{"id":10707,"date":"2022-01-18T11:19:20","date_gmt":"2022-01-18T09:19:20","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10707"},"modified":"2022-01-18T11:19:21","modified_gmt":"2022-01-18T09:19:21","slug":"eine-neue-sozialistische-bewegung-in-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10707","title":{"rendered":"Eine neue sozialistische Bewegung in Russland"},"content":{"rendered":"<p><em>Die gro\u00dfe Gewinnerin der j\u00fcngst in Russland durchgef\u00fchrten Wahl war die Kommunistische Partei, deren Stimmenanteil sprunghaft auf fast 20 Prozent stieg. Die Partei unterliegt zur Zeit einem Transformationsprozess durch eine Welle demokratischer sozialistischer Aktivist*innen, die gegen Vladimir Putins Herrschaft opponieren.\u00a0<strong>Ilya Budraitski,<\/strong>\u00a0ein linker politischer Moskauer Autor, sprach f\u00fcr Jakobin mit\u00a0<strong>Mikhail Lobanov<\/strong>\u00a0\u00fcber das Ergebnis der Wahl.<\/em><!--more--><\/p>\n<p>Die Parlamentswahlen in Russland, die vom 17. bis 19. September stattfanden, f\u00fchrten zu einem weiteren nominalen Sieg von Vladimir Putins Partei Vereinigtes Russland. Aber das herausragendste\u00a0 Ergebnis war der sprunghafte Anstieg der Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Kommunistische Partei der Russischen F\u00f6deration (KPRF), die mit 19 Prozent der Stimmen auf den zweiten Platz kam.<\/p>\n<p>Trotz des \u00fcblichen Betrugs zugunsten von Putins Verb\u00fcndeten schaffte es die KPRF, eine neue W\u00e4hlerschaft zu gewinnen \u2013 insbesondere junge Menschen in den gro\u00dfen St\u00e4dten, die die Stimmabgabe f\u00fcr die Partei als einzige M\u00f6glichkeit ansahen, nein zum existierenden System zu sagen. Seit den 1990ern ist das offizielle Programm der KPRF eine Mischung aus Stalinismus, Nationalismus und sozialdemokratischen Paternalismus. In den letzten Jahren hat sich innerhalb der KPRF jedoch eine Generation junger regionaler F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten herausgebildet, die sie mehr in Richtung der Verteidigung demokratischer Rechte, sozialer Gleichheit und \u00d6kologie dr\u00e4ngte.<\/p>\n<p>Diesbez\u00fcglich war eine der aussagekr\u00e4ftigsten Aspekte der Wahlen die Kampagne von Mikhail Lobanov, einem 37 Jahre alten Mathematik-Dozenten an der Moskauer Staatsuniversit\u00e4t. Mikhail wurde von der KPRF nominiert, positionierte sich aber als unabh\u00e4ngiger demokratischer Sozialist. Er schlug den Kandidaten von Putins Vereinigtem Russland mit mehr als 10\u00a0000 Stimmen (eine Marge von 12 Prozent), obwohl die Ausz\u00e4hlung dann manipuliert wurde, um ihm den Einzug ins Parlament zu verwehren.<\/p>\n<p>Die Stimmen f\u00fcr Kandidaten wie Lobanov waren dennoch ein wirklicher Durchbruch f\u00fcr die radikale Linke \u2013 sie zeigten ihr Potenzial, der Unzufriedenheit der Bev\u00f6lkerung Ausdruck zu verleihen, trotz der schwierigen politischen Bedingungen im heutigen Russland. Zum Beispiel spielten Aktivisten\/Aktivistinnen der Russischen Sozialistischen Bewegung und anderer radikaler linker Gruppen, die gegen\u00fcber der KPRF traditionell kritisch eingestellt sind, eine bedeutende Rolle in seiner Wahlkampagne.<\/p>\n<ol>\n<li><strong> B.: Erz\u00e4hl uns ein bisschen \u00fcber Deinen politischen Hintergrund.