{"id":11175,"date":"2022-04-28T15:45:17","date_gmt":"2022-04-28T13:45:17","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11175"},"modified":"2022-04-28T15:45:18","modified_gmt":"2022-04-28T13:45:18","slug":"eine-kritische-bestandsaufnahme-der-aktionen-gegen-den-krieg-in-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11175","title":{"rendered":"Eine kritische Bestandsaufnahme der Aktionen gegen den Krieg in Russland"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.akweb.de\/autor-in\/gruppe-alternative-linke\/\"><em>Gruppe Alternative Linke<\/em><\/a><em>. <\/em><strong>Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der Russ*innen (etwa 65 bis 70 Prozent) die so genannte \u00bbSpezialoperation\u00ab unterst\u00fctzt. Dies belegen sowohl die Daten des WZIOM und der Stiftung \u00d6ffentliche Meinung als auch die Ergebnisse von Untersuchungen unabh\u00e4ngiger Soziolog*innen.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>In der Praxis ist es etwas komplizierter. Selbst in Friedenszeiten stehen die Menschen Versuchen, sie zu politischen Fragen zu interviewen, skeptisch gegen\u00fcber. Zu der traditionellen Skepsis der Russ*innen kommen jetzt noch die repressiven Gesetze hinzu, die die Kontrolle \u00fcber die Medien und Meinungs\u00e4u\u00dferungen versch\u00e4rfen. Die Gegner*innen der \u00bbSpezialoperation\u00ab werden m\u00f6glicherweise aus Angst vor politischer Verfolgung die Antwort verweigern, w\u00e4hrend Bef\u00fcrworter*innen der staatlichen Au\u00dfenpolitik nichts zu bef\u00fcrchten haben.<\/p>\n<p>Selbst bei den pessimistischsten Berechnungen unterst\u00fctzen Millionen von Russ*innen die \u00bbSpezialoperation\u00ab nicht \u2013 oder haben zumindest eine ambivalente Wahrnehmung der Ereignisse. Eine andere Frage ist, wie viele derjenigen, die dagegen sind, auch bereit sind, ihre Ablehnung offen zu \u00e4u\u00dfern. Und was noch interessanter ist \u2013 welche politischen Kr\u00e4fte in der Lage sind, den Protest zu lenken.<\/p>\n<p><strong>Die Aktionen von Wesna<\/strong><\/p>\n<p>Die Protestwelle im Januar und Februar 2021 war das letzte Aufblitzen, bevor die \u00c4ra der politischen Reaktion begann. Auch die Hoffnungen auf einen neuen Aufschwung im Zusammenhang mit den manipulierten Duma-Wahlen haben sich nicht erf\u00fcllt. Vor einem Jahr war das Nawalny-Team die einzige politische Kraft, die in der Lage war, den Protest anzuf\u00fchren, aber im Laufe des Jahres 2021 wurden dessen Strukturen zerschlagen, und die Anf\u00fchrer*innen (mit Ausnahme von Alexej Nawalny selbst) sind ausgewandert.<\/p>\n<p>Die Tagesordnung hat sich ge\u00e4ndert. Das Problem der Demokratisierung des Regimes ist jetzt in den Hintergrund getreten, w\u00e4hrend sich die Fragen der Beendigung der Kampfhandlungen und der Aufhebung der Sanktionen, die Tausende von Russ*innen arbeitslos gemacht haben, in aller Sch\u00e4rfe stellen. Meinungsumfragen zufolge ist der h\u00f6chste Prozentsatz an Gegner*innen der \u00bbSpezialoperation\u00ab unter denjenigen zu finden, die nicht einmal genug Geld f\u00fcr Lebensmittel haben.