{"id":11227,"date":"2022-05-06T14:44:45","date_gmt":"2022-05-06T12:44:45","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11227"},"modified":"2022-05-06T14:57:50","modified_gmt":"2022-05-06T12:57:50","slug":"njet-zum-krieg-das-sagen-in-russland-nicht-nur-klassische-oppositionelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11227","title":{"rendered":"Njet zum Krieg \u2013 das sagen in Russland nicht nur klassische Oppositionelle"},"content":{"rendered":"<p><em>Dossier.<\/em> \u201e<em>Mehr als 70 russische Journalisten und ebenso viele Wissenschaftler haben sich in zwei \u00f6ffentlichen Protestschreiben gegen den aktuellen Milit\u00e4reinsatz des eigenen Landes in der Ukraine ausgesprochen. Interessant ist, dass sich im Fall der Presseleute die Teilnehmerliste, die im Sozialen Netzwerk Telegram ver\u00f6ffentlicht wurde, nicht nur auf liberale und allgemein<\/em><!--more--> <em>regierungskritische Medienschaffende beschr\u00e4nkt (\u2026) Auch die Teilnehmerliste des Forscheraufrufs liest sich wie ein \u201eWho is who\u201c der russischen Wissenschaftselite. Hier finden sich vor allem zahlreiche Vertreter der Russischen Akademie der Wissenschaften, Raumfahrtexperten, Universit\u00e4tsdozenten und wissenschaftliche Mitarbeiter von Forschungseinrichtungen. (\u2026) Auch in der russischen Regionalpolitik gibt es \u00e4hnliche Stimmen<\/em>\u2026\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Njet-zum-Krieg-das-sagen-in-Russland-nicht-nur-klassische-Oppositionelle-6525970.html\">Beitrag von Bernhard Gulka vom 25. Februar 2022 in Telepolis<\/a>, siehe weitere Informationen:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Die Antikriegsbewegung in Russland wird militanter: Von Stickern, Blutbadparaden und Explosionen viele Aktionen f\u00fcr den 9. Mai geplant<\/strong>\n<ul>\n<li>Auf der&nbsp;<a href=\"https:\/\/t.me\/nowarmetro\">Telegramseite des russischen \u201eProjekt Fr\u00fchlingsbewegung\u201c<\/a>&nbsp;&nbsp;werden unz\u00e4hlige Bilder von Stickern, Graffitis, Plakate und Wandmalereien unter dem Thema \u201aPicket against War\u2018 gesammelt, die Aktive in unterschiedlichen Orten Russlands angebracht haben und die sich gegen den Krieg richten. Die Aktivist:innen des Kanals schreiben unter jeden Post von Fotosammlungen (russ- Maschinen\u00fcbersetzung):&nbsp;<em>\u201eIn unserem&nbsp;<\/em><a href=\"https:\/\/telegra.ph\/Kak-sdelat-protest-zametnym-Sobrali-vse-sposoby-03-18\"><em>Leitfaden [Telegra.ph Artikel vom 18. M\u00e4rz 2022; russ.]<\/em><\/a><em>&nbsp;f\u00fcr visuelle Proteste und in unserem \u00f6ffentlichen Archiv finden Sie alle Formen der Agitation.\u201c<\/em><\/li>\n<li>Neben den Stadtguerilla-Aktionen zur Sichtbarmachung des Anti-Kriegsprotestes sind auch erneut gr\u00f6\u00dfere Aktionen geplant. Am 9. Mai 2022 dem Tag des Sieges der Roten Armee ruft das feministische Kollektiv FemAgainstWar laut ihrem Telegram-Kanal ab 13 Uhr zu Aktionen auf. Am&nbsp;<a href=\"https:\/\/t.me\/femagainstwar\/2288\">5. Mai 2022 schreiben sie dazu in einem Telegrampost<\/a>&nbsp;(russ. \u2013 Maschinen\u00fcbersetzung): (russ. \u2013 Maschinen\u00fcbersetzung):&nbsp;<em>\u201e9. Mai, ab 13.00 Uhr. (\u2026) In all den Jahren wurde der 9. Mai von Putin nicht als antifaschistischer und antimilitaristischer Feiertag begangen, sondern als ein Feiertag, der zum Krieg ermutigt. Der 9. Mai 2022 wird ein besonders be\u00e4ngstigender Tag sein: Propaganda \u00fcber \u201aukrainische Nazis\u2018 und \u201agerettete Russen\u2018 wird \u00fcber die Fernsehbildschirme flimmern, ein neuer sch\u00e4ndlicher Invasionskrieg wird den Gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieg \u00fcberlagern, um die beiden Schichten der Geschichte zu einem monstr\u00f6sen Heldentum zu verschmelzen. Im belagerten Mariupol werden die russischen Beh\u00f6rden eine \u201aSiegesparade\u2018 abhalten. Es wird eine Blutbad-Parade sein. Es wird spekuliert, dass Putin am 9. Mai den Russen seine vorget\u00e4uschten milit\u00e4rischen Erfolge verk\u00fcnden will. Es ist m\u00f6glich, dass am 9. Mai friedliche Ukrainer:innen, Nachkommen von Menschen, die unter anderem im Zweiten Weltkrieg gek\u00e4mpft haben, weiterhin durch russische Raketen sterben werden (\u2026) Seit zwei Monaten f\u00fchren wir in der Stadt Aktionen durch, die unsere Antikriegsposition deutlich zum Ausdruck bringen. Unsere Position ist ganz einfach: Der Krieg muss sofort beendet werden, die Besatzungstruppen m\u00fcssen abgezogen werden und die russische Regierung und die Streitkr\u00e4fte m\u00fcssen wegen Kriegsverbrechen gegen die Zivilbev\u00f6lkerung der Ukraine vor Gericht gestellt werden. Wir lassen die regierungsfreundlichen Aktionen der Siegesparade und des Unsterblichen Regiments beiseite und gedenken auch der Veteranen des Zweiten Weltkriegs, unserer Gro\u00dfeltern, die diesen neuen monstr\u00f6sen Krieg nicht mehr erlebt haben. Wir erkl\u00e4ren den Tag des Sieges zum Tag des Sieges, das Unsterbliche Regiment zum Unsterblichen Regiment und die Siegesparade zur Blutparade.\u201c<\/em><\/li>\n<li><strong>Aktionen an diesem Tag<br \/>\n<\/strong>Und weiter schreiben sie:&nbsp;<em>\u201e1. (\u2026) Viele Menschen haben geschrieben, dass sie an diesem Tag ihre kollektive Trauer zum Ausdruck bringen m\u00f6chten. Kommen Sie um 13:00-14:00 Uhr auf die Pl\u00e4tze, Stra\u00dfen und Alleen des Friedens in Ihrer Stadt und tragen Sie schwarz, anstelle der St.-Georgs-B\u00e4nder, nehmen Sie schwarze B\u00e4nder und binden Sie sie um die Stadt, \u00e4hnlich den gr\u00fcnen Anti-Kriegs-B\u00e4ndern. Schwarze B\u00e4nder werden f\u00fcr Fotos bei Beerdigungen verwendet; f\u00fcr uns ist der 9. Mai ein Tag der Massengr\u00e4ber und Beerdigungen. Es ist wahrscheinlich, dass Sie auf andere Menschen treffen, die schwarz tragen. Bleiben Sie dicht beieinander, um zu kommunizieren und sich gegenseitig vor m\u00f6glichen Angriffen zu sch\u00fctzen. (\u2026)<br \/>\n2.&nbsp;Das \u201aTodesregiment\u2018 ist eine Variante der Gedenkaktion #Mariupol5000, die Sie bereits kennen. Wir schlagen vor, in den Innenh\u00f6fen Ihrer St\u00e4dte selbstgefertigte Denkm\u00e4ler f\u00fcr die ermordeten Ukrainer:innen aufzustellen. Es sollte viele dieser Gedenkst\u00e4tten im ganzen Land geben. Sie k\u00f6nnen Gedenkst\u00e4tten in jeder Form errichten: Es k\u00f6nnen selbstgemachte Kreuze mit Fotos und Gedenktafeln sein, es k\u00f6nnen Gedenktafeln an H\u00e4usern sein, Sie k\u00f6nnen Stra\u00dfen nach den Toten benennen. Die Namen vieler toter Ukrainer:innen sind in den Nachrichten und Kan\u00e4len (z. B. dieser Gruppe) \u00f6ffentlich bekannt, unter den Toten sind auch diejenigen, die wir kannten und liebten. Zu den Opfern der russischen Aggression geh\u00f6ren auch unabh\u00e4ngige russische Journalisten, die bei der Aus\u00fcbung ihrer Arbeit get\u00f6tet werden. Denken Sie an diesem Tag an Menschen wie Oksana Baulina. Schreiben Sie auf Plakaten \u00fcber russische Kriegsverbrechen in Bucha, Mariupol, Irpen, Kramatorsk. Es sind Zehntausende von Toten, die unser Land zur\u00fcckgelassen hat. (\u2026)<br \/>\n3.&nbsp;F\u00fcr diejenigen, die an diesem Tag nicht trauern, sondern ihre Wut zeigen wollen, schlagen wir ein anderes Format vor die Aktion \u201aBlutparade\u2018: Gie\u00dfen Sie in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai oder w\u00e4hrend des 9. Mai rote Farbe \u00fcber Objekte, die es verdienen: die Buchstaben Z, hinterlassen Sie Blutlachen in der N\u00e4he von Milit\u00e4rausr\u00fcstung, gie\u00dfen Sie es auf die Stufen von Milit\u00e4rregistrierungs- und Verwaltungsgeb\u00e4uden, auf zentrale Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze, auf Stra\u00dfen, auf denen Staatsm\u00e4rsche stattfinden werden.<br \/>\nRussland ist im Blut der Ukrainer ertrunken, dieses Blut soll auf der Oberfl\u00e4che der Stadt sichtbar werden und auch Teil des Tages des Sieges werden. Lasst das Blut auf die Bilder derjenigen kommen, die diesen Krieg feiern werden, die Farbe wird keine Zeit haben, sich zu schnell abzuwaschen. Denken Sie an Kameras, unauff\u00e4llige Kleidung und andere Vorsichtsma\u00dfnahmen. Dies ist eine gef\u00e4hrliche Aktion. Die Sicherheitshinweise finden Sie hier in&nbsp;<\/em><a href=\"https:\/\/t.me\/femagainstwar\/2297\"><em>einem separaten Beitrag<\/em><\/a>&nbsp;[russ. auch aus dem Telegramkanal von<em>\u2026\u201c<\/em><\/li>\n<li><strong>Zunahme von Sabotageaktionen und Explosionen<br \/>\n<\/strong>Bereits am&nbsp;<a href=\"https:\/\/web.telegram.org\/z\/#-1221730953\">1. Mai 2022 dokumentierte die Gesellschaft der belarussischen Eisenbahn<\/a>&nbsp;neue Sabotageaktionen in Russland und leitete auf ihrem Telegram Kanal entsprechende Fotos weiter (russ. \u2013 Maschinen\u00fcbersetzung):&nbsp;<em>\u201eEs wurden Fotos vom teilweisen Einsturz einer Br\u00fccke auf dem 67. Kilometer der Strecke Sudzha-Sosnovy Bor in der Region Kursk ver\u00f6ffentlicht. Der Einsturz wurde am 1. Mai gegen 11 Uhr vormittags entdeckt. Nach Angaben von Roman Starovoit, dem Gouverneur der Region, wurde die Br\u00fccke durch Sabotage besch\u00e4digt.\u201c<\/em><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/taz.de\/Sabotageakte-in-Russland\/!5844653\/\"><em>Bernhard Clasen schreibt in der TAZ am 3. Mai 2022 im Artikel \u201eMysteri\u00f6sen Explosionen\u201c<\/em><\/a><em>&nbsp;: \u201eDas kann kein Zufall und kein technisches Versagen mehr sein: Immer h\u00e4ufiger brennen in Russland, insbesondere im Grenzgebiet zur Ukraine, Milit\u00e4reinrichtungen, oder es kommt zu mysteri\u00f6sen Zerst\u00f6rungen der Infrastruktur. Mehrere Explosionen in der s\u00fcdrussischen Metropole Bel\u00adgo\u00adrod, 80 Kilometer von der ukrainischen Stadt Charkiw entfernt, schreckten in der Nacht zu Montag die Bewohner aus dem Schlaf. (\u2026) In Belgorod und anderen Orten Russlands h\u00e4ufen sich die Ereignisse, bei denen es sich wohl um Sabotageakte handelt. Ebenfalls am Wochenende hatte Gladkow seine Bev\u00f6lkerung von einem mysteri\u00f6sen Feuer unterrichtet, das \u201eauf einer Einrichtung des russischen Verteidigungsministeriums\u201c in Stadtn\u00e4he ausgebrochen war. (\u2026) Auch in anderen russischen St\u00e4dten h\u00e4ufen sich Sabotageakte. Am Sonntag erkl\u00e4rte der Gouverneur des ebenfalls nahe der ukrainischen Grenze gelegenen russischen Gebietes Kursk, Roman Starowojt, der Einbruch einer Br\u00fccke in seinem Gebiet sei auf Sabotage zur\u00fcckzuf\u00fchren. Das russischen Anarchisten nahestehende Portal a2day.org berichtet \u00fcber weitere Sabotageakte gegen den Krieg. Man wisse von mindestens zwei Brandstiftungen bei Rekrutierungszentren. Au\u00dferdem seien mehrere Fahrzeuge der Armee an verschiedenen Orten Russlands in Brand gesteckt worden. In der Stadt Kostroma, so das Portal, habe ein Monument&nbsp;der russischen Kriegspropaganda mit dem Buchstaben \u201eZ\u201c&nbsp;nur drei Wochen gestanden, dann sei es abgerissen worden. Nicht einmal ein Warnschild mit dem Hinweis, das Objekt stehe unter Strom, habe es retten k\u00f6nnen. Doch die Polizei habe eine Person in Zusammenhang mit dem Vorfall festgenommen\u2026\u201c<\/em><\/li>\n<li>Die&nbsp;<a href=\"https:\/\/web.telegram.org\/z\/#-1749365989\">Stiftung gegen den Krieg postete am 5. Mai 2022<\/a>&nbsp;(russ. Maschinen\u00fcbersetzung) folgende Beobachtungen:&nbsp;<em>\u201eZusammenfassung der mysteri\u00f6sen Ereignisse vom 5. Mai: 1) Ein G\u00fcterzug (7 Panzer und ein Waggon) ist in Baschkirien entgleist. Besch\u00e4digung der Bahngleise. (\u2026) 3) In der Region Swerdlowsk kam es zu einem \u201enat\u00fcrlichen Brand\u201c auf den Bahngleisen, der dazu f\u00fchrte, dass die Gleise auf nat\u00fcrliche Weise Feuer fingen. Gestern gab es einen \u00e4hnlichen Vorfall in Vologda. Zufall!? 4) Und in der Region Perm wurden die Bahngleise durch pl\u00f6tzlich umgest\u00fcrzte B\u00e4ume blockiert. \u201aWas sagt der Wind dazu?