{"id":11660,"date":"2022-08-30T09:57:46","date_gmt":"2022-08-30T07:57:46","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11660"},"modified":"2022-08-30T09:57:47","modified_gmt":"2022-08-30T07:57:47","slug":"brinkmanship-in-der-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11660","title":{"rendered":"Brinkmanship in der Ukraine"},"content":{"rendered":"<p><em>Klaus-Dieter Kolenda. <\/em><strong>Die Risiken einer katastrophalen Eskalation im Ukraine-Krieg sind gr\u00f6\u00dfer als allgemein angenommen, werden von vielen untersch\u00e4tzt und ein sinnvoller Kompromiss und damit ein Ende dieses schrecklichen Krieges ist nicht in Sicht, sagt der US-Politologe John Mearsheimer.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>In einem <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/im-Grunde-ein-Krieg-zwischen-den-USA-und-Russland-7064117.html\">meiner ersten Beitr\u00e4ge zum Ukraine-Krieg<\/a> im April 2022 in <em>Telepolis<\/em> habe ich darauf hingewiesen, dass es eine Ironie der Geschichte ist, dass der renommierte Politologe John Mearsheimer, der dem politologischen US-Establishment zuzurechnen ist, angesichts des kollektiven Wahnsinns unter den Intellektuellen als eine der wenigen derzeitigen Stimmen der Vernunft erscheint.<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Brinkmanship-in-der-Ukraine-7246879.html?view=fussnoten#f_1\">1<\/a><\/p>\n<p>Diese Einsch\u00e4tzung bezieht sich auf die seit 2015 von ihm mit einer gro\u00dfen Anzahl von Video-Vortr\u00e4gen und -Interviews betriebenen mutigen Aufkl\u00e4rung im Internet \u00fcber die Vorgeschichte und die Hintergr\u00fcnde des Ukraine-Konflikts, wobei er die gut begr\u00fcndete These vertritt, dass die USA und der Westen f\u00fcr diesen Konflikt hauptverantwortlich sind.<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Brinkmanship-in-der-Ukraine-7246879.html?view=fussnoten#f_2\">2<\/a><\/p>\n<p>Er weist aber auch auf die gro\u00dfen Gefahren hin, die mit diesem jetzt seit mehr als sechs Monaten andauernden Krieg in der Ukraine verbunden sind und warnt eindringlich vor der M\u00f6glichkeit, dass sich daraus wieder ein gro\u00dfer Krieg in Europa entwickelt, bei dem auch die Gefahr des Einsatzes von Atomwaffen nicht auszuschlie\u00dfen ist.<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Brinkmanship-in-der-Ukraine-7246879.html?view=fussnoten#f_3\">3<\/a><\/p>\n<p>Am 17. August 2022 ist in der Zeitschrift <em>Foreign Affairs<\/em>, der bedeutendsten US-amerikanischen Zeitschrift f\u00fcr Aussen- und Geopolitik, ein ausf\u00fchrlicher <a href=\"https:\/\/www.foreignaffairs.com\/ukraine\/playing-fire-ukraine?utm_medium=promo_email&amp;utm_source=lo_flows&amp;utm_campaign=registered_user_welcome&amp;utm_term=email_1&amp;utm_content=20220822\">Artikel von Mearsheimer<\/a> erschienen, in dem er noch einmal seine Bef\u00fcrchtungen und Warnungen vor einer Eskalation des Krieges in der Ukraine zum Ausdruck bringt.<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Brinkmanship-in-der-Ukraine-7246879.html?view=fussnoten#f_4\">4<\/a><\/p>\n<p>Ich habe diesen wichtigen Text von Mearsheimer f\u00fcr meine <em>Telepolis<\/em>-Leser ohne K\u00fcrzungen ins Deutsche \u00fcbertragen und mit einigen Zwischen\u00fcberschriften versehen, damit er besser lesbar ist. Am Schluss habe ich noch einige abschlie\u00dfende Gedanken von mir angef\u00fcgt.