{"id":10165,"date":"2021-10-11T09:06:39","date_gmt":"2021-10-11T07:06:39","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10165"},"modified":"2021-10-11T09:06:41","modified_gmt":"2021-10-11T07:06:41","slug":"die-balkanroute-wilde-camps-polizeigewalt-und-brutale-pushbacks","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10165","title":{"rendered":"Die Balkanroute: wilde Camps, Polizeigewalt und brutale Pushbacks"},"content":{"rendered":"<p><em>Ina Zeuch. <\/em><strong>Die Flucht \u00fcber die L\u00e4nder des ehemaligen Jugoslawiens bleibt gef\u00e4hrlich. Eine zentrale Rolle spielt die EU-Grenzschutzbeh\u00f6rde Frontex und ein ehemaliger \u00f6sterreichischer Bundeskanzler.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>&#8222;Ins Game gehen&#8220;, so nennen die Gefl\u00fcchteten ihre riskante Reise, wenn sie zu Fu\u00df \u00fcber die Grenze von Bosnien nach Kroatien aufbrechen. Wer dabei geschnappt wird, erleidet traumatisierende Gewalt. Viele Gefl\u00fcchtete erz\u00e4hlen davon,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/kroatien-bosnien-pushback-101.html\">wie sie brutal zusammengeschlagen wurden<\/a>.<\/p>\n<p>Sie kehren mit nichts au\u00dfer ihren Kleidern am Leib zur\u00fcck. Rucks\u00e4cke und alle ihre Wertsachen und ihr Geld, das sie sich f\u00fcr ihre Flucht besorgt haben, werden ihnen abgenommen. Vor allem werden ihre Handys vor ihren Augen mit Fu\u00dftritten zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Der kroatische Innenminister\u00a0<a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/kroatischer-innenminister-die-balkanroute-ist-geschlossen\/a-37476860\">Vlaho Orepi\u0107 dazu in einem Interview mit der Deutschen Welle im Februar 2017<\/a>:&#8220;Die Balkanroute ist formell geschlossen. Was jetzt an den Grenzen au\u00dferhalb des Schengener Raums geschieht, sind illegale und kriminelle Handlungen, das ist Menschenschmuggel. Das hat nichts mit der Fl\u00fcchtlingsproblematik zu tun.&#8220;<\/p>\n<p>Das war eine Steilvorlage auch f\u00fcr die bosnische Polizei, um Menschen auf der Flucht wie Kriminelle zu behandeln, was vom kroatischen Innenminister als &#8222;gute und saubere Arbeit&#8220; bezeichnet wird: &#8222;Ich habe die Nachbarl\u00e4nder besucht, denn nur durch gute Zusammenarbeit kann man die illegalen Prozesse effektiv bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Es ist wichtig, diesen Prozessen entgegenzuwirken. Dass kann man am besten durch gute und saubere Arbeit an den Grenzen sowie durch die konsequente Abschiebung der Personen, die illegal die Grenze \u00fcberquert haben&#8220;, so der Vlaho Orepi\u0107 weiter im Interview.<\/p>\n<p>In Velika Kladusa \u2013 nur wenige Kilometer von der bosnisch-kroatischen Grenze entfernt \u2013 kampierten im September 2021 etwa 300 afghanische Gefl\u00fcchtete auf einer Wiese entlang eines Maisfeldes, darunter viele Familien mit etwa 60 Kindern von einem Jahr sowie \u00e4ltere Kinder, Jungen und M\u00e4dchen zwischen sechs und 13 Jahren.<\/p>\n<p>Von\u00a0<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/rahmakladusa\">Rahma<\/a>\u00a0(\u062d\u0652\u0645\u064e\u0629, arabisches Wort f\u00fcr Barmherzigkeit), einer bosnischen Graswurzelorganisation, werden sie mit Wasser versorgt.<\/p>\n<p>Rahma wurde von Alma Mujaki\u0107 gegr\u00fcndet und verteilt auch Essen selbst bis zu den entlegensten Unterk\u00fcnften von Gefl\u00fcchteten im Wald oder in verlassenen H\u00e4usern. Keiner der hier Gestrandeten will in Bosnien bleiben. Viele von ihnen haben bereits Bekannte und Verwandte in Italien, Frankreich oder Deutschland, die ihnen f\u00fcr die Weiterreise \u00fcber Westen Union oft auch Geld schicken.