{"id":10379,"date":"2021-11-13T15:08:15","date_gmt":"2021-11-13T13:08:15","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10379"},"modified":"2021-11-13T15:08:16","modified_gmt":"2021-11-13T13:08:16","slug":"autokrise-am-beispiel-boschs-transformation-ins-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10379","title":{"rendered":"Autokrise am Beispiel Boschs: Transformation ins Aus"},"content":{"rendered":"<p><em>Mattis Molde. <\/em>\u00dcberall werden Jobs in der Autoindustrie abgebaut. Laut einer Studie des Verbandes der Automobilindustrie, VDA, erwartet dieser den Wegfall von mindestens 178.000 Arbeitspl\u00e4tzen bis 2025. Das m\u00fcsse aus Sicht dieser ArbeitsplatzvernichterInnen auch so sein, weil \u201edie unter den aktuellen Bedingungen nicht neu geschaffen werden k\u00f6nnen.\u201c Denn, so hei\u00dft es in einer Presseerkl\u00e4rung: \u201eBedingt durch hohe Steuern<!--more--> und Abgaben, hohe Energiekosten und mangelnde Investitionen in Bildung f\u00e4llt Deutschland im internationalen Standortwettbewerb immer weiter zur\u00fcck.\u201c Mit anderen Worten, die Autokonzerne wollen weniger Steuern zahlen, weniger L\u00f6hne, daf\u00fcr Subventionen erhalten und neue Werke auf gr\u00fcne Wiesen oder anderswo hinsetzen.<\/p>\n<p>Der Angriff auf die Arbeitspl\u00e4tze in der Autoindustrie beginnt nicht erst heute. In den letzten 3 Jahren wurden bereits zehntausende vernichtet, deren H\u00f6chststand der letzten Jahre rund 850.000 betrug. Wie lief das ab? Was haben wir in Zukunft zu erwarten und was k\u00f6nnen die Betroffenen tun?<\/p>\n<p>Bei den Gro\u00dfbetrieben der Endhersteller geschieht der Personalabbau selten durch Entlassungen. Es gibt gro\u00dfz\u00fcgige Abfindungen und jede Menge Altersteilzeit. Die MalocherInnen in der Produktion werden einfach heimgeschickt. Dort arbeiten schon seit Jahren LeiharbeiterInnen oder WerkvertraglerInnen in einem Ausma\u00df, welches einen Abbau von 20 \u2013 30\u00a0% komplett ger\u00e4uschlos erm\u00f6glicht. Auch die Praxis, ganze Produktionsbereiche als \u201eVertragslogistik\u201c zu beschreiben und an andere Firmen fremdzuvergeben, erm\u00f6glicht dann eine sp\u00e4tere Arbeitsplatzzerst\u00f6rung ohne Sozialplan, ohne Verhandlungen und meist ohne Proteste.<\/p>\n<p>Anders sieht es bei den Zulieferern aus. Auch wenn Bosch, ZF, Conti und Mahle globale Konzerne sind, sind ihre Werke \u00fcberwiegend kleiner und daf\u00fcr zahlreicher. So hat Bosch nach eigenen Angaben \u00fcber 100 Werke in Deutschland, von denen allerdings nicht alle zum gr\u00f6\u00dften Gesch\u00e4ftsbereich Kfz-Technik (\u201eMobility-Solutions\u201c) geh\u00f6ren.<\/p>\n<p><strong>Das Beispiel Bosch<\/strong><\/p>\n<p>Der Stand des Kahlschlags dort sieht derzeit so aus \u2013 ohne Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit:<\/p>\n<ul>\n<li>In den gro\u00dfen Werken Stuttgart-Feuerbach und Schwieberdingen wurden schon etwa 1.600 Stellen abgebaut, rund 500 in den Reutlinger Werken.<\/li>\n<li>In Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd wurde schon 2017 mit dem Betriebsrat vereinbart, bis 2019 760 von rund 5.000 Stellen abzubauen. 