{"id":10725,"date":"2022-01-21T11:27:03","date_gmt":"2022-01-21T09:27:03","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10725"},"modified":"2022-01-21T11:27:05","modified_gmt":"2022-01-21T09:27:05","slug":"rueckkehr-der-inflation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10725","title":{"rendered":"\u00a0R\u00fcckkehr der Inflation?"},"content":{"rendered":"<p><em>Markus Lehner. <\/em>Inflationsraten Ende 2021 von 5,3\u00a0% in Deutschland oder 7\u00a0% in den USA \u2013 so etwas kannten viele BewohnerInnen der imperialistischen Zentren nur noch aus Erz\u00e4hlungen \u201eaus grauer Vorzeit\u201c oder von L\u00e4ndern des \u201eglobalen S\u00fcdens\u201c. Seit einigen Monaten sind Inflationsraten \u00fcber 2\u00a0% \u00fcblich geworden. Zun\u00e4chst erkl\u00e4rten WirtschaftsforscherInnen und Zentralb\u00e4nkerInnen, dass es sich um<!--more--> Sondereffekte handeln w\u00fcrde: kurzfristige Lieferengp\u00e4sse aufgrund der wirtschaftlichen Folgen von Corona oder Spezialeffekte, wie die R\u00fccknahme der Mehrwertsteuererm\u00e4\u00dfigung.<\/p>\n<p>Inzwischen sind die meisten dieser ExpertInnen sehr viel vorsichtiger geworden \u2013 insbesondere nachdem der Vorsitzende der FED, der US-Zentralbank, erkl\u00e4rte: \u201eInflation is here to stay\u201c. Die Frage ist also: Stehen wir am Beginn einer neuen \u00c4ra der Inflation \u2013 und wenn ja, aus welchem Grund? Insbesondere stellt sich die Frage nach den Auswirkungen auf die ArbeiterInnenklasse und die notwendige Reaktion darauf.<\/p>\n<p><strong>Zun\u00e4chst einmal: Was ist \u00fcberhaupt Inflation?<\/strong><\/p>\n<p>Einfach gesagt geht es um eine allgemeine und l\u00e4ngerfristige Steigerung der Preise, die nicht nur einen bestimmten Sektor, sondern wesentliche Bereiche sowohl f\u00fcr den Massenkonsum als auch f\u00fcr Investitionsg\u00fcter betrifft. Das Schwierige dabei ist, dass eine solche \u00fcbergreifende Preissteigerungstendenz sehr verschiedene Ursachen haben kann. Da es sich bei Preisen um ein quantitatives Verh\u00e4ltnis von Geld und Waren handelt, in dem sich letztlich ein Wertverh\u00e4ltnis widerspiegeln muss, kann die Ursache sowohl auf der Geld- wie auf der Warenseite liegen.<\/p>\n<p>Geld dient einerseits als Zirkulationsmittel, um den Tausch von Waren zu erm\u00f6glichen, und andererseits als Wertma\u00dfstab im Tauschverh\u00e4ltnis (tritt uns also z.\u00a0B. als Preis einer Ware entgegen). Daher k\u00f6nnen sowohl Schwankungen in der Geldmenge als auch im Wert des Geldes das allgemeine Preisniveau beeinflussen. Der klassische Fall in der Geldtheorie waren die massiven Zufl\u00fcsse von Silber in der fr\u00fchen Neuzeit aus den spanischen Kolonien. Herrschte zuvor trotz Ausdehnung von der Arbeitsproduktivit\u00e4t in Europa Geldknappheit und damit eine Tendenz zu fallenden Preisen, so f\u00fchrte die Ausdehnung der Geldmenge vor allem in Spanien zu einer massiven Inflation (samt Abfluss des Silbers in die produktiveren Sektoren Europas). War dies zun\u00e4chst der erh\u00f6hten Nachfrage geschuldet, so wurde es noch verst\u00e4rkt, indem die Silberm\u00fcnzen immer mehr \u201egestreckt\u201c wurden (d.\u00a0h. ihr nomineller und realer Wert auseinanderfielen).