{"id":11295,"date":"2022-06-15T11:04:44","date_gmt":"2022-06-15T09:04:44","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11295"},"modified":"2022-06-15T11:04:45","modified_gmt":"2022-06-15T09:04:45","slug":"der-imperialismus-der-g7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11295","title":{"rendered":"Der Imperialismus der G7"},"content":{"rendered":"<p><em>Tabea Krug &amp; Stefan Schneider. <\/em><strong>Ende Juni treffen sich Staats- und Regierungschef:innen von sieben imperialistischen Industriestaaten, um dar\u00fcber zu beraten, wie sie ihre Gro\u00dfmachtinteressen durchsetzen k\u00f6nnen. Was steckt hinter dem Imperialismus der G7?<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Klimawandel, Wirtschaftskrisen oder die kriegerischen Auseinandersetzungen, die unsere Welt ersch\u00fcttern, sind kein Zufallsprodukt, sondern Symptome, der kapitalistischen Gesellschaft, in der wir leben. Doch warum gibt es immer noch Kriege? Welche Rolle spielen die G7 dabei? Und wie k\u00f6nnen wir uns gegen Ausbeutung, Krise und Krieg organisieren?<\/p>\n<p>In den vergangenen Monaten hat der Krieg in der Ukraine viele \u00fcber Jahre hinweg etablierte Ansichten ersch\u00fcttert. Dazu geh\u00f6rt vor allem die Vorstellung, dass die kapitalistische \u201eGlobalisierung\u201c und ihre Koordination in Gremien wie den G7 die \u00dcberwindung der sch\u00e4rfsten Widerspr\u00fcche zwischen den Gro\u00dfm\u00e4chten erm\u00f6glicht habe. Und obwohl die Kriege im Irak, in Afghanistan und Syrien bereits gezeigt hatten, dass dies nicht der Realit\u00e4t entsprach, hat der Krieg in der Ukraine die Illusionen \u00fcber die harmonische Entwicklung des Kapitalismus endg\u00fcltig ersch\u00fcttert.<\/p>\n<p>Die \u201cGruppe der Sieben\u201d wurde 1975 als ein<strong>\u00a0<\/strong><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/g7-gipfel-in-bayern-166-millionen-euro-und-bis-zu-30-000-polizistinnen-fuer-die-kriegsstrategen\/\"><strong>informeller Zusammenschluss der damals m\u00e4chtigsten imperialistischen M\u00e4chte<\/strong><\/a>\u00a0gegr\u00fcndet: USA, Gro\u00dfbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien, Kanada und Japan. Mit Ausnahme Japans sind all diese Staaten Mitglied im nordatlantischen Milit\u00e4rb\u00fcndnis NATO. Gegr\u00fcndet wurde das Format, um Absprachen \u00fcber globale wirtschaftspolitische Fragen zu treffen. Mit der Zeit kamen weitere Themenbereiche dazu wie Finanzen, Au\u00dfenpolitik, Migration, Handel, Gesundheit, Bildung oder Klima. Gemeinsam diskutieren die G7 dar\u00fcber, wie sie die Weltordnung gestalten wollen, das hei\u00dft letztlich, wie sie mittels Schulden, Spardiktaten, ihrer W\u00e4hrungs- und Handelspolitik und auch milit\u00e4risch ihre Interessen durchsetzen.<\/p>\n<p>Dabei geht es beim diesj\u00e4hrigen G7-Treffen unter deutscher Schirmherrschaft insbesondere auch um die Konfrontation mit Russland. Die russische Invasion der Ukraine wird dabei als Rechtfertigung genutzt, um weitere Ausweitung von Sanktionen und Waffenlieferungen zu veranlassen. Allgemein wird mittels einer strategischen Neuausrichtung versucht, die Vorherrschaft der NATO und der G7 abzusichern und die kapitalistische Konkurrenz mit Russland und China zu bekr\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Nicht nur der Ukraine-Krieg, sondern auch die unz\u00e4hligen NATO-Kriege der Vergangenheit und der Gegenwart wie in Afghanistan, Irak, Kurdistan oder Jemen zeigen: Bis heute sind Kriege nicht gebannt. Rohstoffe und Arbeitskr\u00e4fte anderer L\u00e4nder werden weiter wirtschaftlich ausgebeutet.