{"id":10988,"date":"2022-03-24T11:00:06","date_gmt":"2022-03-24T09:00:06","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10988"},"modified":"2022-03-24T11:00:07","modified_gmt":"2022-03-24T09:00:07","slug":"die-usa-draengen-auf-militaerische-eskalation-gegen-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=10988","title":{"rendered":"Die USA dr\u00e4ngen auf milit\u00e4rische Eskalation gegen Russland"},"content":{"rendered":"<p><em>Alex Lantier. <\/em>US-Pr\u00e4sident Joe Biden traf am Mittwoch zu zweit\u00e4gigen Gespr\u00e4chen mit den Staatschefs des Europ\u00e4ischen Rats und anschlie\u00dfend mit der Nato ein. Mit seinem Besuch will er sicherstellen, dass die Nato trotz der wachsenden Gefahr eines Atomkriegs die Milit\u00e4roperationen gegen Russland versch\u00e4rft.<!--more--><\/p>\n<p>Bidens nationaler Sicherheitsberater, Jake Sullivan, erkl\u00e4rte am Dienstag auf eine Frage zu Bidens Besuch, der Krieg werde auf unbegrenzte Zeit weitergehen. Berichte \u00fcber Erfolge bei den russisch-ukrainischen Verhandlungen \u00fcber ein Ende des Kriegs, der mit der russischen Invasion der Ukraine am 24. Februar begann, wies er zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Sullivan erkl\u00e4rte: \u201eDieser Krieg wird nicht leicht oder schnell zu Ende gehen. In den letzten Monaten zeigte sich der Westen geschlossen. Jetzt reist der Pr\u00e4sident nach Europa, um sicherzustellen, dass wir geeint bleiben, um unsere gemeinsame Entschlossenheit zu festigen und ein starkes Signal auszusenden, dass wir bereit sind und uns engagieren, so lange es dauert.\u201c<\/p>\n<p>Bei seinem Besuch in Polen am 25. M\u00e4rz wird Biden \u00fcber Pl\u00e4ne f\u00fcr einen Einsatz von Nato-Bodentruppen in der Ukraine diskutieren. Zuvor hatte sich Polen f\u00fcr die Entsendung von Nato-Truppen in die Ukraine im Rahmen einer \u201eFriedensmission\u201c ausgesprochen.<\/p>\n<p>Die amerikanische UN-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield dementierte, dass sich im Moment US-Soldaten in der Ukraine befinden, gab aber anderen Nato-Staaten gr\u00fcnes Licht f\u00fcr einen Einmarsch: \u201eIch kann nicht im Vorfeld sagen, welche Entscheidungen bei der Nato-Konferenz gef\u00e4llt werden oder wie die Nato auf den polnischen Vorschlag reagieren wird [Friedenstruppen in die Ukraine zu schicken]. Ich kann jedoch sagen, dass sich derzeit keine amerikanischen Truppen in der Ukraine befinden&#8230; Andere Nato-Staaten k\u00f6nnten jedoch beschlie\u00dfen, Truppen in die Ukraine zu schicken.\u201c<\/p>\n<p>Thomas-Greenfields Behauptung, es bef\u00e4nden sich keine US-Soldaten in der Ukraine, ist irref\u00fchrend und falsch. Private US-S\u00f6ldnerfirmen wie Academi (ehemals Blackwater) und paramilit\u00e4rische Einheiten der CIA unterst\u00fctzen nationalistische ukrainische Milizen und Einheiten der Armee gegen Russland. Allerdings wird eine deutliche Eskalation vorbereitet: Laut ehemaligen US-Offizieren k\u00f6nnte das Pentagon die derzeitige Streitmacht von 100.000 US-Soldaten in Europa verdoppeln.