{"id":10310,"date":"2021-11-03T09:08:51","date_gmt":"2021-11-03T07:08:51","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10310"},"modified":"2021-11-03T09:08:52","modified_gmt":"2021-11-03T07:08:52","slug":"die-interessen-des-kapitals-und-die-grenzen-des-cop26-klimagipfels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10310","title":{"rendered":"Die Interessen des Kapitals und die Grenzen des COP26-Klimagipfels"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Klimakrise erfordert dringende Ver\u00e4nderungen in der Weltwirtschaft. Dazu m\u00fcssten die fossilen Energiekonzerne in \u00f6ffentliches Eigentum \u00fcberf\u00fchrt und die erneuerbaren Energien rasch ausgebaut werden. Doch nichts davon steht auf der Tagesordnung der COP26. Gastbeitrag des marxistischen \u00d6konomen Michael Roberts.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Seit diesem Wochenende findet im schottischen Glasgow die COP26 statt. Alle L\u00e4nder der Welt sollen bei dem Treffen vertreten sein, um eine Einigung \u00fcber die Begrenzung und Verringerung der Treibhausgasemissionen zu erzielen, damit der Planet nicht \u00fcberhitzt und keine weitreichende Sch\u00e4den f\u00fcr die Umwelt, die Arten und die Lebensgrundlagen der Menschen auf der ganzen Welt verursacht.<\/p>\n<p>Derzeit sind wir auf dem besten Weg, dass sich die Welt bis zum Ende des Jahrhunderts\u00a0<a href=\"https:\/\/unfccc.int\/news\/full-ndc-synthesis-report-some-progress-but-still-a-big-concern\"><strong>um mindestens 2,7 \u00b0C erw\u00e4rmt<\/strong><\/a>\u00a0\u2013 und das auch nur, wenn die L\u00e4nder alle ihre Zusagen einhalten. Derzeit tun sie das nicht einmal ann\u00e4hernd. Die Regierungen sind \u201escheinbar Lichtjahre davon entfernt, unsere Klimaziele zu erreichen\u201c, um UN-Chef Guterres zu zitieren.<\/p>\n<p>Die weltweiten energiebedingten CO2-Emissionen werden im Jahr 2021 um 1,5 Milliarden Tonnen ansteigen \u2013 der zweitgr\u00f6\u00dfte Anstieg in der Geschichte \u2013 und damit den durch die Covid-19-Pandemie verursachten R\u00fcckgang des letzten Jahres gr\u00f6\u00dftenteils wieder aufheben. Es wird erwartet, dass die weltweiten Emissionen bis 2030 im Vergleich zu den Werten von 2010 nicht sinken, sondern\u00a0<a href=\"https:\/\/www.newscientist.com\/article\/2290746-un-says-global-carbon-emissions-set-to-rise-16-per-cent-by-2030\/\"><strong>um 16 Prozent steigen<\/strong><\/a>\u00a0werden.<\/p>\n<p>COP steht f\u00fcr die\u00a0<a href=\"https:\/\/unfccc.int\/process-and-meetings\/the-convention\/what-is-the-united-nations-framework-convention-on-climate-change\"><strong>Konferenz der Vertragsparteien des Rahmen\u00fcbereinkommens der Vereinten Nationen \u00fcber Klima\u00e4nderungen von 1992<\/strong><\/a>, das den Rahmen f\u00fcr die gesamte internationale Zusammenarbeit im Bereich des Klimaschutzes bildet. Nach Angaben der UN sind die drei wichtigsten Priorit\u00e4ten der COP26 in Glasgow folgende: 1) Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf h\u00f6chstens 1,5 Grad Celsius durch \u201erasche, k\u00fchne Emissionssenkungen\u201c und\u00a0<a href=\"https:\/\/www.un.org\/en\/climatechange\/net-zero-coalition\"><strong>Netto-Null-Verpflichtungen<\/strong><\/a>; 2) Aufstockung der internationalen Finanzmittel f\u00fcr die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.un.org\/en\/climatechange\/climate-adaptation\"><strong>Anpassung<\/strong><\/a>\u00a0an