\u2018 (\u2026) 8) Ein Verwaltungsgeb\u00e4ude in Smolensk brannte lichterloh. Viele von ihnen brennen in verschiedenen St\u00e4dten\u2026 Wie werden sie uns jetzt verwalten? 11) Die M\u00fcllwagenfahrer streiken nicht nur weiter, sondern bereiten sich auch darauf vor, ihren Arbeitgeber zu verklagen, weil dieser beschlossen hat, ihnen den Lohn f\u00fcr ihren Streik vorzuenthalten. Los geht\u2019s! 12) Die Zusteller streiken, es gibt eine umfangreiche Kampagne zu ihrer Unterst\u00fctzung, und die Kund:innen boykottieren den Delivery Club. Sie fragen sich vielleicht, warum der Lebensmittel-Lieferdienst angegriffen wird? Nicht nur, weil er die Arbeitnehmer abzockt. Delivery Club ist zu 98% im Besitz von VK und Sber \ud83d\ude42 13) Auch in Yachtclubs geschehen immer wieder mysteri\u00f6se Dinge. In den Vororten Moskaus beschlagnahmte und zertr\u00fcmmerten [Menschen eine] Jacht f\u00fcr 10 Millionen. Nun, was ist zu erwarten, wenn die Mehrheit der Menschen in Armut versinkt und einige wenige sich Pal\u00e4ste und Yachtclubs bauen? 14) Einige \u201aVandalen\u2018 haben es irgendwie geschafft, ein neues Geb\u00e4ude in Rjasan zu zerst\u00f6ren, das f\u00fcr das Milit\u00e4r bestimmt ist.&nbsp; Wahrscheinlich w\u00e4re sie ohnehin unt\u00e4tig gewesen es gibt deutlich weniger Soldaten im Land\u2026\u201c<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li><strong>Antikriegsbewegung in Russland: Protest auf Ostereiern und im Supermarkt<br \/>\n<\/strong>\u201e<em>Grosse Demonstrationen gegen den Krieg finden nicht mehr statt. Das sagt viel aus \u00fcber die Repression in Russland \u2013 aber wenig \u00fcber die Haltung der Menschen. Insbesondere Feministinnen lassen den Widerstand weiterleben, wenn auch in subtiler Form. (\u2026) Selbst in oppositionellen Kreisen wird \u00fcber die Frage debattiert, ob es in Russland eine Antikriegsbewegung gebe. Witali Bowar geh\u00f6rt zu jenen, die davon \u00fcberzeugt sind, dass es sie gibt. Mehr noch: Sie reiche weit \u00fcber die klassische Anh\u00e4nger:innenschaft der Opposition hinaus, sagt er. Dass sich der Protest nicht in Form von Massenkundgebungen \u00e4ussere, sei kein Indiz f\u00fcr fehlenden Widerstand: \u00abIch habe nicht das Gef\u00fchl, dass sich irgendetwas ver\u00e4ndern wird, wenn wir auf die Strasse gehen\u00bb, so Bowar, \u00abselbst wenn es unglaubliche Massen w\u00e4ren.\u00bb Anstatt sichtbare Resultate zu erreichen, w\u00fcrden Aufrufe zu Strassenprotesten fast schon kontraproduktiv wirken, weil sie mit relevanten Sicherheitsrisiken verbunden seien. Seit Kriegsbeginn wurden nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Agora \u00fcber hundert Strafverfahren wegen kritischer Aussagen oder Aktionen eingeleitet. So drohen der Petersburger K\u00fcnstlerin Alexandra Skotschilenko wegen angeblicher Diskreditierung der russischen Streitkr\u00e4fte bis zu zehn Jahre Straflager. Sie hatte in einem Supermarkt die Preisschilder mit Informationen \u00fcber die Kriegsfolgen ersetzt. Jetzt sitzt sie in Untersuchungshaft. Dank zahlreicher Solidarit\u00e4tsbekundungen hat ihr Fall viel Aufsehen erregt \u2013 anders als unz\u00e4hlige weitere Administrativverfahren, die nur eine kurze Haft oder eine Geldbusse nach sich ziehen. (\u2026) Wo alles einem Verbot zu unterliegen scheint, macht sich unweigerlich Frust breit. Um dem entgegenzuwirken, brauche es konkrete Handlungsperspektiven: Zu diesem Schluss kommt der Feministische Widerstand gegen den Krieg, kurz FAS, und setzt bei kreativen Herangehensweisen an. \u00abWir schlagen relativ sichere Handlungsformate vor\u00bb, sagt eine der Initiantinnen und Koordinatorinnen der Bewegung. (\u2026) Zu Ostern rief der FAS Frauen dazu auf, mit blau-gelb gef\u00e4rbten Eiern die Ostergottesdienste zu besuchen \u2013 und auch, sich das \u00fcberall anzutreffende K\u00fcrzel \u00abCh W\u00bb zunutze zu machen. Im religi\u00f6sen Sinne steht es f\u00fcr die Auferstehung Christi, aber die beiden Buchstaben des kyrillischen Alphabets k\u00f6nnen genauso als Abk\u00fcrzung f\u00fcr \u00abGegen Krieg\u00bb interpretiert werden<\/em>\u2026\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.woz.ch\/2217\/antikriegsbewegung-in-russland\/protest-auf-ostereiern-und-im-supermarkt\">Artikel von Katja Woronina, St.\u2009Petersburg, in der WoZ vom 28.04.2022<\/a><\/li>\n<li><strong>[Mit Solidarit\u00e4tsadresse] 5000 russische Lehrkr\u00e4fte protestieren mutig gegen den Krieg Russlands in der Ukraine<br \/>\n<\/strong>\u201e<em>\u00dcber 5000 Lehrkr\u00e4fte aus allen Regionen Russlands haben eine Petition der Initiative \u201eLehrkr\u00e4fte gegen den Krieg\u201c unterzeichnet der gr\u00f6\u00dfte Protest seit mehr als 30 Jahren unter den Lehrenden. In der Petition hie\u00df es: \u201eDer Krieg gegen die Ukraine \u2026ist nicht unser Krieg. Die Invasion auf das Territorium der Ukraine begann im Namen russischer Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger, aber gegen unseren Willen. Wir sind Lehrkr\u00e4fte und Gewalt widerspricht dem Wesen unseres Berufes. In der Hitze des Krieges sterben unsere Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler. Krieg f\u00fchrt unvermeidlich zu einer Zuspitzung der sozialen Probleme unseres Landes. Wir unterst\u00fctzen die Antikriegsproteste und fordern einen sofortigen Waffenstillstand.\u201c Inzwischen musste die Petition von der Homepage genommen werden, weil das neue russische Mediengesetz Kritik am Krieg unter Strafe stellt. Den Unterzeichnern der Petition drohen Verfolgung und Entlassung. Die GEW-Vorsitzende Maike Finnern erkl\u00e4rte: \u201eF\u00fcr euer mutiges Eintreten f\u00fcr den Frieden verdient ihr unseren Respekt, unsere Solidarit\u00e4t und unsere Unterst\u00fctzung.\u201c Solidarit\u00e4tsadressen an die Lehrkr\u00e4fte in Russland k\u00f6nnen versendet werden an:&nbsp;<\/em><a href=\"mailto:teachershelpnow@gmail.com\"><em>teachershelpnow@gmail.com<\/em><\/a>.\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.rf-news.de\/2022\/kw17\/5000-russische-lehrkraefte-protestieren-mutig-gegen-den-krieg-russlands-in-der-ukraine\">Meldung vom 25.04.2022 in den Rote-Fahne-News<\/a>&nbsp;siehe zur Initiative \u201eLehrkr\u00e4fte gegen den Krieg\u201c die erste Meldung weiter unten<\/li>\n<li><strong>Was k\u00f6nnen wir jetzt tun? Eine kritische Bestandsaufnahme der Aktionen gegen den Krieg in Russland<br \/>\n<\/strong><em>\u201e\u2026 Selbst bei den pessimistischsten Berechnungen unterst\u00fctzen Millionen von Russ*innen die \u00bbSpezialoperation\u00ab nicht \u2013 oder haben zumindest eine ambivalente Wahrnehmung der Ereignisse. Eine andere Frage ist, wie viele derjenigen, die dagegen sind, auch bereit sind, ihre Ablehnung offen zu \u00e4u\u00dfern. Und was noch interessanter ist \u2013 welche politischen Kr\u00e4fte in der Lage sind, den Protest zu lenken. (\u2026) Die Protestwelle im Januar und Februar 2021 war das letzte Aufblitzen, bevor die \u00c4ra der politischen Reaktion begann. Auch die Hoffnungen auf einen neuen Aufschwung im Zusammenhang mit den manipulierten Duma-Wahlen haben sich nicht erf\u00fcllt. (\u2026) Die Tagesordnung hat sich ge\u00e4ndert. Das Problem der Demokratisierung des Regimes ist jetzt in den Hintergrund getreten, w\u00e4hrend sich die Fragen der Beendigung der Kampfhandlungen und der Aufhebung der Sanktionen, die Tausende von Russ*innen arbeitslos gemacht haben, in aller Sch\u00e4rfe stellen. Meinungsumfragen zufolge ist der h\u00f6chste Prozentsatz an Gegner*innen der \u00bbSpezialoperation\u00ab unter denjenigen zu finden, die nicht einmal genug Geld f\u00fcr Lebensmittel haben. (\u2026) Eine politische Massenbewegung ist jetzt unm\u00f6glich. Die w\u00f6chentliche Mobilisierung von Menschen f\u00fcr \u00bbfriedliche Aktionen\u00ab f\u00fchrt nur zur Ersch\u00f6pfung der Aktivist*innen \u2013 einige werden ins Gef\u00e4ngnis gehen, einige werden auswandern und einige werden ausbrennen und den Kampf beenden. (\u2026) Russische Soldaten sterben bei einem von der Regierung angeordneten Massaker. Sie hinterlassen Eltern, Verwandte und Freund*innen. M\u00fctter von ermordeten Soldaten, Familien von Soldaten \u2013 diese Menschen sind voller Schmerz und Wut, die es in die richtige Richtung zu lenken gilt. Am 20. M\u00e4rz blockierten mehreren Medienberichten zufolge Frauen in Karatschai-Tscherkessien die Stra\u00dfe und verlangten Informationen \u00fcber das Schicksal ihrer Angeh\u00f6rigen in der Ukraine. M\u00fctter und Verwandte von Soldaten k\u00f6nnen durchaus eine organisierte politische Kraft sein. (\u2026) Die sich verschlechternde Wirtschaftslage und der R\u00fcckzug Dutzender gro\u00dfer ausl\u00e4ndischer Unternehmen aus Russland f\u00fchren zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. In naher Zukunft werden Tausende von Menschen ohne Einkommen dastehen. Es ist daher eine wichtige Aufgabe, das immer gr\u00f6\u00dfer werdende Heer der Arbeitslosen zu organisieren und ihnen zu helfen, sich als soziale Kraft bewusst zu werden. (\u2026) Gleichzeitig m\u00fcssen wir Beziehungen zu den Belegschaften in den Betrieben aufbauen, sowohl in \u00f6ffentlichen als auch in privaten Unternehmen. In der Krise werden die Unternehmen die Lohnzahlungen an ihre Besch\u00e4ftigten einstellen. Massenstreiks wegen unbezahlter L\u00f6hne \u2013 das ist unsere Zukunft. Wir m\u00fcssen spontane wirtschaftliche Bewegungen mit einer politischen Bewegung verbinden\u2026\u201c<\/em>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.akweb.de\/bewegung\/aktionen-gegen-krieg-in-russland-antikriegsbewegung\/\">Beitrag der in Russland aktiven Gruppe Alternative Linke in der \u00dcbersetzung von Christoph W\u00e4lz vom 12. April 2022 aus ak 681<\/a><\/li>\n<li><strong>Russische Kulturschaffende gegen den Krieg<br \/>\n<\/strong>\u201e<em>Russische Rapstars wie Face und Oxxxymiron erheben ihre Stimme gegen den Krieg. Aber daf\u00fcr mussten sie, wie zehntausende andere junge Oppositionelle, ihr Land verlassen. Die Artrocker IC3PEAK posten Protestvideos. Auch sie sind kurz vor Ver\u00f6ffentlichung des neuen Videos ausgereist. Wer sich gegen Putin stellt, ist dort nicht mehr sicher. TikTok-Star Nikita Sass postet trotzdem mutig weiter seine Meinung und bleibt. Das trauen sich nur wenige. Es findet ein regelrechter \u201eKreativ-Exodus\u201c statt, denn seit dem Angriff auf die Ukraine haben sich auch im Land die Repressalien empfindlich versch\u00e4rft. Wo formiert sich kultureller Widerstand, und wie sieht er aus? Was machen die Gefl\u00fcchteten im Exil? \u201eTracks\u201c sucht und findet Stimmen und Aktionen junger Kulturschaffender in Russland, der Ukraine, den USA und Deutschland. Ein dichtes Stimmungsbild der widerst\u00e4ndigen Geister, die Putin ausspucken m\u00f6chte \u201ewie eine M\u00fccke\u201c. \u201eTracks\u201c verschafft ihnen Geh\u00f6r, auch und vor allem in ihrer Heimat. Deswegen wird die Sendung auch in einer russischen Sprachfassung angeboten<\/em>\u2026\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.arte.tv\/de\/videos\/106757-009-A\/tracks\/\">Video der Sendung Tracks vom 1.4.2022 bei arte<\/a><\/li>\n<li><strong>Russische Friedensbewegung beweist grossen Mut, doch: Wo bleiben Russlands Gewerkschaften?<br \/>\n<\/strong><em>\u201eDer postsowjetische Gewerkschaftsbund FNPR ist dem Kremlherrscher treu ergeben. Kleinere Verb\u00e4nde kritisieren Putin dagegen erstmals \u00f6ffentlich. Und riskieren damit sehr viel. (\u2026) 14\u2019971 inhaftierte Demonstrantinnen und Demonstranten in \u00fcber 150 Ortschaften hat die russische Nichtregierungsorganisation OVD-Info seit Kriegsbeginn am 24.\u2009Februar schon gez\u00e4hlt (Stand Redaktionsschluss am 16.