{"id":10671,"date":"2022-01-06T09:39:46","date_gmt":"2022-01-06T07:39:46","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10671"},"modified":"2022-01-06T09:39:47","modified_gmt":"2022-01-06T07:39:47","slug":"schweizer-bauarbeiter-weigern-sich-die-kosten-der-pandemie-zu-tragen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10671","title":{"rendered":"Schweizer Bauarbeiter weigern sich, die Kosten der Pandemie zu tragen"},"content":{"rendered":"<p><em>Chris Kelley. <\/em><strong>Schweizer Unternehmerverb\u00e4nde versuchen in der Pandemie, L\u00f6hne zu dr\u00fccken und den Arbeitsschutz aufzuweichen. Doch die Besch\u00e4ftigten haben sich organisiert und wehren sich nun gemeinsam.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Wie viele andere L\u00e4nder hat der Ausbruch der Pandemie auch die Schweiz auf dem falschen Fuss erwischt. Die Auswirkungen von COVID-19 zeigten sich in den Regionen der Alpenkonf\u00f6deration h\u00f6chst unterschiedlich \u2013 sowohl in wirtschaftlicher wie auch in gesundheitlicher Hinsicht. Doch eines ist in s\u00e4mtlichen Teilen des Landes bei jeder Welle gleichgeblieben: Es waren die Arbeiterinnen und Arbeiter, die die Kosten der Krise getragen haben.<\/p>\n<p>Zu Beginn der Pandemie machten\u00a0<a href=\"https:\/\/www.blick.ch\/news\/corona-krise-miserable-hygiene-auf-baustellen-firmen-versprechen-besserung-dreckige-wcs-keine-desinfektion-kein-abstand-id15803458.html\">schockierende Bilder<\/a>\u00a0von Baustellen mit \u00fcberf\u00fcllten Pausenbaracken und verdreckten Toiletten ohne flie\u00dfend Wasser die Runde. Diese Aufnahmen, welche die Gewerkschaft Unia gesammelt und ver\u00f6ffentlicht hatte, standen in starkem Kontrast zu den konstanten Aufrufen zu \u00bbSocial Distancing\u00ab und dem Befolgen strikter Hygieneregeln.<\/p>\n<p>Auch wenn diese Bilder nur die Zust\u00e4nde auf den Baustellen dokumentierten, spiegelten sie Realit\u00e4ten von Hunderttausenden von Arbeiterinnen und Arbeitern wieder. Sie alle wurden vor die gleiche groteske Wahl gestellt: entweder unter unsicheren Bedingungen weiterarbeiten oder Gefahr laufen, Job und Einkommen zu verlieren. Nat\u00fcrlich waren die Aufrufe der Beh\u00f6rden sowie zahlreicher Politikerinnen und Politiker, zu Hause zu bleiben und Social Distancing zu praktizieren, vern\u00fcnftig. Doch sie hinterlie\u00dfen einen bitteren Beigeschmack bei Hunderttausenden Bauarbeitern, Logistikangestellten und anderen Besch\u00e4ftigten. Denn sie waren gar nicht erst in der Lage, diese Anweisung zu befolgen.<\/p>\n<p><strong>Mehr Schutz an den Arbeitspl\u00e4tzen<\/strong><\/p>\n<p>Die Gewerkschaften \u2013 und insbesondere die gr\u00f6\u00dfte Schweizer Gewerkschaft Unia \u2013 k\u00e4mpften an vorderster Front f\u00fcr wirksame Schutzma\u00dfnahmen am Arbeitsplatz. Die Unia organisiert Arbeiterinnen und Arbeiter aus der ganzen Privatwirtschaft und ist gerade im Baugewerbe stark verankert, zunehmend aber auch in der Pflege. W\u00e4hrend der ersten Welle der Pandemie, als die Unsicherheit am gr\u00f6\u00dften war, fu\u00dfte die Strategie der Gewerkschaft auf drei S\u00e4ulen: Einf\u00fchrung und Durchsetzung minimaler Schutzma\u00dfnahmen, Garantie der Lohnfortzahlungen im Falle von Betriebs- und Branchenschlie\u00dfungen sowie Gegenma\u00dfnahmen, um die Kosten der Krise nicht auf die Arbeiterinnen und Arbeiter abzuw\u00e4lzen.