{"id":10543,"date":"2021-12-14T17:31:54","date_gmt":"2021-12-14T15:31:54","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10543"},"modified":"2021-12-14T17:31:55","modified_gmt":"2021-12-14T15:31:55","slug":"brief-eines-streikenden-oelarbeiters-aus-dem-iran","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10543","title":{"rendered":"Brief eines streikenden \u00d6larbeiters aus dem Iran"},"content":{"rendered":"<p>Im Folgenden ver\u00f6ffentlichen wir einen kurzen Brief eines streikenden Arbeiters aus Assaluyeh. Er illustriert recht anschaulich wie fortgeschrittene Streikende im Iran heute denken und wie sich ihre Diskussion entwickelt hat und bietet somit einen guten Einblick in das Potential einer sich entwickelnden Bewegung der ArbeiterInnen. So gesehen ist er gewisserma\u00dfen ein Fenster in die Zukunft, das aufzeigt, was nicht nur im Iran<!--more--> sondern dar\u00fcber hinaus geschaffen werden k\u00f6nnte. Die abgehalfterten Theorien, die die Experten der Mittelschicht st\u00e4ndig \u00fcber den Nahen Osten wiederholen, k\u00f6nnten praktisch widerlegt werden. Ferner k\u00f6nnten alle politischen Man\u00f6ver derer untergraben werden, die sich in der Region auf einen Krieg vorbereiten. Die Einheit der ArbeiterInnenklasse zu f\u00f6rdern und dabei hervorzuheben, dass die ArbeiterInnen kein Vaterland haben, w\u00fcrde den reaktion\u00e4ren politischen Islam und sein sch\u00e4dliches Sektierertum ausl\u00f6schen. Dies w\u00e4re ein ernsthafter Schritt in Richtung der Bildung internationalistischer Kr\u00e4fte. All dies sind weder Tr\u00e4umereien noch ein unvermeidliches Ergebnis der Geschichte. Es sind einfach nur M\u00f6glichkeiten, die die aktuelle Situation er\u00f6ffnet. InternationalistInnen scheuen sich nicht, sich dieser Herausforderung zu stellen.<\/p>\n<p><em>Seit Beginn unseres Streiks als Projekt- und Vertragsarbeiter sind mehr als 4 Monate vergangen. Unabh\u00e4ngig von den Ergebnissen und Konsequenzen dieses Streiks denke ich dar\u00fcber nach, was passiert w\u00e4re, wenn es keinen Organisationsrat (d. h. den Rat zur Organisation von Protesten von \u00d6lvertragsarbeiterInnen) gegeben h\u00e4tte.<\/em><\/p>\n<p><em>Wenn es keinen Organisationsrat gegeben h\u00e4tte, w\u00e4re dieses Jahr alles so gelaufen wie letztes Jahr. Wir w\u00fcrden uns hilflos mit falschen Versprechungen herumschlagen, und die Bosse h\u00e4tten die Forderungen der ArbeiterInnen ignoriert, ohne Angst haben zu m\u00fcssen, dass die ArbeiterInnen wieder laut werden.<\/em><\/p>\n<p><em>Aber wir sehen, dass die Bosse in diesem Jahr aufgrund der Existenz des Organisationsrates und seiner Intervention in jedem Moment unserer K\u00e4mpfe mit Unterst\u00fctzung und im B\u00fcndnis mit den Sicherheitskr\u00e4ften alles in ihrer Macht Stehende getan haben, um den Streik zu beenden. Doch damit sind sie nicht durchgekommen und mussten einen R\u00fcckzieher machen.<\/em><\/p>\n<p><em>Wenn der Organisationsrat nicht gewesen w\u00e4re, h\u00e4tten sie jemanden aus den Wahllisten als Vertreter der Streikenden ausgew\u00e4hlt und ihn mit den \u00fcblichen schmutzigen Tricks f\u00fcr uns verantwortlich gemacht. Wir h\u00e4tten niemals das Abhalten von allgemeinen Massenversammlungen in verschiedenen St\u00e4dten erlebt, in denen sich die streikenden ArbeiterInnen zu Wort melden und \u00e4u\u00dfern konnten.<\/em><\/p>\n<p><em>Ohne den Organisationsrat w\u00e4re unser Protest auf dem gleichen Niveau geblieben wie im letzten Jahr, und wir h\u00e4tten nicht die gro\u00dfe Unterst\u00fctzung der ArbeiterInnenklasse und Solidarit\u00e4tserkl\u00e4rungen von Arbeiterinnen und Arbeitern aus der ganzen Welt erlebt.