{"id":1166,"date":"2016-05-12T16:07:41","date_gmt":"2016-05-12T14:07:41","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1166"},"modified":"2016-05-12T16:07:57","modified_gmt":"2016-05-12T14:07:57","slug":"plaedoyer-fuer-die-realitaet-statt-stumpf-ist-trumpf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1166","title":{"rendered":"Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Realit\u00e4t statt Stumpf ist Trumpf"},"content":{"rendered":"<p><strong>Auf Anregung von <a href=\"http:\/\/lowerclassmag.com\/\">Lower Class Magazin<\/a> ver\u00f6ffentlichen wir deren Replik auf den hier ver\u00f6ffentlichen Beitrag <a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1048\">Antiimperialismus: Gut und B\u00f6se statt Analyse und Kritik<\/a>. <\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong>Wir von der Redaktion maulwuerfe.ch teilen letztendlich keine der beiden Positionen, m\u00f6chten jedoch mit unseren <a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?tag=imperialismus\">Beitr\u00e4gen zur Imperialismusdebatte<\/a> zur Kl\u00e4rung in dieser zentralen Debatte beitragen. Von den \u201eantideutschen\u201c Positionen der Phase 2 trennt uns ein konsequenter Antikapitalismus, Anti-Rassismus und \u2013 damit gleichbedeutend \u2013 eine anti-zionistische Einsch\u00e4tzung zu aktuellen politischen Fragen. Von dem \u201eStadt-Guerilla\u201c-Ansatz der Lower Class Magazin Leute unterscheidet uns eine praktische politische Perspektive der Entwicklung des Klassenbewusstseins, die \u00fcbrigens auch bei der Phase 2 fehlt. Wir gestehen jedoch ein, dass die praktische Umsetzung dieser unserer Perspektive seit dem Zeitalter des Imperialismus immer wieder grosse R\u00fcckschl\u00e4ge erlitten hat und sehr schwierig ist, gerade in Europa, insbesondere in der Schweiz. Aber es gibt unseres Erachtens keinen anderen Weg. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Wir werden in n\u00e4chster Zeit einen gr\u00f6sseren Beitrag zur Imperialismusdebatte beisteuern. [Redaktion maulwuerfe.ch]<\/strong><\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p><em>Siempre*Antifa Frankfurt.<\/em> Die k\u00fcrzlich in \u201eAnalyse und Kritik\u201c erschienene Replik der Phase2-Redaktion auf die in der Januarausgabe enthaltenen Texte, die sich mit dem Thema Imperialismus besch\u00e4ftigten, schlie\u00dft mit dem Satz: \u201eDenn der modernisierte Antiimperialismus kann kein Debattenpartner, sondern lediglich politischer Gegner sein.\u201c Bereits die blo\u00dfe Erw\u00e4hnung von Anti-Imperialismus scheint zu st\u00f6ren und soll in Misskredit gebracht werden. Eine Kritik an den angebotenen Thesen setzt aber voraus, dass man sich mit ihnen auch inhaltlich auseinandergesetzt hat. Dise fehlt jedoch, ebenso wie eine wirkliche Begr\u00fcndung f\u00fcr dieses Urteil. Verwendet werden dazu folgende Methoden (Argumente konnten wir nicht finden): 1.Vorurteile 2.Verallgemeinerungen 3.Verzerrungen. Die Technik, mit der der Imperialismusbegriff denunziert wird, ist in etwa folgende: 1.Eine negative Begleiterscheinung wird herausgegriffen 2.Dieser isolierte Aspekt wird mit dem Begriff an sich gleichgesetzt. 3.Diese Neusch\u00f6pfung wird mit weiteren negativen Inhalten angereichert 4.Findet eine Distanzierung von diesem Konstrukt statt.