{"id":10834,"date":"2022-02-20T13:49:55","date_gmt":"2022-02-20T11:49:55","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10834"},"modified":"2022-02-20T13:49:57","modified_gmt":"2022-02-20T11:49:57","slug":"zero-covid-war-eurozentristisch-und-extrem-staatsfixiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10834","title":{"rendered":"\u00bbZero Covid war eurozentristisch und extrem staatsfixiert\u00ab"},"content":{"rendered":"<p><strong>Karl Heinz Roth \u00fcber das katastrophale Corona-Krisenmanagement und die Lehren aus der Pandemie f\u00fcr die Linke. F\u00fcr ihn war der Ansatz der Zero-Covid-Kampagne eines europaweiten Shutdowns unrealistisch und letztlich unverantwortlich.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong>Vor der Corona-Pandemie h\u00e4tte vermutlich niemand daran gedacht, eine solche Frage zu stellen: Aber womit wurden Sie geimpft?<\/strong><\/p>\n<p>Meine Grundimmunisierung habe ich mit Biontech bekommen, meine dritte Impfung mit Moderna. Aber ich habe auch das Privileg, Medizin studiert zu haben und mich deshalb wissenschaftlich fundiert mit den Impfstoffen auseinandersetzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Und das nahm Ihnen die Unsicherheit gegen\u00fcber dem Impfen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Methode, bei der bei den neuen Corona-Impfstoffen Genabschnitte des Spikeproteins des Erregers mit Hilfe von Genf\u00e4hren oder direkt durch Boten-RNA in den menschlichen Organismus eingeschleust werden, kenne ich bereits aus der Krebstherapie und bin ihr gegen\u00fcber deswegen positiv eingestellt.<\/p>\n<p><strong>Andere Menschen sind da verunsicherter. Noch immer ist etwa ein Viertel der Bev\u00f6lkerung in Deutschland nicht geimpft.<\/strong><\/p>\n<p>Bei der Impfkampagne wurden viele Fehler gemacht. Es wurde zu wenig \u00fcber die teilweise gravierenden Nebenwirkungen aufgekl\u00e4rt und gleichzeitig nur auf die High-Tech-Impfstoffe der westlichen Biotechnologie- und Pharmaunternehmen gesetzt. Das verunsicherte viele Menschen. Stattdessen h\u00e4tte man nicht auf einen Impfnationalismus setzen und von Anfang an auch traditionelle Totimpfstoffe einf\u00fchren sollen.<\/p>\n<p><strong>Teilen Sie also Vorbehalte der Impfskeptiker*innen und -gegner*innen gegen\u00fcber den modernen Impfstoffen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich entschuldige keinen Mediziner, der bei der \u00bbQuerdenker\u00ab-Kampagne Falschinformationen verbreitet. Es m\u00fcsste aber viel besser aufgekl\u00e4rt und kommuniziert werden, was die Wirksamkeit und Wirkungsweise der Impfstoffe anbelangt.<\/p>\n<p><strong>Wie meinen Sie das?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn schon drei Viertel der Bev\u00f6lkerung geimpft sind, bringt die Einf\u00fchrung eines Impfzwangs aus epidemiologischer Sicht eigentlich nichts, ganz abgesehen von den damit verbundenen ethischen Grenz\u00fcberschreitungen. Zudem sind nicht alle Impfskeptiker komplett gegen das Impfen. 30 Prozent von ihnen k\u00f6nnten vielleicht mit einem traditionellen Totimpfstoff \u00fcberzeugt werden.<\/p>\n<p><strong>Wurden nicht auch Fehler bei der internationalen Verteilung der Impfstoffe gemacht?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, gravierende Fehler. Bei der Bek\u00e4mpfung der Pandemie sollte es weniger darum gehen, hierzulande die Impfquote durch Zwangsma\u00dfnahmen von 75 auf 80 Prozent zu erh\u00f6hen. Stattdessen braucht auch der Globale S\u00fcden gen\u00fcgend Impfstoffe. Seine Unterversorgung hat sich bereits f\u00fcr den globalen Norden ger\u00e4cht.