<\/p>\n<p>Weil er nicht an sein Geld von 150 Euro kommt, das ihm seine Schwester aus Kanada geschickt hat, spricht Ahmed eine Mitarbeiterin von SOS Balkanroute bei der Verteilung von Spielsachen f\u00fcr die Kinder und Hygieneartikel f\u00fcr die Frauen im Camp an.<\/p>\n<p>Denn Western Union blockiert den Geldtransfer bei arabischen Namen. Er bittet eine Helferin, das Geld unter ihrem Namen abzuheben. Aber auch viele Helfer:innen sind dem US-amerikanischen Geldhaus inzwischen namentlich bekannt und werden ebenfalls nicht mehr bedient.<\/p>\n<p>Das ist nur eine der vielen Methoden, um Gefl\u00fcchtete zu schikanieren und zu kriminalisieren. Ziel ist es,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/global-development\/2020\/jun\/15\/eu-covered-up-croatias-failure-to-protect-migrants-from-border-brutality\">ganz im Sinne der EU<\/a>, dass diese Menschen nicht in Mittel- und Westeuropa ankommen sollen, die nicht nur im Fall von Afghanistan aus eindeutig humanit\u00e4ren und international anerkannten Gr\u00fcnden auf der Flucht sind.<\/p>\n<p>Hier in Velika Kladusa wie auch in Bihac, zehn Kilometer entfernt oder Tuzla nahe der serbischen Grenze, werden oft von Busbahnh\u00f6fen oder \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen von der Polizei vertrieben. Auch Friseursalons oder Caf\u00e9s verweigern ihnen ihre Dienstleistungen, obwohl sie bezahlen k\u00f6nnen. Inhaber von Gesch\u00e4ften werden dazu von der \u00f6rtlichen Polizei unter Druck gesetzt.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Die Balkanroute ist geschlossen&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Seit 2015 wird die Balkanroute von Menschen aus dem Nahen Osten genutzt, um in die EU zu gelangen. Im ersten Halbjahr 2015 passierten circa 80.000 Menschen die Balkanroute. Sebastian Kurz, damaliger Au\u00dfenminister und inzwischen auch ehemaliger \u00f6sterreichischer Bundeskanzler, verk\u00fcndete 2016 \u00fcberzeugt: &#8222;Die Balkanroute ist geschlossen&#8220;.<\/p>\n<p>Damit d\u00fcrfte er seine rechten W\u00e4hler gut bedient haben. Die EU setzt diese &#8222;Fl\u00fcchtlingspolitik&#8220; konsequent um, indem sie die EU Au\u00dfengrenzen und ihr\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Frontex#Finanzierung_und_Ressourcen\">Exekutionsorgan<\/a>\u00a0<a href=\"https:\/\/www.statista.com\/statistics\/973052\/annual-budget-frontex-eu\/\">Frontex seit 2016 massiv aufr\u00fcstet<\/a>.<\/p>\n<p>&#8222;Frontex verfolgt drei strategische Ziele: Beseitigung von Schwachstellen an den Au\u00dfengrenzen auf der Grundlage einer umfassenden Lageerfassung, Gew\u00e4hrleistung sicherer, gesch\u00fctzter und gut funktionierender EU-Grenzen sowie Planung und Aufrechterhaltung der Kapazit\u00e4ten der Europ\u00e4ischen Grenz- und K\u00fcstenwache&#8220;, hei\u00dft es auf der\u00a0<a href=\"https:\/\/frontex.europa.eu\/de\/uber-uns\/einfuhrung\/\">Webseite von Frontex<\/a>.<\/p>\n<p>Das EU-Mitglied Kroatien hat auf bosnischem Staatsgebiet eine breite Schneise in die bewaldeten H\u00fcgel kilometerweit vor dem eigentlichen Grenz\u00fcbergang geschlagen und damit ganz im Sinne von Frontex eine &#8222;Schwachstelle&#8220; geschlossen und eine &#8222;gut funktionierende EU-Grenze geschaffen&#8220;.