{"id":10156,"date":"2021-10-09T11:23:31","date_gmt":"2021-10-09T09:23:31","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10156"},"modified":"2021-10-09T11:23:32","modified_gmt":"2021-10-09T09:23:32","slug":"china-berichterstattung-ein-intensiver-propagandakrieg-mit-mehreren-fronten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10156","title":{"rendered":"China-Berichterstattung: &#8222;Ein intensiver Propagandakrieg mit mehreren Fronten&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><em>Harald Neuber. <\/em>Der Leiter des China-B\u00fcros der spanischen Nachrichtenagentur\u00a0<em>EFE<\/em>\u00a0hat\u00a0<a href=\"https:\/\/twitter.com\/javihagen\/status\/1442669236099239940?s=21\">in einer viel beachteten Stellungnahme \u00fcber\u00a0<em>Twitter<\/em>\u00a0eine Debatte \u00fcber die China-Berichterstattung westlicher Medien angesto\u00dfen<\/a>. In 14 Tweets rechnete Javier Garc\u00eda schon Ende September mit der seiner Meinung nach voreingenommenen Haltung zahlreicher Auslandskorrespondenten ab.<!--more--><\/p>\n<p>Er werde den Journalismus \u2013 zumindest vor\u00fcbergehend \u2013 nach mehr als 30 Jahren in diesem Beruf zun\u00e4chst ruhen lassen, schrieb Garc\u00eda, und f\u00fcgt an: &#8222;Der besch\u00e4mende Informationskrieg gegen China hat mir einen gro\u00dfen Teil meiner Begeisterung f\u00fcr diesen Beruf genommen.&#8220;<\/p>\n<p>Er sei nach China gekommen, &#8222;wie in jedes andere Land auch&#8220; und habe versucht, unvoreingenommen zu sein, frei von Vorurteilen und vorgefassten Meinungen. &#8222;Ich habe immer geglaubt, dass Neugier und die F\u00e4higkeit zum Staunen zusammen mit Strenge und Loyalit\u00e4t gegen\u00fcber der Wahrheit die Grundbausteine des Journalismus sind.&#8220;<\/p>\n<p>In den Tweets beklagt Garc\u00eda Manipulationen der \u00f6ffentlichen Meinung und Verleumdungskampagnen gegen China. Seiner Ansicht nach sind die meisten ausl\u00e4ndischen Medienberichte \u00fcber China stark parteiisch. Was auch immer in China geschehe, stets werde die Rhetorik des US-Au\u00dfenministeriums oder der US-Medien \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Viele westliche Medien machten sich dadurch zum &#8222;Sprachrohr&#8220; dieser politischen Akteure. Garcia schrieb weiter, dass jeder, der es wage, auf das Problem hinzuweisen, selbst wenn er neutral sei, als &#8222;von der chinesischen Regierung gekauft&#8220; stigmatisiert werde.<\/p>\n<p>Dabei nimmt der spanische Journalist China keineswegs in Schutz. Die chinesische Propaganda sei &#8222;offensichtlich&#8220;, schreibt er. Sie sei aber nicht zu vergleichen mit der US-amerikanischen Propaganda, &#8222;die viel subtiler, weniger auff\u00e4llig und daher wirksamer ist&#8220;.<\/p>\n<p>Schon im April hatte Garc\u00eda seine Position\u00a0<a href=\"https:\/\/www.vigoe.es\/medios\/javier-garcia-china-es-fascinante-y-da-la-sensacion-de-que-aqui-se-vive-el-futuro\/\">in einem Interview mit dem spanischen Nachrichtenportal\u00a0<em>vigoe.es<\/em>\u00a0<\/a>geschildert: &#8222;Wir werden Zeugen eines intensiven Propagandakriegs mit mehreren Fronten, sowohl von China als auch von den USA und dem Westen, der als Gefolge Washingtons auftritt.&#8220;<\/p>\n<p>Die Herrschaft der Vereinigten Staaten als Hegemon seit dem Zweiten Weltkrieg sei deutlich geschw\u00e4cht, &#8222;und wir sehen klare Versuche beider Seiten, die Welt\u00f6ffentlichkeit zu beeinflussen und die jeweils andere Seite zu diskreditieren&#8220;.<\/p>\n<p>Garc\u00eda ist ein renommierter spanischer Journalist, der nach seinem Studium in Madrid zun\u00e4chst als Korrespondent f\u00fcr\u00a0<em>Radio Galega<\/em>\u00a0und den Sender\u00a0<em>Televisi\u00f3n de Galicia<\/em>\u00a0in der spanischen Hauptstadt gearbeitet hat.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter berichtete er als Auslandskorrespondent aus afrikanischen L\u00e4ndern wie Mosambik oder Burundi und betreute Kommunikationsprogramme f\u00fcr den Frieden f\u00fcr die Vereinten Nationen. In Bosnien koordinierte er nach dem Krieg Wahlbeobachtungsprogramme. Er war zudem Korrespondent f\u00fcr die Tageszeitung\u00a0<em>El Mundo<\/em>\u00a0und zuletzt f\u00fcr\u00a0<em>EFE<\/em>.<\/p>\n<p><em>Telepolis<\/em>\u00a0dokumentiert seinen Thread:<\/p>\n<p><em>In wenigen Tagen werde ich den Journalismus &#8211; zumindest vor\u00fcbergehend \u2013 nach mehr als 30 Jahren in diesem Beruf \u2013 ruhen lassen. Der besch\u00e4mende Informationskrieg gegen China hat mir einen gro\u00dfen Teil meiner Begeisterung f\u00fcr diesen Beruf genommen, der bis jetzt nicht wenige Konflikte und einigen Unfug \u00fcberstanden hat.