\u2009M\u00e4rz). Trotzdem komme es immer noch t\u00e4glich zu Protesten. Auf die Strasse gingen allerdings vorwiegend junge Leute in grossen St\u00e4dten. Das best\u00e4tigt auch Dimitri Petrow* von der unabh\u00e4ngigen Lehrergewerkschaft. Er ist der einzige russische Gewerkschaftsvertreter, der auf eine breit angelegte work-Umfrage reagiert hat. Petrow schreibt, es sei schwer zu sagen, wie verbreitet die Ablehnung des Krieges unter seinen Landsleuten sei: \u00abW\u00e4hrend staatliche Meinungsumfragen eine Kriegs-Zustimmung von \u00fcber 70 Prozent ergeben, kommt eine Analyse der unabh\u00e4ngigen Zeitung \u2039Nowaja Gazeta\u203a auf das genaue Gegenteil. Wie auch immer: Der Krieg spaltet die russische Gesellschaft zweifellos.\u00bb Auch seine Lehrergewerkschaft habe sich an der Frage entzweit, ob sie den Krieg \u00f6ffentlich verurteilen solle. Genau das getan haben allerdings die Gewerkschaft des Luftfahrtpersonals des Moskauer Flughafens Scheremetjewo, die russische Seeleutegewerkschaft (die \u00fcber die Internationale Transportarbeiterf\u00f6deration mit der Unia verbunden ist) sowie KTR, der 2,5 Millionen Mitglieder starke Dachverband der Alternativgewerkschaften. (\u2026) Der KTR verk\u00fcndete bereits am zweiten Tag der Invasion: \u00abMit grosser Bitterkeit halten wir fest, dass es die arbeitende Bev\u00f6lkerung beider L\u00e4nder ist, die unter dem Konflikt leidet.\u00bb Die \u00abmilit\u00e4rischen Aktionen\u00bb m\u00fcssten \u00absofort\u00bb aufh\u00f6ren. Ein vorsichtiges, aber mutiges Statement! Und eines, das v\u00f6llig neue Dynamiken offenbart. Denn bis anhin hatte sich der KTR kaum je getraut, Putins Politik \u00f6ffentlich zu kritisieren. Erst recht nicht, seitdem ihr Mitglied, die k\u00e4mpferische Automobilarbeitergewerkschaft MPRA, 2018 als \u00abausl\u00e4ndische Agentin\u00bb angeklagt und faktisch zerschlagen worden war. Keine Probleme mit dem Kremlherrscher hat dagegen der Gewerkschaftsdachverband FNPR \u2013 der grosse Konkurrent der KTR. (\u2026) Der FNPR ist der direkte Rechtsnachfolger der sowjetischen Betriebsorganisationen und mit seinen rund 28 Millionen Mitgliedern die gr\u00f6sste zivile Organisation in Russland nach der orthodoxen Kirche. Seit 20 Jahren entwickelt sich der Riesenverband zunehmend zur tragenden St\u00fctze des Regimes. So verurteilten die FNPR-Spitzen s\u00e4mtliche Oppositionsproteste der letzten Jahre scharf. Und auch jetzt stellen sie sich voll hinter den Kreml: Man unterst\u00fctze den Herrn Pr\u00e4sidenten bei seiner \u00abOperation zur Entnazifizierung der Ukraine\u00bb, schreibt der FNPR in einem Communiqu\u00e9. Es endet mit dem Schlachtruf \u00abFriede den Nationen! Krieg den Nazis!\u00bb Trotz solchem Kriegsgeheul hat Lehrer Petrow die Hoffnung nicht aufgegeben. Die weitere Entwicklung sei zwar schwer vorauszusagen. Eines jedoch sei sicher: \u00abDie Friedensbewegung ist jetzt besser organisiert und viel aktiver als die Kriegsunterst\u00fctzer, obwohl letztere vom Staat unterst\u00fctzt werden.\u00bb\u201c<\/em>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.workzeitung.ch\/2022\/03\/wo-bleiben-russlands-gewerkschaften\/\">Bericht von Jonas Komposch in der Work vom 18. M\u00e4rz 2022<\/a>&nbsp;(Zeitung der schweizerischen Gewerkschaft Unia)<br \/>\nSiehe die Position der russischen Gewerkschaften im Dossier:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/?p=197318\">Keine Waffenlieferungen in die Ukraine! Friedenspolitik statt Krieg!<\/a><\/li>\n<li><strong>Protest gegen Ukraine-Krieg in Russland: Mutiges Eintreten f\u00fcr den Frieden<br \/>\n<\/strong>\u201e<em>In Russland braucht es viel Mut, sich gegen den Krieg in der Ukraine zu positionieren. Tausende Lehrkr\u00e4fte haben es trotzdem gewagt und setzten damit ein starkes Zeichen f\u00fcr den Frieden. Mehr als 5000 Lehrkr\u00e4fte aus allen Regionen Russlands, davon einige auch aus dem Ausland, haben eine Petition der Initiative \u201eLehrkr\u00e4fte gegen den Krieg\u201c unterzeichnet. Es ist der gr\u00f6\u00dfte Protest der Lehrkr\u00e4fte in Russland seit mehr als 30 Jahren.<br \/>\nDie Initiative&nbsp;<\/em><a href=\"https:\/\/www.teachnotwar.org\/de\"><em>\u201eLehrkr\u00e4fte gegen den Krieg\u201c<\/em><\/a><em>&nbsp;musste den Petitionstext nach dem neuen Mediengesetz in Russland, das die kritische Berichterstattung \u00fcber den Krieg unter Strafe stellt, mittlerweile von der Homepage nehmen.<br \/>\nDie GEW-Vorsitzende Maike Finnern hat sich in einem&nbsp;<\/em><a href=\"https:\/\/www.gew.de\/fileadmin\/media\/sonstige_downloads\/hv\/Internationales\/2022-03-31-GEW-Solidarity-Letter-Teachers-against-war.pdf\"><em>Schreiben<\/em><\/a><em>&nbsp;mit den Lehrkr\u00e4ften in Russland solidarisiert. (\u2026) In dem Offenen Brief russischer Lehrkr\u00e4fte gegen den Krieg in der Ukraine hei\u00dft es: \u201eJeder Krieg bedeutet menschliche Opfer und Zerst\u00f6rungen. Krieg ist eine Katastrophe. Der Krieg gegen die Ukraine, der in der Nacht vom 23. auf den 24. Februar begonnen wurde, ist nicht unser Krieg. Die Invasion auf das Territorium der Ukraine begann im Namen russischer Staatsb\u00fcrger*innen, aber gegen unseren Willen. Wir sind Lehrkr\u00e4fte und Gewalt widerspricht dem Wesen unseres Berufes. In der Hitze des Krieges sterben unsere Sch\u00fcler*innen. Krieg f\u00fchrt unvermeidlich zu einer Zuspitzung der sozialen Probleme unseres Landes. Wir unterst\u00fctzen die Antikriegsproteste und fordern einen sofortigen Waffenstillstand.\u201c<br \/>\nDen Unterzeichnern des Briefs und weiteren kritischen Stimmen in den Bildungseinrichtungen drohen aktuell Verfolgung und Entlassungen. Die beiden unabh\u00e4ngige Bildungsgewerkschaften Uchitel\u2018 und \u201eUniversit\u00e4re Solidarit\u00e4t\u201c in Russland setzen sich f\u00fcr die Belange von verfolgten Lehrkr\u00e4ften am Arbeitsplatz ein. In einer Stellungnahme der Hochschulgewerkschaft hei\u00dft es: \u201eDie Universit\u00e4tsleitungen \u00fcben Druck auf Hochschulmitarbeiter*innen aus, die sich offen gegen den Krieg aussprechen, und einige Kolleg*innen werden gegen ihren Willen entlassen. Auch Studierende werden unter Druck gesetzt und rechtswidrig mit Verweisen und Exmatrikulation bedroht, wenn sie sich an friedlichen Anti-Kriegs-Protesten beteiligen.\u201c<br \/>\nSolidarit\u00e4tsadressen an die Lehrkr\u00e4fte in Russland sind eine M\u00f6glichkeit, ein Zeichen der Solidarit\u00e4t zu senden und ihnen den R\u00fccken zu st\u00e4rken. Das Schreiben der GEW kann als&nbsp;<\/em><a href=\"https:\/\/www.gew.de\/fileadmin\/media\/sonstige_downloads\/hv\/Internationales\/2022-03-31-GEW-Solidarity-Letter-Teachers-against-war.pdf\"><em>Musterschreiben<\/em><\/a><em>&nbsp;verwendet werden \u2013 etwa auch von GEW-Gliederungen, die sich mit den Lehrkr\u00e4ften solidarisieren wollen. Sie k\u00f6nnen an diese Adresse versendet werden: teachershelpnow(at)gmail(dot)com<\/em>.\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.gew.de\/aktuelles\/detailseite\/russische-lehrkraefte-engagieren-sich-gegen-den-krieg\">Beitrag von Carmen Ludwig, Referentin f\u00fcr Internationales, am 31.03.2022 bei der GEW<\/a><\/li>\n<li><strong>Sabotiert diesen Krieg! Gespr\u00e4ch mit einem russischen Anarchosyndikalisten<br \/>\n<\/strong>\u201e<em>Ein Krieg, der in Russland nicht so hei\u00dfen darf; Propagandageheul auf allen Seiten; Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit au\u00dfer Kraft \u2013 die Lage seit dem russischen \u00dcberfall auf die Ukraine ist denkbar un\u00fcbersichtlich. Unser Gespr\u00e4chspartner, ein russischer Anarchosyndikalist, bewahrt dennoch klaren Kopf. Sein ausgepr\u00e4gtes Geschichts- und Klassenbewusstsein und die nach wie vor bestehenden Kontakte zu seinen Genoss*innen in beiden Krieg f\u00fchrenden L\u00e4ndern helfen ihm, die Geschehnisse zu analysieren und nicht in die Falle des Nationalismus und der Kriegsbegeisterung zu tappen. Seinen Namen m\u00f6chte er aus Gr\u00fcnden des Selbstschutzes lieber nicht in der Zeitung sehen. (\u2026)<br \/>\nNat\u00fcrlich unterscheiden sich die Argumente und Slogans der verschiedenen Str\u00f6mungen. Alle fordern eine Einstellung der Feindseligkeiten und den Abzug russischer Truppen aus der Ukraine. Es wird auch die Bestrafung der f\u00fcr die Organisation des Krieges Verantwortlichen gefordert. Aber w\u00e4hrend z. B. die Mehrheit der teilnehmenden Anarchist*innen die Position \u201eKein Krieg, sondern Klassenkampf\u201c vertritt, ist es f\u00fcr liberal gesinnte Demonstrant-*innen nicht ungew\u00f6hnlich, f\u00fcr die Ukraine als Staat zu demonstrieren, ukrainische Flaggen zu hissen oder zu sagen, dass sie sich \u201esch\u00e4men, Russ*innen zu sein\u201c (als ob eine solche Kollektivschuld keine nationalistische Idee w\u00e4re!). Und einige bekunden sogar Sympathie f\u00fcr die NATO. Das alles ist jedoch nicht neu: Wir haben 2008 und 2014 die gleichen Effekte beobachtet.<br \/>\n\u00dcbrigens beschr\u00e4nkt sich die Opposition gegen den Krieg nicht auf Stra\u00dfenproteste. Vertreter*innen der Kunstwelt, Schauspieler*innen, Wissenschaftler*innen etc. unterzeichnen kollektive Protestbriefe, bereits in den ersten Tagen wurden mehr als eine Million Unterschriften f\u00fcr eine Petition zur Beendigung des Krieges gesammelt. Sogar einige Politiker*innen einer so \u201eoffiziell anerkannten\u201c Partei wie der Kommunistischen Partei der Russischen F\u00f6deration bef\u00fcrworteten eine Einstellung der Feindseligkeiten \u2013 allerdings sind sie innerhalb ihrer Partei nur eine kleine Minderheit. Auch Mitglieder verschiedener kleiner linker und sogar leninistischer Parteien sprachen sich gegen den Krieg aus. (\u2026)&nbsp;Die Anarchist*innen in Russland sind nat\u00fcrlich alle gegen den Krieg. Sie setzen aber unterschiedliche Akzente. Wir Anarcho-Syndikalist*innen vertreten Positionen des prinzipientreuen und vollst\u00e4ndigen Internationalismus und Antimilitarismus, stellen uns gegen alle Kriegsparteien, weil sie etatistisch und kapitalistisch sind, und rufen die Einwohner*innen Russlands und der Ukraine auf, diesen Krieg zu sabotieren.&nbsp;Wir glauben nicht an \u201egerechte\u201c und \u201eBefreiungskriege\u201c, und wir verurteilen sowohl expansionistische Eroberungen als auch die \u201eVerteidigung des Vaterlandes\u201c. Unsere Solidarit\u00e4t gilt den Zivilist*innen, die unter dem Krieg, den gegenw\u00e4rtigen barbarischen Bombardierungen und dem Beschuss von St\u00e4dten leiden. Gleichzeitig gibt es andere Anarchist*innen, die glauben, dass man mit dem \u201eAbwehrkampf des ukrainischen Volkes\u201c sympathisieren sollte. (\u2026)&nbsp;Die anarchistische Bewegung in Russland ist zahlenm\u00e4\u00dfig nicht sehr stark und weit verstreut. Daher werden Informationen nicht systematisch erfasst, manchmal erfahren wir nur zuf\u00e4llig von einer Aktion. Aber wir wissen, dass Flugbl\u00e4tter aufgeh\u00e4ngt wurden, dass es zahlreiche Graffiti gegen den Krieg gibt, dass Transparente und Plakate aufgeh\u00e4ngt wurden \u2026 Und nat\u00fcrlich sind Kampagnen im Internet von gro\u00dfer Bedeutung: Manchmal erreichen sie mehr Menschen als herk\u00f6mmliche Flugbl\u00e4tter.&nbsp;(\u2026)<br \/>\nJeder Krieg, das lehrt die Geschichte, ist f\u00fcr Anarchist*innen eine Bew\u00e4hrungsprobe: Wie stark ist ihr Internationalismus wirklich? Wird ein*e Anarchist*in genug \u00dcberzeugungskraft und Bewusstsein haben, um nicht patriotischen Vorurteilen und Emotionen zu erliegen, um nicht im Hagel fliegender Bomben, Granaten, Raketen und Kugeln den Kopf zu verlieren? Um weiterhin alle Krieg f\u00fchrenden Staaten und ihre herrschenden Klassen zu verurteilen und den hysterischen Aufrufen zur \u201eVerteidigung der Heimat\u201c nicht zu gehorchen?