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a> Dabei werden wesentliche Unterscheidungen verwischt: 1. Zwischen polit\u00f6konomischer Analyse des Imperialismus und den m\u00f6glichen politischen Konsequenzen f\u00fcr Taktik und Strategie (d.h. historisch-konkret zu bestimmenden Linien), die u.a. zur Zeit des klassischen Kolonialismus und der dagegen opponierenden Befreiungsbewegungen formuliert wurden 2.Akteure aus verschiedenen Zeiten und Kontexten 3.Die Ebenen als analytischer und zugleich als Kampfbegriff. Schlie\u00dflich gab und gibt es auch Akteure, die nicht nur ph(r)asenhafte \u201eKritik\u201c \u00fcben, sondern diese auch praktisch handhabbar machen wollen, d.h., gesellschaftliche Ver\u00e4nderung anstreben. Solch Unsachlichkeit hat meist zwei Ursachen. Entweder ist sie mangelnden Kenntnisse geschuldet oder sie ist eine politische. Hinter der Unf\u00e4higkeit, den Imperialismus zu begreifen, steckt dann der Unwille, ihn anzugreifen.<\/p>\n<p><strong>Lenin, RAF, alles Nazis? <\/strong><\/p>\n<p>Wer aber solche Urteile f\u00e4llt, katapultiert sich aus der Geschichte der Linken heraus. Und so fassen die Redakteure der \u201eZeitschrift f\u00fcr radikale Gesellschaftskritik\u201c auch verschiedene reale oder vermeintliche Akteure wie Lenin, Stalin, Mao, die RAF, Fanon, arabische Rebellen und unterdr\u00fcckte \u201eV\u00f6lker\u201c zusammen, entnehmen sie ihrem Kontext, in dem sie zu kritisieren w\u00e4ren, abstrahieren von den jeweilig vorgefundenen Bedingungen der Auseinandersetzung und bringen sie als koh\u00e4rentes Feindbild in Stellung. Eine reale Gemeinsamkeit von Lenin und der RAF ist, dass sie im revolution\u00e4ren Kampf ums Ganze standen. Das scheint den Staatssch\u00fctzern der Phase2 \u2013 so radikal ist ihre Kritik dann doch nicht \u2013 nicht zu passen, da sie stattdessen eine andere Gemeinsamkeit erfinden: die der Judenfeindlichkeit. Die Redakteure der Phase2 \u2013 auch hier ganz gegen die Realit\u00e4t \u2013 kommen allen Ernstes zum Schluss, der \u201eHauptfeind\u201c des Antiimperialismus seien \u201edie Juden\u201c. Wo sie argumentativ nicht weiterwissen, verbleibt ihnen einzig die durch immerw\u00e4hrende Inflationierung und Ausdehnung stumpf gewordene Moralkeule des Antisemitismus-Vorwurfs. Damit schaffen es die Begriffsverdreher der Phase2 nun, den Kampf gegen den Kolonialismus abzuwerten und implizit rechts und links gleichzusetzen, wie sonst nur ausgewiesene Extremismustheoretiker, die mit Gleichungen wie links=antisemitisch=rechts unsere Ans\u00e4tze und K\u00e4mpfe zu diskreditieren versuchen. Dass es auch in der Linken zuweilen Sexismus, Antisemitismus und Rassismus gibt, ist eine Binsenweisheit, schlie\u00dflich durchzieht Herrschaft jeden einzelnen von uns, und auch Bewegungen konstituieren sich innerhalb der Widerspr\u00fcche der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft und sind nichts ihr \u00e4u\u00dferliches. Wenn dies aber als Wesensmerkmal behauptet, statt mit den rassistischen Kontinuit\u00e4ten in allen b\u00fcrgerlichen Gesellschaften Europas in Beziehung gesetzt wird, wird die Aussage ganz einfach reaktion\u00e4r. Im Fall der Phase2 zeigt sie, dass sie bestenfalls vollst\u00e4ndig an der globalen Debatte und Praxis vorbeischreiben, oder aber sich damit, bewusst oder unbewusst, dem b\u00fcrgerlichen Feuilleton andienen.<\/p>\n<p><strong>What the fuck is b\u00fcrgerliche Herrschaft? <\/strong><\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend wird auch Lenin verk\u00fcrzt, statt eine inhaltliche Kritik an ihm vorzutragen. Wenn die Phase2-Redakteure z.B. schreiben, dieser habe die Errungenschaften des b\u00fcrgerlichen Rechts f\u00fcr unwichtige Augenwischerei gehalten, dann zeigen sie, dass sie selbst weder Lenin noch b\u00fcrgerliche Herrschaft richtig verstanden haben, oder, was wahrscheinlicher ist, letztere nicht verstehen, sondern verteidigen wollen. B\u00fcrgerliche Herrschaft basiert formell auf Gleichheit und Freiheit, und diese Verallgemeinerung funktioniert indes stets mit dem Ausschluss der Nicht-Staatsb\u00fcrgerInnen