<\/p>\n<p>Wenn die Nato einen Bodenkrieg gegen Russland beginnen w\u00fcrde, k\u00f6nnte dieser zu einem globalen Atomkrieg eskalieren. Das russische Milit\u00e4r verf\u00fcgt \u00fcber sch\u00e4tzungsweise eine Million regul\u00e4re Soldaten. Davon sind 150.000 \u2013 haupts\u00e4chlich Elite-Panzereinheiten \u2013 in blutige K\u00e4mpfe in der Ukraine verwickelt. Die Nato-Streitkr\u00e4fte verf\u00fcgen mit etwa 3,3 Millionen Mann weltweit \u00fcber eine \u00fcberw\u00e4ltigende zahlenm\u00e4\u00dfige \u00dcberlegenheit und bereiten sich ganz offen auf Milit\u00e4roperationen in der Ukraine vor.<\/p>\n<p>Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wurde am Dienstag in einem Interview mit CNN provokant nach Russlands Bereitschaft zum Einsatz von Atomwaffen gefragt.<\/p>\n<p>Peskow betonte, Russland w\u00fcrde dann Atomwaffen einsetzen, wenn der Kreml das \u00dcberleben der russischen Nation bedroht sieht: \u201eWir haben ein Konzept f\u00fcr innere Sicherheit, das auch \u00f6ffentlich ist. Sie k\u00f6nnen alle Gr\u00fcnde f\u00fcr den Einsatz von Atomwaffen nachlesen. Wenn also eine existenzielle Bedrohung f\u00fcr unser Land besteht, k\u00f6nnte [das Atomarsenal] in \u00dcbereinstimmung mit unserem Konzept zum Einsatz kommen.\u201c<\/p>\n<p>Peskow erkl\u00e4rte gegen\u00fcber CNN auch, welche reaktion\u00e4ren Kalkulationen den Kreml zur Invasion in die Ukraine bewogen haben. Man sei besorgt gewesen wegen eines drohenden Einmarschs des rechtsextremen Regimes in Kiew in die russischsprachigen Separatistengebiete der Ostukraine wie dem Donbass. Zudem sei der Kreml zunehmend frustriert dar\u00fcber gewesen, wie die Nato Russland in den Jahrzehnten seit der Aufl\u00f6sung der Sowjetunion durch die stalinistische B\u00fcrokratie im Jahr 1991 behandelt hat.<\/p>\n<p>\u201ePr\u00e4sident [Wladimir] Putin will, dass die Welt unsere Bedenken h\u00f6rt und versteht\u201c, sagte Peskow. \u201eWir haben seit Jahrzehnten versucht, der Welt unsere Bedenken mitzuteilen, zuerst Europa, dann den USA, aber niemand wollte uns zuh\u00f6ren.\u201c<\/p>\n<p>Russlands Verzweiflung habe zugenommen, als die USA und die Nato die Ukraine durch Waffen- und sonstige Lieferungen in einen schwer bewaffneten Nato-Vorposten direkt an der russischen Grenze verwandelten. Moskau hoffte laut Peskow darauf, dass \u201edie Ukraine sich nie auf einen Angriff gegen den Donbass\u201c vorbereiten wird, und setzte weiter auf die Gespr\u00e4che des \u201eNormandie-Formats\u201c zwischen Berlin, Paris, Kiew und Moskau. Doch, wie Peskow erkl\u00e4rte, \u201ehat niemand die Ukrainer davor [vor einem Angriff auf den Donbass] gewarnt. Niemand dr\u00e4ngte die Ukrainer zu einer L\u00f6sung im Rahmen des Normandie-Formats. Niemand hat es getan.\u201c<\/p>\n<p>Peskow deutete an, der Kreml sei zu dem Schluss gekommen, er m\u00fcsse die imperialistischen Nato-M\u00e4chte milit\u00e4risch einsch\u00fcchtern, um eine Einigung mit ihnen zu erzielen. Nachdem die Ukraine etwa 120.000 Soldaten an der Front zum Donbass zusammengezogen hatte, war \u201euns und unseren Milit\u00e4rspezialisten sehr deutlich geworden, dass die Ukraine eine Offensive gegen die Region Donbass plante\u201c. Moskau habe erkannt, dass \u201eniemand [Russlands] Bedenken anh\u00f6ren wird\u201c, bevor es seine Milit\u00e4roperationen beginnt.