{"id":10202,"date":"2021-10-16T11:40:49","date_gmt":"2021-10-16T09:40:49","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10202"},"modified":"2021-10-16T11:40:50","modified_gmt":"2021-10-16T09:40:50","slug":"milliardengewinne-fuer-die-reichen-hunger-fuer-die-armen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10202","title":{"rendered":"Milliardengewinne f\u00fcr die Reichen, Hunger f\u00fcr die Armen"},"content":{"rendered":"<p><em>John Malvar. <\/em><strong>Der am Donnerstag ver\u00f6ffentlichte Welthunger-Index (GHI) f\u00fcr das Jahr 2021 zeigt, dass die Zahl der Hungernden unter der armen und arbeitenden Bev\u00f6lkerung rund um den Globus stark zunimmt.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Im Vorwort, das von den Leitern der Welthungerhilfe und von Concern Worldwide, den f\u00fcr das GHI verantwortlichen Organisationen, verfasst wurde, hei\u00dft es, der Bericht zeige \u201eeine besorgniserregende Hungersituation auf, die aus dem verheerenden Wirkungsgef\u00fcge von Klimakrise, Covid-19-Pandemie und immer schwereren und langwierigeren Konflikten entsteht.\u201c<\/p>\n<p>Steigende Lebensmittelpreise sind ein entscheidender Faktor f\u00fcr die Zunahme des Hungers auf der Welt im vergangenen Jahr. Die rasch ansteigende Inflation und die Unterbrechung der Lieferketten des globalen Kapitalismus treiben die Preise f\u00fcr alle grundlegenden Konsumg\u00fcter in die H\u00f6he. Die U.S. Energy Information Authority berichtete, dass fast die H\u00e4lfte aller US-Haushalte, die mit Erdgas heizen, in diesem Winter durchschnittlich 30 bis 50 Prozent mehr f\u00fcr das Heizen bezahlen werden als im letzten Jahr.<\/p>\n<p>Der reale Stundenlohn amerikanischer Arbeiter ist seit Januar um 1,9 Prozent gesunken. Arbeiter in L\u00e4ndern rund um den Globus sind mit einer \u00e4hnlichen Situation konfrontiert, einer Situation, die unertr\u00e4glich geworden ist. Au\u00dferstande ihre Miete zu zahlen, angemessene Lebensmittel zu kaufen oder sich mit Treibstoff zu versorgen, werden sie in den Kampf getrieben.<\/p>\n<p>Sie sind mit einem Gesellschaftssystem, dem Kapitalismus, konfrontiert, das sie ausbeutet, \u00fcberarbeitet und dann ohne das Lebensnotwendige zur\u00fcck l\u00e4sst. Die Produzenten der G\u00fcter der Welt stehen ohne Mittel zum \u00dcberleben da. Nirgendwo wird dies deutlicher als bei der explosionsartigen Zunahme des Hungers in der Welt.<\/p>\n<p>Der GHI-Bericht \u00fcber den Hunger erscheint eine Woche nach der hochrangigen Veranstaltung der Vereinten Nationen \u201eAction in Support of Preventing and Ending Famine Now\u201c. Der Generaldirektor der Ern\u00e4hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), Qu Dongyu, sagte vor der Versammlung: \u201eWir sehen uns heute an mehreren Fronten mit einer beispiellosen Nahrungsmittelkrise konfrontiert. Hungersnot und hungerbedingte Todesf\u00e4lle sind eine Realit\u00e4t. [&#8230;] Gegen Ende des Jahres 2021 hat sich die Situation weiter verschlechtert.\u201c<\/p>\n<p>Der Bericht stellt fest, dass der Hunger in fast 50 L\u00e4ndern weiterhin ein \u201eernstes, sehr ernstes oder gravierendes Ausma\u00df\u201c hat. \u201eNach Jahrzehnten des R\u00fcckgangs steigt die weltweite Verbreitung von Unterern\u00e4hrung\u201c, hei\u00dft es weiter.<\/p>\n<p>Dem GHI zufolge sind drei Faktoren f\u00fcr den Anstieg des Welthungers verantwortlich, der 41 Millionen Menschen an den Rand einer Hungersnot getrieben hat: \u201eKonflikte, Klimawandel und die Covid-19-Pandemie.