{"id":11285,"date":"2022-06-12T10:43:01","date_gmt":"2022-06-12T08:43:01","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11285"},"modified":"2022-06-12T10:43:02","modified_gmt":"2022-06-12T08:43:02","slug":"frankreich-neue-volksunion-ein-fortschritt-fuer-die-arbeiterinnenklasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11285","title":{"rendered":"Frankreich: Neue Volksunion ein Fortschritt f\u00fcr die Arbeiter:innenklasse?"},"content":{"rendered":"<p><em>Marc Lassalle. <\/em>\u201eFranz\u00f6sisches Volk, wenn du es willst, kannst du mit deinen Stimmen viele wichtige Forderungen erf\u00fcllen\u201c. \u201eAm 12. und 19. Juni, wenn Sie sich daf\u00fcr entscheiden, indem Sie die Abgeordneten der NUPES w\u00e4hlen, wird an diesem Tag der Fr\u00fchling des Volkes erbl\u00fchen und den Fr\u00fchling der Natur widerspiegeln.\u201c<!--more--><\/p>\n<p>Die Botschaft der Neuen Popul\u00e4ren, \u00d6kologischen und Sozialen Union (NUPES = Nouvelle Union Populaire \u00e9cologique et sociale) ist einfach und klar: W\u00e4hlt bei den kommenden Parlamentswahlen diese neu gegr\u00fcndete Koalition linker Parteien, und die von dem selbsternannten Premierminister Jean-Luc M\u00e9lenchon gef\u00fchrte Regierung wird alle eure Probleme l\u00f6sen, von Lohnerh\u00f6hungen \u00fcber \u00f6kologische Planung bis hin zur Sechsten Republik.<\/p>\n<p>Die von M\u00e9lenchon nach seinem beachtlichen Ergebnis (22\u00a0%) bei den Pr\u00e4sidentschaftswahlen im April ins Leben gerufene NUPES ist eine Wahlfront, die von La France Insoumise (Unbeugsames Frankreich, LFI, M\u00e9lenchons Partei), den Gr\u00fcnen, der Kommunistischen Partei, der Sozialistischen Partei und anderen kleineren Organisationen gebildet wird. Auf der Wahlliste stehen f\u00fcr die LFI 357 Kandidat:innen, f\u00fcr die PS 70 und f\u00fcr die PCF 50.<\/p>\n<p>Seit dem Start der NUPES hat sich der Vorsprung des Pr\u00e4sidenten in den Meinungsumfragen auf 26 \u2013 27\u00a0% der Wahlpr\u00e4ferenzen im ersten Wahlgang verringert, gegen\u00fcber 25\u00a0% f\u00fcr die NUPES und 21\u00a0% f\u00fcr Marine Le Pens Rassemblement National (RN) (Ipsos, franz\u00f6sisches Markt- und Sozialforschungsinstitut). Eine neuere Umfrage (franz\u00f6sisches Meinungsforschungsinstitut Ifop-Fiducial, 31. Mai) deutet darauf hin, dass Macron die absolute Mehrheit verfehlen k\u00f6nnte, so dass seine Premierministerin \u00c9lisabeth Borne auf die Unterst\u00fctzung anderer Parteien angewiesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>M\u00e9lenchon r\u00fchmt sich, dass die blo\u00dfe Tatsache, all diese Kr\u00e4fte zu vereinen, eine historische Errungenschaft sei, und vergleicht dies mit der Volksfrontregierung von 1936. Es stimmt, dass die beiden gro\u00dfen linken Parteien, die PS und die PCF, seit 1997 nicht mehr auf einer gemeinsamen Liste (Die Plurale Linke) zu den Wahlen angetreten sind. Der Erfolg des Unternehmens zeigt jedoch nicht die St\u00e4rke der F\u00fchrung von M\u00e9lenchon, sondern unterstreicht vielmehr den erb\u00e4rmlichen Zustand der franz\u00f6sischen Linken.