2019 wurden von der Konzernleitung noch mal 1.000 mehr gestrichen, die bis 2023 abgebaut werden sollen.<\/li>\n<li>In den Werken B\u00fchl und B\u00fchlertal sollen in den n\u00e4chsten 2 Jahren 700 Vollzeitstellen wegfallen. Die IG Metall rechnet mit weiteren 400 Teilzeit- und Leiharbeitsstellen. Derzeit sind dort 3.700 Menschen besch\u00e4ftigt, 400 wurden schon abgebaut.<\/li>\n<li>In M\u00fcnchen steht ein ganzes Werk vor dem Aus, die Produktion soll ins Ausland verlagert werden.<\/li>\n<li>Gleiches gilt f\u00fcr Bietigheim-Bissingen, wo noch 290 Menschen arbeiten.<\/li>\n<li>Auch drei Gie\u00dfereien sollen dichtgemacht oder verkauft werden. Das Werk in G\u00f6ttingen wurde schon ver\u00e4u\u00dfert.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Welche Antwort gaben IG Metall, die Betriebsr\u00e4te und die Belegschaften auf diesen Kahlschlag?<\/strong><\/p>\n<p>In B\u00fchl oder Gm\u00fcnd versuchten die Betriebsr\u00e4te, den Abbau sozialvertr\u00e4glich zu gestalten, und auch bei den Besch\u00e4ftigten \u00fcberwiegt die Hoffnung, nicht betroffen zu sein. Die IG Metall spielt dieselbe Fl\u00f6te. So bezeichnet der Erste Bevollm\u00e4chtigte der IG Metall Offenburg, Ahmet Karademir, die Ansage beim Abbau in B\u00fchl als \u201eM\u00e4rchen\u201c: \u201eDas M\u00e4rchen vom Vermeiden betriebsbedingter K\u00fcndigungen glaube ich nicht.\u201c Das hei\u00dft aber nicht, dass dagegen Widerstand organisiert werden soll, sondern Kollege Karademir will nur, dass dieses M\u00e4rchen von der entlassungsfreien Entsorgung wahr wird. Und das reicht ihm wie dem Gro\u00dfteil der B\u00fcrokratInnen in der IGM denn auch.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich ist es in Stuttgart gelaufen. Es gab Anfang 2019 eine Protestkundgebung, dann wurde der Abbau gestaltet. In den gro\u00dfen Werken ist offensichtlich der Spielraum f\u00fcr eine \u201esozialvertr\u00e4gliche\u201c L\u00f6sung zwar nicht so gro\u00df wie bei Mercedes, aber gro\u00df genug, dass sich Betriebsr\u00e4te und eine Mehrheit der Belegschaft damit arrangieren. Anders sieht es f\u00fcr kleinere Werke wie Bietigheim und M\u00fcnchen aus. Eine komplette Werksschlie\u00dfung l\u00e4sst keinen Spielraum f\u00fcr das, was gerne \u201eSozialvertr\u00e4glichkeit\u201c genannt wird. Das Einzige, was im Bosch-Konzern hier geboten wird, ist die M\u00f6glichkeit, sich in anderen Werken zu bewerben. Das muss aber zu Konditionen des aufnehmenden Werkes geschehen, ist also eigentlich immer mit Lohnverlust und l\u00e4ngeren Fahrtzeiten verbunden.<\/p>\n<p>Belegschaften wie in M\u00fcnchen und Bietigheim m\u00fcssen also k\u00e4mpfen, wenn sie sich nicht abschlachten lassen wollen. M\u00fcnchen hat da aus dem Stand heraus einiges Neues ins Rollen gebracht. Bietigheim hat eine jahrzehntelange Tradition.