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>ML:<\/strong>\u00a0W\u00e4hrend meiner Schulzeit las ich gern Geschichtsb\u00fccher, allerdings handelte es sich nur um historische Romane vermischt mit mehr wissenschaftlichen Werken. An der Universit\u00e4t, schon Mathematikstudent, wo ich meine freie Zeit in B\u00fcchereien und Buchhandlungen Romanliteratur lesend verbrachte, kam ich zu dem Entschluss, dass ich Marx, Lenin und Trotzki lesen m\u00fcsste. Zum Beispiel gabelte ich in der Bibliothek der Moskauer Staatsuniversit\u00e4t (MSU) \u201eDie Verratene Revolution\u201c auf.<\/p>\n<p>2006 nahm ich an der MSU an einem marxistischen Studenten Seminar teil, das von Aktivisten\/Aktivistinnen der Sozialistischen Bewegung \u201eVpered\u201c gehalten wurde (\u201eVorw\u00e4rts\u201c, die Russische Sektion der Vierten Internationale). In den folgenden eineinhalb Jahren beteiligte ich mich an verschiedenen Aktionen von Vpered gegen die Kommerzialisierung der Bildung und zur Verteidigung von Arbeitsrechten. Die Parteiversammlungen fanden im B\u00fcro der Konf\u00f6deration der Arbeit Russlands statt. Und so lernte ich die unabh\u00e4ngigen russischen Gewerkschaften kennen.<\/p>\n<p><strong>Wie entstand die Aktivistengruppe an der Moskauer Staatsuniversit\u00e4t?<\/strong><\/p>\n<p>Wir suchten nach Bereichen in der Universit\u00e4t, wo K\u00e4mpfe gef\u00fchrt werden konnten. 2009 wollte die Leitung die Regeln f\u00fcr den Zugang zu den Studentenwohnheimen versch\u00e4rfen. Wir initiierten eine Protestkampagne, sammelten 1700 Unterschriften und schafften es, dass die neuen Regeln abgeschafft wurden. Aufgrund dieser dreiw\u00f6chigen Kampagne formierte sich an der Universit\u00e4t ein Kern von etwa 30 Aktivist*innen. Wir l\u00f6sten allt\u00e4gliche Probleme, aber es war offensichtlich, dass wir uns auf diese Weise organisatorisch nicht weiterentwickeln konnten.<\/p>\n<p>Dann fingen wir an, mit der kommunistischen Parteigruppe an der Universit\u00e4t zusammenzuarbeiten. Sie bestand aus Studierenden und Lehrenden. 2011 entschied die Leitung erneut, die Wohnheimregeln zu versch\u00e4rfen und wir schafften es eine wirklich machtvolle und erfolgreiche Protestkampagne zu organisieren. Hunderte von Personen waren direkt beteiligt und unser Kern wurde gr\u00f6\u00dfer. Das war genau zu der Zeit, als nach den Duma-Wahlen, die zugunsten von Putins \u201eVereinigtem Russland\u201c gef\u00e4lscht worden waren, ausgedehnte Proteste begannen. Auf Universit\u00e4tsebene gipfelte das in einem Kampf zwischen unserer Initiativgruppe und dem offiziellen MSU-Studierendenrat, der eng mit der herrschenden Partei verbunden war.<\/p>\n<p>Wir nahmen also aktiv an der unabh\u00e4ngigen Beobachtung der Parlamentswahlen teil und brachten dem Vereinten Russland im Wahllokal des MSU-Zentralgeb\u00e4udes trotz Mobilisierung des Verwaltungspersonals eine schwere Niederlage bei.<\/p>\n<p>Wir beteiligten uns auch aktiv an allen Protestkundgebungen, die 2011\/12 in Moskau stattfanden. Eine gro\u00dfe Anzahl von protestierenden Studierenden, die sich noch nicht einer bestimmten politischen Kraft anschlie\u00dfen wollten, beteiligten sich an unserem Block.