<\/p>\n<p>Mit dem dem\u00fctigenden Ergebnis von 1,7\u00a0% f\u00fcr die Kandidatin der Sozialistischen Partei, Anne Hidalgo, und nur 2,2\u00a0% f\u00fcr den Kandidaten der Kommunistischen Partei, Fabien Roussel, befinden sich die beiden traditionellen Parteien der franz\u00f6sischen Linken auf einem historischen Tiefstand, und es stellt sich die Frage nach ihrem \u00dcberleben. W\u00e4hrend der Niedergang der PCF seit Jahrzehnten anh\u00e4lt, war die PS 2017 noch an der Macht, verf\u00fcgte \u00fcber eine Mehrheit im Parlament und regierte in wichtigen Regionen und St\u00e4dten wie Paris und Lyon. Die Kandidatur von Emmanuel Macron im Jahr 2017 bedeutete eine gro\u00dfe Abspaltung von der PS nach rechts, wobei viele f\u00fchrende Pers\u00f6nlichkeiten der Partei ihm folgten, um gew\u00e4hlt zu werden und Positionen in der Regierung zu erhalten. Die NUPES erscheint daher heute den j\u00fcngeren Kadern der PS als Rettungsboot, auch wenn sie unter der F\u00fchrung der LFI die Rolle der Juniorpartnerin spielen muss.<\/p>\n<p><strong>PFC und PS<\/strong><\/p>\n<p>Trotz ihrer Schw\u00e4chen sind PS und die PCF nach wie vor mit der franz\u00f6sischen Arbeiter:innenklasse verbunden. Am deutlichsten ist dies bei der PCF mit ihrer starken Basis von Aktivist:innen, einem dichten Netz von Verb\u00e4nden, die in den Arbeiter:innenbezirken t\u00e4tig sind, und insbesondere durch ihre Verzahnung mit der CGT, der f\u00fchrenden Gewerkschaft. Die Verbindungen der PS zur Arbeiterklasse waren schon immer schw\u00e4cher ausgepr\u00e4gt. Der Vorl\u00e4ufer der PS, die SFIO, erlebte in den 1960er Jahren beinahe einen Tod, bis sie von Fran\u00e7ois Mitterrand als Wahlkampfinstrument zur Erlangung der Macht wiederbelebt wurde. Dies f\u00fchrte zum gemeinsamen Programm von 1972, worin ein \u00dcbergang weg vom Kapitalismus versprochen wurde, und Mitterands Sieg 1981 mit einem Programm umfangreicher Verstaatlichungen, das er jedoch nach zwei Jahren wieder aufgab.<\/p>\n<p>In Frankreich wurden die Beziehungen zu den \u201esozialistischen\u201c Parteien schon vor langer Zeit in der \u201eCharta von Amiens\u201c der Gewerkschaften kodifiziert, die eine strikte Trennung zwischen ihnen und den politischen Parteien vorschreibt. Die Parteien k\u00fcmmern sich um die Wahlen und die lokale und nationale Regierung, w\u00e4hrend die Gewerkschaften f\u00fcr den Arbeitskampf in der Wirtschaft zust\u00e4ndig sind, einschlie\u00dflich der Organisierung in den Betrieben und der Verhandlungen mit Unternehmer:innen und Regierungen. Nat\u00fcrlich ist diese Unterscheidung zwischen \u00d6konomie und Politik eine reine Fiktion, deren einziger Zweck es ist, sowohl die B\u00fcrokratie der Gewerkschaften als auch die F\u00fchrer:innen der linken Parteien aus der Verantwortung zu entlassen, wenn Fragen des Klassenkampfes ein gemeinsames Vorgehen erfordern.<\/p>\n<p>Dies erkl\u00e4rt zum Teil, warum die Verbindungen zwischen der PS und den Gewerkschaften immer im Verborgenen geblieben sind. Dennoch stand die CFDT, eine der gr\u00f6\u00dften Gewerkschaften, der PS immer nahe, sowohl in Bezug auf ihre F\u00fchrungskr\u00e4fte und ihre B\u00fcrokratie als auch auf ihre Ideologie \u2013 und das tut sie auch heute noch. Au\u00dferdem orientiert sich ein gro\u00dfer Teil der franz\u00f6sischen Arbeiter:innenklasse immer noch an der PS und betrachtet sie als Schutzschild gegen die schlimmsten Aspekte des Neoliberalismus. Der Sieg von Fran\u00e7ois Hollande bei den Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2012 war vor allem darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren: Die Arbeiter:innenklasse hatte genug von den brutalen Angriffen unter den Pr\u00e4sidentschaften von Chirac und Sarkozy und nutzte die Wahl von Hollande, um dem einen Riegel vorzuschieben.