<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich ist Geld nicht nur Zirkulationsmittel und Ma\u00dfstab der Werte \u2013 es ist durch Kredit- und Wechselgesch\u00e4fte immer auch Zahlungsmittel f\u00fcr Tauschvorg\u00e4nge, bei denen Kauf dem Verkauf vorgezogen wird (nachtr\u00e4gliche Zahlung mit entsprechender Verzinsung). Auch durch Schwankungen der Masse an Zahlungsmitteln und deren Werte (sowie der Zinsen) k\u00f6nnen Preiseffekte entstehen. Dies betrifft Phasen der Ausdehnung der \u201eLiquidit\u00e4t\u201c (Vertrauen in die Zahlungsf\u00e4higkeit einer wachsenden Zahl von Gl\u00e4ubigerInnen) wie ihres Schrumpfens. Ein hohes Ausma\u00df an Zahlungsausf\u00e4llen und Zur\u00fcckhalten von kurzfristiger Vorfinanzierung \u2013 wie z.\u00a0B. nach der Finanzkrise 2008 \u2013 f\u00fchrt zu Marktstockungen und damit kurzfristig zu raschem Preisverfall f\u00fcr pl\u00f6tzlich schwer verk\u00e4ufliche Waren. Langfristig wirkt hingegen die Ausdehnung der Geldmenge als Zahlungsmittel auch inflation\u00e4r \u2013 wenn der so zum Anwachsen gebrachten Nachfrage (Kauf) langfristig nicht auch die entsprechenden Gegenleistung entspricht (Verkauf). Moderne Inflationen entspringen zumeist Ungleichgewichten in diesen Kreditgeldsph\u00e4ren und weniger dem klassischen Geldumlaufbereich.<\/p>\n<p><strong>Weltmarktstellung, Finanzsystem und Inflation<\/strong><\/p>\n<p>Von Seite der Ware her gesehen ist das Ph\u00e4nomen der Inflation vor allem eines des Verh\u00e4ltnisses von Wert und Preis. Der Wert wird wesentlich bestimmt durch die gesellschaftliche Arbeitszeit, die f\u00fcr die Produktion der Ware unter den vorherrschenden durchschnittlichen Arbeitsbedingungen notwendig ist. D.\u00a0h. l\u00e4ngerfristige Ver\u00e4nderungen der Arbeitsproduktivit\u00e4t, vor allem sektoral oder regional, f\u00fchren zu Ausgleichsbewegungen, die sich durch Ver\u00e4nderungen der Preise vermitteln. So hat die \u201ebillige Industrieware\u201c des britischen Kapitals im 19. Jahrhundert auf dem vom Britannien dominierten Weltmarkt zu einer \u00c4ra fallender Preise gef\u00fchrt. D.\u00a0h. obwohl Britannien praktisch das ganze 19. Jahrhundert eine nachhaltig steigende Staatsverschuldung erlebte, f\u00fchrte dies nicht zu Inflation, da dies mehr als wettgemacht wurde durch den deflation\u00e4ren Effekt der Weltmarktstellung des britischen Kapitals. Ein Produktivit\u00e4tsvorteil, der lange von KonkurrentInnen nicht eingeholt werden kann, kann durch Verkauf \u00fcber Wert zu einem Werttransfer f\u00fchren. Trotz Ausdehnung der Geldmenge (dargestellt noch in Gold bzw. damit gedeckten \u00c4quivalenten) wurde dies durch den Zufluss an ausl\u00e4ndischen Werten (Gold oder Anleihen) mehr als wettgemacht.<\/p>\n<p>Der Zusammenbruch der Goldw\u00e4hrungssysteme (British Empire, Bretton Woods) hatte jeweils die Gefahr von inflation\u00e4ren Krisenphasen zur Folge gehabt. Um das Beispiel der 1970er Jahre heranzuziehen: Der lange Boom der Nachkriegsperiode endete in Profitabilit\u00e4tsproblemen, Stockungen der Investitionst\u00e4tigkeit und Stagnation der Arbeitsproduktivit\u00e4t. Gleichzeitig war der Welthandel stark von nationalstaatlichen Beschr\u00e4nkungen und Monopolpreisen bestimmt. Die \u00dcberschuldung der USA, die zur Aufk\u00fcndigung der W\u00e4hrungsregulierung von Bretton Woods 1973 f\u00fchrte, \u00fcberschwemmte den Weltfinanzmarkt mit Dollars, die per Schuldenfinanzierung zur Ankurbelung der stockenden Wirtschaften dienen sollten. Tats\u00e4chlich kamen letztere jedoch nicht vom Fleck, weshalb sich im Verlauf der sp\u00e4ten 1970er Jahre auch in den reichen Industriel\u00e4ndern die Inflationsraten auf die 10\u00a0% zubewegten. Stagnation, Verschuldung und Inflation wurden zum Teufelskreis der \u201eStagflation\u201c \u2013 bis die US-Zentralbank 1982 mit massiven Zinserh\u00f6hungen (\u201eVolcker-Schock\u201c), teilweise bis zu 20\u00a0%, den gro\u00dfen \u201eDollar-Staubsauger\u201c anwarf. Die danach einsetzende massive Schuldenkrise war einer der entscheidenden Hebel f\u00fcr die Durchsetzung der neoliberalen Angriffe und der Durchsetzung des \u201eWashington Consensus\u201c w\u00e4hrend der 1980er Jahre.