{"id":11319,"date":"2022-06-20T14:56:13","date_gmt":"2022-06-20T12:56:13","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11319"},"modified":"2022-06-20T14:56:14","modified_gmt":"2022-06-20T12:56:14","slug":"kampf-um-streikrecht-in-grossbritannien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11319","title":{"rendered":"Kampf um Streikrecht in Gro\u00dfbritannien"},"content":{"rendered":"<p><em>Dossier. <\/em>Strategisch gut durchdacht, drohte die RMT (National Union of Rail, Maritime and Transport Workers) damit, ausgerechnet am 3. Juni 2022 die Londoner U-Bahnen zu bestreiken. An diesem Tag soll einmalig ein Feiertag zum 70. Thronjubil\u00e4um der Queen eingerichtet werden. In London sind verschiedene Gro\u00df-Events geplant, der Streik h\u00e4tte diese<!--more--> gef\u00e4hrdet. Mittlerweile gab es durch den Druck erste Fortschritte in den Verhandlungen und die RMT hat angek\u00fcndigt, den Streik am 3. Juni 2022 abzusagen. Am 6. Juni 2022 wurde jedoch weiterhin ein Streik geplant. In 17 Urabstimmungen in England und Schottland stimmten 89 Prozent von den 40.000 aufgerufenen Kolleg:innen f\u00fcr Streikaktionen. Wir dokumentieren den Verlauf der Auseinandersetzung um das Streikrecht in strategisch wichtigen Infrastrukturen und den Kampf gegen die geplante Bahnreform der britischen Regierung:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>21., 23. und 25. Juni: Eisenbahner:innen wollen in Gro\u00dfbritannien den Verkehr lahmlegen\u00a0<\/strong>\n<ul>\n<li>Siehe f\u00fcr aktuelle Meldungen #RMT #RailStrikes und\u00a0<a href=\"https:\/\/twitter.com\/RMTunion\">RMT auf Twitter<\/a><\/li>\n<li>sowie den RMT-Streikaufruf hier weiter unten<\/li>\n<li><strong>Gr\u00f6\u00dfte Streikwelle seit Jahrzehnten: Britische Eisenbahner:innen bahnen sich Weg zum Massenstreik<br \/>\n<\/strong>\u201e<em>Ab Montag wollen 50.000 Eisenbahner:innen in Gro\u00dfbritannien den Verkehr lahmlegen. Es stehen die gr\u00f6\u00dften Streiks seit \u00fcber 30 Jahren an. (\u2026) Die landesweiten Streikwellen, die jeweils f\u00fcr den 21., 23. und 25. Juni angesetzt sind, stellen die gr\u00f6\u00dften Arbeitsk\u00e4mpfe im Transportwesen seit 1989 dar und sind eine willkommene R\u00fcckkehr zu den Massenk\u00e4mpfen der britischen Arbeiter:innenklasse, die l\u00e4ngst von Gewerkschaftsf\u00fchrungen und der Labour Party unterdr\u00fcckt wurden. Mit der Privatisierung der Bahn zum Beginn der neoliberalen Epoche, wurde es f\u00fcr die zersplitterten und aus den Thatcher-Jahren angeschlagenen Gewerkschaften fast zur Mammutaufgabe, in einem aufgrund der Privatisierungen stark atomisierten Teil der kritischen Infrastruktur, einen landesweiten Streik zu organisieren. Dies \u00e4ndert sich nun. Zum ersten Mal streiken Arbeiter:innen aus allen Unternehmen, die das britische Schienennetz betreiben, und k\u00f6nnen so trotz dieser Atomisierung den gesamten Schienenverkehr zum Stillstand bringen. In absoluten Zahlen sind es rund 50.000 Eisenbahner:innen der RMT (National Union of Rail, Maritime and Transport Workers), einschlie\u00dflich 10.000 Arbeiter:innen der Londoner U-Bahn, die ab kommendem Montag die Arbeit niederlegen werden und dabei versuchen, nach jahrelangem Einfrieren der L\u00f6hne einen Inflationsausgleich zu erzielen. Au\u00dferdem stellen sich die Eisenbahner:innen den Pl\u00e4nen der Johnson-Regierung entgegen, die im Gewand der \u201eModernisierung\u201c und Digitalisierung der Bahnen die Privatisierungen weiter vorantreiben will. Dadurch droht