<\/p>\n<p><strong>&#8212;&#8212;&#8211; Beginn des Textes von John Mearsheimer &#8212;&#8212;-<\/strong><\/p>\n<p>Westliche Politiker scheinen einen Konsens dar\u00fcber erzielt zu haben, wie der Krieg in der Ukraine weitergehen wird: Der Konflikt wird in eine l\u00e4ngere Pattsituation \u00fcbergehen, und schlie\u00dflich wird ein geschw\u00e4chtes Russland ein Friedensabkommen akzeptieren, das f\u00fcr die Vereinigten Staaten und ihre Nato-Verb\u00fcndeten sowie die Ukraine g\u00fcnstig ist.<\/p>\n<p>Obwohl Beamte der US-Regierung es f\u00fcr m\u00f6glich halten, dass sowohl Washington als auch Moskau die Situation eskalieren k\u00f6nnten, um einen Vorteil f\u00fcr sich zu erlangen oder eine Niederlage abzuwenden, gehen sie doch davon aus, dass eine katastrophale Eskalation vermieden werden k\u00f6nne. Nur wenige k\u00f6nnen sich vorstellen, dass US-Streitkr\u00e4fte direkt in die K\u00e4mpfe verwickelt werden oder dass Russland es wagen wird, Atomwaffen einzusetzen.<\/p>\n<p>Aber Washington und seine Verb\u00fcndeten sind viel zu unbek\u00fcmmert. Auch wenn eine katastrophale Eskalation vermieden werden kann, ist die F\u00e4higkeit der Kriegsparteien, die Eskalationsgefahr zu kontrollieren, alles andere als sicher. Das Risiko daf\u00fcr ist wesentlich gr\u00f6\u00dfer, als die konventionelle Weisheit es f\u00fcr m\u00f6glich h\u00e4lt. Und aufgrund der Tatsache, dass die Folgen der Eskalation einen gro\u00dfen Krieg in Europa und m\u00f6glicherweise sogar die nukleare Vernichtung bedeuten k\u00f6nnten, gibt es gute Gr\u00fcnde, dar\u00fcber sehr besorgt zu sein.<\/p>\n<p><strong>Beide Seiten \u2013 Russland und die USA \u2013 haben in diesem Krieg gro\u00dfe Ambitionen<\/strong><\/p>\n<p>Um die Dynamik der Eskalation in der Ukraine zu verstehen, beginnen wir mit den Zielen jeder Seite. Seit Beginn des Krieges haben sowohl Moskau als auch Washington ihre Ambitionen erheblich ausgeweitet, und beide sind nun fest entschlossen, den Krieg zu gewinnen, um gewichtige politische Ziele zu erreichen.<\/p>\n<p>Infolgedessen hat jede Seite starke Anreize, Wege zu finden, um sich durchzusetzen und, was noch wichtiger ist, eine Niederlage zu vermeiden.<\/p>\n<p>In der Praxis bedeutet dies, dass die Vereinigten Staaten sich mit eigenen Truppen an den K\u00e4mpfen beteiligen k\u00f6nnten, entweder, wenn sie mit ihren Zielen ins Hintertreffen geraten sind und trotzdem gewinnen wollen, oder um zu verhindern, dass die Ukraine verliert.<\/p>\n<p>Russland k\u00f6nnte Atomwaffen einsetzen, wenn es nicht mehr hoffen kann zu gewinnen oder vor einer bevorstehenden Niederlage steht, was wahrscheinlich w\u00e4re, wenn US-Streitkr\u00e4fte in die K\u00e4mpfe hineingezogen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus gibt es angesichts der Entschlossenheit jeder Seite, ihre Ziele zu erreichen, wenig Chancen auf einen sinnvollen Kompromiss. Das maximalistische Denken, das jetzt sowohl in Washington als auch in Moskau vorherrscht, gibt jeder Seite noch mehr Grund, auf dem Schlachtfeld zu gewinnen, um die Bedingungen des letztendlichen Friedens diktieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In der Tat bietet das Fehlen einer m\u00f6glichen diplomatischen L\u00f6sung einen zus\u00e4tzlichen Anreiz f\u00fcr beide Seiten, die Eskalationsleiter hochzusteigen. Was dann folgt, k\u00f6nnte zu einem wirklich katastrophalen Ende f\u00fchren: ein Ausma\u00df an Tod und Zerst\u00f6rung, das \u00fcber dem des Zweiten Weltkriegs liegt.