{"id":10549,"date":"2021-12-16T09:58:51","date_gmt":"2021-12-16T07:58:51","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10549"},"modified":"2021-12-16T09:58:52","modified_gmt":"2021-12-16T07:58:52","slug":"droht-eine-militaerische-eskalation-zwischen-der-nato-und-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10549","title":{"rendered":"Droht eine milit\u00e4rische Eskalation zwischen der Nato und Russland?"},"content":{"rendered":"<p><em>Peter Schaber. <\/em>\u201eDass man den Krieg auf eine Nation beschr\u00e4nken k\u00f6nnte, das zu denken w\u00e4re naiv\u201c,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/world-europe-59582146\">zitiert die BBC<\/a>\u00a0einen namentlich nicht genannten hochrangigen \u201ewestlichen Geheimdienstfunktion\u00e4r\u201c. Und weiter: \u201eLasst uns nicht die Augen verschlie\u00dfen. Wenn Russland ein Szenario irgendeiner Art beginnt, wird es auch Aktionen gegen NATO-Staaten einschlie\u00dfen.\u201c Spekulationen \u00fcber<!--more--> einen offenen Krieg zwischen Russland und der vom Westen unterst\u00fctzten ukrainischen Regierung samt Spekulationen \u00fcber die Ausdehnung dieses Konflikts bis \u201eweiter nach Europa\u201c haben in den vergangenen Wochen zugenommen.<\/p>\n<p>Russland soll an die 100 000 Soldaten an die Grenze zur Ukraine und auf die 2014 an Russland angeschlossene Krim verlegt haben. Russland habe bereits gro\u00dfe Truppenkontigente aufgefahren und mit \u201epsychologischen Operationen\u201c begonnen, erz\u00e4hlt der ukrainische General Kyrylo Budanov dem rechtskonservativen US-Magazin\u00a0<a href=\"https:\/\/www.militarytimes.com\/flashpoints\/2021\/11\/20\/russia-preparing-to-attack-ukraine-by-late-january-ukraine-defense-intelligence-agency-chief\/\">Military Times<\/a>. Man erwarte einen eventuellen Angriff im Januar n\u00e4chsten Jahres.<\/p>\n<p>Die Verlautbarungen aus dem westlichen Politbetrieb sind einhellig: Es gehe jetzt darum, die \u201eukrainische Demokratie\u201c und die \u201ewestlichen Werte\u201c geschlossen hochzuhalten. Sowohl im neuen Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung wie auch in den ersten Reden der Gr\u00fcnen-Au\u00dfenministerin Annalena Baerbock spielt das Thema eine zentrale Rolle. In Richtung Moskau\u00a0<a href=\"https:\/\/twitter.com\/AuswaertigesAmt\/status\/1468869919412473861\">drohte sie bei ihrem Antrittsbesuch\u00a0<\/a>in Paris: \u201eDie territoriale Integrit\u00e4t und die Souver\u00e4nit\u00e4t der Ukraine sind f\u00fcr uns nicht verhandelbar. Russland w\u00fcrde hohen politischen und wirtschaftlichen Preis f\u00fcr erneute Verletzung der ukrainischen Staatlichkeit zahlen.\u201c Wenig sp\u00e4ter\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/aussenminister-treffen-in-liverpool-g7-fordern-russland-zu-verhandlungen-in-ukraine-krise-auf\/27885324.html\">erkl\u00e4rte Liz Truss<\/a>, die Gastgeberin des G7-Au\u00dfenminister-Treffens: \u201eAn diesem Wochenende werden die einflussreichsten Demokratien der Welt Stellung beziehen gegen Aggressoren, welche die Freiheit unterwandern wollen.\u201c Man wolle klar machen, \u201edass wir eine einheitliche Front sind\u201c.<\/p>\n<p>Die Darstellung des Konflikts im bei weitem \u00fcberwiegenden Teil der reichweitenstarken westlichen Presse schl\u00e4gt in die gleiche Kerbe: Ein machtgieriger Autokrat, Wladimir Putin, will unprovoziert und aus reiner irrationaler B\u00f6swilligkeit einen Fl\u00e4chenbrand anz\u00fcnden. Der uneigenn\u00fctzige Westen eilt der bedrohten jungen Demokratie in Kiev zur Hilfe und stemmt sich dem blutr\u00fcnstigen Russen entgegen.