{"id":10557,"date":"2021-12-17T11:10:23","date_gmt":"2021-12-17T09:10:23","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10557"},"modified":"2021-12-17T11:10:24","modified_gmt":"2021-12-17T09:10:24","slug":"friedrich-engels-und-der-urkommunismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10557","title":{"rendered":"Friedrich Engels und der Urkommunismus"},"content":{"rendered":"<p><em>Michael L\u00f6wy. <\/em><strong>Bis ins 19. Jahrhundert organisierten sich einzelne Stammesgesellschaften auf egalit\u00e4re Art und Weise. Ihr Beispiel zeigt, dass Ausbeutung und Konkurrenz nichts \u201eNat\u00fcrliches\u201c sind, sondern sozial konstruiert. Friedrich Engels Werk zum sogenannten Urkommunismus inspirierte zahlreiche Marxist*innen nach ihm.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Im November 2020 haben Sozialist*innen auf der ganzen Welt den 200. Jahrestag der Geburt von Friedrich Engels gew\u00fcrdigt. Es ist ein Fehler, der oft wiederholt wurde und wird, Engels als einen blo\u00dfen Popularisator der Marx\u02bcschen Ideen zu betrachten. Nicht nur hat er in den Jahren 1844 bis 1848 zu der Herausbildung einer neuen Weltanschauung beigetragen \u2013 der Philosophie der Praxis oder des historischen Materialismus \u2013, sondern er entwickelte Analysen und Argumentationen zu Themen, mit denen sich Marx nicht besch\u00e4ftigen wollte oder konnte. Ein Thema dieser Art ist der\u00a0<em>Urkommunismus<\/em>, zwar kommt dieses Thema bei Marx auch vor, vor allem in seinen ethnologischen Exzerptheften<a href=\"https:\/\/intersoz.org\/friedrich-engels-und-der-urkommunismus\/#_edn1\">[1]<\/a>, aber in Engels\u02bc Buch\u00a0<em>Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats<\/em>\u00a0(1884)<a href=\"https:\/\/intersoz.org\/friedrich-engels-und-der-urkommunismus\/#_edn2\">[2]<\/a>\u00a0wird es viel gr\u00fcndlicher behandelt.<\/p>\n<p>Ausgehend von den Arbeiten des US-amerikanischen Anthropologen Lewis H. Morgan<a href=\"https:\/\/intersoz.org\/friedrich-engels-und-der-urkommunismus\/#_edn3\">[3]<\/a>\u00a0\u00fcber die pr\u00e4historische Gentilgesellschaft studierte Engels mit gro\u00dfem Interesse und sogar Begeisterung diese primitive klassenlose Gesellschaft ohne Privateigentum und Staat. Eine Passage aus\u00a0<em>Ursprung der Familie<\/em>\u00a0illustriert diese Sympathie:<\/p>\n<p>(\u2026) es ist eine wunderbare Verfassung in all ihrer Kindlichkeit und Einfachheit, diese Gentilverfassung! Ohne Soldaten, Gendarmerie und Polizisten, ohne Adel, K\u00f6nige, Statthalter, Pr\u00e4fekten oder Richter, ohne Gef\u00e4ngnisse (\u2026). (\u2026) Alle sind gleich und frei \u2012 auch die Weiber. (\u2026)<\/p>\n<p>Aber sie wurde gebrochen durch Einfl\u00fcsse, die uns von vornherein als eine Degradation erscheinen, als ein S\u00fcndenfall von der einfachen sittlichen H\u00f6he der alten Gentilgesellschaft. Es sind die niedrigsten Interessen \u2012 gemeine Habgier, brutale Genu\u00dfsucht, schmutziger Geiz, eigens\u00fcchtiger Raub am Gemeinbesitz \u2012, die die neue zivilisierte, die Klassengesellschaft einweihen\u201c.