\u201c<\/p>\n<p>Angetrieben durch die Inflation und die durch die Pandemie verursachten wirtschaftlichen Verwerfungen steigen die Weltmarktpreise f\u00fcr Lebensmittel rapide an. Der FAO-Lebensmittelpreisindex (FFPI), der die Ver\u00e4nderung der internationalen Preise eines Warenkorbs von Nahrungsmitteln misst, meldete im September, dass die Preise um 32,8 Prozent h\u00f6her waren als ein Jahr zuvor. Die Preise f\u00fcr die wichtigsten Grundnahrungsmittel stiegen sogar noch st\u00e4rker: Der Preis f\u00fcr Weizen stieg um 41 Prozent und f\u00fcr Mais um 38 Prozent gegen\u00fcber September 2020.<\/p>\n<p>In diesen Zahlen steckt unermessliches Elend. Einem Artikel zufolge, der im Juli in\u00a0<em>Nature Food<\/em>\u00a0ver\u00f6ffentlicht wurde, konnten sich drei Milliarden Menschen vor der Pandemie keine gesunde Ern\u00e4hrung leisten. Steigende Lebensmittelpreise und allgemein steigende Preise f\u00fcr Konsumg\u00fcter haben die Situation deutlich verschlechtert. W\u00e4hrend sich vor Covid-19 43 Prozent der Weltbev\u00f6lkerung keine gesunde Ern\u00e4hrung leisten konnten, waren es Ende 2020 bereits 50 Prozent.<\/p>\n<p>Ein Anstieg der Lebensmittelpreise um 32 Prozent hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Armen. In unterentwickelten L\u00e4ndern gibt die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung zwischen 40 und 60 Prozent des Haushaltseinkommens f\u00fcr Lebensmittel aus. Die \u00e4rmsten 20 Prozent der Bev\u00f6lkerung in den Vereinigten Staaten geben zwischen 30 und 40 Prozent ihres Haushaltseinkommens f\u00fcr Lebensmittel aus. Steigende Preise bedeuten entweder, dass die Miete und andere Ausgaben nicht mehr bezahlt werden k\u00f6nnen, oder dass die Qualit\u00e4t und der Gesamtkaloriengehalt der verzehrten Lebensmittel reduziert werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Der Massenhunger und die Unterern\u00e4hrung, mit denen ein gro\u00dfer Teil der Arbeiterklasse der Welt konfrontiert ist, ist eine soziale Katastrophe, keine nat\u00fcrliche. Es handelt sich um ein ungeheures Verbrechen, das von der Kapitalistenklasse auf der ganzen Welt begangen wird.<\/p>\n<p>Die drei vom GHI identifizierten Faktoren, die den Hunger in der Welt anheizen \u2013 Konflikte, die wirtschaftlichen Verwerfungen der Pandemie und der Klimawandel \u2013 sind alle das Ergebnis des irrationalen und r\u00e4uberischen Charakters des Kapitalismus.<\/p>\n<p>Der starke Anstieg des Welthungers im vergangenen Jahr ist vor allem eine Folge des kriminellen Umgangs der kapitalistischen Regierungen rund um den Globus mit der Covid-19-Pandemie. Zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie auf den weltweiten Nahrungsmittelverbrauch z\u00e4hlte die FAO \u201ePreissteigerungen bei Nahrungsmitteln, Bewegungseinschr\u00e4nkungen, die die Aktivit\u00e4ten auf dem Markt und bei den Viehz\u00fcchtern gleicherma\u00dfen einschr\u00e4nken, steigende Inflation und sinkende Kaufkraft.\u201c<\/p>\n<p>Derzeit fallen 2,37 Milliarden Menschen in die Kategorie der \u201eErn\u00e4hrungsunsicherheit.\u201c Die meisten ern\u00e4hren sich von einer oder zwei kleinen Mahlzeiten am Tag, die oft nur aus Getreide, einer mageren Fettquelle und etwas Gem\u00fcse bestehen.<\/p>\n<p>\u00dcberall auf der Welt m\u00fcssen berufst\u00e4tige Eltern hungern, damit ihre Kinder etwas zu essen haben. Sie erfinden Wege, um ihre Nahrung zu erweitern. Sie finden Wege, um Reste zu kochen. Sie bet\u00e4uben Hungergef\u00fchle mit Instant-Kaffee. Sie essen Reis mit ein bisschen Fischpaste und einem Klecks Pflanzen\u00f6l.