{"id":1077,"date":"2016-03-29T10:19:11","date_gmt":"2016-03-29T08:19:11","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1077"},"modified":"2016-03-29T10:19:11","modified_gmt":"2016-03-29T08:19:11","slug":"belgien-sicherheitsfixierung-gegen-terror","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1077","title":{"rendered":"Belgien: Sicherheitsfixierung gegen Terror?"},"content":{"rendered":"<p><em>Daniel Tanuro.<\/em> Die Beh\u00f6rden haben bei der Verhaftung von Salah Abdeslam [am 18. M\u00e4rz in Molenbeek] gejubelt und get\u00f6nt: \u201eWir haben ihn gekriegt!\u201c Ein paar Tage danach haben die Verbrecher von Daesh mitten in Br\u00fcssel zugeschlagen: 32 Tote, Hunderte von Schwerverletzten, verst\u00fcmmelte Kinder\u2026 \u2012 ein grauenhaftes Blutbad. H\u00e4tte das verhindert werden k\u00f6nnen?<!--more--> Vielleicht. Das schlechte Funktionieren der Sicherheitsdienste im Fall von Ibrahim El Bakraoui<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a> schreit zum Himmel und erinnert an die Dutroux-Aff\u00e4re.<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a><\/p>\n<p>Aber Dutroux war (fast) alleine, w\u00e4hrend Daesh eine Verbrecherorganisation ist, der es nicht an Selbstmordanw\u00e4rterInnen mangelt. Dazu z\u00e4hlen auch Anw\u00e4rterInnen, die aus nicht-moslemischen Milieus stammen und weniger \u201eeinfach auszumachen\u201c sind als Barkhaoui. Das Attentat in Verviers<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a> ist vereitelt worden, das hat aber nicht verhindert, was danach gekommen ist. Was w\u00e4re geschehen, wenn Ibrahim El Bakraoui nach seiner R\u00fcckkehr aus der T\u00fcrkei [nach Belgien im Sommer 2015] ins Gef\u00e4ngnis gesteckt worden w\u00e4re? Er h\u00e4tte dort andere Dschihadisten rekrutiert, bevor er eines Tages herausgekommen w\u00e4re. Man sollte also nicht den Wald vor lauter B\u00e4umen \u00fcbersehen. Es ist eine Illusion, wenn man glaubt, der Gei\u00dfel des Terrorismus sei mit einer \u201ebesseren Polizei\u201c, mit \u201ebesseren Nachrichtendiensten\u201c, mit einer \u201egezielten \u00dcberwachung\u201c usf. beizukommen.<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a><\/p>\n<p><strong>Selbstmordattentate <\/strong><\/p>\n<p>Das Problem ist folgendes: Einen fanatischen Selbstmordkandidaten kann nichts daran hindern, sich mitten in einer unschuldigen Menschenmenge in die Luft zu sprengen. Von dem Moment an, wo alle Welt ins Visier kommt, ist die Anzahl der potentiellen Opfer derma\u00dfen hoch, dass mit dem Versuch, sie alle zu besch\u00fctzen, nicht einmal angefangen werden kann. In Wirklichkeit wird es nicht einmal einem Polizeistaat in der Art von \u201eBig Brother\u201c gelingen, mit dem dschihadistischen Terrorismus fertig zu werden. Selbst ein derartiger Staat k\u00f6nnte uns nicht vor einem Selbstmordattentat gegen eines unserer Kernkraftwerke mit seinen \u201eMikrorissen\u201c<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[v]<\/a> sch\u00fctzen. Und wollen wir denn in solch einem Staat leben?<\/p>\n<p>Die sicherheitsfixierte Antwort auf den Terrorismus steckt daher ganz handgreiflich in einer Sackgasse. Es ist deutlich, dass die F\u00fchrungskr\u00e4fte der Sicherheitsdienste hilf- und ratlos sind. [Die Koordinierungsstelle zur \u201eBek\u00e4mpfung von Terrorismus und Extremismus\u201c] OCAM hat den Grad der Bedrohung auf [die h\u00f6chste Stufe] 4 angehoben \u2012 und zwar nach den Attentaten \u2026 Und was nun? Soll ein allgemeiner \u201elockdown\u201c angeordnet werden, wie im November nach den Attentaten in Paris, als Br\u00fcssel [einige Tage lang] stillstand? Die Unternehmer wollen dergleichen nicht mehr, das kostet die Wirtschaft zu viel.