{"id":11469,"date":"2022-07-27T17:20:05","date_gmt":"2022-07-27T15:20:05","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11469"},"modified":"2022-07-27T17:20:06","modified_gmt":"2022-07-27T15:20:06","slug":"150-tage-und-wie-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11469","title":{"rendered":"150 Tage und wie weiter?"},"content":{"rendered":"<p><em>Gunnar Jeschke. <\/em><strong>Ukraine-Krieg<\/strong> Die milit\u00e4rischen Fronten bewegen sich derzeit nur mit der Geschwindigkeit von Gletschern. Der hybride Krieg aber ist nicht eingefroren.<\/p>\n<p><strong>Die milit\u00e4rische Lage und ihre Entwicklung<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>In den ersten etwa 50 Tagen des Krieges waren die ukrainischen Truppen falsch im Land verteilt, die Luftverteidigung und Luftabwehr waren weitgehend ineffektiv und die Koordination war schlecht. Im Bestreben, einen russischen Sturm auf Kiew unter allen Umst\u00e4nden zu verhindern, legte die ukrainische Armee mit schlecht gezieltem Artilleriefeuer Vororte Kiews in Schutt und Asche. Gro\u00dfe Truppenteile gerieten in einen Kessel bei Mariupol und mit Cherson erlangte die russische Seite sehr schnell einen Br\u00fcckenkopf auf der Westseite des Dnjepr \u2013 wie wir heute wissen, zum Teil auch infolge von Verrat auf der ukrainischen Seite.<\/p>\n<p>Bis etwa Mitte April gelang es der Ukraine, eine Frontlinie aufzubauen, die sie seither z\u00e4h zu verteidigen sucht. Neben dem Fall von Mariupol, der damals bereits nicht mehr zu verhindern war, erlitt sie seitdem mit dem Fall von Sjewerodonetsk und Lyssitschansk eine weitere strategische Niederlage. F\u00fchrt man westliche Absch\u00e4tzungen russischer Verluste und die von der Ukraine einger\u00e4umten eigenen Verluste zusammen, so kann man mit gebotener Vorsicht schlie\u00dfen, dass die Ukraine auch seitdem h\u00f6here Verluste an Soldaten und Kriegsmaterial erleidet, dass diese Verluste aber nicht um ein Vielfaches h\u00f6her sind. Der Ukraine sind begrenzte Gegenoffensiven in der Oblast Charkiw und, in geringerem Umfang, am Rande der Oblast Cherson gelungen, die sich bislang noch nicht in strategischen Gewinnen niederschlagen. Charkiw liegt weiter im Schussfeld russischer Artillerie und alle wesentlichen russischen Nachschublinien sind intakt. Die von den USA gelieferten Himars-Raketenwerfer erwiesen sich f\u00fcr den Angriff auf Br\u00fcckenbauwerke als nur begrenzt geeignet.<\/p>\n<p>Nach der Einnahme von Sjewerodonezk und Lyssitschansk legte die russische F\u00fchrung eine operative Pause ein, ohne die Angriffshandlungen v\u00f6llig einzustellen. Selbst nachdem die russische F\u00fchrung die Wiederaufnahme der Operationen bekanntgegeben hat, ist die Front im Raum Bakhmut, Siwersk, Sloviansk und Kramatorsk nicht wieder st\u00e4rker in Bewegung geraten. Es ist jedoch zu fr\u00fch, um daraus zu schlie\u00dfen, dass die ukrainische Seite in diesem Bereich die Frontlinie wird ann\u00e4hernd halten k\u00f6nnen. Zum einen ist es nicht unerwartet, dass die in der Zwischenzeit aufgebauten Stellungen zur gestaffelten Verteidigung nur mit gr\u00f6\u00dferem Aufwand \u00fcberwunden werden k\u00f6nnen. Zum anderen ist mit der Errichtung einer Pontonbr\u00fccke zwischen Sjeweredonezk und Lyssitschansk eine wichtige russische Nachschublinie erst in den letzten Tagen errichtet worden. Gleichwohl erwarte ich derzeit nicht, dass Sloviansk und Kramatorsk im Laufe des Monats August fallen