften Unternehmens der Welt ist riesig und schwer zu durchschauen, denn st\u00e4ndig werden weitere neue Firmen gegr\u00fcndet oder Start-Ups aufgekauft. Es \u00e4hnelt eher einem ver\u00e4steltem Netz, aber mit klarer hierarchischer F\u00fchrung. Es steht also nicht \u00fcberall Google drauf, wo Google drin ist.<\/p>\n<p>Eigentlich hei\u00dft der Mutterkonzern Alphabet. Google ist nun neben vielen anderen eine Tochterfirma von Alphabet (Wenn hier aber von Google gesprochen wird, ist auch Alphabet gemeint). Larry Page und Sergey Brin sind die Gr\u00fcnder und absoluten Herrscher dieses Imperiums. Nebenbei: Von Larry Page\u2018s Kindern gibt es keine Fotos im Netz, sein Haus ist nach au\u00dfen hermetisch abgeriegelt.<\/p>\n<p>2017 machte der zweit-wertvollste Konzern der Welt etwa 110 Milliarden Dollar Umsatz, \u00fcber 12 Milliarden Dollar Gewinn und \u00fcber 10 Milliarden Dollar wurden 2014 in Entwicklung und Forschung investiert. Etwa 95% der Erl\u00f6se kamen 2014 aus dem Werbegesch\u00e4ft.<\/p>\n<p>So verzweigt das Firmengeflecht ist, so vielf\u00e4ltig sind die Bereiche, in denen produziert und entwickelt wird. Ich kann hier nur Beispiele nennen, um das Ausma\u00df aufzuzeigen und so ein kleines Bild des Megakonzerns zu zeichnen. Die verschiedenen Bereiche greifen auch oftmals ineinander, erg\u00e4nzen sich oder sind vermutlich auch Teil einer gesamten Strategie. Insgesamt kann gesagt werden, dass es sich um riesige Firmen, wie Google Search, aber auch um kleinere Start-Ups handelt. Ihnen gemein ist die Idee der \u201eMoonshots\u201c, der alles bahnbrechenden Erfindung, wof\u00fcr totale Effizienz, absolute Kreativit\u00e4t, Skrupellosigkeit und Schnelligkeit vonn\u00f6ten sind. Immer mindestens zehnmal h\u00f6her, immer schneller, immer besser als davor, koste es, was es wolle.<\/p>\n<p><strong>\/\/\/ Internet &amp; Software<\/strong><\/p>\n<p>Google betreibt unz\u00e4hlige Webseiten. Dabei sind sie weltgr\u00f6\u00dfter Anbieter bei Suchmaschinen (Google Search), Videoplattformen (YouTube), Email-Anbietern (Gmail), Standortbestimmungen (Google Maps), Bewegungsverfolgungen im Netz (Google Analytics)\u2026 Dieses Ausma\u00df ist enorm, die Datenflut auf den Google-Servern gigantisch. Google sieht, wer, wann, was googelt und anschaut, Google scannt alle Inhalte aller Mails bei Gmail, sie verfolgen deine Bewegungen und Aufenthalte durch deine Suche bei Maps. Aber auch Bewegungen im Internet werden mit Analytics verfolgt und aufgezeichnet. All diese pers\u00f6nlichen Informationen k\u00f6nnen kombiniert werden. Sie stellen die Grundlage der Haupteinnahmequelle dar: (immer mehr personalisierte) Werbung, die Bed\u00fcrfnisse wecken und lenken soll.<\/p>\n<p>Google vertreibt auch Betriebssysteme und Programme. Dazu geh\u00f6rt beispielsweise Android, das meistgenutzte Betriebssystem f\u00fcr Smartphones. Android wird weiter ausgebaut als Betriebssystem f\u00fcr autonom fahrende Autos, smarte Ger\u00e4te und so weiter\u2026 Es ist \u201ekostenlos\u201c, alle k\u00f6nnen daran weiterentwickeln. Denn Google wei\u00df ganz genau: Am wertvollsten ist die Marktdominanz und damit das Monopol auf die Datenausbeute \u2013 das neue Geld. Wir bezahlen mit dem was wir machen, wer wir sind, statt mit Geld. Auch der weltweit meist genutzte Browser Chrome ist von Google entwickelt und sendet eifrig Informationen an den Monopolisten. Die teilweise von Google empfohlenen Artikel der Startseite des Standard-Browsers auf den meisten Smartphones haben mittlerweile fast so viele Klicks wie Twitter. Weiterhin betreibt Google die Online-Fotoverwaltung Google Foto (mit automatischer Gesichtserkennung per k\u00fcnstlicher Intelligenz), Google Earth und diverse weitere Apps. Auch hier wird wieder klar, wie sich Google in den Alltag von wahrscheinlich den meisten Menschen einnistet.<\/p>\n<p><strong>\/\/\/ Marketing<\/strong><\/p>\n<p>Dies ist der Bereich, der den Gro\u00dfteil der momentanen Einnahmen bringt. Zahlreiche Marketing- und Werbefirmen verwenden die pers\u00f6nlichen Daten f\u00fcr gezielte und damit \u201ewertvolle\u201c Werbung.<\/p>\n<p>Gro\u00dfe und kleine Summen werden an verschiedenste Projekte gespendet, auch wenn sie auf den ersten Blick nichts mit Google zu tun haben. Au\u00dfer der klassischen Lobbyarbeit bei Politik und Institutionen geh\u00f6ren dazu Geldspenden an diverse Start-Ups (Bedingungen sind kaum herauszufinden), sowie Projekte die den \u201etechnologischen Fortschritt\u201c voranbringen, wie die transhumanistische Singularity University oder das Alexander von Humboldt Institut f\u00fcr Internet und Gesellschaft in Berlin. Au\u00dferdem zum Beispiel auch an Zeitungen, wie die TAZ \u2013 die Tageszeitung zur Modernisierung ihrer Internetpr\u00e4senz. Auch wenn angeblich nicht immer unbedingt eine direkte Gegenleistung erwartet wird \u2013 wer Lobbygelder kassiert, begibt sich immer in eine wohlwollende Abh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n<p><strong>\/\/\/ Infrastruktur<\/strong><\/p>\n<p>Auch in Infrastruktur wird investiert. So baut und vermarktet Googles Firma Fiber (bisher nur in den USA) Glasfasernetze und Anschl\u00fcsse. Die Firma Loon entwickelt Internet-Ballons, die irgendwann einmal \u00fcber weite Teile der Erde schweben (Afrika wird als erster Markt genannt) und alle mit Internet versorgen sollen \u2013 gefiltert durch Google nat\u00fcrlich. Das Unternehmen Lunar forscht an der menschlichen Besiedelung des Mondes.<\/p>\n<p><strong>\/\/\/ Smart Live<\/strong><\/p>\n<p>Googles Firma Nest baut smarte Heizungsregler und Brandmelder, die beispielsweise registrieren, wenn sich jemand im Raum aufh\u00e4lt, nat\u00fcrlich verbunden mit den Google-Servern. Zahlreiche Start-Ups vertreiben beispielsweise \u00dcberwachungskameras, die ebenfalls in die Google-Cloud senden. Besonders zu erw\u00e4hnen ist noch Sidewalk Labs, ein Unternehmen f\u00fcr allumfassende smarte Stadtentwicklung. In Toronto plant Sidewalk Labs die Umgestaltung eines 325 Hektar gro\u00dfen Viertels in eine Smart City. Sidewalk Labs hat daf\u00fcr von der Regierung technologische aber auch stadtplanerische Aufgaben \u00fcbertragen bekommen. Ehemals staatliche Aufgaben werden von Google \u00fcbernommen, eine m\u00f6glichst weitgehende Automatisierung soll das Leben \u201eerleichtern\u201c. Alles wird zum digitalen Informationsnetz. Smarte immer \u00fcberwachbare, nachvollziehbare und somit meist kontrollierbare Gegenst\u00e4nde und Abl\u00e4ufe sollen in diesem Pilotprojekt ein Vorbild f\u00fcr St\u00e4dte auf der ganzen Welt werden. Wo und wie die riesigen Datenmengen gespeichert werden und was damit passieren soll, ist unklar. Das dadurch aber neue ungeahnte Machtkonzentrationen bei Firmen entstehen, sollte klar sein.<\/p>\n<p>Auch Google Fit soll smart den Alltag erleichtern. Fitnessarmband und st\u00e4ndiges Senden an die Google-Server soll die Selbstoptimierung steigern und pers\u00f6nlichste Daten zur Vermarktung bereitstellen.