{"id":10254,"date":"2021-10-25T14:46:06","date_gmt":"2021-10-25T12:46:06","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10254"},"modified":"2021-10-25T14:46:07","modified_gmt":"2021-10-25T12:46:07","slug":"widerstand-bei-mahle-stuttgart-kaempferische-basis-gibt-den-ton-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10254","title":{"rendered":"Widerstand bei Mahle Stuttgart: K\u00e4mpferische Basis gibt den Ton an"},"content":{"rendered":"<p><strong>Seit Jahren ist die Choreographie von IG Metall Protest-Veranstaltungen \u00e4hnlich: Laut und bunt, aber Phrasen ohne Inhalt und Forderungen so unkonkret wie m\u00f6glich. Am Dienstag, 19. Oktober war manches anders!<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Auch wenn \u201eIG Metall\u201c auf der Packung drauf stand, die Initiative war von den Vertrauensleuten und dem Betriebsrat von Mahle-Behr ausgegangen. Die Bevollm\u00e4chtigten der Stuttgarter IG Metall schickten eine Gewerkschaftssekret\u00e4rin, sie selbst hatten besseres zu tun. Es kamen auch Mahle-Besch\u00e4ftigte aus Cannstatt, Fellbach, Markgr\u00f6ningen und vor allem M\u00fchlacker, aber der Gesamtbetriebsratschef hatte das nicht organisiert, er hatte Urlaub genommen.<\/p>\n<p>Es kamen Solidarit\u00e4ts-Delegationen von Daimler Untert\u00fcrkheim und Sindelfingen, von Porsche und Bosch, von den Maschinenbau-Firmen KBA und Coperion. Auch sie waren nicht der Aufforderung der IGM-Zentrale gefolgt, sondern hatten einen Aufruf der BR-Vorsitzenden Lilly Culjak auf der letzten Delegierten-Versammlung durch Mobilisierung ihrer Kollegen und aktive Pr\u00e4senz unterst\u00fctzt. Es kamen auch KollegInnen aus Betrieben, vor denen die Vertrauensleute von Mahle-Behr Flyer verteilt hatten. Insgesamt beteiligten sich \u00fcber 1300 Kolleginnen und Kollegen am Aktionstag.<\/p>\n<p>Also schon der Rahmen war anders als das \u00fcbliche Ritual und als MetallerIn hatte man mal wieder das Gef\u00fchl, die Gewerkschaft lebt!<\/p>\n<p><strong>Mehr Bewegung \u2013 mehr Inhalt!<\/strong><\/p>\n<p>Die Rede von Lilly zeigte auf, was diesen Betriebsrat und diese Belegschaft treibt: Der Gesamt-Betriebsrat hatte im Fr\u00fchjahr den vom Konzern geforderten Stellenk\u00fcrzungen zugestimmt. Die \u201efreiwilligen\u201c Ausscheidungsvereinbarungen hatten diesen Abbau nicht zuwege gebracht. Jetzt droht die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung mit 98 Entlassungen oder alternativ \u201eArbeitnehmer-Beitr\u00e4gen\u201c, also Lohnverzicht in H\u00f6he von 39 Millionen pro Jahr. In Wirklichkeit ist in vielen Abteilungen jede Menge Arbeit vorhanden.<\/p>\n<p>F\u00fcr M\u00fchlacker stellte die Vorsitzende Nektaria Christidou ihre Motivation dar: Dort soll statt dem Abbau von rund 200 Arbeitspl\u00e4tzen, perspektivisch die Belegschaft von rund 1300 Leuten halbiert werden. Alles Wohlverhalten des Betriebsrates, der im letzten Jahr nicht nur Arbeit rund um die Uhr, sondern auch befristete Neueinstellungen genehmigt hatte, hat nichts gen\u00fctzt. Die ganze zuk\u00fcnftige Produktion wird der Belegschaft praktisch unterm Hintern weggezogen. Das trieb auch die IG Metallbevollm\u00e4chtigte aus Pforzheim an die Redetrib\u00fcne.<\/p>\n<p>Neben k\u00e4mpferischen Solidarit\u00e4tserkl\u00e4rungen waren zwei Reden ungew\u00f6hnlich:<\/p>\n<p>Mehmet Sahin, der zehn Jahre lang als der Outlow des Feuerbacher Betriebsrats gegolten hatte, weil er mit seinen KollegInnen f\u00fcr den Erhalt des Werk 8 noch gek\u00e4mpft hatte, als die IG Metall dies schon aufgegeben hatte, sich \u00fcber 2 Instanzen seine Wiedereinstellung gerichtlich durchgesetzt hatte und 2014 mit einer zweiten Liste \u00fcber 40% bei der Betriebsratswahl erzielt hatte, konnte auf diesen Kampf verweisen, der pl\u00f6tzlich wieder aktuell wird. Er stellte dar, wie wichtig nicht nur der Kampf bis zum Ende ist, sondern auch, dass eine harte, aber solidarische Diskussion in den Strukturen der IG Metall die Basis sein kann , um auch nach einer Niederlage wieder zur\u00fcck zum gemeinsamen solidarischen Kampf zu finden, der heute wieder so notwendig ist.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend erkl\u00e4rte Bernd Riexinger, Bundestagsabgeordneter der LINKEN, aber in Stuttgart noch wohl bekannt als Verdi-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, der unz\u00e4hlige Streiks in Branchen organisiert hatte, die zuvor nicht als streikf\u00e4hig galten, wie gewerkschaftliche K\u00e4mpfe aussehen m\u00fcssen: Demokratische und offene Einbeziehung der Basis, Solidarit\u00e4t zwischen den Belegschaften organisieren und aufzeigen, wie wichtig die Belegschaften bei Streiks sind dass Streiks zeigen, wie wichtig die Belegschaften sind \u2013 im Unterschied zum Management, deren Fehlen die Produktion nicht beeintr\u00e4chtigt. Eine Rede, wie sie IG Metall-RednerInnen halten m\u00fcssten.