{"id":11368,"date":"2022-06-29T16:10:23","date_gmt":"2022-06-29T14:10:23","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11368"},"modified":"2022-06-29T16:10:24","modified_gmt":"2022-06-29T14:10:24","slug":"russland-arbeiterklasse-leidet-unter-sanktionen-und-wehrt-sich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11368","title":{"rendered":"Russland: Arbeiterklasse leidet unter Sanktionen \u2013 und wehrt sich"},"content":{"rendered":"<p><em>Dossier. <\/em>\u201e<em>Der Krieg in der Ukraine trifft nicht nur die Ukrainer. Die internationalen Sanktionen wegen des Ukraine-Krieges treffen auch Russen hart. Vor allem die junge Generation leidet unter der Perspektivlosigkeit. (\u2026) Die Sanktionen betreffen viele Bereiche: vom Finanzsektor bis zum Export von Metallprodukten, vom Lieferverbot f\u00fcr Drohnen bis<\/em><!--more--> <em>zur Sperrung des deutschen Luftraums f\u00fcr russische Flugzeuge. Der Westen verbot auch den Verkauf, die Lieferung oder den Transfer von Flugzeugen und Ersatzteilen nach Russland. (\u2026) Viele Russen haben ihre Arbeit verloren und finden kurzfristig keine neue, weil die Nachfrage nach allen Fachkr\u00e4ften sinkt. \u201eBald wird es Branchen treffen, die f\u00fcr die Produktion Teile aus dem Ausland brauchen: zum Beispiel die Automobilbranche, die Pharmaindustrie und die Landwirtschaft, weil Saatgut auch im Ausland gekauft wird.\u201c Unternehmen werden schlie\u00dfen und Mitarbeiter entlassen m\u00fcssen. \u201eDie Gesamtbev\u00f6lkerung wird \u00e4rmer werden<\/em>.\u201c\u2026\u201c\u00a0<a href=\"https:\/\/www.migazin.de\/2022\/05\/23\/das-viele-russen-sanktionen-arbeit\/\">Beitrag von Irina Chevtaeva vom 23.05.2022 beim Migazin<\/a>\u00a0und dazu:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Ausstehende L\u00f6hne und verschlechterte Arbeitsbedingungen f\u00fchren zu Streiks und Massenk\u00fcndigungen \u2013 begleitet durch Sabotagen und Protesten gegen Waldrodungen\u00a0<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p><em>\u201eEin \u00dcberblick \u00fcber interessante Veranstaltungen f\u00fcr den 25. und 26. Juni: Transport: Zusatz zum entgleisten Zug bei Pskov am 24. [Juni 2022] Der Ort der Entgleisung wurde von Milit\u00e4r und FSB abgesperrt (\u2026). Es war kein gew\u00f6hnlicher Zug. Er hatte Munition dabei, hat sie aber nicht geliefert (\u2026) Im Bezirk Vetluzhskiy brannte eine Palettenfabrik nieder. Das klingt unscheinbar, aber die Unterbrechung der Palettenproduktion k\u00f6nnte sp\u00fcrbare Auswirkungen auf andere Branchen haben. K\u00e4mpfe am Arbeitsplatz: 12) Erzieher:innen in Dzerzhinsk k\u00fcndigen massenweise aus Protest gegen die Arbeitsbedingungen. Sogar die Schulleiterin machte mit. (\u2026) Es stellt sich heraus, dass seit dem 27. Mai [2022] ein Streik der Stadionbauarbeiter:innen in Sovetsk stattfindet. (\u2026) In Belgorod haben die Trolleybusfahrer eine Gewerkschaft gegr\u00fcndet, um gegen Massenentlassungen im Zuge der Abschaffung des Trolleybusnetzes zu k\u00e4mpfen. (\u2026) Spontane Streiks und Boykott des Delivery Club. (\u2026) Proteste: (\u2026) In der N\u00e4he von Syktyvkar blockierten Einheimische eine Stra\u00dfe und hielten das Auto eines Beamten an, der gegen die Abholzung protestierte. Das ist ziemlich m\u00e4chtig. (\u2026) Die Verteidigung des Waldes von Bittsevo ist sehr aktiv. Dort kommt es auch zu Zusammenst\u00f6\u00dfen mit angeheuerten Sicherheitsleuten. Es ist ein ernster Kampf. (\u2026) Aktivisten verteidigen auch den Troitskiy-Wald. (\u2026) Proteste gegen die Abholzung der W\u00e4lder in Tscheljabinsk. Lokale Umweltproteste haben ein gro\u00dfes Potenzial. Erinnern Sie sich an die Massenbewegungen gegen M\u00fclldeponien in den vergangenen Jahren\u2026\u201c<\/em>\u00a0<a href=\"https:\/\/t.me\/stranabolna\/1898\">Telegram-Post der Antikriegs-Stiftung vom 26. Juni 2022<\/a>\u00a0\u00a0(russ. \u2013 Maschinen\u00fcbersetzung) und zuvor:<\/p>\n<ul>\n<li><em>\u201e\u2026 Der Streik in der Ural-Kompressoranlage geht weiter. Einige Arbeiter:innen