\u00a0 Um diese Weltordnung zu bek\u00e4mpfen, die der gro\u00dfen Mehrheit der Weltbev\u00f6lkerung nur Misere und Barbarei zu bieten hat, braucht es eine wissenschaftliche Analyse der \u00f6konomischen und politischen Zusammenh\u00e4nge, in denen Kriege entstehen und Ausbeutung stattfindet. In diesem Kontext f\u00e4llt oft der Begriff Imperialismus. Damit ist nach marxistischer Begrifflichkeit nicht ein besonders expansiver Staat gemeint oder eine Politik des letzten Jahrhunderts, sondern das Stadium des Kapitalismus, in dem wir gerade leben. Doch was bedeutet das jetzt? In was f\u00fcr einer Welt leben wir eigentlich?<\/p>\n<p><strong>Ausbeutung liegt unserem System zugrunde<\/strong><\/p>\n<p>Kapitalismus bezeichnet ein System, in dem ein kleiner Teil an Menschen die Fabriken und Maschinen besitzt, also alles, was man zum Produzieren von G\u00fctern ben\u00f6tigt. Entgegengesetzt dazu gibt es alle diejenigen, die diese Produktionsmittel nicht besitzen und deshalb gezwungen sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, um sich ihr \u00dcberleben finanzieren zu k\u00f6nnen. Egal ob Krankenpfleger:in, Lieferfahrer:in, Programmierer:in oder Stahlarbeiter:in \u2013 sie alle sind abh\u00e4ngig von ihrem Lohn, um sich lebenswichtige Dinge wie Miete, Essen und Energieversorgung leisten zu k\u00f6nnen. Die Bedingungen, unter denen sie arbeiten, k\u00f6nnen sehr unterschiedlich aussehen, doch sie haben alle die Gemeinsamkeit, dass sie mit ihrer Arbeit in den Fabriken oder Unternehmen die Profite f\u00fcr die Kapitalist:innen erzeugen. Unsere Gesellschaft wird grundlegend durch diesen Klassengegensatz bestimmt. Es gibt eine Kapitalist:innenklasse und eine Arbeiter:innenklasse.<\/p>\n<p>Die Unternehmen stehen in harter Konkurrenz zueinander. Um sich als Unternehmen auf dem Markt durchzusetzen und bestehen zu bleiben, muss m\u00f6glichst viel Kapital angesammelt (akkumuliert) werden. Um Profite zu machen, versuchen die Kapitalist:innen Kosten zu sparen: bei den L\u00f6hnen oder beispielsweise durch ungen\u00fcgende Schutzausr\u00fcstung f\u00fcr die Arbeit. In diesem Prozess konzentriert sich die Produktion: Einige Unternehmen setzen sich durch und wachsen zu gro\u00dfen Konzernen, andere k\u00f6nnen sich nicht am Markt halten, Unternehmen wie Amazon sind gerade aufgrund ihrer rigorosen Gesch\u00e4ftspraktiken Marktf\u00fchrer, nicht trotz dieser. Wenige Konzerne bestimmen, was produziert wird und was wir konsumieren. Es besteht eine Tendenz zur Monopolisierung der Produktion. So kontrollieren die beiden Konzerne Mars und Nestl\u00e9 in Deutschland zusammengenommen \u00fcber 50 Prozent der Lebensmittelbranche. Die gleiche Konzentration gilt auch im Bereich der Banken.<\/p>\n<p>Mit der Anh\u00e4ufung von Kapital kommt es auch zur Anh\u00e4ufung von Macht. Die Banken und das Industriekapital spielen eine entscheidende Rolle innerhalb der Staaten. Sie haben den Einfluss auf die Investitionen und die Produktion und somit entscheidenden Einfluss auf die Politik. Doch Kapital muss nicht nur immer weiter angeh\u00e4uft werden, sondern auch immer weiter investiert werden, um die Stellung des Unternehmens zu halten. Daf\u00fcr muss es neue Absatzm\u00e4rkte erschlie\u00dfen, im In- wie im Ausland.