<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[vi]<\/a> Folglich schlie\u00dft die Regierung diese \u201eL\u00f6sung\u201c aus. Auf alle F\u00e4lle kann der \u201elock-down\u201c nur ein paar Tage lang gelten, die Terroristen brauchen also nur abwarten, bis es vorbei ist \u2026<\/p>\n<p>Und was sonst noch? Noch mehr Milit\u00e4r auf die Stra\u00dfen stellen? Es ist deutlich, dass das nichts bringt. Am Flughafen von Zaventem waren Soldaten. Selbst Panzer auf den Stra\u00dfen und ein U-Boot im Kanal [f\u00fcr die Schifffahrt zwischen Br\u00fcssel und Charleroi] w\u00e4ren gegen Selbstmordattentate von keinerlei Nutzen. Die F\u00fchrungskr\u00e4fte wissen das. Der Aufmarsch der Armee hatte in ihren Augen vor allem das Ziel, die Bev\u00f6lkerung zu beruhigen und zu zeigen, dass der Staat keine Kosten scheut, um sie zu besch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Der Beschluss, Eing\u00e4nge und Ausg\u00e4nge der Br\u00fcsseler Bahnh\u00f6fe genau zu \u00fcberpr\u00fcfen und die Reisenden zu durchsuchen, zeigt gut, wie ohnm\u00e4chtig die sicherheitsfixierte Antwort ist. Wahrscheinlich ist diese Art der \u00dcberpr\u00fcfung als Alternative zum \u201elockdown\u201c beschlossen worden, um die Leute zu beruhigen. Sie beruhigt aber nicht, im Gegenteil, sie sorgt f\u00fcr Beunruhigung. Ein Terrorist mit seinem Sprengstoff kann ja ohne weiteres in einem Provinzbahnhof einen Zug besteigen und sich in Br\u00fcssel in der Menge der PendlerInnen in die Luft sprengen, die warten m\u00fcssen, bis sie mit der Durchsuchung dran sind, bevor sie das Geb\u00e4ude verlassen k\u00f6nnen. Man fragt sich, wer denn wohl derma\u00dfen absurde Ma\u00dfnahmen ersonnen haben mag \u2026<\/p>\n<p><strong>Ein totaler Krieg? <\/strong><\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte noch eine ganze Weile mit dem Durchspielen von Hypothesen fortfahren, was die Regierung wohl machen wird. Keine Annahme f\u00fchrt zu einer strukturellen L\u00f6sung. Einen totalen Krieg starten, um den Islamischen Staat im Irak und in Syrien von der Karte zu fegen, das taucht daher als die \u201eL\u00f6sung\u201c auf, von der die mehr oder minder extremen Rechtskr\u00e4fte tr\u00e4umen. Aber siehe da: Das war ja das, was Bush junior in Afghanistan ins Werk gesetzt hat und das Resultat ist bekannt. Nicht nur ist Al-Quaida nicht tot (im Gegensatz zu Tausenden von ZivilistInnen!), vielmehr hat die Organisation von Osama bin Laden eine andere, noch schlimmere hervorgebracht: Daesh. Will man nun den gleichen Fehler noch einmal begehen? Sieht man denn nicht, dass die Kreuzz\u00fcge des Westens gegen die arabisch-moslemische Welt ein Teil der Maschine zur Erzeugung von Rachsucht und Hass sind, die manche in einen m\u00f6rderischen Irrsinn treibt?<\/p>\n<p>Ich sage: ein Teil der Maschine. Es gibt noch andere: die Komplizenschaft mit den Verbrechen des zionistischen Staats gegen das pal\u00e4stinensische Volk; die R\u00fcstungsverk\u00e4ufe an fundamentalistische Diktaturen; die unbarmherzige Abschiebung von Asylsuchenden; die Vernachl\u00e4ssigung und Gettoisierungen von Armenvierteln in unseren St\u00e4dten, in denen die eingewanderte Bev\u00f6lkerung lebt; den Rassismus und die Islamophobie, die Polizeikontrollen nach dem Aussehen, die Diskriminierung bei der Anstellung, die Hasskampagnen gegen die kopftuchtragenden Frauen; die Stigmatisierung durch die Medien; nicht zu vergessen die abscheuliche und niedertr\u00e4chtige \u201eRealpolitik\u201c gegen\u00fcber den Verbrechen des vorgeblich \u201elaizistischen\u201c Regimes von Baschar al-Assad, des Henkers des syrischen Volks (dessen Regime in Wirklichkeit keineswegs s\u00e4kular ist!). Erstaunlich ist nicht, dass eine derartige \u201eMaschinerie\u201c Hass hervorruft, sondern dass gewisse Leute dar\u00fcber erstaunt sind!