{"id":10491,"date":"2021-12-04T11:39:45","date_gmt":"2021-12-04T09:39:45","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10491"},"modified":"2021-12-04T11:39:47","modified_gmt":"2021-12-04T09:39:47","slug":"schweiz-smood-lieferantinnen-in-einem-unbefristeten-streik-gegen-prekarisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10491","title":{"rendered":"Schweiz: Smood-Lieferant:innen in einem unbefristeten Streik gegen Prekarisierung"},"content":{"rendered":"<p><em>Juan Chirinos. <\/em><strong>Die Arbeiter:innen des Hauslieferdienstes Smood in der Schweiz streiken f\u00fcr bessere Arbeitsbedingungen und h\u00f6here L\u00f6hne. Solidarit\u00e4t mit den Streikenden gegen ein Unternehmen, das Profit macht, indem es die Arbeitenden in prek\u00e4re Arbeitsverh\u00e4ltnisse dr\u00e4ngt.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>\u201eSmood, Smood, du bist erledigt, die Lieferant:innen sind auf der Stra\u00dfe!\u201c Ein in der Stadt Yverdon begonnener Streik der Smood-Lieferant:innen hat sich in den letzten Wochen auf mehrere St\u00e4dte in der Westschweiz ausgebreitet. Die Streikenden fordern die volle Bezahlung aller Arbeitsstunden f\u00fcr das Unternehmen (und nicht nur, wenn eine Bestellung vorliegt). Sie mobilisieren seit Anfang November mit Streikposten und werden dabei von den Gewerkschaften Unia und Syndicom unterst\u00fctzt: \u201eWir werden bis zum Ende gehen \u2013 f\u00fcr uns, aber auch f\u00fcr die kommende Generation, die davon profitieren wird.\u201c<\/p>\n<p>Laut der Schweizer Tageszeitung\u00a0<a href=\"https:\/\/www.letemps.ch\/suisse\/un-livreur-smood-greve-jai-gagne-160-francs-9-jours-travail\"><strong>Le Temps<\/strong><\/a>\u00a0besch\u00e4ftigt Smood, ein Genfer Unternehmen f\u00fcr die Lieferung von Mahlzeiten und Eink\u00e4ufen, 1000 Lieferant:innen in der Schweiz und teilt sich den wachsenden Markt mit Uber Eats und Just Eat.<\/p>\n<p>In Yverdon im Kanton Waadt begannen die Lieferant:innen am 2. November mit dem Streik, dem sich sp\u00e4ter auch Lieferant:innen aus anderen St\u00e4dten der Romandie anschlossen. Hervorzuheben ist die mehrheitliche Beteiligung am Streik. So waren es laut einem Streikenden, der von Le Temps interviewt wurde, beispielsweise 13 von 20 Fahrer:innen in Yverdon oder 7 von 12 in Nyon. Die Solidarit\u00e4t der Kolleg:innen \u00fcberwindet die regionalen Trennungen. \u201eWir sind ein und dasselbe Team\u201c, sagt ein Streikender. Sie alle beklagen eine Diskrepanz zwischen der Zeit, die sie dem Unternehmen zur Verf\u00fcgung stellen, und den Fahrten und Arbeitsstunden, f\u00fcr die sie tats\u00e4chlich entlohnt werden. So stellen sie sich zwischen 11 und 20 Uhr f\u00fcr Smood zur Verf\u00fcgung, werden aber nur bezahlt, wenn sie Lieferungen ausfahren. Diese zur Verf\u00fcgung gestellte Zeit umfasst u. a. das Warten in Restaurants oder Wartezeiten im Verkehr. Gegen\u00fcber der Zeitung Le Temps berichtet ein Lieferant auch \u00fcber falsche Berechnungen der Fahrten durch die App: \u201eIch bin von Morges in Richtung La-Tour-de-Peilz gefahren, das sind 35 Minuten, aber ich wurde nur f\u00fcr 9 Minuten bezahlt.\u201c<\/p>\n<p>Dies hat zur Folge, dass sie ganz andere L\u00f6hne erhalten, als wenn die gesamte dem Unternehmen zur Verf\u00fcgung stehende Zeit bezahlt w\u00fcrde. Dar\u00fcber hinaus beklagen die Arbeiter:innen eine ungerechte Verteilung der Trinkgelder. Ein Streikender meinte, dass er in bar 150 Franken bekommen k\u00f6nnte, aber \u00fcber die App nur 100. Wo ist der Rest geblieben?