k\u00fcndigten, weil sie die Hoffnung verloren hatten. Bemerkenswerterweise rechtfertigt der Direktor selbst die Situation mit dem Krieg und fordert, dass die Arbeiter:innen weiter f\u00fcr die Idee arbeiten, wie \u201adie Gro\u00dfv\u00e4ter w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs\u2018. Er sagt, der staatliche Schutzauftrag scheitert \ud83d\ude42 Die \u00fcbrigen haben dagegen ein Strafverfahren gegen die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung und die Zahlung eines Teils der Schulden erwirkt (\u2026) Ein Mann verbrannte das Auto seines ehemaligen Chefs, weil er seinen Lohn nicht gezahlt hatte (\u2026) Lehrer:innen k\u00fcndigen in Dzerzhinsk aus Protest gegen die Arbeitsbedingungen. (\u2026) Ambulanz\u00e4rzte protestieren gegen niedrige L\u00f6hne in Moskau. (\u2026) Vier Vertragsbedienstete sind aus einer Milit\u00e4reinheit in der N\u00e4he von Belgorod geflohen. (\u2026) Proteste: Anwohner:innen verteidigen den Wald von Bittsevsky vor der Abholzung. (\u2026) Auch die Menschen verteidigen den Wald in Tscheljabinsk.\u201c\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/t.me\/stranabolna\/1841\">Telegram-Post von der Antikriegs-Stiftung vom 24. Juni 2022<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>(russ. \u2013 Maschinen\u00fcbersetzung)<\/p>\n<ul>\n<li>F\u00fcr die Sabotage-Aktionen siehe auch unser Dossier:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/?p=198317\">Njet zum Krieg \u2013 das sagen in Russland nicht nur klassische Oppositionelle<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong>Sanktionen gegen Putin: \u00abWir sollten der russischen Bev\u00f6lkerung die Hand reichen\u00bb<br \/>\n<\/strong>\u201e<em>Am Weltwirtschaftsforum in Davos dominierte der Ruf nach h\u00e4rteren Sanktionen gegen Russland. Kenneth Roth, Chef von Human Rights Watch, warnt davor, das ganze Land ins Visier zu nehmen. (\u2026) Es ist zweifellos richtig, hochrangige Kremlbeamte oder Milit\u00e4roffiziere ins Visier zu nehmen, um Sie von Ihrer Invasion der Ukraine abzubringen. Solche gezielten Sanktionen haben eine ganz klare Absicht. Ich beobachte derzeit jedoch eine Verschiebung in der Rhetorik und teilweise auch in der Praxis: Zunehmend wird die gesamte russische Bev\u00f6lkerung als Feind behandelt. Und das ist ein riesiger Fehler. (\u2026) \u00a0Die Menschen in Russland sollten als potenzielle Alliierte betrachtet werden. (\u2026) Wenn die Sanktionen die ganze Bev\u00f6lkerung als Feind behandeln, werden sie sich hinter die russische Flagge stellen. (\u2026) Ich will mich nicht zu einzelnen Firmen \u00e4ussern. Aber eine Firma, die nur Konsumg\u00fcter in Russland verkauft, bestraft durch ihren Abzug lediglich die russische Bev\u00f6lkerung. Bef\u00fcrworter solcher R\u00fcckz\u00fcge glauben, dass damit die Bev\u00f6lkerung dazu bewogen wird, sich gegen den Krieg zu stellen. Es bewirkt jedoch eher das Gegenteil: Die Bev\u00f6lkerung wird sich angegriffen f\u00fchlen. Der Westen muss auf den Kreml zielen und gleichzeitig der russischen Bev\u00f6lkerung die Hand reichen<\/em>\u2026\u201c\u00a0<a href=\"https:\/\/www.woz.ch\/2222\/sanktionen-gegen-putin\/wir-sollten-der-russischen-bevoelkerung-die-hand-reichen\">Interview von Yves Wegelin in der WoZ vom vom 02.06.2022<\/a><\/li>\n<li><strong>Russlands \u00f6konomische Krise trifft auch zentralasiatische Arbeitsmigranten: Exploitation oder Exodus<br \/>\n<\/strong><em>\u201e\u2026 Seit Russlands Angriff auf die Ukraine kriselt die Wirtschaft des Landes. Zahlreiche internationale Firmen haben sich vom russischen Markt zur\u00fcckgezogen und Hunderttausende gut ausgebildete Menschen haben das Land wegen der Folgen der wirtschaftlichen Sanktionen oder der politischen Repression verlassen. Doch auch Millionen an Arbeitsmigrantinnen und -migranten aus Usbekistan, Tadschikistan und Kirgistan, die in den vergangenen 30 Jahren zu einer wichtigen Quelle billiger Arbeitskraft f\u00fcr die russische Dienstleistungs- und Landwirtschaft sowie den Bausektor geworden sind, sind von der