<\/p>\n<p><strong>Ein sektenhafter Mechanismus <\/strong><\/p>\n<p>Ich gehe hier nicht auf die Gr\u00fcnde ein, die eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr liefern k\u00f6nnen, dass dieser Hass die Form einer zerst\u00f6rerischen extremen Gewalt annimmt und dass er sich eine Ideologie aus einem anderen Zeitalter zulegt \u2012 eine pseudo-religi\u00f6se, machistische, autorit\u00e4re, zutiefst reaktion\u00e4re Ideologie. Alles deutet darauf hin, dass die verst\u00f6rten jungen Menschen, die aus unseren Stadtvierteln kommen und sich dem Dschihad anschlie\u00dfen, nicht auf die Bahn einer Radikalisierung des Islam geraten, sondern auf die Bahn einer Pseudo-Islamisierung ihrer Radikalit\u00e4t \u2012 oder ihrer Kleinkriminalit\u00e4t. In Wirklichkeit verleitet die \u201eRadikalisierung\u201c ihres Hasses manche zu einem gewissen Moment in eine wahnhafte Traumwelt: Der radikale Islamismus wird deinem Leben einen Sinn verleihen, der Islamische Staat wird dir ein K\u00f6nigreich der Br\u00fcderlichkeit bieten und dein Tod als M\u00e4rtyrer (in Wirklichkeit: als M\u00f6rder) wird f\u00fcr dich die Pforten des Paradieses auftun.<\/p>\n<p>Kurzum: es geht um einen sektenhaften Mechanismus, keinen religi\u00f6sen. Nun geht die Verherrlichung der Selbstt\u00f6tung in dieser Sekte so weit, dass immer dann, wenn sich ein \u201eM\u00e4rtyrer\u201c in die Luft sprengt, mehrere Dutzend Kandidaten antreten, die seine Stelle einnehmen m\u00f6chten. Es gibt in dieser Situation keine L\u00f6sung mittels Polizei, auch keine mittels Milit\u00e4r. Eine strukturelle L\u00f6sung kann nur eine politische sein: Man muss daf\u00fcr sorgen, dass die Quelle f\u00fcr den Hass versiegt. Das erfordert einen radikalen und koh\u00e4renten Kurswechsel auf allen Gebieten, die den erw\u00e4hnten \u201eMaschinenteilen\u201c entsprechen. Das muss ein kombinierter Kurswechsel sein \u2012 ebenso sehr in der Au\u00dfenpolitik wie in der Innenpolitik. Die belgischen Truppen von den Einsatzorten abziehen, wo sie ihr Unwesen treiben. Die Armee in die Kasernen zur\u00fcckschicken (mit der Perspektive, dass sie schlicht und einfach abgeschafft wird). Den legitimen Kampf des pal\u00e4stinensischen Volks f\u00fcr seine Rechte unterst\u00fctzen. Einseitig den Verkauf von R\u00fcstungsg\u00fctern an Saudi-Arabien und andere Diktaturen beenden (mit der Perspektive, dass die R\u00fcstungsproduktion abgeschafft wird, bei Weiterbesch\u00e4ftigung der ArbeiterInnen und Angestellten f\u00fcr neue Erzeugnisse). Unterst\u00fctzung der K\u00e4mpfe der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr Demokratie \u2012 in Syrien und anderswo. Die Fl\u00fcchtlinge und Asylsuchenden aufnehmen. Mittel f\u00fcr eine Politik der Stadterneuerung, die ihren Namen verdient, in den benachteiligten Vierteln bereitstellen. Die Provokationen und Gewaltakte der Polizei beenden. Hochwertige Arbeitspl\u00e4tze schaffen, in \u00f6ffentliche Infrastruktur investieren. Die Medien f\u00fcr freie \u00c4u\u00dferungen \u00f6ffnen. Eine wirklich partizipatorische Demokratie mit tats\u00e4chlichen Entscheidungsbefugnissen f\u00fcr die Verb\u00e4nde, Stadtteilvereine usw. praktizieren usw. usf. Dies sind ein paar Ideen, an denen es weiterzuarbeiten gilt.