<\/p>\n<p><strong>\/\/\/ Hardware<\/strong><\/p>\n<p>Auch f\u00fcr die physische Verwertbarkeit ist gesorgt. Um die Datenquellen weiter zu verbreiten und die direkte Kontrolle zu behalten, entwickelt Google auch Hardware. So zum Beispiel das Google Phone mit Android-Betriebssystem und k\u00fcnstlicher Intelligenz. Oder Google Assistant, ein kleiner Lautsprecher der die Kommunikation der Zukunft verk\u00f6rpern soll: Kommunikation per Sprachsteuerung. Serien starten auf dem Fernseher, die Jalousien runterlassen, telefonieren, Musik h\u00f6ren, Mails schreiben, googeln\u2026 alles per Sprache mit diesem kleinen Ger\u00e4t. Aber auch hier werden alle Daten bei Google zusammengef\u00fchrt, gespeichert und bestimmt auch ausgewertet. Die freiwillige Wanze, der Big Brother im Schlafzimmer und alle freuen sich, weil es doch so praktisch ist. Selbst \u00fcber die Wiedereinf\u00fchrung der Google Glass dieses Jahr wird spekuliert. Dies ist eine Brille, die die Gegend in Echtzeit abscannt und abh\u00f6rt, die Benutzer*in bekommt Informationen von Google auf die Gl\u00e4ser eingeblendet. So entsteht ein Googlefilter, der sich vor die Welt legt und eine ernsthafte Schnittstelle Mensch-Maschine kreiert. Au\u00dferdem wei\u00df niemand in der Umgebung, ob gerade alles aufgenommen, hochgeladen und gespeichert wird, automatische Gesichtserkennung ist bei Google mittlerweile Standard. Die totale \u00dcberwachung, ganz praktisch und freiwillig. Die erste Version nahm Google vor ein paar Jahren vom Markt, weil die Kund*innen daf\u00fcr noch nicht bereit w\u00e4ren. Es Kneipen gab, die den \u201eGlassholes\u201c den Eintritt verwehrten und auch manchen die Brille von der Nase geschlagen wurde. Die neue Generation wird nun gemeinsam mit einem Brillenhersteller entwickelt. Ein interessanter Angriffspunkt, der alle etwas angeht. F\u00fcr die Zukunft arbeitet Google jedoch an der Entwicklung von smarten Kontaktlinsen, was wahrscheinlich kaum noch jemand von au\u00dfen erkennen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Auch an der Entwicklung des Quantencomputers ist Google beteiligt. Angeblich hat er auch schon f\u00fcr den Bruchteil einer Sekunde funktioniert. Sollten sie es schaffen diese Art der Superrechner zum Laufen zu bringen, k\u00f6nnte dies ein Quantensprung in der Informatik und damit auch der Biotechnologie, der Robotik etc. bedeuten. Vor allem k\u00fcnstliche Intelligenzen w\u00fcrden damit einen riesigen Sprung nach vorne machen, behaupten die Technolog*innen. Auch wird vermutet, dass ein Quantencomputer heute verschl\u00fcsselte und meist abgefangene E-Mails schnell entschl\u00fcsseln kann.<\/p>\n<p><strong>\/\/\/ Robotik<\/strong><\/p>\n<p>Google besitzt mehrere Robotik-Firmen, die in verschiedenste Bereiche hineinreichen. So werden beispielsweise Nanobots entwickelt, die in Zukunft in die Blutbahn gespritzt und dort Krankheiten heilen sollen. Aber auch an m\u00f6glichst menschen\u00e4hnlichen Robotern wird geforscht, genauso wie Maschinen, die sich m\u00f6glichst gut in jedem Gel\u00e4nde bewegen k\u00f6nnen. Hier zeigt sich auch offen die Kooperation in Beratung und Entwicklung mit dem Milit\u00e4r, das in Zukunft vermehrt auf Roboter setzen will, auf dem Feld, aber auch im Nanobereich.<\/p>\n<p><strong>\/\/\/ Biotechnologie<\/strong><\/p>\n<p>Dies ist ein Bereich, den Google exzessiv ausbaut, der Markt der Gesundheit ist riesig. Nahezu alle gro\u00dfen neuen Player wie Amazon, Facebook oder eben Google investieren enorme Summen in diese Sparte. Die Medizin soll individualisiert werden und neue Methoden sollen durch das Zusammenspiel von Biologie, Genetik, Robotik und Informatik entstehen.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr wird Grundlagenforschung betrieben zur Entwicklung neuer Pharma-Produkte, f\u00fcr personalisierte Genommedizin und auch zur allgemeinen Verl\u00e4ngerung des Lebens. Was erst einmal nicht schlecht klingt, wird jedoch tiefgreifende Folgen haben. Eingriffe in die Genetik k\u00f6nnen unumkehrbar in die Natur eingreifen \u2013 was passiert wei\u00df niemand so richtig. Das Start-Up 23andme beispielsweise, das von Google finanziert und dann aufgekauft wurde, arbeitet am Kind auf Bestellung. Sie haben eine Technik patentiert, um bei einem im Labor gezeugten Baby beispielsweise Augenfarbe, Krankheitsrisiken, K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe oder Muskelst\u00e4rke zu selektieren. Auch heute schon ist die Lebenswertung sehr unterschiedlich, je nachdem, wo du aufw\u00e4chst, wie hoch der \u201etechnische Lebensstandard\u201c ist. Das sagt zwar nichts dar\u00fcber aus, ob die Menschen gl\u00fccklich sind, zeigt aber, dass genetisch selektierte oder beeinflusste Menschen zumindest vorerst Privileg der Reichen und Gesunden werden k\u00f6nnen. Die Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse w\u00fcrden noch extremer, die Kluft und Unterschiede bei der k\u00f6rperlichen Gesundheit noch sichtbarer und hierarchisierender.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich tr\u00e4umt Sergery Brin, Chef von Google: \u00abWir wollen, dass Google zur dritten H\u00e4lfte unseres Gehirns wird.\u00bb Und die Welt werde Google, alles gefiltert durch und gekoppelt an einen Konzern. Bisher reine Zukunfts- und Allmachtsphantasie eines Multimilliard\u00e4rs. An dem Weg dorthin arbeitet Google aber schon heute. Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine sollen die dauerhafte Interaktion mit der virtuellen Welt erleichtern. Daf\u00fcr entwickelt Google Biostamps, Sensortabletten und Implantate. Schon vor ein paar Jahren konnte ein Querschnittsgel\u00e4hmter mit einem Kabel vom Gehirn zu einem Rechner einen Kreis auf einem Monitor zeichnen, das Steuern einer Drohne funktioniert schon mit einem Helm. Diese dauerhaften Verbindungen mit Technologien machen diese unentbehrlich, sie treiben die Abh\u00e4ngigkeit von Smartphone und virtuellen sozialen Netzwerken ins Extreme. Sie arbeiten an der Verschmelzung, die keine Trennung und Autonomie mehr zul\u00e4sst. Transhumanist*innen, die auch von Google teilweise mitfinanziert werden, tr\u00e4umen gar von neuen Spezies, die den ineffizienten Menschen irgendwann abl\u00f6sen sollen.