<\/p>\n<p><strong>Inwiefern?<\/strong><\/p>\n<p>Die ungleiche Verteilung der Impfstoffe hat zu einer unn\u00f6tigen Verl\u00e4ngerung der Pandemie gef\u00fchrt. Als die Delta-Variante in Indien entstand, war dort nur ein geringer Teil der Bev\u00f6lkerung geimpft. Im s\u00fcdlichen Afrika, wo Omikron entdeckt wurde, waren es acht bis zw\u00f6lf Prozent. Insofern kann man sagen, dass sich der reiche Norden aufgrund der ungerechten Verteilung der Impfstoffe neue Virusvarianten gez\u00fcchtet hat, die durch keine Reiseblockaden aufgehalten werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Wie konnte das Impfen \u00fcberhaupt zu einem solchen Politikum werden?<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst wirkt die in vielen L\u00e4ndern zu beobachtende Impfgegnerschaft sehr beunruhigend. Doch es gab sie schon bei fr\u00fcheren Massenimpfungen wie der Pockenschutzimpfung und bei den Choleraimpfstoffen. Es handelt sich um kollektive Ver\u00e4ngstigungsprozesse, die durch die Unberechenbarkeit der Pandemien ausgel\u00f6st wurden. Sie f\u00fchren auch heute noch dazu, dass viele Menschen nach einfachen Erkl\u00e4rungsmustern f\u00fcr das Unheil suchen, das \u00fcber sie hereingebrochen ist. Aber auch die Linke hat viel verkehrt gemacht.<\/p>\n<p><strong>Warum?<\/strong><\/p>\n<p>Gro\u00dfe Teile der Linken agierten in der Pandemie sehr staatsfixiert und trugen autorit\u00e4re Ma\u00dfnahmen wie den Gro\u00dfen Lockdown mit oder forderten gar seine Versch\u00e4rfung. Das f\u00fchrte dazu, dass Teile des gr\u00fcn-alternativen Spektrums ins andere Lager umschwenkten und immer st\u00e4rker nach rechts offen wurden. Das ist ein Problem. Die Linke h\u00e4tte eine eigenst\u00e4ndige Position entwickeln m\u00fcssen, die nicht autorit\u00e4tsgl\u00e4ubig ist, sondern pr\u00e4zise, gesundheitswissenschaftlich und epidemiologisch ausgewiesene Gegenma\u00dfnahmen mit einer Kampagne zur sofortigen Entkommerzialisierung und Rekommunalisierung des Gesundheitswesens verbindet.<\/p>\n<p><strong>Am Anfang Ihres neuen Buches \u00bbBlinde Passagiere\u00ab beschreiben Sie die lange Vorgeschichte der Pandemie. Es macht den Eindruck, dass man eigentlich mit einer solchen Katastrophe h\u00e4tte rechnen m\u00fcssen. Warum lief trotzdem so viel schief?<\/strong><\/p>\n<p>Es gab in der Tat Planspiele bez\u00fcglich einer schweren Pandemie. Die vorangegangenen Corona-Pandemien, Sars-CoV-1 in den Jahren 2002\/03 und Mers 2012, waren Weckrufe. Man ist in diesen Planspielen aber nur von Worst-Case-Szenarien ausgegangen und nicht von einem mittelschweren Pandemieverlauf wie jetzt bei Covid-19. Die Folge war, dass man davon ausging, dass das Gesundheitssystem sowieso zusammenbrechen w\u00fcrde und man sich deswegen nur auf die Aufrechterhaltung der lebensnotwendigen Infrastruktur konzentrieren sollte.<\/p>\n<p><strong>War das Gesundheitssystem f\u00fcr eine Pandemie \u00fcberhaupt gewappnet?<\/strong><\/p>\n<p>Das Gesundheitswesen ist in den vergangenen Jahrzehnten \u00f6konomisiert und weitgehend privatisiert worden. Schon in Normalsituationen ist es am Limit. Das betrifft sowohl das Personal als auch die Bettenkapazit\u00e4ten. Da gibt es keine Reserven. Das ist auch der Grund, warum die Pandemie einen so schweren Verlauf genommen hat und es zu Panikreaktionen kam.<\/p>\n<p><strong>Mit Panikreaktionen meinen Sie den Lockdown?