{"id":11208,"date":"2022-05-04T11:43:36","date_gmt":"2022-05-04T09:43:36","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11208"},"modified":"2022-05-04T11:43:37","modified_gmt":"2022-05-04T09:43:37","slug":"ukraine-krieg-und-wende-in-der-europaeischen-flu%cc%88chtlingspolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11208","title":{"rendered":"Ukraine-Krieg und Wende in der europ\u00e4ischen Flu\u0308chtlingspolitik"},"content":{"rendered":"<p><em>Frank Bernhardt.<\/em><strong> F\u00fcr den neuen Frontstaat Ukraine denkt Deutschland um bzw. bleibt sich treu: Hoch die nationale Solidarit\u00e4t!<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Russlands Krieg in der Ukraine geht in den dritten Monat. Was 20 Jahre Afghanistan-Krieg unter US-F\u00fchrung, der rotgr\u00fcn mitgetragene \u00dcberfall auf Serbien 1999 und dauerhafte Kriegseins\u00e4tze der NATO-Staaten &#8211; mal mit, mal ohne v\u00f6lkerrechtliche Legitimation &#8211; nicht schafften, hat jetzt Putin in kurzer Frist zustande gebracht: Die deutsche \u00d6ffentlichkeit ist bis zum h\u00f6chsten Grade in Milit\u00e4rdingen alarmiert, sie wird tagt\u00e4glich \u00fcber die Gef\u00e4hrdung des Weltfriedens (des-)informiert und zeigt, mit und ohne Ansage von oben, eine ganz neue Empathie mit den Opfern des imperialistischen Staatenverkehrs.<\/p>\n<p><strong>\u201eWir\u201c und das russische \u201eB\u00f6se\u201c<\/strong><\/p>\n<p>\u201eImperialismus\u201c darf, ja soll man sogar wieder sagen, wenn man damit die russische Politik meint, die \u201eauf die Wiederherstellung des verlorenen Imperiums\u201c zielt (FAZ, 16.4.22). Wenn man also das B\u00f6se brandmarkt (FAZ: \u201ePutin ist der Satan\u201c) und\u00a0<a href=\"https:\/\/krass-und-konkret.de\/politik-wirtschaft\/putin-hitler-und-deutschland-bald-fuehrend-in-der-anti-hitler-koalition-2-0\/\">Putin als den neuen Hitler<\/a>\u00a0entlarvt. Nat\u00fcrlich darf von da aus nicht &#8211; wie von Politik und Presse bei einigen Ostermarsch-Auftritten bem\u00e4ngelt &#8211; der Blick auf die amerikanische Suprematie gerichtet werden, die sich mit ihrem konsequenten geopolitischen Revisionismus seit Ende des Ostblocks und des Warschauer Pakts bis an die Grenzen des russischen Rest-Reichs vorgearbeitet und ihm eine multiple Kriegsdrohung mit einem neuen &#8211; zu einer Art Amoklauf bereiten &#8211; ukrainischen Frontstaat pr\u00e4sentiert hat.<\/p>\n<p>Die imperialen Anspr\u00fcche des Westens werden in dem Fall vielmehr als die reinste Verteidigungshaltung verkauft. Vom ersten Tag des Kriegs an sah sich die ganze \u201efreie Welt\u201c mit angegriffen und versuchte dem Rest des Globus dies als verbindliche Sichtweise vorzuschreiben. Hier gibt es noch den einen oder anderen Querschl\u00e4ger, im Innern dagegen ist die Front begradigt: Massendemonstrationen, auch nach Gewerkschaftsaufrufen, treten lautstark wie mittlerweile bei fast jeder grossen oder kleinen \u201eAntikriegs\u201c-Veranstaltung mit der Losung \u201e#StandWithUkraine\u201c an. Pazifismus ist im Moment eher \u201ezynisch\u201c (Kanzler Scholz) oder bestenfalls, so der Gr\u00fcne Habeck, \u201eein ferner Traum\u201c, den man sich zur realpolitischen Kriegstreiberei dazudenken, aber nicht dagegen in Stellung bringen darf. Sonst entlarvt man sich gleich als \u201ef\u00fcnfte Kolonne Putins\u201c (so der FDP-Politiker Graf Lambsdorff).