und korrespondiert mit Ausbeutung in der Produktion, Unterdr\u00fcckung in den (Neo-)kolonien, Benachteiligung von Frauen in der Reproduktion. Diese verschiedenen Verh\u00e4ltnisse sind eben nichts voneinander Getrenntes, sondern ineinander verwoben und konstitutiv f\u00fcr die Entstehung und Erhaltung des Kapitalismus, und kein anderer Begriff als der des Imperialismus fasst dies als Analysekategorie im internationalen Ma\u00dfstab so pr\u00e4gnant zusammen. Imperialismus ist f\u00fcr uns die Klammer, die den Klassenwiderspruch, die Geschlechterverh\u00e4ltnisse, den Rassismus, den Militarismus und die neokoloniale Ungleichheit als globales Gesamtsystem umfasst.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a> Genau deshalb kann ein solch mehrpoliger, integraler und differenzierter Begriff von Antiimperialismus auch nicht von rechts vereinnahmbar sein.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a> Gleichzeitig tragen Errungenschaften (Frage an Phase2: wer hat die eigentlich erk\u00e4mpft?) immer auch den Keim der Involution<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a> in sich. Der gleiche Staat, der hier formelle Demokratie gestattet, kann woanders Milit\u00e4rdiktaturen inthronisieren, das gleiche Unternehmen, was hier Arbeitsrechte einh\u00e4lt, woanders von Sklavenhaltung profitieren. Demokratie und Freiheit im Westen sind eben nie zu l\u00f6sen von den Kriegsmassakern und dem Mord durch Verhungern im Trikont.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn5\" name=\"_ednref5\">[v]<\/a> Dass sich die Staats-Querfront der Phase2 diskursiv nicht auf der H\u00f6he der Zeit befindet, zeigt besonders ihre Ignoranz gegen\u00fcber diesem Zusammenhang der au\u00dfereurop\u00e4ischen Menscheitsverbrechen, die ihr eurozentristisches und damit strukturell rassistisches und anti-feministisches Weltbild offenbart. Auch das h\u00e4tten sie besser wissen k\u00f6nnen, h\u00e4tten sie die inkriminierten Texte in der Analyse und Kritik denn gelesen: Der S\u00fcden kann die Lebensweise des Nordens nicht kopieren, weil dieser den S\u00fcden ausbeutet<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn6\" name=\"_ednref6\">[vi]<\/a> (samt Vernichtung von Menschen und Natur), worauf Konsumniveau und Wohlstand beruhen. Dieser Lebensstandard ist also nicht verallgemeinerbar; eine nicht verallgemeinerbare Lebensweise aber ist antisozial, und die Phase2 tritt implizit an, die Antisozialit\u00e4t im globalen Ma\u00dfstab zu verteidigen, in dem sie auf diejenigen, die dies erkennen und angreifen, eindrischt und sie zu Feinden erkl\u00e4rt. Manche Menschen m\u00f6chten sich die Illusion in den b\u00fcrgerlichen Staat eben nicht nehmen lassen \u2013 exakt der Punkt, wo die phasenweisen Antifa-Schmuddelkinder zur\u00fcck in dessen Schoss kriechen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Stadtguerilla als Antifa! <\/strong><\/p>\n<p>Das ist wohl auch der Grund, warum sie solche Schwierigkeiten haben mit der Stadtguerilla der RAF, dem am weitesten entwickelten militanten Ausdruck des westeurop\u00e4ischen Widerstands. Dem Anschein nach aber haben die Wohlstandschauvinisten der Phase2 sich auch mit der vielgeschm\u00e4hten RAF nicht wirklich befasst. Vielmehr beten sie b\u00fcrgerliche Mythen nach. Denn die RAF zeigt ja so klar wie kaum ein Akteur die faschistische Kontinuit\u00e4t der BRD an. Ihr Faschismusbegriff bezieht sich zuerst auf eine Herrschaftsvariante im Kapitalismus und dann auf die Tendenz des imperialistischen System \u00fcberhaupt,<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn7\" name=\"_ednref7\">[vii]<\/a> das aber sein faschistisches Wesen nur dann vorzeige, wenn es auf aktive Gegenwehr treffe.