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich bin nach China gekommen, wie in jedes andere Land auch, und habe versucht, unvoreingenommen zu sein, frei von Vorurteilen und vorgefassten Meinungen. Ich habe immer geglaubt, dass Neugier und die F\u00e4higkeit zum Staunen zusammen mit Strenge und Loyalit\u00e4t gegen\u00fcber der Wahrheit die Grundbausteine des Journalismus sind.<\/em><\/p>\n<p><em>Was ich gefunden habe, hat mich \u00fcberrascht. Einerseits ist es ein riesiges, vielf\u00e4ltiges und sich st\u00e4ndig ver\u00e4nderndes Land, das viele Geschichten zu erz\u00e4hlen hat. Ein Ort, der innovativ, modern und traditionell zugleich ist, an dem die Zukunft greifbar ist und das Schicksal der Menschheit in gewisser Weise mitentschieden wird.<\/em><\/p>\n<p><em>Auf der anderen Seite eine ausl\u00e4ndische Presse, die &#8211; in ihrer \u00fcberwiegenden Mehrheit -, zutiefst voreingenommen ist und st\u00e4ndig dem folgt, was die US-Medien und das US-Au\u00dfenministerium uns erz\u00e4hlen wollen, egal was auch geschieht.<\/em><\/p>\n<p><em>In diesen Informationen, die voller Gemeinpl\u00e4tze sind, ist kaum Platz f\u00fcr \u00dcberraschendes und auch nicht f\u00fcr ein Mindestma\u00df an wahrheitsgetreuer Analyse dessen, was hier geschieht. Es gibt keinen Raum, um historische, soziale oder kulturelle Entwicklungen darzustellen. Alles, was China tut, muss per definitionem negativ sein.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Manipulation von Informationen ist eklatant, wof\u00fcr es t\u00e4glich Dutzende von Beispielen gibt. Jeder, der es wagt, sich damit auseinanderzusetzen oder zu versuchen, eine halbwegs objektive und unparteiische Position zu vertreten, wird beschuldigt, im Sold der chinesischen Regierung zu stehen oder Schlimmeres. Selbst die geringste Abweichung wird nicht geduldet.<\/em><\/p>\n<p><em>Die M\u00e4chte, die den sehr gef\u00e4hrlichen Konfrontationskurs mit China vorantreiben, \u00fcberlassen nichts dem Zufall. Ihre scheinbar unsichtbaren F\u00e4den reichen an die unwahrscheinlichsten Orte. Jeder, der aus der Reihe tanzt, wird marginalisiert oder ausgegrenzt.<\/em><\/p>\n<p><em>Das viel beschworene westliche Totem der &#8222;freien Presse&#8220; findet so in China eine paradoxe Entsprechung: eine freie Presse, die genau das Gleiche sagt, sich an das Drehbuch h\u00e4lt und immer wieder betont, wie schlecht der &#8222;Kommunismus&#8220; ist.<\/em><\/p>\n<p><em>Selbst Ma\u00dfnahmen, die als Beispiel dienen sollten, wie die beispiellose Wiederaufforstung oder die Befreiung von 800 Millionen Menschen aus der Armut, werden stets von einer ewigen &#8222;Aber-zu-welchem-Preis&#8220;-Rhetorik begleitet, die von den angels\u00e4chsischen Medien bei der Berichterstattung \u00fcber China bis zum \u00dcberdruss verwendet wird.<\/em><\/p>\n<p><em>Es wird immer wieder von chinesischer Propaganda gesprochen, die offensichtlich ist, weil sie unverhohlen ist. Aber sie ist nichts gegen die US-amerikanische Propaganda, die viel subtiler, weniger auff\u00e4llig und daher wirksamer ist: Der Leser glaubt, dass er sich eine Meinung nach eigenen Kriterien bildet, ohne dass ihn jemand dazu dr\u00e4ngt. (\u2026)<\/em><\/p>\n<p><em>Anstatt weiterhin das Schlimmste in China zu suchen und auf Konfrontation, wenn nicht gar Rassismus zu setzen, sollten wir uns bem\u00fchen, das Land besser kennenzulernen und zu lernen, was an seinem Modell positiv ist, so wie China das Beste des Westens in die Praxis umgesetzt hat, und zwar mit bemerkenswertem Erfolg.<\/em><\/p>\n<p><em>Wissen ohne Vorurteile und toxische Manipulationen ist das wichtigste Werkzeug, das wir angesichts von Hass und Konfrontation haben. Dieser Ansatz f\u00fchrt nur zu Konflikten unvorstellbaren Ausma\u00dfes, die geeignet sind, den Planeten und uns alle zu zerst\u00f6ren.<\/em><\/p>\n<p><em>Geleitet vom Wunsch nach Wissen, werden unsere Tochter, meine Frau und ich in China bleiben, wo ich weiterhin im universit\u00e4ren Bereich weiter mit dem Journalismus in Kontakt sein werde. Obwohl wir seit zwei Jahren das Land nicht mehr verlassen k\u00f6nnen und die Entfernung zu unserer Familie in Spanien immer schwieriger wird.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Ein-intensiver-Propagandakrieg-mit-mehreren-Fronten-6212775.html\"><em>Telepolis&#8230;<\/em><\/a><em> vom 9. Oktober 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Harald Neuber. 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