<a href=\"https:\/\/intersoz.org\/friedrich-engels-und-der-urkommunismus\/#_edn4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Engels\u02bc Analyse des Urkommunismus \u2012 ein anderer Begriff f\u00fcr das, was Anthropolog*innen die \u201eGentilgesellschaft\u201c (von lateinisch\u00a0<em>gens<\/em>\u00a0\u2012 Stammes-, Sippen- oder Familiengemeinschaft) genannt haben \u2012 hat mehrere wichtige methodologische Implikationen f\u00fcr die materialistische Geschichtsauffassung:<\/p>\n<p>1.Sie nimmt dem Versuch der b\u00fcrgerlichen Ideologie, soziale Ungleichheit, Privateigentum und den Staat als wesentliche Merkmale aller menschlichen Gesellschaften und etwas \u201eNat\u00fcrliches\u201c hinzustellen, die Legitimation. Der Urkommunismus zeigt, dass diese sozialen Institutionen\u00a0<em>historische Produkte<\/em>\u00a0sind. Sie haben in den Jahrtausenden der Vorgeschichte nicht existiert und werden m\u00f6glicherweise in Zukunft nicht mehr existieren.<\/p>\n<p>Das Gleiche gilt f\u00fcr das Patriarchat. Engels verwendet, im Anschluss an Morgan und andere Anthropologen seiner Zeit (Bachofen<a href=\"https:\/\/intersoz.org\/friedrich-engels-und-der-urkommunismus\/#_edn5\">[5]<\/a>), den Begriff des \u201eMutterrechts\u201c, um den Urkommunismus zu definieren. Das ist ein umstrittener Begriff, der bis heute viele Kontroversen unter Historiker*innen, Anthropolog*innen und\/oder feministischen Theoretikerinnen ausgel\u00f6st hat. Ich denke, das Wichtigste ist, was Engels in der zitierten Passage sagt: In jenen primitiven Gesellschaften gab es ein hohes Ma\u00df an Gleichheit zwischen M\u00e4nnern und Frauen. Es geht auch hier darum, das Patriarchat zu entmystifizieren, das sich selber zu einer zeitlosen, allen Gesellschaftsformationen gemeinsamen Struktur ernennt.<\/p>\n<p>2.Engels\u02bc Analyse bricht mit der b\u00fcrgerlichen \u2012 aber von einem gro\u00dfen Teil der Linken geteilten \u2012 Vorstellung von Geschichte als\u00a0<em>linearem Fortschritt<\/em>, als kontinuierliches Voranschreiten von \u201eAufkl\u00e4rung\u201c, Zivilisation, Freiheit und\/oder Produktivkr\u00e4ften. Engels schl\u00e4gt anstelle dieser konformistischen Doktrin eine dialektische Sichtweise des historischen Prozesses vor: In vielerlei Hinsicht stellte die Zivilisation einen Fortschritt dar, in anderen jedoch einen sozialen und moralischen R\u00fcckschritt im Verh\u00e4ltnis zum Urkommunismus.<\/p>\n<p>3.Sie deutet die Existenz einer\u00a0<em>Dialektik zwischen Vergangenheit und Zukunft<\/em>\u00a0im Verlauf der menschlichen Geschichte an. Der moderne Kommunismus ist nat\u00fcrlich keine R\u00fcckkehr zum Urzustand der Vergangenheit, aber er greift Aspekte jener ersten Form der klassenlosen Gesellschaft in neuer Form auf: Abwesenheit von Privateigentum, staatlicher Herrschaft, patriarchalischer Macht.<\/p>\n<p>Es ist wichtig zu beachten, dass Engels sich im\u00a0<em>Ursprung der Familie<\/em>\u00a0nicht nur auf die pr\u00e4historische Vergangenheit bezog. Wie Morgan stellt er fest, dass es auch zu seiner Zeit noch indigene Gemeinschaften mit dieser Art von egalit\u00e4rer gesellschaftlicher Organisation gab. Er begeisterte sich zum Beispiel f\u00fcr die Irokesen-Konf\u00f6deration, ein B\u00fcndnis von indigenen V\u00f6lkern in Nordamerika: Urkommunismus gab es auch im 19. Jahrhundert.