<\/p>\n<p>Die Schweiz ist zwar klein, doch mit vier verschiedenen Sprachregionen und 26 Kantonen ist der F\u00f6deralismus stark ausgepr\u00e4gt. Die Gewerkschaft Unia konnte nicht alle ihrer Forderungen durchsetzen, doch sie hat zusammen mit anderen politischen Akteuren gen\u00fcgend Druck aufgebaut, um zu erwirken, dass auf nationaler Ebene die Regelungen f\u00fcr die Kurzarbeit ausgeweitet und vereinfacht wurden. Somit konnten zumindest der Gro\u00dfteil der L\u00f6hne der Besch\u00e4ftigten, deren Betriebe geschlossen blieben, gesichert werden.<\/p>\n<p>Zudem hat sie erreicht, dass in mehreren Kantonen der franz\u00f6sischsprachigen Schweiz sowie im italienischsprachigen Tessin, wo der gewerkschaftliche Organisationsgrad besonders hoch ist, eine gr\u00f6\u00dfere Bandbreite von Betrieben vor\u00fcbergehend geschlossen wurde. Dadurch konnte Zeit gewonnen werden, um notwendige Schutzma\u00dfnahmen einzuf\u00fchren und durchzusetzen. Zudem hat die Gewerkschaft \u2013 auch in einzelnen Kantonen der Deutschschweiz \u2013 daf\u00fcr gesorgt, dass parit\u00e4tische Kontrollen der Schutzma\u00dfnahmen durchgef\u00fchrt werden, also beh\u00f6rdlich anerkannte Inspektionen der Arbeitspl\u00e4tze, welche Gewerkschaften und Arbeitgeber selbst unternehmen. Gewerkschaftsvertreterinnen und -vertreter haben dadurch deutlich mehr M\u00f6glichkeiten, um bei Verst\u00f6\u00dfen direkt eingreifen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die widerspr\u00fcchlichen Realit\u00e4ten des Landes spiegelten sich auch innerhalb der Gewerkschaft wider. Die franz\u00f6sisch- und italienischsprachigen Regionen waren anf\u00e4nglich h\u00e4rter von der Pandemie betroffen, gleichzeitig sind die Gewerkschaften dort st\u00e4rker verankert. Zu Beginn der Pandemie hatten diese Regionaleinheiten wenig Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass es in der Deutschschweiz nicht gelungen war, s\u00e4mtliche Baustellen zu schlie\u00dfen. Gleichzeitig war es f\u00fcr einen Gro\u00dfteil der Arbeiterinnen und Arbeiter in der Deutschschweiz kaum m\u00f6glich, f\u00fcr gro\u00dffl\u00e4chige Schlie\u00dfungen zu k\u00e4mpfen, solange minimale Schutzma\u00dfnahmen eingehalten wurden. Im Verlauf der Pandemie verblassten diese Widerspr\u00fcche jedoch, als auch in der lateinischen Schweiz die Baustellen wieder ge\u00f6ffnet wurden, die Impfquote anstieg und die Gewerkschaft sich zunehmend auf die \u00f6konomischen Interessen ihrer Mitglieder konzentrierte.<\/p>\n<p><strong>Angriffe von oben<\/strong><\/p>\n<p>Die Pandemie hat auch zu einer Versch\u00e4rfung der Klassenkonflikte gef\u00fchrt. Rechte Politikerinnen, Politiker und Arbeitgeberverb\u00e4nde haben uralte Forderungslisten hervorgekramt, von deren Verwirklichung sie seit Jahren tr\u00e4umen, um diese nun unter dem Deckmantel der Corona-Krise durchzudr\u00fccken.<\/p>\n<p>Diese Auseinandersetzung wurde zum einen in den S\u00e4len des Parlaments ausgefochten. So haben rechte Politikerinnen und Politiker deutlich flexiblere Arbeitszeitregelungen gefordert und dies mit angeblichen wirtschaftlichen Notwendigkeiten zu legitimieren versucht, die sich aus der Pandemie erg\u00e4ben. Tats\u00e4chlich sind diese Vorst\u00f6\u00dfe nichts anderes als Spiegelbilder von Vorschl\u00e4gen, die bereits Jahre zuvor erfolglos eingereicht wurden.