<\/p>\n<p>Doch die Geschichte geht nicht auf, wenn man auch nur ein klein wenig \u00fcber den Tellerrand der \u201eeigenen\u201c Kriegspropaganda blickt. Denn Russland ist zwar eine kapitalistische Autokratie, die ihre geopolitischen Ambitionen durchaus mit milit\u00e4rischer Gewalt behauptet. Aber Russland ist keineswegs der einzige Aggressor in dieser Auseinandersetzung.<\/p>\n<p>Die permanente Erweiterung der NATO gen Osten stellt nicht nur einen Bruch von beim Zerfall der Sowjetunion und der Wiedervereinigung Deutschlands gegebenen Zusagen an Russland dar. In Kombination mit immer wieder stattfindenden \u2013 und stets als \u201edefensiv\u201c deklarierten Milit\u00e4r\u00fcbungen im Osten, dr\u00e4ngt sie Russland an die Wand. Dazu kommt die Einflussnahme auf diverse \u201eFarbenrevolutionen\u201c im Osten, die stets zwar wenig mit \u201eDemokratie\u201c, aber daf\u00fcr umso mehr mit Westbindung zu tun haben. Die Ukraine ist daf\u00fcr ein gutes Beispiel: Immer noch ist sie fest in der Hand von \u201eGesch\u00e4ftsm\u00e4nnern\u201c \u2013 auch der aktuelle Pr\u00e4sident, Wladimir Alexandrowitsch Selenski<em>,\u00a0<\/em>verlor im Zusammenhang mit den panama papers sein Image als vermeintlicher \u201eSaubermann\u201c. Milit\u00e4risch bestimmt wird das Geschehen unter anderem von starken faschistischen Formationen, etwa dem offen neonazistischen Regiment Azov, das dem Innenministerium unterstellt ist. Finanziert wurde sowohl das Nazi-Regiment wie auch der derzeitige Pr\u00e4sident unter anderem von dem dubiosen\u00a0<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/kolomoisky-praesidentschaftswahl-in-der-ukraine-selensky-1.4418172\">Oligarchen Igor Kolomoisky<\/a>.<\/p>\n<p>Die Ukraine wurde von den USA und ihren Partnern\u00a0<a href=\"https:\/\/nypost.com\/2021\/12\/07\/ukraine-shows-off-us-made-weapons-amid-russia-attack-fears\/\">hochger\u00fcstet<\/a>: Panzer, Panzerabwehrwaffen und t\u00fcrkische\u00a0<a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/middle-east\/dont-blame-us-ukraines-use-turkish-drones-turkish-fm-2021-10-31\/\">Kampfdrohnen<\/a>. Noch im Oktober fanden im Westen der Ukraine\u00a0<a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/politik\/ukraine-nato-militaermanoever-100.html\">Milit\u00e4r\u00fcbungen mit NATO-Beteiligung<\/a>\u00a0statt.<\/p>\n<p>Was der Westen betrieb, war also keineswegs irgendeine Demokratisierung. Man ersetzte einfach einen an Russland angebundenen Statthalter durch diverse an den Westen angebundene Marionetten.<\/p>\n<p>Und Russland reagiert \u00e4u\u00dferst \u201ewestlich\u201c, n\u00e4mlich so, wie es die USA seit je her nicht nur in ihrem deklarierten \u201eHinterhof\u201c S\u00fcdamerika, sondern weltweit tut. Mit der organisierten Destabilisierung der Ukraine bis hin zur milit\u00e4rischen Intervention. Die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigte Wagner-Group und die bewaffneten M\u00e4nner ohne Hoheitsabzeichen unterscheiden sich in ihrer Praxis nicht von den US-amerikanischen Kontras in Lateinamerika oder der S\u00f6ldnerfirma Blackwater.<\/p>\n<p>Was Putin erzwingen will, ist ein R\u00fcckzug der NATO-Front \u2013 also eine Zusage, dass es keine Aufnahme der Ukraine in das westliche Milit\u00e4rb\u00fcndnis geben wird. Und was der Westen will, ist genau diese Beitrittsperspektive auf Biegen und Brechen aufrecht zu erhalten, um die Ukraine vollends in den eigenen Einflussbereich zu integrieren. In den Worten von NATO-Generalsekret\u00e4r\u00a0<a href=\"https:\/\/www.rnd.de\/politik\/stoltenberg-russland-soll-sich-nicht-in-nato-ukraine-verhaeltnis-einmischen-H6YSIN66BBNWDQOEKFO45KOOAU.html\">Stoltenberg<\/a>: \u201eWir k\u00f6nnen nicht hinnehmen, dass Russland versucht, ein System wiederherzustellen, in dem Gro\u00dfm\u00e4chte wie Russland Einflusssph\u00e4ren haben, in denen