<\/p>\n<p><strong>Kampfbetrieb Bietigheim<\/strong><\/p>\n<p>Die Belegschaft und ihr Betriebsrat haben die Kampfansage der Konzernf\u00fchrung im September 2020, also vor gut einem Jahr, mit einer Protestkundgebung beantwortet. Alle standen drau\u00dfen, Delegationen von Mann+Hummel, Mahle M\u00fchlacker, Bosch Waiblingen, LEAR Corporation, Elring Klinger, Porsche Zuffenhausen, Valeo und anderen zeigten ihre Solidarit\u00e4t. Der Erste Bevollm\u00e4chtigte, Matthias Fuchs, forderte eine Zukunft f\u00fcr den Produktionsstandort, der lokale SPD-Vorsitzende auch und Bernd Riexinger von der LINKEN ein Vetorecht der Belegschaften gegen Verlagerungen und stellte fest: \u201eDie angedrohte Schlie\u00dfung hat nicht mit Corona und sehr wenig mit Transformation zu tun.\u201c \u00dcberall Plakate der IG Metall: Solidarit\u00e4t gewinnt!<\/p>\n<p>Schon in der folgenden Woche beteiligten sich die BoschlerInnen an einem \u00e4hnlichen Protest bei Mahle M\u00fchlacker. Sie wurden fast ein Jahr nicht m\u00fcde, ein Netz der Solidarit\u00e4t zu kn\u00fcpfen mit allen bedrohten Betrieben. In der Stadt Bietigheim wurden 60 Plakate aufgeh\u00e4ngt, die den Kampf \u00f6ffentlich machten.<\/p>\n<p>Auch die Tarifrunde im Fr\u00fchjahr 2021 wurde zur Mobilisierung genutzt. Aber schon brechen andere Betriebe weg: Bei Mann+Hummel wie im Mahle-Konzern wurde der Personalabbau samt Werksschlie\u00dfungen von den (Gesamt)-Betriebsr\u00e4ten und der IG Metall akzeptiert. Die Chance, im Tarifkampf Streiks organisieren zu k\u00f6nnen, wurde von der IG Metall-F\u00fchrung nicht genutzt, ja noch nicht einmal in den Strukturen diskutiert.<\/p>\n<p>Die Konzernf\u00fchrung von Bosch aber lie\u00df nicht locker. In den Verhandlungen am 9. Oktober 2020 erkl\u00e4rte sie, eine Einigungsstelle anrufen zu wollen, obwohl regul\u00e4re Verhandlungstermine bis einschlie\u00dflich Ende November vereinbart waren. Das emp\u00f6rte die IG Metall: \u201eMit dieser Vorgehensweise und seiner Presseerkl\u00e4rung vom 9. Oktober 2020 manifestiert der Arbeitgeber den Bruch des laufenden Sozialtarifvertrages\u201c. Der Betriebsrat kommentierte: \u201eEs ging dem Arbeitgeber nur darum, eine Zustimmung zur Werksschlie\u00dfung zu erhalten.\u201c<\/p>\n<p>In dieser Situation schlug der IG Metall- Bevollm\u00e4chtigte vor, f\u00fcr einen Zukunftstarifvertrag zu k\u00e4mpfen. Bei einer Umfrage stimmten 93\u00a0% der IG Metallmitglieder daf\u00fcr und 81,5\u00a0% erkl\u00e4rten sich bereit, daf\u00fcr auch in den Streik zu gehen.<\/p>\n<p>Der Streit um eine Einigungsstelle kam vor das Landesarbeitsgericht und dort eine dreit\u00e4gige Mediation als Kompromiss heraus. Die IG Metall hatte den Vorschlag gemacht. Die Mediation scheiterte und so ging es im April zu Einigungsstelle. Unter dem Vorsitz eines Richters wurde verhandelt. Die Schlie\u00dfung als solche konnte damit nicht mehr in Frage gestellt, sondern es durfte nur \u00fcber die Bedingungen dieser verhandelt werden.<\/p>\n<p>Die Besch\u00e4ftigten und der Betriebsrat f\u00fchlten sich verschaukelt. Einige erwarteten, dass die IG Metall ja immer noch die rote Karte \u201eStreik\u201c ziehen k\u00f6nnte. Aber der Bezirksleiter Zitzelsberger winkte ab: \u201eWozu noch f\u00fcr einen Sozialtarifvertrag streiken, ihr habt doch einen super Sozialplan ausgehandelt?!