<\/p>\n<p>Neben anderen Dingen veranlasste diese Erfahrung die Konf\u00f6deration der Arbeit Russlands, das Thema des Aufbaus der \u201eUniversit\u00e4t Solidarit\u00e4t\u201c-Gewerkschaft auf die Tagesordnung zu setzen. Also begannen wir, Studierenden- und Lehrenden-Gruppen an der Universit\u00e4t gewerkschaftlich zu unterst\u00fctzen. Wir waren auch aktiv an Kampagnen zur Erhaltung des Parks rund um die MSU-Geb\u00e4ude, an dem Immobilienentwickler fortw\u00e4hrend Interesse zeigten, beteiligt. Dadurch kamen wir in Kontakt mit \u00f6rtlichen Ratsmitgliedern und Anwohner*innen, die sich aktiv mit Problemen in den Wohnvierteln befassten. Wir machten insbesondere im Ramenki-Viertel gemeinsame Veranstaltungen. Die Universit\u00e4tsleitung versuchte zweimal, 2013 und 2018, mich wegen dieser Aktivit\u00e4ten zu feuern.<\/p>\n<p><strong>Warum hast Du Dich daf\u00fcr entschieden, zu den Wahlen in diesem Jahr zu kandidieren?<\/strong><\/p>\n<p>In diesen zehn, f\u00fcnfzehn Jahren entstand ein gro\u00dfes Netzwerk von Kontakten einschlie\u00dflich zur Universit\u00e4tsgruppe der KPRF. Mir wurde zu fast jeder \u00f6rtlichen Wahl eine KPRF-Nominierung angetragen. Ich lehnte ab, weil das weit von meiner zentralen Besch\u00e4ftigung mit Hochschulbildung entfernt war \u2013 sie ist abh\u00e4ngig vom Bundeshaushalt und gebunden an Bundesgesetze, die von der russischen Staatsduma verabschiedet werden.<\/p>\n<p>2020 war es, nach Informationsaustausch mit KPRF-Mitgliedern an der Universit\u00e4t, klar, dass sie mir eine Nominierung f\u00fcr die Kandidatur zur Staatsduma antragen wollten. Und ich hatte das Gef\u00fchl, dass ich im Universit\u00e4tsdistrikt durch Mobilisierung der Verbindungen, die ich gekn\u00fcpft hatte, gewinnen k\u00f6nnte. Ich hatte auch das Gef\u00fchl, dass f\u00fcr diese Kampagne gen\u00fcgend Enthusiasmus geschaffen werden k\u00f6nnte. Aber ich hatte keine genaue Vorstellung davon, wie das gemacht werden k\u00f6nnte und welche spezifischen Aktionen bei Wahlen n\u00f6tig sind, da das etwas anderes war, als das, was wir vorher gemacht hatten. Aber da mir meine Intuition sagte, dass es klappen k\u00f6nnte, entschied ich mich dazu, einen Versuch zu wagen.<\/p>\n<p>Einige Monate lang f\u00fchrten wir Diskussionen und Debatten \u00fcber die ersten Schritte; es gibt sehr wenige Leute auf der Linken, die Erfahrung mit Wahlen haben. Die KPRF hat solche Erfahrung, die aber sehr besonders ist. Sie schl\u00e4gt nicht vor, Leute um Geld zu bitten, sondern empfiehlt stattdessen, sich auf die Finanzierung durch die Partei zu verlassen und vielleicht noch nach anderen Sponsoren Ausschau zu halten. Uns war klar, dass wir anders handeln m\u00fcssten.<\/p>\n<p><strong>Wie sieht Dein Wahlbezirk aus?<\/strong><\/p>\n<p>ML: Ganz Russland ist in 225 Wahlbezirke mit durchschnittlich je 500000 W\u00e4hlern und W\u00e4hlerinnen aufgeteilt. Unser Wahlbezirk ist der Westen von Moskau. In den vorherigen Wahlen hatte es den Ruf eines Protest-orientierten Bezirks und die KPRF hat in der Vergangenheit ziemlich gut abgeschnitten. Aber auch die Liberalen von Yabloko waren da immer eine echte Kraft und sie hatten einen starken Kandidaten aufgestellt.<\/p>\n<p>In dem Bezirk gibt es eine Universit\u00e4t und daher hat er rein statistisch einen h\u00f6heren Anteil von MSU-Angestellten und von Leuten mit MSU-Abschl\u00fcssen als Moskau insgesamt. Daher auch das Gef\u00fchl, dass sich das MSU-Markenzeichen allein schon als vorteilhaft erweisen k\u00f6nnte. Ich bin Mathematiker, kein Politiker, und das k\u00f6nnte sich positiv auswirken.