{"id":10691,"date":"2022-01-15T11:43:06","date_gmt":"2022-01-15T09:43:06","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10691"},"modified":"2022-01-15T11:43:07","modified_gmt":"2022-01-15T09:43:07","slug":"80-jahre-seit-dem-vernichtungskrieg-gegen-die-sowjetunion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10691","title":{"rendered":"80 Jahre seit dem Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion"},"content":{"rendered":"<p><em>Peter Schwarz. <\/em><strong>Vor [mehr als] 80 Jahren, am 22. Juni 1941, \u00fcberfiel die deutsche Wehrmacht die Sowjetunion. Es begann ein Krieg, wie ihn die Menschheit noch nie erlebt hatte. Die Barbarei des Mittelalters verband sich mit den modernsten Techniken des 20. Jahrhunderts.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Grausame Kriege mit Millionen Opfern hatte es schon vorher gegeben. Es war erst 23 Jahre her, seit die Kanonen des Ersten Weltkriegs verstummt waren. Die blutdurchtr\u00e4nkten Felder von Verdun und der Marne, auf denen die Bl\u00fcte der deutschen, franz\u00f6sischen und britischen Jugend ins offene Maschinengewehrfeuer gejagt worden war, galten als Monument menschlicher Grausamkeit.<\/p>\n<p>Doch der Feldzug gegen die Sowjetunion \u00fcbertraf sie bei weitem. Er wurde von vornherein als Vernichtungskrieg geplant. Er war nicht nur ein Krieg um Gebiete, Rohstoffe und Weltmacht, sondern auch ein rassistischer und Weltanschauungskrieg. Die Vernichtung des Bolschewismus, die Ausrottung des Judentums und die Schaffung von Lebensraum im Osten, die Hitler seit 20 Jahren verk\u00fcndet hatte, wurden nun in die Tat umgesetzt.<\/p>\n<p>\u201eAnders als viele im Westen glaubten, ist Hitler nicht f\u00e4lschlicherweise in den Krieg im Osten hineingeraten\u201c, schreibt der Historiker Stephen Fritz. \u201eF\u00fcr ihn war der \u201arichtige\u2018 Krieg immer der gegen die Sowjetunion, denn f\u00fcr ihn hing das Schicksal Deutschlands von der Eroberung von Lebensraum und der L\u00f6sung der \u201aJudenfrage\u2018 ab. Beides wiederum hing von der Vernichtung der Sowjetunion ab. Welches dieser Ziele war am wichtigsten? Angesichts von Hitlers Ansichten w\u00e4re der Versuch k\u00fcnstlich, sie zu priorisieren oder zu trennen. F\u00fcr ihn war der Krieg gegen den \u201aj\u00fcdischen Bolschewismus\u2018 und f\u00fcr Lebensraum umfassend und aus einem Guss.\u201c [1]<\/p>\n<p>Als um drei Uhr morgens drei Millionen deutsche Soldaten, 600.000 Kraftfahrzeuge, 3350 Panzer, 7000 Gesch\u00fctze und 3900 Flugzeuge in die Sowjetunion einfielen, f\u00fchrten sie detaillierte Pl\u00e4ne und Anweisungen zur physischen Vernichtung von Millionen Menschen mit sich. Begleitet wurde die Invasionsarmee von vier Einsatzgruppen, die der Chef des Reichssicherheitshauptamts Reinhard Heydrich drei Monate lang sorgf\u00e4ltig ausgew\u00e4hlt und ausgebildet hatte. Die Aufgabe dieser 3000 Mann starken \u201eSturmtruppe des V\u00f6lkermords\u201c (Ian Kershaw) bestand darin, alle Kommunisten, Partisanen, Juden und Sinti, deren sie habhaft werden konnte, sofort umzubringen.<\/p>\n<p>\u201eDie vier Einsatzgruppen und ihre Helfer t\u00f6teten in den ersten sechs Monaten von Barbarossa weit \u00fcber 500.000 sowjetische Juden, zus\u00e4tzlich zu Zehntausenden von Partisanen und sowjetischen Kriegsgefangenen, was ohne die willige und aktive Mitarbeit der Wehrmacht nicht m\u00f6glich gewesen w\u00e4re,\u201d schreibt Fritz. [2]<\/p>\n<p>Die aktive Beteiligung der Wehrmacht am Massenmord, die in Deutschland jahrzehntelang geleugnet wurde und noch 1999 zur Zensur der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2001\/07\/weh1-j26.html\">Ausstellung<\/a>\u00a0\u201eVernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht\u201c f\u00fchrte, ist unwiderlegbar dokumentiert. Bereits im Januar hatte Hitler vor einer Gruppe ausgew\u00e4hlter SS-F\u00fchrer die Parole ausgegeben, die slawische Bev\u00f6lkerung im Osten um etwa 30 Millionen zu reduzieren. Danach \u00fcbersetzten ganze St\u00e4be von Milit\u00e4rstrategen und Rassentheoretikern den \u201eWillen des F\u00fchrers\u201c in genaue Anweisungen, wer zu erschie\u00dfen und auszurotten sei.