\u201c<\/p>\n<p><strong>Warum die Niederlage?<\/strong><\/p>\n<p>Viele im Werk einschlie\u00dflich vieler Betriebsr\u00e4te wollen sich noch immer nicht damit abfinden. Die Belegschaft und der Betriebsrat haben alles getan, was f\u00fcr sie im Bereich des M\u00f6glichen war:<\/p>\n<ul>\n<li>Den Widerstand im Betrieb organisiert, und zwar rechtzeitig;<\/li>\n<li>Streikf\u00e4higkeit hergestellt;<\/li>\n<li>die Solidarit\u00e4t in der Region organisiert, mit Unterst\u00fctzung der IG Metall, aber ausgehend von ihrer eigenen Initiative;<\/li>\n<li>andere Belegschaften, Parteien und Organisationen eingebunden;<\/li>\n<li>die Tarifrunde genutzt, um erneut den Schulterschluss mit anderen Belegschaften und Hunderttausenden anderen Metallerinnen und Metallern zu suchen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Frage geht also an die IG Metall, die Bezirksleitung Stuttgart und den Vorstand in Frankfurt: Warum wollte die IG Metall keinen Streik? Dieser w\u00e4re im Rahmen der Tarifrunde rechtlich unangreifbar gewesen, wenn er im ganzen Tarifgebiet ausgerufen worden w\u00e4re. Die Frage der Arbeitspl\u00e4tze war \u00fcbrigens von der IGM selbst schon zum Thema der Tarifrunde gemacht worden.<\/p>\n<p>Auch die M\u00f6glichkeit eines Streiks um einen Sozialtarifvertrag wurde von der IG Metall einfach fallengelassen. Der Sozialtarifvertrag ist eine zweischneidige Sache: Offiziell geht es um die Abwicklung des Betriebes, aber mit Streik kann nat\u00fcrlich mehr Druck entfaltet werden. Die Streikenden k\u00e4mpfen eigentlich f\u00fcr ihre Arbeitspl\u00e4tze und die Zusagen der IG Metall-Zust\u00e4ndigen, dass man dort noch mal den Erhalt des Werkes fordern k\u00f6nne, werden in den Verhandlungen dann immer schnell fallen gelassen und die Streikenden f\u00fchlen sich genauso verkauft wie jetzt die Bietigheimer BoschlerInnen. Bei Voith in Sonthofen wurde das 2019 beispielhaft durchgespielt. Um den Streik um einen Sozialtarifvertrag wirklich als Kampf zur Verteidigung eines Werkes zu f\u00fchren, muss er also mit anderen Ma\u00dfnahmen und Forderungen verbunden werden.<\/p>\n<p>Es muss ernst gemacht werden mit der Verteidigung des Werkes. Am besten durch eine Besetzung, verbunden mit einem Streik oder gegebenenfalls mit der Fortf\u00fchrung der Produktion unter Kontrolle der Arbeitenden \u2013 insbesondere, wenn die produzierten G\u00fcter ein Druckmittel darstellen. Nat\u00fcrlich muss der besetzte Betrieb rund um die Uhr gesch\u00fctzt werden. Ein wichtiges Faustpfand ist auch die Bereitschaft anderer Belegschaften des Konzerns oder der Region, sofort Solidarit\u00e4tsstreiks zu organisieren, wenn die Firma eine R\u00e4umung anstrebt.