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn8\" name=\"_ednref8\">[viii]<\/a> Ulrike bezeichnet die pal\u00e4stinensische Aktion doch deshalb als antiimperialistisch und damit antifaschistisch, weil sie einen Zusammenhang zwischen altem NS-Faschismus und dem System des entfalteten Imperialismus herstellt \u2013 weil sie den Widerstand dorthin zur\u00fcckgetragen hat, wo die erzwungene Auswanderung nach Pal\u00e4stina und die Shoa ihren Ursprung haben.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn9\" name=\"_ednref9\">[ix]<\/a> Sicher, Moshe Dajan ist nie der \u201eHimmler Israels\u201c gewesen. Aber: Hatten nicht deutsche Leitmedien anl\u00e4sslich des Sechstagekriegs NS-Vokabular wie \u201eBlitzkrieg\u201c verwendet?<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn10\" name=\"_ednref10\">[x]<\/a> War es nicht so, dass der niemals wirklich entnazifizierten bundesdeutschen Bev\u00f6lkerung die Offerte gemacht wurde, sich mit einer Kriegspartei zu identifizieren, nur diesmal auf der richtigen Seite, der der Sieger? Warum wohl sahen bundesdeutsche Linke pal\u00e4stinensische Linke und nicht Israel als Verb\u00fcndeten? War es nicht so, dass die Regierungen Israels kein Problem hatten, mit den westdeutschen Nazi-T\u00e4tern im bundesdeutschen Apparat eng zu kooperieren? Ein Text Ulrikes von 1967, also vor ihrer Zeit bei der RAF, macht diesen Aspekt noch deutlicher: Eine fragw\u00fcrdige \u201eVers\u00f6hnung\u201c auf der Basis eines gemeinsamen Antikommunismus.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn11\" name=\"_ednref11\">[xi]<\/a> Keine Rede kann also sein von \u201eabgeschlossen\u201c oder \u201everharmlosend\u201c, vielmehr der Nachweis, dass Faschismus als Option und Antikommunismus im Imperialismus fortwesen. Dazu passt, dass die Phase2 noch 2016 den Begriff \u201eNationalsozialismus\u201c ohne Anf\u00fchrungszeichen verwendet, diesen Kampfbegriff der deutschen Faschisten, gezeugt in propagandistischer Absicht, um linke Inhalte zu rekuperieren, der heute noch zur Diffamierung des Sozialismus verwendet und somit selbst verharmlosend wird.<\/p>\n<p><strong>Dualismus oder weshalb schreibt ihr eigentlich? <\/strong><\/p>\n<p>Wir sagen dagegen: revolution\u00e4re Geschichte kritisch aneignen und verteidigen! Das Verfahren zum Aushalten von und Denken in Widerspr\u00fcchen nennt sich Dialektik und findet Anwendung bei den von Phase2 denunzierten Revolution\u00e4ren. Dass die geschichtsvergessenen Phase2-Manipulateure sich jedoch Imperialismus nur als manich\u00e4isch und dualistisch, als Wahl Gut gegen B\u00f6se vorstellen k\u00f6nnen, sagt also viel mehr \u00fcber die Verk\u00fcmmerung ihres eigenen Denkens aus, als \u00fcber die imperialistische Realit\u00e4t und deren Gegner. Auch dient es der letzten Selbstvergewisserung einer untergehenden Str\u00f6mung, der klar wird, dass sie zur Kl\u00e4rung der Fragen der Zeit nichts mehr beizutragen hat. Ein Begriff, der sich in Opposition zu etwas fasst, was als imperialistisch beschrieben wird, hei\u00dft eben Position gegen einzunehmen und nicht Position f\u00fcr. Insofern haben die Redakteure schon allein den semantischen Gehalt der Vorsilbe anti- missverstanden. Zur n\u00e4heren Beschreibung einer Opposition kommt es hingegen auf deren sozialen Gehalt an. Die Frage aber, wie wir uns in Konflikten positionieren, kann jeweils nur konkret beantwortet werden. Eine Linke, die nicht auf der Seite der Unterdr\u00fcckten steht, ist keine, und der Hauptfeind bleibt der eigene, der deutsche Imperialismus, was nicht hei\u00dft, dass wir seine Gegner per se von Kritik ausnehmen k\u00f6nnen. Realiter ist es unm\u00f6glich, sich nicht