<\/p>\n<p>Ich denke, es war Februar, als wir erfuhren, wer unser Hauptgegner sein w\u00fcrde. Es wurde verk\u00fcndet, dass Vereintes Russland den Fernsehtalkshow-Moderator Yevgeni Popov nominiert hatte. Er ist eine TV-Propagandist, der die Haltung des Kremls zu feindlichen westlichen L\u00e4ndern und der schrecklichen Ukraine verbreitet und versucht die Aufmerksamkeit der Leute von internen Problemen auf externe Konfrontationen zu lenken, sowie Hass zwischen den Nationen zu sch\u00fcren. Sein Auftreten ist arrogant, aber eine Menge Leute m\u00f6gen das; ich habe sie selbst getroffen.<\/p>\n<p><strong>Wie wurde die Kampagne organisiert? Inwiefern war sie von der KPRF abh\u00e4ngig?<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcberraschenderweise hatte die KPRF \u00fcberhaupt keine strenge politische Kontrolle \u2013 wir schrieben unser Programm selbst, ohne die Partei zu konsultieren. Die KPRF trug zu weniger als 15 Prozent unseres gesamten Kampagnen-Budgets bei. Sie organisierte Lehrg\u00e4nge, Treffen f\u00fcr Kandidaten\/Kandidatinnen, in denen sie ihnen erz\u00e4hlten, wie Kampagnen zu f\u00fchren seien. Uns zum Beispiel erz\u00e4hlten sie, wir sollten kein Crowd-Funding machen; es w\u00fcrde Probleme machen; sie w\u00fcrden uns das Geld sowieso geben. Wir nahmen diesen Rat jedoch nicht an und hatten w\u00e4hrend der Kampagne am Ende 6 Millionen Rubel (mehr als 80\u00a0000\u00a0Dollar) aufgebracht.<\/p>\n<p>Verglichen mit dem, was Vereintes Russland oder die liberale Opposition ausgaben, war das \u00fcberhaupt nicht viel. Die politische Motivation spielte jedoch eine bedeutende Rolle \u2013 die meisten der Aktivist*innen hatten sozialistische Ansichten, und jede\/r war davon \u00fcberzeugt, dass wir Vereintes Russland tats\u00e4chlich schlagen k\u00f6nnten. So beteiligten sich etwa 200 Aktivist*innen an unserer Kampagne, aufgeteilt auf verschiede Bereiche des Wahlbezirks.<\/p>\n<p><strong>Erz\u00e4hl uns von Eurem Wahlprogramm.<\/strong><\/p>\n<p>Unser zentraler Slogan war: \u201eDie Zukunft geh\u00f6rt allen, nicht nur einigen Auserw\u00e4hlten\u201c. In Russland gibt es eine Bande von Leuten, die sich aller politischen und wirtschaftlichen Ressourcen bem\u00e4chtigt hat und die die Zukunft allein f\u00fcr sich selbst gestalten. Wir wollen eine Umverteilung von Einkommen und politischer Macht zugunsten von allen. Um diese zentrale These entwickelten wir detaillierte Forderungen bez\u00fcglich der Probleme des Bezirks und des Landes insgesamt. Wichtige Punkte waren: der Kampf gegen die barbarische kommerzielle Entwicklung Moskaus, das obligatorische Recycling von M\u00fcll, Schutz vor der Schlie\u00dfung von Schulen und Krankenh\u00e4usern, und nat\u00fcrlich Arbeitsrechte und die Notwendigkeit von starken Gewerkschaften.<\/p>\n<p>Wir gingen mit diesem Programm an die \u00d6ffentlichkeit und erzeugten offensichtlich ein positives Erscheinungsbild eines Kandidaten und seines Teams, die sich mit Enthusiasmus verschiedener Probleme annahmen, jede\/n zu \u00fcberzeugen versuchten, Ressourcen sammelten, organisierten. Das kam bei den Leuten an, ebenso wie das Auftreten eines Universit\u00e4tskandidaten, eines Mathematikers mit Kampagnenerfahrung, der von Gewerkschaften spricht und Gr\u00fcnfl\u00e4chen verteidigt.