<\/p>\n<p>Bei den Veranstaltungen zum 1. Mai gab es ein paar gewerkschaftliche Mahnungen, die Bundesregierung solle es mit ihrem Aufr\u00fcstungskurs nicht \u00fcbertreiben. Von der essentielle Aufgabe der Gewerkschaften, den Schaden ihrer Klientel \u2013 durch die gewaltigen Preiserh\u00f6hungen der Energie- und Handelskonzerne, durch geplante Steuerbelastungen oder Sparmassnahmen &#8211; abzuwehren, ist aber weit und breit nichts zu sehen. Das Solidarit\u00e4tsprinzip einer Kampforganisation, die gegen die Herren \u00fcber die gesellschaftliche Arbeit antrat, hat sich eben in der BRD von Beginn an der \u201eSozialpartnerschafts\u201c-Ideologie angeschlossen, es geht selbstverst\u00e4ndlich mit Verzicht und Opferbereitschaft einher. Jetzt erf\u00e4hrt man auf allen Ebenen die militaristische Zuspitzung \u2013 hin zu einer \u201e<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Solidaritaet-als-Ideologie-Die-freie-Welt-gegen-Putins-Russland-6694753.html\">Solidarit\u00e4t, die nicht mehr nur helfen will, sondern zum Waffengang ruft<\/a>\u201c.<\/p>\n<p>Die Heimatfront der &#8211; noch &#8211; nicht direkt mit eigenem Milit\u00e4r beteiligten BRD ist also zu fast 100 Prozent geschlossen. Dazu geh\u00f6ren Standig ovations im Parlament, als die ersten millionenschweren Waffenlieferungen an die Ukraine beschlossen wurden oder als der Regierungschef Selenskyj in bester\u00a0<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Das-Tragische-am-Bandera-Kult-ist-dass-Ukrainer-oft-nicht-wissen-wen-sie-eigentlich-verehren-6670655.html\">faschistischer Tradition das ruhmreiche Erbe seines Landes beschwor<\/a>.<\/p>\n<p>\u00dcberall gibt es nur noch Bekundungen \u201ef\u00fcr Freiheit, Demokratie und Unabh\u00e4ngigkeit\u201c! Die Friedenstaube prangt auf Plakaten, die \u201eStand by Ukraine!\u201c fordern, womit als selbstverst\u00e4ndlich gilt, dass der Krieg versch\u00e4rft und verl\u00e4ngert wird. Dagegen, wie gesagt, keine Massendemonstrationen oder Generalstreiks zur Verhinderung harter und immer h\u00e4rterer Zeiten. Diese werden ja offiziell angek\u00fcndigt, \u201eviele H\u00e4rten liegen erst noch vor uns\u201c, so Bundespr\u00e4sident Steinmeier am 27.3.22. Im NRW-Wahlkampf plakatieren z.B. die Gr\u00fcnen allen Ernstes die Losung \u201eDamit nach der Miete noch was bleibt\u201c!<\/p>\n<p>Die ver\u00f6ffentlichte Meinung hat sich in einer Weise gleichgeschaltet, wie es autokratische Direktiven von oben kaum zustandegebracht h\u00e4tten. Unvorstellbar, dass in einer deutschen Tagesschau ein Schild mit dem Protest gegen Kriegsvorbereitung und Feindbildpflege hochgehalten w\u00fcrde! Stattdessen wird der \u201eFeindsender\u201c RT abgeschaltet. Widerspruch beschr\u00e4nkt sich im Grunde auf eine klar abgezirkelte Gegen\u00f6ffentlichkeit, auf Internetportale wie Telepolis, Scharf-Links und Krass &amp; Konkret oder auf eine Tageszeitung wie die Junge Welt, die &#8211; nicht zuletzt deswegen &#8211; unter Beobachtung des Verfassungsschutzes steht. Die \u00f6ffentlich bekannt gemachte Observierung der JW wird \u00fcbrigens, wie j\u00fcngst ein deutsches Gericht f\u00fcr rechtens befand, gezielt praktiziert, und zwar um dem Blatt \u201eden N\u00e4hrboden zu entziehen\u201c, es also\u00a0<a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/keinmarxistillegal\/de\/article\/423150.angriff-auf-pressefreiheit.html\">wirtschaftlich m\u00f6glichst zu ruinieren<\/a>.