<\/p>\n<p>So eine Besetzung ist auch ein guter Schritt, in Richtung f\u00fcr die entsch\u00e4digungslose Enteignung des Betriebes zu k\u00e4mpfen, den die KapitalistInnen stilllegen wollen. Statt Milliarden an die Unternehmen f\u00fcr eine angebliche \u201eTransformation\u201c zu zahlen und es diesen v\u00f6llig unkontrolliert zu \u00fcberlassen, was sie damit anstellen, k\u00f6nnten diese Betr\u00e4ge an die Belegschaft des Werkes gehen, zur Entwicklung und Produktion der Verkehrsmittel, die f\u00fcr eine Verkehrswende n\u00f6tig sind. Das Geld w\u00e4re unter Kontrolle der Belegschaft, in die Entscheidungen \u00fcber Entwicklung und Produktion kann diese mit der Klimabewegung, aber auch anderen verstaatlichten Betrieben kooperieren.<\/p>\n<p><strong>Was will der IG Metall-Vorstand?<\/strong><\/p>\n<p>Warum ist der gemeinsame Kampf in der Auto- und Zulieferindustrie kein Thema f\u00fcr die IG Metall? Warum gibt es keine Branchenkonferenz der Betriebe, die bedroht sind? Warum keine Konferenz aller Bosch-Belegschaften, die mit Abbau konfrontiert sind? Warum noch nicht mal eine \u00dcbersicht \u00fcber die Angriffe auf die Arbeitspl\u00e4tze auf den Webseiten der IG Metall?<\/p>\n<p>Wozu gibt es eigentlich Gesamtbetriebsr\u00e4te bei Bosch und was koordinieren die, wenn sie die Verteidigung der Arbeitspl\u00e4tze NICHT koordinieren? Was tut die IG Metall eigentlich im Aufsichtsrat, mit J\u00f6rg Hofmann an der Spitze? Stimmen die solchem Abbau und den Werksschlie\u00dfungen zu?<\/p>\n<p>Wenn das eine Strategie sein soll, nach der der IGM-Vorstand sein Vorgehen bestimmt, dann kann diese Mischung aus Widerstand zulassen, aber nicht f\u00f6rdern und notfalls ins Leere laufen lassen nur bedeuten, dass die ganze Umstrukturierung, die hier die Konzerne vorantreiben, mit der unausgesprochenen Zustimmung des Vorstandes geschieht. Das w\u00fcrde bedeuten, dass er die Ziele der Unternehmen teilt: Gewinne hoch, Arbeitspl\u00e4tze streichen oder verlagern, Kosten reduzieren. VDA-Chefin M\u00fcller sagt das so: \u201eUnsere Unternehmen treiben die Transformation \u2013 mit \u00dcberzeugung und mit Kreativit\u00e4t.\u201c Und die IG Metall l\u00e4sst sie treiben.<\/p>\n<p>Das ist nur so zu erkl\u00e4ren, dass sich die oberste Spitze der IG Metall-B\u00fcrokratie so sehr dazu verpflichtet sieht, die deutschen Autokonzerne im Kampf um den Weltmarkt mit allen Mitteln zu unterst\u00fctzen, dass sie bereit ist, die Arbeitspl\u00e4tze von Hunderttausenden, vor allem auch in der Zulieferindustrie, zu opfern. Dass dies keineswegs abwegig ist, belegt die Tatsache, dass diese IGM-Spitze auch bereit war, die Leiharbeit in der Autoindustrie zu akzeptieren \u2013 in der Spitze arbeiteten bis zu 100.000 Leute in Leiharbeit in den Autofirmen \u2013, den Abgasbetrug zu decken wie auch die unsinnigen Abgasvorschriften in Br\u00fcssel durchzusetzen, dass sie den Angriff auf das Streikrecht mit der \u201eTarifeinheit\u201c durchsetzte.<\/p>\n<p>Dieses Vorgehen von Hofmann und Co ist verheerend. Statt in einzelnen Betrieben mit guten Voraussetzungen zu Siegen zu kommen und mit diesen Leuchtt\u00fcrmen die IG Metall wieder voranzubringen, werden diese geschleift.<\/p>\n<p><strong>Wie Solidarit\u00e4t siegen kann<\/strong><\/p>\n<p>Aus der Aufz\u00e4hlung oben, was die IG Metall alles h\u00e4tte tun k\u00f6nnen, bei Bosch, in der Region und in der Branche, wird klar, wof\u00fcr alle die k\u00e4mpfen m\u00fcssen, die die Talfahrt der Gewerkschaft aufhalten, Arbeitspl\u00e4tze L\u00f6hne verteidigen wollen.