der Verlust tausender Arbeitspl\u00e4tze<\/em>\u2026\u201c\u00a0<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/groesste-streikwelle-seit-jahrzehnten-britische-eisenbahnerinnen-bahnen-sich-weg-zum-massenstreik\/\">Artikel von Dan Kedem und Tim Jonat vom 18. Juni 2022 bei Klasse gegen Klasse<\/a><\/li>\n<li><strong>Mit Vorfreude und Entschlossenheit: Britische Eisenbahner bereiten den gr\u00f6\u00dften Arbeitskampf seit Jahrzehnten vor<br \/>\n<\/strong><em>\u201eDaniel Randall ist dieser Tage ganz sch\u00f6n aufgekratzt. Endlich passiert mal was. Randall ist 35 Jahre alt, er tr\u00e4gt einen r\u00f6tlichen Vollbart und eine schwarzumrandete Brille. Seit acht Jahren arbeitet er in der Londoner U-Bahn, derzeit im Kundendienst einer betriebsamen Station im Zentrum der Millionenmetropole. (\u2026) Am Montag beginnt ein Streik, wie ihn das britische Transportwesen schon lange nicht mehr gesehen hat. Etwa 40\u2005000 Eisenbahner*innen der RMT werden an drei Tagen geschlossen die Arbeit niederlegen, darunter Schaffner*innen, Ingenieur*innen und Stellwerker*innen. Es ist eine koordinierte Aktion von Angestellten aus 13 verschiedenen Unternehmen und der halbstaatlichen Infrastrukturgesellschaft Network Rail. Zur Erinnerung: Seit der Privatisierung von British Rail in den fr\u00fchen 1990er Jahren wird der britische Bahnverkehr von mehreren privaten Gesellschaften betrieben, Network Rail ist verantwortlich f\u00fcr die Schienen- und Signalanlagen. Zum ersten Mal streiken Angestellte aus fast allen dieser Unternehmen, ein Gro\u00dfteil des Schienenverkehrs in Gro\u00dfbritannien wird stillstehen. Es ist der gr\u00f6\u00dfte Eisenbahnerstreik seit \u00fcber 30 Jahren. Am kommenden Montag, dem ersten Streiktag, werden auch Daniel Randall und seine 10\u2005000 RMT-Kolleg*innen der Londoner U-Bahn in den Ausstand treten. Sie haben bewusst diesen Tag gew\u00e4hlt, um eine gr\u00f6\u00dfere Wirkung zu erzielen. Am Samstag vor den Arbeitsniederlegungen hat zudem der Gewerkschaftsdachverband TUC zu einer gro\u00dfen Demo in London gerufen, um h\u00f6here L\u00f6hne f\u00fcr alle Arbeitst\u00e4tigen zu fordern \u2013 es d\u00fcrfte der gr\u00f6\u00dfte Protest der britischen Arbeiter*innenbewegung seit vielen Jahren werden\u2026\u201c<\/em>\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1164596.streiks-in-grossbritannien-mit-vorfreude-und-entschlossenheit.html\">Bericht aus London von Peter St\u00e4uber vom 16. Juni 2022 in Neues Deutschland online<\/a><\/li>\n<li><strong>\u00abMein ganzes Leben habe ich darauf gewartet\u00bb. Lange Zeit blieben die Gewerkschaften und Arbeiter:innen in Grossbritannien passiv. Nun hat ein Aufb\u00e4umen eingesetzt\u2026<br \/>\n<\/strong><em>\u201e\u2026 \u00abMein ganzes Leben als Aktivist habe ich auf einen solchen Moment gewartet\u00bb, sagt Randall. Und er hofft, dass es nicht ein Augenblick bleibt, sondern dass der Streik den Beginn einer neuen \u00c4ra f\u00fcr die Gewerkschaftsbewegung markiert: eine Zeit des Wiederaufbaus. \u00abEs gibt Anzeichen, dass dies der Anfang eines Aufschwungs sein k\u00f6nnte\u00bb, sagt Randall. Er dr\u00fcckt sich vorsichtig aus. Zu oft hat die britische Linke auf einen Neuanfang gehofft, nur um dann entt\u00e4uscht zu werden. Eigentlich ist es nicht schwierig, einen Schritt nach vorne zu machen, denn zur\u00fcck geht es kaum: Die britische Arbeiter:innenbewegung sitzt seit Jahrzehnten in einem tiefen Loch. Hatte das Land vor rund vierzig Jahren noch \u00fcber 12 Millionen