<\/p>\n<p><strong>USA wollen Russland schw\u00e4chen und aus dem Kreis der Gro\u00dfm\u00e4chte ausschlie\u00dfen<\/strong><\/p>\n<p>Die Vereinigten Staaten und ihre Verb\u00fcndeten haben zun\u00e4chst die Ukraine unterst\u00fctzt, um einen russischen Sieg zu verhindern und ein f\u00fcr sie g\u00fcnstiges Ende der K\u00e4mpfe auszuhandeln.<\/p>\n<p>Aber als das ukrainische Milit\u00e4r begann, den russischen Streitkr\u00e4ften, insbesondere um Kiew, eine Schlappe beizubringen, \u00e4nderte die Biden-Regierung den Kurs und verpflichtete sich, der Ukraine zu helfen, den Krieg gegen Russland zu gewinnen. Die USA versuchen auch, der russischen Wirtschaft durch die Verh\u00e4ngung beispielloser Sanktionen schweren Schaden zuzuf\u00fcgen. Wie Verteidigungsminister Lloyd Austin im April die Ziele der USA erkl\u00e4rte:<\/p>\n<p><em>Wir wollen, dass Russland in dem Ma\u00dfe geschw\u00e4cht wird, dass es nicht die Art von Dingen tun kann, die es bei der Invasion der Ukraine getan hat.<\/em><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich k\u00fcndigten die Vereinigten Staaten ihre Absicht an, Russland aus dem Kreis der Gro\u00dfm\u00e4chte zu werfen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus haben die Vereinigten Staaten ihren eigenen Ruf an den Ausgang des Konflikts gekn\u00fcpft. US-Pr\u00e4sident Joe Biden hat Russlands Krieg in der Ukraine als &#8222;V\u00f6lkermord&#8220; bezeichnet und den russischen Pr\u00e4sidenten Wladimir Putin beschuldigt, ein &#8222;Kriegsverbrecher&#8220; zu sein, der sich einem &#8222;Kriegsverbrecher-prozess&#8220; stellen sollte.<\/p>\n<p>r\u00e4sidiale Proklamationen wie diese machen es schwer vorstellbar, dass Washington nachgibt: Wenn Russland sich in der Ukraine durchsetzte, w\u00fcrde die Position der Vereinigten Staaten in der Welt einen schweren Schlag erleiden.<\/p>\n<p><strong>Russland will Garantie, dass die Ukraine nicht der Nato beitritt und kein westliches Bollwerk an der russischen Grenze wird<\/strong><\/p>\n<p>Auch die russischen Ambitionen haben zugenommen. Entgegen der g\u00e4ngigen Meinung im Westen ist Moskau nicht in die Ukraine einmarschiert, um sie zu erobern und sie zu einem Teil eines Gro\u00dfrusslands zu machen. Es ging vor allem darum, zu verhindern, dass die Ukraine zu einem westlichen Bollwerk an der russischen Grenze wird.<\/p>\n<p>Putin und seine Berater waren besonders besorgt dar\u00fcber, dass die Ukraine schlie\u00dflich der Nato beitreten k\u00f6nnte. Der russische Au\u00dfenminister Sergej Lawrow brachte es Mitte Januar auf den Punkt: &#8222;Der Schl\u00fcssel zu allem ist die Garantie, dass sich die Nato nicht nach Osten ausdehnen wird.&#8220; F\u00fcr die russische F\u00fchrung ist die Aussicht auf eine ukrainische Mitgliedschaft in der Nato, wie Putin selbst es vor der Invasion ausdr\u00fcckte, &#8222;eine direkte Bedrohung f\u00fcr die russische Sicherheit&#8220;- eine, die nur dadurch beseitigt werden kann, indem man in den Krieg zieht und die Ukraine in einen neutralen oder gescheiterten Staat verwandelt.