<\/p>\n<p>Als Marxist:innen definieren wir den Imperialismus als das Stadium des Kapitalismus, in dem es keine freie Konkurrenz zwischen den Unternehmen mehr gibt, weil alle M\u00e4rkte von gro\u00dfen Konzernen dominiert werden. Die Wirtschaft wird durch die Banken und die Monopole kontrolliert, die sich in der ganzen Welt ausbreiten und sich die Rohstoffe und Absatzm\u00e4rkte untereinander aufteilen. Die imperialistischen Staaten vertreten weltweit die Interessen ihrer Gro\u00dfkonzerne. F\u00fcr den Zugang zu Ressourcen und f\u00fcr Marktanteile nutzen sie ihre politischen, wirtschaftlichen und auch milit\u00e4rischen Druckmittel.<\/p>\n<p>Die ewige Konkurrenz um Profite f\u00fchrte so zum Kolonialismus und den zwei Weltkriegen. Auch heute werden durch finanzielle Mittel weiterhin ausbeuterische Verh\u00e4ltnisse zwischen L\u00e4ndern aufrechterhalten und somit von der Wirtschaft und Regierung eines Landes Kontrolle \u00fcber ein anderes ausge\u00fcbt. Ein aktuelles Beispiel ist\u00a0<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/argentinien-neues-abkommen-mit-dem-iwf-stuerzt-das-land-weiter-in-die-krise\/\"><strong>Argentinien, wo der Internationale W\u00e4hrungsfonds unter F\u00fchrung der USA und EU dem Land weitreichend Sparma\u00dfnahmen und Privatisierungen diktiert<\/strong><\/a>, als Bedingung f\u00fcr Kredite.<\/p>\n<p>Mittlerweile ist fast jedes Land an den kapitalistischen Weltmarkt angeschlossen und dessen Spielregeln unterworfen. Die kapitalistischen Nationen haben die Welt unter sich aufgeteilt. Heute gibt es zwar nur noch einzelne Kolonien, wie etwa die franz\u00f6sischen \u00dcberseegebiete. Doch auch wenn die allermeisten Staaten jetzt formal unabh\u00e4ngig sind, so werden sie doch durch ihre wirtschaftliche Abh\u00e4ngigkeit weiterhin von imperialistischen L\u00e4ndern dominiert.<\/p>\n<p>Die territoriale Aufteilung der Welt ist damit abgeschlossen, so versch\u00e4rft sich der Kampf um Einflussgebiete, Ressourcen und Absatzm\u00e4rkte. Insbesondere die Krisenhaftigkeit der kapitalistischen Produktion verst\u00e4rkt diesen Kampf. Die Aufteilung der Welt wird periodisch immer wieder infrage gestellt. Diese Widerspr\u00fcche sind bis heute nicht aufgel\u00f6st und f\u00fchren immer wieder zu Zusammenst\u00f6\u00dfen zwischen den kapitalistischen Staaten, so wie wir es auch im Irak, in Afghanistan oder der Ukraine sehen konnten.<\/p>\n<p>Die kapitalistische Konkurrenz sorgt auch daf\u00fcr, dass die Welt immer mehr der Klimakatastrophe entgegensteuert. Der fossile Kapitalismus hat den Gro\u00dfkonzernen enorme Profite erm\u00f6glicht und zerst\u00f6rt weiterhin die langfristigen Lebensgrundlagen der gro\u00dfen Mehrheit der Lebewesen auf diesem Planeten. Obwohl l\u00e4ngst wissenschaftlich bewiesen ist, wozu die Umweltzerst\u00f6rung und die industrielle Erderw\u00e4rmung f\u00fchren und wie sehr sie das \u00dcberleben auf der Erde bedrohen, scheffeln die Erd\u00f6l-, Kohle- und Atomenergiekonzerne weiterhin Milliardenprofite. Die kapitalistischen