{"id":11179,"date":"2022-04-28T17:31:52","date_gmt":"2022-04-28T15:31:52","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11179"},"modified":"2022-04-28T17:31:53","modified_gmt":"2022-04-28T15:31:53","slug":"die-inflation-und-wie-wir-sie-bekaempfen-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11179","title":{"rendered":"Die Inflation und wie wir sie bek\u00e4mpfen k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<p><em>Lars Keller &amp; Martin Suchanek. <\/em>Die Preissteigerungen fressen ein tiefes Loch in unsere Geldbeutel oder Konten. L\u00e4ngst k\u00f6nnen die geringen Lohnzuw\u00e4chse und Rentenerh\u00f6hungen die Einkommensverluste nicht mehr auffangen. Betraf hohe Inflation bis vor der Pandemie und der globalen Rezession vor allem die Menschen in den L\u00e4ndern des \u201eglobalen S\u00fcdens\u201c, also den von<!--more--> den f\u00fchrenden kapitalistischen M\u00e4chten und deren Kapitalen beherrschten Staaten, so ist sie l\u00e4ngst zum Alltag f\u00fcr die gesamte Arbeiter:innenklasse auch in den imperialistischen L\u00e4ndern geworden.<\/p>\n<p>Der Krieg um die Ukraine wirkt dabei als Brandbeschleuniger.<\/p>\n<p><strong>Zahlen<\/strong><\/p>\n<p>Die Pressemitteilung 160 des statischen Bundesamts vom 12. April ( <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/2022\/04\/PD22_160_611.html\">https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/2022\/04\/PD22_160_611.html<\/a>) gibt einen \u00dcberblick \u00fcber die Dimension der Inflation in Deutschland.<\/p>\n<p>So stieg der Verbraucherpreisindex im M\u00e4rz im Vergleich zum Vorjahresmonat (M\u00e4rz 2021) um + 7,3\u00a0%. Der harmonisierte Index, also jener, der einen direkten Vergleich aller EU-Staaten erlaubt, liegt sogar bei 7,6\u00a0%. Tendenz steigend. So hatte die Steigerung gegen\u00fcber dem Vorjahresmonat im Februar noch 5,1\u00a0% betragen.<\/p>\n<p>Damit wurde der H\u00f6chststand vom Herbst 1981, ein Jahr nach dem Beginn des ersten Golfkriegs zwischen Iran und Irak, erreicht.<\/p>\n<p>Die entscheidenden Preistreiber bilden in der aktuellen Lage die gestiegenen Energiekosten:<\/p>\n<p>\u201eDie Preise f\u00fcr Waren insgesamt erh\u00f6hten sich von M\u00e4rz 2021 bis M\u00e4rz 2022 um 12,3\u00a0%. (Anmerkung: h\u00f6her als der Verbraucherpreisindex!) Besonders stark stiegen die Preise f\u00fcr Energieprodukte, die im M\u00e4rz 2022 um 39,5\u00a0% \u00fcber dem Niveau des Vorjahresmonats lagen (Februar 2022: +22,5\u00a0%). Mit\u00a0<em>+144,0\u00a0% haben sich die Preise f\u00fcr leichtes Heiz\u00f6l mehr als verdoppelt. Auch Kraftstoffe (+47,4\u00a0%) und Erdgas (+41,8\u00a0%) verteuerten sich merklich. Die Preiserh\u00f6hungen f\u00fcr die anderen Energieprodukte lagen ebenfalls deutlich \u00fcber der Gesamtteuerung, zum Beispiel f\u00fcr feste Brennstoffe (+19,3\u00a0%) und f\u00fcr Strom (+17,7\u00a0%). Der Preisauftrieb bei den Energieprodukten wurde von mehreren Faktoren beeinflusst: Neben den krisenbedingten Effekten wirkte sich auch die zu Jahresbeginn gestiegene CO2-Abgabe von 25 Euro auf 30 Euro pro Tonne CO2\u00a0aus.