<\/strong><\/p>\n<p>Ja. Statt eines Shutdowns mit seinen generellen Kontakt- und Mobilit\u00e4tsbeschr\u00e4nkungen h\u00e4tte man viel pr\u00e4ziser die vulnerablen Gruppen in den Alten- und Pflegeheimen und den Krankenh\u00e4usern sch\u00fctzen m\u00fcssen, denn Sars-CoV-2 ist f\u00fcr Menschen \u00fcber 70 Jahre und chronisch Kranke besonders gef\u00e4hrlich. Dort sind die Menschen gestorben. Dort wurde viel verkehrt gemacht. Stattdessen haben f\u00fchrende Gesundheitspolitiker, beispielsweise Herr Lauterbach, st\u00e4ndig die Situation weiter dramatisiert, statt die wirklichen Probleme zu benennen.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1159489.karl-lauterbach-der-wandelbare.html\">Er hatte eine Karriere als sozialdemokratischer Exponent der neoliberalen Deregulierung des Krankenhaus- und Gesundheitswesens hinter sich<\/a>. Von einem solchen Politiker k\u00f6nnen wir nicht erwarten, dass er die wirklichen Ursachen des Pandemiedesasters angeht.<\/p>\n<p><strong>Sie schreiben in Ihrem Buch, dass eine negative Folge der Worst-Case-Szenarien im Vorfeld der Pandemie war, dass man keine Vorr\u00e4te an basishygienischen Artikeln wie Schutzanz\u00fcge und Gesichtsmasken hielt, die bei der Eind\u00e4mmung einer Pandemie essenziell sind. Warum war das so?<\/strong><\/p>\n<p>Das hat damit zu tun, dass die kommerziellen Interessen der Pharmaindustrie im Vordergrund standen. Mit Desinfektionsmitteln und den Utensilien der Infektionshygiene l\u00e4sst sich nicht dieselbe Rendite wie mit neuen Medikamenten und Impfstoffen erzielen.<\/p>\n<p><strong>War es nicht aber auch bemerkenswert, dass es so schnell Impfstoffe gab?<\/strong><\/p>\n<p>Wie schnell Impfstoffe pr\u00e4sentiert werden konnten, war in der Tat bemerkenswert. Es gab jedoch eine Vorlaufzeit von mindestens 15 Jahren. Bereits seit der Sars-Epidemie von 2002\/03 forschte man in dieser Richtung. Die Gen-F\u00e4hren sind in der Krebstherapie schon seit mehr als zehn Jahren etabliert. Das hat aber nicht verhindert, dass die Welt in der Pandemiebek\u00e4mpfung zweigeteilt ist: in einen reichen Norden, der auf die High-Tech-Impfstoffe der gro\u00dfen Biotech- und Pharmakonzerne setzt, und den Rest der Welt, der haupts\u00e4chlich auf die traditionellen Totimpfstoffe angewiesen ist. Noch l\u00e4nger lie\u00df jedoch die Entwicklung wirksamer Medikamente auf sich warten.<\/p>\n<p><strong>Woran lag das?<\/strong><\/p>\n<p>Auch in Sachen Medikamente wurde bereits lange vor der Pandemie geforscht. Da gab es vielversprechende Ans\u00e4tze im Bereich der Sars-Forschung, denn der Erreger (Sars-CoV-1) ist mit Sars-CoV-2 eng verwandt. Doch wurden die Arbeiten daran zwischenzeitlich eingestellt. Ein Pfizer-Manager brachte den Grund daf\u00fcr ziemlich ehrlich auf den Punkt: \u00bbNo market, no research.\u00ab Wo es keinen Markt und keine Rendite gibt, gibt es auch keine Forschung.<\/p>\n<p><strong>Der Renditedruck f\u00fchrt also dazu, dass wichtige Medikamente nicht entwickelt werden?<\/strong><\/p>\n<p>Die Entwicklung von Impfstoffen und wirksamen Medikamenten ist ein globales Gemeingut. Das darf nicht den renditeorientierten Gro\u00dfkonzernen und dem Diktat der Patent- und Urheberrechte \u00fcberlassen werden. Neben der Rekommunalisierung des Gesundheitswesens muss sich eine sozialistisch orientierte Gesundheitspolitik auch f\u00fcr die \u00dcberf\u00fchrung der medizinischen Forschung in Gemeineigentum einsetzen.<\/p>\n<p><strong>Stichwort Sozialismus: Als linker Leuchtturm wird gerne Kuba gesehen, das trotz des US-Embargos und seiner begrenzten Mittel f\u00fcnf eigene Impfstoffe entwickelt hat. Kann man von Kuba bei der Pandemiebek\u00e4mpfung etwas lernen?