<\/p>\n<p><strong>\/\/\/ K\u00fcnstliche Intelligenz<\/strong><\/p>\n<p>Schlie\u00dflich forscht Google umfassend an k\u00fcnstlichen Intelligenzen (KI). Google ist ein Schwergewicht in diesem Marktsegment. Dazu geh\u00f6ren automatische Gesichtserkennung (find my face), autonomes Fahren, Deepmind, eine Software die arbeitet wie neuronale Netze oder auch die Autocomplete-Funktion bei Google-Search. Hier gab es in den letzten Jahren enorme Fortschritte. Nach dem Sieg einer KI \u00fcber den GO-Weltmeister (ein Strategiespiel), oder der Komposition von Musikst\u00fccken, greifen mittlerweile sehr viele Anwendungen auf KIs zur\u00fcck. Das kleine Abh\u00f6rger\u00e4t Google Assistant beispielsweise reagiert auf Sprachbefehle und imitiert ein pers\u00f6nliches Helferlein oder eher pers\u00f6nliche(n) Assistent*in. Alle Anfragen gehen an die Google-Server, bei denen eine KI nach passenden Antworten sucht. So soll die KI einen mit der Zeit immer besser \u201ekennenlernen\u201c und so die Interaktion perfektionieren. Das perfekte Mittel, das Selbstdenken der Menschen abzuschalten, erlahmen zu lassen. Der KI als Herz der Automatisierung wird eine gro\u00dfe Zukunft vorausgesagt. Egal ob intelligente Stra\u00dfenlaternen, selbstfahrende Autos, digitale Partner*innensuche oder Erstellung von Inhalten \u2013 dort \u00fcberall steckt eine KI dahinter. Wikipedia- und Zeitungsartikel werden von ihnen geschrieben, Kamerabilder ausgewertet und Vorstellungsgespr\u00e4che durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Wie die KIs jeweils funktionieren, was ihre Entscheidungsgrundlagen sind, das wissen nur die dahinterstehenden Firmen, die die zugrundeliegenden Algorithmen kennen. Was Gegenstand zahlreicher Verfilmungen war, ist nun gar nicht mehr weit hergeholt: eine KI verselbstst\u00e4ndigt sich und richtet sich gegen den Menschen.<\/p>\n<p>Google ver\u00f6ffentlichte unl\u00e4ngst ein kleines Experiment, das auf erschreckende Weise zeigt, zu was KIs in der Lage sind. Im Versuchsfeld standen drei KIs. Zwei sollten verschl\u00fcsselt kommunizieren und die Methoden dazu selbst entwickeln. Die dritte KI bekam alle Nachrichten und sollte sie entschl\u00fcsseln. Die Verschl\u00fcsselungsmethoden wurden schnell besser, sie lernten schnell. Nach zwei Tagen kommunizierten die zwei KIs in einer verschl\u00fcsselten Sprache, die auch kein Mensch mehr verstehen konnte. Die menschlichen Sprachen sind aus Maschinensicht ineffizient, sie entwickelten also eigene. Inhalte blieben von da an f\u00fcr Au\u00dfenstehende verborgen. Dieser Test zeigt die Gef\u00e4hrlichkeit. Wenn man sich vorstellt, solche KIs h\u00e4tten Zugriff auf z.B. Infrastruktur und w\u00fcrden sich verselbstst\u00e4ndigen? Und sie waren auch noch stolz darauf, dass die KI sie \u00fcberlistet hatte\u2026<\/p>\n<p><strong>Ziele von Google<\/strong><\/p>\n<p>Nach eigenen Angaben will Google eine bessere Welt erschaffen. Gem\u00e4\u00df dem fr\u00fcheren Firmenmotto \u201eDon\u2018t be evil \u2013 Tue nichts B\u00f6ses\u201c, verspricht der Konzern alles Gute zu tun, was dem Menschen hilft. Mit der Technik Googles sollen Menschen bald 130 Jahre alt werden, Kinder vor der Geburt selektiert werden, Roboter m\u00f6glichst viele Aufgaben abnehmen und k\u00fcnstliche Intelligenzen unsere W\u00fcnsche errechnen, bevor wir sie selbst kennen. Doch was ist gut, was ist eine bessere Welt? Google-Gr\u00fcnder Larry Page war auf einer Montessori-Schule, findet den selbstst\u00e4ndigen Entdeckergeist angeblich super und sein B\u00fcro ist nicht gr\u00f6\u00dfer oder teurer ausgestattet als alle anderen. Die Villen stehen au\u00dferhalb der Firma. Er spricht von flachen Hierarchien im Betrieb, doch \u00fcber den Kreativen und Programmierenden thronen die Gr\u00fcnder und der Vorstand. Sie bestimmen letzten Endes immer, auch, dass in den unteren Etagen flache Hierarchien sein sollen \u2013 zur Kreativit\u00e4tsf\u00f6rderung. So sind auch die Produkte. Ob personalisierte Suchmaschine und Werbung oder eine K\u00fcnstliche Intelligenz in deinem Wohnzimmer: Sie sollen auf deine individuellen Bed\u00fcrfnisse eingehen, sind aber durch Google kontrolliert und gesteuert. Die Algorithmen sind geheim, die Datenabsch\u00f6pfung zentral bei Google. Diese paar Typen denken wirklich, sie w\u00fcssten was f\u00fcr uns alle gut ist. Und f\u00fcr ihren Geldbeutel. Wobei man ihnen wirklich abnehmen kann, dass sie vieles deshalb tun, um die Menschheit zu verbessern. In ihrem Sinne. Weltenlenker wollen sie sein und sie sind unglaublich m\u00e4chtig und einflussreich. Wer diesen Menschen, ihrer Technologiegl\u00e4ubigkeit und ihren Produkten traut, f\u00e4llt auf ein Spektakel herein, das bisher kein Diktator vorher besser gemacht hat.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr arbeitet Google interdisziplin\u00e4r. Um die technologische W\u00fcste auszudehnen, werden vor allem Robotik, Biotechnologie und Informatik zusammengef\u00fchrt. In all diesen Bereichen forscht Google und besitzt unz\u00e4hlige Start-Ups und Unterfirmen. Die Trennungen der Teilbereiche hebt sich immer mehr auf, sie flie\u00dfen ineinander.<\/p>\n<p>Nach eigener Auskunft unter anderem mit dem Ziel, alles Wissen der Welt bei Google zusammenzuf\u00fchren. Doch f\u00fcr was? Wissen ist Macht\u2026 Aber Google ist ja so selbstaufopfernd und m\u00f6chte dieses Wissen allen Menschen \u201ekostenlos\u201c zur Verf\u00fcgung stellen. Was dieses kostenlos bedeutet, wissen wir: Bezahlung per Daten und Informationen der User*innen. Aber es stellt sich auch die Frage nach dem Warum. Wenn ich durch eine Stra\u00dfe gehe, filtere ich Automatisch die Informationen, denn ich sehe ja gerade nicht die ganze Welt. Der Mensch ist nunmal beschr\u00e4nkt in seiner Aufnahmef\u00e4higkeit. Da zu viele Informationen eine \u00dcberforderung darstellen, sortiert sie Google freundlicherweise f\u00fcr uns. Beste Ergebnisse! Die Welt gefiltert durch Google, denn sie alleine bestimmen per unbekannter Muster, was f\u00fcr mich wichtig ist und welche Informationen am Ende bei mir ankommen.<\/p>\n<p>Trotzdem stecken hinter all den tollen Beteuerungen nat\u00fcrlich auch finanzielle Interessen. Ohne die Milliarden w\u00e4ren die gr\u00f6\u00dfenwahnsinnigen Tr\u00e4ume der Google-Chefs kaum umsetzbar. Und auch die eigenen Villen werden ja ben\u00f6tigt. Wir leben in der Welt der Ausbeutung, im Kapitalismus, also braucht ein Megakonzern immer neue Gewinne, Wertsteigerungen, Zuk\u00e4ufe und neue Absatzm\u00e4rkte.<\/p>\n<p><strong>Die Folgen<\/strong><\/p>\n<p>Technologie greift immer weiter in alle Lebensbereiche ein. Sie dehnt sich ins Weltall aus und in die kleinsten Atome. Sie ist nicht mehr nur Werkzeug, sondern das Strukturierende, die beste Freundin, die Hoffnung, das Ziel. Das Netz l\u00e4sst kein Au\u00dferhalb mehr zu, ein smartes Gef\u00e4ngnis \u2013 allgegenw\u00e4rtig. Wie wir arbeiten, Beziehungen f\u00fchren, Kommunizieren und Denken, ver\u00e4ndert sich in rasendem Tempo. Selbst \u201eMensch sein\u201c wird neu definiert. Dass exzessive Nutzung von Computer und Smartphone unsere Verhaltensweisen \u00e4ndern und dabei neue Gehirnverkn\u00fcpfungen entstehen, wobei andere verk\u00fcmmern, ist nichts neues. Lineares Denken wird ersetzt durch sprunghaftes Hin und Her, viel mehr von allem, so dass nichts mehr \u00fcbrig bleibt, nichts h\u00e4ngen bleibt. Konzentration beschr\u00e4nkt sich auf Sekunden, schnell und tempor\u00e4r vergesslich. Die Demenz breitet sich aus und soll kompensiert werden durch Maschinen, die auch bald unsere Geschichte neu schreiben werden. \u201eGamification\u201c, spielerisch s\u00fcchtig machend durch unregelm\u00e4\u00dfige Belohnungen wie einer guten Nachricht, \u201eNudging\u201c, das immer wieder anstupsen, damit ja keine Ruhe einkehrt, sind allt\u00e4gliche Mittel der Konzerne wie Google.