Staaten und speziell die G7 reden auf ihren Gipfeln heuchlerisch \u00fcber die Notwendigkeit eines Kampfes gegen die Klimakatastrophe. Doch sie werden die Interessen der Gro\u00dfkonzerne, denen sie dienen, nicht angreifen. Ihr Ziel ist ein gr\u00fcner Kapitalismus, dessen Umwandlung durch weitere Jahrzehnte von Umweltzerst\u00f6rung und durch Millionen von Menschenleben bezahlt werden sollen. Das verbindet sich auch mit der Kriegspolitik der kapitalistischen Staaten, deren Auswirkungen wir heute nicht nur in der Zerst\u00f6rung in der Ukraine, sondern auch durch weltweite Preissteigerungen und Lebensmittelknappheit sp\u00fcren, die Millionen Menschenleben aufs Spiel setzen. W\u00e4hrenddessen wird die Agenda der \u201egr\u00fcnen\u201c Regierung, den Kohleausstieg voranzutreiben, der Kriegslogik geopfert: Um die Sanktionen gegen Russland voranzutreiben, wird der Kohleausstieg verschoben, Gas aus Katar eingekauft und sogar \u00fcber Fracking in Deutschland diskutiert.<\/p>\n<p><strong>Krisen, Kriege und Revolutionen<\/strong><\/p>\n<p>Um eine L\u00f6sung f\u00fcr diese kapitalistischen Widerspr\u00fcche zu finden, ist es notwendig, eine klare Position der politischen Unabh\u00e4ngigkeit der Arbeiter:innenklasse vom Staat, den kapitalistischen Parteien und den B\u00fcrokratien, die mit ihnen vermitteln, zu verteidigen. Die \u201cFortschrittskoalition\u201d aus SPD, FDP und Gr\u00fcnen nutzt den reaktion\u00e4ren Einmarsch Russlands in die Ukraine daf\u00fcr, die breite gesellschaftliche Skepsis gegen\u00fcber der milit\u00e4rischen Intervention der Bundeswehr in andere L\u00e4nder ein f\u00fcr alle Mal zu brechen und eine strategische Neuaufstellung der eigenen imperialistischen Armee vorzubereiten. Zugleich stellen sich die B\u00fcrokratien der Gewerkschaften und der Linkspartei, ebenso wie Teile der SPD selbst, zwar in Worten gegen die Aufr\u00fcstung der Bundeswehr, eine tats\u00e4chliche schlagkr\u00e4ftige Mobilisierung zur Verhinderung des geplanten 100-Milliarden-Euro-Bundeswehrsonderverm\u00f6gens organisieren sie jedoch nicht. Angesichts der gr\u00f6\u00dften Aufr\u00fcstung der Bundeswehr seit Jahrzehnten ist eine solch passive Haltung gleichbedeutend mit einer Zustimmung zur Politik der Regierung.<\/p>\n<p>Am anderen Ende des Spektrums stehen Teile der Linkspartei und des Stalinismus, die die reaktion\u00e4re Rolle Russlands in der Ukraine relativieren. In ihrer Vorstellung ist das Putin-Regime eine \u201cFriedensmacht\u201d, die nur zur\u00fcck an den Verhandlungstisch gebracht werden muss. Das ist nicht nur eine politische Kapitulation vor der reaktion\u00e4ren bonapartistischen Regierung des Kreml, die jegliche Opposition gegen den Krieg im Innern aufs Brutalste unterdr\u00fcckt, sondern auch eine gef\u00e4hrliche Illusion \u00fcber die M\u00f6glichkeit einer harmonischen diplomatischen L\u00f6sung. Im Gegensatz dazu sind wir der Meinung, dass weder die Unterwerfung unter Putin noch unter die NATO, die EU und die G7 einen progressiven Ausweg bieten kann \u2013 weder f\u00fcr die Massen in der kriegszerst\u00f6rten Ukraine, noch f\u00fcr die Massen in Russland oder in den westlichen L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Denn die Konfrontation zwischen dem westlichen Milit\u00e4rb\u00fcndnis NATO und Russland hat schon lange vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine begonnen. Eine Analyse der Lage in der Ukraine w\u00e4re unvollst\u00e4ndig, wenn wir bei den aktuellsten milit\u00e4rischen Auseinandersetzungen in der Region stehen blieben. Seit Jahrzehnten streiten sich Russland und der Westen um Einfluss in dem Land.