<\/strong><\/p>\n<p>Bei der Impfstoffentwicklung haben die Kubaner einen interessanten Mittelweg zwischen den modernen und traditionellen Ans\u00e4tzen gew\u00e4hlt. Auch in anderen Bereichen war das kubanische Gesundheitswesen sehr effizient &#8211; trotz aller Engp\u00e4sse. Es setzte zum Beispiel fr\u00fcher als die Metropolen auf allgemein wirksame Medikamente, um schwere und schwerste Verl\u00e4ufe einzud\u00e4mmen. Was die Behandlung und Vorbeugung von Sars-CoV-2 angeht, war Kuba im Vergleich zu Lateinamerika und der Karibik-Region vorbildlich.<\/p>\n<p><strong>Ein Ansatz, mit dem Linke auf die Coronakrise reagieren wollten,\u00a0<\/strong><a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1147969.zero-covid-alle-raeder-stehen-still.html\"><strong>war die Zero-Covid-Initiative<\/strong><\/a><strong>. Diese kritisieren Sie scharf. Warum?<\/strong><\/p>\n<p>Der Ansatz von Zero Covid war unrealistisch und letztlich unverantwortlich. Er ging davon aus, dass die Pandemie durch einen rigorosen Shutdown in sechs bis acht Wochen beendet h\u00e4tte werden k\u00f6nnen. Doch so einfach ist das nicht, es wird den wesentlichen epidemiologischen Eigenschaften von Covid-19 nicht gerecht. Zudem war die Zero-Covid-Kampagne eurozentristisch und extrem staatsfixiert. Wer einen europaweiten Shutdown fordert, fordert auch die Schlie\u00dfung von Grenzen und eine Abschottung von der \u00fcbrigen Welt. Eine globale Pandemiedynamik kann aber nur durch ein global koordiniertes Vorgehen einged\u00e4mmt werden.<\/p>\n<p><strong>War nicht ein sympathischer Ansatz von Zero Covid, dass auch der kapitalistische Normalbetrieb eingestellt werden sollte zur Pandemiebek\u00e4mpfung? So gab es zum Beispiel 2020 Hotspots beim Fleischkonzern T\u00f6nnies und bei den Erntehelfern, die in diesem Zuge skandalisiert wurden.<\/strong><\/p>\n<p>Dass in diesen Bereichen zur Eind\u00e4mmung des Infektionsrisikos etwas gemacht werden musste, liegt auf der Hand. Trotzdem w\u00e4re ein allgemeiner Shutdown, wie ihn Zero Covid gefordert hat, unrealistisch gewesen. Er h\u00e4tte zu einer katastrophalen und unkontrollierbaren Krisenentwicklung gef\u00fchrt. Auch viele Arbeiter*innen h\u00e4tten ihn aus Angst um ihre Jobs nicht mitgetragen. Denn man darf nicht vergessen: Auf globaler Ebene gab es den Shutdown durch den Zusammenbruch der Lieferketten. Tausende Fabriken wurden zeitweilig geschlossen, weil es keine Vorprodukte gab. Im ersten Pandemiejahr waren weltweit 485 Millionen Arbeitspl\u00e4tze weggefallen. Nur in den Metropolen wurde das durch Kurzarbeitergeld kompensiert, allerdings mit Ausnahme der USA und Kanadas. In den Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4ndern verloren die Arbeiter*innen mit ihrer Arbeit ihre Existenzgrundlage, vor allem im informellen Sektor.<\/p>\n<p><strong>Wie h\u00e4tte eine radikale Staatskritik aussehen sollen?<\/strong><\/p>\n<p>Bei der Pandemiebek\u00e4mpfung geht es um keine allgemeine, radikale Staatskritik. Es geht um eine sehr konkrete Kritik konkreter Ma\u00dfnahmen und ihrer Akteure. Die politischen Entscheidungszentren haben einen ziellosen Aktionismus entwickelt, um die tats\u00e4chlichen Ursachen des Desasters, die Skelettierung und Kommerzialisierung des \u00f6ffentlichen Gesundheitswesens, zu verschleiern.<\/p>\n<p><strong>Was h\u00e4tte Zero Covid dann machen sollen?