Gewerkschafter:innen, waren es zuletzt weniger als 6,5 Millionen. Laut Zahlen des nationalen Statistikb\u00fcros sind derzeit nur 23 Prozent der Lohnabh\u00e4ngigen in einer Gewerkschaft, das ist der tiefste je gemessene Wert. \u00abWir beginnen also auf einem sehr niedrigen Niveau\u00bb, r\u00e4umt Randall ein. Aber die vergangenen Monate haben ihn optimistisch gestimmt, zumindest was die Entschlossenheit der Gewerkschaften angeht. Tausende Lohnabh\u00e4ngige aus mehreren Sektoren sind in den Streik getreten, um f\u00fcr bessere Bezahlung zu k\u00e4mpfen: Deliveroo-Fahrer:innen, Buschauffeure, Unilektorinnen, Reinigungspersonal oder Angestellte einer S\u00fcsswarenfabrik. Von April 2021 bis April 2022 hat der TUC \u00fcber 300 Lohnstreite in verschiedenen Sektoren gez\u00e4hlt \u2013 so viele wie zuletzt vor f\u00fcnf Jahren. Entscheidend ist, dass die Gewerkschafter:innen in vielen F\u00e4llen erfolgreich waren. Die M\u00fcllwerker:innen in Eastbourne beispielsweise erhielten nach einem sechst\u00e4gigen Streik eine Lohnerh\u00f6hung von neunzehn Prozent. Die Angestellten im Verteilzentrum eines grossen Baumarkts erk\u00e4mpften sich mit einer mehrw\u00f6chigen Arbeitsniederlegung elf Prozent mehr Lohn. (\u2026) In diese Zeit der wachsenden Militanz f\u00e4llt die Demonstration vom kommenden Samstag. Der Slogan \u00abWe demand better\u00bb (Wir fordern etwas Besseres) mag uninspiriert sein, aber der Protest hat eine wichtige Signalwirkung. Die letzte grosse Demonstration, die der TUC organisiert hat, liegt zehn Jahre zur\u00fcck, damals ging es um den Widerstand gegen die Sparpolitik. (\u2026) Eine Konfrontation zwischen Regierung und Gewerkschaftsbewegung in den kommenden Monaten scheint denn auch unausweichlich. F\u00fcr Randall geht es um mehr als L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen. \u00abWir leben in d\u00fcsteren Zeiten. Die \u00f6kologische Krise, das Erstarken des Rechtsnationalismus in vielen L\u00e4ndern \u2013 es gibt viel Anlass f\u00fcr Pessimismus\u00bb, sagt er. \u00abAber ein Moment wie dieser, wenn wir Widerstand leisten und sehen, was f\u00fcr M\u00f6glichkeiten sich f\u00fcr uns er\u00f6ffnen, das gibt mir sehr viel Hoffnung.\u00bb\u201c<\/em>\u00a0<a href=\"https:\/\/www.woz.ch\/2224\/grossbritannien\/mein-ganzes-leben-habe-ich-darauf-gewartet\">Artikel von Peter St\u00e4uber vom 16. Juni 2022 aus der WOZ Nr.24\/2022<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li><strong>Das K\u00f6nigreich lahmlegen. Britische Transportarbeitergewerkschaft RMT will Eisenbahnnetz in England, Schottland und Wales bestreiken. Ausstand auch in Londoner U-Bahn<br \/>\n<\/strong>\u201e<em>Es werden Tage, an denen das K\u00f6nigreich weitgehend stillstehen wird: Am 21., 23. und 25. Juni wird die britische Transportarbeitergewerkschaft RMT das gesamte private Eisenbahnnetz in England, Schottland und Wales bestreiken. Das verk\u00fcndete die Gewerkschaft am Montag. Ausdr\u00fcckliches Ziel sei es, das gesamte Eisenbahnnetz zum Stillstand zu bringen. Auch die staatliche, f\u00fcr die Instandhaltung der Schieneninfrastruktur zust\u00e4ndige Gesellschaft Railtrack wird von dem Streik betroffen sein. Sollten diese Streiks wie geplant stattfinden, es w\u00e4re der gr\u00f6\u00dfte Arbeitskampf bei den britischen Eisenbahnen seit Ende der 1980er Jahre. 50.000 Besch\u00e4ftigte w\u00e4ren daran beteiligt.