<\/p>\n<p>Nach der Wahl des pro-russischen Viktor Janukowytsch zum Pr\u00e4sidenten 2004 kam es zur \u201cOrangenen Revolution\u201d, die im Folgejahr den pro-westlichen Wiktor Juschtschenko an die Macht brachte. 2012 wurde abermals Janukowytsch gew\u00e4hlt, was die Proteste des \u201cEuromaidan\u201d ausl\u00f6ste. Der Aufstand wurde brutal unterdr\u00fcckt und zunehmend von reaktion\u00e4ren und rechtsextremen, prowestlichen Kr\u00e4ften angef\u00fchrt. Nach dem Sturz von Janukowitsch \u00fcbernahmen pro-russische bewaffnete Gruppen die Regierungen von Donezk und Lugansk sowie das Parlament der Krim, eine Region, die Russland schlie\u00dflich annektierte.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens seit der sogenannten \u201eOrangenen Revolution\u201c 2004 und noch mehr seit dem \u201eEuro-Maidan\u201c 2014 haben sich deutsche und das europ\u00e4ische Kapital die Ukraine \u00f6konomisch und politisch unterworfen. Die EU hat seit Ende 2014 ein umfassendes Freihandelsabkommen mit der Ukraine, um das Land st\u00e4rker f\u00fcr westliches Kapital zu erschlie\u00dfen und den russischen Einfluss zur\u00fcckzudr\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Der Regimewechsel in der Ukraine ist Teil einer umfassenden Osterweiterung der EU und der NATO seit den 1990er Jahren, wodurch Osteuropa immer st\u00e4rker zum \u201eHinterhof\u201c der westlichen imperialistischen M\u00e4chte und insbesondere Deutschlands wurde.<\/p>\n<p>Die Militarisierung Osteuropas soll es Deutschland und anderen imperialistischen EU-Staaten erleichtern, dort ihre wirtschaftliche Hegemonie aufrechtzuerhalten. Diese Politik beinhaltet eine scharfe Privatisierungs- und Deindustrialisierungspolitik in den ehemaligen osteurop\u00e4ischen Arbeiter:innenstaaten, Kapitalinvestitionen, die die dortige Produktion verdr\u00e4ngen und lahmlegen, und die Ausbeutung osteurop\u00e4ischer Arbeitskr\u00e4fte in Niedriglohnsektoren in den europ\u00e4ischen Zentren.<\/p>\n<p>Gerade in der aktuellen Auseinandersetzung mit Russland zeigen sich die Auswirkungen der Entscheidungen von G7-Staaten. Sie verh\u00e4ngen Sanktionen, die den Krieg zwar nicht stoppen, daf\u00fcr aber die Preise an Treibstoff und Lebensmitteln f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung stark steigen lassen. Besonders drastisch kann sich dies auf abh\u00e4ngige L\u00e4nder auswirken, wo in den kommenden Monaten gr\u00f6\u00dfere Hungersn\u00f6te drohen. Die letzten Aussagen und Taten der G7 zeigen auch, dass es ihnen nicht in erster Linie darum geht, den Krieg zu beenden. Vielmehr wollen sie durch Waffenlieferungen langfristig den Einfluss Russlands in der internationalen Politik brechen.