<\/p>\n<p>Die Gener\u00e4le segneten diese Pl\u00e4ne ab und sorgten f\u00fcr ihre Durchf\u00fchrung. W\u00e4hrend des Krieges kam es laut Fritz \u201ezu einem Gedanken- und Erfahrungsaustausch zwischen Heeres- und SS-Offizieren. \u2026 Wie die Ereignisse vor Ort zeigten, schufen verbrecherische Befehle von oben und rachs\u00fcchtige Impulse von unten ein Klima der Gewalt, das jede Hemmschwelle zum Morden beseitigen sollte.\u201c [3]<\/p>\n<p>Deutsche Professoren untermauerten die m\u00f6rderischen Pl\u00e4ne mit pseudowissenschaftlichen Argumenten. Im Juni 1942 wurde der Generalplan Ost ver\u00f6ffentlicht, an dem zahlreiche Akademiker mitgearbeitet hatten. Auch er plante die Ermordung von Millionen Slawen, um Deutsche anzusiedeln. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), ein Zusammenschluss renommierter Wissenschaftler, hatte schon in der Weimarer Republik Studien finanziert, \u201edie eine generelle \u00dcberlegenheit der Deutschen \u00fcber die slawischen Bev\u00f6lkerungen behaupteten\u201c, und \u201eRassenforschung als angewandte Wissenschaft verstanden\u201c.<\/p>\n<p>Die Einsatzpl\u00e4ne f\u00fcr das Unternehmen Barbarossa, wie der Deckname f\u00fcr den \u00dcberfall auf die Sowjetunion hie\u00df, wurden im Fr\u00fchjahr 1941 zwischen Reichskanzlei, SS, Reichssicherheitshauptamt und Oberkommando der Wehrmacht (OKW) in zahlreichen Gespr\u00e4chsrunden abgestimmt. Immer wieder wurde dabei das Ziel formuliert, die \u201eBolschewistenh\u00e4uptlinge und Kommissare\u201c, die \u201ej\u00fcdisch-bolschewistische Intelligenz\u201c und die \u201esozialistische Idee\u201c zu vernichten.<\/p>\n<p>Am 2. Mai diskutierten mehrere Staatssekret\u00e4re und f\u00fchrende Offiziere der Wehrmacht die kriegswirtschaftlichen Konsequenzen des Unternehmens Barbarossa. Sie kamen laut einer Aktennotiz zum Schluss, dass \u201ezweifellos zig Millionen Menschen verhungern [werden], wenn von uns das f\u00fcr uns Notwendige aus dem Lande herausgeholt wird\u201c.<\/p>\n<p>Am 13. Mai erlie\u00df OKW-Chef Wilhelm Keitel den Kriegsgerichtsbarkeitserlass. Er verf\u00fcgte, dass Straftaten von Zivilpersonen gegen die Wehrmacht nicht mehr von Gerichten geahndet, sondern die Tatverd\u00e4chtigen auf Gehei\u00df eines Offiziers sofort erschossen werden. Auch kollektive Gewaltma\u00dfnahmen gegen ganze Ortschaften waren zul\u00e4ssig. Oft wurden dabei Frauen und Kinder (die M\u00e4nner befanden sich an der Front) in gro\u00dfen Geb\u00e4uden zusammengetrieben, mit Maschinengewehren erschossen und die Geb\u00e4ude, obwohl viele noch lebten, abgebrannt.<\/p>\n<p>Am 6. Juni, zwei Wochen vor dem \u00dcberfall, erlie\u00df das OKW unter Federf\u00fchrung von Generaloberst Alfred Jodl den Kommissarbefehl. Er ordnete an, die zivilen und milit\u00e4rischen politischen Kommissare auszusondern und \u201egrunds\u00e4tzlich sofort mit der Waffe zu erledigen\u201c. Allein aufgrund dieses Befehls wurden nachgewiesenerma\u00dfen 140.000, Sch\u00e4tzungen zufolge sogar 600.000 Opfer umgebracht.<\/p>\n<p>Am 22. Juni setzte sich also eine gut vorbereitete Mordmaschinerie in Gang. Die letzten moralischen Hemmschwellen waren bereits in Polen gefallen, wo die Wehrmacht zwei Jahre zuvor einmarschiert war und eine Orgie der Grausamkeiten entfesselt hatte. Auf polnischem Boden entstanden sp\u00e4ter auch die ber\u00fcchtigten Vernichtungslager. Doch bereits bevor in Auschwitz und Majdanek Millionen Juden aus ganz Europa ins Gas getrieben wurden, brachten die vorr\u00fcckenden deutschen Truppen in der Sowjetunion Hunderttausende von ihnen um.<\/p>\n<p>Das bekannteste der zahlreichen Massaker ereignete sich am 29. und 30. September 1941 in der Schlucht Babi Jar bei Kiew, wo ein Sonderkommando innerhalb von zwei Tagen 33.771 Juden \u2013 M\u00e4nner, Frauen und Kinder \u2013 aus der ukrainischen Hauptstadt erschoss. In den folgenden Monaten wurden in derselben Schlucht weitere 70.000 zivile Opfer exekutiert.<\/p>\n<p>Die Bilanz des Vernichtungskriegs war verheerend. Die Zahl der sowjetischen Kriegsopfer betrug 27 Millionen. Eine Kommission des sowjetischen Verteidigungsministeriums und der Russischen Akademie der Wissenschaften, die die Zahl zwischen 1987 und 1991 \u00fcberpr\u00fcfte, kam sogar auf 37 Millionen. Davon waren nur 8,6 Millionen Soldaten und 27 bis 28 Millionen Zivilisten, von denen viele durch Hunger und unertr\u00e4gliche Lebensumst\u00e4nde ums Leben kamen. Allein die 28-monatige Blockade der Millionenstadt Leningrad, die die Wehrmacht gezielt aushungerte, kostete 470.000 Zivilisten das Leben.