<\/p>\n<p>Alles wird leicht, kurz, smart, damit man sich selbst nicht mehr anstrengen muss. Das ist der Trick. Wir m\u00fcssen unsere Bequemlichkeit aufgeben, um nicht hineinzufallen ins Loch der Fremdbestimmung. Die Fremdbestimmung der Vertretung durch die Politik im extrem. Denn was Maschinen mir alles abnehmen, verlerne ich oder lerne es nie. Wer anstrengende Herausforderungen gemeistert hat, wei\u00df, wie viel man daraus lernen kann und wie gut es tut, sie geschafft zu haben. Google will sie uns nehmen, durch die Routenbeschreibung, die schnelle Suche, den Pflegeroboter oder die totale Medizin. Das Prinzip der Selbstbestimmung bedeutet von nun an, sich nicht nur von der Politik zu befreien, sie bedeutet die F\u00e4den des Netzes durchzuschneiden und sich auf die n\u00e4chste Herausforderung zu freuen.<\/p>\n<p>Durch die Durchdringung ALLER Bereiche des Lebens, bekommen Firmen wie Google eine ungeheure Macht. Ich m\u00f6chte sogar behaupten, dass sie in Zukunft die der Staaten und Kaiser \u00fcbertreffen wird. Die Einflussm\u00f6glichkeiten sind enorm, da extreme Abh\u00e4ngigkeiten erschaffen werden, ohne die viele Menschen glauben nicht mehr Leben zu k\u00f6nnen. Es geht nicht darum, ob es nun Google ist oder eine andere Firma. Es geht um die Strukturen der Fremdbestimmung, die sich einzecken in Beziehungen, den Blutkreislauf und meine W\u00fcnsche. Dabei arbeitet Google auch mit Repressionsbeh\u00f6rden und dem Milit\u00e4r zusammen, was nicht verwundert, da diese daf\u00fcr sorgen, die bestehenden Verh\u00e4ltnisse aufrechtzuerhalten.<\/p>\n<p>F\u00fcr den n\u00e4chsten Moonshot \u2013 die alles bahnbrechende Erfindung \u2013 wird alles in Kauf genommen. Im Namen des Fortschritts, der neuen Weltreligion, wird an gef\u00e4hrlichen Dingen geforscht, ohne R\u00fccksicht auf Verluste oder unangenehme Konsequenzen. Unser neuer Gott, die Wissenschaft, tut alles f\u00fcr den Menschen, um weiter zu kommen. H\u00f6her schneller weiter. Nanopartikel werden in die Welt gelassen, Genomver\u00e4nderungen vorgenommen und vieles mehr. Diese Eingriffe sind unumkehrbar, niemand hat auch nur eine Ahnung von den eventuellen Folgen. Wir sind die Ratten im Gro\u00dfraumlabor Erde. Auch K\u00fcnstliche Intelligenzen k\u00f6nnten, einmal \u201efreigesetzt\u201c, Eigendynamiken entwickeln, denen der ineffiziente Mensch im Wege steht. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck werden genver\u00e4nderte Pflanzen, KIs und so weiter einfach eingef\u00fchrt, bis wir vor vollendeten Tatsachen stehen.<\/p>\n<p><strong>Der allumfassende Angriff<\/strong><\/p>\n<p>\u201eIch habe nichts zu verbergen\u201c nehme ich niemandem ab. Wir alle haben Geheimnisse, nur merken wir im Netz nicht sofort, wie schnell wir einfach ausgezogen werden. Wer will, kann sich einfach Googles Umsatz anschauen, der durch die Aufzeichnungen der Bewegungen im Netz anf\u00e4llt und personalisierte Werbung erm\u00f6glichen \u2013 es sind Milliarden. Was wer, wann mit dem Datenreichtum tun wird, wissen wir nicht, denn wir haben sie aus der Hand gegeben. Sie sind f\u00fcr immer da und niemand kann sagen, was ein verr\u00fcckter Larry Page, eine K\u00fcnstliche Intelligenz oder ein zuk\u00fcnftige(r) Diktator*in damit machen werden.<\/p>\n<p>In den n\u00e4chsten Jahren wird es einen enormen Schub in der Automatisierung geben. Roboter, automatische Steuerungen, smarte K\u00fchlschr\u00e4nke\u2026 In der Folge werden sehr wahrscheinlich viele Arbeitspl\u00e4tze wegfallen und Berufe aussterben. Manche gehen davon aus, dass in 20 Jahren 20% der heute Arbeitenden erwerbslos sein werden. Eine Menge \u201e\u00dcberfl\u00fcssiger\u201c, die im kapitalistischen Sinne eigentlich nicht mehr gebraucht werden. Oder wenn, dann zum Konsumieren. Deshalb, und wohl auch aus Gr\u00fcnden der Befriedung, gibt es vermehrt von Firmen und Politiker*innen den Vorschlag des Grundeinkommens. Ein Grundeinkommen k\u00f6nnte dieses Heer der \u00dcberfl\u00fcssigen ruhigstellen und den Konsum gew\u00e4hrleisten. Gleichzeitig werden viele Berufe verschwinden. Das ist bei weitem nichts neues, schon immer sind neue Berufe entstanden und alte ausgestorben.<\/p>\n<p>Doch was sich bereits seit der Industrialisierung gezeigt hat, steigert sich bei Informatik und Robotik noch: F\u00fcr immer mehr komplexe Technologien werden immer mehr Spezialist*innen gebraucht. Einfache Arbeiten sollen die Maschinen \u00fcbernehmen, alles andere von den Wenigen, die diese auch einigerma\u00dfen verstehen. Wieder eine enorme Abh\u00e4ngigkeit, da Produktionszusammenh\u00e4nge immer entfremdeter werden. Wer versteht noch wie komplexe Technologien eigentlich funktionieren? Im Grunde ist es wie bei Eltern, die ihre Kinder entm\u00fcndigen: Nie erkl\u00e4ren warum Dinge sind wie sie sind und was die Optionen mit den entsprechenden Konsequenzen sind, sondern nur, dass es so ist und wie es m\u00f6glichst reibungslos funktioniert.<\/p>\n<p>Dabei verlagern sich Zeit, Beziehungen, Arbeit und Leben allgemein immer mehr ins Virtuelle. Dass der Rahmen daf\u00fcr, die M\u00f6glichkeiten, immer von den Programmierenden bestimmt werden, scheint wenige zu st\u00f6ren. Hier liegt es aber nicht mehr bei dir, was du sagen darfst und was nicht, aber vor allem wie. Das Design bestimmt deinen Handlungsrahmen, nicht du selbst. Zus\u00e4tzlich verlernen viele ohne Ger\u00e4te zu kommunizieren. Doch was, wenn sie mal nicht mehr funktionieren?<\/p>\n<p>Dabei wird es immer normaler mit Maschinen tiefe Verbindungen einzugehen. In Japan hat eine Frau ihren Roboter geheiratet, Pflegeroboter spielen im Altersheim Karten und ein Internet-Implantat ist eine Frage der Zeit.<\/p>\n<p>Doch wir brauchen nicht in die Ferne zu schauen: Das Smartphone scheint heute bei vielen schon angewachsen, vieles wird dar\u00fcber organisiert, \u201eKontakte\u201c gepflegt und die Dauerberieselung gew\u00e4hrleistet. Entzugserscheinungen, Einsamkeit und Nervosit\u00e4t, wenn es mal weg ist, sind zur Normalit\u00e4t geworden. Die dauerhaften Verbindungen zu Maschinen werden das Verhalten und das Denken tiefgehend beeinflussen und ver\u00e4ndern. Sie verdr\u00e4ngen den direkten Kontakt und Austausch mit anderen Menschen und vor allem auch mit einem selbst. Ruhe, Reflektion, abschweifende Gedanken\u2026 wird Ger\u00e4ten \u00fcberlassen, die uns einen Gro\u00dfteil davon abnehmen.<\/p>\n<p>Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Mensch, Ding, Beziehung und Gedanke. Da alles in ein Ger\u00e4t eingepflegt wird, wandelt sich alles zur reinen Information. Das Internet of Things, also die Netzangebundenheit m\u00f6glich aller Ger\u00e4te und Dinge und die Smart City, sind ebenfalls wichtiger Bestandteil dieser Entwicklung. Und da Informationen messbar sind, k\u00f6nnen sie kategorisiert werden, oder eher gesagt m\u00fcssen, da die Algorithmen die ganzen Informationen ja irgendwo einordnen m\u00fcssen. Auf welcher Basis das dann passiert, ist meist v\u00f6llig unklar, da viele nur den Programmierenden bekannt sind oder sie selbstlernend sind. Informationen werden geordnet, sortiert, nach Kriterien, die sich dem Individuum immer entziehen.