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich h\u00e4lt, nomen est omen, die marxistische Vierteljahreszeitschrift GegenStandpunkt dagegen und analysiert unnachgiebig die neuesten Produkte der Symbiose von Gesch\u00e4ft und Gewalt. Ansonsten aber sind die Reihen von demokratischer F\u00fchrung und einschl\u00e4gigem Expertentum weitgehend geschlossen &#8211; und das auch da, wo es fr\u00fcher um linke, kritische, vielleicht auch nur nachdenkliche Theoriebildung ging. Die Bl\u00e4tter f\u00fcr deutsche und internationale Politik fordern eine \u201egrundlegende Debatte \u00fcber unsere Wehrhaftigkeit\u201c, die Zeitschrift Sozialismus wartet in einen Beitrag gleich mit der NATO-Falschmeldung \u201e<a href=\"https:\/\/www.sozialismus.de\/vorherige_hefte_archiv\/sozialismus\/2022\/heft_nr_4_april_2022\/\">Der Krieg ist zur\u00fcck in Europa<\/a>\u201c auf etc. pp.<\/p>\n<p><strong>Erinnerung an eine Vorgeschichte<\/strong><\/p>\n<p>Dass der Krieg eine Vorgeschichte hat, dass er nicht aus heiterem Himmel durch einen \u201ewahnsinnigen\u201c Putin zur\u00fcck nach Europa gebracht wurde, dass ihm die &#8211; dezidierte, offen angesagte &#8211; Missachtung \u00f6stlicher Sicherheitsbed\u00fcrfnisse zu Grunde liegt, erf\u00e4hrt man aus der hiesigen \u00d6ffentlichkeit nicht. Alles wird auf die Kindergarten- oder Grundschulfrage reduziert: Wer hat angefangen? Der objektive Gegensatz selber ist ausgeblendet. \u201eEine Anerkennung der russischen Sicherheitsinteressen ist f\u00fcr Amerika kategorisch ausgeschlossen; die w\u00fcrde ja auf die Annullierung all der strategischen Fortschritte der letzten Jahrzehnte hinauslaufen, die den m\u00e4chtigen Rivalen so erfolgreich in Bedr\u00e4ngnis gebracht haben.\u201c (<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Die-Antwort-der-USA-6631915.html\">Peter Decker<\/a>.<\/p>\n<p>Nur zur Erinnerung, worum es bei diesen strategischen Fortschritten ging: Deutschland, dem durch die USA sehr schnell nach Ende des Zweiten Weltkrieges die Rolle des Frontstaates zugeteilt wurde, fand nach 1990 einen w\u00fcrdigen Nachfolger in der Ukraine, d.h. in einem Land, wo sich ein kampfbereiter, prowestlicher Nationalismus, auch noch mit faschistischer Tradition verst\u00e4rkt, zum Tod f\u00fcrs Vaterland (und zu dessen S\u00e4uberung von den verbliebenen prorussischen Elementen) bereit erkl\u00e4rte. Hier hatte man das neue &#8211; Zug um Zug &#8211; ausgebaute Bollwerk gegen den zum Feind erkl\u00e4rten \u201erussischen B\u00e4ren\u201c zur Hand. Und damit auch Material f\u00fcr eine Feindbildpflege nach dem Muster des Kalten Kriegs, die dann vor allem seit dem Fr\u00fchjahr 2021 hochgefahren wurde.<\/p>\n<p>Jetzt herrscht heisser Krieg, er richtet sich von russischer Seite gegen das weitere Vorankommen der Einkreisungspolitik der NATO mit ihren mittlerweile 30 Mitgliedern, \u201evon denen neun dem\u00a0<a href=\"https:\/\/osteuropa.lpb-bw.de\/\">fr\u00fcheren Warschauer Pakt<\/a>\u00a0angeh\u00f6rten\u201c. Das gr\u00f6sste Kriegsb\u00fcndnis aller Zeiten, der Schutzpatron f\u00fcr diese L\u00e4nder nach ihrer Abkehr vom Realen Sozialismus und ihrer Hinwendung zur Marktwirtschaft, bekennt sich in ideologischer Sprachregelung zur \u201ePartnership for Peace\u201c. Die NATO-Friedenspartner &#8211; die wie Putin ihre Kriege gerne als Operationen eines \u201epeacekeeping\u201c u. \u00c4. ank\u00fcndigen &#8211; sind seit der Gr\u00fcndung des B\u00fcndnisses mit wenigen Ausnahmen im Kriegseinsatz, meistens unter Umgehung des viel gepriesenen V\u00f6lkerrechts.