<\/p>\n<p>Die darauffolgende Globalisierungsperiode f\u00fchrte zu zwei Jahrzehnten von globalem Wachstum, gest\u00fctzt auf den Zusammenbruch der degenerierten ArbeiterInnenstaaten, massiver Deregulierung und Privatisierung, Abbau von Handelsschranken und nationalen Schutzbestimmungen \u2013 und damit der Ankurbelung von Arbeitsproduktivit\u00e4t und Investitionst\u00e4tigkeit aufgrund entsprechender Profitraten. Die Deregulierung der globalen Finanzm\u00e4rkte f\u00fchrte zu einer \u00c4ra der scheinbar unbegrenzt wachsenden Liquidit\u00e4t, der Zahlungsmittel f\u00fcr einen in neuer Qualit\u00e4t wachsenden Weltmarkt. Insbesondere die Verbilligung von Waren und Dienstleistungen durch globales Outsourcing, Steigerungen von Produktivit\u00e4t und Ausbeutungsraten zeitigte durch das Sinken der Herstellungspreise einen deflation\u00e4ren Effekt. Die scheinbar explodierenden Geldmengen f\u00fchrten unter diesen spezifischen Bedingungen nicht zur Inflation. Au\u00dferdem wuchs die Massenkaufkraft in Folge der neoliberalen Lohn- und Haushaltspolitik auch in den imperialistischen L\u00e4ndern nicht in entsprechendem Ausma\u00df, so dass der Geld\u00fcberhang eher wiederum in neue Finanzmarktprodukte floss und das Kreditgeldsystem stabilisierte. In den imperialisierten L\u00e4ndern dagegen wurden diejenigen, die den \u201eWashington Consensus\u201c verlie\u00dfen, ganz automatisch durch Schrumpfen der Dollarreserven oder Abwertung ihrer W\u00e4hrung mit Inflation gestraft. Die Inflation war also nicht verschwunden \u2013 nur dass sie in den imperialistischen L\u00e4ndern als solche der Finanzwerte, in den imperialisierten L\u00e4ndern als Zwangsmittel zur Aufrechterhaltung neoliberaler Politik auftrat.<\/p>\n<p><strong>Globale Krise<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem Sinken der Profitraten in den fr\u00fchen 2000er Jahren kehrte die Realwirtschaft zur Stagnation zur\u00fcck, w\u00e4hrend der spekulative Boom durch das Aufblasen der Finanzm\u00e4rkte weitergetrieben wurde \u2013 bis zur Finanzmarktkrise 2008. Die vorl\u00e4ufige Rettung des globalen Kapitals wurde paradoxerweise 2009\/2010 mit der Politik des \u201eQuantitative Easing\u201c, also der extremen weiteren Ausdehnung der Zahlungsmittelmengen erzielt. Damit wurde die Liquidit\u00e4t wiederhergestellt und gleichzeitig ein gro\u00dfer Teil der imperialistischen Kapitale gerettet. Da die 2010er Jahre in den alten imperialistischen L\u00e4ndern aber gleichzeitig weiterhin durch sehr geringe Wachstums- und Profitraten in der Realwirtschaft gekennzeichnet waren, stellt sich die Frage, warum sich das dort nicht als Inflation ausgewirkt hat. Hier wirkten folgende drei Faktoren: (1) Die Gewichte im Welthandel hatten sich stark zu Gunsten von China verschoben, das als Lokomotive der Weltwirtschaft mit seinen Produktionsketten den Weltmarkt weiterhin mit billigen Herstellerpreisen bedienen konnte; (2) die Antikrisenpolitik in den imperialistischen L\u00e4ndern fu\u00dfte weiterhin auf Stagnation der L\u00f6hne und Massenkaufkraft; (3) trotz der Politik des billigen Geldes vertraute das globale Kapital aus Angst vor schlimmeren Verlusten in sogar gesteigertem Ma\u00dfe ihr Geld den klassischen imperialistischen Anlagem\u00e4rkten an. In Folge wurden viele der angeblich aufsteigenden Schwellenl\u00e4nder (z.