<\/p>\n<p><strong>Die Vernunft der Emotion <\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr ein kompliziertes Problem gibt es keine einfache L\u00f6sung und wir haben ganz gewiss kein schl\u00fcsselfertiges Programm, mit dem sich der Terrorismus bek\u00e4mpfen lie\u00dfe. Solch ein Programm kann nur zusammen mit den gesellschaftlichen Akteuren und Akteurinnen ausgearbeitet werden. Das wird Zeit beanspruchen und nicht die Gefahren beseitigen, doch bietet die gesellschaftliche Mobilisierung einen besseren Schutz als die Spezialeinheiten. Eines scheint mir in jedem Fall gewiss zu sein: Ein Ausweg kann nur gefunden werden, indem man sich von der gegenw\u00e4rtig geltenden Logik einer auf Ungerechtigkeit, Gewalt und Ausgrenzung beruhenden Gesellschaft abwendet. Es gilt den Weg einer gro\u00dfz\u00fcgigen gesellschaftlichen Politik zu beschreiten, die auf Solidarit\u00e4t, demokratischen Freiheiten, Teilung des Reichtums und Kampf gegen Ungleichheit bei uns und auf der Welt beruht. Wie es in dem Kommuniqu\u00e9 der LCR-SAP hei\u00dft (das auf unserer Website von \u00fcber 10 000 Menschen gelesen worden ist): \u201eDurch das Leben wird die Politik des Todes bek\u00e4mpft.\u201c [Auf Deutsch: <a href=\"http:\/\/www.sozonline.de\/2016\/03\/anschlaege-in-bruessel-2\/\">http:\/\/www.sozonline.de\/2016\/03\/anschlaege-in-bruessel-2\/<\/a> ] Es geht in der Tat um Leben und Tod. Das l\u00f6st eine Welle von Emotionen aus. Es ist zu hoffen, dass die Welle, die uns jetzt aufw\u00fchlt, der Vernunft helfen kann, uns aus der Verkettung der Barbarei heraus zu bringen.<\/p>\n<p><em>Daniel Tanuro, 24. M\u00e4rz 2016 <\/em><\/p>\n<p><em>Aus dem Franz\u00f6sischen \u00fcbersetzt und mit Anmerkungen versehen von Wilfried Dubois<\/em><\/p>\n<p><em>Daniel Tanuro ist Agraringenieur, \u00d6kologie-Aktivist, Publizist und Mitglied der Leitung der Ligue Communiste R\u00e9volutionnaire\/Socialistische Arbeiderspartij (LCR-SAP), der belgischen Sektion der Vierten Internationalen und lebt in Charleroi.<\/em><\/p>\n<p><em>Franz\u00f6sisches Original unter: <a href=\"http:\/\/www.lcr-lagauche.org\/face-a-limpuissance-securitaire-quelle-reponse-au-terrorisme\/\">http:\/\/www.lcr-lagauche.org\/face-a-limpuissance-securitaire-quelle-reponse-au-terrorisme\/<\/a><\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a> Zu Ibrahim und Khalid El Bakraoui: \u201eThe El Bakraoui brothers were born in Brussels and raised in Laken, a residential suburb in northwestern Brussels. Their father, a retired butcher and devout Muslim, emigrated from Morocco; their mother was described as ,conservative and reclusive\u2018. The brothers were known to the Belgian authorities. Unlike other radicalised ISIL adherents, who started as petty criminals, the men had a history of committing more serious crimes. They were believed to have rented an apartment that housed some of the assailants involved in the November 2015 Paris attacks and supplied ammunition for them. Ibrahim died in one of the suicide bombings at Brussels Airport, while Khalid died in the suicide bombing at the metro station. Both of them had evaded capture during a police raid in Brussels on 15 March 2016. Ibrahim (born 9 October 1986 in Brussels) was involved in the attempted robbery of a currency exchange office in January 2010, where he shot at police with a Kalashnikov rifle while providing a lookout for his accomplices. (\u2026) In 2010, Ibrahim was sentenced to 10 