<\/p>\n<p>Die derzeitige Verwirrung in den Reihen der Linken r\u00fchrt von dem wiederholten Verrat der reformistischen F\u00fchrer:innen und der Tatsache her, dass sie in der Regierung eine neoliberale Politik betrieben haben, die der der Rechten \u00e4hnelt, was sie nicht von der britischen Labour Party oder der deutschen Sozialdemokratie unterscheidet. Die Tatsache, dass Macron ein wichtiger Minister Hollandes war und er als Pr\u00e4sident eine \u00e4hnliche Linie der Angriffe gegen die Arbeiter:innenklasse fortsetzt, hat die PS in eine tiefe Identit\u00e4tskrise gest\u00fcrzt. Wer braucht die PS, wenn Macron und seine Gefolgsleute sich um die Regierungsseite k\u00fcmmern und M\u00e9lenchon die Opposition hegemonisiert?<\/p>\n<p>Die derzeitige \u201elinke\u201c Hinwendung der PS zur NUPES, die \u00fcber das kurzfristige Ziel der Rettung der Fraktion und des vom Staat bezahlten Parteiapparats hinausgeht, k\u00f6nnte zeigen, dass sich eine j\u00fcngere Generation von Parteikadern der Arbeiter:innenklasse zuwendet, um ihr reformistisches Bekenntnis zu erneuern und m\u00f6glicherweise engere Verbindungen zu ihr herzustellen. In den kommenden Jahren wird die Ausrichtung der PS und der Gewerkschaftsverb\u00e4nde im Klassenkampf dar\u00fcber entscheiden, ob dieser Versuch erfolgreich ist. Es ist auch m\u00f6glich, dass die PS ihren gesamten Einfluss verliert, sich mit anderen Kr\u00e4ften zusammenschlie\u00dft oder ganz verschwindet.<\/p>\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass sowohl PCF als auch PS immer noch Parteien der Arbeiter:innenklasse sind, auch wenn sie ihre Versprechen wiederholt verraten haben und obwohl sich ihre Politik, sobald sie an der Macht waren, als kompatibel und oft als Instrument f\u00fcr die Erhaltung des b\u00fcrgerlichen Staates erwiesen hat: Sie sind, wie Lenin sie nannte, b\u00fcrgerliche Arbeiter:innenparteien, die sich auf die Stimmen des Proletariats st\u00fctzen, aber der Kapitalist:innenklasse dienen.<\/p>\n<p><strong>Wesen<\/strong><\/p>\n<p>Trotz ihres radikalen Anspruchs ist das Wesen von La France Insoumise ein anderes. M\u00e9lenchon will eindeutig mit der Tradition der Arbeiter:innenbewegung brechen. Inspiriert vom \u201elinken\u201c Populismus, vor allem von den Theorien der \u201eradikalen Demokratie\u201c von Chantal Mouffe und Ernesto Laclau, will er das gesamte franz\u00f6sische Volk vereinen. Besonders deutlich wurde dies, auch auf symbolischer Ebene, in seinem Wahlkampf 2017, als er die rote Flagge und das Singen der Internationale durch die Trikolore und die Marseillaise ersetzte.