\u00a0B. Brasilien, T\u00fcrkei) durch Kapitalmangel und schrumpfende Weltmarktchancen gebeutelt. In vielen dieser L\u00e4nder breitete sich bereits Stagflation aus.<\/p>\n<p>Die Corona-Krise traf dieses sowieso schon krisenhafte Weltsystem. Mit dem Wachstumseinbruch der ersten Corona-Welle und den folgenden Einschr\u00e4nkungen, was Welthandel, Transport und Zulieferindustrien betraf, kam es zu schweren Rezessionen in fast allen L\u00e4ndern des Globus. Wiederum wurden in den imperialistischen L\u00e4ndern massive Geldmittel zur \u201e\u00dcberbr\u00fcckung\u201c bis zum erneuten Anlaufen der Weltwirtschaft bereitgestellt. Dies betraf sowohl gro\u00dfe staatliche Ausgabenprogramme wie auch weitere Ausweitung der Zahlungsmittelmengen (z.\u00a0B. durch \u00dcbernahme gef\u00e4hrdeter Finanzierungen). Anders, als sich Regierungen und Zentralbanken es vorstellten, ging die Krise aber nicht so rasch vorbei. Insbesondere f\u00fchrten das Prinzip \u201eso wenig Lockdown in den Betrieben wie m\u00f6glich\u201c ebenso wie der Mangel an Unterst\u00fctzung der Impfkampagnen in der imperialisierten Welt dazu, dass die Pandemie unvermindert weitergeht, von Mutationswelle zu Mutationswelle.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem w\u00e4chst das Gewicht der schon seit der letzten Krise immer zahlreicher werdenden \u201eZombiekapitale\u201c (Betriebe, die abseits der bestehenden Geldpolitik l\u00e4ngst zahlungsunf\u00e4hig w\u00e4ren). Dies dr\u00fcckt die gesamtwirtschaftliche Produktivit\u00e4t, bindet Kapital f\u00fcr neue Investitionen und dr\u00fcckt die Durchschnittsprofitrate. Die Wachstumsraten, die sich bisher f\u00fcr das neue Jahrzehnt andeuten, sind daher ebenso stagnativ wie im letzten Jahrzehnt. Dazu kommt, dass diesmal auch China in einer real- und finanzwirtschaftlichen Krise steckt (Stichwort: Evergrande). W\u00e4hrend es diesmal nicht die dynamische Rolle auf dem Weltmarkt spielen kann, kommt auch noch dazu, dass nicht erst seit Trumps US-Pr\u00e4sidentschaft der Welthandel wieder deutlich protektionistischer organisiert wird. In wachsender Weise werden auch Produktionsketten wieder in die imperialistischen Kernl\u00e4nder zur\u00fcckverlegt (Schlagwort \u201eDeglobalisierung\u201c).<\/p>\n<p><strong>Inflation ist zur\u00fcck<\/strong><\/p>\n<p>All dies bedeutet, dass derzeit die gewachsene Geldmenge durch sehr viel weniger deflation\u00e4re Gegengewichte gebremst wird. Die Stimuluspakete z.\u00a0B. von Bundesregierung oder USA waren st\u00e4rker als 2009 auf Belebung von Massenkonsum und Investitionen ausgerichtet (in der Annahme, dass dies der kurzfristigen \u00dcberbr\u00fcckung dient). Doch trafen sie auf einen weiterhin stagnierenden bzw. sogar schrumpfenden Weltmarkt. Geringere Kapazit\u00e4ten in der \u00d6llieferung f\u00fchrten zu steigenden Preisen mit einem Anstieg der Gaspreise in Folge. Mit den CO2-Zertifikaten f\u00fchrt dies insbesondere bei den Energiepreisen zu einem enormen Anstieg. \u00c4hnliche Preisauftriebe gibt es f\u00fcr Baumaterialien und -maschinerie. Der R\u00fcckbau von Produktionsketten ebenso wie pandemiebedingte Ausf\u00e4lle bringen auch einen Nachfrage\u00fcberhang nach Arbeitskr\u00e4ften mit sich, was zu einer Lohnsteigerungstendenz f\u00fchrt. Letztlich m\u00fcndet die Finanzmarktentwicklung auch weiterhin in hohen Investitionsraten in Immobilien und damit auch zu weiter steigenden Mieten.