<\/p>\n<p>Wenn es ein Bed\u00fcrfnis gibt zu protestieren, muss jemand daf\u00fcr ein Angebot machen. Die liberale Bewegung Wesna (Fr\u00fchling) versuchte, den Protest zu koordinieren. Am 24. Februar ver\u00f6ffentlichte sie einen Aufruf zu Demonstrationen um 19 Uhr auf den zentralen Pl\u00e4tzen der St\u00e4dte. Der Aufruf von Wesna wurde von oppositionellen Gruppen und Kan\u00e4len verbreitet. Am ersten Tag der \u00bbSpezialoperation\u00ab gingen in ganz Russland Tausende von Menschen auf die Stra\u00dfe \u2013 nat\u00fcrlich waren diese nicht alle von Wesna mobilisiert worden. 1.965 Personen wurden inhaftiert. Nach der Kundgebung am 24. Februar rief Wesna zu Kundgebungen am Sonntag, den 27. Februar, auf. Jeden Tag, sowohl am 25. als auch am 26. Februar, gingen Demonstrant*innen auf die Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>Die Antikriegsproteste am 27. Februar fielen mit dem j\u00e4hrlichen Gedenken an Boris Nemzow zusammen. Wenige Stunden vor der Kundgebung hatte Wesna ihren Kundgebungsort in Moskau vom Puschkin-Platz zum Au\u00dfenministerium verlegt und einen Marsch zur Christ-Erl\u00f6ser-Kathedrale vorgeschlagen, um dort einen Gottesdienst zur Beendigung der Kampfhandlungen abzuhalten. Nur wenige verstanden die Anspielung auf den Punk-Gottesdienst von Pussy Riot. Verwirrte Menschen versammelten sich in Moskau gleich an drei Orten: dem Puschkin-Platz, der Nemzow-Br\u00fccke und dem Au\u00dfenministerium. Letztendlich fand an keinem der angek\u00fcndigten Orte in der Hauptstadt eine echte Massenaktion statt. Am Ende des Tages waren in ganz Russland 2.855 Personen festgenommen worden, davon \u00fcber tausend in Moskau und St. Petersburg.<\/p>\n<p>Am 1. M\u00e4rz k\u00fcndigte Wesna eine \u00bbneue\u00ab Taktik an: Mahnwachen an U-Bahn-Stationen. Demnach sollten die Aktivist*innen jeden Abend an der n\u00e4chstgelegenen U-Bahn-Station eine Mahnwache abhalten. Das Format der U-Bahn-Mahnwache hat bei liberalen Aktivist*innen bereits Tradition, fand aber keine Unterst\u00fctzung bei den jetzigen Protesten.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag, dem 2. M\u00e4rz, kam ein Aufruf von Alexej Nawalny selbst. Das Nawalny-Team schlug vor, jeden Tag um 19 Uhr und am Wochenende um 14 Uhr Kundgebungen abzuhalten. Der Aufruf wurde von Wesna und anderen oppositionellen Bewegungen unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Die Taktik der t\u00e4glichen Kundgebungen erwies sich als Fehlschlag. Die Zahl der Demonstrant*innen (auch bei den Aktionen an den Sonntagen, 6. und 13. M\u00e4rz, sowie am 2. April) schwand von Tag zu Tag, was die Zahl der festgenommenen Personen in keiner Weise reduzierte. Nach Angaben von OVD-Info (einer Menschenrechtsorganisation; Anmerkung des \u00dcbersetzers), die jetzt als ausl\u00e4ndische Agentin eingestuft ist, wurden seit dem 24. Februar mehr als 15.000 Demonstrant*innen bei Antikriegskundgebungen festgenommen. Die Beh\u00f6rden schlugen nun den Weg einer Politik der maximalen Einsch\u00fcchterung ein: zahlreiche F\u00e4lle von Polizeibrutalit\u00e4t wurden dokumentiert, es gab eine Welle von Durchsuchungen bei Aktivist*innen im ganzen Land, und wir haben von Folterungen auf der Polizeistation von Brateyevo erfahren. Der Anteil der Frauen unter den Inhaftierten ist deutlich gestiegen.