drohenden Rezession betroffen. Auch wenn es kaum verl\u00e4ssliche Statistiken gibt, arbeiten sch\u00e4tzungsweise eine Million kirgisische, mindestens ebenso viele tadschikische und \u00fcber drei Millionen usbekische Migrantinnen und Migranten in Russland. Eink\u00fcnfte, die diese an ihre Familien zu Hause \u00fcberweisen, sind eine wichtige St\u00fctze f\u00fcr deren verarmte Herkunftsl\u00e4nder. Das Bruttoinlandsprodukt Kirgistans und Tadschikistans besteht zu rund 30 Prozent aus solchen R\u00fcck\u00fcberweisungen, mit die h\u00f6chsten Quoten weltweit. Die russische Krise ist damit auch die ihrige. \u00bbIn Russland verschwinden die Arbeitspl\u00e4tze, es wird gesagt, dass es ab jetzt nur noch f\u00fcr Russen Arbeit geben wird\u00ab, erz\u00e4hlt Atai Omursakow. (\u2026) Der Krieg hat die Arbeitsmigration nach Russland weniger lukrativ gemacht hat, doch die in Russland Arbeitenden haben meist keine Alternative. \u00bbZur\u00fcckzukehren l\u00f6st nicht das Problem, keine Arbeit zu haben. Das geht h\u00f6chstens vor\u00fcbergehend\u00ab, sagt die kirgisische Politikwissenschaftlerin Asel Doolotkeldiewa. Sie h\u00e4lt eine gro\u00dfe R\u00fcckkehrwelle f\u00fcr eher unwahrscheinlich. Ihrer Meinung nach k\u00f6nnte sogar eine entgegengesetzte Tendenz eintreten, da Familien versuchen k\u00f6nnten, geringere Eink\u00fcnfte zu kompensieren, indem weitere Angeh\u00f6rige zum Arbeiten nach Russland fahren. Das Hauptproblem ist Doolotkeldiewa zufolge, dass die R\u00fcck\u00fcberweisungen nach Kirgistan in Zukunft stark schrumpfen d\u00fcrften. \u00bbEtwa 70 Prozent des \u00fcberwiesenen Geldes wird f\u00fcr den Einkauf von Lebensmitteln ausgegeben\u00ab, sagt sie. (\u2026) Was Doolotkeldiewa am meisten Sorgen bereitet, ist, dass die kirgisische Regierung das Problem nicht ernst nehme; sie betrachte die Arbeitsmigration nach Russland als einen praktischen Ausweg, um die sozialen Probleme im Land nicht selbst angehen zu m\u00fcssen. \u00bbEs ist unglaublich, die reden nicht mal gro\u00df dr\u00fcber. Jedes Jahr mahnen Organisationen, die sich mit der Migrationsfrage besch\u00e4ftigen, dass wir zumindest die Ziell\u00e4nder unserer Migrationsstr\u00f6me diversifizieren sollten. Und jedes Jahr antwortet die Regierung \u201aja, ja\u2018 und vergisst es sofort wieder\u00ab, sagt sie frustriert\u2026\u201c<\/em>\u00a0<a href=\"https:\/\/jungle.world\/artikel\/2022\/21\/exploitation-oder-exodus\">Artikel von Volodya Vagner vom 25. Mai 2022 in der Jungle World 2022\/21<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/internationales\/russland\/politik-russland\/viele-russen-verlieren-wegen-internationaler-sanktionen-ihre-arbeit-die-gesamtbevoelkerung-wird-aermer-werden\/\"><em>labournet.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 29. Juni 2022 <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dossier. \u201eDer Krieg in der Ukraine trifft nicht nur die Ukrainer. Die internationalen Sanktionen wegen des Ukraine-Krieges treffen auch Russen hart. Vor allem die junge Generation leidet unter der Perspektivlosigkeit. (\u2026) Die Sanktionen betreffen viele &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":11369,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[25,87,18,49,27],"class_list":["post-11368","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-international","tag-arbeiterbewegung","tag-arbeitswelt","tag-imperialismus","tag-repression","tag-russland"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11368","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11368"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11368\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11370,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11368\/revisions\/11370"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/11369"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11368"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11368"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11368"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}