sie kontrollieren oder entscheiden k\u00f6nnen, was andere Mitglieder tun k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Das Festhalten an der Ausdehnung des eigenen Machtbereichs auch gegen russische Drohungen wird zwar derzeit als ein \u201egame of chess\u201c geframed, in dem man nur hart bleiben m\u00fcsse, dann werde Putin schon klein beigeben. Aber diese Strategie birgt eine gro\u00dfe Kriegsgefahr, die billigend in Kauf genommen wird. Denn an irgendeinem Punkt \u2013 wenn nicht bei diesem, dann beim n\u00e4chsten Truppenaufmarsch \u2013 wird die Rechnung nicht mehr aufgehen. US-Amerikanische Think Tanks wie etwa das Atlantic Council haben diese Option\u00a0<a href=\"https:\/\/www.atlanticcouncil.org\/blogs\/ukrainealert\/why-ukraine-must-join-nato\/\">l\u00e4ngst in ihre \u00dcberlegungen eingeschlossen<\/a>: \u201eSollte es nun tats\u00e4chlich zu einem Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und Russland kommen, w\u00e4re es f\u00fcr uns sogar von Vorteil, wenn die Ukraine dem B\u00fcndnis [der NATO] angeh\u00f6rt. Die Ukraine k\u00f6nnte einen \u00e4hnlichen Zweck erf\u00fcllen wie Westdeutschland w\u00e4hrend des Kalten Krieges. Das ukrainische Milit\u00e4r verf\u00fcgt dank des Konflikts im Donbass bereits \u00fcber umfangreiche Erfahrungen im Kampf gegen das russische Milit\u00e4r, und die NATO-Integration des Landes w\u00fcrde sich als n\u00fctzlich erweisen.\u201c<\/p>\n<p>Deutschland w\u00e4re, sollten diese wahnsinnigen Planspiele Realit\u00e4t werden, auf die eine oder andere Art unmittelbar in einen milit\u00e4rischen Konflikt mit Russland involviert. Und die neue Ampel-Regierung stellt mit gr\u00fcner Beteiligung genau das richtige Personal f\u00fcr einen solchen Amoklauf. Nicht allein die Reminiszenzen an Joseph Fischer, den Gr\u00fcnen-Au\u00dfenminister, der die BRD in den ersten Angriffskrieg nach dem Faschismus f\u00fchrte, qualifizieren die ehemalige Partei der Friedensbewegung f\u00fcr den Job. Aktuell legt sie ihren Schwerpunkt auf antirussische (und antichinesische) Rhetorik, verbunden mit dem beschw\u00f6ren der westlichen Wertegemeinschaft. Baerbock stellt dabei noch Sanktionsandrohungen in den Mittelpunkt der Durchsetzung des deutschen Interesses. Die Hardliner der Partei d\u00fcrfen indessen den Diskurs schon etwas in Richtung Krieg verschieben: Der NATO-Beitritt der Ukraine sei nicht verhandelbar, so\u00a0<a href=\"https:\/\/www.rnd.de\/politik\/gruenen-politiker-nouripour-falls-russland-angreift-sind-alle-optionen-auf-dem-tisch-5JXUDNDB6CAFTP6MXSXUAEOUWE.html\">Omid Nouripour<\/a>, ein Transatlantiker, der sich zuvor auch f\u00fcr den rechten Milit\u00e4rputsch des mittlerweile geschassten Anez-Regimes in Bolivien in die Bresche geworden hatte. \u201eWir d\u00fcrfen Russlands aggressives Verhalten nicht auch noch dadurch belohnen, dass wir der Ukraine die Nato-Perspektive wieder entziehen\u201c. Nouripour bef\u00fcrworte die Verlegung von NATO-Truppen in den Osten. Und f\u00fcr den Fall eines Einmarsches Russlands seien \u201ealle Mittel auf dem Tisch\u201c.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/lowerclassmag.com\/2021\/12\/13\/alle-mittel-auf-dem-tisch-droht-eine-militaerische-eskalation-zwischen-dem-westen-und-russland\/\"><em>lowerclassmag.com&#8230;<\/em><\/a><em> vom 16. Dezember 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Schaber. \u201eDass man den Krieg auf eine Nation beschr\u00e4nken k\u00f6nnte, das zu denken w\u00e4re naiv\u201c,\u00a0zitiert die BBC\u00a0einen namentlich nicht genannten hochrangigen \u201ewestlichen Geheimdienstfunktion\u00e4r\u201c. Und weiter: \u201eLasst uns nicht die Augen verschlie\u00dfen. 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