den Klimawandel auf mindestens die H\u00e4lfte der Gesamtausgaben f\u00fcr Klimaschutzma\u00dfnahmen; 3) Erf\u00fcllung der bestehenden Verpflichtung, j\u00e4hrlich 100 Milliarden Dollar an internationalen\u00a0<a href=\"https:\/\/www.un.org\/en\/climatechange\/raising-ambition\/climate-finance\"><strong>Klimafinanzierungsmitteln<\/strong><\/a>\u00a0bereitzustellen, damit Entwicklungsl\u00e4nder in gr\u00fcne Technologien investieren und Leben und Lebensgrundlagen vor den sich versch\u00e4rfenden Klimaauswirkungen sch\u00fctzen k\u00f6nnen. Die Realit\u00e4t sieht so aus, dass selbst diese bescheidenen vorrangigen Ziele in Glasgow nicht vereinbart und schon gar nicht umgesetzt werden k\u00f6nnen, wenn man sich die derzeitige Zusammensetzung der Regierungen und die Pl\u00e4ne der Industrie und der Finanzwelt ansieht.<\/p>\n<p>Es gibt keine plausiblen wissenschaftlichen Argumente mehr gegen die Ansicht, dass\u00a0<a href=\"https:\/\/thenextrecession.wordpress.com\/2021\/08\/12\/climate-change-the-fault-of-humanity\/\"><strong>menschliche Aktivit\u00e4ten das Klima nachhaltig beeinflussen<\/strong><\/a>. Die schwindende Schar der \u201eKlimaskeptiker\u201c wurde (zumindest in den Mainstream-Medien) durch die \u00fcberw\u00e4ltigenden und sich mehrenden Beweise zum Schweigen gebracht, dass die auf fossilen Brennstoffen basierende Industrie- und Energieproduktion sowie der Verkehr steigende Kohlenstoff- und andere Treibhausgasemissionen verursachen und dies die Ursache der globalen Erw\u00e4rmung ist. Au\u00dferdem ist die globale Erw\u00e4rmung seit den industriellen Revolutionen des 19. Jahrhunderts inzwischen so weit fortgeschritten, dass sie den Planeten zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Weit weniger bekannt ist jedoch, dass diese drohende (und bereits eingetretene) Katastrophe noch abgewendet und r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden k\u00f6nnte \u2013 und zwar ohne erhebliche Kosten f\u00fcr die Regierungen. Der j\u00fcngste Bericht der Internationalen Energieagentur, der\u00a0<a href=\"https:\/\/l.facebook.com\/l.php?u=https%3A%2F%2Fwww.iea.org%2Freports%2Fworld-energy-outlook-2021%3Ffbclid%3DIwAR3K5uGxceCDLye9Y88o42HHea69MTk6W04UYhbbJPZjCrLjnlk3u7kR0Yk&amp;h=AT0xjMKBzHvEauGD2vyIHzNdbq1HUYtjEaBl6HQgK3ZuBTYsvTrlDyYf-7_UibW2mHic4aA4I2o66pITkPHi5B0zAwsY1UvrXkXc7X1-cK2aIgXheCszpmrEFh4VE2X97wKcDPU2Vsm9KsquyfeI&amp;__tn__=-UK-R&amp;c%5b0%5d=AT0rqWZApuNCHApHsdcT6K0JE8_jQNv7_CVtEHEaPZEQPNRfwwhGX__BRf_ce00dnzrdmRqVuEi52YPjaXxIDqUUunX0ine8chOFfJn_X7RiQCKa_P9RodCSBs-ZGIFAOBY3YsFywxgEYUymG_kGgRMKTko8adReqo2acDdLyHrho-6e5AgnfkRTYASBCLdKCRpk3Q_y\"><strong>World Energy Outlook 2021<\/strong><\/a>, zeigt, dass wir wissen, was wir dagegen tun k\u00f6nnen, und zwar in allen Einzelheiten und zu erschwinglichen Kosten. Aber es fehlt der politische Wille der Regierungen, die stattdessen den Interessen der fossilen Industrie, der Luftfahrt- und Verkehrsbranche und des Finanz- und Industriekapitals insgesamt verpflichtet sind, die Profite auf Kosten der gesellschaftlichen Bed\u00fcrfnisse zu erhalten.