<\/p>\n<p>Die Leute mochten das, aber es gab auch ein Dilemma: In Russland betrachten viele die Wahlstimme als ein Mittel, um den Autorit\u00e4ten ihren Protest zu zeigen. F\u00fcr sie ist es wichtig, dass ein\/e Oppositionskandidat\/in gewinnt, ganz egal, welche politischen Ansichten er\/sie vertritt. Da es in meinem Wahlbezirk eine Kampagne f\u00fcr einen liberalen Kandidaten mit gewaltigen Ressourcen gab, verhielten sich viele Leute bis zum letzten Moment abwartend und unentschlossen, wen sie unterst\u00fctzen sollten.<\/p>\n<p><strong>Was war das Ergebnis?<\/strong><\/p>\n<p>Wir schlugen den Kandidaten von \u201eVereintes Russland\u201c mit einem Vorsprung von mehr als einem Drittel der Stimmen. Er f\u00fchrte eine sehr teure Wahlkampagne, seine Werbebanner waren \u00fcberall, er wurde von der \u00f6ffentlichen Verwaltung unterst\u00fctzt. Aber trotzdem schlugen wir ihn m\u00fchelos. Die Situation wurde am n\u00e4chsten Morgen durch die Bekanntgabe der Ausz\u00e4hlungsergebnisse bei den elektronischen Stimmen komplett gedreht.<\/p>\n<p><strong>Bez\u00fcglich der Zahlen, wieviel bekamst Du in den Wahllokalen und wieviel bei der elektronischen Abstimmung?<\/strong><\/p>\n<p>Ich erhielt 46\u00a0000 Stimmen in der regul\u00e4ren Abstimmung und 20\u00a0000 in der elektronischen. Der TV-Propagandist erhielt zwischen 34\u00a0000 und 35\u00a0000 Stimmen in der regul\u00e4ren und zwischen 45\u00a0000 und 46\u00a0000 in der elektronischen. Aber wir trauen dem Ergebnis der elektronischen Abstimmung nicht; es war gem\u00e4\u00df dem Interesse der Autorit\u00e4ten zusammengebastelt worden.<\/p>\n<p><strong>Du wurdest von \u201eIntelligent W\u00e4hlen\u201c unterst\u00fctzt \u2013 eine taktische Anti-Putin-Methode, die von Unterst\u00fctzer*innen von Alexej Navalny vorgeschlagen wurde. Was h\u00e4ltst Du von dieser Strategie im Allgemeinen? Und was denkst Du \u00fcber Navalny selbst?<\/strong><\/p>\n<p>Es ist eine Methode, die in den gro\u00dfen russischen St\u00e4dten wirkt. Die Strategie besteht kurz gesagt darin, den oder die Oppositionskandidat*in zu w\u00e4hlen, die oder der die meisten Chancen hat, Vereintes Russland zu schlagen. Oppositionsw\u00e4hler*innen werden aufgefordert, f\u00fcr solche Kandidaten*innen zu stimmen, ungeachtet ihrer politischen Ansichten. Navalny und ich haben nat\u00fcrlich gro\u00dfe ideologische Differenzen, da ich auf der radikalen Linken stehe. Navalny pflegte rechts zu stehen, aber in den letzten Jahren hat er sich ver\u00e4ndert, was zu begr\u00fc\u00dfen ist, da er einen gro\u00dfen medialen Einfluss hat.<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass seine Anh\u00e4nger(innen) angefangen haben, soziale Themen wie den Mindestlohn aufzugreifen und Gewerkschaften zu loben, hat einen positiven Effekt gehabt. Aber wir haben nach wie vor unterschiedliche Positionen. Au\u00dferdem ist Navalnys Gruppierung rechter als Navalny selbst. Du kannst das an der Situation sehen, als er ins Gef\u00e4ngnis kam. Aber das Entscheidende ist, dass er wegen seiner politischen Aktivit\u00e4ten in Haft ist. Ich bin dagegen und glaube, dass er freigelassen werden sollte. Ich glaube, dass eine ehrliche Diskussion mit ihm und eine Konfrontierung der ideologischen Positionen n\u00f6tig ist.