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Den zweiten Faktor, der zur aktuellen Inflation beitr\u00e4gt, sind die Preise f\u00fcr Nahrungsmittel. Sie erh\u00f6hten sich im M\u00e4rz 2022 gegen\u00fcber dem Vorjahresmonat um 6,2\u00a0%. Besonders betroffen sind folgende Produkte:<\/p>\n<p><em>\u201eMehr bezahlen mussten die Verbraucherinnen und Verbraucher vor allem f\u00fcr Speisefette und Speise\u00f6le (+17,2\u00a0%, darunter Sonnenblumen\u00f6l, Raps\u00f6l oder \u00c4hnliches: +30,0\u00a0%) sowie frisches Gem\u00fcse (+14,8\u00a0%). Erheblich teurer wurden neben Energie und Nahrungsmitteln auch andere Waren, zum Beispiel Kaffeeprodukte (+8,9\u00a0%) und Fahrzeuge (+8,2\u00a0%, darunter gebrauchte Pkw: +23,9\u00a0%). Insgesamt verteuerten sich Verbrauchsg\u00fcter um 16,7\u00a0% und Gebrauchsg\u00fcter um 4,3\u00a0%.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Diese beiden Sparten tragen in Deutschland und auch weltweit entscheidend zur Inflation bei. Die Preissteigerung w\u00fcrde lt. statischem Bundesamt ohne Energie \u201enur\u201c 3,6\u00a0% betragen, ohne Energie und Nahrungsmittel\u00a03,4 %.<\/p>\n<p>Noch vergleichsweise gering fallen die erh\u00f6hten Kosten f\u00fcr Dienstleistungen aus. Insgesamt lagen sie im M\u00e4rz 2022 um 2,8\u00a0% \u00fcber dem Niveau des Vorjahresmonats.<\/p>\n<p>Woher kommt Inflation?<\/p>\n<p>In dem Artikel\u00a0<a href=\"https:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2022\/01\/19\/rueckkehr-der-inflation\/\">\u201eR\u00fcckkehr der Inflation\u201c<\/a>\u00a0haben wir uns ausf\u00fchrlicher mit ihren Ursachen besch\u00e4ftigt. Wir haben dabei auch gezeigt, dass w\u00e4hrend der sog. Globalisierungsphase, vor allem im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, trotz massiver \u00dcberakkumulation von Kapital die Inflation in den imperialistischen Zentren niedrig gehalten werden konnte \u2013 und zwar selbst nach der Krise 2009\/10 und trotz der Politik des \u201ebilligen Geldes\u201c, also einer massiven Ausweitung der Geldmenge.<\/p>\n<p>Dies h\u00e4ngt damit zusammen, dass mehrere Faktoren Preissteigerungen entgegenwirkten:<\/p>\n<ul>\n<li>Senkung des Werts der Waren infolge von Produktivit\u00e4tssteigerung, Ausdehnung des Welthandels und des Kapitalexportes.<\/li>\n<li>Zur Senkung der Warenwerte und infolge dessen auch des Preises trug ma\u00dfgeblich eine Verlagerung der industriellen Produktion in neue imperialistische (China) und halbkoloniale L\u00e4nder bei.<\/li>\n<li>Stagnation der L\u00f6hne und Einkommen w\u00e4hrend der \u201eAntikrisenpolitik\u201c auch in den kapitalistischen Zentren.<\/li>\n<li>Sicherung der Anlagen \u00fcbersch\u00fcssigen Finanzkapitals in den imperialistischen Zentren und damit schon vor der Krise Abfluss aus den sog. Schwellenl\u00e4ndern.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Inflation\u00e4re Entwicklungen zeigten sich auch schon damals \u2013 jedoch konzentriert auf spekulative Finanzm\u00e4rkte (was zeitweilig die Wirtschaft befeuerte) und auf die halbkolonialen L\u00e4nder. Dass Inflation nicht mehr als \u00f6konomisches Problem erschien, traf aber auch damals im Grunde nur auf die imperialistische Welt zu. F\u00fcr die Halbkolonien waren Preissteigerungen und W\u00e4hrungskrisen schon lange vor der \u201eR\u00fcckkehr\u201c der Inflation ein riesiges Problem.