<br \/>\nAllein dass die Streiks legal stattfinden k\u00f6nnen, ist bereits ein Mobilisierungserfolg der RMT. Denn britische Antigewerkschaftsgesetze sehen ein umst\u00e4ndliches, f\u00fcr Gewerkschaften verpflichtendes Urabstimmungsverfahren vor. Im Transportwesen m\u00fcssen sich mindestens 50 Prozent aller Gewerkschaftsmitglieder daran beteiligen, und mindestens 40 Prozent aller Wahlberechtigten m\u00fcssen dem Ausstand zustimmen, damit dieser rechtlich zul\u00e4ssig ist. Im vorliegenden Fall mussten in 13 Eisenbahnunternehmen sowie Railtrack jeweils separate Abstimmungsverfahren organisiert werden. Durchschnittlich stimmten etwas mehr als 70 Prozent aller Mitglieder ab. Bei Railtrack votierten 89 Prozent der Abstimmungsteilnehmer f\u00fcr den Streik \u2013 ein deutliches Ergebnis. (\u2026)<br \/>\nRMT-Generalsekret\u00e4r Mick Lynch wirft den Betreibergesellschaften au\u00dferdem vor, sich auf Kosten der Besch\u00e4ftigten bereichert zu haben. \u00bbEisenbahnkonzerne machen mindestens 500 Millionen Pfund Profit im Jahr. Au\u00dferdem haben sich die Firmenbosse Millionenbetr\u00e4ge als Bonus ausgezahlt. Das macht unsere Mitglieder nur zus\u00e4tzlich w\u00fctend\u00ab, so Lynch in einer Mitteilung vom Dienstag. Auch w\u00e4hrend der Pandemie seien Eisenbahnbesch\u00e4ftigte \u00bbsehr schlecht behandelt worden\u00ab. L\u00f6hne seien eingefroren worden, gleichzeitig liege die Inflationsrate bei elf Prozent. \u00bbWir werden deshalb eine andauernde Kampagne betrieblicher Kampfma\u00dfnahmen beginnen und das Eisenbahnnetz zum Stillstand bringen\u00ab, so Lynch.<br \/>\nEine Entsprechung findet der landesweite Arbeitskampf der Eisenbahner bei der Londoner U-Bahn. Auch dort sollen 600 Stellen vernichtet werden. Am Montag legten deshalb 4.000 U-Bahn-Besch\u00e4ftigte die Arbeit nieder. Am 21. Juni wollen sie es wieder tun. Genau dann, wenn auch landesweit gestreikt wird. So will die RMT beide K\u00e4mpfe zusammenf\u00fchren<\/em>.\u201c\u00a0<a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/428116.arbeitskampf-das-k%C3%B6nigreich-lahmlegen.html\">Artikel von Christian Bunke in der jungen Welt vom 09.06.2022<\/a>, siehe dazu:<\/p>\n<ul>\n<li>den engl.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.rmt.org.uk\/news\/rmt-launch-3-days-of-national-train-strike-action\/\">Streikaufruf vom 7.6.2022 bei RMT<\/a><\/li>\n<li><strong>Tube strike shuts London Underground \/ U-Bahn-Streik legt Londoner Untergrundbahn lahm<br \/>\n<\/strong>\u201e<em>4.000 streikende Mitarbeiter der Bahnh\u00f6fe und der Fahrkartenkontrolle haben die Londoner U-Bahn lahmgelegt, um sich gegen die Angriffe auf die Renten und den Stellenabbau zu wehren. Die Z\u00fcge blieben in den Depots des gesamten Streckennetzes stehen, und die RMT-Aktivisten berichten von einer hohen Beteiligung an den Streikposten, obwohl es in der Hauptstadt stark regnet. 600 Arbeitspl\u00e4tze des Bahnhofspersonals werden wegfallen, wenn die Pl\u00e4ne von TfL (Transport for London) umgesetzt werden, und den RMT-Mitgliedern drohen massive nachteilige Ver\u00e4nderungen ihrer Renten und Arbeitsbedingungen. RMT-Generalsekret\u00e4r Mick Lynch sagte: \u201eIch begl\u00fcckw\u00fcnsche unsere Bahnhofsbediensteten und Mitarbeiter der Steueraufsicht bei der Londoner U-Bahn zu ihrem Streik, mit dem sie ihre Renten und Arbeitspl\u00e4tze verteidigen<\/em>\u2026\u201c (engl.)