<\/p>\n<p>Auch wenn diese populistisch-nationalistische Ideologie w\u00e4hrend M\u00e9lenchons Pr\u00e4sidentschaftswahlkampf 2022 nicht so unverhohlen betont wurde, bildet sie doch eindeutig noch immer die Grundlage von LFI und NUPES. Von der Arbeiter:innenklasse oder der Arbeiter:innenbewegung ist nach wie vor keine Rede, stattdessen ist es \u201eder Fr\u00fchling des Volkes\u201c. Die Botschaft ist einfach: W\u00e4hlt M\u00e9lenchon und sobald er an der Regierung ist, wird er 650 Reformen umsetzen. Punkt. F\u00fcr autonome Aktionen der Arbeiter:innenklasse, K\u00e4mpfe, Bewegungen, geschweige denn einen Bruch mit dem Kapitalismus bleibt kein Raum, nicht einmal auf rhetorischer Ebene.<\/p>\n<p>F\u00fcr M\u00e9lenchon beschr\u00e4nkt sich die gesamte politische Szene auf die Nationalversammlung. Die letzten f\u00fcnf Jahre legen Zeugnis davon ab. Die LFI war im Parlament recht aktiv, wenn auch auf symbolischer Ebene, da Macron eine gro\u00dfe Mehrheit besa\u00df. Auf der Stra\u00dfe oder in den Bewegungen war die LFI jedoch nicht sehr sichtbar oder gar nicht vertreten. Die LFI, deren Aktivist:innenbasis wahrscheinlich kleiner ist als die der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA) und sicherlich vernachl\u00e4ssigbar im Vergleich zur PCF, ist als Struktur von oben nach unten aufgebaut, die auf Wahlen und wenig anderes ausgerichtet ist.<\/p>\n<p>Trotz der vielen linken Reformen, die im Programm der NUPES enthalten sind, darunter die Anhebung des Mindestlohns, die Festsetzung des Renteneintrittsalters auf 60 Jahre und massive Investitionen in den \u00f6ffentlichen Sektor, wird nie erw\u00e4hnt, was das B\u00fcndnis tun wird, wenn es keine parlamentarische Mehrheit erlangt. Von der Notwendigkeit des Widerstands und der K\u00e4mpfe in den Betrieben, einer sozialen Bewegung, ist nie die Rede. Richtigerweise f\u00fcgt die PCF, aber nicht M\u00e9lenchon, diese Zeilen ihrer Unterst\u00fctzungserkl\u00e4rung f\u00fcr die NUPES hinzu:<\/p>\n<p>\u201eWir wissen nat\u00fcrlich, dass es nicht ausreicht, eine Wahl zu gewinnen, um die sozialen Siege zu erringen, die wir wollen. Um diese Ver\u00e4nderungen zu erreichen, bedarf es einer starken sozialen und popul\u00e4ren Bewegung, die jetzt und \u00fcberall in Frankreich aufgebaut werden muss. Unser Engagement in diesen K\u00e4mpfen ist daher entscheidend.\u201c<\/p>\n<p>M\u00e9lenchons Projekt ist sowohl falsch \u2013 da keine radikalen Ver\u00e4nderungen allein durch eine reformistische Regierung herbeigef\u00fchrt werden k\u00f6nnen, geschweige denn durch eine Regierung, die mit Macron zusammenarbeitet \u2013 als auch gef\u00e4hrlich: Es zielt darauf ab, die Arbeiter:innenklasse in einem losen klassen\u00fcbergreifenden B\u00fcndnis mit dem Kleinb\u00fcrger:innentum zu zerstreuen und sie ihrer wesentlichen St\u00e4rken zu berauben, was das Bewusstsein und die Organisation angeht. Das ist ein gewaltiger Schritt zur\u00fcck, sogar gegen\u00fcber den Zeiten, in denen die SFIO und die PCF gegr\u00fcndet wurden. Es ist ein R\u00fcckzug aus der Klassenidentifikation und der Klassenunabh\u00e4ngigkeit, selbst in der tr\u00fcgerischen Form, wie sie von reformistischen Arbeiter:innenparteien aufrechterhalten wird.