<br \/>\nLeider haben \u2013 genau wie 2014 \u2013 nicht alle anarchistischen Gruppen und Aktivist*innen in der Ukraine diese Probe bestanden. W\u00e4hrend die Gruppe \u201eAssembly\u201c in Charkow ein internationalistisches Interview ver\u00f6ffentlichte, rief zum Beispiel die \u201eRevolution\u00e4re Aktion\u201c in Kiew dazu auf, die Ukraine auf der Seite des bestehenden Staates mit Waffen zu verteidigen. Einige, wie die Gruppe \u201eSchwarze Fahne\u201c in Lviv und Kiew, haben eine in sich widerspr\u00fcchliche Position: Einerseits verurteilen sie alle Krieg f\u00fchrenden Regime und sind sich der etatistischen und Klassennatur des Konflikts bewusst, andererseits rufen sie dazu auf, in die Reihen der so genannten Territorialverteidigung vor Ort einzutreten.&nbsp;Die erw\u00e4hnten Milizen entstehen augenscheinlich aus dieser \u201eTerritorialverteidigung\u201c. Sie erhalten Waffen von den Beh\u00f6rden, gehorchen den \u00f6rtlichen Beh\u00f6rden und folgen der allgemeinen offiziellen Milit\u00e4rlinie. Diese Gruppen sind nicht unabh\u00e4ngig und proklamieren keine von der Regierung getrennten Kriegsziele. Daher betrachten wir die Teilnahme von Anarchist*innen an ihnen als grundlegend falsch, als geradezu gegen die Essenz der anarchistischen Idee gerichtet.&nbsp;Die anarchistischen Bef\u00fcrworter*innen der Milizen verweisen auf das historische Beispiel Nestor Machnos. Aber sie vergessen, dass die Machnowisten nicht \u201eihre Heimat\u201c verteidigt haben, sondern die Errungenschaften der sozialen Revolution. Nat\u00fcrlich haben wir nichts gegen eine echte Selbstverteidigung gegen das pl\u00fcndernde und vergewaltigende Milit\u00e4r, aber eine solche Selbstverteidigung muss unabh\u00e4ngig sein und darf nicht den milit\u00e4rischen Zielen eines der Krieg f\u00fchrenden Staaten dienen<\/em>\u2026\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.linksnet.de\/artikel\/48367\">Interview aus der Graswurzelrevolution 468 vom April 2022 dokumentiert am 30.03.2022 beim Linksnet<\/a>, siehe auch unser Dossier:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/?p=199448\">Hilfe und Asyl f\u00fcr russische und ukrainische Deserteure!<\/a><\/li>\n<li><strong>Die Antikriegsbewegung in Russland: Heimatfront zwischen Folter und Massenarmut<br \/>\n<\/strong><em>\u201eDie Bewegung gegen den Krieg k\u00e4mpft in Russland nicht nur f\u00fcr den Abzug der russischen Truppen aus der Ukraine. Sie k\u00e4mpft unter hohem Repressionsdruck gleichzeitig um eine Zukunft, in der man noch w\u00fcrdig in Russland leben kann. Am 24.Februar trieb das Entsetzen \u00fcber den Krieg vor allem junge Menschen sofort auf die Stra\u00dfe, in \u00fcber 50 russischen St\u00e4dten wurde protestiert. Die Beh\u00f6rden wurden \u00fcberrascht und reagierten harsch: Schon am ersten Tag wurden 6835 Menschen verhaftet.<br \/>\nDas Putin-Regime hatte den Aktionsradius der Zivilgesellschaft seit langem immer weiter begrenzt. Die einzig verbliebene legale M\u00f6glichkeit des Protests war es zuletzt, einsam mit einem Plakat in der Hand irgendwo in der \u00d6ffentlichkeit herumzustehen. Ein gro\u00dfer Teil der Proteste gegen den Krieg entlud sich daher in \u00f6ffentlichen Erkl\u00e4rungen. An einer Onlinepetition f\u00fcr einen Waffenstillstand und den Abzug der russischen Truppen beteiligten sich binnen einer Woche \u00fcber eine Million Menschen, Hunderttausende unterzeichneten mit ihrem Klarnamen Offene Briefe ihrer Berufsgruppe an die Regierung. Zu Kriegsbeginn schrieb die Gruppe Sozialistitscheskaja Alternatiwa (SozAlt): \u00abPutin f\u00fchlt sich st\u00e4rker als je zuvor in den vergangenen zwanzig Jahren. Das Land hat 640 Milliarden Dollar an Devisenreserven angeh\u00e4uft, eine Partnerschaft mit China aufgebaut und Europa von russischem Gas abh\u00e4ngig gemacht, die Opposition im eigenen Land ist unterdr\u00fcckt und die russische Bev\u00f6lkerung wird durch immer neue Repressionen eingesch\u00fcchtert.\u00bb Das war die Ausgangslage f\u00fcr die Antikriegsbewegung. Bereits eine Woche nach dem Einmarsch wurden weitere demokratische Rechte eingeschr\u00e4nkt. (\u2026) Sowohl RSD als auch SozAlt verbanden die Mobilisierung f\u00fcr den 6.M\u00e4rz mit der M\u00f6glichkeit politischer Streiks. SozAlt betonte die Bedeutung der Offenen Briefe diverser Berufsgruppen. Damit k\u00f6nnten sich Kriegsgegner:innen in Betrieben und Branchen zusammenzufinden und gemeinsam protestieren und Streiks vorbereiten. Die Gruppe verband die Mobilisierung f\u00fcr den 6.M\u00e4rz mit einer Aussicht auf einen dreist\u00fcndigen politischen Warnstreik am 9.M\u00e4rz. (\u2026) Dass Streiks m\u00f6glich sind, zeigte der spontane Ausstand in der \u00f6lverarbeitenden Fabrik Gemont in der Gro\u00dfstadt Nishnekamsk am 5.M\u00e4rz. Die Fabrik hat einen t\u00fcrkischen Eigent\u00fcmer, die L\u00f6hne sind an den Wechselkurs gebunden, durch den schwachen Rubel sanken auch die L\u00f6hne.<br \/>\nInfolge der westlichen Sanktionen ist die russische Wirtschaft mit massenhaften Fabrikschlie\u00dfungen und Entlassungen konfrontiert. Es drohen ausstehende Lohnzahlungen, eine rasante Inflation und die Zahlungsunf\u00e4higkeit des Staates. Streiks mit wirtschaftlichen Forderungen k\u00f6nnten schnell zu einem Fl\u00e4chenbrand politischer Streiks werden, die sich gegen den Krieg und die Regierung richten. (\u2026) Am 13.M\u00e4rz gingen deutlich weniger Menschen als am 6.M\u00e4rz auf die Stra\u00dfe. Zuvor hatte es Verhaftungen, Anklagen nach den neuen Gesetzen, Razzien und Exmatrikulationen Studierender gegeben. (\u2026) Das Beispiel Belarus zeige, dass auch Massenproteste ein diktatorisches Regime nur effektiv in Frage stellen k\u00f6nnen, wenn es eine organisierte politische Kraft gebe, die den Protest in eine Massenstreikbewegung \u00fcberf\u00fchrt\u2026\u201c<\/em>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/interventionen\/solidaritaet\/njet-zum-krieg-das-sagen-in-russland-nicht-nur-klassische-oppositionelle\/Artikel%20von%20Christoph%20W%C3%A4lz%20in%20Soz%20vom%20April%202022%0bhttps:\/www.sozonline.de\/2022\/04\/die-antikriegsbewegung-in-russland\/\">Artikel von Christoph W\u00e4lz in Soz vom April 2022<\/a><\/li>\n<li><strong>\u2018Meint Ihr, die Russen wollen Krieg\u2019 oder verkl\u00e4rt die \u2018traditionelle Linke\u2019 das Russlandbild der Deutschen?<br \/>\n<\/strong><em>\u201eDer russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat nicht nur die Nato und den Westen zu m\u00e4chtigen Hilfsaktionen f\u00fcr die ukrainische Armee und zu gewaltigen Sanktionen gegen die Wirtschaft Russlands bewogen, er hat zur gleichen Zeit eine ideologische Offensive gegen die \u201etraditionelle Linke\u201c ausgel\u00f6st, die diese endg\u00fcltig mundtot und politikunf\u00e4hig machen soll. Die Vorw\u00fcrfe kommen dabei nicht nur vom Lager der Mainstream-Medien und -Parteien, sie r\u00fchren auch von FreundInnen und GenossInnen im Lager der Friedensbewegung und der gesamten Linken. (\u2026) Wenn die Kritiker uns vorwerfen, wir unterhielten ein sentimentales Verh\u00e4ltnis zu Russland, voll von Sympathie f\u00fcr die sozialistischen Anstrengungen und voller Schuldgef\u00fchl angesichts des Nazi-\u00dcberfalls auf die Sowjetunion, die 27 Millionen Sowjet-Menschen das Leben kostete, dann muss ich f\u00fcr meinen Teil sagen: Ja, das stimmt. (\u2026) Das Problem heute r\u00fchrt nicht nur von den unzufriedenen Massen her, sondern auch von den Oligarchen, deren Kapitale durch die Sanktionen des Westens nicht mehr die gewohnten Profite abwerfen und die sich deshalb ihre Haltung zu Putin neu \u00fcberlegen. Sollte Putin seine Kriegsziele spektakul\u00e4r verfehlen, m\u00fcsste er eine \u201enationale Dem\u00fctigung\u201c erleiden, bek\u00e4me er kontra von allen bedeutenden politischen Seiten. Bei den Massen w\u00fcrde seine nationalistische Demagogie, da er seine Ziele verfehlt, sich gegen ihn wenden, bei den Oligarchen, den Wirtschaftskapit\u00e4nen, verl\u00f6re er an Unterst\u00fctzung. (\u2026) Der von vielen herbeigesehnte Sturz Putins von innen, durch den eigenen, nun entt\u00e4uschten und besorgten Machtapparat scheint dennoch eher unwahrscheinlich. Begonnen hat die Benennung der Verantwortlichen im Sicherheits- und Milit\u00e4rapparat, einschlie\u00dflich h\u00f6chster \u201eW\u00fcrdentr\u00e4ger\u201c, und ihre \u00f6ffentliche Dem\u00fctigung durch Putin bei landesweit ausgestrahlten Fernsehprogrammen. Eine \u201eS\u00e4uberungswelle\u201c steht bevor, die von der gro\u00dfen Mehrheit der neuen Eliten getragen wird, die sich ihrer prek\u00e4ren Lage gegen\u00fcber ihren kapitalistischen Konkurrenten im Westen bewusst sind. Sollte das Putin-System st\u00fcrzen, wird es zu einer Neuverteilung der Reicht\u00fcmer Russlands kommen \u2013 diese Bef\u00fcrchtung h\u00e4lt die Oligarchenclique zusammen und bei Putin, bei aller Kritik an dessen kriminellen, aber auch dilettantischen Vorgehen in der Ukraine. Auch die Jagd des Westens auf Verm\u00f6gensteile der Oligarchen im Westen treibt sie eher Richtung Putin-Russland. Doch auch wenn es in Moskau nicht zu einem Personen-Wechsel an der Spitze kommt, wird sich Russland schlie\u00dflich, da die Ukraine milit\u00e4risch nicht zur Aufgabe gezwungen wird, auf eine Verhandlungsl\u00f6sung einstellen m\u00fcssen. Und Russland kann froh sein, wenn China dabei eine bestimmende Rolle spielt\u2026\u201c<\/em>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.isw-muenchen.de\/2022\/03\/meint-ihr-die-russen-wollen-krieg-oder-verklaert-die-traditionelle-linke-das-russlandbild-der-deutschen-i\/\">Erster Teil eines Beitrags von Conrad Schuhler vom 28. M\u00e4rz 2022 beim isw<\/a>&nbsp;und Teil II:<\/p>\n<ul>\n<li><em>\u201eWir (die traditionelle Linke), seien nach wie vor im \u201ereaktion\u00e4ren Lagerdenken\u201c gefangen, stellten uns in der \u201eSystemkonkurrenz lieber auf die Seite einer rotgelackten national-kapitalistischen Einparteienherrschaft\u201c statt auf die der b\u00fcrgerlichen Demokratie des Westens. So lauten die Vorw\u00fcrfe aus dem Lager der Mainstream-Medien und -Parteien, sie r\u00fchren aber auch von FreundInnen und GenossInnen im Lager der Friedensbewegung und der gesamten Linken. Frank Deppe, marxistischer Politikprofessor emeritus der Uni Marburg, nennt ein Verst\u00e4ndnis der internationalen Konfliktlinien in Begriffen des Kalten Krieges \u201enaiv\u201c. Es ist mehr als das \u2013 es ist falsch und kann gegebenenfalls gef\u00e4hrlich sein. Der alte Block des Westens ist zwar immer noch ein von den USA dominierter Block, dessen Einheit aber erst durch eine Bedrohung von au\u00dfen, wie jetzt im Fall der Ukraine, hergestellt wird. Europa, vor allem Frankreich und Deutschland, betonen eine gr\u00f6\u00dfere Eigenst\u00e4ndigkeit Europas, eine eigene Armee, ein gr\u00f6\u00dferes Gewicht in der Nato. Und selbst jetzt dr\u00fccken sich die Widerspr\u00fcche aus im Beharren der Deutschen auf ihren Importen von Energierohstoffen aus Russland. Der Versuch der deutschen Regierung, die Energieabh\u00e4ngigkeit von Russland zu beheben durch vermehrte Importe aus den arabischen Despotien demonstriert, wie gehaltlos das Gerede der US-Regierung ist, es ginge weltweit um das Gegen\u00fcber von Demokratien gegen Autokratien. Das diese Epoche kennzeichnende Kriterium ist nicht die Haltung zur \u201eDemokratie\u201c, sondern die realpolitische Erw\u00e4gung der L\u00e4nder, ihr Interesse lieber beim St\u00e4rkepol USA zu suchen oder aber bei der am schnellsten wachsenden Supermacht China. Nach Kaufkraft gemessen produzieren die USA ein gutes F\u00fcnftel des gesamten Weltprodukts. US-Kapitalisten besitzen erhebliche Teile des Kapitals in anderen entwickelten L\u00e4ndern des Kapitalismus, sie besitzen den gr\u00f6\u00dferen Teil der weltweiten Lieferketten. Diese stellen die neue Form der internationalen Ausbeutung der L\u00e4nder des S\u00fcdens dar. (\u2026) Putin, alles andere als ein Marxist, hat die Worte des alten Bolschewiken in den Wind geschlagen. Und er hat sich v\u00f6llig verrannt \u2013 milit\u00e4rstrategisch, politisch, auch ideologisch. Diese krude These, die Ukraine habe keine nationale Identit\u00e4t, sie sei eine k\u00fcnstliche Sch\u00f6pfung der fr\u00fchen Sowjetunion, war noch nie haltbar, und Putins Invasion hat das Nationalbewusstsein noch gesch\u00e4rft. Russland muss, wie schon dargelegt, zu einer Friedensregelung bereit sein, die die nationale Selbstbestimmung der Ukraine festh\u00e4lt und dagegen den von den USA und der Nato best\u00e4tigten Verzicht der Ukraine auf Nato-Mitgliedschaft festlegt. Die Bev\u00f6lkerung der Regionen Krim und Donbass werden in Abstimmungen \u00fcber ihre staatliche Zugeh\u00f6rigkeit entscheiden. Im Rahmen der KSZE werden Regelungen der Friedenssicherung und der Abr\u00fcstung in Europa angestrebt. China, mit dem Russland in vielen Vertr\u00e4gen als ein prinzipieller Partner verbunden ist, sollte auf den westlichen Nachbarn einwirken, zu Positionen des V\u00f6lkerrechts, wie sie auch von BRICS bekr\u00e4ftigt wurden, zur\u00fcckzukehren. Mehr noch als die Sanktionen des Westens wird das Gewicht Chinas das Putin-Russland zu einer Position bewegen, die sowohl das Selbstbestimmungsrecht der Ukrainer wie auch das Sicherheitsbed\u00fcrfnis Russlands zur Geltung bringt.