werden. Wahrscheinlicher ist, dass die russische Seite in diesem Frontabschnitt vorerst nur versuchen wird, bis an den Verteidigungsring um die beiden St\u00e4dte vorzur\u00fccken, ohne jedoch zum Sturm auf die St\u00e4dte anzutreten. Russland d\u00fcrfte aus strategischer Sicht eher versuchen, Frontdurchbr\u00fcche bei Donezk oder Vuhledar zu erzielen. Sollte das vor etwa Mitte September gelingen, h\u00e4tte die Ukraine die Schlacht um den Donbass wohl verloren, selbst wenn Sloviansk und Kramatorsk noch einige Zeit verteidigt werden k\u00f6nnten. Sollte die russische Seite umgekehrt bis Ende 2022 weder einen gro\u00dfen Frontdurchbruch im Raum Donezk oder s\u00fcdlich davon erzielen, noch Sloviansk und Kramatorsk einnehmen, d\u00fcrfte die Ukraine die Schlacht um den Donbass gewonnen haben.<\/p>\n<p>Die ukrainischen Anstrengungen um eine Gegenoffensive konzentrieren sich auf den S\u00fcden und dabei vorrangig auf die Oblast Cherson. In Bezug auf die Lage an dieser Front hat die Ukraine eine Nachrichtensperre verh\u00e4ngt, wie auf dem ukrainefreundlichen Portal <a href=\"https:\/\/militaryland.net\/ukraine\/invasion-day-150-summary\/\">militaryland.net<\/a> nachgelesen werden kann. Ukrainische Medien d\u00fcrfen nur Verlautbarungen des ukrainischen Generalstabs zur Lage in diesem Frontabschnitt wiedergeben. Nicht daran gebunden f\u00fchlt sich freilich der Berater des ukrainischen Pr\u00e4sidialstabes zu Fragen milit\u00e4rischer \u00d6ffentlichkeitsarbeit, Oleksiy Arestovych. Dieser hat behauptet, die ukrainischen Streitkr\u00e4fte h\u00e4tten am Rande der Oblast Cherson 1000 russische Soldaten eingekesselt. Eine russische Best\u00e4tigung daf\u00fcr gibt es nicht, man w\u00fcrde diese wohl auch nicht erwarten. Es gibt jedoch auch keine Anhaltspunkte f\u00fcr die Richtigkeit dieser Meldung in den Verlautbarungen des ukrainischen Generalstabs. Nach den sehr vollmundigen Ank\u00fcndigen der Ukraine bez\u00fcglich einer Gro\u00dfoffensive zur Wiedereroberung der Oblast Cherson, wird es ein Problem mit der Kampfmoral geben, wenn die ukrainische Armee bis Mitte September nicht wenigstens den Teil der Oblast zur\u00fcckerobert, der westlich des Dnjepr liegt. Das wesentliche Ziel d\u00fcrfte jedoch die Kontrolle \u00fcber den Nord-Krim-Kanal sein, der die Krim mit Wasser versorgt und den die Ukraine 2014 blockiert hatte. Dieser zweigt bei Nova Kakhovka \u00f6stlich vom Dnjepr ab. Russische Fallschirmj\u00e4ger hatten den Blockadedamm bereits am 26. Februar gesprengt. Eine Wiedererrichtung dieses Damms w\u00fcrde Russland schwer treffen.<\/p>\n<p><strong>Die innenpolitische Situation der Ukraine<\/strong><\/p>\n<p>Glaubt man der westlichen Propaganda, so steht die ukrainische Bev\u00f6lkerung nahezu einm\u00fctig hinter der Regierung und der Kriegsanstrengung. Dieses Bild ist stark \u00fcberzeichnet. In den letzten beiden Wochen ist es zu erheblichen Umbesetzungen im Geheimdienst, der Staatsanwaltschaft und den Regionalverwaltungen gekommen. Als Grund wurde Verrat einer hohen Anzahl von Amtstr\u00e4gern angef\u00fchrt. Der ukrainische Patriotismus kann also zumindest in der Oberschicht nicht so stark ausgepr\u00e4gt sein. Im Donbass haben sich viele Einwohner geweigert, der zentral initiierten Entv\u00f6lkerungspolitik von Gebieten zu folgen, welche die Regierung f\u00fcrchtet, demn\u00e4chst zu verlieren. Das Ergebnis d\u00fcrfte eine lokale Restbev\u00f6lkerung sein, die auf eben diesen ukrainischen Gebietsverlust hofft. F\u00fcr diese Interpretation spricht, dass die ukrainische Regierung 100 US$ Kopfgeld f\u00fcr Hinweise auf Artilleriebeobachter ausgelobt hat, welche russisches Feuer auf ukrainische Einheiten lenken. So etwas tut man nicht derart \u00f6ffentlich, wenn es sich nicht um ein erhebliches Problem handelt. G\u00e4be es nur Einzelf\u00e4lle, w\u00e4re wohl auch das Kopfgeld h\u00f6her angesetzt worden.