<\/p>\n<p>Zu den zahlreichen, nie ges\u00fchnten Verbrechen der Wehrmacht geh\u00f6rt auch die Ermordung von drei Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen. Am 8. September erlie\u00df das OKW einen Erlass, der gefangene Soldaten der Roten Armee au\u00dferhalb des V\u00f6lkerrechts stellte: \u201eDer bolschewistische Soldat hat jeden Anspruch auf Behandlung als ehrenvoller Soldat nach dem Genfer Abkommen verloren. \u2026 Waffengebrauch gegen\u00fcber sowjetischen Kriegsgefangenen gilt in der Regel als rechtm\u00e4\u00dfig.\u201c<\/p>\n<p>Etwa 60 Prozent der sowjetischen Kriegsgefangen kamen ums Leben. Wenn sie nicht ermordet wurden oder an Hunger starben, wurden sie in die Konzentrationslager gebracht, wo sie unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit f\u00fcr die deutsche Kriegsproduktion leisten mussten.<\/p>\n<p><strong>Der Kriegsverlauf<\/strong><\/p>\n<p>Die Wehrmacht drang in den ersten Kriegswochen schnell in die Sowjetunion vor. Sie verdankte ihre anf\u00e4nglichen Erfolge vor allem der kriminellen Politik von Stalin und der privilegierten B\u00fcrokratie, deren Herrschaft er verk\u00f6rperte. Sie hatten die Sowjetunion v\u00f6llig entbl\u00f6\u00dft und unvorbereitet gelassen.<\/p>\n<p>Stalin hatte im Rahmen des Gro\u00dfen Terrors, dem 1937\/38 nahezu die gesamte F\u00fchrung der Oktoberrevolution und Hunderttausende aufrechte Kommunisten und Intellektuelle zum Opfer fielen, auch die Rote Armee enthauptet. Von den 178.000 milit\u00e4rischen F\u00fchrungskr\u00e4ften wurden 35.000 verhaftet und teilweise hingerichtet. Es starben etwa doppelt so viele Gener\u00e4le wie im gesamten Zweiten Weltkrieg, darunter so herausragende milit\u00e4rische F\u00fchrer wie Tuchatschewski, Jakir, Gamarnik und Uborewitsch, die im B\u00fcrgerkrieg unter Trotzki in die F\u00fchrung der Roten Armee aufgestiegen waren.<\/p>\n<p>Es handelte sich um die Generation, die im B\u00fcrgerkrieg die Feuertaufe erhalten hatte, \u201epl\u00f6tzlich aus der Masse herausragte, Organisationstalent und die F\u00e4higkeit zur milit\u00e4rischen F\u00fchrung offenbarte\u201c, \u201eihren Willen in einem gro\u00df angelegten Kampf festigte\u201c und sich anschlie\u00dfend milit\u00e4risch weiter bildete, wie Leo Trotzki 1934 schrieb. \u201eDie Milit\u00e4rtheorie bef\u00e4higte sie, ihren Geist zu disziplinieren, aber sie t\u00f6tete nicht die K\u00fchnheit, die in den ungest\u00fcmen Man\u00f6vern des B\u00fcrgerkrieges gest\u00e4hlt worden war.\u201c [4] Sie wurden durch weniger erfahrene Offiziere ersetzt, die sich vor allem durch ihre Unterw\u00fcrfigkeit gegen\u00fcber Stalin auszeichneten.<\/p>\n<p>Stalin selbst wurde vom deutschen \u00dcberfall vollst\u00e4ndig \u00fcberrascht, obwohl ihn westliche und die eigenen Geheimdienste gewarnt hatten. Der kommunistische Spion Richard Sorge hatte aus Japan sogar die genauen Angriffspl\u00e4ne samt Termin \u00fcbermittelt. Doch Stalin missachtete alle Warnungen und vertraute auf den Nichtangriffspakt, den er im August 1939 mit Hitler vereinbart hatte. Er war \u00fcberzeugt, dass Deutschland, das bereits im Krieg mit Gro\u00dfbritannien stand, keinen Zweifrontenkrieg riskieren w\u00fcrde. Nach dem \u00dcberfall verschwand Stalin tagelang von der Bildfl\u00e4che, die Sowjetunion war praktisch f\u00fchrerlos.<\/p>\n<p>Doch in der sowjetischen Arbeiterklasse war die Oktoberrevolution nach wie vor lebendig. Stalin hatte zwar ihre F\u00fchrer ermordet, nicht aber ihre Errungenschaften zerst\u00f6rt: das verstaatlichte Eigentum und die Planwirtschaft, die sich nun als gewaltiger Vorteil erwiesen. Die Wehrmacht musste bald feststellen, dass sie diesmal nicht gegen die Zarenarmee aus zwangsverpflichteten, halb leibeigenen Bauern k\u00e4mpfte, sondern gegen die motivierte Armee eines Arbeiterstaats, die trotz barbarischem Auch dies hatte Trotzki, der die Rote Armee selbst aufgebaut hatte, 1934 vorausgesehen. Der Rote K\u00e4mpfer unterscheide sich scharf vom zaristischen Soldaten, schrieb er. \u201eDer Kult der Passivit\u00e4t und der unterw\u00fcrfigen Kapitulation vor Hindernissen ist durch den Kult der politischen und sozialen K\u00fchnheit und des technologischen Amerikanismus verdr\u00e4ngt worden. &#8230; Sollte die russische Revolution, die seit fast drei\u00dfig Jahren \u2013 seit 1905 \u2013 immer wieder abebbt und anschwillt, in den Kanal des Krieges flie\u00dfen, wird sie eine schreckliche und \u00fcberw\u00e4ltigende Kraft entfesseln.