years in prison, but was released on parole in 2014 under the condition that he not leave the country for longer than a month. He failed to abide by the conditions of parole and was sought again by the authorities. (\u2026) According to the authorities in Turkey, they arrested Ibrahim as a ,suspected terrorist\u2018 in June 2015 and deported him to the Netherlands. Belgian authorities were informed of the detention and deportation, but they apparently ignored the warnings, and the Netherlands released Ibrahim after failing to establish any link to terrorism.\u201c (<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/2016_Brussels_bombings\">https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/2016_Brussels_bombings<\/a> ).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> \u00a0Der belgische Schrotth\u00e4ndler Marc Dutroux aus der N\u00e4he von Charleroi wurde (mit seiner damaligen Ehefrau und zwei Komplizen) 1996 zum dritten Mal verhaftet, nachdem sie mehrere Kinder und Jugendliche entf\u00fchrt, vor allem zur Herstellung von Kinderpornographie sexuell missbraucht und mindestens zwei junge Frauen ermordet hatten; er erkl\u00e4rte, der Gesch\u00e4ftsmann Jean-Michel Nihoul sei \u201eAnstifter und Kopf einer Bande von M\u00e4nnern, die Sexualstraftaten an Kindern ver\u00fcbten,\u201c er selber nur \u201eeine Art Handlanger gewesen; die M\u00e4dchen seien nicht nur f\u00fcr ihn allein bestimmt gewesen, sondern auch f\u00fcr andere Personen, die teilweise ,h\u00f6chste Protektion von ganz oben\u2018 genie\u00dfen w\u00fcrden\u201c. W\u00e4hrend \u201eder Ermittlungszeit nach Dutrouxs Verhaftung (verstarben) 27 Zeugen, die im Prozess aussagen wollten. Der Staatsanwalt Hubert Massa beging im Juli 1999 Suizid. Doch konnte kein eindeutiges Motiv gekl\u00e4rt werden. Es ist nicht auszuschlie\u00dfen, dass die Zeugen umgebracht wurden, um sie zum Schweigen zu bringen.\u201c (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marc_Dutroux\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marc_Dutroux<\/a> ) Zahlreiche \u201eErmittlungspannen\u201c, die Todesf\u00e4lle, dass Dutroux im April 1998 ein Ausbruch aus der Haft gelang, die Absetzung des popul\u00e4ren Untersuchungsrichters Jean-Marc Connerotte 2001 und ein verbreiteter Verdacht, es werde mit allen Mitteln zum Schutz von reichen und m\u00e4chtigen Kindersch\u00e4ndern vertuscht, f\u00fchrten zu tiefem Misstrauen in die Staatsapparate und l\u00f6sten eine B\u00fcrgerbewegung aus, die mit einer ersten \u201eMarche Blanche\u201c im Oktober 1996 begann. Zu diesem \u201ewei\u00dfen Marsch\u201c in Br\u00fcssel, an der sich zwischen 350 000 und 600 000 B\u00fcrgerInnen aus allen Landesteilen beteiligten, hatten Eltern von \u201everschwundenen\u201c und ermordeten Kindern aufgerufen. Zur politischen Bewertung der \u201eDutroux-Aff\u00e4re\u201c, die das Vertrauen in die staatlichen Institutionen einige Jahre lang tief ersch\u00fcttert hat und 2001 die Aufl\u00f6sung der paramilit\u00e4rischen Polizeieinheit Gendarmerie nationale bzw. Rijkswacht zur Folge hatte, zu der Staatskrise und zu den \u201eWei\u00dfen M\u00e4rschen\u201c siehe das Buch unseres belgischen Genossen Alain Tondeur: <em>La crise blanche. <\/em>La Belgique du chagrin \u00e0 la col\u00e8re, Bruxelles: \u00c9ditions Luc Pire; Bruxelles: Fondation L\u00e9on Lesoil, 1997.