<\/p>\n<p>Aktivist*innen, die bereit sind, sieben Tage in der Woche zu k\u00e4mpfen, gibt es so gut wie nicht. Aufgrund der Repressionen der letzten Jahre haben viele Aktivist*innen der alten Generation das Land verlassen oder sind ins Gef\u00e4ngnis gegangen, w\u00e4hrend sich die neue Generation noch nicht herausgebildet hat. Und wie kann sie herausgebildet werden, wenn sich laut dem Meinungsforschungsinstitut Levada, das jetzt ebenfalls den Status eines ausl\u00e4ndischen Agenten hat, ab 2020 nur noch ein Prozent der jungen Menschen politisch engagiert und 80 Prozent der jungen Russ*innen \u00fcberhaupt nicht an politischen Prozessen interessiert sind.<\/p>\n<p><strong>Sozialistische Alternative und Feministischer Widerstand<\/strong><\/p>\n<p>Der Protest hatte zun\u00e4chst nur geringe Mobilisierungsressourcen \u2013 die patriotische Begeisterung von 2014 ist nicht spurlos vor\u00fcbergegangen. Mehr \u00fcber die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Niederlage haben wir in dem Artikel \u00bbWarum die Mobilisierung gescheitert ist und was jetzt zu tun ist\u00ab geschrieben. (akweb.de)<\/p>\n<p>Eine weitere politische Kraft, die versuchte, den Protest anzuf\u00fchren, ist die Sozialistische Alternative. Am 24. Februar rief SozAlt zu Mahnwachen einzelner Personen (der damals einzigen noch legalen Protestform; Anm. d. \u00dc.) auf. Am 27. Februar k\u00fcndigte sie Aktionen f\u00fcr den 6. M\u00e4rz an, sp\u00e4ter gab Wesna bekannt, dass sie am gleichen Tag Kundgebungen abhalten w\u00fcrden, aber an einem anderen Ort. Am 1. M\u00e4rz rief die Sozialistische Alternative ihre Anh\u00e4nger*innen zu Mahnwachen gegen die Entlassung von Besch\u00e4ftigten, die gegen den Krieg sind, auf, aber dies fand keine Resonanz.<\/p>\n<p>Die Mobilisierung der SozAlt scheiterte am 6. M\u00e4rz. Die Organisation hat viel Aufwand f\u00fcr Informationsmaterial und \u00d6ffentlichkeitsarbeit betrieben, war aber nicht in der Lage, an den angegebenen Versammlungsorten Aktionen mit zumindest einigerma\u00dfen hoher Beteiligung zu organisieren.<\/p>\n<p>Als weiteren Versuch der Protestmobilisierung richtete Nawalnys Pressesprecherin Kira Yarmysh einen Appell an die Frauen in Russland und forderte sie auf, am 8. M\u00e4rz auf die Pl\u00e4tze der St\u00e4dte zu gehen. Aber auch am 8. M\u00e4rz kam es nicht zu einer Mobilisierung.<\/p>\n<p>Die anderen Parteien und Bewegungen, die gegen die \u00bbSpezialoperation\u00ab sind, schlossen sich auf die eine oder andere Weise den von Wesna und dem Nawalny-Team angek\u00fcndigten Aktionen an.<\/p>\n<p>Neben den Kampagnen zur Mobilisierung f\u00fcr Proteste auf der Stra\u00dfe sind Projekte und Bewegungen entstanden, die alternative Methoden des Kampfes anbieten. Der Feministische Widerstand gegen den Krieg ist eine Initiative, die von einer Gruppe von Feminist*innen aus dem Medienbereich ins Leben gerufen und von oppositionellen Medien und Blogger*innen aktiv gef\u00f6rdert wird.<\/p>\n<p>Im Manifest der Bewegung hei\u00dft es, ihr Ziel sei, Feminist*innen zu vereinen, den Feminismus zu einer starken politischen Bewegung zu machen und gegen \u00bbKrieg, Patriarchat, Autoritarismus und Militarismus\u00ab zu k\u00e4mpfen. Der Feministische Widerstand gegen den Krieg agiert anonym und koordiniert die Aktionen seiner Unterst\u00fctzer*innen \u00fcber Posts auf Telegram. Das Format sieht so aus: Die Leiterinnen denken sich die Aktion aus, und die Unterst\u00fctzer*innen setzen sie in die Tat um.