<\/p>\n<p>Diese Ideen von Engels wurden von einigen der besten marxistischen Denker*innen des 20. Jahrhunderts aufgegriffen. Rosa Luxemburg zum Beispiel widmet in ihrem (posthum erschienenen) Buch<em>\u00a0Einf\u00fchrung in die Kritik der politischen \u00d6konomie<\/em><a href=\"https:\/\/intersoz.org\/friedrich-engels-und-der-urkommunismus\/#_edn6\">[6]<\/a>\u00a0fast die H\u00e4lfte ihres Werks dem Urkommunismus. Sie fasst den Kampf zur Verteidigung dieser gemeinschaftlichen Gesellschaftsformen gegen die brutale Durchsetzung des kapitalistischen Privateigentums als einen der Gr\u00fcnde f\u00fcr den Widerstand der V\u00f6lker der Peripherie gegen den Kolonialismus auf. F\u00fcr Luxemburg gibt es Urkommunismus auf allen Kontinenten; f\u00fcr Lateinamerika stellt sie das Fortbestehen des wie sie es nennt, \u201eInka-Kommunismus\u201c bis in das 19. Jahrhundert hinein fest.<\/p>\n<p>Ohne dass er dieses Buch von Rosa Luxemburg gekannt h\u00e4tte (er las kein Deutsch), verwendete Jos\u00e9 Carlos Mari\u00e1tegui, der Begr\u00fcnder des lateinamerikanischen Marxismus<a href=\"https:\/\/intersoz.org\/friedrich-engels-und-der-urkommunismus\/#_edn7\">[7]<\/a>, genau denselben Begriff, \u201eInka-Kommunismus\u201c, um die indigenen Gemeinschaften (Ayllus) an der Basis der Inka-Gesellschaft vor der spanischen Kolonialzeit zu beschreiben.<a href=\"https:\/\/intersoz.org\/friedrich-engels-und-der-urkommunismus\/#_edn8\">[8]<\/a>\u00a0F\u00fcr ihn bestanden diese indigenen gemeinschaftlichen Traditionen bis ins 20. Jahrhundert fort und konnten sie \u2012 zusammen mit dem st\u00e4dtischen Proletariat \u2012 eine der wichtigsten gesellschaftlichen Grundlagen f\u00fcr die Entwicklung der modernen kommunistischen Bewegung in den Andenl\u00e4ndern darstellen.<\/p>\n<p>Jetzt, im 21. Jahrhundert, muss angesichts der \u00f6kologischen Krise, die das menschliche Leben auf diesem Planeten bedroht, ein weiterer Aspekt in Betracht gezogen werden, den Engels erw\u00e4hnt, mit dem er sich aber wenig befasst hat. Der \u201eUrkommunismus\u201c war\u00a0<em>eine Lebensweise in authentischer Harmonie<\/em>\u00a0mit der Natur, und auch heute noch zeichnen sich die indigenen Gemeinschaften durch einen tiefen Respekt vor \u201eMutter Erde\u201c aus. Es ist daher kein Zufall, dass sie an der Spitze des Widerstands gegen die Zerst\u00f6rung der W\u00e4lder und gegen die Vergiftung von Fl\u00fcssen und B\u00f6den durch multinationale \u00d6lkonzerne, Pipelines und Lebensmittelexporteure stehen \u2012 vom Norden bis zum S\u00fcden des amerikanischen Kontinents. Berta C\u00e1ceres, die prominente indigene Aktivistin, die [im M\u00e4rz 2016] in Honduras ermordet wurde, ist ein Symbol f\u00fcr diesen z\u00e4hen Kampf. In Brasilien konzentriert er sich auf den Kampf der indigenen Bev\u00f6lkerung zur Rettung des Amazonasgebietes vor dem Raubbau der Vieh- und Sojak\u00f6nige, die von der neofaschistischen und \u00f6kozidalen<a href=\"https:\/\/intersoz.org\/friedrich-engels-und-der-urkommunismus\/#_edn9\">[9]<\/a>\u00a0Regierung von Jair Bolsonaro schamlos unterst\u00fctzt werden.