<\/p>\n<p>Das ganze Kriegs- bzw. Friedensengagement l\u00e4uft auf Ansage der F\u00fchrungsmacht USA, die im Alleingang oder mit einer \u201eKoalition der Willigen\u201c t\u00e4tig wird, gerne auch &#8211; was Deutschland jetzt, bislang jedenfalls, am Fall der Ukraine praktiziert &#8211; in Form eines \u201eleading from behind\u201c. Im Blick auf die neue Ostfront seien hier nur noch ein paar Merkpunkte genannt: Die USA k\u00fcndigten den ABM-Vertrag sowie das Verbot der Stationierung von Mittelstreckenraketen, in Rum\u00e4nien wurden \u201eNATO-Abwehrraketen\u201c installiert, Polen beantragte Nuklearwaffen, die Ukraine positionierte sich auf der M\u00fcnchner Siko 2022 in \u00e4hnlicher Weise, Bulgarien setzt sich f\u00fcr die \u201eSt\u00e4rkung der Nato-Flanke im\u00a0Osten\u201c (SZ, 29.3.22) ein &#8230; Das logische Resultat: Russland sieht sich in seiner \u201eBehauptung als strategische Macht\u201c (<a href=\"http:\/\/www.gegenstandpunkt.com\">www.gegenstandpunkt.com<\/a>) und damit in seiner staatlichen Selbstbehauptung gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>Laut und deutlich hat es \u2013 nach \u00fcblicher imperialistischer Manier \u2013 seit Jahren seine roten Linien benannt und sie in der letzten Eskalationsphase seit dem Fr\u00fchjahr 2021 als Forderungskatalog (kein NATO-Beitritt der Ukraine, atomare Deeskalation auf dem osteurop\u00e4ischen Glacis, R\u00fcckkehr zum Prinzip \u201eunteilbarer Sicherheit\u201c) auf den Tisch gelegt. Danach erfolgte genau das, was angek\u00fcndigt war und was die USA (sogar mit Datumsangabe) als russische Reaktion voraussahen. N\u00e4mlich, der russische Beweis, dass man auch anders kann, und zwar mit einer \u201erobusten\u201c Mission, eben Krieg, zuschlagen kann &#8211; ganz nach der bekannten Devise: Angriff ist die beste Verteidigung.<\/p>\n<p><strong>Und Deutschland?<\/strong><\/p>\n<p>Mit der von Kanzler Scholz angesagten \u201eZeitenwende\u201c ist nun klar, dass Deutschland nicht beiseite stehen darf, sondern ganz vorne mitmischen muss. Die neue Linie, deren \u201estrategischen Kompass\u201c die gr\u00fcne Aussenministerin formuliert, setzt ganz selbstbewusst auf einen Militarismus, der nach dem Aufstieg zur Weltwirtschaftsmacht nun auch die Frage nach dem Gewaltbedarf kl\u00e4ren soll. Das Land muss mit Milliarden (mit dem drittgr\u00f6ssten Milit\u00e4rhaushalt der Welt) aufger\u00fcstet und zu einer auf der Weltb\u00fchne massgeblichen Nation aufgebaut werden, zu einer Macht, die auch der Atommacht Russland Paroli bieten kann.