<\/p>\n<p>Fl\u00fcchtlinge, die diese Rodung \u00fcberqueren, die Tag und Nacht von kroatischen Grenzsoldaten bewacht wird, sind weithin sichtbar. Wenn sie diese Schneise mit viel Gl\u00fcck dennoch \u00fcberquert haben, m\u00fcssen sie immer noch die eigentliche Grenze mit dem Zaun aus Nato-Stacheldraht \u00fcberwinden.<\/p>\n<p><strong>Die Balkankonferenzen<\/strong><\/p>\n<p>Die westlichen Balkanl\u00e4nder hatten bereits Fakten geschaffen, bevor Sebastian Kurz sich an die Spitze der Nulltoleranz gegen\u00fcber Gefl\u00fcchteten stellte &#8211; allen voran Slowenien, Mitglied im\u00a0<a href=\"https:\/\/www.schengenvisainfo.com\/de\/staaten-des-schengen-raums\/\">Schengen-Raum<\/a>\u00a0und besonders dazu aufgefordert, die Grenze zu Kroatien zu bewachen.<\/p>\n<p>Daraufhin r\u00fcsteten auch Kroatien, Mazedonien und Serbien ihre Grenzen auf. Zuvor hatte Ungarn seine Grenze zu Serbien mit dem Bau eines Grenzzaunes dicht gemacht.<\/p>\n<p>2013, kurz nach der Aufnahme Kroatiens in die EU, fand die erste\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Westbalkan-Konferenz#November_2013_%E2%80%93_Wien_(Frontex_Westbalkan-Konferenz)\">von Frontex organisierte Balkankonferenz in Wien<\/a>\u00a0statt, mit dem Ziel das &#8222;Migrationsmanagement am Balkan&#8220; zu ordnen.<\/p>\n<p>Dazu trafen sich am 13. und 14. November 2013 Vertreter internationaler Organisationen, die EU und Regierungspolitiker der Westbalkan-Staaten, um dar\u00fcber zu beraten, wie man Migration \u00fcber die Balkanroute eind\u00e4mmen oder besser noch ganz verhindern k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Zwei weitere Konferenzen folgten 2014 ebenfalls in Wien und 2015 in Berlin, bei der auch die Beitrittsgesuche Albaniens, Bosnien-Herzegowinas, Serbiens, Mazedoniens, Montenegros und des Kosovo zum EU-Beitritt diskutiert wurden. Dabei wurden Infrastrukturprojekte in Milliardenh\u00f6he gew\u00e4hrt. &#8222;Die Zukunft des Balkans liegt in Europa&#8220;, stellte der damalige deutsche Au\u00dfenminister Sigmar Gabriel klar.<\/p>\n<p>Doch noch bevor diese Pl\u00e4ne umgesetzt werden konnten, wurde die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.uno-fluechtlingshilfe.de\/informieren\/fluchtrouten\/balkanroute\">sogenannte Balkanroute<\/a>\u00a0im Sommer 2015 zur die Hauptstrecke f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge auf dem Weg nach Europa.<\/p>\n<p>Gefl\u00fcchtete kamen von der T\u00fcrkei \u00fcber Griechenland weiter nach Mazedonien und von dort weiter \u00fcber Serbien, Kroatien und Slowenien nach \u00d6sterreich und Deutschland. Einzig Ungarn wurde f\u00fcr den Bau seines Grenzzauns im Herbst 2015 kritisiert, das als wichtiges Transitland den Gefl\u00fcchteten aus Serbien die Grenze dicht machte und die Menschen damit zwang, ihre Route nach Bosnien zu verlagern. Erst der (<a href=\"https:\/\/www.businessinsider.de\/politik\/welt\/milliarden-fuer-erdogan-eu-vereinbart-neuen-tuerkei-fluechtlingspakt-a\/\">k\u00fcrzlich neu aufgelegte<\/a>)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/suche\/faq-eu-tuerkei-erklaerung-1728136\">Fl\u00fcchtlingspakt mit der T\u00fcrkei<\/a>\u00a0beendete die Migration nach S\u00fcdosteuropa im gro\u00dfen Stil.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ww1.habsburger.net\/de\/kapitel\/bosnien-und-die-oesterreichischen-grossmachtbestrebungen-am-balkan\">\u00d6sterreich, historisch eng verwoben mit dem Balkan<\/a>\u00a0und zudem Nachbarland Sloweniens, hat gro\u00dfes Interesse daran, dass die West-Balkanl\u00e4nder ihre Grenzen aufr\u00fcsten.