<\/p>\n<p>Die innenpolitischen Probleme gehen \u00fcber den Verrat einer Minderheit hinaus. <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/news\/nach-kritik-an-selenskyj-ukrainischer-politiker-angeblich-ausgebuergert-li.249585\">Diese Woche wurde Hennadij Korban ausgeb\u00fcrgert<\/a>, der Chef der Gebietsverteidigung der Stadt Dnipro (fr\u00fcher Dnjepropetrovsk), die fast 1 Million Einwohner hat. Er hatte im Ausland seine Familie besucht und ihm wurde an der polnisch-ukrainischen Grenze der Pass entzogen. In diesem Fall geht es nicht um Verrat, sondern um Kritik Korbans an der Regierung in Kiew, der er mangelnde Unterst\u00fctzung der Verteidigungsanstrengungen in Dnipro vorgeworfen hatte. Insgesamt kann man in Bezug auf die Neubesetzungen vieler hoher ukrainischer \u00c4mter in den letzten Wochen durchaus den Begriff S\u00e4uberungen verwenden. Solche Vorg\u00e4nge sind immer ein Zeichen von Furcht, sonst die politische Kontrolle zu verlieren.<\/p>\n<p><strong>Die finanzielle Situation der Ukraine<\/strong><\/p>\n<p>Im Prinzip ist die ukrainische Regierung sowohl nach innen als auch nach au\u00dfen zahlungsunf\u00e4hig. Die Ausgaben \u00fcbersteigen die Einnahmen betr\u00e4chtlich. In dieser Situation sind nahezu 150 Tage lang nationale Devisenreserven verwendet worden, um den Kurs der ukrainischen W\u00e4hrung Hryvnia gegen\u00fcber dem US-Dollar zu halten. <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/warum-sich-die-finanzlage-in-der-ukraine-weiter-anspannt-18189888.html\">Am vergangenen Donnerstag wurde die W\u00e4hrung dann um einen Schlag gegen\u00fcber dem US-Dollar um 25% abgewertet<\/a>. Diese Abwertung, durch die sich nun alle Importwaren verteuern werden, trifft auf eine Inflationsrate, die bereits 18% betr\u00e4gt. Bis Jahresende wird ein Anstieg auf 30% erwartet. Eine der Ursachen ist, dass die Regierung ihr Defizit von etwa 5 Milliarden US$ monatlich dadurch finanziert, dass die Zentralbank Geld druckt.<\/p>\n<p>Dadurch wird allerdings nicht das Problem gel\u00f6st, dass die Ukraine Auslandsverbindlichkeiten hat, f\u00fcr die sie Schuldendienste leisten m\u00fcsste. Westliche staatliche Gl\u00e4ubiger scheinen sich auf ein Moratorium f\u00fcr einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren geeinigt zu haben. Das bedeutet, dass die Ukraine als zahlungsunf\u00e4hig angesehen, aber nicht offiziell als zahlungsunf\u00e4hig bezeichnet wird. <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/warum-sich-die-finanzlage-in-der-ukraine-weiter-anspannt-18189888.html\">Die ukrainische Regierung behauptet laut F.A.Z.<\/a>, dass ich auch gro\u00dfe westliche Finanzfonds bereit erkl\u00e4rt h\u00e4tten, ein solches Moratorium mitzutragen. Das w\u00fcrde bedeuten, dass westliche Privatanleger zur Finanzierung des ukrainischen Defizits zwangsverpflichtet w\u00fcrden. Je nach Art der Fonds k\u00f6nnte es sich dabei auch um eine K\u00fcrzung zuk\u00fcnftiger Pensionszahlungen handeln. Im Falle von betrieblichen oder \u00f6ffentlichen Pensionsfonds, haben die einzelnen Personen, die Einlagen geleistet haben, auch ohne anderweitige Verluste nicht die M\u00f6glichkeit, dem zu entgehen. De facto werden die ukrainischen Kriegskosten auf die B\u00fcrger westlicher Staaten umgelagert, entweder \u00fcber Steuern oder \u00fcber Anlagegelder, ohne dass es dar\u00fcber eine politische Diskussion oder Parlamentsabstimmungen g\u00e4be.