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.rmt.org.uk\/news\/tube-strike-shuts-london-underground\/\">RMT-Pressemitteilung vom 6.6.2022<\/a><\/li>\n<li>Siehe die laufende Berichterstattung von\u00a0<a href=\"https:\/\/twitter.com\/RMTunion\">RMT auf Twitter<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li><em>\u201eNachdem bekannt wurde, dass die Eisenbahner:innen in England und Schottland zu Streiks bereit sind, hat die britische Regierung Berichten zufolge Pl\u00e4ne ausgearbeitet, um den Auswirkungen auf die Fahrg\u00e4ste und die Lebensmittelverteilung zu begegnen. Dazu k\u00f6nnte es geh\u00f6ren, den Bahnbesch\u00e4ftigten ein Mindestdienstniveau aufzuerlegen und ihr Streikrecht effektiv einzuschr\u00e4nken. Doch abgesehen von der Frage, wie dies praktisch und rechtlich funktionieren w\u00fcrde, gibt es gute Gr\u00fcnde f\u00fcr die Annahme, dass solche Ma\u00dfnahmen die Situation nur noch verschlimmern w\u00fcrden.<br \/>\nAm 24. Mai 2022 zeigten die Ergebnisse der 17 Urabstimmungen der National Union of Rail, Maritime and Transport Workers eine \u00fcberw\u00e4ltigende Unterst\u00fctzung f\u00fcr Streiks. Wenn die Mandate umgesetzt werden, wird dieser koordinierte Arbeitskampf das ausl\u00f6sen, was die Gewerkschaften als \u201aSommer der Unzufriedenheit\u2018 bezeichnen. Die Unterbrechungen k\u00f6nnten sich auch auf den Norden ausweiten, da die Eisenbahner:innen in Schottland ebenfalls \u00fcber einen Arbeitskampf abstimmen, obwohl Scotrail seit dem 1. April 2022 in \u00f6ffentlicher Hand ist.<br \/>\nSowohl n\u00f6rdlich als auch s\u00fcdlich der Grenze sind die Besch\u00e4ftigten besorgt \u00fcber Gehaltserh\u00f6hungen, Arbeitsbelastung und Arbeitsplatzsicherheit. Die Vorschl\u00e4ge der Regierung zur Bahnreform sehen einen massiven Abbau von Arbeitspl\u00e4tzen und Fahrkartenverkaufsstellen vor.<br \/>\nSie werden auch den Lebensstandard und den Lebensunterhalt der Arbeitnehmer:innen in einer Zeit, in der die Inflation einen 40-Jahres-H\u00f6chststand erreicht hat, st\u00e4rker unter Druck setzen. Und sie werfen Fragen zur Sicherheit der Fahrg\u00e4ste auf, da die Verantwortung f\u00fcr sicherheitskritische Aufgaben auf weniger Schultern verteilt wird.<br \/>\nDie Aussicht auf einen landesweiten Bahnstreik hat den langj\u00e4hrigen Vorschlag der konservativen Partei wiederbelebt, w\u00e4hrend eines Arbeitskampfes Mindestanforderungen an den Service zu gew\u00e4hrleisten. Die Konservativen sehen die Gewerkschaft RMT seit langem als l\u00e4stig an, da der militante Einfluss des fr\u00fcheren Vorsitzenden Bob Crow anh\u00e4lt.\u201c<\/em><\/li>\n<li><strong>Einschr\u00e4nkung von Arbeitskampfma\u00dfnahmen<br \/>\n<\/strong><em>\u201eDie Regierung will vorschreiben, dass im Falle eines Arbeitskampfes (z. B. eines Streiks oder eines \u00dcberstundenverbots) eine Mindestzahl von Mitarbeiter:innen weiterarbeiten muss. Die Idee wurde erstmals von den Tories w\u00e4hrend der lang anhaltenden Bahnkonflikte Mitte bis Ende der 2010er Jahre ge\u00e4u\u00dfert. In ihrem Wahlprogramm f\u00fcr die Parlamentswahlen 2019 versprachen sie, den Bahnbetrieb w\u00e4hrend Streiks gesetzlich zu regeln.<br \/>\nWie das genau funktionieren soll, ist allerdings noch unklar. Bei 22 Eisenbahnverkehrsunternehmen unterschiedlicher Gr\u00f6\u00dfe und den f\u00fcr die Eisenbahninfrastruktur und den G\u00fcterverkehr zust\u00e4ndigen Unternehmen w\u00e4re es schwierig, die absolute oder relative Zahl der f\u00fcr einen Mindestdienst erforderlichen Mitarbeiter:innen festzulegen. Auch die Definition eines Mindestdienstes oder die Frage, wer diesen erbringen soll, w\u00e4re ein schwieriger Prozess (\u2026)\u00a0[E]ine weitere Gesetzgebung allein wird die anstehenden Probleme nicht l\u00f6sen. Wenn die Eisenbahner:innen daran gehindert werden, zu streiken, ohne dass ihre Beschwerden gel\u00f6st werden, werden sie, wie Untersuchungen zeigen, andere Wege finden, ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck zu bringen.