<\/p>\n<p><em>Aus dem Franz\u00f6sischen \u00fcbersetzt von Wilfried Dubois<\/em><\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist zuerst am 2. Dezember 2020 auf\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/blogs.mediapart.fr\/michael-lowy\/blog\"><em>Michael L\u00f6wys Blog<\/em><\/a><em>\u00a0auf Mediapart sowie in der Zeitschrift\u00a0<\/em><a href=\"http:\/\/www.inprecor.fr\/home\"><em>Inprecor<\/em><\/a><em>\u00a0ver\u00f6ffentlicht worden (Nr.\u00a0679\/680, November\/Dezember 2020). Ein Teil der Anmerkungen wurden von der Redaktion von\u00a0Inprecor\u00a0hinzugef\u00fcgt; weitere, die durch eckige Klammern kenntlich gemacht sind, stammen von dem \u00dcbersetzer.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle:\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/blogs.mediapart.fr\/michael-lowy\/blog\/021220\/friedrich-engels-et-le-communisme-primitif\"><em>Michael L\u00f6wy, \u201eFriedrich Engels et le communisme primitif\u201c<\/em><\/a><em>,<\/em><\/p>\n<p><strong>Endnoten<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/intersoz.org\/friedrich-engels-und-der-urkommunismus\/#_ednref1\">[1]<\/a>\u00a0[<em>The Ethnological Notebooks of Karl Marx.\u00a0Studies of Morgan,\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Phear\"><em>Phear<\/em><\/a><em>,\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Maine\"><em>Maine<\/em><\/a><em>,\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/John_Lubbock,_1._Baron_Avebury\"><em>Lubbock<\/em><\/a>, hrsg. von Lawrence Krader, Assen: Van Gorcum, 1972; dt.\u00a0Ausg.: Karl Marx,<em>\u00a0Die ethnologischen Exzerpthefte<\/em>, hrsg. von Lawrence Krader, Frankfurt a.\u00a0M.: Suhrkamp, 1976.]<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/intersoz.org\/friedrich-engels-und-der-urkommunismus\/#_ednref2\">[2]<\/a>\u00a0[F. Engels verfasste die Schrift zwischen Ende M\u00e4rz und Ende Mai 1884; im Oktober des Jahres wurde sie im (sozialdemokratischen) Verlag der Schweizerischen Genossenschaftsbuchdruckerei in Hottingen bei Z\u00fcrich ver\u00f6ffentlicht. Sie basiert auf Marx\u02bc Manuskripten \u00fcber Lewis H. Morgans\u00a0<em>Ancient Society<\/em>. Bis 1891 erschienen von Engels autorisierte Ausgaben auf Italienisch und D\u00e4nisch, 1893 auf Franz\u00f6sisch. 1892 folgte eine umgearbeitete und erweiterte vierte deutschsprachige Auflage mit einem neuen Vorwort von Engels, das zuerst unter dem Titel \u201eZur Urgeschichte der Familie (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Johann_Jakob_Bachofen\">Bachofen<\/a>, MacLennan, Morgan)\u201c in der Zeitschrift\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Neue_Zeit\"><em>Die Neue Zeit<\/em><\/a>\u00a0ver\u00f6ffentlicht wurde. Bis zu seinem Tod erschienen au\u00dferdem \u00dcbersetzungen ins Polnische, Rum\u00e4nisch, Spanische; im Russischen Reich erschien als erstes legal ver\u00f6ffentlichtes Werk von Engels 1894 eine \u00dcbersetzung ins Russische.