\u201c [5]<\/p>\n<p>Obwohl sich der Krieg noch dreieinhalb Jahre hinzog und auch auf deutscher Seite \u00fcber sechs Millionen Soldaten get\u00f6tet oder schwer verwundet wurden, zeichnete sich schon nach wenigen Wochen ab, dass die Wehrmacht keine Siegeschancen hatte. \u201eDoch lange bevor der erste Schnee fiel und noch bevor die ersten Herbstregen die meisten Bewegungen zum Stillstand brachten, n\u00e4mlich schon im Sommer 1941, war klar, dass sich Barbarossa verausgabt hatte und unweigerlich zum Scheitern verurteilt war,\u201d schreibt der Milit\u00e4rhistoriker David Stahel. [6]<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Unbenannt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Unbenannt.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10692\" width=\"719\" height=\"405\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Unbenannt.jpg 478w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Unbenannt-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 719px) 100vw, 719px\" \/><\/a><figcaption><em>Sowjetische Iljuschin-Il-2-Flugzeuge (RIA Novosti \/ archive Fyodor Levshin \/ CC-BY-SA 3.0)<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<p>Auch in der kriegsentscheidenden R\u00fcstungsproduktion war die sowjetische Planwirtschaft der deutschen Privatwirtschaft weit \u00fcberlegen. 1941 produzierte die deutsche Industrie insgesamt 5200 Panzer, 11.776 Flugzeuge und 7000 Artilleriegesch\u00fctze \u00fcber 37 mm. Die sowjetische Industrie brachte es im ersten Halbjahr 1941 nur auf 1800 Panzer, 3950 Flugzeuge und 15.600 Gesch\u00fctze. Doch im zweiten Halbjahr steigerte sie die Produktion trotz der Kriegszerst\u00f6rung und der Umsiedlung ganzer Fabriken auf weitere 4740 Panzer, 8000 Flugzeuge und 55.500 Gesch\u00fctze. 1942 stellte Deutschland 15.409 und die Sowjetunion 25.436 Flugzeuge her. Bei den Panzern brachte es Deutschland auf 9200, die Sowjetunion auf 24.446.<\/p>\n<p>Die aus der Oktoberrevolution hervorgegangene Sowjetunion erwies sich so trotz der stalinistischen Degeneration als entscheidende Barriere gegen den Absturz der gesamten Menschheit in die Barbarei. Ernsthafte Historiker lassen keinen Zweifel, was ein Sieg Hitlers bedeutet h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Stahel bemerkt: \u201eHitlers neuer Krieg im Osten wurde damals von allen Seiten als entscheidender Moment f\u00fcr die zuk\u00fcnftigen Geschicke des sich ausweitenden Weltkrieges verstanden. Entweder w\u00fcrde Hitler bald fast unantastbar an der Spitze eines riesigen Reiches stehen, oder sein gr\u00f6\u00dfter Feldzug w\u00fcrde scheitern (was damals keine Regierung f\u00fcr wahrscheinlich hielt), was zu der gef\u00e4hrlichen alliierten Einkreisung gef\u00fchrt h\u00e4tte, die Hitler f\u00fcr immer beseitigen wollte. Es ist daher keine \u00dcbertreibung zu sagen, dass der deutsche \u00dcberfall auf die Sowjetunion einen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Wendepunkt im Weltgeschehen darstellt, der nicht nur f\u00fcr unser Verst\u00e4ndnis des Zweiten Weltkriegs von zentraler Bedeutung ist, sondern eines der tiefgreifendsten Ereignisse der modernen Geschichte darstellt.\u201c [7]<\/p>\n<p><strong>Die Ursachen des Krieges<\/strong><\/p>\n<p>Nach der deutschen Niederlage wollte in Deutschland niemand f\u00fcr den Vernichtungskrieg verantwortlich gewesen sein. Es gab nur Opfer und Befehlsempf\u00e4nger \u2013 keine T\u00e4ter. Hitler war an allem schuld. Der Zweite Weltkrieg war \u201eHitlers Krieg\u201c.