<\/p>\n<p>Die enorme Gefahr eines weltweiten milit\u00e4rischen Fl\u00e4chenbrands beruht auf den katastrophalen Konsequenzen der Aufl\u00f6sung der Sowjetunion durch die stalinistische B\u00fcrokratie. In mehr als 30 Jahren hat die Nato L\u00e4nder in ganz Osteuropa in ihr B\u00fcndnis aufgenommen und ist immer n\u00e4her an Russlands Grenzen ger\u00fcckt, w\u00e4hrend sie im Nahen Osten und Zentralasien w\u00fctete und u.a. den Irak, Jugoslawien, Afghanistan, Libyen und Syrien angriff. Jetzt stationiert sie Truppen direkt an Russlands Grenzen in Polen, den baltischen Staaten und potenziell auch in der Ukraine.<\/p>\n<p>Peskows \u00c4u\u00dferungen zeigen die reaktion\u00e4ren Vorstellungen der F\u00fchrer des postsowjetischen kapitalistischen Regimes in Russland, die in den falschen stalinistischen Theorien von der \u201efriedlichen Koexistenz\u201c mit dem Imperialismus ausgebildet wurden. Weil ihre Versuche, eine Einigung mit den Nato-M\u00e4chten zu erzielen \u2013 die sie als ihre \u201ewestlichen Partner\u201c bezeichnen \u2013 st\u00e4ndig entt\u00e4uscht wurden, hatten sie darauf spekuliert, die Nato durch eine glaubw\u00fcrdige milit\u00e4rische Drohung zu Verhandlungen zu zwingen. Dieses Hasardspiel scheitert gerade.<\/p>\n<p>Der Kreml hat zwar den ersten Schuss abgegeben, doch die imperialistischen Nato-M\u00e4chte haben Russland zu dem Krieg angestachelt. Jetzt reagieren sie auf Putins Invasion in der Ukraine und Moskaus atomare Drohungen, indem sie ihre Operationen verst\u00e4rken. Obwohl Peskow betont, dass der Kreml eine Verhandlungsl\u00f6sung anstrebt, setzen die Nato-M\u00e4chte ihren Kurs r\u00fccksichtslos fort und riskieren einen Atomkrieg.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die amerikanischen und europ\u00e4ischen Medien Russland f\u00fcr seine Milit\u00e4roperationen in der Ukraine verteufeln, sind die Milit\u00e4r- und Geheimdienstoffiziere der Nato scheinbar zu dem haltlosen und \u00e4u\u00dferst gef\u00e4hrlichen Schluss gekommen, dass Moskau davor zur\u00fcckschrecken wird, schwere Waffen einzusetzen.<\/p>\n<p>Der Milit\u00e4rkorrespondent William Arkin schrieb am Dienstag einen Artikel in\u00a0<em>Newsweek<\/em>\u00a0\u00fcber die russische Taktik in der Ukraine, der auf US-Geheimdienstquellen basierte. Sie betonten, dass Moskau Luftschl\u00e4ge und Artillerie, die gro\u00dfe Sch\u00e4den in den ukrainischen St\u00e4dten verursachen, nur relativ begrenzt eingesetzt hat. Arkin schrieb, fast einen Monat nach Kriegsbeginn h\u00e4tten russische Flugzeuge \u201eetwa 1.400 Angriffsmissionen geflogen und fast 1.000 Raketen abgefeuert.\u201c Die USA hingegen haben \u201ealleine am ersten Tag des Irakkriegs 2003 mehr Eins\u00e4tze geflogen und mehr Waffen eingesetzt.