<\/p>\n<p>Schon jetzt klafft eine gro\u00dfe L\u00fccke zwischen den von den Regierungen auf der COP26 gemachten Zusagen zur Emissionsreduzierung und dem, was notwendig ist. Der Zwischenstaatliche Ausschuss f\u00fcr Klima\u00e4nderungen (<a href=\"https:\/\/www.ipcc.ch\/\"><strong>IPCC<\/strong><\/a>) sch\u00e4tzt, dass f\u00fcr eine Begrenzung des Anstiegs der globalen Durchschnittstemperatur auf 1,5 \u00b0C eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 45 Prozent bis 2030 erforderlich ist, bzw. eine Reduzierung um 25 Prozent bis 2030, um die Erw\u00e4rmung auf 2 \u00b0C zu begrenzen. 113 Regierungen haben nationale Klimaschutzziele (National Determined Contributions, NDCs) vorgelegt, die eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um nur 12 Prozent bis 2030 im Vergleich zu 2010 vorsehen.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/cop1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/cop1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10311\" width=\"762\" height=\"391\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/cop1.jpg 602w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/cop1-300x154.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 762px) 100vw, 762px\" \/><\/a><\/figure>\n<p>Die Regierungen der Welt planen, im Jahr 2030 mehr als doppelt so viele fossile Brennstoffe zu produzieren, als es mit einer Begrenzung der Erw\u00e4rmung auf 1,5\u00b0C vereinbar w\u00e4re. Die Regierungen prognostizieren f\u00fcr die n\u00e4chsten zwei Jahrzehnte einen Anstieg der weltweiten \u00d6l- und Gasproduktion und nur einen bescheidenen R\u00fcckgang der Kohleproduktion. Dies f\u00fchrt zu zuk\u00fcnftigen Produktionsniveaus, die weit \u00fcber denen liegen, die mit einer Begrenzung der Erw\u00e4rmung auf 1,5\u00b0C oder 2\u00b0C vereinbar sind. Die aktuellen Produktionspl\u00e4ne und -prognosen der Regierungen w\u00fcrden dazu f\u00fchren, dass im Jahr 2030 rund 240 Prozent mehr Kohle, 57 Prozent mehr \u00d6l und 71 Prozent mehr Gas gef\u00f6rdert werden, als es mit einer Begrenzung der globalen Erw\u00e4rmung auf 1,5 \u00b0C vereinbar w\u00e4re.<\/p>\n<p>In der Tat haben die G20-L\u00e4nder seit Beginn der COVID-19-Pandemie rund 300 Milliarden US-Dollar an neuen Mitteln in die F\u00f6rderung fossiler Brennstoffe gesteckt \u2013 mehr als in saubere Energie. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur wurden\u00a0<a href=\"https:\/\/www.iea.org\/news\/with-only-2-of-governments-recovery-spending-going-to-clean-energy-transitions-global-emissions-are-set-to-surge-to-an-all-time-high\"><strong>nur 2 Prozent der staatlichen Ausgaben<\/strong><\/a>\u00a0f\u00fcr den Wiederaufbau nach der Pandemie in saubere Energie investiert, w\u00e4hrend gleichzeitig die Produktion und Verbrennung von Kohle, \u00d6l und Gas allein im Jahr 2020 mit\u00a0<a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/environment\/2021\/oct\/06\/fossil-fuel-industry-subsidies-of-11m-dollars-a-minute-imf-finds\"><strong>5,9 Billionen US-Dollar<\/strong><\/a>\u00a0subventioniert wurde.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/cop1-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"931\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/cop1-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10312\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/cop1-1.jpg 931w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/cop1-1-273x300.jpg 273w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/cop1-1-768x845.