<\/p>\n<p><strong>NPA<\/strong><\/p>\n<p>Die NPA, ein Zusammenschluss von Tendenzen, die sich selbst als revolution\u00e4r betrachten und gr\u00f6\u00dftenteils der trotzkistischen Tradition entstammen, war in intensive Verhandlungen mit der NUPES verwickelt und stand kurz vor dem Eintritt in die Koalition. Die Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr das letztendliche Scheitern lagen nicht in der politischen Charakterisierung der NUPES durch die NPA, sondern waren vor allem das Ergebnis eines Zusammensto\u00dfes zwischen den opportunistischen Bestrebungen von LFI und NPA. Der LFI gelang es, die PS ins Boot zu holen, von der sie (richtigerweise) annahm, dass sie angesichts deren anhaltender St\u00e4rke sowohl im Parlament als auch in der Kommunalverwaltung mehr Unterst\u00fctzung erhalten w\u00fcrde als durch die NPA. Daher boten sie den NPA-Kandidat:innen nur eine Handvoll weniger gewinnbarer Wahlkreise an. Die NPA verk\u00fcndete prompt, dass sie die NUPES nicht unterst\u00fctzen k\u00f6nne, da in ihr eine Partei vertreten sei, die keinen \u201eBruch\u201c mit dem Neoliberalismus vollzogen habe.<\/p>\n<p>Trotz des Scheiterns dieser Vereinbarung ist die NPA in der Tat stark an der Unterst\u00fctzung und dem Aufbau der NUPES-Kampagne im ganzen Land beteiligt, au\u00dfer in den wenigen Gebieten, in denen sie ihre eigenen NPA-Kandidat:innen aufstellt. Der Opportunismus der NPA und das Fehlen einer ernsthaften Kritik an dem, was die NUPES wirklich repr\u00e4sentiert, ist ein Zeichen f\u00fcr ihre besch\u00e4mende politische Degeneration und k\u00f6nnte zu ihrem Zerfall f\u00fchren.<\/p>\n<p>Aus Sorge vor weiteren Angriffen der Macron-Regierung (insbesondere auf die Renten) werden viele Arbeiter:innen f\u00fcr die NUPES stimmen und sie als \u2013 wenn auch schwache und zweifelhafte \u2013 Waffe einsetzen, um Macron zu stoppen oder zumindest zu schw\u00e4chen. Macron, der sicherlich von einer hohen Wahlenthaltung profitieren wird, da dies vor allem die W\u00e4hler:innen von RN (Le Pens Nationale Sammlung) und NUPES betreffen wird, spielt den Wahlkampf mit einem sehr langsamen Tempo und h\u00e4lt die Linie seiner Regierung bewusst im Unklaren. Die RN versucht lediglich, aus dem guten Abschneiden von Marine Le Pen in der zweiten Runde der Pr\u00e4sidentschaftswahlen Kapital zu schlagen, in der Hoffnung, dies auf eine gro\u00dfe Gruppe von Abgeordneten in der Versammlung zu \u00fcbertragen. Die aktivste Kraft im Wahlkampf ist daher die NUPES, die in den Arbeiter:innenvierteln systematisch Wahlwerbung betreibt. Kein Wunder also, dass die Umfragen f\u00fcr die NUPES etwa 30\u00a0% und eine betr\u00e4chtliche Anzahl von Abgeordneten voraussagen, auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass sie eine Mehrheit im Parlament erringen wird.<\/p>\n<p>In dieser sehr verworrenen politischen Situation ist es wichtig, ein fortschrittliches Element im Klasseninstinkt vieler Arbeiter:innen und Immigrant:innen zu erkennen, die f\u00fcr die NUPES stimmen werden. Ja, die Arbeiter:innenklasse muss sich neu formieren, um bei den Wahlen und im Klassenkampf mit ihren eigenen Organisationen zu bestehen. Ihr Wille, sich gegen Macron und Le Pen zu stellen, ist legitim. Aber nat\u00fcrlich ist die daraus gezogene Schlussfolgerung falsch, denn die Unterst\u00fctzung f\u00fcr reformistische F\u00fchrer:innen