\u201c<\/p>\n<p>Ein hochrangiger Vertreter des US-Geheimdienstes Defense Intelligence Agency erkl\u00e4rte gegen\u00fcber Arkin: \u201eDie Innenstadt von Kiew ist fast unber\u00fchrt. Und fast alle Angriffe mit Langstreckenwaffen galten milit\u00e4rischen Zielen. Ich wei\u00df, es ist nicht einfach&#8230; dass die Zerst\u00f6rung und das Sterben schlimmer sein k\u00f6nnten, aber das zeigen die Fakten. Das deutet zumindest meiner Meinung nach darauf hin, dass Putin nicht vors\u00e4tzlich Zivilisten angreift und bedenkt, dass er den Schaden begrenzen muss, um sich einen Ausweg durch Verhandlungen offen zu halten.\u201c<\/p>\n<p>In Europa rechnen die offiziellen Kreise offensichtlich mit der zunehmenden Wahrscheinlichkeit eines nuklearen Konflikts, der schnell zur Zerst\u00f6rung eines oder aller europ\u00e4ischen Staaten f\u00fchren k\u00f6nnte. Professor Beno\u00eet Pelopidas, ein Experte f\u00fcr Atomwaffen an der Sciences Po, einer Universit\u00e4t f\u00fcr Politikwissenschaften in Paris, betonte am Dienstag in einem Interview mit France Info Frankreichs Verwundbarkeit gegen\u00fcber einem Atomangriff.<\/p>\n<p>Pelopidas erkl\u00e4rte: \u201eDie politischen und milit\u00e4rischen Eliten Frankreichs setzen auf die nukleare Abschreckung.\u201c Doch unter extremen politischen Bedingungen k\u00f6nnte Frankreichs Atomarsenal nicht mehr ausreichen, um Russland oder andere M\u00e4chte daran zu hindern, Atomwaffen einzusetzen, sodass Frankreich die Vernichtung droht, wenn Russland und die Nato immer gr\u00f6\u00dfere Salven von Atomwaffen aufeinander abfeuern.<\/p>\n<p>Weiter sagte er: \u201eBereits in den 1950ern wies ein Bericht des Nationalen Zivilschutzes darauf hin, dass 15 thermonukleare Bomben ausreichen w\u00fcrden, um Frankreich zu zerst\u00f6ren.\u201c Da Frankreich fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig das gr\u00f6\u00dfte Land Westeuropas ist, w\u00fcrde die Vernichtung anderer L\u00e4nder noch weniger Bomben erfordern. Der Bau unterirdischer Bunker k\u00f6nnte die Bev\u00f6lkerung vielleicht sch\u00fctzen, aber \u201ewenn es um mehr als eine sehr kleine Zahl von [atomaren] Explosionen geht, hat sich gezeigt, dass diese Schutzr\u00e4ume nur illusorischen Schutz bieten\u201c.<\/p>\n<p>Die Arbeiter in ganz Europa und der Welt m\u00fcssen gewarnt werden: Da die Nato-M\u00e4chte die milit\u00e4rische Eskalation in Europa forcieren, ist ein Atomkrieg eine eindeutige und akute Gefahr.<\/p>\n<p>Appelle an die Vernunft der herrschenden Klassen der Nato-Staaten werden auf taube Ohren sto\u00dfen. Ein katastrophaler Konflikt kann nur verhindert werden, wenn die internationale Arbeiterklasse vor der wachsenden Kriegsgefahr gewarnt und in einer m\u00e4chtigen sozialistischen Antikriegsbewegung mobilisiert wird.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2022\/03\/23\/bide-m23.html\"><em>wsws.org\/de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 24. M\u00e4rz 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alex Lantier. US-Pr\u00e4sident Joe Biden traf am Mittwoch zu zweit\u00e4gigen Gespr\u00e4chen mit den Staatschefs des Europ\u00e4ischen Rats und anschlie\u00dfend mit der Nato ein. 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