<\/strong><\/p>\n<p>Man h\u00e4tte gemeinsam mit den Gesundheitsarbeiter*innen in der Pflege und den Krankenh\u00e4usern eine Kampagne starten m\u00fcssen, um die besonders gef\u00e4hrdeten chronisch Kranken und alten Menschen durch das sofortige Hochfahren der Infektionshygiene zu sch\u00fctzen. Das setzte zugleich die massive und sofort greifende Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen voraus: Eine Arbeitszeitverk\u00fcrzung auf 30 Wochenstunden, sofortige Lohnerh\u00f6hungen und der Abschluss von Tarifvertr\u00e4gen f\u00fcr alle Besch\u00e4ftigten w\u00e4ren m\u00f6gliche Forderungen gewesen. Viele Pflegekr\u00e4fte haben die Altenheime und Intensivstationen bereits verlassen, weil sie v\u00f6llig ausgepowert sind.<\/p>\n<p><strong>In Ans\u00e4tzen gab es dies zum Beispiel bei der Berliner Krankenhausbewegung. Doch nun scheint man wieder zur Tagesordnung \u00fcbergehen zu wollen. Namhafte Virologen behaupten bereits, dass Corona bald endemisch werde und die Pandemie \u00fcberstanden sei.<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00e4re da vorsichtiger. Die Pandemie ist mit der Omikron-Variante zwar weniger gef\u00e4hrlich als in den voraufgegangenen Wellen, aber ein Ende ist noch nicht in Sicht. Wann Covid-19 endemisch wird, ist noch nicht klar.<\/p>\n<p><strong>Was macht Sie so pessimistisch?<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin nicht pessimistisch, aber skeptisch. Auch wenn Corona vielleicht im Sommer endemisch wird, k\u00f6nnen im Herbst und Winter immer wieder neue Varianten auftreten, die neue Pandemiewellen ausl\u00f6sen. Das ist auch bei der Influenza zu beobachten. So war es zum Beispiel bei der Asiatischen Grippe 1957\/58, der Hongkong-Grippe 1968 oder der Influenza-Pandemie 2017\/18. Diese Ausbr\u00fcche waren nicht mehr endemisch, also lokal begrenzt, und dabei sind viele Menschen gestorben. Die ganze Geschichte ist noch nicht zu Ende. Es gibt das Problem Long Covid, \u00fcber das wir noch wenig wissen. Zudem bilden sich in vielen Wild-, Haus- und Nutztierarten neue Reservoire f\u00fcr neue Varianten, die wieder auf den Menschen \u00fcberspringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Werden wir dann fr\u00fcher als gedacht mit neuen Pandemien rechnen m\u00fcssen?<\/strong><\/p>\n<p>Wir werden wahrscheinlich in 10 bis 20 Jahren die n\u00e4chste schwere Pandemie erleben, vielleicht auch schon fr\u00fcher. Unsere Epoche neigt besonders zu Pandemien. Der Kapitalismus produziert mit dem Klimawandel, der Massentierhaltung und der fortschreitenden Naturzerst\u00f6rung seine eigenen Pandemien. Seit dem Beginn des neuen Millenniums haben wir bereits mehrere globale Ausbr\u00fcche neuartiger Krankheitserreger erlebt. Sars-CoV-1 ist noch immer endemisch. Ebenso ist Mers noch nicht ausgerottet. Und man darf nicht vergessen, dass wir noch immer eine schleichende Aids-Pandemie haben, die in einigen Weltregionen virulent ist. Aktuell sind weltweit 37,5 Millionen Menschen an Aids erkrankt. Es gibt zwar inzwischen effiziente Medikamente, aber noch immer keinen Impfstoff.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1161466.karl-heinz-roth-zur-corona-pandemie-zero-covid-war-eurozentristisch-und-extrem-staatsfixiert.html\"><em>Neues Deutschland.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 20. Februar 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karl Heinz Roth \u00fcber das katastrophale Corona-Krisenmanagement und die Lehren aus der Pandemie f\u00fcr die Linke. 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