<\/p>\n<p>Nun kann man durchaus der Meinung sein, dass es aus westlicher Sicht t\u00f6richt w\u00e4re, die Ukraine in dieser Situation bankrottgehen zu lassen. Das eigentliche Problem ist die verdeckte Finanzierung, die nicht an Bedingungen gekn\u00fcpft wird. Das ukrainische politische System ist bekannterma\u00dfen korrupt. Wenn der Westen den Staat finanziell \u00fcber Wasser h\u00e4lt, kann er ein Mitspracherecht bei wichtigen Ausgabeentscheidungen beanspruchen, mindestens aber detaillierte Rechenschaft dar\u00fcber.<\/p>\n<p><strong>Die politische Situation in Europa<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe hier mehrfach geschrieben, dass Russland einen milit\u00e4rischen Krieg gegen die Ukraine, gleichzeitig aber einen hybriden Krieg gegen den gesamten Westen f\u00fchrt, wobei der hybride Krieg vor allem wirtschaftliche Aspekte hat. W\u00e4hrend die Ukraine ihre milit\u00e4rischen Fronten Mitte April im Wesentlichen stabilisieren konnte, ist die Lage an der wirtschaftlichen Front f\u00fcr die EU immer schlechter geworden. Die Sanktionen schaden eindeutig der EU mehr als Russland. Nun kann man nat\u00fcrlich sagen, dass die EU wirtschaftlich erheblich h\u00f6here Ressourcen als Russland hat und sich daher h\u00f6here eigene Verluste leisten kann, um dadurch Druck von der Ukraine zu nehmen. An den Finanzm\u00e4rkten scheint diese Einsch\u00e4tzung jedoch nicht en vogue zu sein. Der Euro f\u00e4llt, w\u00e4hrend der Rubel sich stabilisiert hat. Die russische Inflationsrate geht wieder zur\u00fcck, w\u00e4hrend diejenige in der Euro-Zone weiter w\u00e4chst. Zu beachten ist auch, dass Russland ein einzelnes Land ist, das auch noch stark zentralistisch gef\u00fchrt wird. In der EU divergieren hingegen die Interessen stark. Selbst wenn man sich einig dar\u00fcber w\u00e4re, in welchem Grade man die Ukraine unterst\u00fctzen will, w\u00fcrde es immer noch zu Dissens bez\u00fcglich der Lastenverteilung kommen.<\/p>\n<p>So sehen etwa Spanien und Portugal nicht ein, wieso sie ihren Gasverbrauch einschr\u00e4nken sollen, da sie nie in erheblichen Mengen von billigem russischem Gas profitiert hatten. In der italienischen Bev\u00f6lkerung sind Waffenlieferungen an die Ukraine nicht popul\u00e4r. Das ist einer der Hintergr\u00fcnde der gegenw\u00e4rtigen Regierungskrise. Mitte Juni hatte die an der Regierung beteiligte F\u00fcnf-Sterne-Bewegung sich offen gegen die Waffenlieferungen ausgesprochen, nachdem ihre Umfragewerte gesunken waren. Daraufhin griff der aus der F\u00fcnf-Sterne-Bewegung stammende Au\u00dfenminister Di Maio, als Regierungsmitglied unter Draghi stramm auf die EU-Linie verpflichtet, die F\u00fchrung der Bewegung scharf an. Schnell war von einem m\u00f6glichen Ausschluss Di Maios die Rede, der diesem jedoch durch eine eigene Abspaltung zuvorkam, wobei auch der Wunsch eine Rolle gespielt haben k\u00f6nnte, der zeitlichen Mandatsbeschr\u00e4nkung in der F\u00fcnf-Sterne-Bewegung zu entgehen. Der Brand schwelte einige Zeit, wurde durch Indiskretionen wieder entfacht und schlie\u00dflich blieb der F\u00fcnf-Sterne-Bewegung gar nichts anderes \u00fcbrig, als die Regierung Draghi scheitern zu lassen. Zu erwarten ist nun bei den Wahlen im September der Sieg einer Koalition, die sich politisch n\u00e4her im Umfeld Viktor Orbans befindet, als in demjenigen Br\u00fcssels. Wesentlich ist das hier deshalb, weil es die Einigung der EU auf ein gemeinsames Vorgehen in der Ukrainefrage und der Energiefrage ab Oktober zus\u00e4tzlich erschweren d\u00fcrfte. Im Winter wird die EU vor einem abermaligen Test ihrer Handlungsf\u00e4higkeit stehen und vergangene Tests derselben sind nicht besonders gut verlaufen. Eine andere Meldung der Woche war zum Beispiel, dass Litauen bez\u00fcglich der Blockade von Kaliningrad von der EU zur\u00fcckgepfiffen wurde. Dazu war gerade die Anstandsfrist eingehalten worden, in der man Russland noch hinhalten konnte. Es hei\u00dft jetzt, dass die von Litauen umgesetzten Sanktionen nur f\u00fcr Lieferungen auf dem Stra\u00dfenweg gelten w\u00fcrden, nicht aber f\u00fcr solche auf dem Bahnweg. Auch wenn die Standards bei gesichtswahrenden Bem\u00e4ntelungen allgemein nicht sehr hoch sind, wirkt diese doch besonders l\u00e4cherlich.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Nach 150 Tagen Krieg ist noch kein Ende abzusehen. Russland hat bez\u00fcglich des hybriden Kriegs mit dem Westen weiterhin ein Interesse, die milit\u00e4rische Auseinandersetzung mit der Ukraine hinzuziehen und kann sich das wirtschaftlich auch leisten. Gleichwohl muss die russische Armee bis etwa Mitte September weitere strategische Erfolge vorweisen, um die Unterst\u00fctzung zu Hause und die Erneuerung des Personals nicht zu gef\u00e4hrden. W\u00e4hrenddessen muss sie strategische Erfolge der ukrainischen Seite im Raum Cherson und insbesondere eine Blockade des Nord-Krim-Kanals verhindern. Wenn Beides gelingt, wird Russland diesen Krieg gewinnen. Wenn nur Letzteres gelingt, wird Russland gezwungen sein, die Fronten einzufrieren, ohne die gesamte Oblast Donezk einzunehmen, was im Innern als Niederlage wahrgenommen werden w\u00fcrde. Dass die Ukraine die Oblast Cherson wiedererobern kann, ist hochgradig unwahrscheinlich. W\u00fcrde es jedoch gelingen, so w\u00e4re mit einem Krieg mindestens bis weit in das Jahr 2023 hinein zu rechnen, der vollst\u00e4ndig vom Westen und in sehr gro\u00dfen Teilen von den EU-Staaten finanziert werden m\u00fcsste.<\/p>\n<p><em>#Bild: Zerst\u00f6rungen nach einem Angriff auf Bachmut im Kampf um die Stadt SjewjerodonezkFoto: <a href=\"https:\/\/dsns.gov.ua\/\">https:\/\/dsns.gov.ua\/<\/a> via <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Attack_on_Bakhmut,_in_the_Russian_advance_towards_Siversk.jpg\">https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Attack_on_Bakhmut,_in_the_Russian_advance_towards_Siversk.jpg<\/a>, Lizenz: CC <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/4.0\/deed.de\">BY<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/globales\/kriege\/150-tage-krieg-eine-zwischenbilanz\/attachment\/attack_on_bakhmut_in_the_russian_advance_towards_siversk\/\">Mehr Infos<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/gunnar-jeschke\/ukraine-krieg-150-tage-und-wie-weiter\"><em>freitag.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 27. Juli 2022 <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gunnar Jeschke. Ukraine-Krieg Die milit\u00e4rischen Fronten bewegen sich derzeit nur mit der Geschwindigkeit von Gletschern. 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