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 931px) 100vw, 931px\" \/><\/a><\/figure>\n<p>Welche L\u00e4nder sind daran schuld, dass die Umweltkatastrophe nicht ann\u00e4hernd vermieden werden konnte? In der Regel wird China als Hauptschuldiger ausgemacht. Das Land ist derzeit der mit Abstand gr\u00f6\u00dfte CO2-Emittent der Welt und plant den Bau von 43 neuen Kohlekraftwerken zus\u00e4tzlich zu den 1.000 bereits in Betrieb befindlichen Anlagen. Aber China hat einige Ausreden. China ist das bev\u00f6lkerungsreichste Land der Welt, so dass die Pro-Kopf-Emissionen viel niedriger sind als in den meisten anderen gro\u00dfen Volkswirtschaften (obwohl es auf die Masse ankommt). Zweitens ist China das Produktionszentrum der Welt, das Waren f\u00fcr alle reichen L\u00e4nder des globalen Nordens herstellt. Infolgedessen werden seine Emissionen aufgrund der weltweiten Verbrauchernachfrage nach seinen Produkten enorm sein.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus stammen die kumulativen Emissionen, die in den letzten 100 Jahren in die Atmosph\u00e4re gelangt sind, aus dem reichen, zuvor industrialisierten und nun energieverbrauchenden Norden. Es besteht ein direkter,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/nature08019\"><strong>linearer Zusammenhang\u00a0<\/strong><\/a>zwischen der Gesamtmenge des durch menschliche Aktivit\u00e4ten freigesetzten CO2 und dem Grad der Erw\u00e4rmung der Erdoberfl\u00e4che. Au\u00dferdem hat der Zeitpunkt, zu dem eine Tonne CO2 freigesetzt wird,\u00a0<a href=\"https:\/\/iopscience.iop.org\/article\/10.1088\/1748-9326\/10\/3\/031001\"><strong>nur einen begrenzten Einfluss<\/strong><\/a>\u00a0auf das Ausma\u00df der Erw\u00e4rmung, die sie letztendlich verursacht. Das bedeutet, dass die CO2-Emissionen von vor Hunderten von Jahren weiterhin zur Erw\u00e4rmung des Planeten beitragen \u2013 und die aktuelle Erw\u00e4rmung wird durch die kumulierte Summe der CO2-Emissionen im Laufe der Zeit bestimmt.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/cop1-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"694\" height=\"483\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/cop1-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10313\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/cop1-2.jpg 694w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/cop1-2-300x209.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 694px) 100vw, 694px\" \/><\/a><\/figure>\n<p>Insgesamt hat der Mensch seit 1850 etwa\u00a0<a href=\"https:\/\/essd.copernicus.org\/articles\/12\/3269\/2020\/\"><strong>2.500 Milliarden Tonnen<\/strong><\/a>\u00a0CO2 (GtCO2) in die Atmosph\u00e4re gepumpt, so dass weniger als\u00a0<a href=\"https:\/\/www.carbonbrief.org\/analysis-what-the-new-ipcc-report-says-about-when-world-may-pass-1-5c-and-2c\"><strong>500 GtCO2<\/strong><\/a>\u00a0an\u00a0<a href=\"https:\/\/www.carbonbrief.org\/analysis-why-the-ipcc-1-5c-report-expanded-the-carbon-budget\"><strong>Kohlenstoffbudget<\/strong><\/a>\u00a0\u00fcbrig bleiben, um die Erw\u00e4rmung unter 1,5 \u00b0C zu halten. Das bedeutet, dass die Welt zum Zeitpunkt der COP26 in Glasgow insgesamt 86 Prozent des Kohlenstoffbudgets verbraucht haben wird, um mit einer 50:50-Wahrscheinlichkeit unter 1,5 \u00b0C zu bleiben, bzw. 89 Prozent des Budgets mit einer Wahrscheinlichkeit von zwei Dritteln. Mehr als die H\u00e4lfte aller CO2-Emissionen seit 1751 wurden in den letzten 30 Jahren emittiert.