<\/p>\n<p>Beim Krieg in der Ukraine verteidigen die G7 nicht die Unabh\u00e4ngigkeit des Landes, sondern k\u00e4mpfen mit Russland um Macht und Einflusszonen. Als linke Kr\u00e4fte verurteilen wir den russischen Einmarsch konsequent, gleichzeitig stellen wir uns gegen jede Eskalation vonseiten der NATO und G7, sei es durch den Wirtschaftskrieg mittels Sanktionen, Aufr\u00fcstung oder durch Waffenlieferungen. Diese sch\u00fcren nur weiter den Krieg, der sich in einen langwierigen Konflikt unter Beteiligung von Atomm\u00e4chten zu entwickeln droht.<\/p>\n<p>Die Kriegsvorbereitungen der westlichen Staaten dr\u00fccken sich auch in gro\u00dfen Programmen zur milit\u00e4rischen Aufr\u00fcstung aus. Wie erw\u00e4hnt, plant Deutschland etwa, 100 Milliarden Euro Sonderverm\u00f6gen in die Bundeswehr zu stecken und den Verteidigungshaushalt dauerhaft auf mindestens zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu heben. Dadurch h\u00e4tte Deutschland die drittgr\u00f6\u00dften Milit\u00e4rausgaben weltweit. Unsere Solidarit\u00e4t geh\u00f6rt nicht den Staatschefs in Berlin, Moskau oder Washington, sondern den Arbeiter:innen und linken Kr\u00e4ften, die mit Protesten, Streiks und Sabotagen versuchen, die Kriegslogistik zu stoppen.<\/p>\n<p>Wenn sich der G7-NATO-Block angesichts der Konfrontation mit Russland aktuell geschlossen zeigt, ist auf lange Sicht klar: Mit dieser historischen Militarisierung will Deutschland strategisch milit\u00e4risch unabh\u00e4ngiger von den USA werden und notfalls auch allein in den Krieg ziehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im aktuellen Krieg geht es nicht um eine unabh\u00e4ngige Ukraine, sondern sowohl die russischen als auch die westlichen M\u00e4chte, wollen ihre geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen durchsetzen. Beide Seiten bedeuten f\u00fcr die Ukraine Abh\u00e4ngigkeit und Ausbeutung. Das Land ist damit nur ein weiterer Schauplatz der Neuaufteilung der Welt.<\/p>\n<p>Solange die kapitalistische Konkurrenz weiter besteht, werden Krisen und Kriege weiter ihr Unheil stiften und Millionen Menschen mit in den Tod ziehen. Doch unsere Epoche ist nicht nur eine, in der wir die Schrecken des Kapitalismus \u00fcber uns ergehen lassen, sondern jeden Tag erheben sich die Arbeitenden und Unterdr\u00fcckten. Die Epoche des Imperialismus ist nicht nur eine der Krisen und Kriege, sondern auch die der Revolutionen. Es liegt an uns, diese Welt zu ver\u00e4ndern. In den letzten Jahren gab es zahlreiche Revolten: in Hongkong, Myanmar, Irak, Libanon, dem Sudan, in Chile, Ecuador und Kolumbien und sogar in den imperialistischen Zentren. In Frankreich lehnten sich die Gelbwesten gegen die steigenden Spritpreise auf, in den USA mit Black Lives Matter gegen den m\u00f6rderischen Rassismus. Wir wollen, dass es nicht bei der Auflehnung gegen die Regierungen bleibt, sondern wir wollen die Macht der Banken und Konzerne brechen und das kapitalistische System durch eine sozialistische Wirtschaftsweise ersetzen, die den Interessen der gro\u00dfen Mehrheit des Planeten dient.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/der-imperialismus-der-g7\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 15. Juni 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tabea Krug &amp; Stefan Schneider. Ende Juni treffen sich Staats- und Regierungschef:innen von sieben imperialistischen Industriestaaten, um dar\u00fcber zu beraten, wie sie ihre Gro\u00dfmachtinteressen durchsetzen k\u00f6nnen. 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