<\/p>\n<p>All das bedeutet heute, dass sich die Politik des billigen Geldes derzeit auch tats\u00e4chlich in steigenden Preisen auswirkt. Sollte es nicht zu einem raschen und starken Wachstum, fu\u00dfend vor allem auf steigenden Investitionen, kommen, droht tats\u00e4chlich auch in den imperialistischen Zentren die R\u00fcckkehr der Stagflation (Kombination von Stagnation und Inflation, die einander wechselseitig verst\u00e4rken). Da ein realer, von Investitionen getragener anhaltender Aufschwung nicht zu erwarten ist, m\u00fcssen wir uns auch wieder auf die Schockma\u00dfnahmen vorbereiten, die das Kapital f\u00fcr so einen Fall parat h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal muss uns als Lohnabh\u00e4ngigen klar sein, dass eine l\u00e4ngerfristige Phase der Inflation eine starke Bedrohung f\u00fcr unsere Lebensverh\u00e4ltnisse darstellt. Schon jetzt sind gerade NiedrigverdienerInnen und Hartz-IV-Empf\u00e4ngerInnen massiv von den Preiserh\u00f6hungen betroffen. Aber auch \u201eNormalverdienende\u201c werden diese zu sp\u00fcren bekommen, wenn die Inflation nicht vollumf\u00e4nglich in die Lohnforderungen eingeht. Alle Behauptungen von einem \u201evor\u00fcbergehenden Ph\u00e4nomen\u201c m\u00fcssen entschieden zur\u00fcckgewiesen werden.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich kann sich das Problem von Erh\u00f6hungen von Strom- und Wohnkosten in n\u00e4chster Zeit sogar extrem zuspitzen. Dies muss insbesondere bei Fragen der Enteignung von Wohnungsgesellschaften und Energiekonzernen mit eingebracht werden. Insgesamt kann die ArbeiterInnenklasse den Auswirkungen einer Stagflationskrise nur durch einen konsequenten Kampf f\u00fcr eine gleitende Skala von L\u00f6hnen und Arbeitszeiten unter ArbeiterInnenkontrolle begegnen, also eine unmittelbare Anpassung der Einkommen an Preiserh\u00f6hungen. Da die offizielle Inflation die Preissteigerungen der Lohnabh\u00e4ngigen oft nur unzureichend widerspiegelt, muss diese Erh\u00f6hung von L\u00f6hnen, Arbeitslosengeld, Renten usw. die Preisentwicklung jener Waren widerspiegeln, die vor allem von den Lohnabh\u00e4ngigen konsumiert werden, um sich zu reproduzieren.<\/p>\n<p>Doch die Auswirkungen einer Inflation und m\u00f6glicher \u201eSchocktherapien\u201c der Herrschenden wie eine R\u00fcckkehr zu einer Hochzinspolitik treffen nicht nur die Preise. Ein m\u00f6gliche drohende \u201eSchocktherapie\u201c muss ihrerseits zwangsl\u00e4ufig zu einer massiven Welle von Betriebsschlie\u00dfungen f\u00fchren \u2013 was nur mit einer koordinierten Welle von Betriebsbesetzungen beantwortet werden kann.<\/p>\n<p>Viel spricht daf\u00fcr, dass die zu erwartende Stagflationskrise die der 1970er Jahre global um einiges \u00fcbersteigen wird. Daher k\u00f6nnen die genannten Abwehrma\u00dfnahmen der ArbeiterInnenklasse nur die Vorbereitung auf die notwendige Offensive f\u00fcr den Angriff auf die Wurzel des Problems sein: das Privateigentum an den Produktionsmitteln und eine Neuaufteilung der gesellschaftlichen Arbeit unter Kontrolle der Lohnabh\u00e4ngigen. Die \u00f6konomische und \u00f6kologische Krise, auf die wir zusteuern, erfordert lebensnotwendig den Kampf um eine sozialistische Gesellschaft.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2022\/01\/19\/rueckkehr-der-inflation\/\"><em>arbeiterinnenmacht.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 21. Januar 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Markus Lehner. 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