{"id":11573,"date":"2022-08-17T10:50:25","date_gmt":"2022-08-17T08:50:25","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11573"},"modified":"2022-08-17T10:50:26","modified_gmt":"2022-08-17T08:50:26","slug":"postwachstumsoekonomie-eine-elitaere-debatte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11573","title":{"rendered":"Postwachstums\u00f6konomie: Eine elit\u00e4re Debatte"},"content":{"rendered":"<p><em>Fiona Schwindt.<\/em><strong> In von Postwachstumsanh\u00e4ngerinnen und Postwachstumsanh\u00e4ngern gef\u00fchrten Debatten wird h\u00e4ufig angebracht, dass trotz Wirtschaftswachstum die Menschen seit Jahrzehnten nicht gl\u00fccklicher werden und wir somit ja auch wieder auf den Stand des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der 70er Jahre zur\u00fcck k\u00f6nnten. Dies soll durch individuellen Verzicht<\/strong><!--more--> <strong>passieren. Fiona erkl\u00e4rt, warum das zu kurz gedacht ist.<\/strong><\/p>\n<p>Der Klimawandel ist die wohl gr\u00f6\u00dfte Bedrohung f\u00fcr die Menschheit im 21. Jahrhundert. Der Kapitalismus ist sein treibender Motor. Dass wir dieses <a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/natur-des-menschens-im-kapitalismus-und-sozialismus\/\">Wirtschaftssystem<\/a> \u00fcberwinden sollten, ist in linken Kreisen unumstritten. W\u00e4hrend heutzutage marxistische und links-keynesianische Ans\u00e4tze ins Hintertreffen geraten, findet die sogenannte Postwachstums\u00f6konomie in klimapolitischen Kreisen immer mehr Zuspruch. Postwachstumstheorien sind vielf\u00e4ltig und das Lager der Postwachstums\u00f6konominnen und Postwachstums\u00f6konomen ist breit gef\u00e4chert. Diese Theorien haben Unterst\u00fctzerinnen und Unterst\u00fctzer von \u201eprogressiven\u201c Liberalen bis hin zu linksradikalen Klimagruppen.<\/p>\n<p>Ein zentrales Argument von Postwachstums\u00f6konominnen und Postwachstums\u00f6konomen ist es, dass wir auf einen gro\u00dfen Teil unseres Konsums verzichten k\u00f6nnten. Doch worauf genau soll verzichtet werden? Leben in Deutschland wirklich alle im Luxus? Die Antwort lautet: Nein. Wir haben hierzulande den gr\u00f6\u00dften Niedriglohnsektor Europas, Arbeitsverh\u00e4ltnisse sind zunehmend prek\u00e4r. Nur aus einer privilegierten Position heraus l\u00e4sst sich Verzicht leicht fordern. Lebensgl\u00fcck h\u00e4ngt auch damit zusammen, dass der Wohlstand gerecht verteilt ist und es gute und sichere Arbeit gibt. Die Debatte wird zudem nur im globalen Norden gef\u00fchrt, w\u00e4hrend es f\u00fcr Menschen im globalen S\u00fcden nur zynisch klingt, auf Wirtschaftswachstum zu verzichten.<\/p>\n<p><strong>Was ist Postwachstums\u00f6konomie?<\/strong><\/p>\n<p>Postwachstums\u00f6konomie beschreibt, wie der Name vermuten l\u00e4sst, ein Wirtschaften, welches vom Wirtschaftswachstum entkoppelt ist. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird oft als Ma\u00df f\u00fcr Fortschritt und Wohlstand herangef\u00fchrt. Das wird von Postwachstumstheoretikerinnen kritisiert. Sie sind der Ansicht, dass zum Wohl von Mensch und Umwelt andere Ma\u00dfst\u00e4be herangezogen werden m\u00fcssen und Wachstum nicht mehr das allgemeine Ziel der Volkswirtschaft sein sollte. Das Wirtschaftswachstum soll zum Schutz des Klimas reduziert, oder gar r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden. Doch ist dieser drastische Schritt \u00fcberhaupt umsetzbar und wirklich zum Wohle der Gesellschaft?<\/p>\n<p><strong>Wohlstand f\u00fcr alle<\/strong><\/p>\n<p>Postwachstums\u00f6konominnen und Postwachstums\u00f6konomen machen den Fehler, den Wunsch nach Wirtschaftswachstum mit Profitmaximierung im Kapitalismus zu verwechseln. W\u00e4hrend es bei der Profitmaximierung darum geht, dass sich wenige Kapitalistinnen und Kapitalisten auf Kosten vieler bereichern, entsteht Wirtschaftswachstum durch Produktivit\u00e4tssteigerung und ist somit auch ein Zeichen technischen Fortschritts. Wirtschaftswachstum kann auch au\u00dferhalb des Kapitalismus funktionieren und in einer sozialistischen Gesellschaft allen zu Gute kommen.<\/p>\n<p>Durch die Steigerung der Produktivit\u00e4t konnte in der westlichen Welt Wohlstand f\u00fcr einen gro\u00dfen Teil der Gesellschaft erreicht werden. Ma\u00dfgeblich f\u00fcr die Verbesserung war jedoch eine starke Arbeiterinnenbewegung und siegreiche Arbeitsk\u00e4mpfe. Ziel von diesen K\u00e4mpfen war und ist noch immer, dass das erwirtschafte Wachstum uns allen zu Gute kommt, statt die Reichen noch reicher zu machen. Denn anstatt in einer Selbstversorgergesellschaft m\u00fc\u00dfig Felder zu bestellen, haben wir nun H\u00e4nde frei f\u00fcr Arbeit in Industrie und im Dienstleistungssektor. Das tr\u00e4gt zu einer h\u00f6heren Lebensqualit\u00e4t bei und kann f\u00fcr weniger harte Arbeit f\u00fcr alle sorgen. Daf\u00fcr m\u00fcssten die Ressourcen aber gerecht verteilt werden.<\/p>\n<p>Anstatt bereits erk\u00e4mpfte Errungenschaften aufzugeben, sollten wir lieber f\u00fcr eine starke Gewerkschaftsbewegung und einen \u00f6kologischen Umbau der Wirtschaft zugunsten der Mehrheit streiten. Daf\u00fcr braucht es massive staatliche Investitionen in erneuerbare Energien und gr\u00fcne Technologien. Wir m\u00fcssen weg von fossilen Brennstoffen und alte Industrien so transformieren, dass dies nicht auf dem R\u00fccken der einfachen Arbeiterinnen und Arbeiter erfolgt. Um deren soziale Sicherheit zu garantieren und gleichzeitig energisch gegen die Interessen der Konzerne den \u00f6kologischen Umbau zu schaffen, bedarf es staatlicher Planung.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/postwachstumsoekonomie-eine-elitaere-debatte\/\"><em>diefreiheitsliebe.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 17. August 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fiona Schwindt. 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