<\/p>\n<p>In weiten Teilen der Welt werden lebensnotwendige G\u00fcter in kleinen Einheiten verkauft, da sich die meisten Menschen nicht mehr als das leisten k\u00f6nnen. Reis wird tassenweise gekauft, \u00d6l in einem kleinen verschlossenen Plastikbeutel.<\/p>\n<p>Das Problem der Unterern\u00e4hrung und des Hungers stellt die Arbeiterklasse selbst im reichsten Land der Welt vor Probleme. Amerikanische Innenst\u00e4dte sind Lebensmittelw\u00fcsten, in denen die n\u00e4chstgelegene Quelle f\u00fcr gesunde Lebensmittel oft meilenweit entfernt und mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln nicht erreichbar ist. Im n\u00e4chstgelegenen Spirituosengesch\u00e4ft gibt es h\u00f6chstens Dosenfleisch und Cornflakes. Vor den Lebensmitteltafeln bilden sich Schlangen, die sich oft \u00fcber einen ganzen H\u00e4userblock erstrecken. Jeder f\u00fcnfte Amerikaner war im Jahr 2020 auf die Hilfe von Lebensmitteltafeln angewiesen.<\/p>\n<p>Jeden Tag gehen nach Angaben des Weltern\u00e4hrungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) mehr als 700 Millionen Menschen, d. h. 8,8 % der Weltbev\u00f6lkerung, mit leerem Magen zu Bett. Hunger und Unterern\u00e4hrung bedeuten eine verk\u00fcrzte Lebenserwartung, eine verk\u00fcmmerte geistige Entwicklung, den vorzeitigen Tod geliebter Menschen, sie bedeuten Witwen und Waisen und kinderlose Eltern.<\/p>\n<p>Die Krise der Pandemie, das Bestreben der Kapitalistenklasse, die Arbeiter zur\u00fcck in die Fabriken zu zwingen, und die steigenden Kosten f\u00fcr Lebensmittel und andere Grundg\u00fcter f\u00fchren zu einem explosiven Anwachsen des weltweiten Klassenkampfes. Die Arbeiter auf der ganzen Welt kommen in Bewegung, gegen die Kapitalistenklasse und gegen die korporatistischen Gewerkschaften, die jahrzehntelang ihre K\u00e4mpfe im Keim erstickt haben. Sie sind in einen Kampf um ihr Leben verwickelt, in dem es darum geht, wie die Ressourcen der Gesellschaft verteilt werden.<\/p>\n<p>Der enorme Reichtum der Menschheit, das Produkt unserer gemeinsamen Arbeit, reicht aus, um jeden Menschen auf diesem Planeten zu ern\u00e4hren, zu kleiden, zu beherbergen und ihm ein reiches und sinnvolles Leben zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Diese immensen Ressourcen werden jedoch von einer Handvoll Milliard\u00e4re und Superreicher kontrolliert, die parasit\u00e4r von der Ausbeutung der Arbeiterklasse der Welt profitiert haben und diesen Reichtum verschleudern. Sie sind durch die Pandemie noch reicher geworden. Im Laufe des Jahres 2020 haben die Milliard\u00e4re der Welt ein zus\u00e4tzliches Privatverm\u00f6gen von 1,9 Billionen Dollar erscheffelt.<\/p>\n<p>Elon Musk, Richard Branson und Jeff Bezos konkurrieren miteinander um selbstgef\u00e4llige Weltraumfl\u00fcge, w\u00e4hrend sich ein Gro\u00dfteil der Weltbev\u00f6lkerung keine gesunde Ern\u00e4hrung leisten kann. Alle Menschen auf der Welt zu ern\u00e4hren, kann sich die Gesellschaft leisten \u2013 Milliard\u00e4re nicht.<\/p>\n<p><em>#Titelbild: Autoschlange an der mobilen Tafel der Utah Food Bank im Maverik Center am Freitag, 24. <\/em><em>April 2020, in West Valley City, Utah [Credit: AP Photo\/Rick Bowmer]<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2021\/10\/15\/pers-o15.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 16. Oktober 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>John Malvar. 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