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/cop1-3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"602\" height=\"311\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/cop1-3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10314\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/cop1-3.jpg 602w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/cop1-3-300x155.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 602px) 100vw, 602px\" \/><\/a><\/figure>\n<p>An erster Stelle der historischen Rangliste stehen die USA, die seit 1850 mehr als 509 GtCO2 freigesetzt haben und mit etwa 20 Prozent der globalen Gesamtemissionen den gr\u00f6\u00dften Anteil an den historischen Emissionen haben. China liegt mit 11 Prozent relativ weit abgeschlagen an zweiter Stelle, gefolgt von Russland (7 Prozent), Brasilien (5 Prozent) und Indonesien (4 Prozent). Die beiden letztgenannten L\u00e4nder geh\u00f6ren aufgrund des CO2-Aussto\u00dfes ihrer B\u00f6den zu den 10 gr\u00f6\u00dften historischen Emittenten.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/cop1-4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/cop1-4.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10315\" width=\"825\" height=\"444\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/cop1-4.jpg 594w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/cop1-4-300x162.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 825px) 100vw, 825px\" \/><\/a><\/figure>\n<p>Die gr\u00f6\u00dften Emittenten oder Verbraucher von Kohlenstoff, abgesehen von der fossilen Brennstoff-Industrie, sind die reichsten Verm\u00f6gens- und Einkommensbezieher:innen im globalen Norden, die einen \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Konsum haben und \u00fcberall hinfliegen. Es ist das Milit\u00e4r (der gr\u00f6\u00dfte Sektor des Kohlenstoffverbrauchs). Hinzu kommt die Verschwendung durch kapitalistische Produktion und den Konsum von Autos, Flugzeugen und Fluggesellschaften, Schiffen, Chemikalien, abgef\u00fclltem Wasser, verarbeiteten Lebensmitteln, unn\u00f6tigen Arzneimitteln usw., die direkt mit Kohlenstoffemissionen verbunden sind. Sch\u00e4dliche industrielle Prozesse wie die industrielle Landwirtschaft, die industrielle Fischerei, der Holzeinschlag, der Bergbau usw. sind ebenfalls gro\u00dfe globale Verursacher, w\u00e4hrend das Bankwesen all diese Kohlenstoffemissionen finanziert und f\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Und die USA tun wirklich wenig, um die Industrie f\u00fcr fossile Brennstoffe zu kontrollieren oder zu reduzieren. Im Gegenteil, die Erd\u00f6l- und Erdgasproduktion steigt schnell an und die Exploration wird ausgeweitet. Die Regierung Biden hat k\u00fcrzlich Pl\u00e4ne zur Erschlie\u00dfung von Millionen Hektar \u00d6l- und Gasvorkommen angek\u00fcndigt, die letztendlich zu einer F\u00f6rderung von bis zu\u00a0<a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/business\/energy\/biden-administration-takes-steps-resume-oil-gas-drilling-auctions-2021-08-31\/\"><strong>1,1 Milliarden Barrel Roh\u00f6l<\/strong><\/a>\u00a0und 4,4 Billionen Kubikfu\u00df fossilem Gas f\u00fchren k\u00f6nnten. Dass die USA bei weitem der gr\u00f6\u00dfte Emittent in der Geschichte und gleichzeitig der gr\u00f6\u00dfte \u00d6lproduzent der Welt sind, scheint sie nicht in Verlegenheit zu bringen, obwohl sie behaupten, ein Vorreiter in Sachen Klimaschutz zu sein.