zu entscheiden, weil Schweigen zwar noch keine Zustimmung, aber die Absenz von Protest inh\u00e4riert. \u00c4quidistanz zu wahren kann die richtige Antwort sein, aber die Frage ist jedes Mal aufs Neue zu stellen. Das bedeutet, zuweilen auf positive Bezugnahmen verzichten oder sich auf gesellschaftlich kaum relevante Akteure beziehen zu m\u00fcssen (z.B. Linke in der militaristischen und kolonialistischen Gesellschaft Israels). Aber wo ein progressiver Akteur auftritt, da solidarisieren wir uns auch gerne: Denn bek\u00e4mpfen nicht unsere kurdischen und t\u00fcrkischen antiimperialistischen GenossInnen die konterrevolution\u00e4ren Banden des IS am heftigsten?<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn12\" name=\"_ednref12\">[xii]<\/a> Die \u201cRebellen\u201c, von denen die Phase2 meint, sie w\u00fcrden von Israel unterst\u00fctzt, sind hingegen die Islamisten von Al Nusra.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn13\" name=\"_ednref13\">[xiii]<\/a><\/p>\n<p><strong>Revolution\u00e4re Analyse <\/strong><\/p>\n<p>Der Unterschied zwischen den Varianten b\u00fcrgerlicher Herrschaft, Parlamentarismus und Faschismus, muss von uns strategisch analysiert werden, als Ausgangsbedingung unserer K\u00e4mpfe, als Pr\u00e4misse, unter der wir arbeiten k\u00f6nnen, als Kraft, die die M\u00f6glichkeiten unserer Arbeit festlegt. Wenn wir den globalen Kapitalismus als hochgradig asymmetrisches System begreifen, wenn wir eingestehen, dass wir alle politisch und \u00f6konomisch von der Ausbeutung des Trikonts profitieren, weil die internationale Arbeitsteilung eben woanders keine Verrechtlichung in vergleichbaren Ma\u00dfe zul\u00e4sst, dann folgt daraus, dass wir in der moralischen und politischen Pflicht stehen, die uns zur Verf\u00fcgung stehenden Freir\u00e4ume zu nutzen, um eine starke Opposition gegen das imperialistische Gesamtsystem hier in den Zentren, im Herzen der Bestie, aufzubauen. Wer das nicht einsieht, tut es vermutlich vor allem deshalb, weil er \/sie seine\/ihre eigenen Privilegien nicht reflektieren und in Frage stellen m\u00f6chte.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/lowerclassmag.com\/2016\/05\/plaedoyer-fuer-die-realitaet-statt-stumpf-ist-trumpf\/\"><em>lowerclassmag.com&#8230;<\/em><\/a><em> vom 9. Mai 2016<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a> Wir geben doch auch nicht den Antikapitalismus auf, weil sich v\u00f6lkische Nationalisten jetzt als \u201eantikapitalistisch\u201c bezeichnen. Die Frage ist doch vielmehr, ob diese es objektiv sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> Schlie\u00dflich werden wir all diese Verh\u00e4ltnisse innerhalb des Kapitalismus nicht aufheben, sondern nur mit ihm. Wir sind aber nicht der Auffassung, dass es sich beim Imperialismus um \u201edas h\u00f6chste Stadium des Kapitalismus\u201c handelt. Eine mechanizistische oder deterministische Geschichtsphilosophie halten wir f\u00fcr durch die Geschichte selbst widerlegt. Wir meinen dies auch nicht im maoistischen Sinn der 1970er Jahre, was hie\u00dfe, alle anderen Verh\u00e4ltnisse zu Nebenwiderspr\u00fcchen und damit als weniger wichtig zu deklarieren. Der Imperialismusbegriff umfasst heute stattdessen die wesentlichen, nicht getrennt zu denkenden Herrschaftsverh\u00e4ltnisse im globalen Ma\u00dfstab.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a> Im Gegensatz zu kulturalistischen und anderen regressiven Formen, die damit aufh\u00f6ren, links zu sein.