<\/p>\n<p>Eine wissenschaftliche Edition erschien 1990 als Band 29 der I. Abteilung der zweiten Marx-Engels-Gesamtaus\u00adgabe.]<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/intersoz.org\/friedrich-engels-und-der-urkommunismus\/#_ednref3\">[3]<\/a>\u00a0Lewis H. Morgan,\u00a0<em>Ancient Society, or Researches in the Line of Human Progress from Savagery, through Barbarism to Civilization<\/em>, London: Macmillan and Co., 1877.<\/p>\n<p>[Dt. Ausg.:\u00a0<em>Die Urgesellschaft.\u00a0Untersuchungen \u00fcber den Fortschritt der Menschheit aus der Wildheit durch die Barbarei zur Zivilisation<\/em>, \u00fcbersetzt von Wilhelm Eichhoff unter Mitwirkung von Karl Kautsky, Stuttgart: Verlag J. H. W. Dietz, 1891; 2.\u00a0Ausg. 1908.]<\/p>\n<p>Der US-amerikanische Rechtsanwalt, Gesch\u00e4ftsmann und Wissenschaftler Lewis Henry Morgan (1818\u20121881) war der erste Anthropologe, der das System der Verwandtschaftsbeziehungen studierte, einen elementaren Bereich der heutigen Sozial- und Kulturanthropologie. Er lebte bei den Irokesen, beobachtete ihr gesellschaftliches und kulturelles Leben und ging in seinen Ver\u00f6ffentlichungen von seinen eigenen Erfahrungen aus. [Er half der Seneca Nation oder den Onondowahgah (\u201eVolk vom gro\u00dfen Berg\u201c), dem westlichsten Stamm der Haudenosaunee (\u201eLeute des Langhauses\u201c), besser bekannt als Irokesenliga oder Irokesen-Konf\u00f6deration, in ihrem Kampf gegen die Ogden Land Company um Landbesitz im Westen des sp\u00e4teren Bundesstaats New York.]<\/p>\n<p>In der englischen Ausgabe des Kommunistischen Manifests von 1888 [und in der deutschen Ausgabe von 1890] f\u00fcgte Engels eine Anmerkung hinzu, die den Grundsatz einschr\u00e4nkte, wonach \u201edie Geschichte aller bisherigen Gesellschaft die Geschichte von Klassenk\u00e4mpfen ist. Genau genommen gelte das, schrieb er, nur f\u00fcr die \u201e<em>schriftlich<\/em>\u00a0\u00fcberlieferte Geschichte\u201c. \u201eSchlie\u00dflich wurde die innere Organisation dieser urw\u00fcchsigen kommunistischen Gesellschaft in ihrer typischen Form blo\u00dfgelegt durch Morgans kr\u00f6nende Entdeckung der wahren Natur der Gens und ihrer Stellung im Stamm. Mit der Aufl\u00f6sung dieser urspr\u00fcnglichen Gemeinwesen beginnt die Spaltung der Gesellschaft in besondre und schlie\u00dflich einander entgegengesetzte Klassen.\u201c [Karl Marx \/ Friedrich Engels,\u00a0<em>Werke<\/em>\u00a0{im Folgenden: MEW}, Bd.\u00a04, Berlin: Dietz, 1959, S.\u00a0462]<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/intersoz.org\/friedrich-engels-und-der-urkommunismus\/#_ednref4\">[4]<\/a>\u00a0Friedrich Engels, \u201eDer Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats. Im Anschlu\u00df an Lewis H. Morgans Forschungen\u201c, in: MEW, Bd.\u00a021, Berlin: Dietz, 1962, S.\u00a095\/96, 97 (Kapitel \u201eIII Die irokesische Gens\u201c).