wie die von PS und PCF kann nur zu Verrat und Entmutigung f\u00fchren. Sie ist doppelt falsch, wenn sie die NUPES als Block unter der irref\u00fchrenden Leitung von M\u00e9lenchon unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Wir kritisieren daher die falsche Methode im Programm der NUPES scharf. Nein, es reicht bei weitem nicht aus, f\u00fcr die NUPES zu stimmen, damit die Reformen umgesetzt werden k\u00f6nnen. Im Gegenteil, die Arbeiter:innenklasse muss sich auf einen Gegenschlag einstellen, egal ob Macron oder NUPES die Oberhand gewinnen. Sie muss sich auf eine ernsthafte Konfrontation mit der franz\u00f6sischen Bourgeoisie vorbereiten, wenn sie diese Klassenfeindin f\u00fcr die wirtschaftliche und \u00f6kologische Krise, die das kapitalistische System verursacht hat, bezahlen lassen will. Dies gilt umso mehr, als sich ein neuer globaler imperialistischer Krieg abzeichnet.<\/p>\n<p>Wir kritisieren nachdr\u00fccklich die Unzul\u00e4nglichkeiten des NUPES-Programms, insbesondere im Kampf gegen Rassismus und gegen die Stigmatisierung von Muslim:innen. Werden die NUPES-Abgeordneten das Verbot des Kopftuchs an Schulen aufheben? Wird NUPES die Grenzen f\u00fcr Migran:tinnen \u00f6ffnen? Kein Wort davon in den 650 Erkl\u00e4rungen dieses Programms! Stattdessen liest man dubiose Versprechen wie \u201edie Schaffung legaler und gesicherter Migrationsrouten\u201c oder sogar das, \u201edie Polizei neu zu gr\u00fcnden, um das Recht auf Sicherheit zu garantieren\u201c und \u201edem Kauf franz\u00f6sischer Milit\u00e4rausr\u00fcstung f\u00fcr die Armee Vorrang zu geben\u201c.<\/p>\n<p>Bei den kommenden Wahlen pl\u00e4dieren wir im ersten Wahlgang daf\u00fcr, die NPA-Kandidat:innen dort zu w\u00e4hlen, wo sie aufgestellt worden sind, und die PCF-Kandidat:innen oder LO-Kandidat:innen anderswo kritisch zu unterst\u00fctzen, da sie die aktivsten und klassenbewusstesten Sektoren der franz\u00f6sischen Arbeiter:innenklasse vertreten. Im zweiten Wahlgang, in Anbetracht der Tatsache, dass sich die Arbeiter:innenklasse mobilisieren wird, um Macron zu besiegen, unterst\u00fctzen wir kritisch die Kandidat:innen der PCF und der PS im NUPES-Block.<\/p>\n<p>Wir pl\u00e4dieren jedoch nachdr\u00fccklich daf\u00fcr, dass die Arbeiter:innen dem Beispiel der Streikenden von 1936 folgen. Anstatt auf eine Regierung zu warten, die die Reformen des sozialistischen F\u00fchrers Leon Blum umsetzt, streikten die Arbeiter:innen und besetzten die Fabriken. Das war es, was seiner Regierung wichtige soziale Reformen abtrotzte. Es folgten Wahlsiege und g\u00fcnstige Gesetze, was zeigt, dass schon die Androhung einer Revolution die st\u00e4rkste Lokomotive f\u00fcr Reformen darstellt.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2022\/06\/10\/frankreich-neue-volksunion-ein-fortschritt-fuer-die-arbeiterinnenklasse\/\"><em>arbeiterinnenmacht.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 12. Juni 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marc Lassalle. \u201eFranz\u00f6sisches Volk, wenn du es willst, kannst du mit deinen Stimmen viele wichtige Forderungen erf\u00fcllen\u201c. \u201eAm 12. und 19. 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