<\/em><\/p>\n<p><em>Wenn wir unseren Organisationsrat nicht eingerichtet h\u00e4tten, w\u00e4ren in den Anfangstagen des Streiks die Arbeiter, die zur R\u00fcckkehr in ihre St\u00e4dte aufgefordert wurden, von der Streikfront abgezogen worden, sodass wir unsere Forderungen nicht auf h\u00f6chster Ebene gegen die Bosse h\u00e4tten durchsetzen k\u00f6nnen. Wie letztes Jahr h\u00e4tten sie den Streik sehr bald beendet. Aber mit der Bildung unseres Rates haben wir es geschafft, einen radikaleren Teil der ArbeiterInnen im Rat zu halten und mit rechtzeitigen Erkl\u00e4rungen haben wir es geschafft, die ArbeiterInnen in den meisten Lagern zu halten, so dass wir alle \u00fcber die Streiksituation und die Haltung der Bosse informiert waren und die Notwendigkeit verstanden \u00fcberall mit unserem landesweiten Protest Schritt zu halten.<\/em><\/p>\n<p><em>H\u00e4tten wir diesen Organisationsrat nicht geschaffen, h\u00e4tte es keinen Protest gegen die Nichtimpfung der ArbeiterInnen in den \u00d6lzentren gegeben. Aber der Rat gab eine Erkl\u00e4rung heraus, in der er sich mit unseren KollegInnen in Haft Tappeh bez\u00fcglich des Todes eines Arbeiters aufgrund von Covid 19 solidarisierte, und forderte, dass alle Arbeiterinnen und Arbeiter geimpft werden.<\/em><\/p>\n<p><em>Durch die klaren Vorgaben des Organisationsrates ist es uns durch koordiniertes Handeln gelungen, erfolgreich an der Reihe der Streikposten teilzunehmen und mit unseren Erkl\u00e4rungen die Diskussion \u00fcber die Schaffung von allgemeinen Vollversammlungen als unser Entscheidungsgremium und der Wahl echter Vertreter in diesen Versammlungen zu er\u00f6ffnen. Und mit diesen Massenversammlungen haben wir es geschafft, kollektive Vereinbarungen zu einer unserer Forderungen zu machen und waren damit erfolgreich.<\/em><\/p>\n<p><em>Ohne den Organisationsrat w\u00e4ren wir Arbeiterinnen und Arbeiter dazu verleitet worden, ohne schriftliche Vertr\u00e4ge wieder zur\u00fcck an die Arbeit zu gehen. Sie h\u00e4tten Spaltkeile zwischen uns treiben k\u00f6nnen (\u2026), aber auch dieses Problem haben wir \u00fcberwunden.<\/em><\/p>\n<p><em>Ohne den Organisationsrat w\u00e4ren wir nicht in der Lage gewesen, unsere Forderungen mit anderen Teilen der Gesellschaft zu verbinden und einen einheitlichen Protest f\u00fcr die landesweiten Forderungen der Arbeiterinnen und Arbeiter auf die Beine zu stellen.<\/em><\/p>\n<p><em>Ohne den Organisationsrat h\u00e4tten wir die qualifizierten und ungelernten Arbeiterinnen und Arbeiter nicht zusammenhalten k\u00f6nnen, da die Bosse und das Regime ihre Z\u00e4hne gesch\u00e4rft hatten, um uns zu spalten. Eine der kl\u00fcgsten Ma\u00dfnahmen des Rates bestand darin, zu fordern, dass kein Arbeiter und keine Arbeiterin weniger als 12 Millionen Toman erhalten sollte. Dadurch haben wir es geschafft alle Sektoren der \u00d6larbeiterInnen zu vertreten.<\/em><\/p>\n<p><em>Und schlie\u00dflich w\u00e4ren ohne den Organisationsrat die beiden Forderungen, gegen die Vertragsarbeitsfirmen und die Abschaffung der Sondergesetze der Wirtschaftszone, kein unmittelbarer Gegenstand unseres Protests geworden. Heute betrachte ich mich als Mitglied dieses Rates und rufe alle meine Kolleginnen und Kollegen auf, mit dem Organisationsrat zusammenzuarbeiten. Dadurch werden wir sowohl unseren Kampf verst\u00e4rken als auch denen, die unser Wissen in Frage stellen, eine nachdr\u00fcckliche Antwort geben.<\/em><\/p>\n<p>Wednesday, December 1, 2021<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/www.leftcom.org\/de\/articles\/2021-12-01\/brief-eines-streikenden-%C3%B6larbeiters-aus-dem-iran\"><em>leftcom.org&#8230;<\/em><\/a> <em>vom 13. Dezember 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Folgenden ver\u00f6ffentlichen wir einen kurzen Brief eines streikenden Arbeiters aus Assaluyeh. 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