<\/p>\n<p>Zur gleichen Zeit versuchten Teile des Schweizer wie auch des europ\u00e4ischen Kapitals, die Verhandlungen f\u00fcr das Institutionelle Rahmenabkommen (InstA) zwischen der EU und der Schweiz zu nutzen, um die flankierenden Ma\u00dfnahmen aufzuweichen. Die flankierenden Massnahmen sind wichtige Lohnschutzbestimmungen in der Schweiz, welche die Gewerkschaften vor zwei Jahrzehnten erreicht hatten, als die Schweiz die Personenfreiz\u00fcgigkeit mit der EU vereinbarte. In den aktuellen Verhandlungen zum Rahmenabkommen, die seit 2014 und besonders intensiv seit 2018 gef\u00fchrt wurden, sah der Entwurf des Rahmenabkommens eine Reihe von Verschlechterungen bei genau diesen Lohnschutzbestimmungen vor. Die Gewerkschaften unterst\u00fctzen zwar den freien Personenverkehr, doch nur unter der Bedingung, dass die L\u00f6hne in der Schweiz \u2013 die h\u00f6chsten Europas \u2013 gesch\u00fctzt werden. Aus diesem Grund haben sie den aktuellen Vertragsentwurf vehement abgelehnt \u2013 auch unter Androhung eines Referendums. Die Schweizer Gewerkschaften verb\u00fcndeten sich fr\u00fch mit ihren\u00a0<a href=\"https:\/\/www.sgb.ch\/themen\/arbeit\/detail\/fuer-einen-starken-lohnschutz-in-ganz-europa-solidaritaetsbrief-des-deutschen-gewerkschaftsbundes-mit-den-schweizer-gewerkschaften-beim-rahmenabkommen\">Schwestergewerkschaften in den umliegenden L\u00e4ndern<\/a>, um gemeinsam gegen den Angriff auf die L\u00f6hne anzuk\u00e4mpfen.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.sgb.ch\/themen\/arbeit\/detail\/gefahren-fuer-den-lohnschutz-abgewehrt\">Ende Mai 2021 ist der Deal schlie\u00dflich geplatzt<\/a>. F\u00fcr das Scheitern des Abkommen werden seither die Gewerkschaften verantwortlich gemacht.<\/p>\n<p>Auch die Arbeitgeberverb\u00e4nde diverser Branchen sind w\u00e4hrend der Pandemie in die Offensive gegangen. Dabei hat sich der Schweizerische Baumeisterverband als besonders aggressiv hervorgetan. Im Jahr 2020 startete der Baumeisterverband eine PR-Kampagne und dankte in \u00f6ffentlichen Inseraten den Bauarbeitern f\u00fcr ihren Einsatz w\u00e4hrend der Pandemie. Doch nur wenige Wochen sp\u00e4ter forderte der Arbeitgeberverband in den j\u00e4hrlichen Lohnverhandlungen mit den Gewerkschaften \u00f6ffentlich, die L\u00f6hne aller Bauarbeiter fl\u00e4chendeckend zu k\u00fcrzen. Angesichts des akuten Fachkr\u00e4ftemangels im schweizerischen Bauhauptgewerbe ist diese Forderung selbst aus Arbeitgeberperspektive schwer nachvollziehbar. Die Gewerkschaft lehnte den Vorsto\u00df erwartungsgem\u00e4\u00df ab, weshalb die Lohnverhandlungen schlie\u00dflich scheiterten.<\/p>\n<p>Die Bau-Chefs haben jedoch nicht aufgeh\u00f6rt, mit den S\u00e4bel zu rasseln. Auch in den Lohnverhandlungen des Folgejahres beharrten sie auf eine Nullrunde f\u00fcr die Bauarbeiter und drohten kurz darauf, im November 2021, sogar den Branchentarifvertrag insgesamt auslaufen zu lassen. Im bevorstehenden Februar beginnen die Verhandlungen f\u00fcr die Erneuerung des sogenannten Landesmantelvertrags und die Baumeister haben klargemacht, dass sie auch bereit sind, den Vertrag nicht zu verl\u00e4ngern, sollten ihre Forderungen nach drastisch schlechteren Arbeitsbedingungen nicht erf\u00fcllt werden. Dass die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/baumeister-haben-aus-ihren-fehlern-nichts-gelernt-559398671897\">Baumeister\u00a0<\/a>den Konflikt eskalieren lassen und sich damit wohl eine\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/baumeister-provozieren-streikwelle-363269761320\">Streikwelle anbahnt<\/a>, wurde indes breit in der Presse kritisiert \u2013 ein gelungener Medien Coup sieht jedenfalls anders aus. Diese Prognose nach einer Streikwelle ist nicht aus der Luft gegriffen: Der gewerkschaftliche Organisationsgrad ist im Bauhauptgewerbe in der Schweiz mit um die 70 Prozent sehr hoch, branchenweite Streiks sind damit nicht ausgeschlossen.