\u201c<\/em>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.isw-muenchen.de\/2022\/03\/meint-ihr-die-russen-wollen-krieg-oder-verklaert-die-traditionelle-linke-das-russlandbild-der-deutschen-ii\/\">Zweiter Teil eines Beitrags von Conrad Schuhler vom 31. M\u00e4rz 2022 beim isw online<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li><strong>(Exil)RussInnen demonstrieren gegen Ukraine-Krieg mit \u201eneuer russische Flagge\u201c in wei\u00df-blau-wei\u00df<\/strong>\n<ul>\n<li><strong>Russen demonstrieren in Prag gegen Ukraine-Krieg<br \/>\n<\/strong>\u201e<em>In Tschechien lebende Russen haben auf einer Demonstration in Prag gegen den Ukraine-Krieg protestiert. An der Kundgebung nahmen nach Polizeiangaben rund 3.000 Menschen teil. In einem Aufruf der Veranstalter hie\u00df es, nicht alle Russen seien heimliche Unterst\u00fctzer von Pr\u00e4sident Putin. Nach offiziellen Angaben leben mehr als 45.000 Russen in Tschechien. Zahlreiche russische Gesch\u00e4fte h\u00e4ngten ukrainische Fahnen aus. Einem Medienbericht zufolge wurde ein Eingang der russischen Botschaft im Diplomatenviertel von Prag mit roter Farbe bemalt \u2013 als Symbol f\u00fcr das Blut der Opfer der russischen Aggression in der Ukraine<\/em>.\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/russen-demonstrieren-in-prag-gegen-ukraine-krieg-102.html\">Meldung am 26.03.2022 im Deutschlandfunk<\/a>, siehe auch:<\/li>\n<li>\u201e<em>Russen gegen Putin verwenden eine \u201eneue russische Flagge\u201c und dr\u00e4ngen darauf, das \u201eBlut\u201c von der russischen Flagge zu entfernen. So sieht eine echte Bedrohung f\u00fcr Putin aus<\/em>.\u201c (engl.)&nbsp;<a href=\"https:\/\/twitter.com\/YourAnonNews\/status\/1507909763115462663\">Tweet von Anonymous vom 27.3.2022<\/a><\/li>\n<li>Zuvor auch im&nbsp;<a href=\"https:\/\/twitter.com\/RaykAnders\/status\/1507811904240107525\">Tweet von Rayk Anders am 26.3.<\/a>: \u201e<em>Im Auge behalten: Bei den Anti-Kriegsdemos (wie zB heute in Prag) werden wei\u00df-blau-wei\u00dfe Flaggen immer pr\u00e4senter. Es ist die russische Flagge ohne das Rot (=Blut). Symbol von Russen, die den Krieg ablehnen. Starkes Zeichen!<\/em>\u201e<\/li>\n<li><strong>St. Petersburg: \u201eMein Herz blutet\u201c [Russland]<br \/>\n<\/strong>\u201e<em>In St. Petersburg fand heute eine Aktion gegen den Krieg in der Ukraine statt. Eine Frau in einem wei\u00dfen Kleid \u00fcbergoss sich mit rote Farbe und skandierte \u201eMein Herz blutet\u201c.<br \/>\nDer Text auf ihr Transpi lautete: \u201eMein Herz blutet. Jeden Tag sterben in der Ukraine Frauen, Kinder, alte M\u00e4nner und Frauen durch Bombardierungen, Hunger, die Unm\u00f6glichkeit, sich aus den Tr\u00fcmmern zu befreien oder Medikamente zu bekommen. Ihre Gr\u00e4ber mit selbstgebastelten Kreuzen sind auf \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen zu finden. Tausende von Verwundeten und Verst\u00fcmmelten, Millionen von zerst\u00f6rten Leben. Wenn Sie daf\u00fcr Ausreden erfinden, bedeutet das, dass Ihr Herz verkommen ist. Finden Sie die Kraft, barmherzig und mitf\u00fchlend zu sein. Unterst\u00fctzen Sie das Blutvergie\u00dfen nicht.<\/em>\u201c\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/enough-is-enough14.org\/2022\/03\/27\/st-petersburg-mein-herz-blutet-russland\/\">Beitrag vom 27.3.2022 von Enough14D<\/a>&nbsp;mit Foto und Video<\/li>\n<li><strong>Das neue Russland braucht eine Flagge ohne Blut<br \/>\n<\/strong>\u201e<em>Tausende Exilrussen hoffen auf das Ende des autokratischen Russlands. Auf der ganzen Welt verstreut, brauchen sie eine neue Heimat. Ihr Vorbild k\u00f6nnte eine fast vergessene, mittelalterliche Republik sein. Die Russen, die gegen den Krieg in der Ukraine protestieren, haben vor einer Woche damit begonnen, eine neue Heimat f\u00fcr sich zu erfinden. Es ist noch nicht klar, wo, wie und wann sie entstehen wird. Aber ein neues Symbol hat sie schon: eine Flagge mit drei Streifen \u2013 wei\u00df, blau und wieder wei\u00df. Schon wenige Tage nach der Invasion schrieben viele Russen in sozialen Medien, dass sich die wei\u00df-blau-rote Trikolore diskreditiert habe und das neue Russland, das irgendwann nach Putin entstehen wird, eine neue Flagge brauche \u2013 ohne Blut darauf. Der rote Streifen solle daher durch einen zweiten wei\u00dfen Streifen ersetzt werden: die Farbe des russischen Schnees und der Reue<\/em>\u2026\u201c Ein&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/ausland\/russland-ist-ein-gescheiterter-staat-naechstes-jahr-in-nowgorod-gastbeitrag-a-4e1f2011-8852-42b2-9374-48678f24f48c\">Essay von Michail Sygar vom 21.03.2022 im Spiegel online<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li><strong>RUSSLAND: Manifest der Koalition \u201eSozialisten gegen den Krieg\u201c<br \/>\n<\/strong>\u201e\u2026&nbsp;<em>Aber schon jetzt sind Millionen von Menschen im ganzen Land entsetzt und angewidert von dem, was Putins Regierung tut. Es sind Menschen mit unterschiedlichen \u00dcberzeugungen. Die meisten von ihnen sind keineswegs Liberale, wie die Propagandisten behaupten. Unter ihnen gibt es viele Linke, Sozialisten oder Kommunisten. Und nat\u00fcrlich sind diese Menschen die Mehrheit unseres Volkes aufrichtige Patrioten unseres Vaterlandes. Man l\u00fcgt uns vor, dass die Gegner dieses Krieges Heuchler sind. Dass sie nicht gegen den Krieg sind, sondern nur den Westen unterst\u00fctzen. Das ist eine L\u00fcge. Wir waren nie Unterst\u00fctzer der Vereinigten Staaten und ihrer imperialistischen Politik. Als ukrainische Truppen Donezk und Lugansk beschossen, haben wir nicht geschwiegen. Wir werden auch jetzt nicht schweigen, wenn Charkiw, Kiew und Odessa auf Befehl von Putin und seiner Kamarilla bombardiert werden.<br \/>\nEs gibt viele Gr\u00fcnde, gegen den Krieg zu k\u00e4mpfen. F\u00fcr uns, die wir f\u00fcr soziale Gerechtigkeit, Gleichheit und Freiheit eintreten, sind einige von ihnen besonders wichtig. Es ist ein ungerechter Eroberungskrieg. Es gab und gibt keine solche Bedrohung f\u00fcr den russischen Staat, f\u00fcr die es notwendig war, unsere Soldaten zum T\u00f6ten und Sterben zu schicken. Heute \u201ebefreien\u201c sie niemanden. Sie helfen keiner Volksbewegung. Es ist nur so, dass die regul\u00e4re Armee auf Befehl einer Handvoll Milliard\u00e4re, die davon tr\u00e4umen, ihre Macht \u00fcber Russland f\u00fcr immer zu behalten, friedliche ukrainische St\u00e4dte zerschl\u00e4gt.<br \/>\nDieser Krieg f\u00fchrt zu zahllosen Katastrophen f\u00fcr unsere V\u00f6lker. Sowohl die Ukrainer als auch die Russen bezahlen ihn teuer mit ihrem Blut. Aber auch weit hinten werden Armut, Inflation und Arbeitslosigkeit alle treffen. Die Rechnungen werden nicht von Oligarchen und Beamten, sondern von armen Lehrern, Arbeitern, Rentnern und Arbeitslosen bezahlt werden. Viele von uns werden nichts haben, um ihre Kinder zu ern\u00e4hren.<br \/>\nDieser Krieg wird die Ukraine in Ruinen und Russland in ein gro\u00dfes Gef\u00e4ngnis verwandeln. Die Medien der Opposition sind bereits geschlossen. Menschen werden f\u00fcr Flugbl\u00e4tter, harmlose Mahnwachen und sogar f\u00fcr Beitr\u00e4ge in sozialen Netzwerken hinter Gitter gebracht. Bald werden die Russen nur noch eine Wahl haben: zwischen Gef\u00e4ngnis und dem Melde- und Einberufungsb\u00fcro des Milit\u00e4rs. Der Krieg bringt eine Diktatur mit sich, wie sie lebende Generationen noch nicht erlebt haben. (\u2026)<br \/>\nEs gibt nur eine M\u00f6glichkeit, diese Katastrophen zu verhindern. Der Krieg muss von uns selbst gestoppt werden von den M\u00e4nnern und Frauen Russlands. Dieses Land geh\u00f6rt uns, nicht einer Handvoll verr\u00fcckter alter Leute mit Pal\u00e4sten und Jachten. Es ist an der Zeit, es zur\u00fcckzuerobern. Unsere Feinde sitzen nicht in Kiew und Odessa, sondern in Moskau. Es ist an der Zeit, sie von dort zu vertreiben. Krieg ist nicht Russland. Der Krieg ist Putin und sein Regime. Deshalb sind wir, die russischen Sozialisten und Kommunisten, gegen diesen verbrecherischen Krieg. Wir wollen ihn stoppen, um Russland zu retten. Keine Intervention! Keine Diktatur! Keine Armut!<\/em>\u201c Maschinen\u00fcbersetzung aus dem&nbsp;<a href=\"https:\/\/lefteast.org\/manifesto-of-the-coalition-socialists-against-war\/\">Manifest am 17.3.22 in englischer \u00dcbersetzung bei LeftEast<\/a>&nbsp;(RUSSIA: Manifesto of the Coalition \u201cSocialists Against War\u201d) dort auch im russischen Original<\/li>\n<li><strong>[\u00bbKrankschreibung gegen den Krieg\u00ab] \u00bbEin horizontaler Protest hat keinen Kopf\u00ab. Wer initiiert Antikriegsaktionen in Russland \u2013 und wie?<br \/>\n<\/strong>\u201e<em>Seit dem Angriff der russischen Armee auf die Ukraine am 24. Februar haben sich in ganz Russland Dutzende von Antikriegs-Basisinitiativen gebildet. Wir berichten \u00fcber Aktivist*innen, Designer*innen, K\u00fcnstler*innen, Musiker*innen und Student*innen, die in einer Zeit, in der der Slogan \u00bbNein zum Krieg\u00ab mit bis zu 15 Jahren Gef\u00e4ngnis bestraft werden kann, nach neuen Formen des Aktivismus gegen den Krieg suchen. (\u2026) Eine der ersten politischen Vereinigungen, die eine Antikriegserkl\u00e4rung herausgab, war die \u00bbSozialistische Alternative\u00ab, die ihre Anh\u00e4nger*innen dazu aufrief, \u00bbeine Basisbewegung gegen den Krieg aufzubauen\u00ab, also Mahnwachen durchzuf\u00fchren, Flugbl\u00e4tter zu verteilen, zu agitieren und Streiks zu organisieren. Die Sozialistische Alternative hat auch die Proteste am 6. M\u00e4rz 2022 in 69 russischen St\u00e4dten mitorganisiert. (Die B\u00fcrgerrechtsorganisation) OVD-Info sch\u00e4tzt, dass an diesem Tag in ganz Russland fast 5.000 Demonstrant*innen festgenommen wurden. Die demokratische Jugendbewegung Vesna (Fr\u00fchling) rief ebenfalls zu Stra\u00dfenprotesten auf. \u00bbAls der Krieg begann, wurde uns klar, dass wir nicht am Rande stehenbleiben k\u00f6nnen, und wir beschlossen zu handeln. Wir haben schnell einen Kampagnenplan gegen den Krieg entwickelt: von offenen Briefen bis zu Stra\u00dfenaktionen\u00ab, sagt Ivan Smirnov (Name ge\u00e4ndert), einer der Organisator*innen der Bewegung.<br \/>\nL\u00e4ngst nicht alle Aktivist*innen halten Stra\u00dfenaktionen f\u00fcr wirksam. Die anonyme Bewegung \u00bbKrankschreibung gegen den Krieg\u00ab ist der Meinung, dass \u00bbneue Wege des Protestes gegen einen Krieg, den niemand will\u00ab gesucht werden sollten. Sie fordern die Besch\u00e4ftigten staatlicher und privater Unternehmen auf, sich krankschreiben zu lassen und der Arbeit fernzubleiben, um die Kriegswirtschaft zu untergraben: \u00bbStellt euch einen Morgen vor, an dem der Stra\u00dfenbahnfahrer, der die Arbeiter*innen zu den R\u00fcstungsbetrieben f\u00e4hrt, nicht zur Arbeit kommen kann. Die Lehrerin kommt nicht, und das Kind des Fabrikarbeiters bleibt zu Hause. Vielleicht ist aber auch der Mitarbeiter der R\u00fcstungsindustrie selbst abwesend. Die Vertreter*innen der Bewegung geben zu, dass diese Form des Protests nicht so spektakul\u00e4r ist wie Stra\u00dfenaktionen. Aber sie sind \u00fcberzeugt, dass die Kriegsgegner*innen \u00bbnicht an den Anschein, sondern an die Tat denken sollten\u00ab. Und dann h\u00e4lt uns niemand mehr davon ab, stolze Selfies von zu Hause zu posten, wie im M\u00e4rz 2020. \u00bbRetten wir die Welt, indem wir zu Hause bleiben!