<\/p>\n<p>Es gibt aber noch dar\u00fcber hinaus die Chance der Transformation: Es werden ja Transportmittel gebraucht! Und zwar solche mit geringerem Energieverbrauch, mit nachhaltiger Energie betrieben, mit weniger Platzverbrauch f\u00fcr die St\u00e4dte und Anschlussf\u00e4higkeit zwischen Stand und Land. Neue L\u00f6sungen sind n\u00f6tig, neue Entwicklungen und kombinierte Mobilit\u00e4t!<\/p>\n<p>Hier r\u00e4cht sich, dass die IG Metall 2 Jahrzehnte keine Debatte \u00fcber Klima und neue Technologien gef\u00fchrt hat, bis sie vor 3 \u2013 4 Jahren unvorbereitet dem Kommando der Autokonzerne, alles auf das (batteriegetriebene) E-Auto zu werfen, gefolgt ist. Eigene Kompetenz der IG Metall wurde nicht entwickelt, eigene Ideen gibt es nicht. Es wird brav hinter den Konzernen und der Politik hergetrottet, der man dann immer noch die Schuld am Arbeitsplatzabbau zuschieben kann.<\/p>\n<p><strong>Bosch M\u00fcnchen<\/strong><\/p>\n<p>Die Belegschaft von Bosch in M\u00fcnchen hat gemeinsam mit AktivistInnen aus der Klimabewegung und linken GewerkschafterInnen den Ball selbst auf das Spielfeld geworfen. Sie fordern:<\/p>\n<p>\u201eEs gibt eine gro\u00dfe Palette an Produkten, die hier im Werk hergestellt werden k\u00f6nnten und die f\u00fcr eine klimafreundliche Zukunft n\u00fctzlich w\u00e4ren. In den letzten Jahren haben wir immer wieder Vorschl\u00e4ge f\u00fcr eine Transformation der Produktion hin zu klimafreundlichen Produkten unterbreitet. Diese wurden von Seiten der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung stets abgeblockt. Wir fordern hiermit den Erhalt des Werkes und eine Umstellung der Produktion hin zu klimafreundlichen Produkten. Durch den jahrelangen Verzicht auf Teile unseres Gehaltes und die oft jahrzehntelange Arbeit im Betrieb haben wir ein Anrecht auf dieses Werk erhalten. Wir fordern hiermit Bosch auf, das Werk zu erhalten und uns die M\u00f6glichkeit zu geben, die Produktion umzustellen.\u201c<\/p>\n<p>Auch diese Initiative von unten zeigt, was m\u00f6glich ist: Anstatt die Klimakrise oder gar die Klimabewegung zu S\u00fcndenb\u00f6cken f\u00fcr den Verlust des Arbeitsplatzes zu machen \u2013 was auch der VDA gerne tut \u2013 sehen die InitiatorInnen, dass die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung die Schuldigen sind und KlimaaktivistInnen Verb\u00fcndete werden k\u00f6nnen. Gerade auch weil die massenhaft stattfindende Verlagerung von Produktion diese mitnichten sauberer macht.<\/p>\n<p>Und: Die Klimabewegung ist derzeit die st\u00e4rkste und mobilisierungsf\u00e4higste in Deutschland \u2013 eine ideale B\u00fcndnispartnerin f\u00fcr eine Gewerkschaft, wenn sie denn Verb\u00fcndete gegen die Kapitalinteressen suchte.