<\/p>\n<p>Adolf Hitler, der sich kurz vor der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht erschoss, verf\u00fcgte zwar \u00fcber eine au\u00dferordentliche Machtf\u00fclle und war an allen politischen und milit\u00e4rischen Entscheidungen pers\u00f6nlich beteiligt. Trotzdem war er nur ein Angebot auf eine gesellschaftliche Nachfrage. Allein die Beantwortung der Frage, wie dieser gescheiterte \u00f6sterreichische Maler und verbitterte Kriegssoldat zum \u201eF\u00fchrer\u201c Deutschlands aufsteigen konnte, f\u00fchrt zum unausweichlichen Schluss, dass er m\u00e4chtige Unterst\u00fctzer in Wirtschaft, Milit\u00e4r, Politik, Adel, Universit\u00e4ten und Kultur hatte.<\/p>\n<p>Zu seinen bekanntesten F\u00f6rderern bereits in fr\u00fchen Jahren z\u00e4hlten General Erich Ludendorff, die Nummer zwei des Heeres im Ersten Weltkrieg, der 1923 gemeinsam mit Hitler den Putsch in M\u00fcnchen anf\u00fchrte, Gro\u00dfindustrielle wie Fritz Thyssen und Emil Kirdorf, Kronprinz Wilhelm von Preu\u00dfen und die Komponistenwitwe Cosima Wagner. Auch das Presseimperium des deutschnationalen R\u00fcstungsindustriellen Alfred Hugenberg, der in Hitlers erstem Kabinett Wirtschaftsminister war, trug ma\u00dfgeblich zu seinem Aufstieg bei. Im Januar 1932 sicherte sich Hitler mit einem Auftritt im D\u00fcsseldorfer Industrieclub den politischen und finanziellen R\u00fcckhalt der wichtigsten Wirtschaftskreise.<\/p>\n<p>Die Macht musste Hitler nicht gewaltsam erobern, sie wurde ihm auf dem Silbertablett serviert. Die NSDAP befand sich zum Zeitpunkt der Macht\u00fcbergabe in einer tiefen politischen und finanziellen Krise. Sie hatte bei der Reichstagswahl im November 1932 nur 33 Prozent der Stimmen erhalten \u2013 4 Prozent weniger als im Juli und 4 Prozent weniger als die beiden gro\u00dfen Arbeiterparteien SPD und KPD zusammen. Hitler spielte sogar mit dem Gedanken an Selbstmord.<\/p>\n<p>Die Entscheidung, Hitler Ende Januar 1933 zum Kanzler zu ernennen, fiel schlie\u00dflich in einem kleinen Verschw\u00f6rerzirkel, der die Interessen der Spitzen von Staat und Wirtschaft verk\u00f6rperte, um den greisen Reichspr\u00e4sidenten Paul von Hindenburg. Zwei Monate sp\u00e4ter \u2013 die KPD war bereits verboten und die Konzentrationslager begannen sich zu f\u00fcllen \u2013 stimmten s\u00e4mtliche b\u00fcrgerliche Parteien f\u00fcr das Erm\u00e4chtigungsgesetz, das Hitler zum Diktator machte.<\/p>\n<p>Im Krieg selbst fand Hitler dann Hunderttausende willige Helfer im Offizierskorps, das seine m\u00f6rderischen Befehle ausf\u00fchrte, in der Beamtenschaft, die die Bev\u00f6lkerung terrorisierte und die Juden f\u00fcr die Vernichtung aussonderte, in der Industrie, die durch Kriegsproduktion und millionenfache Zwangsarbeit ihre Profite steigerte, unter Professoren, die der Rassentheorie und der Justizwillk\u00fcr den Anschein von Wissenschaftlichkeit verliehen, und bei vielen anderen.<\/p>\n<p>Der Vernichtungskrieg entsprang nicht dem \u201eWillen des F\u00fchrers\u201c \u2013 der ihn zweifellos wollte. Die herrschenden Eliten f\u00f6rderten Hitler und stellten ihn an die Spitze des Staates, weil sie den Krieg selbst wollten und brauchten. Er hatte tiefe objektive Ursachen in den unl\u00f6sbaren Widerspr\u00fcchen des kapitalistischen Systems.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Unbenannt-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Unbenannt-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10693\" width=\"678\" height=\"379\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Unbenannt-1.jpg 480w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Unbenannt-1-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 678px) 100vw, 678px\" \/><\/a><figcaption><em>Trotzki spricht zu Soldaten der Roten Armee<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<p>Leo Trotzki, der die Gefahr von Faschismus und Krieg wie kein anderer verstand und die Arbeiterklasse dagegen mobilisierte, schrieb ein Jahr vor dem \u00dcberfall auf die Sowjetunion: \u201eDer einzige nicht vorget\u00e4uschte Zug des Faschismus ist sein Wille zu Macht, Unterjochung und Raub. Faschismus ist Imperialismus in Reinkultur. \u2026 [Hitler], dieser deutsche Epileptiker mit einer Rechenmaschine in seinem Sch\u00e4del und unbegrenzter Macht in seinen H\u00e4nden fiel nicht vom Himmel und kam nicht aus der H\u00f6lle; er ist nichts als die Verk\u00f6rperung der Zerst\u00f6rungskr\u00e4fte des Imperialismus. \u2026 [Er gibt] dem imperialistischen Machtwillen nur einen vollendeteren Ausdruck. Mit Hitler hat der Weltkapitalismus, in eine Sackgasse verrannt und zur Verzweiflung getrieben, begonnen, sich den Dolch in die eigenen Eingeweide zu pressen.