{"id":10957,"date":"2022-03-16T11:56:29","date_gmt":"2022-03-16T09:56:29","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10957"},"modified":"2022-03-16T11:56:31","modified_gmt":"2022-03-16T09:56:31","slug":"ukraine-krieg-am-ende-zahlen-die-armen-fuer-die-sanktionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10957","title":{"rendered":"Ukraine-Krieg: Am Ende zahlen die Armen f\u00fcr die Sanktionen"},"content":{"rendered":"<p><em>Simon Zamora Martin. <\/em><strong>Die Sanktionen gegen Russland werden auch in Deutschland immer sp\u00fcrbarer. Die explodierenden Energiepreise sind ein starker Ausdruck davon. Am Ende zahlen wieder die Armen.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Die Energiepreise schie\u00dfen in die H\u00f6he. Statt alle Energiepreise festzuschreiben, stellt Finanzminister Lindner (FDP) lediglich einen Bonus f\u00fcrs Tanken in Aussicht. Und Teile der deutschen Linken finden selbst die Debatte dar\u00fcber, wie steigende Energiepreise abgefedert werden k\u00f6nnen, unsolidarisch und rufen in ihrem kleinb\u00fcrgerlichen Geist zum Fahrradfahren gegen Putin oder Frieren f\u00fcr die Ukraine auf. Was beide Positionen gemeinsam haben, ist ihre offene oder versteckte Verachtung f\u00fcr die Armen. Sie sollen nach dieser Logik f\u00fcr die Krise zahlen.<\/p>\n<p>Das Bundeswirtschaftsministerium rechnet damit, dass eine durchschnittliche Familie im unsanierten Einfamilienhaus dieses Jahr 2.000 Euro mehr f\u00fcr Gas ausgeben wird. Auch f\u00fcr Mieter:innen in energetisch, unsanierten H\u00e4usern mit z\u00fcgigen Fenstern wird die Preissteigerung sp\u00fcrbar sein. Seit dem Beginn der Ukrainekrise Ende 2021 ist der Strompreis in die H\u00f6he geschnellt und lag zwischenzeitlich bei 492 Prozent gegen\u00fcber dem Vorjahresmonat. Kleinere Versorger haben bereits viele Liefervertr\u00e4ge gek\u00fcndigt, sodass diese Vertr\u00e4ge bei den Grundversorgern abschlie\u00dfen m\u00fcssen. Mehr als die H\u00e4lfte der Grundanbieter haben ihre Preise f\u00fcr Neukund:innen um durchschnittlich 64 Prozent erh\u00f6ht. Diesel ist heute ein Drittel teurer als noch vor einem Monat. Einige Wirtschaftswissenschaftler:innen sprechen mittlerweile dar\u00fcber, dass der Preisanstieg dieses Jahr noch die bisher gr\u00f6\u00dfte \u00d6lkrise der Geschichte \u00fcbertreffen k\u00f6nnte: die von 1973. Aber die Spritpreis-Spirale betrifft nicht nur Arbeiter:innen auf dem Land, die auf das Auto angewiesen sind, um auf Arbeit zu kommen. In einem Land, in dem 70 Prozent der G\u00fcter auf der Stra\u00dfe transportiert werden, heizen die steigenden Spritpreise die allgemeine Inflation kr\u00e4ftig an und vor allem Nahrungsmittel werden deutlich teurer.<\/p>\n<p>Lindners Vorsto\u00df eines Bonus f\u00fcrs Tanken ist so unzureichend wie er unsozial ist. Nach seinem Vorschlag sollen die Tankstellen einen Rabatt von 30-40 Cent je Liter einr\u00e4umen, den sie sich dann vom Finanzministerium zur\u00fcckholen k\u00f6nnen. Die Preissteigerungen in Strom und Gas interessieren Lindner offenbar wenig. Wenn die Dynamik bei den Benzinpreisen anh\u00e4lt, d\u00fcrften 30-40 Cent ein Tropfen auf den hei\u00dfen Stein sein. Doch auch in den Reihen der Regierung st\u00f6\u00dft Lindners Vorsto\u00df auf Kritik. Wirtschaftsminister Habeck (Gr\u00fcne) kritisiert die FDP-Pl\u00e4ne. Ein Hilfspaket m\u00fcsse alle Energietr\u00e4ger umfassen, es m\u00fcssen Energie eingespart werden und \u201ees braucht immer ein marktwirtschaftliches Signal\u201c, so Habeck. Es m\u00fcsse sich immer lohnen, Energie zu sparen. M\u00f6glicherweise schweben ihm Ma\u00dfnahmen vor wie der Anfang Februar beschlossene Heizkostenzuschuss. Wohngeldempf\u00e4nger:innen sollen einmalig 135\u20ac bekommen. Aber nur Wohngeldempf\u00e4nger:innen. Keine Arbeitslosen, Studierenden und Besch\u00e4ftigte im Niedriglohnsektor.<\/p>\n<p>Auf Social Media war hingegen in der letzten Woche oft eine Kritik aus einer ganz anderen Richtung zu lesen: Linksliberale, die eine Begrenzung der Spritpreise prinzipiell ablehnen, da sie in teureren Benzinpreisen den Weg in eine CO2-neutrale Welt sehen. Das Katapult-Magazin<strong>\u00a0<\/strong><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/Ca-I_0CKYsR\/\"><strong>ver\u00f6ffentlichte einen Post<\/strong><\/a>, in dem sie behaupteten, wer seine Heizung aufdreht, finanziert den russischen Angriffskrieg. Auch Journalist:innen, wie der Monitor-Moderator Georg Restle, spielen<strong>\u00a0<\/strong><a href=\"https:\/\/twitter.com\/georgrestle\/status\/1501162480508280836\"><strong>auf Twitter<\/strong><\/a>\u00a0die Debatte \u00fcber die Benzinpreis-Spirale gegen das Leid der Menschen in der Ukraine aus. Sicherlich steht es au\u00dfer Frage, dass die Angst vor Armut nicht vergleichbar ist mit der Angst um das eigene Leben. Aber verschiedene Katastrophen, die der Krieg und die Kriegstreiberei mit sich bringen, d\u00fcrfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Es ist einfach, mit einem guten Gehalt zu sagen, dass wir hier zu Lande den G\u00fcrtel etwas enger schn\u00fcren m\u00fcssen, um Russland \u00f6konomisch in die Knie zu zwingen. Letztendlich hei\u00dft es aber, dass die Armen die Krise zahlen m\u00fcssen. Nicht nur in Deutschland: Auch in Russland m\u00fcssen die Armen gr\u00f6\u00dftenteils die Last der Sanktionen tragen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/energiepreisdebatte-am-ende-zahlen-die-armen-fuer-die-sanktionen\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 16. M\u00e4rz 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Simon Zamora Martin. Die Sanktionen gegen Russland werden auch in Deutschland immer sp\u00fcrbarer. Die explodierenden Energiepreise sind ein starker Ausdruck davon. 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