<\/p>\n<p>Eine Gewerkschaft wie die IG Metall k\u00f6nnte in ein solches B\u00fcndnis noch Kraft einbringen, die die Klimabewegung nicht so einfach mobilisieren kann: die Kraft, das Kapital genau dort zu treffen, wo es ihm wehtut \u2013 in der Produktion bzw. derem Stopp durch Streik! Sie k\u00f6nnte die Betriebe, die Bosch schlie\u00dfen will, auch besetzen. In der IGM-Satzung steht die Forderung nach der \u00dcberf\u00fchrung von Schl\u00fcsselindustrien in Gemeineigentum. Wann, wenn nicht heute, hat diese Forderung \u00fcberhaupt einen Zweck?<\/p>\n<p>Ihre Umsetzung m\u00fcsste nat\u00fcrlich diskutiert werden: Was hei\u00dft \u201eGemeineigentum\u201c<\/p>\n<p>eigentlich heute? Nachdem sowohl mit BRD- wie mit DDR-Staatsbetrieben nicht die besten Erfahrungen gemacht worden sind? Aber Betriebe, die ein Konzern schlie\u00dfen will, k\u00f6nnten enteignet werden. Die Regierungsmilliarden f\u00fcr Transformation der Autoindustrie k\u00f6nnten genau dort eingesetzt werden. Die Entwicklung und Produktion in einem Verbund solcher Werke soll von Besch\u00e4ftigten demokratisch organisiert und kontrolliert werden in Verbindungen mit ExpertInnen f\u00fcr Klima und Mobilit\u00e4t aus der Bewegung. Das Management wird eingespart: \u201eArbeiterInnenkontrolle\u201c in Zeiten der Klimakatastrophe!<\/p>\n<p><strong>Was tun?<\/strong><\/p>\n<p>Vieles! Einerseits muss eine solche Diskussion in Gewerkschaften und Klimabewegung, welche ja ihrerseits sehr gegen\u00fcber der IndustriearbeiterInnenschaft fremdelt, eingebracht werden.<\/p>\n<p>Andererseits k\u00f6nnen wir nicht zusehen, wie eine (Kampf)-Belegschaft nach der anderen liquidiert wird und die KapitalistInnen ihr Ziel der Vernichtung von 178.000 Jobs bis in 4 Jahren erreichen.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen da, wo wir k\u00f6nnen, selbst den Widerstand organisieren! Zum Beispiel eine Kundgebung vor Bosch in Stuttgart Feuerbach aus allen Werken \u2013 auch ohne IG Metall, wenn diese sich weigert. Auch eine kleinere Aktion dieser Art k\u00f6nnte ein Zeichen setzen, anderen Belegschaften Hoffnung machen und die Diskussion in der IG Metall, in der Branche, aber auch in der Klimabewegung befl\u00fcgeln.<\/p>\n<p>Ein guter Ansatzpunkt in diesem Sinne war die\u00a0<a href=\"https:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2021\/10\/23\/mahle-beschaeftigte-kaempfen-gegen-geplanten-kahlschlag\/\">Aktion am 19.10.2021 vor Mahle-Behr in Feuerbach<\/a>.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnten ein bundesweites \u201eSolidarit\u00e4tsnetz Auto\u201c bilden, das alle K\u00e4mpfe unterst\u00fctzt und Belegschaften ber\u00e4t, bevor sie im Stich gelassen werden. Von den bitteren Erfahrungen von Bosch-Bietigheim sollten wenigstens andere profitieren.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2021\/10\/29\/autokrise-am-beispiel-boschs-transformation-ins-aus\/\"><em>Neue Internationale&#8230;<\/em><\/a><em> vom 13. November 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mattis Molde. \u00dcberall werden Jobs in der Autoindustrie abgebaut. Laut einer Studie des Verbandes der Automobilindustrie, VDA, erwartet dieser den Wegfall von mindestens 178.000 Arbeitspl\u00e4tzen bis 2025. 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