<\/p>\n<p><strong>Inflation is here to stay<\/strong><\/p>\n<p>Doch die der Inflation entgegenwirkenden Faktoren sind aus mehreren Gr\u00fcnden praktisch ersch\u00f6pft. Erstens hat sich der Weltmarktzusammenhang weiter ver\u00e4ndert. Die infolge von Corona synchronisierte globale Rezession hat nicht nur massive Finanzmittel erfordert und die Verschuldung von Staaten und Unternehmen dramatisch gesteigert. Das Ausbleiben eines raschen und deutlichen Aufschwungs f\u00fchrt nun dazu, dass die Verschuldung und auch Ausdehnung von Unternehmen, die ohne Finanzhilfen eigentlich l\u00e4ngst pleite sein m\u00fcssten, die gesamtwirtschaftliche Produktivit\u00e4t und damit auch die Profitraten und die Akkumulation dr\u00fccken.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass infolge von Corona bis heute Zulieferketten unterbrochen sind, Mangel an Rohstoffen und Vorprodukten zus\u00e4tzlich die Produktion und damit die Profite d\u00e4mpft.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem f\u00e4llt China anders als nach 2010 als Motor der Weltwirtschaft aus.<\/p>\n<p>Der Krieg um die Ukraine, der Kampf um die Neuaufteilung der Welt und die Tendenz zur Blockbildung (Deglobalisierung) wirken unmittelbar extrem versch\u00e4rfend auf diese Entwicklung. Dies dr\u00fcckt sich besonders bei Energie- und Nahrungsmittelpreisen aus; aber auch die\u00a0 Finanzm\u00e4rkte (Handeln von Eigentumstiteln) wirken preistreibend (z.\u00a0B. auf dem Wohnungsmarkt).<\/p>\n<p>Ingesamt m\u00fcssen wir mit einer Kombination von Stagnation und Inflation (Stagflation) f\u00fcr die kommenden Jahre rechnen. Die aktuellen Preissteigerungen stellen keine vor\u00fcbergehende Erscheinung dar. Sie f\u00fchren vielmehr zu einer dauerhaften Verschlechterung der Lebensbedingungen f\u00fcr die Arbeiter:innenklasse, f\u00fcr die Bauern-\/B\u00e4uerinnenschaft und alle unterdr\u00fcckten Schichten der Bev\u00f6lkerung, ja selbst f\u00fcr gro\u00dfe Teile der Mittelschichten, wenn es dagegen keinen organisierten und massenhaften Kampf gibt.<\/p>\n<p>Die Halbkolonien, vom Imperialismus beherrschte L\u00e4nder, sind von der aktuellen Entwicklung besonders betroffen. In L\u00e4ndern wie\u00a0<a href=\"https:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2022\/04\/03\/sri-lanka-praesident-verhaengt-den-notstand\/\">Sri Lanka<\/a>\u00a0drohen Hyperinflation und der Zusammenbruch der W\u00e4hrung.<\/p>\n<p>Doch auch in den imperialistischen Zentren wie Deutschland bedeutet die Inflation f\u00fcr die Arbeiter:innenklasse insgesamt eine Entwertung der L\u00f6hne, Einkommen (Renten, ALG, Unterst\u00fctzungsleistungen wie Kindergeld) und Ersparnisse.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Massen f\u00fchrt die sinkende Kaufkraft zu einer Einschr\u00e4nkung ihrer Konsumm\u00f6glichkeiten. Die \u00e4rmeren, schlechter bezahlten und sozial unterdr\u00fcckten Teile der Klasse sind hiervon besonders hart und rasch betroffen, also prek\u00e4r und\/oder Teilzeitbesch\u00e4ftigte, Aufstocker:innen, Arbeitslose, Rentner:innen, Jugend, Frauen, Migrant:innen, Gefl\u00fcchtete.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich treffen Preiserh\u00f6hung essentieller G\u00fcter des t\u00e4glichen Verbrauchs, von Energie oder Nahrungsmitteln die Menschen umso h\u00e4rter, \u00fcber je weniger Einkommen sie verf\u00fcgen. Sie k\u00f6nnen, weil sie ohnedies schon am Existenzminimum leben, nicht gro\u00df verzichten. Sie m\u00fcssen weiter versuchen, die Mieten trotz erh\u00f6hter Nebenkosten zu bestreiten, sie m\u00fcssen bei erh\u00f6hten Preisen beim Discounter einkaufen usw. usf.<\/p>\n<p>Im schlimmsten Fall droht ihnen die Verarmung und Verelendung. Versch\u00e4rft wird das Problem noch dadurch, dass die Inflation mit der Knappheit an bestimmten G\u00fctern einhergeht, so dass z.