<\/p>\n<p>Ein weiterer Punkt ist die Nutzung des Privatfahrzeugs und weitere berufsbedingte Kosten, die nicht vom Unternehmen bezahlt werden. Eine der Forderungen der Streikenden ist daher \u201eeine Aufwandsentsch\u00e4digung, die den tats\u00e4chlichen Preis f\u00fcr die Nutzung des Privatfahrzeugs oder die Mietkosten f\u00fcr Fahrzeuge, die f\u00fcr Lieferungen genutzt werden, abdeckt\u201c. Diese Art von Plattformunternehmen tendiert auf internationaler Ebene dazu, sogenannte \u201eunabh\u00e4ngige\u201c Kurier:innen einzusetzen, die es dem Unternehmen erm\u00f6glichen, keine Sozialabgabe zahlen zu m\u00fcssen. Im Fall von Smood sind die Zusteller zwar rechtlich gesehen bei dem Unternehmen angestellt, aber der Einsatz von Privatfahrzeugen und eine Bezahlung nach Lieferungen bestehen weiterhin. Die Lieferant:innen wissen so nicht einmal, wie viel sie pro Monat verdienen werden; sie erfahren es erst am Ende.<\/p>\n<p>Die Streikenden lancierten\u00a0<a href=\"https:\/\/www.unia.ch\/de\/aktuell\/aktuell\/artikel\/a\/18621\"><strong>eine Petition<\/strong><\/a>, die ihre Forderungen zusammenfasste und in nur wenigen Wochen 12.247 Mal unterschrieben wurde. Um die Petition einzureichen, versammelten sich am Dienstag, dem 23. November, Delegationen aus allen bestreikten St\u00e4dten in Genf und reisten zum Sitz von Smood und Migros (dem gr\u00f6\u00dften Einzelhandelsunternehmen der Schweiz und Partner von Smood).<\/p>\n<p>Der Fall von Smood in der Schweiz, derjenige von\u00a0<a href=\"https:\/\/twitter.com\/fdSUDcommerces\/status\/1464614943681130503\"><strong>Uber-Eats-Lieferant:innen in Saint-Etienne<\/strong><\/a>\u00a0[oder der Gorillas-Fahrer:innen in Deutschland, A.d.\u00dc.] zeugen von einer Zunahme der Klassenkonflikte in einem Sektor, der von den Kapitalist:innen zunehmend ausgebeutet wird. Das Beispiel Smood zeugt von der Absicht der Manager:innen, eine Wegwerfarbeitskraft zu haben, die atomisiert und 24 Stunden verf\u00fcgbar ist \u2013 unabh\u00e4ngig von den Bed\u00fcrfnissen der Arbeiter:innen nach Freizeit und Erholung. Diese Prekarisierung gilt gleicherma\u00dfen f\u00fcr den Liefersektor wie f\u00fcr viele andere Branchen, die auf Plattformen basieren, und entspricht einer allgemeinen Entwicklung (u.a. im Reinigungsgewerbe oder dem Einzelhandel).<\/p>\n<p>Aber hier zeigen die Arbeiter:innen von Smood den Weg auf, wie man den spalterischen Kapitalist:innen die Stirn bieten kann. Sie zeigen, dass die Entschlossenheit der Arbeiter:innen st\u00e4rker ist, dass sie die Isolation \u00fcberwinden, indem sie Solidarit\u00e4t schaffen. Diese Entschlossenheit und diese Solidarit\u00e4t wird den Forderungen der Arbeiter:innen zum Erfolg verhelfen. Der Kampf geht weiter, unterst\u00fctzt die streikenden Arbeiter:innen von Smood!<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/schweiz-smood-lieferantinnen-in-einem-unbefristeten-streik-gegen-prekarisierung\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 4. Dezember 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Juan Chirinos. Die Arbeiter:innen des Hauslieferdienstes Smood in der Schweiz streiken f\u00fcr bessere Arbeitsbedingungen und h\u00f6here L\u00f6hne. 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