<\/p>\n<p>In der Tat planen die meisten gro\u00dfen \u00d6l- und Gasproduzenten eine Steigerung der Produktion bis 2030 oder dar\u00fcber hinaus, w\u00e4hrend mehrere gro\u00dfe Kohleproduzenten ihre Produktion fortsetzen oder steigern wollen.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/cop1-5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"354\" height=\"931\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/cop1-5.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10316\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/cop1-5.jpg 354w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/cop1-5-114x300.jpg 114w\" sizes=\"auto, (max-width: 354px) 100vw, 354px\" \/><\/a><\/figure>\n<p>Kein Wunder, dass die Regierungen der Erzeuger und Verbraucher fossiler Brennstoffe wie Saudi-Arabien, Japan und Australien zu den L\u00e4ndern geh\u00f6ren, die die UNO in Glasgow auffordern, die Notwendigkeit einer raschen Abkehr von fossilen Brennstoffen herunterzuspielen oder \u00e4rmeren Staaten mehr Geld zu zahlen, damit sie auf umweltfreundlichere Technologien umsteigen. China mag zwar der gr\u00f6\u00dfte Umweltverschmutzer der Welt sein, aber es hat sich verpflichtet, seine Emissionen vor 2030 auf einen H\u00f6chststand zu bringen und das Land\u00a0<a href=\"https:\/\/time.com\/5930095\/china-plant-based-meat\/\"><strong>bis 2060 kohlenstoffneutral<\/strong><\/a>\u00a0zu machen. Und China ist bereits jetzt f<a href=\"https:\/\/www.irena.org\/-\/media\/Files\/IRENA\/Agency\/Publication\/2021\/Apr\/IRENA_-RE_Capacity_Highlights_2021.pdf?la=en&amp;hash=1E133689564BC40C2392E85026F71A0D7A9C0B91#:~:text=Asia%20accounted%20for%2064%25%20of,this%20increase%20occurred%20in%20China.\"><strong>\u00fchrend im Bereich der erneuerbaren Energien, mit etwa 50 Prozent<\/strong><\/a>\u00a0des weltweiten Zuwachses an erneuerbaren Energiekapazit\u00e4ten im Jahr 2020. Die bev\u00f6lkerungsreichste Nation der Welt ist auch bei gr\u00fcnen Schl\u00fcsseltechnologien wie\u00a0<a href=\"https:\/\/time.com\/5107488\/why-china-will-beat-tesla-electric-car-race\/\"><strong>Elektrofahrzeugen<\/strong><\/a>,\u00a0<a href=\"https:\/\/time.com\/4970269\/batteries-next-target-china-clean-energy-conquest\/\"><strong>Batterien<\/strong><\/a>\u00a0und\u00a0<a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/business\/energy\/china-add-55-65-gw-solar-power-capacity-2021-industry-body-2021-07-22\/#:~:text=China%20has%20the%20world's%20largest,to%20International%20Energy%20Agency%20data.\"><strong>Solarenergie<\/strong><\/a>\u00a0f\u00fchrend.<\/p>\n<p>Von 40 verschiedenen Bereichen, von der Energiewirtschaft \u00fcber die Schwerindustrie, die Landwirtschaft, das Verkehrswesen und das Finanzwesen bis hin zur Technologie, gibt es keine einzige, die sich schnell genug ver\u00e4ndert, um eine Erderw\u00e4rmung von 1,5 \u00b0C \u00fcber das vorindustrielle Niveau hinaus zu vermeiden, so ein Bericht des\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wri.org\/research\/state-climate-action-2021\"><strong>World Resources Institute<\/strong><\/a>.