<\/p>\n<p>Die von der Bewegung gef\u00f6rderten Aktionen sind umstritten. Am 18. M\u00e4rz fand die Aktion \u00bbFrauen in Schwarz\u00ab zur Erinnerung an die Annexion der Krim statt. Das Format wurde von israelischen Frauen in den sp\u00e4ten 1980er Jahren erfunden \u2013 schwarz gekleidete Frauen standen schweigend auf den Pl\u00e4tzen ihrer St\u00e4dte, um gegen die Besatzung Pal\u00e4stinas zu protestieren. Solche Kunstaktionen funktionieren nur, wenn sich viele beteiligen. Andernfalls ist es zweifelhaft, ob Passant*innen die Frauen in Schwarz \u00fcberhaupt als Aktivistinnen erkennen und verstehen, dass es sich um eine Art politische Aktion handelt.<\/p>\n<p>Der Feministische Widerstand gegen den Krieg bedient sich ausgiebig der religi\u00f6sen \u00c4sthetik und der christlichen Symbolik, insbesondere durch die st\u00e4ndige Betonung der Trauer und die Ver\u00f6ffentlichung von Gebetstexten auf ihrem Telegram-Kanal. K\u00fcrzlich schlugen die Organisatorinnen der Bewegung vor, vor H\u00e4usern Kreuze zum Gedenken an die in Mariupol gefallenen Zivilist*innen aufzustellen. Russland ist ein multikonfessionelles Land, in dem sich l\u00e4ngst nicht alle Gl\u00e4ubigen zum Christentum bekennen und bereit sind, dessen Symbole zu akzeptieren, ganz zu schweigen von den Millionen s\u00e4kularer Menschen, f\u00fcr die Kreuze und Gebete nichts bedeuten.<\/p>\n<p>Die Anonymit\u00e4t der Bewegung, ihre def\u00e4tistische Ausrichtung und ihr verbindendes weibliches Pathos sind sicherlich ein Plus f\u00fcr den Feministischen Widerstand gegen den Krieg. Das Problem ist jedoch die Fixierung auf das eigene Emblem, die Konzentration auf Symbolik und Kunstaktionen. Der Telegram-Kanal ist voll von Fotos von Kundgebungen im Ausland, auf denen Demonstrant*innen Plakate mit dem Logo der Initiative hochhalten, von Fotos mit Aufklebern in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern zur Unterst\u00fctzung der Bewegung. K\u00fcrzlich haben die Gr\u00fcnderinnen der Bewegung sogar versprochen, denjenigen, die sich als \u00bbAgitator*innen gegen den Krieg\u00ab bet\u00e4tigen, symbolische Urkunden zukommen zu lassen.<\/p>\n<p><strong>Die unbekannten Basisaktivist*innen<\/strong><\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnder*innen und Anf\u00fchrer*innen der genannten Initiativen tun etwas Wichtiges und setzen sich selbst einem Risiko aus. Der Nachteil all dieser Bewegungen ist jedoch ihre Vertikalit\u00e4t \u2013 ihre Fixierung auf eine Marke oder auf Einzelpersonen, ihre Abgehobenheit von den einfachen Menschen.<\/p>\n<p>Das Nawalny-Team hat nicht bedacht, dass es bei einer so geringen Beteiligung an Aktionen auch die ohnehin bescheidenen Ressourcen ausd\u00fcnnen w\u00fcrde, wenn man Menschen jeden Tag auf die Stra\u00dfe bringt. Wesna \u00e4nderte chaotisch die Versammlungsorte und spaltete die Demonstrant*innen in kleine Gruppen, die so besonders verwundbar gegen\u00fcber den Einsatzkr\u00e4ften waren. Der Feministische Widerstand gegen den Krieg k\u00fcndigt immer wieder neue symbolische Aktionen an, bei denen junge Aktivistinnen festgenommen werden. Die jungen Frauen gehen ins Gef\u00e4ngnis, und die Leiterinnen der Bewegung ver\u00f6ffentlichen das n\u00e4chste Foto mit ihrer Symbolik auf einer Kundgebung in Barcelona oder Frankfurt.