\u201c [8]<\/p>\n<p>Bereits im Ersten Weltkrieg hatte der deutsche Imperialismus versucht, sich Europa zu unterwerfen, und war mit diesem Vorhaben gescheitert. Nun versuchte er es ein zweites Mal.<\/p>\n<p>Der Erste Weltkrieg war ein imperialistischer Krieg, in dem alle beteiligten M\u00e4chte um die Neuaufteilung der Welt und die Unterwerfung der Weltwirtschaft unter ihre Vorherrschaft k\u00e4mpften. Der deutsche Imperialismus spielte eine besonders aggressive Rolle, weil sich der Kapitalismus in Deutschland aufgrund der verz\u00f6gerten b\u00fcrgerlichen Revolution mit Versp\u00e4tung entwickelt, dann aber dank modernster Technologien eine ungeheure Dynamik entfaltet hatte. Eingezw\u00e4ngt in der Mitte Europas, konfrontiert mit den britischen und franz\u00f6sischen Kolonialm\u00e4chten und einem noch potenteren amerikanischen Rivalen konnte er sich nur gewaltsam zur dominierenden Macht Europas aufschwingen und Zugang zu Rohstoffen und neuen M\u00e4rkten finden.<\/p>\n<p>Deutschland verlor den Krieg. Geschw\u00e4cht und hoch verschuldet durch den Versailler Vertrag und ersch\u00fcttert durch heftige Klassenk\u00e4mpfe stellten sich alle Probleme, die es in den Ersten Weltkrieg getrieben hatten, mit doppelter Sch\u00e4rfe. Hinzu kam, dass im Osten, dem wichtigsten Expansionsraum des deutschen Imperialismus, nun ein Arbeiterstaat existierte, der den Arbeitern in Deutschland und auf der ganzen Welt als revolution\u00e4re Inspiration diente.<\/p>\n<p>Einen Ausweg aus dieser Sackgasse konnte sich der deutsche Imperialismus nur mit Mitteln bahnen, die alle bisherigen an Brutalit\u00e4t und Barbarei in den Schatten stellten. Die \u201eZerschlagung des Bolschewismus\u201c, der Kampf um \u201eLebensraum\u201c im Osten und die Errichtung der deutschen Vorherrschaft \u00fcber Europa erforderten die Konzentration der Staatsmacht in einer Hand, die Unterordnung aller Ressourcen des Landes unter die Kriegsproduktion, die Vernichtung der organisierten Arbeiterbewegung und einen Krieg, der nicht auf die Unterwerfung, sondern die Vernichtung des Gegners abzielte.<\/p>\n<p>Auf diese gesellschaftliche Nachfrage boten die Nazis das beste Angebot. Die Spitzen von Staat, Wirtschaft und Milit\u00e4r unterst\u00fctzten Hitler nicht aus ideologischer Verblendung, sondern weil sie ihn brauchten, um ihre Ziele zu erreichen.<\/p>\n<p>Erfolg hatten sie damit nur aufgrund des abgrundtiefen Verrats und Versagens der Arbeiterf\u00fchrer. Die SPD weigerte sich strikt, ihre Mitglieder zum Kampf gegen die Nazis zu mobilisieren. Sie vertraute auf den Staat und unterst\u00fctzte alle diktatorischen Schritte \u2013 Br\u00fcnings Notverordnungen, Hindenburgs Wahl zum Reichspr\u00e4sidenten \u2013 die Hitler den Weg an die Macht bahnten. Die KPD-F\u00fchrung, die unter dem Einfluss Stalins stand, versteckte ihre Passivit\u00e4t und Feigheit hinter linksradikalen Phrasen. Sie weigerte sich strikt, f\u00fcr eine antifaschistische Einheitsfront mit der SPD zu k\u00e4mpfen, wie sie Leo Trotzki und die Linke Opposition unerm\u00fcdlich forderten, und denunzierten die SPD-Arbeiter als \u201eSozialfaschisten\u201c, die sich nicht von den Nazis unterschieden.<\/p>\n<p>Auch die USA, Gro\u00dfbritannien und die anderen kapitalistischen Kriegsgegner Deutschlands k\u00e4mpften im Zweiten Weltkrieg f\u00fcr imperialistische Interessen, und nicht \u201egegen Faschismus\u201c und \u201ef\u00fcr Demokratie\u201c. Lediglich die Sowjetunion k\u00e4mpfte ums \u00dcberleben. Ein deutscher Sieg h\u00e4tte die Zerschlagung des Arbeiterstaats und ihre Verwandlung in eine Sklavenkolonie bedeutet.