\u00a0So wird sie beispielsweise nichts davon abhalten, \u201aMassenkrankenst\u00e4nde\u2018 zu organisieren. Dies w\u00e4re kein inoffizieller und ungesetzlicher Streik im Sinne des Gesetzes, so dass die Gewerkschaften nicht gef\u00e4hrdet w\u00e4ren, solange sie nicht zu solchen Aktionen aufrufen. In Schottland weigern sich unzufriedene Lokf\u00fchrer bereits, freiwillige \u00dcberstunden zu leisten, was zu massiven K\u00fcrzungen im Service f\u00fchrt\u2026\u201c\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/theconversation.com\/rail-strike-uk-governments-plan-to-limit-industrial-action-is-just-a-recipe-for-more-discontent-183677\">Artikel von Gregor Gall, erschienen am 25. Mai 2022 auf The Conversation<\/a>\u00a0(\u201eRail strike: UK government\u2019s plan to limit industrial action is just a recipe for more discontent\u201d).<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Gro\u00dfe Mehrheit der RMT Mitglieder stimmt f\u00fcr Streikaktion \u2013 RMT sagt Streik am 3. Juni 2022 ab, jedoch wird es am 6. Juni 2022 Arbeitsniederlegungen geben<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>In der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.rmt.org.uk\/news\/rmt-declares-overwhelming-mandate-for-national-strike-action-on\/\">Pressemitteilung der RMT vom 24. Mai 2022<\/a>\u00a0zur Urabstimmung (engl.) hei\u00dft es:\u00a0<em>\u201eDie Eisenbahner:innen haben sich mit \u00fcberw\u00e4ltigender Mehrheit f\u00fcr Streiks bei Network Rail und den Eisenbahnverkehrsunternehmen ausgesprochen, was die gr\u00f6\u00dfte Zustimmung zu einem Arbeitskampf der Eisenbahner:innen seit der Privatisierung darstellt. 71% der Aufgerufenen haben sich an der Abstimmung beteiligt. 89% stimmten f\u00fcr einen Streik und nur 11% dagegen.\u00a0Die Gewerkschaft wird nun dringende Gespr\u00e4che mit Network Rail und den 15 Eisenbahnunternehmen fordern, die an der Urabstimmung teilgenommen haben, um eine Verhandlungsl\u00f6sung f\u00fcr den Konflikt \u00fcber L\u00f6hne, Arbeitspl\u00e4tze und Sicherheit zu finden\u2026\u201c<\/em><\/li>\n<li>Am\u00a0<a href=\"https:\/\/www.rmt.org.uk\/news\/rmt-suspends-june-3-action\/\">27. Mai 2022 sagte die RMT in einer Pressemitteilung<\/a>\u00a0zu, den Streik am 3. Juni 2022 abzusagen, da es Fortschritte in den Verhandlungen g\u00e4be\u00a0<em>\u201e\u2026 Das Bahnhofspersonal der Bahnh\u00f6fe Euston und Green Park ist seit Jahren mit Mobbing und Einsch\u00fcchterung durch einen einzigen Manager konfrontiert, was zu einem Zusammenbruch der Arbeitsbeziehungen gef\u00fchrt hat. Nach intensiven Verhandlungen zwischen der RMT und den U-Bahn-Chefs wurde jedoch eine Einigung \u00fcber eine \u00dcberpr\u00fcfung unter Beteiligung der Gewerkschaft erzielt, um das Problem des Mobbings zu l\u00f6sen. Die RMT erkl\u00e4rte, wenn keine unmittelbaren Verbesserungen zu verzeichnen seien und die \u00dcberpr\u00fcfung nicht zu einer gerechten L\u00f6sung f\u00fchre, werde man f\u00fcr einen anderen Tag zum Streik aufrufen. RMT-Generalsekret\u00e4r Mick Lynch sagte: \u201aLondon Underground (LUL) hat endlich eingesehen, die Argumente der Gewerkschaft in Bezug auf Mobbing am Arbeitsplatz ernst zu nehmen, und wir werden nun den Streik am 3. Juni aussetzen, um hoffentlich schnell eine L\u00f6sung zu finden.