<\/p>\n<p>Bisher wurden mehr als 400 Ordnungsverfahren unter Berufung auf den Paragraphen zu \u00bbFake-News\u00ab \u00fcber die russischen Streitkr\u00e4fte und bis zum 26. M\u00e4rz 60 Strafverfahren eingeleitet. Die Zahl der F\u00e4lle wird noch steigen. Kennen wir die Namen von mindestens der H\u00e4lfte der Personen auf dieser Liste? Wohl kaum. Auf der anderen Seite berichten die oppositionellen Kan\u00e4le immer wieder \u00fcber die gleichen Personen und Projekte. Am 28. M\u00e4rz wurde die 22-j\u00e4hrige Anastasia Lewaschowa, die versucht hatte, bei einer Antikriegskundgebung einen Molotow-Cocktail zu werfen, zu zwei Jahren Haft verurteilt. Einige oppositionelle Medien nannten sie einfach \u00bbdie junge Frau\u00ab, ohne Vor- oder Nachnamen. Dies ist eine Gelegenheit, mehr \u00fcber Basisaktivist*innen zu sprechen, die keine Medienressourcen haben, \u00fcber Basisinitiativen.<\/p>\n<p><strong>Die Sackgasse der Liberalen<\/strong><\/p>\n<p>Eine politische Massenbewegung ist jetzt unm\u00f6glich. Die w\u00f6chentliche Mobilisierung von Menschen f\u00fcr \u00bbfriedliche Aktionen\u00ab f\u00fchrt nur zur Ersch\u00f6pfung der Aktivist*innen \u2013 einige werden ins Gef\u00e4ngnis gehen, einige werden auswandern und einige werden ausbrennen und den Kampf beenden.<\/p>\n<p>Die Liberalen bieten keine andere Taktik als \u00bbfriedlichen Protest\u00ab. Die liberalen Kr\u00e4fte sind nicht in der Lage, entschlossen zu handeln, sie haben Angst vor ihrem eigenen Volk \u2013 das haben die Ereignisse von 2020 in Belarus, die Proteste in Chabarowsk und das Scheitern der Protestkampagne im Januar 2021 gezeigt. Wer wird einen neuen politischen Aufschwung anf\u00fchren, wenn er beginnt? Wenn die Liberalen erneut die Opposition anf\u00fchren, ist der Protest zum Scheitern verurteilt. Wir m\u00fcssen also eine Alternative zu den Liberalen formieren und an St\u00e4rke gewinnen. Was k\u00f6nnen wir tun?<\/p>\n<p>Die \u00bbSpezialoperation\u00ab hat sich nicht als so erfolgreich erwiesen, wie die russische F\u00fchrung es sich vorgestellt hat. Die Misserfolge der russischen Armee, das Scheitern der Einnahme Kiews und die Verschlechterung des Lebensstandards werden bei den russischen Patriot*innen perspektivisch Entt\u00e4uschung hervorrufen. Man muss die Ansichten und Beweggr\u00fcnde solcher Menschen verstehen. Eine gut auf die russischen Patriot*innen, Nationalist*innen und Putin-Anh\u00e4nger*innen abgestimmte Arbeit wird die ersten Risse in der Verteidigung des Regimes verursachen.<\/p>\n<p>Der Nachteil der liberalen Antikriegspropaganda (neben anderen) ist die Komplexit\u00e4t ihrer Sprache, ihrer kulturellen Bez\u00fcge und ihrer Symbole. Als Zeichen des Protests gegen die \u00bbSpezialoperation\u00ab h\u00e4ngen die Aktivist*innen gr\u00fcne B\u00e4nder auf den Stra\u00dfen der St\u00e4dte auf, die von normalen Passant*innen kaum bemerkt werden. In den sozialen Netzwerken verbreiten die Liberalen Bilder der neuen wei\u00df-blau-wei\u00dfen russischen Flagge. Von au\u00dfen betrachtet sieht es seltsam aus: Sie haben noch nicht gewonnen, Putin sitzt immer noch im Kreml, aber die Fahne des \u00bbfreien Russlands\u00ab ziert bereits die Avatare irgendwelcher Leute. Der Vergleich mit der belarusischen wei\u00df-rot-wei\u00dfen Flagge, die im Jahr 2020 zum Protestsymbol wurde, ist unangebracht, denn die belarussische Flagge hat eine lange Geschichte: Schon vor der Oktoberrevolution wurden Kongresse der Arbeiter- und Bauerndeputierten unter ihr abgehalten.