\u00ab&nbsp;\u00bbStille Mahnwachen\u00ab sind eine weitere Alternative zu Stra\u00dfenprotesten. (\u2026)<br \/>\nAuch russische K\u00fcnstler*innen wurden von den Antikriegsprotesten nicht ausgespart. Die anonyme K\u00fcnstler*innengruppe Nevoina aus Samara veranstaltete eine Aktion mit dem Titel \u00bbEin Wort an die Toten\u00ab. Die Aktivist*innen zogen sich schwarze S\u00e4cke an und legten auf dem Eis der Wolga eine Linie aus ihren K\u00f6rpern aus, um die Opfer des Krieges zu symbolisieren. (\u2026)<br \/>\nFeministische Aktivistinnen haben einen eigenen \u00bbFeministischen Widerstand gegen den Krieg\u00ab ins Leben gerufen. \u00bbAntimilitarismus ist ein integraler Bestandteil des Feminismus, denn der Feminismus wendet sich gegen alle Formen von Gewalt, einschlie\u00dflich milit\u00e4rischer Aggression\u00ab, sagt Maria Blinova (Name ge\u00e4ndert), eine der Gr\u00fcnderinnen der Bewegung. Die Teilnehmerinnen des Widerstands f\u00fchren eine Vielzahl von Protestaktionen durch, von \u00bbBriefen der Verzweiflung\u00ab, die viralen WhatsApp-Nachrichten \u00e4hneln, bis hin zum Niederlegen von Blumen an Denkm\u00e4lern des Zweiten Weltkriegs am Internationalen Frauentag. (\u2026)<br \/>\nEine eigene Antikriegsbewegung wurde von den Studierenden der russischen Hochschulen ins Leben gerufen. Sie rufen dazu auf, \u00bbein entschiedenes NEIN zum Krieg zu sagen\u00ab, da sie der Meinung sind, dass \u00bbdas Schweigen, geschweige denn die Unterst\u00fctzung des Geschehens durch die Russische Akademie nicht nur zur Isolierung und Degradierung der russischen Wissenschaft f\u00fchrt, sondern alles zerst\u00f6rt, dem sie, die Studierenden, ihr Leben widmen\u00ab. Die Aktivist:innen schlagen vor, mit Antikriegsaufschriften auf Kleidung, Taschen und medizinischen Masken in die Bildungseinrichtungen zu kommen. Eine weitere Form des Aktivismus gegen den Krieg ist die Unterst\u00fctzung derjenigen, die von der russischen Invasion in der Ukraine betroffen sind<\/em>.\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.akweb.de\/bewegung\/doxa-wer-initiiert-antikriegsaktionen-in-russland-und-wie\/\">Newsletter des oppositionellen Studierendenmagazins DOXA vom 16. M\u00e4rz 2022 am 17. M\u00e4rz 2022 in der \u00dcbersetzung durch Christoph W\u00e4lz beim ak online<\/a><\/p>\n<ul>\n<li>Siehe auch&nbsp;<a href=\"https:\/\/twitter.com\/ChristophWlz1\/status\/1504138488211550222\">seinen Tweet vom 16.3.<\/a>:&nbsp;<em>Aktivist*innen des \u201eFeministischen Widerstands gegen den Krieg\u201c verbreiten Botschaften auf Banknoten und M\u00fcnzen: #\u041d\u0415\u0422\u0412\u041e\u0419\u041d\u0415<\/em>\u201c samt Foto<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li><strong>\u00bbDie Repression hat eine neue Stufe erreicht\u00ab<br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/www.akweb.de\/politik\/antikriegsproteste-in-russland-die-repression-hat-eine-neue-stufe-erreicht\/\">Anna von der linken Organisation Sozialistitscheskaja Alternatiwa im Interview von Simon Konstantinow am 15. M\u00e4rz 2022 im ak online<\/a>&nbsp;\u00fcber die Antikriegsproteste in Russland:&nbsp;<em>\u201e\u2026 Vom ersten Tag an hat sich unsere Organisation mit all ihren Kr\u00e4ften auf die Antikriegskampagne konzentriert. Wir arbeiten sowohl digital, indem wir online Materialien ver\u00f6ffentlichen, als auch offline, indem wir Plakate kleben, Flugbl\u00e4tter verteilen und an Protestaktionen teilnehmen. (\u2026) Derzeit haben sich Gruppen aus zw\u00f6lf St\u00e4dten der Antikriegskampagne angeschlossen, dazu kommen Einzelpersonen aus weiteren Orten. Unsere Kampagne trifft auf einen unerwarteten Zuspruch. (\u2026) Im Vorfeld der Antikriegsaktionen am 6. M\u00e4rz wurden sieben unserer Genoss*innen in Moskau und Sankt-Petersburg festgenommen, die meisten erhielten f\u00fcnf bis 20 Tage Haft. Auch bei den Aktionen selbst nahm die Polizei dann drei Mitglieder fest. Weitere unserer Genoss*innen werden aktuell observiert. (\u2026) Vor einer neuen Mobilisierungswelle muss sich die Antikriegsbewegung verbreitern. Das bedeutet, dass weitere Schichten der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr die Proteste gewonnen und organisiert werden m\u00fcssen. Wir hatten urspr\u00fcnglich zu einem dreist\u00fcndigen Warnstreik am 9. M\u00e4rz aufgerufen, aber aufgrund der geringen Resonanz und der harten Repression bedeutete der Plan lediglich die Gef\u00e4hrdung unserer kleinen Aktivist*innengruppe. (\u2026) Wir schlugen daraufhin vor, den 9. M\u00e4rz zum Tag der Antikriegs-Agitation am Arbeits- und Ausbildungsplatz zu machen. Ziel war es, mit Kolleg*innen zu sprechen, ihnen mitzuteilen, wo man wahre Nachrichten \u00fcber den Kriegsverlauf erh\u00e4lt, ihnen bei der Einrichtung eines verschl\u00fcsselten VPN-Internetzugangs zu helfen, und auch \u00fcber den kommenden \u00f6konomischen Schock in Russland mit ihnen zu sprechen. In vielen St\u00e4dten entstanden Keimzellen von Antikriegskomitees. Diese sollen nun in den Betrieben und Hochschulen agitieren.\u201c<\/em><\/li>\n<li><strong>KRAS-IAA in Russland \u00fcber den Krieg in der Ukraine<br \/>\n<\/strong>\u201e<em>Die uns nahestehende \u201eGrupo Moiras\u201c aus Spanien hat unsere GenossInnen der KRAS-IAA in Russland interviewt. Diesen sehr aufschlu\u00dfreichen Text, der am 13. M\u00e4rz ver\u00f6ffentlicht wurde, haben wir aus dem Spanischen \u00fcbersetzt. Neben einigen Hintergrundinformationen ist vor Allem der klare Klassenstandpunkt bemerkenswert. In einer von kriegstreiberischem Rausch und Pro-NATO-Propaganda gepr\u00e4gten Zeit erscheint es uns extrem wichtig, dem nationalistischen Geheule wenigstens ein paar Informationen entgegenzusetzen und es tut gut, so eine derart klare Analyse zu lesen<\/em>.\u201c Vorwort zum&nbsp;<a href=\"https:\/\/wiensyndikat.wordpress.com\/2022\/03\/15\/kras-iaa-uber-den-krieg-in-der-ukraine\/\">Interview in deutscher \u00dcbersetzung am 15. M\u00e4rz 2022 beim Wiener Arbeiterinnen-Syndikat<\/a>:&nbsp;<em>\u201e\u2026 KRAS: Wir haben keinen Grund, mit dem Besitzer des Kremls und seiner Verwaltung zu sympathisieren. Seine neoliberale Politik hat zu einem regelrechten Zusammenbruch des Gesundheits- und Bildungssystems, zur Verarmung der RentnerInnen und der Besch\u00e4ftigten des \u00f6ffentlichen Sektors in der Provinz gef\u00fchrt. Die L\u00f6hne im Land sind ungeheuer niedrig, die ArbeiterInnenbewegung ist wirklich gel\u00e4hmt \u2026 Aber unabh\u00e4ngig davon verstehen wir, dass all dies ein Produkt eines bestimmten Systems ist, das auf dem Staat und dem Kapital basiert. Wir leben nicht im 17. Jahrhundert, nicht in der \u00c4ra der absolutistischen Monarchien. (\u2026) 2014 war die ukrainische anarchistische Bewegung gespalten in diejenigen, die den liberal-nationalistischen Protest auf dem Maidan unterst\u00fctzten und dann der neuen Regierung gegen die Separatisten im Donbass halfen, und diejenigen, die versuchten, eine internationalistischere Position einzunehmen. Letzteres gab es zwar, war aber leider seltener der Fall. Heute ist die Situation \u00e4hnlich, aber noch akuter. Im Gro\u00dfen und Ganzen lassen sich drei Positionen unterscheiden. Einige Gruppen (wie die \u201eNihilisten\u201c und die \u201eRevolution\u00e4re Aktion\u201c in Kiew) betrachten das Geschehen als einen Krieg gegen den russischen Imperialismus und die Diktatur Putins. Sie unterst\u00fctzen den ukrainischen nationalistischen Staat und seine milit\u00e4rischen Anstrengungen in diesem Krieg voll und ganz. (\u2026) Die zweite Position wird zum Beispiel von der Gruppe \u201eBlack Flag\u201c in Kiew und Lemberg vertreten. Vor dem Krieg war sie eine scharfe Kritikerin des ukrainischen Staates, der herrschenden Klasse, ihrer neoliberalen Politik und des Nationalismus. Bei Ausbruch des Krieges erkl\u00e4rte die Gruppe, dass der Kapitalismus und die Machthaber auf beiden Seiten die Schuld am Krieg tr\u00fcgen, rief aber gleichzeitig dazu auf, sich den Kr\u00e4ften der so genannten \u201eterritorialen Selbstverteidigung\u201c anzuschlie\u00dfen \u2013 freiwilligen Milit\u00e4reinheiten der leichten Infanterie, die vor Ort auf territorialer Basis gebildet werden. Die dritte Position wird von der Gruppe \u201eVersammlung\u201c in Charkiw vertreten. Sie verurteilt auch beide Seiten des Konflikts, obwohl sie den Kremlstaat f\u00fcr die gef\u00e4hrlichere und reaktion\u00e4rere Kraft h\u00e4lt. Es wird nicht dazu aufgerufen, sich bewaffneten Formationen anzuschlie\u00dfen. Die AktivistInnen der Gruppe organisieren derzeit Hilfe f\u00fcr die Zivilbev\u00f6lkerung und die Opfer des Beschusses durch die russische Armee. Die Teilnahme von AnarchistInnen an diesem Krieg als Teil der bewaffneten Formationen, die in der Ukraine operieren, betrachten wir als einen Bruch mit der Idee und der Sache des Anarchismus. Diese Formationen sind nicht unabh\u00e4ngig, sie sind der ukrainischen Armee unterstellt und erf\u00fcllen die von den Beh\u00f6rden festgelegten Aufgaben. Sie stellen keine sozialen Programme und Forderungen auf. Die Hoffnungen, unter ihnen eine anarchistische Agitation durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen, sind zweifelhaft. In der Ukraine gibt es keine soziale Revolution, die es zu verteidigen gilt. Mit anderen Worten: Diejenigen, die sich selbst als AnarchistInnen bezeichnen, werden einfach geschickt, um \u201edas Vaterland\u201c und den Staat zu verteidigen, indem sie die Rolle des Kanonenfutters f\u00fcr das Kapital spielen und nationalistische und militaristische Gef\u00fchle in den Massen st\u00e4rken. (\u2026) In dieser Situation tut die kleine und gespaltene anarchistische Bewegung in Russland, was sie kann. Einige nehmen an Protestdemonstrationen teil. Dann wurden zwei unserer GenossInnen ebenfalls verhaftet und mit einer Geldstrafe belegt. Andere stehen diesen Demonstrationen kritisch gegen\u00fcber, da die Aufrufe dazu oft von der rechtsliberalen Opposition kommen und oft nicht so sehr gegen den Krieg als vielmehr f\u00fcr die Ukraine (und manchmal sogar f\u00fcr die NATO) sind. Es bleibt die M\u00f6glichkeit, mit ihren Slogans und Plakaten auf Demonstrationen zu gehen (einige AnarchistInnen tun dies) oder kleine, unabh\u00e4ngige und dezentrale Aktionen durchzuf\u00fchren. AnarchistInnen schreiben Antikriegsslogans an W\u00e4nde, malen Graffiti, kleben Aufkleber und Flugbl\u00e4tter und h\u00e4ngen Antikriegsfahnen auf. Es ist wichtig, den Menschen unsere besondere und unabh\u00e4ngige, gleichzeitig kriegsgegnerische, antikapitalistische, antiautorit\u00e4re und internationalistische Position zu vermitteln.