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv]<\/a> Damit meinen wir a. Ihre Nicht-Universalit\u00e4t von Anfang an b. Legalistischen Formen des Klassenkampfes von oben c. Tendenzielle Verselbst\u00e4ndigung der Exekutive d. Den Bereich der extralegalen Politik und des \u201eTiefen Staates\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref5\" name=\"_edn5\">[v]<\/a> Letztendlich ist die Zivilisation des Westens auch von Auschwitz und Hiroshima nicht zu trennen, die die kapitalistische Produktivkraftentwicklung als Destruktivkraftentwicklung voraussetzen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref6\" name=\"_edn6\">[vi]<\/a> Lauesen, Torkil: Geteilte Welt, geteilte Klasse, in AuK 612 vom 19.1.2016, <a href=\"https:\/\/www.akweb.de\/ak_s\/ak612\/08.htm\">https:\/\/www.akweb.de\/ak_s\/ak612\/08.htm<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref7\" name=\"_edn7\">[vii]<\/a> Texte der RAF, Berlin 1997: 33, 45, 167 ff.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref8\" name=\"_edn8\">[viii]<\/a> Texte der RAF, Berlin 1997: 158. Als staatliche Strategie der \u201ecounter insurgency\u201c, vgl. Texte der RAF, Malm\u00f6 1977.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref9\" name=\"_edn9\">[ix]<\/a> Texte der RAF, Berlin 1997: 152. Die zitierte Schrift \u00fcber den schwarzen September ist eine, die Ulrike im Knast geschrieben hat, und zwar, nachdem sie f\u00fcnf Monate lang im Toten Trakt von K\u00f6ln-Ossendorf mit weitgehender Isolation und totaler sensorischer Deprivation gefoltert worden ist. Es ist eben kein Text, der bequem zu Hause verfasst und der mit den anderen GenossInnen der RAF nicht diskutiert werden konnte.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref10\" name=\"_edn10\">[x]<\/a> Etwa FAZ, ZEIT, SPIEGEL, vgl. Ditfurth, Jutta: Ulrike Meinhof, Berlin 2007: 277.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref11\" name=\"_edn11\">[xi]<\/a> Meinhof, Ulrike: Drei Freunde Israels, in: Die W\u00fcrde des Menschen ist antastbar, Berlin 1986: 100ff.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref12\" name=\"_edn12\">[xii]<\/a> Im \u00dcbrigen ein dritter Weg zwischen Assad und sogenannten\u201eRebellen\u201c. Zur unheilvollen Li\u00e4son von Imperialismus und gerade dschihadistischem Terrorismus haben wir bereits im Text \u201eTerror, Imperialismus und Krieg\u201c einiges gesagt, online unter: <a href=\"http:\/\/siempreffm.blogsport.de\/2015\/11\/20\/terror-imperialismus-und-krieg\">http:\/\/siempreffm.blogsport.de\/2015\/11\/20\/terror-imperialismus-und-krieg<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref13\" name=\"_edn13\">[xiii]<\/a> Vgl. <a href=\"http:\/\/www.hintergrund.de\/201501283402\/politik\/welt\/naher-osten-israels-spiel-mit-dem-feuer.html\">http:\/\/www.hintergrund.de\/201501283402\/politik\/welt\/naher-osten-israels-spiel-mit-dem-feuer.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf Anregung von Lower Class Magazin ver\u00f6ffentlichen wir deren Replik auf den hier ver\u00f6ffentlichen Beitrag Antiimperialismus: Gut und B\u00f6se statt Analyse und Kritik. <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6,7],"tags":[39,18,17],"class_list":["post-1166","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","category-international","tag-deutschland","tag-imperialismus","tag-widerstand"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1166","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1166"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1166\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1167,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1166\/revisions\/1167"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1166"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1166"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1166"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}