<\/p>\n<p>Seit 2017 war Sebastian Kurz \u00d6sterreichs Bundeskanzler und gab den starken Mann gegen Einwanderung, gegen die er ein gemeinsames europ\u00e4isches Bollwerk errichten m\u00f6chte. Doch gegen diese Abschottungspolitik gibt es in \u00d6sterreich auch viel Widerstand aus der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>So hat Sigrid Spenger, die Kassiererin der Initiative SOS Balkanroute, ihre eigene Organisation\u00a0<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/ankommeninwien\/videos\/rede-von-sigrid-spenger\/641745810031275\/\">Ankommen in Wien<\/a>\u00a0ins Leben gerufen und zusammen mit Afghanen und Afghaninnen eine Demonstration in Wien organisiert, bei der die Gefl\u00fcchteten selbst zu Wort kamen &#8222;Es ging nicht darum, dass wir f\u00fcr sie sprechen, sondern dass sie \u00f6ffentlich sichtbar f\u00fcr sich selber sprechen&#8220;, so Sigrid Spenger.<\/p>\n<p><strong>Wachsende zivile Aufmerksamkeit f\u00fcr die Gefl\u00fcchteten<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/SOSBalkanroute\/\">SOS Balkanroute<\/a>, im April 2019 unter anderem vom\u00a0<a href=\"https:\/\/epo-mediawatch.blogspot.com\/2021\/07\/schau-ned-weg.html\">Rapper Petar Rosandic gegr\u00fcndet<\/a>, unterst\u00fctzt Gefl\u00fcchtete in Bosnien, die dort festsitzen. Petar Rosandic hat kroatische Wurzeln und spricht die Landessprache. So konnte er viele Kontakte und ein beeindruckendes Netzwerk mit kleinsten bosnischen Fl\u00fcchtlingsinitiativen entwickeln.<\/p>\n<p>&#8222;Am Anfang sind wir mit einer Spende von 2.000 Euro losgefahren. Das Geld war in zehn Minuten f\u00fcr Hilfsg\u00fcter ausgegeben und am Ende des Tages verteilt&#8220;, erz\u00e4hlt er von seiner ersten Reise nach Bosnien.<\/p>\n<p>&#8222;Inzwischen haben wir viele erfolgreiche Aktionen f\u00fcr Sach- und Geldspenden gestartet.&#8220; Diese Sachspenden liefert SOS Balkanroute direkt nach Bosnien und unterst\u00fctzt au\u00dferdem mit Spendengeldern, viele kleine Graswurzelinitiativen, die in Bosnien entstanden sind und minuti\u00f6s durch Quittungen f\u00fcr die Spender belegt werden.<\/p>\n<p>Sie helfen mit dem N\u00f6tigsten wie Schlafs\u00e4cken, Kleidern und Nahrung. SOS Balkanroute half im August auch mit 8.000 Euro aus, als die bereits erw\u00e4hnte Gefl\u00fcchtetenhilfe Rahma ein Finanzierungsproblem hatte, damit Rahma weiterhin Menschen in den Camps mit Nahrung und Kleidern versorgen kann.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchling 2021 spendete sie f\u00fcr Rahma auch ein Fahrzeug f\u00fcr 7.000 Euro. Die Finanzierung von Fahrzeugen spielt eine wesentliche Rolle bei der Verteilung von Spendengeldern, die SOS Balkanroute rekrutiert. Bereits drei Helferinnen konnten so Fahrtzeuge gekauft werden.<\/p>\n<p>Interessant ist auch die Aktion Bauern helfen Bauern, die zusammen mit Rahma das Camp mit den afghanischen Familien versorgt. SOS Balkanroute besucht regelm\u00e4\u00dfig\u00a0<a href=\"http:\/\/www.solidarnost-bosnia.com\/\">Zemira Gorinjac vom Verein Solidarnost in Biha\u0107<\/a>, die Gefl\u00fcchtete mit Sachspenden versorgt.<\/p>\n<p>Ebenso regelm\u00e4\u00dfig schaut SOS Balkanroute bei\u00a0<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/groups\/hedija\">Azra Velagi\u0107 Maci\u0107 vom Verein Hedija in Sarajewo<\/a>\u00a0vorbei und fragt nach den dringendsten Bed\u00fcrfnissen bei der Versorgung der Gefl\u00fcchteten. Azra Velagi\u0107 Maci\u0107 versorgte die Gefl\u00fcchteten zun\u00e4chst in der Innenstadt von Sarajewo, bis sie von der Polizei vertrieben wurde. Seitdem ist ihre kleine Wohnung voll mit Sachspenden, die sich im Flur stapeln und die sie an ihrer Wohnungst\u00fcr an die Gefl\u00fcchteten ausgibt.