\u00a0B. bei den Tafeln schon jetzt ein Engpass an gewissen Lebensmitteln herrscht.<\/p>\n<p>Inflation treibt zwar auch Teile des Kleinb\u00fcrger:innentums (v.\u00a0a. untere Schichten) und sogar schw\u00e4chere Kapitale in den Ruin und beschleunigt somit die Zentralisation und Konzentration des Kapitals \u2013 sie trifft aber in den imperialistischen L\u00e4ndern besonders die Lohnarbeiter:innen.<\/p>\n<p>Die Verlust an Kaufkraft, der Preisverlust Arbeitskraft f\u00fchrt auf Dauer auch zur Senkung ihres Werts, wird er nicht mittels steigender L\u00f6hne und Einkommen kompensiert. Dies betrifft nicht nur die Lohnabh\u00e4ngigen als Besch\u00e4ftigte, sondern durch eine Senkung der Kaufkraft von Renten, Arbeitslosengeld und anderen Transferleistungen auch all jene Teile der Arbeiter:innenklasse, die ihre Arbeitskraft nicht verkaufen m\u00fcssen oder k\u00f6nnen. F\u00fcr das Kapital bietet die Inflation damit eine Chance zur Erh\u00f6hung der Ausbeutungsrate, ohne selbst direkt Lohnsenkungen durchsetzen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Frage der Preissteigerung stellt daher auch ein zentrales Problem des Klassenkampfes in der aktuellen Lage dar.<\/p>\n<p><strong>Gewerkschaften und ihre Antwort<\/strong><\/p>\n<p>Hier machen sich die geringen Abschl\u00fcsse \u2013 also faktisch Lohnverzicht \u2013 der letzten Jahre und in der Regel extrem lange Laufzeiten von 2 Jahren und mehr dramatisch bemerkbar.<\/p>\n<p>Die meisten Abschl\u00fcsse der letzten Monate ( <a href=\"https:\/\/www.dgb.de\/aktuelle-nachrichten\/tarifverhandlungen-tarifrunden-tarifrunde-streiks-warnstreiks\">https:\/\/www.dgb.de\/aktuelle-nachrichten\/tarifverhandlungen-tarifrunden-tarifrunde-streiks-warnstreiks<\/a>) reproduzieren diese Politik des Verzichts und Zur\u00fcckweichens. Hier nur einige Beispiele aus dem Jahr 2022:<\/p>\n<ul>\n<li>Banken\/Versicherungen: 5 % \u2013 aber \u00fcber 2 Jahre plus eine Einmalzahlung von 500 Euro.<\/li>\n<li>IG BCE: Br\u00fcckenl\u00f6sung f\u00fcr sieben Monate \u2013 Einmalzahlung pro Besch\u00e4ftigter\/m von 1400 Euro (1000 Euro f\u00fcr \u201enotleidende Betriebe).<\/li>\n<li>Druck: 3,5\u00a0% in zwei Schritten bei 25 Monaten Laufzeit!<\/li>\n<\/ul>\n<p>Allein diese Beispiele verdeutlichen, dass die Entgelterh\u00f6hungen deutlich unter der aktuellen Preissteigerung liegen. Einmalzahlungen von 1000 Euro oder mehr wie in der chemischen Industrie m\u00f6gen zwar auf den ersten Blick gut ausschauen, doch sie sind eben mehr oder weniger rasch verbraucht und flie\u00dfen nicht in die Entgelttabellen ein.<\/p>\n<p>Doch wenn die Anpassungen schon vollkommen unter jenen der Branchen blieben, die sich zur Zeit in Tarifauseinandersetzungen befinden, so trifft es jene, die vor dem massiven Anstieg der Inflation abgeschlossen haben, noch viel h\u00e4rter. Sie m\u00fcssen, folgt man dem \u00fcblichen Tarifrundenritual, eben noch einige Monate oder mehr als ein Jahr warten. Oder sie m\u00fcssen auf ein \u201eEntgegenkommen\u201c von einzelnen Unternehmen hoffen \u2013 und das sicher nicht ohne Zugest\u00e4ndnisse in anderen Bereichen.<\/p>\n<p>Un- oder gering organisierte Branchen, die ohnedies nicht oder kaum zum Tarif zahlen, spielen bei der Strategie der DGB-Gewerkschaften erst recht keine Rolle.