{"id":10736,"date":"2022-01-26T11:38:50","date_gmt":"2022-01-26T09:38:50","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10736"},"modified":"2022-01-26T11:38:51","modified_gmt":"2022-01-26T09:38:51","slug":"ueber-meine-arbeit-als-disponent-im-schienengueterverkehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10736","title":{"rendered":"\u00dcber meine Arbeit als Disponent im Schieneng\u00fcterverkehr"},"content":{"rendered":"<p><strong>In einem modernen gl\u00e4sernen Geb\u00e4ude befindet sich der Hauptsitz des gr\u00f6ssten Transporteurs des Schweizer Schieneng\u00fcterverkehrs. Mittendrin befindet sich die \u00aboperative Leitstelle\u00bb. Die Dispo ist der Motor dieses riesigen Logistikbetriebes.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Hier arbeiten wir DisponentInnen, koordinieren Frachten, Fahrzeuge oder das Personal draussen auf der Fl\u00e4che. Zum Beispiel Lokf\u00fchrerInnen, technische Kontrolleure oder Rangiermitarbeiter. Ausserdem managen wir St\u00f6rungen und Fahrplanabweichungen. Gleichzeitig sind wir das ganze Jahr \u00fcber 24 Stunden am Tag operativer Ansprechpartner f\u00fcr die wichtigsten Kunden und Kompagnons unseres Unternehmens.<\/p>\n<p>Mein Arbeitstag beginnt \u2013 je nach Schicht um 4 Uhr morgens, 12 Uhr Mittags oder 8 Uhr Abends \u2013 immer mit der Schicht\u00fcbergabe. Dabei erfahre ich vom abzul\u00f6senden Kollegen die relevanten Ereignisse der vergangenen Schicht. Sowie die St\u00f6rungen und Einschr\u00e4nkungen, die auch noch in meiner Arbeitszeit relevant sind, wie etwa Streckenunterbr\u00fcche, Zug-Ausf\u00e4lle oder Fahrzeugdefekte. Nachdem ich alle meine Programme gestartet und installiert habe, besprechen wir im Team die aktuelle Betriebslage. Welche Probleme sind zwingend in unserer Schicht zu l\u00f6sen und welche haben Priorit\u00e4t? Wenn alles gekl\u00e4rt ist, arbeiten wir gleichzeitig an den \u00ab\u00fcbergebenen\u00bb Problemen, w\u00e4hrend wir den Tagesbetrieb disponieren. Die wenigsten Arbeitstage sind ruhig, wir k\u00e4mpfen fast t\u00e4glich mit fehlenden Lokf\u00fchrern oder gr\u00f6sseren Einschr\u00e4nkungen im Bahnverkehr. Obwohl es w\u00e4hrend der Arbeit immer wieder sehr stressig ist und wir unter starkem Druck stehen, ist das Klima im B\u00fcro angenehm, denn wir wissen: Nur mit einer konstruktiven Teamarbeit und optimistischen Herangehensweise k\u00f6nnen wir die Probleme bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p>An meinem Job mag ich besonders das betriebsame Arbeiten, die Abwechslung und das Koordinieren von St\u00f6rungen im Team. Es ist vor allem die Action, die Spass macht. Die Z\u00fcge, deren Probleme ich l\u00f6se, fahren meistens schon einige Stunden sp\u00e4ter. Obwohl ich eine abstrakte B\u00fcroarbeit an den Monitoren verrichte, sehe ich das Produkt, wenn ich aus dem Fenster schaue. Zudem sch\u00e4tze ich den vielen Kontakt mit den internen Stellen, mit denen wir zusammenarbeiten oder mit den MitarbeiterInnen auf der Fl\u00e4che.<\/p>\n<p>An einem normalen Arbeitstag telefoniere ich rund 100 Mal mit G\u00fcterbahnh\u00f6fen und den ArbeiterInnen, die den Betrieb draussen auf den Gleisfeldern am Laufen halten. Leider ist der Ton meistens rau und die Stimmung gedr\u00fcckt. Denn seit L\u00e4ngerem ist die finanzielle Lage im Betrieb \u00e4usserst angespannt. Das wurde uns auch schon mehrmals mitgeteilt. Seitdem der Schieneng\u00fcterverkehr auch f\u00fcr Private ge\u00f6ffnet wurde, haben wir einige sehr wichtige Grosskunden und Gesch\u00e4fte, sogenannte Verkehre, verloren. 2019 wurden auch wir dann teilprivatisiert, massive Sparmassnahmen folgten. Die Mitarbeitenden draussen trifft dies besonders hart. Lokf\u00fchrerInnen und Rangiermitarbeiter erz\u00e4hlen uns immer wieder \u00fcber die prek\u00e4ren Verh\u00e4ltnisse bei Ihrer Arbeit, fehlende Zeit f\u00fcr die jeweiligen T\u00e4tigkeiten und enorme \u00dcberstunden.<\/p>\n<p>Auch unser Team erlebte diese drastischen Sparmassnahmen und wurde vor einiger Zeit auf die H\u00e4lfte der Mitarbeitenden reduziert. Prozesse wurden verallgemeinert und teilweise automatisiert. Durch die Personalreduktion ging wertvolles Know-how von erfahrenen MitarbeiterInnen verloren, diese L\u00fccken sollten neue Prozesse und IT-Systeme f\u00fcllen. Leider vergeblich, denn auch hier macht sich die Privatisierung und das fehlende Geld bemerkbar. Die Systeme funktionieren nicht fehlerfrei und die Prozesse sind teils l\u00fcckenhaft. Unsere Qualit\u00e4t sinkt und der Druck auf die MitarbeiterInnen steigt immens. Ein Rattenschwanz, denn immer mehr Kunden sind wegen des Qualit\u00e4tsmangels unzufrieden und drohen abzuspringen.<\/p>\n<p>Fast alle meine KollegInnen sind in der Gewerkschaft, aber ich habe noch nie einen Sekret\u00e4r bei uns vorbei kommen sehen.<\/p>\n<p>In den letzten zwei Jahren habe ich bereits vier verschiedene Teamleiter durchlebt. Die Reorganisationen oder Wechsel in den Stufen \u00fcber mir z\u00e4hle ich nicht mehr. Jedes Mal ein Neustart, eine neue aufregende PowerPoint, die Verbesserungen und Visionen der Chefs propagieren, alles leere Versprechen\u2026<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.derfunke.ch\/htm\/de\/deutsch\/arbeiterinnenbewegung\/gewerkschaften\/uber-meine-arbeit\/ueber-meine-arbeit-als-disponent-im-schienengueterverkehr\/\"><em>derfunke.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 26. Januar 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem modernen gl\u00e4sernen Geb\u00e4ude befindet sich der Hauptsitz des gr\u00f6ssten Transporteurs des Schweizer Schieneng\u00fcterverkehrs. Mittendrin befindet sich die \u00aboperative Leitstelle\u00bb. 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