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich stellte er auch politische Forderungen auf, vor allem nach mehr Mitbestimmung f\u00fcr Betriebsr\u00e4te bei Verlagerungen, Investitionen und Produkten. Mehmet hatte zuvor die 30 Stunden Woche f\u00fcr die gesamte Metall-Industrie angesprochen und die Vergesellschaftung der Schl\u00fcsselindustrien, wie es in der Satzung der IGM steht.<\/p>\n<p>Die Stimmung war sehr k\u00e4mpferisch und trieb auch den Betriebsratsvorsitzenden von Mahle Markgr\u00f6ningen dazu, an den Protest der Mahle-Belegschaften 2005 zu erinnern, als an die 5000 Leute vor der Zentrale standen. Wie viele andere RednerInnen betonte er, dass dies erst der Anfang sein d\u00fcrfe!<\/p>\n<p><strong>Wie weiter?<\/strong><\/p>\n<p>Die Frage stand also im Raum, wie weiter handeln? Wie es nicht funktionieren wird, zeigte Teil zwei der Veranstaltung. Nach einer kurzen Demonstration rund ums Werksgel\u00e4nde in Feuerbach, fuhren die Busse aus M\u00fchlacker und ein Teil der DemonstratInnen nach Cannstatt, vor die Konzernzentrale. Einige Besch\u00e4ftigte aus der Zentrale schlossen sich dem Protest an, aber weit weniger als in Feuerbach geblieben waren.<\/p>\n<p>Aber der Charakter der Veranstaltung wandelte sich durch eine Regie-Umstellung: Die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung war eingeladen zu reden: Es kamen die Arbeitsdirektorin und die Leiterin des Gesch\u00e4ftsbereichs K\u00fchler und Klima (BU3). Das Thema M\u00fchlacker dominierte alles. Die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerInnen wurden angefleht, doch was Nettes zu sagen, zu erkennen, dass es um Menschen gehe, um Menschen mit Familien, die doch auch eine Zukunft br\u00e4uchten. Was die Betriebsr\u00e4te br\u00e4uchten, w\u00e4re von der Gesch\u00e4ftsleitung ernst genommen zu werden und in Gespr\u00e4che eingebunden zu werden. Das NEIN gegen den Angriff auf die Existenz des Werkes M\u00fchlacker wurde ganz klein. Eine mit klarem Kampfeswillen untermauerte Forderung \u201etransformierte\u201c sich (um das vielfach missbrauchte Modewort zu benutzen) zu einer entschiedenen Bitte. Die Fortsetzung des Kampfes wurde darauf reduziert, wieder kommen zu wollen (und die Bittstellung zu erneuern), wenn es bei den Gespr\u00e4chen nicht vorw\u00e4rts geht. Nat\u00fcrlich antworteten die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerinnen sehr geschmeidig und nat\u00fcrlich gaben sie nicht eine einzige Zusage. Also: Viel geredet und nichts gesagt.<\/p>\n<p><strong>Eine andere Antwort ist n\u00f6tig<\/strong><\/p>\n<p>Die Betriebsgruppe \u201eMahle-Solidarit\u00e4t\u201c hatte danach zum Treffen eingeladen. Eine gute Diskussion entstand \u00fcber die Erfolge der Aktion und ihre Grenzen. Was ist n\u00f6tig:<\/p>\n<p>Das Solidarit\u00e4tsnetz muss von unten aufgebaut werden. Dazu geh\u00f6rt die Kritik am Verhalten der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung und des Vorstandes der IG Metall. So waren zum Beispiel die KollegInnen von Coperion richtig sauer, als sie die Flyer f\u00fcr die Kundgebung erhielten: Ihnen sind gerade die ERA-Eingruppierung mit Unterschrift der IG Metall gek\u00fcrzt worden.<\/p>\n<p>Auch wenn die Unternehmen gerade vor allem nach Osteuropa verlagern, gegen die Parole von der \u201eSicherung des Standortes Deutschland\u201c, sollten wir die Perspektive des gemeinsamen internationalen Widerstandes setzen: Bei Mahle zum Beispiel werden auch \u00fcber 5000 Arbeitpl\u00e4tze in anderen L\u00e4ndern vernichtet.<\/p>\n<p>Insgesamt belegt der Aktionstag, dass der Kampf der \u201eMAHLE-Solidarit\u00e4t\u201c und des Metallertreffs Stuttgart richtig ist. Wir machen weiter!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vernetzung.org\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Mahle-Soli-Sonderausgabe-Okt-2021.pdf\">Mahle Soli Sonderausgabe Okt 2021<\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.vernetzung.org\/aktionstag-bei-mahle-behr-in-stuttgart-metallerinnen-koennen-auch-anders\/\"><em>vernetzung.org..<\/em><\/a><em> vom 25. Oktober 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Jahren ist die Choreographie von IG Metall Protest-Veranstaltungen \u00e4hnlich: Laut und bunt, aber Phrasen ohne Inhalt und Forderungen so unkonkret wie m\u00f6glich. Am Dienstag, 19. 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