<\/p>\n<p><strong>Den Spiess umdrehen<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Unternehmer und ihre politischen Verb\u00fcndeten in die Offensive gegangen sind, hat sich die Wirtschaft des Landes nicht nur vom vor\u00fcbergehenden Schock der Pandemie erholt, zahlreiche Branchen haben sogar ein Rekordwachstum erzielt. Abgesehen von der Gastronomie und den Fluggesellschaften, ist die Wirtschaft im Aufschwung.<\/p>\n<p>Zu diesem Wirtschaftsboom haben nicht zuletzt die Bauarbeiter, Pflegekr\u00e4fte und Logistikangestellten des Landes ma\u00dfgeblich beigetragen, als sie w\u00e4hrend der Pandemie unter schwersten Bedingungen weiterarbeiteten. Sie sind dementsprechend entr\u00fcstet dar\u00fcber, dass nun von ihnen erwartet wird, weiterhin zu Konditionen zu arbeiten, die schon lange vor der Pandemie entweder gesundheitsgef\u00e4hrdend, prek\u00e4r oder gleich beides waren.<\/p>\n<p>Sebastian, ein 43-j\u00e4hriger Bauarbeiter und Aktivist bei der Unia, bringt es mit folgenden Worten auf den Punkt: \u00bbSeit Jahren sprechen wir \u00fcber die Probleme auf den Baustellen. Wir arbeiten nonstop w\u00e4hrend Hitzewellen und dann wiederum w\u00e4hrend Schnee und Hagel. Die Chefs sagen uns dazu noch st\u00e4ndig, wir m\u00fcssten immer schneller, immer schneller arbeiten. Langsam haben wir es satt. Und dann kam Corona noch dazu. Wir waren die Leute, die tagt\u00e4glich weitergearbeiteten haben, oftmals unter noch mehr Druck als zuvor. Und deshalb finde ich es nur angebracht, dass wir jetzt anfangen \u00fcber unsere Forderungen zu sprechen \u2013 \u00fcber die Forderungen der Arbeiter.\u00ab<\/p>\n<p>Sandra, eine 51-j\u00e4hrige Pflegerin, die ebenfalls in der Unia aktiv ist, schildert \u00c4hnliches: \u00bbVon Beginn der Pandemie an waren wir es, die tagein, tagaus gearbeitet haben, buchst\u00e4blich an vorderster Front. Und die Politiker und die Chefs haben die Bev\u00f6lkerung enthusiastisch dazu aufgefordert, f\u00fcr uns und unsere gro\u00dfartige Arbeit als Pflegende zu klatschen. Und wenn Klatschen den Personalmangel, die endlosen \u00dcberstunden und die niedrigen L\u00f6hne l\u00f6sen w\u00fcrde, dann w\u00e4re ich begeistert. Aber das tut es nicht. Und jetzt ist es die Zeit gekommen f\u00fcr echte Ver\u00e4nderungen.\u00ab Dass dies nicht nur leere Worte sind, hat k\u00fcrzlich eine\u00a0<a href=\"https:\/\/jacobin.de\/artikel\/die-schweiz-sagt-ja-zu-guter-pflege-volksinitiative-pflegeinitiative-pflegedurchbruch-pflegenotstand-vpod-unia-sbk\/\">historische Abstimmung bewiesen, in der eine Mehrheit der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege gestimmt<\/a>\u00a0hat. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Schweiz, dass eine Volksinitiative aus Gewerkschaftskreisen Erfolg hatte.<\/p>\n<p><strong>Im Interesse der arbeitenden Klasse<\/strong><\/p>\n<p>Die Schweizer Gewerkschaften und insbesondere die Unia versuchen nun, diese Wut in Handlungsf\u00e4higkeit zu lenken.