<\/p>\n<p>Alles was messbar und kategorisierbar ist, kann auch berechnet und somit kontrolliert werden. Es entsteht eine umfassende Kontrolle \u00fcber Bewegungen, Vorlieben, Beziehungen und das Verhalten im Allgemeinen. Ein Beispiel ist die geplante Abschaffung des Bargeldes, was zur Folge h\u00e4tte, dass wir nur noch digital bezahlen k\u00f6nnen und somit jeder Zahlungsverkehr grunds\u00e4tzlich nachverfolgbar w\u00e4re. Die direkte Kontrolle und damit auch die Beeinflussungsm\u00f6glichkeit von Firmen, greift in jeden Bereich des Lebens ein.<\/p>\n<p>\u201eFreiheit ist, wenn dein Datenvolumen so gro\u00df ist, wie eure Liebe\u201c \u2013 Ein Werbespruch eines Handynetzanbieters. Dieser Satz steht exemplarisch f\u00fcr eine ganze Strategie. Uns wird Freiheit und Individualit\u00e4t verkauft. Erst durch die Bindung an komplexe Technologien kannst du richtig Beziehungen f\u00fchren, Freunde haben und dich frei f\u00fchlen. Denn du brauchst angeblich nur alle M\u00f6glichkeiten damit du frei bist. Die Bedeutung von Freiheit als m\u00f6glichst gro\u00dfe Selbstbestimmung, Selbstorganisierung und gegenseitiger Verantwortung wird hier auf den Kopf gestellt. Denn das Netz, der Rahmen in dem wir \u201efrei\u201c sein d\u00fcrfen, wird immer dichter und enger.<\/p>\n<p>Ich nenne es die Strategie der totalen Vereinnahmung. Nicht Teil von etwas zu sein, wird immer schwieriger. Angefangen mit allgegenw\u00e4rtiger sich ausweitender Kontrolle durch Sensoren und Kameras \u00fcberall, bis zur ausschlie\u00dfenden freiwilligen Nutzung von z.B. virtuellen sozialen Netzwerken.<\/p>\n<p>Nehmen wir beispielsweise an, in naher Zukunft \u00f6ffnet sich eine verschlossene T\u00fcr zur U-Bahn nur noch, wenn ich mit Smartphone bezahle. Lasse ich mich aus den \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln ausschlie\u00dfen oder f\u00fcge ich mich dem? Was wenn eines Tages ein implantierter, dauerhaft mit Google oder sonstwem verbundenen Chip verlangt wird? Und Bezahlsysteme sind nur ein Beispiel.<\/p>\n<p>Auch Ausweise, Jobbedingungen, Lerngruppen, etc. haben diese Tendenz. Auff\u00e4llig sind jene, die abweichendes Verhalten zeigen, auch das ist schon Realit\u00e4t. Viele Nischen, die in der heutigen Schei\u00dfe noch zu finden sind, werden verschwinden. Der Bruch derjenigen, die sich etwas verweigern wollen, wird in Zukunft viel tiefgreifender sein mit gravierenden Folgen f\u00fcr die einzelne Person. Totaler Einschluss im freien Netz.<\/p>\n<p>Die Abh\u00e4ngigkeit von Ger\u00e4ten und deren Netzen bringt einen starken Verlust von Selbstst\u00e4ndigkeit und Autonomie mit sich. Wenn ich f\u00fcr alles Spezialist*innen ben\u00f6tige, wenn alle Strukturen, wie zum Beispiel die Kommunikation, vorgegeben sind, gewinnt die Fremdbestimmung. In diesem Zuge wird sich das Strafsystem ver\u00e4ndern. Sollte das \u201efunktionieren\u201c der B\u00fcrger*innen sonst durch Staat, Bullen und Gesetze gew\u00e4hrleistet werden, \u00fcbernimmt immer mehr die Selbstdisziplinierung. Andauernde Kontrolle, regelm\u00e4\u00dfig unregelm\u00e4\u00dfige digitale Anstupser und durchgehende Interaktion im Netz erzeugen eine umfassende vorbestimmte Struktur, in der das Leben stattfinden darf. Bestimmt wird es weiterhin Bullen und Kn\u00e4ste geben, da es immer Menschen gibt, die nicht nach den herrschenden Spielregeln spielen. Die Kontrolle und Disziplinierung aber wird intelligenter, smarter, unsichtbarer, weniger fassbar und viel mehr internalisiert, also in einem selbst aufgenommen, da es die Umst\u00e4nde so erfordern.<\/p>\n<p>Hilfreich ist dabei die Art und Weise wie Ger\u00e4te, wie das Smartphone und dessen Programme, als Ding an sich konzipiert sind. Die andauernde schnelle Interaktion, die niedrigen Herausforderungen und Hemmschwellen, das Behandeln von Menschen nach deren Abbild im Netz, das nie endende und verweilende, pr\u00e4gen Fernsehen und digitale Welten. Es gibt umfangreiche Untersuchungen dar\u00fcber, was jedem wachen Betrachtenden auch so klar wird: Empathie, Mitgef\u00fchl, Konzentration, sowie kognitive F\u00e4higkeiten, wie Denken, Erinnern und Spontanit\u00e4t gehen immer mehr verloren. Lineares Denken wird abgel\u00f6st durch hektisches Hin und Her und nebeneinander. Das bindet den Menschen, erscheint als schnelle saubere L\u00f6sung. Viele Manager*innen machen mittlerweile Kurzurlaube ohne digitale Ger\u00e4te \u2013 ein Luxus! Und um wieder klar und konzentriert zu werden, um sich wieder anzust\u00f6pseln.<\/p>\n<p>Noch ein kurzer Ausflug in die Zukunft: Der Chefentwickler von Google, Ray Kurzweil, ist der wohl bekannteste Verfechter des sogenannten Transhumanismus. Dieser Idee nach soll der Mensch erst einmal durch Ger\u00e4te aufgewertet werden, bis die ineffiziente Spezies Mensch endlich durch die Verschmelzung mit Maschinen und Programmen zugunsten neuer Spezies beendet wird. Aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass Googles Produkte nicht l\u00e4nger nur Prothesen sein werden. Also Instrumente, die unsere eigentlichen F\u00e4higkeiten durch Ger\u00e4te ersetzen. In Zukunft wird der Mensch wohl eher einer Prothese der Google-Maschine sein, die totale Anbindung und Aussch\u00f6pfung aller Informationen.<\/p>\n<p>All die genannten Aspekte bezeichnen jetzt schon einen allumfassenden Angriff auf Selbstst\u00e4ndigkeit und Selbstbestimmung. Doch Freiheit basiert auf diesen Bedingungen. Dieser Angriff ist auch nichts neues, schon immer war Autonomie sch\u00e4dlich f\u00fcr jede Aus\u00fcbung von Herrschaft und Ausbeutung. Doch der Kapitalismus steckt in einer Krise, denn um zu existieren muss er immer weiter wachsen. Was soll denn noch ausgebeutet werden? Nach den Grundbed\u00fcrfnissen und allen anderen Dingen kommen nun Beziehungen, Vorlieben und die Gedanken selbst dran. Ein unendlicher Markt, sind Bed\u00fcrfnisse des K\u00f6rpers doch bedingt. Wer Hunger hat, wird auch erst einmal satt. Doch alles, was im Kopf passiert, ist endlos ausbeutbar, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.<\/p>\n<p>Die Herrschaft sortiert sich neu, Ausbeutung wird restrukturiert. Manchmal ist es verlockend zu sagen, damals war alles besser. Doch die eigentlichen Machtverh\u00e4ltnisse bleiben, sie \u00e4ndern nur ihr Gesicht, ihre Strategien und ihre Form. Sie werden smart, positiv und immer n\u00fctzlich. Einen Feind auszumachen wird immer schwieriger. Fr\u00fcher war es vielleicht ein Sklaventreiber mit Peitsche oder die einsch\u00fcchternden Ermahnungen des Chefs. Heute jedoch sind es alle deine Freund*innen und die Instrumente der Kontrolle erm\u00f6glichen dir erst dabei sein zu k\u00f6nnen. Diese Neuorientierung macht es etwas kompliziert, da ja alles freiwillig ist und wir alle Teil davon sind. Aber wir d\u00fcrfen nicht vergessen, dass ich f\u00fcr mich selbst Konsequenzen aus diesem Wissen folgen lassen kann. Und dass es immer noch Menschen und Strukturen gibt, die eine Hauptverantwortung an diesen Strukturen tragen und auch angegriffen werden k\u00f6nnen. In der Regel sind es auch diejenigen, die am meisten profitieren. Hinzu kommt, dass wenn alles \u00fcberall ist, die Str\u00f6me des Netzes die verwundbarsten Punkte sind, denn moderne Systeme sind zutiefst angewiesen auf Stromleitungen, Glasfaserkabel und Warenstr\u00f6me.