<\/p>\n<p><strong>Welche politischen Pl\u00e4ne hast Du f\u00fcr die Zeit nach den Wahlen? F\u00fcr Dich pers\u00f6nlich, und was meinst Du sollte die Strategie f\u00fcr die russische Linke sein, f\u00fcr deine Kampagnenmitarbeiter*innen?<\/strong><\/p>\n<p>Wir \u00fcberlegen, wie wir das Team, das wir aufgebaut haben, zusammenhalten, weil es sehr gro\u00df war. Es wird ab jetzt schwieriger werden, aber wir sehen die Notwendigkeit weiterer Aktivit\u00e4t. Die Beteiligten erlebten gro\u00dfe H\u00f6hepunkte: Es war ein Sieg und alle sahen es als Sieg an. Was nur theoretisch m\u00f6glich zu sein schien, haben wir erreicht. Das bedeutet, dass wir eine Menge tun k\u00f6nnen. Wir setzten auf M\u00f6glichkeiten auf der Ebene der Staatsduma, wir wollten eine Kampagne machen und das Team auf dieser Basis zusammenhalten. Aber das hat wegen der F\u00e4lschungen nicht funktioniert.<\/p>\n<p><strong>Wirst Du Dich wieder beteiligen?<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt da Personen in dem Team, die w\u00fcrden sich gern in \u00f6rtlichen Wahlen ausprobieren. Ich bin in dieser Hinsicht vorsichtiger, weil es eine Vergeudung von Energie sein k\u00f6nnte. Wir m\u00fcssen dar\u00fcber nachdenken, wie wir uns konsolidieren k\u00f6nnten, wenn wir in mehreren Distrikten lokale Wahlen gewinnen. Ich bin mehr daran interessiert, wie wir unsere Energie in die Entwicklung der Gewerkschaftsbewegung und der Selbstorganisation an den Universit\u00e4ten lenken k\u00f6nnen. Wahlen k\u00f6nnen auch eine gute Idee sein, aber ich denke nicht, dass das alles ist, was wir tun sollten. Letzten Endes betrachtete ich die letzte Wahl haupts\u00e4chlich als eine M\u00f6glichkeit, den Leuten Ideen zu vermitteln, von denen ich \u00fcberzeugt bin.<\/p>\n<p>07.11.2021<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzung aus dem Franz\u00f6sischen: W. W.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/intersoz.org\/eine-neue-sozialistische-bewegung-in-russland\/\"><em>intersoz.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 18. Januar 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die gro\u00dfe Gewinnerin der j\u00fcngst in Russland durchgef\u00fchrten Wahl war die Kommunistische Partei, deren Stimmenanteil sprunghaft auf fast 20 Prozent stieg. Die Partei unterliegt zur Zeit einem Transformationsprozess durch eine Welle demokratischer sozialistischer Aktivist*innen, die &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":10708,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[10,27,42,83,17],"class_list":["post-10707","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kampagnen","tag-breite-parteien","tag-russland","tag-sozialdemokratie","tag-stalinismus","tag-widerstand"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10707","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10707"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10707\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10709,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10707\/revisions\/10709"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/10708"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10707"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10707"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10707"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}