<\/p>\n<p>Die beiden Schwestern Amina und Merdija Kobilica waschen Kleidung f\u00fcr die Gefl\u00fcchteten und bekamen von SOS Balkanroute eine Waschmaschine gespendet. Das Tageszentrum in Tuzla, das ebenfalls regelm\u00e4\u00dfig von SOS Balkanroute besucht wird, wenn die Initiative von Wien aus wieder in Bosnien unterwegs ist, konnte mit deren Spendengeldern sechs Duschen bauen.<\/p>\n<p>Hier k\u00f6nnen sich die Gefl\u00fcchteten von zehn bis 18 Uhr aufhalten. Vor allem im Winter, wo die meisten Menschen wegen der K\u00e4lte nicht \u00fcber die Grenze gehen, ist dies ein wichtiger Ort zum Aufw\u00e4rmen, Duschen, Tee trinken, Handys aufladen und um ins Internet zu gehen.<\/p>\n<p>In der Hochsaison der Flucht \u00fcber die Grenze kleiden sich die Menschen hier neu ein, versorgen sich mit Rucks\u00e4cken, telefonieren noch einmal mit ihrer Familie.<\/p>\n<p>Mirela Ahmetbegovi\u0107 arbeitet zudem in Emmaus, einer Organisation, die halbstaatlich, halb mit privaten Spendengeldern finanziert wird und 1999 ins Leben gerufen wurde &#8211; urspr\u00fcnglich, um die Gefl\u00fcchteten von Kosovo aufzunehmen und zu versorgen. Emmaus ist haupts\u00e4chlich f\u00fcr psychisch und k\u00f6rperlich Schwerstbehinderte t\u00e4tig, f\u00fcr Menschen, die in keinem Krankenhaus mehr aufgenommen werden und keine Angeh\u00f6rigen haben.<\/p>\n<p>Emmaus hat ihre sozialen Aktivit\u00e4ten nun auch auf Gefl\u00fcchtete ausgeweitet. Neben dem weitl\u00e4ufigen Heimgel\u00e4nde mit eigenem Gem\u00fcseanbau hat die Organisation nun auch einen Trakt f\u00fcr unbegleitete minderj\u00e4hrige Fl\u00fcchtende errichtet. Dort waren 2021 im September 16 Jugendliche untergebracht.<\/p>\n<p>&#8222;Wir besch\u00e4ftigen sie so gut wie m\u00f6glich und haben viele kreative Angebote f\u00fcr sie. Aber wir halten sie nicht, wenn sie nach Kroatien oder Serbien \u00fcber die Grenze wollen&#8220;, erkl\u00e4rt eine Mitarbeiterin von Emmaus beim Besuch von SOS Balkanroute. Emmaus stellt au\u00dferdem t\u00e4glich ein warmes Essen f\u00fcr die Gefl\u00fcchteten, das sie am Busbahnhof von Tuzla an die Gefl\u00fcchteten verteilt.<\/p>\n<p>Es ist dieses Netzwerk kleinster Initiativen und inzwischen auch ein guter Kontakt zum bosnischen Fernsehen, das die Arbeit von SOS Balkanroute so effektiv macht.<\/p>\n<p>&#8222;Als das Lager Lipa in Bihac brannte, waren unglaublich viele Helfer:innen vor Ort. Die blockierten sich teilweise gegenseitig \u2013 zu viel unorganisierte Hilfe ist nicht immer hilfreich. Aber nach diesem Wirbel war niemand mehr von ihnen \u00fcbrig&#8220;, erz\u00e4hlt Petar Rosandic. &#8222;Von den gro\u00dfen Hilfsorganisationen haben wir nach dem Brand niemanden gesehen. Was h\u00e4tten wir mit diesen riesigen Summen von Hilfsgeldern, die sie bekommen haben, bewerkstelligen k\u00f6nnen und wie viel haben wir aus den Geldern gemacht, die uns gespendet wurden.&#8220;<\/p>\n<p>Doch auch ohne riesige Summen wird die Arbeit von SOS Balkanroute auf alle F\u00e4lle weitergehen.<\/p>\n<p><em>#Bild: Camp von circa 60 Familien aus Afghanistan in Velika Kladusa. Bild: Ina Zeuch<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Die-Balkanroute-wilde-Camps-Polizeigewalt-und-brutale-Pushbacks-6213605.html?seite=all\"><em>Telepolis&#8230;<\/em><\/a><em> vom 11. Oktober 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ina Zeuch. Die Flucht \u00fcber die L\u00e4nder des ehemaligen Jugoslawiens bleibt gef\u00e4hrlich. 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