<\/p>\n<p>Dabei sind die Kosten f\u00fcr den Ausstieg aus der Produktion fossiler Brennstoffe und den Ausbau erneuerbarer Energien nicht hoch. Die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft ist technisch und finanziell machbar. Sie w\u00fcrde erfordern, dass j\u00e4hrlich etwa 2,5 Prozent des globalen BIP f\u00fcr Investitionen in Bereichen aufgewendet werden, die darauf abzielen, die Energieeffizienzstandards in allen Bereichen (Geb\u00e4ude, Autos, Transportsysteme, industrielle Produktionsprozesse) zu verbessern und die Verf\u00fcgbarkeit sauberer Energiequellen massiv auszubauen, damit bis 2050 Null-Emissionen erreicht werden k\u00f6nnen. Die IEA sch\u00e4tzt, dass die j\u00e4hrlichen Kosten inzwischen auf 4 Billionen Dollar gestiegen sind, weil seit der Pariser Konferenz vor f\u00fcnf Jahren nicht investiert wurde. Aber selbst diese Kosten sind nichts im Vergleich zum Verlust von Einkommen, Arbeitspl\u00e4tzen, Leben und Lebensbedingungen f\u00fcr Millionen von Menschen.<\/p>\n<p>Aber es wird nicht passieren, denn um wirklich effektiv zu sein, m\u00fcsste die fossile Brennstoffindustrie auslaufen und durch saubere Energiequellen ersetzt werden. Arbeiter:innen, die ihren Lebensunterhalt mit fossilen Brennstoffen bestreiten, m\u00fcssten umgeschult und in umweltfreundliche Industrien und Dienstleistungen umgelenkt werden. Dies erfordert erhebliche \u00f6ffentliche Investitionen und eine Planung auf globaler Ebene.<\/p>\n<p>Ein globaler Plan k\u00f6nnte Investitionen in Dinge lenken, die die Gesellschaft wirklich braucht, wie erneuerbare Energien, \u00f6kologische Landwirtschaft, \u00f6ffentliche Verkehrsmittel, \u00f6ffentliche Wassersysteme, \u00f6kologische Sanierung, \u00f6ffentliche Gesundheit, gute Schulen und andere derzeit nicht erf\u00fcllte Bed\u00fcrfnisse. Und er k\u00f6nnte die Entwicklung auf der ganzen Welt angleichen, indem er Ressourcen aus der nutzlosen und sch\u00e4dlichen Produktion im Norden in die Entwicklung des S\u00fcdens verlagert, in den Aufbau einer grundlegenden Infrastruktur, von Abwassersystemen, \u00f6ffentlichen Schulen und der Gesundheitsversorgung. Gleichzeitig k\u00f6nnte ein globaler Plan darauf abzielen, gleichwertige Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr Arbeiter:innen zu schaffen, die durch die Verkleinerung oder Schlie\u00dfung unn\u00f6tiger oder sch\u00e4dlicher Industrien verdr\u00e4ngt werden.<\/p>\n<p>All dies w\u00fcrde zun\u00e4chst davon abh\u00e4ngen, die fossilen Konzerne in \u00f6ffentliches Eigentum und unter demokratische Kontrolle der Bev\u00f6lkerung zu bringen, wo immer fossile Brennstoffe produziert werden. Die Energiewirtschaft muss in einen globalen Plan zur Verringerung der Emissionen und zum Ausbau \u00fcberlegener Technologien f\u00fcr erneuerbare Energien eingebunden werden. Dies bedeutet den Aufbau einer Kapazit\u00e4t an erneuerbaren Energien, die das 10-fache der derzeitigen Versorgungsbasis betr\u00e4gt. Dies ist nur durch geplante \u00f6ffentliche Investitionen m\u00f6glich, durch die die Arbeitspl\u00e4tze in Unternehmen, die fossile Brennstoffe herstellen, in Unternehmen f\u00fcr gr\u00fcne Technologien und Umweltschutz verlagert werden.<\/p>\n<p>Nichts davon steht auf der Tagesordnung der COP26.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-interessen-des-kapitals-und-die-grenzen-des-cop26-klimagipfels\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 3. November 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Klimakrise erfordert dringende Ver\u00e4nderungen in der Weltwirtschaft. Dazu m\u00fcssten die fossilen Energiekonzerne in \u00f6ffentliches Eigentum \u00fcberf\u00fchrt und die erneuerbaren Energien rasch ausgebaut werden. Doch nichts davon steht auf der Tagesordnung der COP26. 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