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/news\/schweiz\/bewilligte-kundgebung-tausende-protestieren-in-bern-gegen-rentenabbau\">Im letzten September zogen 15.000 Arbeiterinnen und Arbeiter durch die Hauptstadt<\/a>\u00a0Bern, um gegen die Erh\u00f6hung des Rentenalters f\u00fcr Frauen zu demonstrieren. Und\u00a0<a href=\"https:\/\/www.unia.ch\/de\/medien\/medienmitteilungen\/mitteilung\/a\/18523\">Ende Oktober versammelten sich erneut Tausende Besch\u00e4ftigte<\/a>\u00a0aus verschiedenen Branchen \u2013 Leute, f\u00fcr die es kein Option war, ins Home Office gehen \u2013 in f\u00fcnf St\u00e4dten, um mehr Lohn, bessere Arbeitsbedingungen und weniger Belastung bei der Arbeit zu fordern. Die offizielle Parole dieser Demonstrationen: \u00bbJetzt sind wir dran!\u00ab<\/p>\n<p>Wie in vielen anderen L\u00e4ndern hat die Pandemie auch in der Schweiz zu Verunsicherung und Polarisierung gef\u00fchrt und mitunter \u00fcberraschende Wendungen hervorgebracht \u2013 wenn sich etwa konservative Kr\u00e4fte pl\u00f6tzlich als Kritiker staatlicher \u00dcberwachung ausgeben oder linke Akteure s\u00e4mtliche (Un-)Taten der Beh\u00f6rden im Kampf gegen die Pandemie unkritisch verteidigen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Rechten jede Gelegenheit nutzen, um sich als die vermeintlich wahre Opposition zu dem Missmanagement des Establishments zu profilieren, tappen Teile der Linken immer wieder in die Falle, sich in pseudoradikale Wortgefechte zu begeben, die im besten Fall moralisierend statt mobilisierend und im schlimmsten Fall entfremdend und spaltend auf die Arbeiterschaft wirken.<\/p>\n<p>Gewerkschaftliche Aktionen wie \u00bbJetzt sind wir dran!\u00ab geben der Arbeiterinnenbewegung und der gesellschaftlichen Linken stattdessen eine klassenbezogene Ausrichtung, die dazu beitragen kann, eine politische Kraft aufzubauen, die im Alltagsleben der arbeitenden Menschen verwurzelt ist.<\/p>\n<p>Um substanzielle Verbesserungen zu erreichen, braucht es nat\u00fcrlich mehr als nur gute Slogans. Aber breit angelegte Kampagnen wie diese bieten einen Rahmen, um diejenigen zu erreichen, die wir f\u00fcr unsere Bewegung gewinnen m\u00fcssen \u2013 sei es nun am Arbeitsplatz, in den Quartieren oder in lokalen Vereinen. Diese Begegnungen bilden die Basis f\u00fcr den Aufbau einer echte Bewegung der arbeitenden Klasse. Dazu sind unter anderem endlose, manchmal schwierige, aber oft inspirierende Gespr\u00e4che n\u00f6tig, die erfahrene Organizer nur zu gut kennen. Doch nur so kann eine Bewegung wachsen, die im Leben der Arbeiterinnen und Arbeiter wirklich verankert und pr\u00e4sent ist.<\/p>\n<p><em>#Titelbild: Tausende Besch\u00e4ftigte aus den Bauberufen, der Logistikbranche und der Pflege gingen Ende Oktober 2021 auf die Stra\u00dfe.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/jacobin.de\/artikel\/schweizer-bauarbeiter-weigern-sich-die-kosten-der-corona-krise-zu-tragen-unia-baugewerkschaft-schweiz-kantone-volksentscheid-streik\/\"><em>jacobin.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 6. Januar 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chris Kelley. Schweizer Unternehmerverb\u00e4nde versuchen in der Pandemie, L\u00f6hne zu dr\u00fccken und den Arbeitsschutz aufzuweichen. 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