<\/p>\n<p>Auch die abstrakten liberalen Appelle an Humanismus und Menschlichkeit, die von Pers\u00f6nlichkeiten des \u00f6ffentlichen Lebens und der Kultur vorgetragen werden, wirken nicht. Die Patriot*innen sind nicht zur Vernunft gekommen, als Valery Meladze oder Maxim Galkin die Aggression Putins verurteilt haben. Anstelle von Worten brauchen wir mehr Taten.<\/p>\n<p><strong>Die Angeh\u00f6rigen und Arbeitslosen gewinnen<\/strong><\/p>\n<p>Russische Soldaten sterben bei einem von der Regierung angeordneten Massaker. Sie hinterlassen Eltern, Verwandte und Freund*innen. M\u00fctter von ermordeten Soldaten, Familien von Soldaten \u2013 diese Menschen sind voller Schmerz und Wut, die es in die richtige Richtung zu lenken gilt. Am 20. M\u00e4rz blockierten mehreren Medienberichten zufolge Frauen in Karatschai-Tscherkessien die Stra\u00dfe und verlangten Informationen \u00fcber das Schicksal ihrer Angeh\u00f6rigen in der Ukraine. M\u00fctter und Verwandte von Soldaten k\u00f6nnen durchaus eine organisierte politische Kraft sein.<\/p>\n<p>Die sich verschlechternde Wirtschaftslage und der R\u00fcckzug Dutzender gro\u00dfer ausl\u00e4ndischer Unternehmen aus Russland f\u00fchren zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. In naher Zukunft werden Tausende von Menschen ohne Einkommen dastehen. Es ist daher eine wichtige Aufgabe, das immer gr\u00f6\u00dfer werdende Heer der Arbeitslosen zu organisieren und ihnen zu helfen, sich als soziale Kraft bewusst zu werden.<\/p>\n<p>Gleichzeitig m\u00fcssen wir Beziehungen zu den Belegschaften in den Betrieben aufbauen, sowohl in \u00f6ffentlichen als auch in privaten Unternehmen. In der Krise werden die Unternehmen die Lohnzahlungen an ihre Besch\u00e4ftigten einstellen. Massenstreiks wegen unbezahlter L\u00f6hne \u2013 das ist unsere Zukunft. Wir m\u00fcssen spontane wirtschaftliche Bewegungen mit einer politischen Bewegung verbinden.<\/p>\n<p>Die Liberalen organisieren ihre Bewegungen als kommerzielle Start-Ups, die auf ihre eigene Zielgruppe \u2013 die Liberalen \u2013 hin ausgerichtet und nicht in der Lage sind, die Gesellschaft zu ver\u00e4ndern. Deshalb m\u00fcssen wir die Bewegung selbst in die Hand nehmen, um Katastrophen wie die heutige zu verhindern \u2013 die liberale Opposition ist zu schwach, um ernsthaft auf das Handeln der Regierung Einfluss zu nehmen. Es stehen politische Ersch\u00fctterungen bevor \u2013 und darauf m\u00fcssen wir vorbereitet sein.<\/p>\n<p><em>#Bild: Antikriegsproteste in Russland k\u00f6nnen fast nur noch als Einzelaktionen mit Fotoshooting stattfinden. Im Gegensatz zu vielen anderen wurde diese Frau bei ihrer Aktion am 10. April im Moskauer Zaryadye-Park nicht festgenommen. Foto:\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/t.me\/avtozaklive\"><em>Avtozak LIVE<\/em><\/a><em>\u00a0,\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/4.0\/\"><em>CC BY 4.0<\/em><\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.akweb.de\/bewegung\/aktionen-gegen-krieg-in-russland-antikriegsbewegung\/\"><em>akweb.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 28. April 2022 <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gruppe Alternative Linke. Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der Russ*innen (etwa 65 bis 70 Prozent) die so genannte \u00bbSpezialoperation\u00ab unterst\u00fctzt. 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