<\/p>\n<p>Dazu kommt nicht nur ein Wirtschaftskrieg in Form eines Sanktionsregimes, das \u201eRussland ruinieren\u201c (Baerbock) soll, sondern auch &#8211; \u00dcberraschung! &#8211; eine 180 Grad-Wende in der Fl\u00fcchtlingspolitik. Aber leider nicht f\u00fcr alle! Diesen Zusatz muss man beachten, da man sonst an der neuen europ\u00e4ischen Fl\u00fcchtlingspolitik irre werden k\u00f6nnte. Denn hier ist ja ebenfalls an eine Vorgeschichte zu erinnern: Bis zum Winter 2021, ja bis in die Weihnachtstage und den Jahresanfang 2022 hinein war in Europa absolut klar, dass kein einziger Fl\u00fcchtling mehr reinpasst; dass vielmehr der &#8211; von Belarus tolerierte &#8211; Versuch einiger tausend Elendsgestalten, die polnische Grenze zu \u00fcberschreiten, eine Art \u201ehybrider Krieg\u201c des Ostens gegen \u201euns\u201c darstellt! Fast h\u00e4tte hier schon Polen die Rolle des Frontstaats \u00fcbernommen, wenn nicht die NATO-, sprich die US-Verantwortlichen auf das Heldentum der Ukraine gesetzt h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Kaum zu glauben, aber wahr, jetzt gibt es Platz f\u00fcr Millionen Gefl\u00fcchtete. Prompt hat Deutschland neben Waffenlieferungen, Finanzhilfe und antirussischen Sanktionen eine weitere Solidarit\u00e4ts-Initiative aufgelegt. Wie schon 2015 mit grosser zivilgesellschaftlicher Bereitschaft bzw. mit bravem staatsb\u00fcrgerlichem Gehorsam mitgetragen, gibt es wieder die Ansage \u201eWir schaffen das!\u201c, die Kanzlerin Merkel damals ausgab. Dazu hier ein Hinweis auf ein Interview, das Ende M\u00e4rz 2022 vom Podcast \u201e99 zu eins\u201c ver\u00f6ffentlicht wurde (nachzuh\u00f6ren u.a. auf\u00a0<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=nApS0AHIIrU\">YouTube<\/a>.<\/p>\n<p>Das Interview wurde von \u201e99 zu eins\u201c mit dem Erziehungswissenschaftler Freerk Huisken zum Thema \u201eNeue deutsche Fl\u00fcchtlingspolitik\u201c gef\u00fchrt. Es stand unter der \u00dcberschrift \u201eFl\u00fcchtlingspolitik als Kriegsbeteiligung\u201c und unterzog im Sinne dieser programmatischen Ansage die neue deutsche Solidarit\u00e4t mit Fl\u00fcchtenden aus Kriegs- und B\u00fcrgerkriegsgebieten einer vernichtenden Kritik.<\/p>\n<p>Huisken, der bis 2006 an der Universit\u00e4t Bremen zur politischen \u00d6konomie des Ausbildungssektors forschte, ist ein Kenner der Materie. Er hat zum Thema Fl\u00fcchtlingspolitik in den letzten Jahren zwei B\u00fccher ver\u00f6ffentlicht. 2016 erschien seine Flugschrift \u201eAbgehauen\u201c; 2020 folgten die \u201eFl\u00fcchtlingsgespr\u00e4che 2015ff.\u201c, die sich als Argumentationshilfe zum Streit mit den \u201eJa-aber-Deutschen\u201c verstanden, also als Angriff auf die verbreitete, auch demokratisch anerkannte Ausl\u00e4nderfeindlichkeit, und die auf Gespr\u00e4che und Wortwechsel z.B. aus Huiskens zahlreichen, bundesweiten Diskussions- und Vortragsveranstaltungen zur\u00fcckgingen (N\u00e4heres dazu auf der Homepage: <a href=\"http:\/\/www.fhuisken.de\">www.fhuisken.de<\/a>).<\/p>\n<p>Huisken verweist in dem neuen Interview gleich auf die bis zum 24. Februar geltende europ\u00e4ische Ab- und Ausgrenzungspolitik der herrschenden \u201eAusl\u00e4nderfeinde in Amt und W\u00fcrden\u201c. Den Politikern, die zeitgleich Frontex und andere Abschottungsmassnahmen aufrecht erhalten, sei \u201ekeine moralische Heuchelei zu schade, um sich und die B\u00fcrger zu Hilfeleistungen zu verpflichten\u201c. Journalisten fielen die Widerspr\u00fcche nat\u00fcrlich auf, aber sie n\u00e4hmen dies nicht als Anlass zur Aufkl\u00e4rung, sondern als Auftrag, um besorgt zu fragen, inwieweit das nicht der deutsch-europ\u00e4ischen Glaubw\u00fcrdigkeit schade. Als Beispiel nannte Huisken die S\u00fcddeutsche Zeitung vom 21.3.22. Zitat: \u201eEs geht nicht darum, das Leid der Gefl\u00fcchteten gegeneinander auszuspielen, es geht um die europ\u00e4ische Glaubw\u00fcrdigkeit, die auf dem Spiel steht.