\u201c<\/em><\/li>\n<li><strong>Meduza: \u201eMan hat das Gef\u00fchl, das Leben eines Menschen ist nichts wert\u201c<br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/www.dekoder.org\/de\/article\/ukraine-krieg-gefallene-soldaten-soldatenmuetter\">Die Leiterin der Petersburger Soldatenm\u00fctter, Oxana Paramonowa, spricht im Interview mit Sascha Siwzowa vom russischen Exil-Medium Meduza<\/a>&nbsp;dar\u00fcber, wie sich ihre Arbeit vor dem Hintergrund des neuen Krieges gestaltet (\u00dcbersetzung von Jennie Seitz, ver\u00f6ffentlicht bei dekoder.org am 15. M\u00e4rz 2022):&nbsp;<em>\u201e\u2026 Unsere Organisation hat 30 Jahre lang Ersuche entgegengenommen. Die Menschen wandten sich \u00fcber verschiedene Kan\u00e4le an uns, meist pers\u00f6nlich. In den letzten Jahren gab es eine Hotline und Online-Beratungen. Unsere Anw\u00e4lte haben sich um diese Anfragen gek\u00fcmmert. Wir haben Treffen mit Kommandost\u00e4ben und der Milit\u00e4rstaatsanwaltschaft organisiert. Die Grundlage f\u00fcr die Arbeit waren Informationen, die wir pers\u00f6nlich von den Menschen erhielten. Im Oktober wurde der ungl\u00fcckselige FSB-Erlass verabschiedet, der das Sammeln jedweder Information \u00fcber die Armee faktisch verbietet. Dadurch drohte den betreffenden Personen eine strafrechtliche Verfolgung, und wir waren gezwungen, diese Arbeit einzustellen. (\u2026) Wir versuchen, die Eltern untereinander zu vernetzen. Das ist f\u00fcr uns als Organisation eine schwierige Aufgabe, manchmal nicht machbar. Aber es ist wichtig, dass die Eltern gemeinsam handeln. Dass sie sich koordinieren, dass jemand direkt an den Dienstort [d. h. in die Milit\u00e4reinheit] f\u00e4hrt, an dem sie das letzte Mal Kontakt [mit dem Vermissten] hatten, dass ein anderer am Telefon sitzt und wieder ein anderer Schreiben [an das Verteidigungsministerium und andere Beh\u00f6rden] aufsetzt. Sie m\u00fcssen sich zusammentun. Wir haben auch fr\u00fcher alles daf\u00fcr getan, solche Supportgruppen entstehen zu lassen: Damit der Rekrut nicht alleine zur Musterungsbeh\u00f6rde geht, damit er eine Gruppe von Eltern oder seine Kameraden plus seine Eltern hinter sich hat, die wenigstens eine minimale Kontrolle dar\u00fcber haben, wie der Armeedienst abl\u00e4uft. (\u2026) An uns wenden sich Eltern, die jemanden suchen und in der Regel keine Informationen haben. Sie versuchen, Kontakt zu ihren S\u00f6hnen herzustellen, zu erfahren, wo sie sind und wie es ihnen geht. Wir d\u00fcrfen keine Daten zu Verlusten sammeln. Wir hatten ein paar Anfragen, bei denen Eltern sagten, sie h\u00e4tten ihre S\u00f6hne unter den Kriegsgefangenen erkannt. Die reichen wir an Kollegen weiter, die sich mit der Suche von Kriegsgefangenen auskennen. Wir geben den Eltern den Kontakt, alles weitere erfahren sie dort, was man \u00fcberhaupt machen kann.(\u2026) Es herrscht ein allgemeiner Zustand der Passivit\u00e4t: Apathie, Ohnmacht. Man k\u00f6nnte es auch sch\u00e4rfer formulieren. Jedenfalls hat man das Gef\u00fchl, das Leben eines Menschen sei nichts wert. Es gibt den Wunsch, irgendwo etwas zu beweisen, aber die F\u00e4higkeit zum Handeln, um ein Leben zu retten, ist blockiert. Ich wei\u00df nicht, ob es Angst ist, oder Schuld. Wenn man genauer hinschaut, hat da wahrscheinlich jeder sein P\u00e4ckchen zu tragen. Aber dass dieser Impuls in der heutigen Zeit praktisch fehlt, ist, glaube ich, eine Tatsache. Da ist kein Impuls, Leben zu retten\u2026\u201c<\/em><\/li>\n<li><strong>Situation in Russland nach dem Angriff auf die Ukraine: \u201eHoffnung ist vielleicht nur eine Fata Morgana\u201c Proteste, Schweigen und Angst<br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/www.medico.de\/blog\/hoffnung-ist-vielleicht-nur-eine-fata-morgana-18541\">Ein Gespr\u00e4ch von und bei medico international vom 14. M\u00e4rz 2022 mit einem russischen Staatsb\u00fcrger<\/a>&nbsp;\u00fcber die Situation in Russland nach dem Angriff auf die Ukraine:&nbsp;<em>\u201e\u2026 Die Situation wird mit jedem Tag schlechter. Ich habe zum ersten Mal von Freunden geh\u00f6rt, dass sie so bald wie m\u00f6glich ausreisen wollen. Jeden Tag gibt es Neuigkeiten, die Russland Verh\u00e4ltnissen wie in Nordkorea n\u00e4her bringen. Leute fangen jetzt an, ihre Sachen zu packen und in L\u00e4nder zu gehen, wo sie noch hin k\u00f6nnen, wenn sie kein anderes Visum haben, nach Georgien, in die T\u00fcrkei usw. Seit zehn bis f\u00fcnfzehn Jahren beobachte ich die Entwicklungen hier, nat\u00fcrlich mit dem Sonderstatus des Eingewanderten, der einen ausl\u00e4ndischen Pass besitzt und hoffentlich auch k\u00fcnftig die bald schon geschlossene Festung, in die Russland sich gerade verwandelt, jederzeit verlassen kann. Aber f\u00fcr die Mehrheit der Russ:innen schlie\u00dfen sich die T\u00fcren nach au\u00dfen und im Inneren. Das sp\u00fcren sie, und das f\u00fcrchten sie. Regimekritische Menschen haben das Gef\u00fchl, dass der Staat und die Teile der Gesellschaft, die Putin unterst\u00fctzen, sie als f\u00fcnfte Kolonne betrachten. (\u2026) Zu der Zeit wurde ein Gesetz verabschiedet, das die Ahndung der wiederholten Teilnahme an Protesten nicht mehr als Ordnungswidrigkeit, sondern direkt als Straftat erm\u00f6glichte, auf die eine Strafe von 500.000 oder 600.000 Rubel stand \u2013 das ist f\u00fcr viele, viele Menschen in Russland mehr als ein Jahreseinkommen \u2013 und bis zu f\u00fcnf Jahre Haft. Nur weil man an einer Demonstration teilnahm. Du kannst dir also den Druck vorstellen und die Angst der Menschen, weil sie wirklich wissen, dass sie alles verlieren k\u00f6nnen, nur weil sie auf die Stra\u00dfe gehen. Nun wollen Leute nur auf die Stra\u00dfe gehen, um \u201eNein zum Krieg\u201c zu sagen und nicht mal, um gegen Putin zu protestieren. Aber das \u201eNein zum Krieg\u201c wird ihnen als ein \u201eNein zum Pr\u00e4sidenten\u201c ausgelegt. Die Menschen verstehen und erwarten, dass sie als erste weggesperrt werden und diejenigen, die in den letzten zehn bis f\u00fcnfzehn Jahren zu diesen Demonstrationen gegangen sind, wollen jetzt weg. Angesichts des Krieges in der Ukraine ist es aber nicht mehr nur diese vergleichsweise kleine Gruppe von Putin-Gegner:innen, die in der Emigration den einzigen Ausweg sieht: Ein breiterer Teil der russischen Stadtbev\u00f6lkerung, der vielleicht nicht so sehr gegen Putin, sondern in erster Linie gegen diesen Krieg ist, k\u00f6nnte sich jetzt ebenfalls f\u00fcr den Exodus entscheiden. Auch wenn unklar ist, ob sich dieser Trend zur Auswanderung \u00fcberhaupt materialisieren k\u00f6nnen wird. (\u2026) Im Moment kann die Revolution in diesem Land nur eine Palastrevolte sein, so wie es schon immer war, auch vor der gro\u00dfen Revolution von 1917. Oder wenn sie von unten kommt, dann erst in einigen Jahren, wenn Russland in ein mittelalterliches Stadium zur\u00fcckgefallen sein wird. (\u2026) Die kleine Hoffnung auf die neue Generation, die ich mit Blick auf Voyna und die K\u00fcnstler:innen zu bewahren versucht habe, ist vielleicht nur eine Fata Morgana. Um ehrlich zu sein, ich denke zum ersten Mal dar\u00fcber nach, wann ich meine Sachen packen und gehen sollte und was ich als n\u00e4chstes tun k\u00f6nnte.\u201c<\/em><\/li>\n<li><strong>Landesweiter Antikriegs-Protesttag in Russland am 13. M\u00e4rz \u00fcber 800 DemonstrantInnen festgenommen<\/strong>\n<ul>\n<li>Im&nbsp;<a href=\"https:\/\/twitter.com\/nellinelke\/status\/1502952568246484995\">Thread von Nelli T\u00fcgel vom 13.3.<\/a>&nbsp;sind Berichte, Fotos und Videos gesammelt vom landesweiten Antikriegs-Protesttag in Russland, zu dem die Jugendbewegung \u201eVesna\u201c aufgerufen hat. Christoph W\u00e4lz hat den Aufruf \u00fcbersetzt, leider nur&nbsp;<a href=\"https:\/\/m.facebook.com\/story.php?story_fbid=5525953440765566&amp;id=100000528938220&amp;refid=52&amp;__tn__=%2As-R\">auf Fratzebuch<\/a>&nbsp;verf\u00fcgbar.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/russland-proteste-139.html\">tagesschau.de berichtet am 13.3.2022<\/a>&nbsp;(mit Videos): &nbsp;Viele Festnahmen bei Protesten in Russland. \u201e<em>In Russland sind erneut landesweit zahlreiche Menschen auf die Stra\u00dfe gegangen, um gegen den Angriffskrieg zu protestieren. Mehr als 800 Demonstranten wurden festgenommen seit Beginn der Invasion bereits mehr als 14.000. Bei neuen Demonstrationen gegen den Krieg in der Ukraine sind in Russland nach Angaben von B\u00fcrgerrechtlern landesweit mehr als 800 Menschen festgenommen worden. Zu den Festnahmen sei es bei Protesten in 37 St\u00e4dten gekommen, teilte die Organisation Owd-Info mit. Aktionen gab es demnach etwa in Wladiwostok im \u00e4u\u00dfersten Osten Russlands und in Irkutsk am Baikalsee sowie in der sibirischen Stadt Tomsk, in Moskau und St. Petersburg. Unter den Festgenommenen in St. Petersburg waren auch mehrere Journalisten. Bilder und Videos in sozialen Netzwerken zeigten, wie Menschen von Polizisten mit Schutzhelmen und schwerer Ausr\u00fcstung weggezerrt wurden<\/em>\u2026\u201c<\/li>\n<li>\u201e<em>Werft die Fahnen fort! Die Milit\u00e4rkapellen spielen auf zu euerm Todestanz. Seid ihr hin: ein Kranz von Immortellen das ist dann der Dank des Vaterlands.\u201c #Tucholsky vor der #RussischenBotschaft #\u043d\u0435\u0442\u0432\u043e\u0439\u043d\u044b! #Ukrainewar #Ukraine<br \/>\nIn Solidarit\u00e4t mit der russischen Antikriegsbewegung! Verteilt es gern. Auf den Netzwerken wo auch die Untertitel Sinn machen. Und die in RU noch erreichbar sind<\/em>\u2026\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/twitter.com\/PGeigerzaehler\/status\/1502418330174513153\">Thread von Paul Geigerzaehler vom 11.3.2022<\/a>&nbsp;zum&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=2UokD6vQwrE\">Video des Geigers vor der russischen Botschaft<\/a>, der \u201eDer Graben\u201c spielt mit Text von Tucholsky auf Russisch und Deutsch<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li><strong>Antikriegsbewegung in Russland: Wie weiter? Diskussionsbeitr\u00e4ge aus der russischen Linken nach dem landesweiten Protesttag am 6. M\u00e4rz 2022<br \/>\n<\/strong>\u201e<em>Zwei Tage nachdem der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin ein Paket an Gesetzesversch\u00e4rfungen unterzeichnet hatte, das etwa die Verbreitung von \u00bbFalschinformationen\u00ab \u00fcber die russischen Streitkr\u00e4fte mit bis zu 15 Jahren Gef\u00e4ngnisstrafe bedroht, gingen im ganzen Land tausende Menschen gegen den Krieg in der Ukraine auf die Stra\u00dfen. Die Sicherheitskr\u00e4fte gingen \u00fcberall mit gro\u00dfer H\u00e4rte gegen die Demonstrierenden vor. Wir dokumentieren im Folgenden drei Statements russischer linker Gruppen, die sich mit der Frage nach dem \u00bbWie weiter mit den Antikriegsprotesten\u00ab befassen. (\u2026)&nbsp;Die Polizei war nicht zimperlich bei der Wahl ihrer Mittel, schlug die Festgenommenen und setzte Elektroschocker ein. In vielen St\u00e4dten wurden nicht gekennzeichnete Ordnungsh\u00fcter gesichtet, die die unmenschlichsten Methoden anwenden k\u00f6nnen, ohne Strafen bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen. Dies zeigt, wie sehr sich die Beh\u00f6rden der prek\u00e4ren Lage bewusst sind, in der sie sich befinden. Die Repression wird den Herrschenden jedoch nicht helfen, die von ihnen verursachte Krise zu l\u00f6sen. Im Gegenteil, der Wille zum Widerstand wird angesichts des drohenden Zusammenbruchs der Wirtschaft nur noch wachsen. Zehntausende von Menschen sind in 56 St\u00e4dten auf die Stra\u00dfe gegangen. Sie lie\u00dfen sich von den Verhaftungen von Aktivist*innen, der Panikmache und der Polizeibrutalit\u00e4t nicht abschrecken. (\u2026)&nbsp;Die Aktionen am 6. M\u00e4rz sind auf eine neue Qualit\u00e4t von Unterdr\u00fcckung durch das Regime gesto\u00dfen, das begonnen hat, die Methoden der belarussischen Sicherheitskr\u00e4fte anzuwenden. In Jekaterinburg halfen schwarzgekleidete M\u00e4nner ohne jegliche dienstliche Erkennungszeichen dabei, die Leute zu verhaften. In Moskau zwang die Polizei junge Leute dazu, ihr Zugang zu den Messengerdiensten auf ihren Handys zu verschaffen. Die Gewalt, die wir letztes Jahr bei den Protesten nach der R\u00fcckkehr Nawalnys erlebt haben, ist uns wieder begegnet. Leute wurden geschlagen, auf den Boden geworfen, es wurden Elektroschocker eingesetzt.