{"id":11391,"date":"2022-07-05T10:17:22","date_gmt":"2022-07-05T08:17:22","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11391"},"modified":"2022-10-23T09:42:54","modified_gmt":"2022-10-23T07:42:54","slug":"ukraine-verbietet-import-von-russischen-buechern-und-auffuehrungen-russischer-musik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11391","title":{"rendered":"Ukraine verbietet Import von russischen B\u00fcchern und Auff\u00fchrungen russischer Musik"},"content":{"rendered":"<p><em>Sandy English. <\/em>Am 19. Juni verabschiedete das ukrainische Parlament (Werchowna Rada) mit gro\u00dfer Mehrheit zwei reaktion\u00e4re Gesetzentw\u00fcrfe. Diese zensieren russische Literatur und Auff\u00fchrungen russischer Musik und erh\u00f6hen den Anteil an ukrainisch-sprachiger Musik und Textbeitr\u00e4gen im Radio. Ein drittes Gesetz soll die Ver\u00f6ffentlichung<!--more--> von Inhalten in ukrainischer Sprache f\u00f6rdern. Es wird von ukrainischen Nationalchauvinisten dazu benutzt werden, die russische Sprache zu unterdr\u00fccken.<\/p>\n<p>Das Gesetz 7273-D verbietet die \u201e\u00f6ffentliche Auff\u00fchrung, Darstellung und Vorf\u00fchrung\u201c eines russischen Staatsb\u00fcrgers, einschlie\u00dflich Musikvideos. Russische K\u00fcnstler d\u00fcrfen nur dann in der Ukraine auftreten, wenn sie sich \u2013 vermutlich \u00f6ffentlich \u2013 gegen die Invasion des Landes ausgesprochen haben und auf einer \u00fcberwachten, von der Regierung gef\u00fchrten Liste stehen.<\/p>\n<p>Im Vorfeld der Verabschiedung dieser neuen Ma\u00dfnahmen war es weltweit bei Orchestern und klassischen Musikwettbewerben zu umfangreichen Zensurma\u00dfnahmen gekommen, durch die russischen K\u00fcnstlern \u2013 unabh\u00e4ngig von ihren politischen Ansichten \u2013 die Teilnahme verwehrt wurde.<\/p>\n<p>Unter anderem wurde der Dirigent Tugan Sochjew aus der New Yorker Philharmonie ausgeschlossen, dem Pianisten Alexander Malofjew wurden im M\u00e4rz Auftritte in Vancouver und Montreal untersagt und die M\u00fcnchner Philharmonie hat den russischen Dirigenten Waleri Gergijew entlassen. Zu der sch\u00e4ndlichen Liste entsprechender Ma\u00dfnahmen geh\u00f6rt auch die Entscheidung der Sibelius Violin Competition vom April, russische Teilnehmer auszuschlie\u00dfen, und den Ausschluss von Alexander Boldatschew vom Dutch Harp Festival im Mai.<\/p>\n<p>Auch Popmusiker wurden Opfer der antirussischen Kampagne, u.a. die russische DJane und Musikerin Nina Kraviz, die vom Movement Music Festival in Detroit, dem Crave in Den Haag und der PollerWiesen in Dortmund ausgeschlossen wurde.<\/p>\n<p>Die westlichen Leitmedien \u00e4u\u00dferten gr\u00f6\u00dftenteils Zustimmung zu den drakonischen Zensurma\u00dfnahmen in der Ukraine, die an jedem anderen Ort der Welt einen Aufschrei der Emp\u00f6rung ausl\u00f6sen w\u00fcrden. Die BBC wies beispielsweise darauf hin, dass das Gesetz 7273-D angeblich \u201edas Risiko m\u00f6glicher feindlicher Propaganda durch Musik in der Ukraine verringern und den Anteil nationaler Musikprodukte im Kulturraum erh\u00f6hen wird\u201c.<\/p>\n<p>Ein weiterer Bestandteil des neuen Gesetzes soll den Anteil ukrainisch-sprachiger Textbeitr\u00e4ge im Rundfunk erh\u00f6hen. Vierzig Prozent der Lieder und 75 Prozent der t\u00e4glichen Nachrichten, Analysen und Unterhaltungsprogramme im Radio m\u00fcssen auf Ukrainisch abgefasst sein. Damit werden jene Quoten erh\u00f6ht, die bereits im Jahr 2016 durch ein Gesetz festgelegt wurden.<\/p>\n<p>Schon im Jahr 2019 wurde ein Gesetz erlassen, laut dem Ukrainisch die einzige offizielle \u201eStaatssprache\u201c ist. Fast ein Drittel der ukrainischen Bev\u00f6lkerung spricht Russisch als Muttersprache, hinzu kommen Minderheiten, die Bulgarisch, Ungarisch, Polnisch, Rum\u00e4nisch, Tartarisch und Karaitisch und weitere Sprachen sprechen.<\/p>\n<p>Die russische Kultur soll nicht nur im gesprochenen Wort verschwinden, sondern auch im gedruckten. Das Gesetz 7459 verbietet den \u201eImport und die Verbreitung von Publikationen\u201c aus der Russischen F\u00f6deration in die Ukraine und untersagt den Import von Druckerzeugnissen \u201ein der Sprache des Aggressorstaats [d.h. Russland]\u201c aus anderen L\u00e4ndern. Laut deutschen Medien sollen einige russische Klassiker von dem Verbot ausgenommen werden, darunter Werke von Tolstoi und Puschkin. Auch berichten die Medien \u2013 wenig \u00fcberraschend \u2013 von Widerstand ukrainischer Leser gegen das Verbot.