\u201c<\/p>\n<p>Huisken kommentiert: \u201eDas ist also die Sorge, die diese Presse, die zu den liberalen Organen geh\u00f6rt, umtreibt: zweierlei Mass und Doppelmoral! Da kennt sich der B\u00fcrger am Ende vielleicht gar nicht mehr aus. Da gibt es vielleicht eine Differenz zwischen B\u00fcrger und F\u00fchrung. Und das darf nicht sein! Gegen diese m\u00f6gliche Unglaubw\u00fcrdigkeit empfiehlt der Artikel nat\u00fcrlich nicht das, was man eigentlich, wenn man die Sache logisch nimmt, folgern k\u00f6nnte. Sie empfiehlt weder die europ\u00e4ischen Aussengrenzen f\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge, die sich in Lagern stauen, zu \u00f6ffnen oder umgekehrt &#8211; alles im Sinne der Logik der Glaubw\u00fcrdigkeit &#8211; Europa auch gegen die Ukraine abzuschotten. Das w\u00e4ren die beiden Varianten, die aus Glaubw\u00fcrdigkeit &#8211; n\u00e4hme man das mal ernst &#8211; folgen w\u00fcrden.\u201c<\/p>\n<p>All das unterbleibt in der hiesigen \u00d6ffentlichkeit, mit deren Analyse Huiskens Interview beginnt. Bei dem SZ-Kommentar hat man das, was eingangs als systematische Desinformation angesprochen wurde, in einem bezeichnenden Beispiel vor sich: Journalisten melden sich zu Wort, damit sie von der Politik gute Gr\u00fcnde geliefert bekommen, die f\u00fcr alle B\u00fcrger glaubw\u00fcrdig begr\u00fcnden, warum mit Kriegsfl\u00fcchtlingen aus der Ukraine so ganz anders verfahren wird als mit denen aus Syrien, Afghanistan usw.<\/p>\n<p>Das ist &#8211; so Huisken &#8211; der Imperativ der gegenw\u00e4rtigen Lage: \u201eGerade im Krieg m\u00fcssen alle verlogenen Begr\u00fcndungen der Politiker glaubw\u00fcrdig r\u00fcberkommen. Gerade im Krieg darf zwischen Volk und nationaler F\u00fchrung kein Blatt passen. Das ist im Krieg die Notwendigkeit, die neue Variante &#8230; von Loyalit\u00e4t.\u201c Und das ist, wie das Fl\u00fcchtlingsthema paradigmatisch kenntlich macht, die wirkliche Sorge, die die Verantwortlichen f\u00fcr die nationale \u00d6ffentlichkeit umtreibt: dass durch die Unglaubw\u00fcrdigkeit der Oberen der Zusammenschluss von Volk und F\u00fchrung leiden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Und ausgerechnet diese \u201efreie Presse\u201c beklagt, dass in Russland die unfreien Medien getreulich den Standpunkt der Regierenden wiedergeben statt die Regierten zu Widersetzlichkeit aufzurufen!<\/p>\n<p><em>#Bild: Fl\u00fcchtlinge aus der Ukraine in Krakau, M\u00e4rz 2022. \/\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:02022_1203_Refugees_from_Ukraine_in_Krak%C3%B3w.jpg\"><em>Silar<\/em><\/a><em>\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\/deed.de\"><em>(CC BY-SA 4.0 cropped)<\/em><\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch\/politik\/europa\/ukraine-krieg-fluechtlingspolitik-7022.html\"><em>untergrund-bl\u00e4ttle.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 4. Mai 2022<\/em><\/p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frank Bernhardt. 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