\u2018\u201c<\/em><\/li>\n<li>Am 6. Juni 2022 ist jedoch weiterhin ein Streik von 4.000 U-Bahn Besch\u00e4ftigten gegen Entlassungen geplant:\u00a0<em>\u201eDie U-Bahn-Gewerkschaft RMT hat TfL [Tube Transport for London] f\u00fcr den drohenden Abbau von 600 Arbeitspl\u00e4tzen im Netz kritisiert. Generalsekret\u00e4r Mick Lynch sagte: \u201aTfL versucht, den Abbau von 600 Arbeitspl\u00e4tzen bei der Londoner U-Bahn mit dem Bulldozer durchzusetzen, und unsere Mitglieder sind nicht bereit, das zu akzeptieren. Das Bahnhofspersonal spielt eine entscheidende Rolle im Dienste der Reisenden und war w\u00e4hrend der Terroranschl\u00e4ge am 7. Juli ein Held. Anstatt zu versuchen, Arbeitspl\u00e4tze zu streichen, m\u00fcssen TfL und B\u00fcrgermeister Sadiq Khan weiteren Druck auf die Regierung aus\u00fcben, um mehr Mittel f\u00fcr das Netz zu sichern, damit wir eine personell gut ausgestattete moderne U-Bahn des 21. Jahrhunderts bekommen.\u201c<\/em>\u00a0<a href=\"https:\/\/www.rmt.org.uk\/news\/4000-station-tube-staff-to-walk-out-on-june-6\/\">Pressemitteilung der RMT vom 23. Mai 2022<\/a>\u00a0(engl.).<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong>Siehe dazu auch weitere Dossiers zur britischen Eisenbahn auf LabourNet:<\/strong>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/?p=140000\">25 Jahre Privatisierung von British Railways: Eine keineswegs \u00fcberraschende Katastrophen-Bilanz und ein Kampf, der weiter geht<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/?p=194504\">Glasgow lahmlegen. Schottische Eisenbahngewerkschaft plant Blockade der Stadt und Proteste w\u00e4hrend des Weltklimagipfels<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/?p=102845\">Streik angek\u00fcndigt, Streik unterbrochen, Streik fortgesetzt: Eisenbahner in Gro\u00dfbritannien setzen sich zur Wehr \u2013 auch gegen Privatisierungsergebnisse<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/internationales\/grossbritannien\/arbeitskaempfe-grossbritannien\/kampf-um-streikrecht-in-grossbritannien-rmt-mobilisierte-einen-bahnstreik-zum-70-thron-jubilaeum-der-queen-gegen-geplante-bahnreform-regierung-will-streik-einschraenken\/\">labournet.de&#8230;<\/a> vom 20 Juni 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dossier. Strategisch gut durchdacht, drohte die RMT (National Union of Rail, Maritime and Transport Workers) damit, ausgerechnet am 3. Juni 2022 die Londoner U-Bahnen zu bestreiken. An diesem Tag soll einmalig ein Feiertag zum 70. &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":11320,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[25,29,26,56,22,49,37],"class_list":["post-11319","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kampagnen","tag-arbeiterbewegung","tag-arbeitskaempfe","tag-gewerkschaften","tag-grossbritannien","tag-politische-oekonomie","tag-repression","tag-service-public"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11319","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11319"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11319\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11321,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11319\/revisions\/11321"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/11320"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11319"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11319"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11319"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}