<\/p>\n<p>Solange sich Hitlers Regime vorrangig gegen die deutsche Arbeiterklasse und gegen die Sowjetunion richtete, genoss es viel internationale Unterst\u00fctzung. Der amerikanische Industrielle Henry Ford geh\u00f6rte ebenso zu den Bewunderern Hitlers, wie der britische K\u00f6nig Edward VIII. und seine amerikanische Gattin Wallis Simpson. Nach Edwards Abdankung besuchten die beiden Hitler sogar auf dem Berghof. Die franz\u00f6sische Bourgeoisie hatte schon 1936 w\u00e4hrend der Volksfrontregierung die Parole ausgegeben: \u201eLieber Hitler als Blum\u201c (L\u00e9on Blum war Premierminister der Volksfront). Der deutsche Blitzsieg gegen Frankreich war denn auch mehr ein Ergebnis des Def\u00e4tismus franz\u00f6sischer Gener\u00e4le, als der waffentechnischen \u00dcberlegenheit der Wehrmacht. Das Vichy-Regime unter General P\u00e9tain arrangierte sich sofort mit Hitler.<\/p>\n<p>Doch letztlich konnten weder der amerikanische noch der britische Imperialismus zulassen, dass sich Deutschland zum Herrscher Europas vom Atlantik bis zum Ural aufschwang. In Verbindung mit Japan w\u00e4re es zu einer t\u00f6dlichen Gefahr f\u00fcr den amerikanischen Imperialismus geworden. Das f\u00fchrte zum amerikanischen Kriegseintritt, der erst erfolgte, als Deutschland nach der Niederlage in Stalingrad bereits in der Defensive war.<\/p>\n<p><strong>Die Gefahr eines Dritten Weltkriegs<\/strong><\/p>\n<p>Die Lehren aus dem Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion sind von aktueller Bedeutung. Dieselben Widerspr\u00fcche des Weltkapitalismus \u2013 die Unvereinbarkeit des kapitalistischen Nationalstaats und des Privateigentums an den Produktionsmitteln mit dem gesellschaftlichen und internationalen Charakter der modernen Produktion \u2013 drohen die Welt ins Inferno eines Dritten Weltkriegs zu st\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Im Zentrum, der Kriegsvorbereitungen stehen die USA, die im kommenden Haushaltsjahr 753 Milliarden Dollar f\u00fcr das Milit\u00e4r ausgeben werden, mehr als die n\u00e4chsten zehn L\u00e4nder zusammengenommen. 25 Milliarden davon sind f\u00fcr die Modernisierung der Atomwaffen und 112 Milliarden f\u00fcr die Erforschung und Entwicklung neuer Waffensysteme bestimmt.<\/p>\n<p>Die USA waren als eigentlicher Sieger aus dem Zweiten Weltkrieg hervorgegangen, und ihre wirtschaftliche St\u00e4rke \u2013 in Verbindung mit der Unterdr\u00fcckung revolution\u00e4rer K\u00e4mpfe durch die stalinistischen und sozialdemokratischen Parteien \u2013 hatte sie in die Lage versetzt, den europ\u00e4ischen Kapitalismus vor\u00fcbergehend zu stabilisieren.<\/p>\n<p>Doch seither ist das Gewicht der USA in der Weltwirtschaft stetig gesunken und Washington versucht, den wirtschaftlichen Niedergang durch milit\u00e4rische Gewalt wettzumachen. Seit drei\u00dfig Jahren f\u00fchren die USA nahezu ununterbrochen Krieg. Im Irak, Afghanistan, Libyen und Syrien haben sie gemeinsam mit ihren Verb\u00fcndeten ganze Gesellschaften zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Inzwischen konzentriert sich die US-Kriegsmaschinerie auf China, das offiziell als \u201esystemischer Rivale\u201c definiert wird. Die USA wollen unter allen Umst\u00e4nden vermeiden, dass China sie wirtschaftlich \u00fcberholt und zu einer Weltmacht aufsteigt. US-Strategen halten einen Krieg mit der Nuklearmacht China inzwischen f\u00fcr unvermeidlich.<\/p>\n<p>Auch der deutsche Imperialismus hat sich nicht mit der Niederlage in zwei Weltkriegen abgefunden. Die deutsche Regierung verfolgt ganz offiziell das Ziel, Europa zu einer milit\u00e4rischen und politischen Weltmacht auszubauen, die es sowohl mit China als auch mit den USA aufnehmen kann. Das versch\u00e4rft auch die Konflikte innerhalb Europas, insbesondere mit Frankreich, das mit Deutschland um die Vorherrschaft in der Europ\u00e4ischen Union rivalisiert.<\/p>\n<p>Deutschland hat seine Milit\u00e4rausgaben seit 2014 von 32 auf 53 Milliarden Euro gesteigert \u2013 und das ist nur der Anfang. Ein\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/share\/page\/site\/wsws\/Zahlreiche%20%C3%A4hnliche%20Zitate%20finden%20sich%20auch%20in%20anderen%20Schriften%20des%20rechtsextremen%20Professors.\">Strategiepapier<\/a>\u00a0des Verteidigungsministeriums vom 9. Februar erkl\u00e4rt, Deutschland stehe \u201eaufgrund seiner geografischen Lage in der Mitte Europas und seiner wirtschaftlichen Kraft f\u00fcr die Sicherheit Europas besonders in der Pflicht\u201c und m\u00fcsse \u201eauch im milit\u00e4rischen Bereich\u201c einen entsprechenden Beitrag leisten. Grundlegend seien \u201eglaubw\u00fcrdige milit\u00e4rische Abschreckung und Verteidigungsf\u00e4higkeit in allen Dimensionen \u2013 Land, Luft, See, Weltraum und Cyber\u201c, sowie \u201edie Bereitschaft und das K\u00f6nnen unserer Soldatinnen und Soldaten, auch im Kampf zu bestehen\u201c.