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a> Am 15. Januar 2016 sollte in Verviers (Wallonien) bei einer Operation einer Sondereinheit der belgischen Poli-zei eine vierk\u00f6pfige \u201eterroristische Zelle\u201c festgenommen werden, die von Athen aus telefonisch angeleitet wor-den und f\u00fcr den folgenden Tag im Auftrag von Daesh Angriffe auf zwei Polizeistationen im Raum Br\u00fcssel ge plant haben soll; die Verd\u00e4chtigen er\u00f6ffneten das Feuer, zwei von ihnen wurden von der Polizei erschossen (<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/January_2015_anti-terrorism_operations_in_Belgium\">https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/January_2015_anti-terrorism_operations_in_Belgium<\/a> ).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv]<\/a> Wir w\u00e4ren nicht erstaunt, wenn [der belgische Innenminister und Vizepremierminister] Jan Jambon aus dem Versagen seiner Dienste Nutzen ziehen und die Forderung, dass es keine Haftminderungen mehr geben darf, wieder auf das Tapet bringen w\u00fcrde. Das hatte die extreme Rechte zur Zeit der Dutroux-Aff\u00e4re gefordert und konnte damals durch die Mobilisierung der B\u00fcrgerInnen durch das Ehepaar Russo [Carine und Gino Russo, die Eltern der 1995 entf\u00fchrten Melissa Russo] vereitelt werden. Die Linke muss folglich vorsichtig sein, wenn sie das Versagen [der staatlichen Dienste] anprangert. (Anm. des Verfassers.)<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[v]<\/a> Anspielung auf Risse an den beiden belgischen Atomkraftwerken, deren Bekanntwerden im August 2012 zur Teilstillegung von Kraftwerksbl\u00f6cken f\u00fchrte. Es handelt sich um Sch\u00e4den an einem Reaktorbeh\u00e4lter des AKW Tihange (an der Maas, in der N\u00e4he von L\u00fcttich, Wallonien) und an einem Druckbeh\u00e4lter des Reaktor des AKW Doel (an der Schelde, Gemeinde Beveren, Provinz Ostflandern, in der N\u00e4he von Antwerpen), die bereits 1979 w\u00e4hrend des Baus entstanden sein sollen. Zu verschiedenen St\u00f6rf\u00e4llen, den Ausstiegskonzepten sowie Laufzeit-verl\u00e4ngerungen verschiedener Regierungen, der Besch\u00e4ftigung des Dschihadisten Ilyass Boughalab im Hochsi-cherheitsbereich des AKW Doel von 2009 bis 2012 usf. siehe https:\/\/de.wikipedia. org\/wiki\/Kernkraftwerk_Doel sowie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kernkraftwerk_Tihange\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kernkraftwerk_Tihange<\/a> .<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[vi]<\/a> Der Ausnahmezustand, der vom 21. bis 26. November 2015 f\u00fcr die Hauptstadtregion Br\u00fcssel und die Stadt Vilvoorde in der Provinz Vlaams-Brabant verh\u00e4ngt und in den Medien oft \u201eLockdown de Bruxelles\u201c genannt wurde, bedeutete: Schlie\u00dfung aller Gesch\u00e4fte, Schulen, Universit\u00e4ten, Einstellung der U-Bahnen, verst\u00e4rkte Patrouillen des Milit\u00e4rs, die Aufforderung, gro\u00dfe Versammlungen zu unterlassen, usw. Die Kosten wurden unterschiedlich auf 100 Millionen Euro, 51,7 Millionen \u20ac pro Tag, von dem Vorsitzenden des belgischen Unternehmerverbands in einem Interview mit <em>The Wall Street Journal <\/em>auf 300 Millionen \u20ac gesch\u00e4tzt (<a href=\"https:\/\/fr.wikipe-dia.org\/wiki\/Bruxelles_en_%C3%A9tat_d'alerte_maximale\">https:\/\/fr.wikipe-dia.org\/wiki\/Bruxelles_en_%C3%A9tat_d&#8217;alerte_maximale<\/a> ; <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Brussels_lockdown\">https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Brussels_lockdown<\/a> ).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Daniel Tanuro. Die Beh\u00f6rden haben bei der Verhaftung von Salah Abdeslam [am 18. 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