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte hier die Tragweite der momentanen und kommenden Entwicklungen aufzeigen. Aber nichts davon ist festgeschrieben, the future is unwritten. Es wird immer M\u00f6glichkeiten geben, sich zu wehren, Funken einer Welt ohne Herrschaft aufzuzeigen und Selbstbestimmung auszuweiten.<\/p>\n<p><strong>Warum so etwas wie einen Google-Campus verhindern?<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich k\u00f6nnte man sagen, dies ist ein Beispiel. Denn ein Google-Campus oder eben ein anderer Ort, an dem sich Herrschaftskritiken der komplexen Technologien entfalten k\u00f6nnen, kann es viele geben. Es ist ein Ort, an dem ein Konflikt besteht oder hervorgerufen werden kann.<\/p>\n<p><strong>\/\/\/ Warum also?<\/strong><\/p>\n<p>Zum einen werden Firmen wie Google \u00fcberall da, wo sie sich ansiedeln, eine enorme Aufwertung der Gegend (im kapitalistischen Sinne) forcieren. Solche Projekte sind Inkubatoren, sind Starter f\u00fcr eine weitere Entwicklung. Start-Ups, die es im Google-Campus nicht bis ganz nach oben geschafft haben, werden sich der Erfahrung aus anderen St\u00e4dten nach versuchen in der Gegend anzusiedeln. Auch die N\u00e4he zu Google k\u00f6nnte Start-Ups dazu verleiten in die N\u00e4he zu ziehen. Die Gegend wird teurer als sie sowieso schon ist, Menschen, die sie sich nicht mehr leisten k\u00f6nnen, m\u00fcssen woanders hin ziehen. Soziale Umfelder zerbr\u00f6seln. Ein altbekanntes \u201ePh\u00e4nomen\u201c. Doch solange Eigentum an sich existiert, wird es immer Ausbeutung geben. Wer braucht denn eine(n) Vermieter*in? Wenn die Wohnungen denen geh\u00f6ren w\u00fcrden, die gerade darin wohnen, w\u00e4re die Wertabsch\u00f6pfung durch andere, meist sowieso Reiche, nicht mehr m\u00f6glich. Eine weite Diskussion, die hier nur kurz angeschnitten werden kann, die aber wichtig ist, da viele der Einwohner*innen rund um den geplanten Campus in erster Linie anscheinend Verdr\u00e4ngung f\u00fcrchten und nicht die Ausbeutung durch die digitale Welt.<\/p>\n<p>Doch der technologische Angriff, unter anderem durch Google, geht uns alle etwas an, denn er ist tiefgreifend und langfristig. Daher braucht es konkrete Projekte, an denen er thematisiert und angegangen werden kann.<\/p>\n<p><strong>\/\/\/ Was ist das Ziel?<\/strong><\/p>\n<p>Hier wird es die unterschiedlichsten Einsch\u00e4tzungen geben. Ich denke aber, die Verhinderung eines Google-Campus kann nur ein Etappenziel sein. Der Campus ist auch Ursache, aber haupts\u00e4chlich Symptom. Sollte der Campus verhindert werden, bauen sie ihn eben am Stadtrand und erh\u00f6hen dort die Miete und Google wird weiterhin seine Produkte verbreiten. Sollten wir Google zerst\u00f6ren, wird ein anderer Konzern weitermachen. Nicht um entmutigt zu werden, sondern zu einer realen Einsch\u00e4tzung zu kommen. Nat\u00fcrlich w\u00e4re ein verhinderter Campus ein gutes Gef\u00fchl, ein Zeichen an die Welt, dass man sie \u00e4rgern kann. Das gibt Mut. Und es ist m\u00f6glich. Aber auch ein ge\u00f6ffneter Campus k\u00f6nnte vielleicht sogar noch mehr Angriffspunkte geben\u2026<\/p>\n<p>Das eigentliche Ziel muss, finde ich, aber ein ganz anderes Leben sein. Die Abschaffung von Ausbeutung, der Aufbau von Eigeninitiative und Solidarit\u00e4t, das Ausweiten von Selbstbestimmung und Selbstorganisation. Dies sind Ziele die sich gegen jede Art von Google und Herrschaft richten. Dies widerspricht auch grunds\u00e4tzlich jeder Art der Politik, sei es von Parteien oder Menschen und Initiativen, die mit den Verantwortlichen in Verhandlung treten, sei es durch Petitionen, Forderungen an die Regierung oder Forderungen nach niedrigen Mieten. Wer sich in diesem Sinne im System selbst bewegt, wird Entwicklungen vielleicht verz\u00f6gern k\u00f6nnen, dabei aber zur Stabilisierung desselben beitragen. Kritik und Engagement sind erw\u00fcnscht, um die Fata Morgana aufrecht zu erhalten, dass wir etwas bewirken k\u00f6nnten durch Reformen in deren Spiel. Wie wir aber gesehen haben: Wer die Struktur bestimmt, bestimmt wo es lang geht. Wenn ich selbst entscheiden will, welchen Weg ich einschlage, muss die Struktur zerst\u00f6rt werden, als Ding und als Idee. Der Kampf gegen den Google-Campus kann also nur tempor\u00e4rer Fokus und Ansto\u00df sein. Wir k\u00f6nnen Widerspr\u00fcche dieser Gesellschaft aufzeigen und Konflikte vorantreiben in Richtung einer Revolte, eines Aufstandes, einer Umw\u00e4lzung hin zu einer solidarischen Welt. Wir k\u00f6nnen zusammen kommen und uns kennen lernen, Widerstandspraktiken und Komplizenschaft statt Ellbogenmentalit\u00e4t \u00fcben. Beziehungen sind etwas das bleiben kann, sie k\u00f6nnen einen tempor\u00e4ren Konflikt \u00fcberdauern. Die Erfahrungen einer Praxis, die selbst die Herrschaft in Frage stellt, k\u00f6nnen im weiteren Handeln M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen und Selbstorganisation an sich ist Ziel und Weg einer Gesellschaft ohne Ausbeutung.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen zeigen: so nicht! Das haben wir zu gewinnen, indem wir der Fremdbestimmung konkrete Selbstbestimmung entgegensetzen.<\/p>\n<p><strong>Aber wie?<\/strong><\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend noch der Text\u00a0<em>\u201eWie gegen den Google-Campus k\u00e4mpfen?\u201c<\/em>\u00a0aus der Zeitung SHITSTORM, der Vorschl\u00e4ge f\u00fcr ein Vorgehen gegen den Google-Campus aufzeigt. Diese Ideen k\u00f6nnen aber auch bei anderen Projekten inspirierend sein und Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Selbstbestimmung in einem Kampf in einer fremdbestimmten Welt geben.<\/p>\n<p><em>(aus: SHITSTORM \u2013 Anarchistische Zeitung \u2013 Berlin, Januar 2018 \u2013 #2)<\/em><\/p>\n<p><strong>Wie gegen den Google-Campus k\u00e4mpfen? Ein Vorschlag<\/strong><\/p>\n<p>Auf die Frage, wie gegen den Google-Campus k\u00e4mpfen, bzw. ihn zu verhindern, l\u00e4sst sich unterschiedlich antworten. Die Antwort ist abh\u00e4ngig von der Perspektive des Kampfes selbst. Der folgende Vorschlag richtet sich nicht nur an Anarchist*innen, auch wenn er sich als ein anarchistischer versteht. Er kann von all jenen geteilt werden, die nicht nur den Google-Campus verhindern wollen, sondern g\u00e4nzlich andere Verh\u00e4ltnisse suchen.<\/p>\n<p>Der geplante Google-Campus in Berlin-Kreuzberg reiht sich in das Projekt der herrschenden Strukturen ein, die Macht von Staat und Kapital neu zu strukturieren (u.a. die Digitalisierung der \u00d6konomie und der Warenstr\u00f6me, Technologisierung der Kontrolle und Repression, Kommerzialisierung des Alltags, \u2026). In Berlin-Kreuzberg wird diese Restrukturierung vor allem durch neue Bauprojekte sichtbar. Sei es durch das Vorhaben eines Zalando-Geb\u00e4udes auf der ehemals besetzten und ger\u00e4umten Cuvrybrache, der neuen Factory am G\u00f6rli (der gr\u00f6\u00dfte Start-Up-Komplex Europas), die weiterhin stattfindende Ver\u00e4nderung der Oranienstra\u00dfe, in welcher die Er\u00f6ffnung des Oranien-Luxushotels eine neue Qualit\u00e4t darstellt, oder eben des geplanten Google-Campus in der Ohlauer Stra\u00dfe. Mit anderen Worten: Es vollzieht sich eine graduelle Ver\u00e4nderung des Viertels, die sich in eine Verfeinerung der Herrschaftsverh\u00e4ltnisse insgesamt einreiht.