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/intersoz.org\/friedrich-engels-und-der-urkommunismus\/#_ednref5\">[5]<\/a>\u00a0[Johann Jakob Bachofen (1815\u20121887) war ein Schweizer Rechtshistoriker und Altertumsforscher. Sein Werk\u00a0<em>Das Mutterrecht. Eine Untersuchung \u00fcber die Gynaikokratie der alten Welt nach ihrer religi\u00f6sen und rechtlichen Natur<\/em>\u00a0(Stuttgart: Verlag von Krais &amp; Hoffmann, 1861) gilt als Ursprung der modernen Theorien zum Matriarchat.]<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/intersoz.org\/friedrich-engels-und-der-urkommunismus\/#_ednref6\">[6]<\/a>\u00a0[Erste Ausgabe: Rosa Luxemburg,\u00a0<em>Einf\u00fchrung in die National\u00f6konomie,<\/em>\u00a0hrsg. von Paul Levi, Berlin: E. Laub\u2019sche Verlagsbuchhandlung, 1925.<\/p>\n<p>Dieses Werk, an dem sie w\u00e4hrend ihrer Gef\u00e4ngnisjahre arbeitete, ging aus ihrer Lehrt\u00e4tigkeit an der Parteischule der SPD in Berlin ab 1907 hervor. Ihr erster Biograph teilte zu diesem Buch mit: \u201eIm Sommer 1916 waren die beiden ersten Kapitel druckfertig, alle anderen in erster Fassung niedergeschrieben. Im Luxemburgschen Nachla\u00df sind jedoch nur die Kapitel 1, 3, 6, 7 und 10 aufgefunden worden.\u201c (Paul Fr\u00f6lich,\u00a0<em>Rosa Luxemburg.<\/em>\u00a0Gedanke und Tat, Berlin: Dietz, 1990 [1. dt. Ausg.: Paris 1939], S.\u00a0193)<\/p>\n<p>Eine neue Ausgabe ist zusammen mit weiteren \u00f6konomischen Schriften in Band 5 der\u00a0<em>Gesammelten Werke<\/em>\u00a0enthalten (Berlin: Dietz, 1975).<\/p>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg erschienen \u00dcbersetzungen ins Englische, Franz\u00f6sische (1970, mit einer Einleitung von Ernest Mandel), Italienische, Spanische, Japanische usw.]<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/intersoz.org\/friedrich-engels-und-der-urkommunismus\/#_ednref7\">[7]<\/a>\u00a0[Der peruanische marxistische Journalist und Intellektuelle Jos\u00e9 Carlos Mari\u00e1tegui (1894\u20121930) n\u00e4herte sich 1910 dem Sozialismus, lebte 1919 bis 1923 zumeist in Italien, war ab 1926 Herausgeber der Zeitschrift\u00a0<em>Amauta<\/em>\u00a0und 1928 Mitbegr\u00fcnder und Generalsekret\u00e4r der Partido Socialista del Per\u00fa (PSP, ab 1930 auf Druck der Kommunistischen Internationale umbenannt in Peruanische Kommunistische Partei, PCP); 1928 ver\u00f6ffentlichte er sein Hauptwerke\u00a0<em>Siete ensayos de interpretaci\u00f3n de la realidad peruana<\/em>\u00a0(dt.\u00a01986).<\/p>\n<p>Das Inkareich (spanisch: imperio incaico; auf Quechua: Tawantin suyu) war das gr\u00f6\u00dfte Reich im pr\u00e4kolumbischen Amerika, es bestand von 1438 bis 1533 bzw. 1572, wies eine Hochkultur weitgehend ohne Geld und M\u00e4rkte auf und unterschied sich durch viele Merkmale von Zivilisationen in der \u201eAlten Welt\u201c.<\/p>\n<p>Eine wichtige Quelle f\u00fcr Rosa Luxemburgs Ausf\u00fchrungen \u00fcber \u201edas sagenhafte Inkareich in Peru\u201c und seine \u201euralte agrarkommunistische Verfassung\u201c war Heinrich Cunows Buch<em>\u00a0Die Soziale Verfassung des Inkareichs.\u00a0Eine Untersuchung des altperuanischen Agrarkommunismus<\/em>, das im Parteiverlag der SPD erschienen war (Stuttgart: Verlag von J. H. W. Dietz, 1896).