<\/p>\n<p>Noch dramatischer ist jedoch die Lage f\u00fcr alle Lohnabh\u00e4ngigen, die nicht besch\u00e4ftigt sind:<\/p>\n<ul>\n<li>So f\u00e4llt die Erh\u00f6hung der Renten mit 5,5\u00a0% nach eine Nullrunde im Jahr 2021 viel zu gering aus. Und auch hier trifft die rein lineare Erh\u00f6hung vor allem diejenigen mit den geringsten Renten am h\u00e4rtesten.<\/li>\n<li>Dasselbe trifft f\u00fcr Minijobber:innen, Erwerbslose, Hartz-IV-Empf\u00e4nger:innen wie alle Bezieher:innen von Transferleistungen zu.<\/li>\n<li>Schlie\u00dflich wird auch der Effekt der Erh\u00f6hung des Mindestlohns rascher aufgehoben.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Gewerkschaftsb\u00fcrokratie gibt ebenso wie die Spitzen von SPD und Linkspartei auf diese Entwicklung keine Antwort. Ihr ganzes politisches Repertoire besteht darin, leere Appelle an den Staat und die \u201eSozialpartner:innen\u201c zu richten. Vom Bruch mit der Routine des Tarifrundenrituals, selbst von der allgemeinen und koordinierten Aufk\u00fcndigung der bestehenden Vertr\u00e4ge, wollen sie nichts wissen \u2013 schon gar nicht von einem politischen Kampf und politischen Streiks f\u00fcr alle Lohnabh\u00e4ngigen. Und das, obwohl (oder weil?) die allgemeine Preissteigerung die Unzul\u00e4nglichkeit und Untauglichkeit der sozialpartnerschaftlichen und rein tarifpolitischen Antwort des Gewerkschaftsapparates offenbart. F\u00fcr die Masse der Arbeiter:innenklasse f\u00fchrt sie unwillk\u00fcrlich zu Verzicht und massivem Verlust an Kaufkraft.<\/p>\n<p><strong>Welche Antwort?<\/strong><\/p>\n<p>Dabei k\u00e4me den Gewerkschaften eigentlich eine Schl\u00fcsselrolle im Kampf gegen die Preissteigerungen zu. Die Millionen organisierten Arbeiter:innen stellen jene unverzichtbare Kraft dar, die ein Programm durchsetzen kann, das verhindert, dass die Inflation auf die Lohnabh\u00e4ngigen abgew\u00e4lzt wird. Umso wichtiger ist es, dass oppositionelle Str\u00f6mungen wie die\u00a0<a href=\"https:\/\/vernetzung.org\/category\/news\/\">Vernetzung f\u00fcr k\u00e4mpferische Gewerkschaften (VKG)<\/a>\u00a0die Initiative ergreifen und sich andere klassenk\u00e4mpferische Kr\u00e4fte mit dieser koordinieren, um gemeinsam f\u00fcr eine Antwort auf die Preissteigerungen zu k\u00e4mpfen. Dazu schlagen wir folgende Forderungen vor:<\/p>\n<ul>\n<li>Automatische Anpassung der L\u00f6hne, Geh\u00e4lter, Einkommen an die Preissteigerung. Diese muss von Kontrollaussch\u00fcssen der Besch\u00e4ftigten, Gewerkschaften, Rentner:innen und Erwerbslosen kontrolliert werden.<\/li>\n<li>Bestimmung des Warenkorbs, der als Grundlage f\u00fcr die Anpassung der Einkommen herangezogen wird, durch solche Aussch\u00fcsse, da die Erh\u00f6hung der Lebenshaltungskosten oft h\u00f6her liegt als der amtliche Verbraucherpreisindex.<\/li>\n<li>Massive Anhebung von Mindestl\u00f6hnen und Einkommen (Arbeitslosengeld, Renten) gegen Armut auf 1600,- netto\/Monat.<\/li>\n<li>Preisstopps und -kontrolle in bestimmten Sektoren.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Verbraucher:innenpreise und Kosten von Waren, die v.\u00a0a. Lohnabh\u00e4ngige f\u00fcr Wohnen, Energie, Lebensmittel bezahlen m\u00fcssen, m\u00fcssen offengelegt, kontrolliert und z.\u00a0B. bei Mieten eingefroren werden. Die Kosten m\u00fcssen durch den Staat oder das (Wohnungs-)Kapital \u00fcbernommen werden.<\/p>\n<ul>\n<li>Kostenlose Grundversorgung: \u00d6PNV, garantierter Zugang zum Gesundheitssystem und zur Bildung f\u00fcr alle.