<\/p>\n<p>Es geht darum, die Baupl\u00e4ne in Berlin oder anderswo nicht als isolierte Bauvorhaben zu betrachten, sondern als eine globale Ver\u00e4nderung der Machtverh\u00e4ltnisse auf \u00f6konomischer, politischer und sozialer Ebene. Wie diese Liste neuer Vorhaben von Staat und Kapital \u00fcber mehrere Seiten fortgef\u00fchrt werden k\u00f6nnte, so k\u00f6nnte man jedem neuen Bauvorhaben hinterherlaufen und \u201enur\u201c in einem Abwehrkampf verweilen. Die Entscheidung, sich ein Projekt der Herrschaft herauszunehmen, zu fokussieren, \u00fcber einen Abwehrkampf hinauszugehen, ein eigenes antagonistisches Projekt zu entwickeln, speist sich vor allem aus einer Intensivierung der Qualit\u00e4t eines Angriffs auf die Herrschaft \u2013 auf ihre Profiteur*innen, Verfechter*innen und Diener*innen. Diese Wahl reiht sich somit ein in einen Kampf gegen Herrschaft allgemein \u2013 ob in Kreuzberg, Berlin oder international.<\/p>\n<p>Die Perspektive sollte nicht auf einen \u201eKiez-Kampf\u201c beschr\u00e4nkt sein, sie sollte auf eine generalisierte Revolte gegen jegliche Herrschaft und Autorit\u00e4t abzielen: auf die Umw\u00e4lzung der gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse. Ausgehend von dieser Perspektive, sowie der Wahl des Angriffsziels, ergeben sich die folgenden vorgeschlagenen Methoden eines Vorgehens gegen den Google-Campus Berlin, f\u00fcr eine Welt ohne Herrschaft, Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung.<\/p>\n<p><strong>\/\/\/ Selbstorganisiert<\/strong><\/p>\n<p>Der Kampf gegen den Google-Campus sollte selbstorganisiert sein. Dies bedeutet, dass die Beteiligten in einem direkten Verh\u00e4ltnis mit der Konfrontation stehen \u2013 ohne eine repr\u00e4sentierende Gruppe oder Person, die f\u00fcr sie redet oder handelt. Im Gegenteil: die beteiligten Personen organisieren sich und handeln nach ihren eigenen Ideen und Kapazit\u00e4ten, ohne Appell an Staat und Kapital oder deren Repr\u00e4sentant*innen wie z.B. Politiker*innen. Dies geht vor allem darauf zur\u00fcck, dass sich durch einen Appell an Politik und Verantwortliche die Handlung aus den eigenen H\u00e4nden auf den politischen Tisch verschiebt. Dort ist die Diskussion \u00fcber die Verhinderung des Google-Campus lediglich denen \u00fcberlassen, die (wie im Senat zu h\u00f6ren war) ein Interesse am Google-Campus in Berlin haben oder sonstige Machtpolitische Interessen verfolgen.<\/p>\n<p>So wie es keinen Dialog mit Parteien und Verantwortlichen geben sollte, gibt es keinen Dialog mit der Presse. Die Presse steht, unabh\u00e4ngig ob sie positiv oder negativ schreibt, in der Logik des kapitalistischen Systems. Die Ereignisse und Informationen werden durch eine journalistische Verarbeitung vermarktbar gemacht. Es z\u00e4hlt der spektakul\u00e4re Charakter, der Verkaufswert der Information. Die Berichterstattung und Kommunikation untereinander im Kiez und dar\u00fcber hinaus, sollte durch eigene Projekte erfolgen, wie z.B. durch eigene Flyer, Zeitungen, Plakate, Diskussionsabende, spontane Demonstrationen, Begegnungen und direkte Aktionen. Wenn wir die Politik ablehnen f\u00fcr uns zu reden, m\u00fcssen wir auch die Presse ablehnen f\u00fcr uns zu schreiben.<\/p>\n<p>Zum Beispiel auch das Warten auf \u201edie gro\u00dfe Demonstration\u201c steht einer Selbstorganisation entgegen. Selbstorganisiert zu agieren bedeutet, aus der eigenen Initiative heraus zu denken und dann zu handeln anstatt zu warten, bis jemand anderes dies f\u00fcr mich tut oder organisiert.<\/p>\n<p><strong>\/\/\/ Sozial und Anti-Politisch<\/strong><\/p>\n<p>Das politische Vorgehen von Parteien oder Gruppen strebt unter anderem die Verwaltung des Protestes, sowie den Wachstum der eigenen (politischen) Macht an. Die Quantit\u00e4t, bzw. die Masse, spielt eine zentrale Rolle im politischen Kalk\u00fcl \u2013 durch eine Masse kann politischer Druck ausge\u00fcbt und Interessen der jeweiligen Gruppe durchgesetzt werden. Kurz: Das Anwachsen und die Quantit\u00e4t eines Protests, sowie deren Kontrolle steht im Mittelpunkt eines politischen Vorgehens. Um um jeden Preis eine Massenbewegung zu werden, stirbt der politische Kampf, wie auch viele Kampagnen \u2013 in der Akzeptanz des kleinst m\u00f6glichen Nenners.<\/p>\n<p>Der anarchistische Vorschlag eines anti-politischen Kampfes sucht viel eher nach einer Qualit\u00e4t. Dieses Vorgehen verl\u00e4sst das politische Feld vollkommen. Es geht nicht darum, eine politische Macht aufzubauen, sondern darum, auf einer sozialen Basis zu intervenieren. Jedoch ohne sich dieser sozialen Basis unterzuordnen, um die individuelle Tat nicht zu vernachl\u00e4ssigen. Diese Selbstverwaltung verneint die Verwaltung eines limitierten Zieles, sie wird praktisch durch den Angriff auf die Herrschaftsverh\u00e4ltnisse, mit der Perspektive der gesellschaftlichen Umw\u00e4lzung.<\/p>\n<p>Der Ausgangspunkt dabei ist die soziale Spannung. Der Kampf gegen den Google-Campus sollte in einem Bezug zur sozialen Basis stehen, in der Kreuzberg oder ganz Berlin als eine Interventionsbasis verstanden wird und nicht als Intervention von isolierten Kleingruppen. Die soziale Basis kann beispielsweise durch Kontaktpunkte, Begegnungsorte, einzelne oder regelm\u00e4\u00dfige Aktionen und Angriffe gef\u00fchlt werden. Auch um ein Verst\u00e4ndnis des Kampfes gegen den Google-Campus und einer damit verbundenen Herrschaftskritik zu schaffen, sowie Diskussionen innerhalb eines Konfliktes zu erm\u00f6glichen und die Angriffe auf sozialer Ebene zu verbreiten. Dieses \u201egesellschaftliche\u201c Verst\u00e4ndnis offenbart auch die Trennlinie zu den Bef\u00fcrworter*innen des Google-Campus sowie der Kontrolle durch Technologie.<\/p>\n<p><strong>\/\/\/ Unabh\u00e4ngig und Selbstbestimmt<\/strong><\/p>\n<p>Die Aufrechterhaltung einer Unabh\u00e4ngigkeit erm\u00f6glicht es, dass der Kampf nicht (so einfach) durch eine Gruppe vereinnahmt werden kann, wie er gleichzeitig Machtverh\u00e4ltnisse durch Repr\u00e4sentation zerschl\u00e4gt. Eine Abh\u00e4ngigkeit von beispielsweise Parteien und deren Stiftungen oder Medien weitet den Handlungsrahmen nicht etwa aus. Sie konzentriert ihn auf einen Bereich, der f\u00fcr die (politische) Macht angenehm ist, da er kontrollierbar ist.