<\/p>\n<p>Der Historiker, Soziologe, Ethnologe und sozialdemokratische Publizist und Politiker Heinrich Cunow (1862\u20121936) war ab 1898 st\u00e4ndiger Mitarbeiter der\u00a0<em>Neuen Zeit<\/em>, ab 1907 Lehrer an der Parteischule in Berlin, ging im Herbst 1914 von der \u00e4u\u00dfersten Linken zur \u00e4u\u00dfersten Rechten in der SPD \u00fcber, wurde im September 1917 nach der Entlassung von Karl Kautsky durch den Parteivorstand der Mehrheitssozialdemokratie Leiter der Redaktion der\u00a0<em>Neuen Zeit<\/em>. Er schrieb noch ein weiteres Buch \u00fcber das Inkareich, das postum erschien (<em>Geschichte und Kultur des Inkareichs. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte Altamerikas<\/em>, Amsterdam: Elsevier, 1937).<\/p>\n<p>Sein 1896 ver\u00f6ffentlichtes Buch und zwei 1890 bzw. 1891 ver\u00f6ffentlichte Artikelserien \u00fcber das soziale System im \u201ealten Peru\u201c der Inkazeit erschienen 1929 bzw. 1933 auf Spanisch als Schriften, die von Maria Woitscheck \u00fcbersetzt wurden, in Paris bzw. in Lima als Band\u00a01 bis 3 der Reihe \u201eBiblioteca de antropolog\u00eda peruana\u201c.]<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/intersoz.org\/friedrich-engels-und-der-urkommunismus\/#_ednref8\">[8]<\/a>\u00a0[Siehe den Abschnitt \u201eColonialismo-feudalismo\u201c in dem Essay \u201eEl problema de la tierra\u201c; in der Ausgabe mit einer sehr ausf\u00fchrlichen Einleitung von An\u00edbal Quijano: Jos\u00e9 Carlos Mari\u00e1tegui,\u00a0<em>7 ensayos de la interpretaci\u00f3n de la realidad peruana,<\/em>\u00a03.\u00a0Ausg., Caracas: Fundaci\u00f3n Biblioteca Ayachucho, 2007, S.\u00a043.]<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/intersoz.org\/friedrich-engels-und-der-urkommunismus\/#_ednref9\">[9]<\/a>\u00a0[\u00d6kozid \u2012 Ausrottung eines Volks oder Ethnie durch Zerst\u00f6rung seiner nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen, beispielsweise Langzeitfolgen von Kampfstoffeins\u00e4tzen oder allgemeine Umweltzerst\u00f6rung durch St\u00f6rung des \u00f6kologischen Gleichgewichts; seit 1970 bekannte Wortneubildung analog zu Genozid, Ethnozid, Feminizid, die schottische Juristin und Umweltaktivistin Polly Higgins legte der Rechtskommission der Vereinten Nationen 2010 einen Vorschlag vor, wonach \u00d6kozid als internationale Straftat anerkannt werden soll und in dem er definiert wird als \u201eumfangreicher Verlust, Besch\u00e4digung oder Zerst\u00f6rung von \u00d6kosystemen eines bestimmten Gebiets, so dass die friedliche Wohlfahrt der Einwohner*innen stark beeintr\u00e4chtigt wurde oder wird\u201c.]<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/intersoz.org\/friedrich-engels-und-der-urkommunismus\/\"><em>intersoz.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 17. Dezember 2021<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michael L\u00f6wy. Bis ins 19. Jahrhundert organisierten sich einzelne Stammesgesellschaften auf egalit\u00e4re Art und Weise. Ihr Beispiel zeigt, dass Ausbeutung und Konkurrenz nichts \u201eNat\u00fcrliches\u201c sind, sondern sozial konstruiert. 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