<\/p>\n<p>Das brutale Vorgehen stellt eine Fortsetzung der Versuche des ukrainischen Regimes dar, eine \u201eethnokulturelle S\u00e4uberung\u201c von russischer Literatur jeglicher Epoche oder politischer \u00dcberzeugung durchzuf\u00fchren. Dazu geh\u00f6ren auch die Vorschl\u00e4ge und Ma\u00dfnahmen des Ukrainischen Buch-Instituts (UBI), das dem Kulturministerium untersteht. Ein Sprecher des UBI hatte vor kurzem die Werke von Autoren wie Puschkin und Dostojewski als \u201esehr sch\u00e4dliche Literatur\u201c bezeichnet und vorgeschlagen, sie aus \u00f6ffentlichen und Schulbibliotheken zu entfernen.<\/p>\n<p>Die Deutsche Welle berichtete dazu: \u201eEine Arbeitsgruppe des Bildungsministeriums hat bereits empfohlen, die Werke von rund 40 russischen und sowjetischen Schriftstellern und Dichtern [aus den Lehrpl\u00e4nen] zu streichen \u2013 darunter auch Leo Tolstoi, Alexander Puschkin, Fjodor Dostojewski und Michail Bulgakow.\u201c<\/p>\n<p>Das Gesetz 7459 wird durch das Gesetz 6287 erg\u00e4nzt, das die Entwicklung \u201edes ukrainischen Buchmarkts als wichtigen Faktor der&#8230; nationalen Sicherheit\u201c anstrebt. Das Gesetz sieht Subventionen f\u00fcr Buchl\u00e4den vor, die keine russischen B\u00fccher verkaufen, und stellt Zertifikate f\u00fcr den Kauf ukrainischer B\u00fccher f\u00fcr Staatsb\u00fcrger in Aussicht.<\/p>\n<p>Der ukrainische Kulturminister Oleksandr Tkatschenko begr\u00fc\u00dfte die Einschr\u00e4nkungen mit den Worten: \u201eDie Gesetze sollen es ukrainischen Autoren erm\u00f6glichen, qualitativ hochwertige Inhalte mit dem gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Publikum zu teilen, das nach dem russischen \u00dcberfall keine kreativen Produkte russischer Herkunft auf physischer Ebene akzeptiert.\u201c<\/p>\n<p>Die Gesetze m\u00fcssen noch von Pr\u00e4sident Wolodymyr Selenskyj unterzeichnet werden, was aber als sicher gilt.<\/p>\n<p>Diese Ma\u00dfnahmen beweisen einmal mehr, dass die USA und die Nato kein demokratisches, sondern ein chauvinistisches, nationalistisches Regime verteidigen, das zu allen Ma\u00dfnahmen greift, um nicht-ukrainische \u201eIdentit\u00e4t\u201c zu unterdr\u00fccken.<\/p>\n<p>Der russische \u00dcberfall ist reaktion\u00e4r, doch die ukrainische extreme Rechte, die die Regierung dominiert, nutzt ihn aus, um ein seit Jahrzehnten ersehntes Programm des ethnischen Exklusivismus zu forcieren. Dies ist Teil der zunehmend antidemokratischen Ma\u00dfnahmen, die das Regime in der letzten Zeit ergriffen hat. Anfang des Monats best\u00e4tigte ein ukrainisches Gericht Selenskyjs Verbot von elf Oppositionsparteien, darunter der gr\u00f6\u00dften, der Oppositionsplattform \u2013 F\u00fcr das Leben.<\/p>\n<p>Die Eskalation des Nato-Stellvertreterkriegs gegen Russland ging auch in den imperialistischen L\u00e4ndern mit einem umfassenden Angriff auf die demokratischen Rechte einher. In den USA sind die Abschaffung des Rechts auf Abtreibung und die Aufweichung der Trennung von Kirche und Staat durch Urteile des Obersten Gerichtshofs H\u00f6hepunkte dieser reaktion\u00e4ren Kampagne. Die extreme Rechte in der Republikanischen Partei versucht seit Monaten, B\u00fccher und Filme \u00fcber Themen wie Rassismus und Sexualit\u00e4t aus den Schulbibliotheken zu entfernen. Alle diese Schritte sollten in einem globalen Kontext verstanden werden, in dem sich zeigt, dass der Kapitalismus nicht nur nicht mit Demokratie, sondern ebenso nicht mit einer auch nur halbwegs freien Entwicklung von Kultur zu vereinbaren ist.<\/p>\n<p><em>#Bild: Die ukrainische Rada<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2022\/07\/03\/shay-j03.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 5. Juli 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sandy English. Am 19. Juni verabschiedete das ukrainische Parlament (Werchowna Rada) mit gro\u00dfer Mehrheit zwei reaktion\u00e4re Gesetzentw\u00fcrfe. 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