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngigkeit und Selbstbestimmung bedeutet nicht nur dem Staat gegen\u00fcber autonom zu sein, sondern auch im individuellen Handeln selbst. Dies bedeutet, dass ein autonomer Kampf keine (festen) Spezialist*innen innerhalb der Beteiligten zulassen kann. Sicherlich gibt es Aktionsfelder, in der sich der Eine oder die Andere besser auskennt, oder es scheint gut, in gewissen Sachen eine Aktionsteilung zu machen. Jedoch darf dies nicht zu einer Schaffung von Abh\u00e4ngigkeiten von Spezialist*innen in den \u201eeigenen Reihen\u201c f\u00fchren. Der Vorschlag diesem zu entgehen, besteht in der Teilung und Verbreitung von Information und Wissen. Ob zum Google-Campus selbst oder \u00fcber unterschiedliche Aktionsfelder. Es geht darum, selbst Verantwortung zu \u00fcbernehmen und selbst zu handeln.<\/p>\n<p><strong>\/\/\/ Informelle Organisierung<\/strong><\/p>\n<p>Auf der organisatorischen Ebene schlagen wir die Informalit\u00e4t vor. Dies bedeutet, dass es keine formelle Gruppe gibt (kein Zentrum des Kampfes gegen den Google-Campus), keine \u201eGruppenidentit\u00e4t\u201c und kein Mitgliedsausweis. Stattdessen schlie\u00dfen sich die Beteiligten nach Affinit\u00e4ten zusammen (auch wenn es nur f\u00fcr eine Aktion ist). Die informelle Organisierung erm\u00f6glicht einen breiten und zugleich diversen Handlungsspielraum, sie erm\u00f6glicht allen zu handeln, ohne um Erlaubnis bei irgendeiner Gruppe fragen zu m\u00fcssen. Die informellen Gruppen gr\u00fcnden auf Affinit\u00e4t, also auf geteilten Ideen und einer Vertrauensbasis unter den Individuen. Die einzelnen Affinit\u00e4tsgruppen k\u00f6nnen sich jedoch in der Praxis unterscheiden und stehen sich nicht unbedingt entgegen. Diese Affinit\u00e4t, gemeinsame Ideen, W\u00fcnsche und Vertrauen, k\u00f6nnen nur in der Begegnung gefunden werden. Dies f\u00fchrt wieder zum Punkt der sozialen Basis und der Schaffung von (kontinuierlichen) R\u00e4umen und Situationen, die dies erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Die informelle Organisierung ben\u00f6tigt eine Koordination, damit die beteiligten Einzelpersonen und Gruppen nicht zwangsl\u00e4ufig isoliert sind. Diese Koordination braucht kein Zentrum, sondern funktioniert am besten durch diverse Projekte. Diese Zeitschrift kann dazu beitragen, genauso wie das Anti-Google-Cafe face2face, gr\u00f6\u00dfere Diskussionsabende, regelm\u00e4\u00dfige Aktionen, \u2026 Das Ziel der Koordination muss nicht zwangsl\u00e4ufig eine gemeinsame Aktion sein. Es geht um eine r\u00e4umliche Sichtbarkeit eines Kampfes gegen den Google-Campus, sowohl f\u00fcr Interessierte, als auch Beteiligte. In den letzten Monaten zeigte sich, dass das Vorgehen und die Pl\u00e4ne von Google und Staat am liebsten im Verborgenen gehalten wurden. Ein Austausch unter den Mitstreiter*innen erm\u00f6glicht es somit, Informationen \u00fcber den Google-Campus zu verbreiten.<\/p>\n<p><strong>\/\/\/ Gegen-Information<\/strong><\/p>\n<p>Seit sich Widerstand gegen den Google-Campus regt wird klar, dass sich einerseits Google als soziale Organisation und \u201enichts-b\u00f6se-wollendes\u201c Unternehmen verkauft, und andererseits viele Menschen nichts \u00fcber Google und dessen Machenschaften wissen. Ein Schwachpunkt Googles ist sicherlich das Image, das sie mit allen Mitteln, wie Charme-Offensiven im Kiez, verteidigen. Es geht nicht darum Google als \u201eb\u00f6sen Ami-Konzern\u201c darzustellen, sondern die Rolle von Google innerhalb der Entwicklung der Verfeinerung der Herrschaft durch Technologie zu erkennen. Und dass diese ebenso von Politik und Wirtschaft gef\u00f6rdert wird. Dies erm\u00f6glicht es, den Kampf gegen den Google-Campus mit anderen Konflikten zu verkn\u00fcpfen.<\/p>\n<p>Die Gegen-Information, also die Verbreitung von Informationen \u00fcber Google und dessen Forschungsfelder ist ein wichtiger Punkt. Sie darf sich jedoch nicht lediglich auf einen kleinen Kreis Interessierter beschr\u00e4nken, sondern sollte auf vielf\u00e4ltigen Ebenen passieren. Denn wenn die Angriffe gegen den Google-Campus nicht verstanden werden, laufen sie Gefahr in einem \u201eKlein-Krieg\u201c zwischen Google und seinen Feind*innen zu Enden, der die soziale Spannung vernebelt und die M\u00f6glichkeit einer sozialen Revolte negiert.<\/p>\n<p><strong>\/\/\/ Direkter Angriff<\/strong><\/p>\n<p>Direkter Angriff bedeutet den Google-Campus und ihre Verantwortlichen ohne Umwege, zum Beispiel \u00fcber staatliche Institutionen, anzugreifen. Die Frage des legalen Rahmens stellt sich dabei nicht, da das Betteln um Erlaubnis (z.B. f\u00fcr eine Demonstration) die staatlichen Strukturen akzeptiert, anstatt sie als ein Teil der Verantwortlichkeit f\u00fcr das Bestehende erkennt. Somit kann die Wahl der Mittel nicht abh\u00e4ngig vom staatlich gesetzten Rahmen sein. Der Google-Campus Berlin l\u00e4sst sich nur verhindern, wenn es auf breiter Ebene Angriffe gegen dieses Vorhaben gibt. Es geht nicht um eine Hierarchisierung von Mitteln: ein Gespr\u00e4ch mit der Nachbarin ist nicht \u201eweniger Wert\u201c als ein Flyer oder eine direkte Attacke. Entscheidend sind Eigeninitiative, Entschlossenheit, Kontinuit\u00e4t, eigene Kreativit\u00e4t, und eben eine Vielfalt von Angriffen (die sich nicht nur auf das Geb\u00e4ude in der Ohlauer Stra\u00dfe beziehen, sondern auf alle Verantwortlichkeiten f\u00fcr den Google-Campus Berlin). Der direkte Angriff sucht nicht nach einer Vers\u00f6hnung mit der Herrschaft, sondern zielt auf die Zuspitzung der sozialen Spannungen ab, die in Kreuzberg deutlich ist.Google versucht in einem Viertel Fu\u00df zu fassen, das rasant zur Ver\u00e4nderung gedr\u00e4ngt wird. Zum Nachteil von \u00e4rmeren Menschen und \u201eAusgeschlossenen\u201c. Im Kampf gegen den Google-Campus konzentrieren sich unterschiedliche Motive f\u00fcr die Verhinderung: von Verdr\u00e4ngung aus dem Kiez, \u00fcber Datenmissbrauch von Google, bis zu Herrschafts- und Technologiekritik. Eine \u201eVerkn\u00fcpfung\u201c dieser Motive kann durch eine geteilte Zuspitzung eines sozialen Konfliktes m\u00f6glich sein: der Verweigerung, den Konflikt politisch zu l\u00f6sen, dem Widersetzen gegen jeglichen Versuch den Widerstand zu kontrollieren und dem Entgegenstehen einer Befriedung des Konfliktes.<\/p>\n<p><em>Entnommen aus gleichnamiger Brosch\u00fcre, welche im Juli 2018 erschienen ist. Die Proteste gegen den Google-Campus in Berlin waren letztlich auch erfolgreich und Google hat seine Pl\u00e4ne f\u00fcr den Bau des Campus aufgegeben.<\/em><\/p>\n<p><em>PS: Zur Konkurrenz Microsoft hatten wir im vergangenen Jahr bereits einen Beitrag ver\u00f6ffentlicht:\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/schwarzerpfeil.de\/2020\/07\/27\/der-microsoft-polizeistaat-massenueberwachung-gesichtserkennung-und-die-azure-cloud\/\"><em>Der Microsoft-Polizeistaat<\/em><\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/schwarzerpfeil.de\/2021\/10\/04\/und-die-welt-werde-google-googles-digitaler-angriff-und-die-folgen\/\"><em>schwarzerpfeil.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 4. Oktoer 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>SchwarzerPfeil. Das Leben wird smart und clean. Alles Wissen und jede Kommunikation steht mir zu jeder Zeit zur Verf\u00fcgung. Alles wird praktisch und effizient, einfach spielerisch und immer positiv, alles wird google. 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