<\/p>\n<p>Fester Bestandteil der R\u00fcckkehr des deutschen Militarismus ist die Verharmlosung und historische Revision des Vernichtungskriegs.<\/p>\n<p>Im Bundestag sitzt mit der AfD eine Partei, die das Nazi-Regime als \u201eVogelschiss in \u00fcber 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte\u201c bezeichnet und von allen anderen Parteien hofiert wird.<\/p>\n<p>Der Berliner Historiker J\u00f6rg Baberowski hatte Hitler bereits 2014 \u00f6ffentlich bescheinigt, er sei \u201ekein Psychopath\u201c und \u201enicht grausam\u201c gewesen. Ein Jahr sp\u00e4ter behauptete er, der Vernichtungskrieg sei der Wehrmacht aufgezwungen worden. Die Soldaten der Wehrmacht seien an der Ostfront \u201ein einen m\u00f6rderischen Krieg gegen Partisanen verwickelt<em>\u201c\u00a0<\/em>worden. Sie h\u00e4tten \u201ekeine andere Wahl\u201c gehabt, \u201eals sich auf die Kampfesweise der Partisanen einzustellen\u201c: \u201eDer Krieg verselbstst\u00e4ndigte sich, er l\u00f6ste sich von den urspr\u00fcnglichen Zielen, die einmal Anlass des Konflikts waren.\u201c [9]<\/p>\n<p>Als die Sozialistische Gleichheitspartei und ihre Jugendorganisation IYSSE diese und \u00e4hnliche \u00c4u\u00dferungen Baberowskis kritisierten und damit der weit verbreiteten Opposition in der Bev\u00f6lkerung gegen die Wiederkehr von Faschismus und Militarismus Ausdruck verliehen, verteidigten Politik und Medien den rechtsextremen Professor.<\/p>\n<p>Ein Dritter Weltkrieg w\u00fcrde das Ende der menschlichen Zivilisation bedeuten. Doch es gibt nicht eine etablierte Partei, die den Kriegsvorbereitungen entgegentritt. Wie vor dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg reihen sie sich umso tiefer ins Lager der Kriegstreiber ein, je mehr sich die imperialistischen Gegens\u00e4tze zuspitzen. Die sogenannte Friedensbewegung ist v\u00f6llig zusammengebrochen. Die deutschen Gr\u00fcnen, die einst aus dieser Bewegung herauskamen, sind zu den \u00fcbelsten Kriegstreibern geworden. 80 Jahre nach dem \u00dcberfall auf die Sowjetunion stehen sie an der Spitze der Kriegshetze gegen Russland.<\/p>\n<p>Ein erneuter R\u00fcckfall in die Barbarei kann nur durch eine unabh\u00e4ngige Bewegung der internationalen Arbeiterklasse verhindert werden, die den Kampf gegen Militarismus und Krieg mit dem Kampf gegen seine Ursache, den Kapitalismus, verbindet und f\u00fcr ein sozialistisches Programm eintritt. Das ist die Perspektive des Internationalen Komitees der Vierten Internationale und seiner Sektionen, der Sozialistischen Gleichheitsparteien.<\/p>\n<p><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p>[1] Fritz, Stephen G.. Ostkrieg:\u00a0<em>Hitler&#8217;s War of Extermination in the East<\/em>. The University Press of Kentucky. Kindle Edition<\/p>\n<p>[2] Ebd.<\/p>\n<p>[3] Ebd.<\/p>\n<p>[4]\u201cThe Red Army\u201d, in:\u00a0<em>Writings of Leon Trotsky<\/em>\u00a0(1933-34), New York 1972, S. 310\/311<\/p>\n<p>[5] Ebd.<\/p>\n<p>[6] Stahel, David. \u201cOperation Barbarossa and Germany&#8217;s Defeat in the East\u201d (Cambridge Military Histories) (p. 2). Cambridge University Press. Kindle Edition.<\/p>\n<p>[7] Ebd.<\/p>\n<p>[8] \u201eManifest der Vierten Internationale zum imperialistischen Krieg und zur proletarischen Weltrevolution\u201c, Mai 1940, in: Leo Trotzki,\u00a0<em>Das \u00dcbergangsprogramm<\/em>, Essen 1997, S. 224<\/p>\n<p>[9] J\u00f6rg Baberowski,\u00a0<em>R\u00e4ume der Gewalt<\/em>, 2015, 159f<\/p>\n<p><em>#Titelbild: Hinrichtung gefangener Partisanen (Bundesarchiv Bild 101I-031-2436-05A \/ CC BY-SA 3.0)<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2021\/06\/22\/wwii-j22.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 15. Januar 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Schwarz. Vor [mehr als] 80 Jahren, am 22. Juni 1941, \u00fcberfiel die deutsche Wehrmacht die Sowjetunion. Es begann ein Krieg, wie ihn die Menschheit noch nie erlebt hatte. 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