&nbsp;Gegen die Inhaftierten wurde auf den Polizeirevieren Gewalt und Folter angewandt. Dabei waren die Polizist*innen sich ihrer Straflosigkeit bewusst, sie waren von der Richtigkeit ihrer Handlungen \u00fcberzeugt. Auf dem Moskauer Polizeirevier Bratejevo konnte Alexandra Kaluzhskikh aufnehmen, wie sie w\u00e4hrend eines Verh\u00f6rs geschlagen wurde. Die schreckliche Aufzeichnung, die von dem \u00bbFeministischen Widerstand gegen den Krieg\u00ab ver\u00f6ffentlicht wurde, zeigt erneut, dass das Putin-Regime nicht nur gegen die Ukrainer*innen k\u00e4mpft, sondern auch gegen das eigene Volk. Zu einer Massenmobilisierung, die nicht gewaltsam aufgel\u00f6st werden kann, kam es am 6. M\u00e4rz nicht, obwohl im ganzen Land mehr Leute auf die Stra\u00dfe gingen als in den Tagen zuvor. Wenn man die Welle von Hausdurchsuchungen und Verhaftungen, die Abschaltung vieler Medien und die neuen repressiven Gesetze, die buchst\u00e4blich vor ein paar Tagen erlassen wurden, ber\u00fccksichtigt, also eine neue Wucht der Einsch\u00fcchterung und Abschreckung, dann kann man diese Mobilisierung als einen Punkt f\u00fcr die Antikriegsbewegung werten. Doch es stellt sich die Frage: Was sollen wir jetzt tun?<br \/>\nDas Regime wird jetzt Aktivist*innen suchen und bestrafen. Es haben bereits Entlassungen von Kriegsgegner*innen begonnen. Die seit 20 Jahren andauernde Politik der Unterdr\u00fcckung von Freiheiten hat dazu gef\u00fchrt, dass weder die Arbeiter*innenklasse noch die Studierenden eigene Organisationen haben, die in der Lage w\u00e4ren, f\u00fcr einen solidarischen Kampf gegen den Krieg zu mobilisieren. Die Antikriegsbewegung muss aus dem Nichts aufgebaut werden, ohne jede Unterst\u00fctzung von Gewerkschaften oder studentischen Organisationen und unter den Bedingungen des politischen Staatsterrors. Auf uns wartet eine harte Arbeit, fast schon im Untergrund. (\u2026)&nbsp;Anstatt eine erneute Mobilisierung anzustrengen, m\u00fcssen wir die Antikriegsbewegung breiter aufstellen, also breitere Schichten der Gesellschaft heranziehen und organisieren. Die Wirtschaftskrise und die Sanktionen versetzen dem Lebensstandard ungeheuerliche Schl\u00e4ge. Millionen verlieren aufgrund von Kapitalflucht ihre Arbeitspl\u00e4tze. Zusammen mit der Bestattung get\u00f6teter Soldaten und mit Zeugenberichten von Soldaten werden damit vielen die Augen \u00fcber den Krieg ge\u00f6ffnet werden. Der Propagandaschleier wird fallen, besonders wenn sich der Krieg noch hinziehen wird. Die Bewegung wird wachsen, wenn es dem Regime nicht gelingt, heute ihren aktiven Kern zu erdr\u00fccken<\/em>\u2026\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.akweb.de\/bewegung\/ukraine-russische-antikriegsbewegung-wie-weiter\/\">Aufrufe vom Russischen ins Deutsche \u00fcbersetzt durch Christoph W\u00e4lz am 8. M\u00e4rz 2022 im ak online<\/a><\/li>\n<li><strong>Feministinnen in Russland protestieren gegen Putins Krieg<br \/>\n<\/strong><em>\u201eDer folgende Text ist ein Manifest von Feministinnen in Russland, die sich gegen die Besetzung und den Krieg in der Ukraine zusammengeschlossen haben. Mehrere Dutzend feministische Basisgruppen sind aktuell in mindestens drei\u00dfig St\u00e4dten aktiv. In diesem Manifest rufen Feministinnen, die in die Antikriegsproteste in Russland involviert sind, Feministinnen auf der ganzen Welt dazu auf, sich gegen die milit\u00e4rische Aggression der Putin-Regierung zu wehren. (\u2026.)<br \/>\nAls russische B\u00fcrgerinnen und Feministinnen verurteilen wir diesen Krieg. Feminismus als politische Kraft kann nicht auf der Seite eines Angriffskrieges und einer milit\u00e4rischen Besatzung stehen. Die feministische Bewegung in Russland k\u00e4mpft f\u00fcr benachteiligte Gruppen und die Entwicklung einer gerechten, gleichberechtigten Gesellschaft, in der Gewalt und milit\u00e4rische Konflikte keinen Platz haben d\u00fcrfen.<br \/>\nKrieg bedeutet Gewalt, Armut, Zwangsvertreibung, zerst\u00f6rte Leben, Unsicherheit und fehlende Zukunft. Er ist unvereinbar mit den grundlegenden Werten und Zielen der feministischen Bewegung. Krieg versch\u00e4rft die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern und wirft menschenrechtliche Errungenschaften um viele Jahre zur\u00fcck. Krieg bringt nicht nur die Gewalt der Bomben und Geschosse mit sich, sondern auch sexuelle Gewalt (\u2026)<br \/>\nFeministinnen sind heute eine der wenigen aktiven politischen Kr\u00e4fte in Russland. Lange Zeit wurden wir von den russischen Beh\u00f6rden nicht als gef\u00e4hrliche politische Bewegung wahrgenommen und waren daher vor\u00fcbergehend weniger von staatlicher Repression betroffen als andere politische Gruppierungen. Derzeit sind mehr als f\u00fcnfundvierzig verschiedene feministische Organisationen im ganzen Land t\u00e4tig, von Kaliningrad bis Wladiwostok, von Rostow am Don bis Ulan-Ude und Murmansk. Wir rufen russische feministische Gruppen und einzelne Feministinnen auf, sich dem Feministischen Widerstand gegen den Krieg anzuschlie\u00dfen und ihre Kr\u00e4fte zu vereinen, um sich aktiv gegen den Krieg und die Regierung, die ihn begonnen hat, zu stellen. Au\u00dferdem rufen wir Feministinnen in der ganzen Welt auf, sich unserem Widerstand anzuschlie\u00dfen. Wir sind viele, und gemeinsam k\u00f6nnen wir viel erreichen: In den letzten zehn Jahren hat die feministische Bewegung eine enorme mediale und kulturelle Macht erlangt. Es ist an der Zeit, diese in politische Macht umzum\u00fcnzen. Wir sind die Opposition gegen Krieg, Patriarchat, Autoritarismus und Militarismus. Wir sind die Zukunft, die sich durchsetzen wird. Wir rufen Feministinnen auf der ganzen Welt auf: Beteiligt euch an friedlichen Demonstrationen, startet Offline- und Online-Kampagnen gegen den Krieg in der Ukraine und Putins Diktatur, und organisiert eure eigenen Aktionen. Gerne k\u00f6nnt ihr das Symbol des Feministischen Widerstands gegen den Krieg in euren Materialien und Publikationen verwenden, ebenso wie die Hashtags #FeministAntiWarResistance und #FeministsAgainstWar. Verbreitet Informationen \u00fcber den Krieg in der Ukraine und Putins Aggression. Wir brauchen die ganze Welt, um die Ukraine in diesem Moment zu unterst\u00fctzen und Putins Regime jede Unterst\u00fctzung zu entziehen. Teilt dieses Manifest mit anderen. Es ist notwendig zu zeigen, dass Feministinnen gegen diesen Krieg sind \u2013 und gegen jede Art von Krieg. Ebenso wichtig ist es zu beweisen, dass es noch russische Aktivistinnen gibt, die bereit sind, sich zum Widerstand gegen Putins Regime zusammenzuschlie\u00dfen. Wir alle laufen jetzt Gefahr, vom Staat verfolgt zu werden und brauchen eure Unterst\u00fctzung.\u201c<\/em>&nbsp;Aus dem&nbsp;<a href=\"https:\/\/jacobin.de\/artikel\/feministinnen-in-russland-protestieren-gegen-putins-krieg-ukraine-invasion-putin-opposition\/\">Manifest des Feministischen Widerstands gegen den Krieg in der \u00dcbersetzung von Nikolas Perneczky vom 2. M\u00e4rz 2022 bei Jacobin.de<\/a><\/li>\n<li><strong>Gegen den Krieg. In Russland formiert sich mutiger Protest gegen das Blutvergiessen<br \/>\n<\/strong><em>\u201e\u2026 Bereits am Abend des Kriegsbeginns, am 24. Februar, als Tausende versuchten, sich im Zentrum Moskaus zu versammeln, fiel die jugendliche Zusammensetzung der Protestierenden auf. Die Polizei sorgte f\u00fcr die Zerstreuung der Menschenmassen, weshalb sich immer wieder neue Protestz\u00fcge auf dem Moskauer Gartenring formierten. Einen davon f\u00fchrte eine Gruppe erfahrener Antifaschist:innen mit einem selbstgemachten Transparent an: \u00abFrieden f\u00fcr die Ukraine \u2013 Freiheit f\u00fcr Russland\u00bb stand in grossen schwarzen Lettern auf weissem Stoff. Sie wollten den hinter ihnen marschierenden, wesentlich j\u00fcngeren Teilnehmer:innen eigentlich zeigen, wie man sich und andere durch die Bildung von Ketten auf friedliche Weise vor einer Festnahme sch\u00fctzen kann. Doch als sich die Polizei von vorn auf die Versammelten st\u00fcrzte, hatten die demonstrationsunerfahrenen Kriegsgegner:innen hinter ihrem R\u00fccken bereits die Flucht ergriffen. Der russischen Antikriegsbewegung fehlt es an einer koordinierenden Instanz. Eine solche sei aber gar nicht n\u00f6tig, meint indes der Oppositionspolitiker Ilja Jaschin. Er legte in einem Videoaufruf am Montag seine Vision von dezentralisiertem Widerstand gegen den \u00abverbrecherischen Krieg\u00bb dar: Lokale Antikriegskomitees, die in ihrem Umfeld agierten, seien das Gebot der Stunde. Aber es m\u00fcssten viele sein. (\u2026) Derweil meldet sich auch Prominenz aus Russlands Kulturbetrieb zu Wort: Der Schauspieler Danila Koslowski outete sich genauso als Kriegsgegner:in wie die S\u00e4ngerin Semfira oder die Rapper Morgenstern und Oxxxymiron. Hip-Hop-Star Allj verschob wegen des Krieges seine Konzerte in Jekaterinburg und Tscheljabinsk. Elena Kowalskaja, Theaterdirektorin des Moskauer Meyerhold-Zentrums, trat zur\u00fcck, weil sie unter den gegebenen Umst\u00e4nden eine Verg\u00fctung durch den Staat als inakzeptabel ansieht. Aus gleichem Grund k\u00fcndigte der aus Litauen stammende Regisseur Mindaugas Karbauskis seinen Posten als Indendant beim Majakowski-Theater. Selbst das staatliche Puschkin-Museum schloss sich einer Antikriegserkl\u00e4rung des International Council of Museums an\u2026\u201c<\/em>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.woz.ch\/2209\/friedensbewegung-in-russland\/gegen-den-krieg\">Bericht von Ute Weinmann aus Moskau aus der WOZ vom 3. M\u00e4rz 2022<\/a>, siehe auch:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Nicht nur Oppositionelle stellen sich gegen Wladimir Putin<br \/>\n<\/strong>\u201e<em>Trotz Repression und Zensur in Russland w\u00e4chst der Protest gegen einen Krieg, den viele im Land ablehnen: im Internet ebenso wie auf der Stra\u00dfe<\/em>\u2026\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/nicht-nur-oppositionelle-stellen-sich-gegen-wladimir-putin\">Artikel von Irina Scherbakowa und Roland Bathon vom 03.03.2022 im Freitag online<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li><strong>\u00bbNein zum Krieg!\u00ab Linke Stimmen aus Russland und der Ukraine<br \/>\n<\/strong>\u201e<em>In zwischenstaatlichen Eskalationen und Kriegen richten sich alle Blicke auf die Entscheidungen und n\u00e4chsten Handlungen der M\u00e4chtigen. Wir wollen Stimmen von unten st\u00e4rken und dokumentieren daher \u00fcbersetzte Ausz\u00fcge von Statements unterschiedlicher linker Gruppen aus beiden L\u00e4ndern<\/em>\u2026\u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.akweb.de\/2022\/02\/nein-zum-krieg-linke-stimmen-aus-russland-und-der-ukraine\/\">Doku vom 25. Februar 2022 beim ak online<\/a><\/li>\n<li>Siehe das&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.soziale-verteidigung.de\/artikel\/ziviler-widerstand-gegen-krieg-ukraine\">Dossier zum zivilem Widerstand in der Ukraine und Russland gegen den Krieg in der Ukraine<\/a>&nbsp;beim Bund f\u00fcr soziale Verteidigung<\/li>\n<li>siehe auch die Berichterstattung von&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.hrw.org\/\">Human Rights Watch<\/a>&nbsp;(u.a. \u00fcber Verhaftungen von Anti-Kriegs-Demonstranten in Russland)<\/li>\n<li>und Berichte&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.crimethinc.com\/2022\/02\/26\/russian-anarchists-on-resisting-the-invasion-of-ukraine-updates-and-analysis\">bei Crimethinc<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Siehe zum Hintergrund unser Dossier:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/?p=197318\">Keine Waffenlieferungen in die Ukraine! Friedenspolitik statt Krieg!<\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/interventionen\/solidaritaet\/njet-zum-krieg-das-sagen-in-russland-nicht-nur-klassische-oppositionelle\/\"><em>labournet.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 6. Mai 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dossier. \u201eMehr als 70 russische Journalisten und ebenso viele Wissenschaftler haben sich in zwei \u00f6ffentlichen Protestschreiben gegen den aktuellen Milit\u00e4reinsatz des eigenen Landes in der Ukraine ausgesprochen. 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