<\/li>\n<li>Enteignung und Kontrolle des Agrarkapitals; direkte Verbindung zu landwirtschaftlichen Produzent:innen; Enteignung der Immobilienkonzerne.<\/li>\n<li>Enteignung der Energiekonzerne und Fortf\u00fchrung unter Arbeiter:innenkontrolle.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wenn Preissteigerungen v\u00a0a. aus diesem Sektor herr\u00fchren, m\u00fcssen wir diesen unter Kontrolle bringen.<\/p>\n<ul>\n<li>Finanzierung durch massive Besteuerung von Verm\u00f6gen und Unternehmensgewinnen. Alle Enteignungen m\u00fcssen entsch\u00e4digungslos und Arbeiter:innenkontrolle stattfinden zur Reorganisation der Produktion im Interesse der Massen und \u00f6kologischer Nachhaltigkeit.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Tarifk\u00e4mpfe sollten als Mittel genutzt werden, um massive Entgelterh\u00f6hungen m\u00f6glichst branchen\u00fcbergreifend durchzusetzen und Kampforgane aufzubauen. Doch sie reichen nicht. Sie m\u00fcssen als Mittel verstanden werden, alle Lohnabh\u00e4ngigen f\u00fcr einen gemeinsamen politischen Klassenkampf, letztlich f\u00fcr einen politischen Massenstreik zu sammeln. Diese Bewegung muss sich auf Aktionskomitees in den Betrieben, B\u00fcros, aber auch in den Stadtteilen und Gemeinden st\u00fctzen, um auch Arbeitslose und Rentner:innen, Jugendliche und Studierende zu einer Kampfeinheit zu formieren.<\/p>\n<p>Inflation, Stagnation und Krise gehen Hand in Hand. Ihre L\u00f6sung erfordert die Verbindung der Mobilisierung gegen Preissteigerungen mit der Eigentumsfrage und der sozialistischen Umw\u00e4lzung. In diesem Rahmen erst ergeben \u00dcbergangsforderungen wie die gleitende Skala der L\u00f6hne (automatische Anpassung an die Inflation) und Arbeiter:innenkontrolle ihren eigentlichen Sinn \u2013 als Schritte im Kampf f\u00fcr eine zuk\u00fcnftige Gesellschaft.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2022\/04\/15\/die-inflation-und-wie-wir-sie-bekaempfen-koennen\/\"><em>arbeiterinnenmacht.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 28. April 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lars Keller &amp; Martin Suchanek. Die Preissteigerungen fressen ein tiefes Loch in unsere Geldbeutel oder Konten. L\u00e4ngst k\u00f6nnen die geringen Lohnzuw\u00e4chse und Rentenerh\u00f6hungen die Einkommensverluste nicht mehr auffangen. Betraf hohe Inflation bis vor der Pandemie &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":11180,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,7,5],"tags":[25,87,39,26,22,4,17],"class_list":["post-11179","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-debatte","category-international","category-kampagnen","tag-arbeiterbewegung","tag-arbeitswelt","tag-deutschland","tag-gewerkschaften","tag-politische-oekonomie","tag-strategie","tag-widerstand"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11179","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11179"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11179\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11181,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11179\/revisions\/11181"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/11180"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11179"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11179"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11179"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}