<\/p>\n<p>Im Vergleich mit diesem Zweck scheinen sich die territorialen Ziele Russlands seit Beginn des Krieges jedoch deutlich ausgeweitet haben. Bis zum Vorabend der Invasion war Russland ja entschlossen, das Minsk-II-Abkommen umzusetzen, das den Donbass als Teil der Ukraine belassen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Im Laufe des Krieges hat Russland jetzt gro\u00dfe Teile des Territoriums in der Ost- und S\u00fcdukraine erobert, und es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass Putin nun beabsichtigt, das gesamte oder den gr\u00f6\u00dften Teil dieses Gebietes zu annektieren, wodurch das, was von der Ukraine dann noch \u00fcbrig bleiben w\u00fcrde, dieses Land in der Tat in einen dysfunktionalen Rumpfstaat verwandeln wird.<\/p>\n<p><strong>Russlands Bedrohung durch die Nato jetzt noch gr\u00f6\u00dfer als vor dem Krieg<\/strong><\/p>\n<p>Die Bedrohung f\u00fcr Russland ist heute noch gr\u00f6\u00dfer als vor dem Krieg, vor allem, weil die Biden-Regierung jetzt entschlossen ist, Russland die territorialen Gewinne wieder abzunehmen und die russische Macht dauerhaft zu sch\u00e4digen. Erschwerend kommt hinzu, dass Finnland und Schweden der Nato beitreten werden und die Ukraine jetzt besser bewaffnet und enger mit dem Westen verb\u00fcndet ist, als das vorher der Fall war.<\/p>\n<p>Moskau kann es sich nicht leisten, in der Ukraine zu verlieren, und es wird alle verf\u00fcgbaren Mittel einsetzen, um eine Niederlage zu vermeiden. Putin scheint zuversichtlich zu sein, dass Russland sich letztendlich gegen die Ukraine und ihre westlichen Unterst\u00fctzer durchsetzen wird. &#8222;Heute h\u00f6ren wir, dass sie uns auf dem Schlachtfeld besiegen wollen&#8220;, sagte er Anfang Juli. &#8222;Was kannst du sagen? Lass sie es versuchen. Die Ziele der milit\u00e4rischen Spezialoperation werden erreicht. Daran besteht kein Zweifel.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Und was will die Ukraine?<\/strong><\/p>\n<p>Die ukrainische Regierung hat die gleichen Ziele wie die Biden-Regierung. Die Ukrainer sind entschlossen, an Russland verlorene Gebiete zur\u00fcckzuerobern- einschlie\u00dflich der Krim- und ein geschw\u00e4chtes Russland ist f\u00fcr die Ukraine sicherlich weniger bedrohlich.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist die Regierung der Ukraine zuversichtlich, dass sie den Krieg gewinnen kann, wie der ukrainische Verteidigungsminister Oleksii Reznikov Mitte Juli deutlich machte, als er sagte:<\/p>\n<p><em>Russland kann definitiv besiegt werden, und die Ukraine hat bereits gezeigt, wie.<\/em><\/p>\n<p>Sein US-Kollege stimmt offenbar zu. &#8222;Unsere Hilfe macht vor Ort einen echten Unterschied&#8220;, sagte Austin in einer Rede Ende Juli. &#8222;Russland glaubt, dass es die Ukraine \u00fcberdauern kann- und auch uns \u00fcberdauern kann. Aber das ist nur die j\u00fcngste in Russlands Reihe von Fehleinsch\u00e4tzungen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Kein Raum f\u00fcr Kompromisse<\/strong><\/p>\n<p>Im Wesentlichen sind Kiew, Washington und Moskau alle zutiefst entschlossen, auf Kosten ihres Gegners zu gewinnen, was wenig Raum f\u00fcr Kompromisse l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Weder die Ukraine noch die Vereinigten Staaten zum Beispiel werden wahrscheinlich eine neutrale Ukraine akzeptieren. Es scheint so, dass die Verbindungen der Ukraine mit dem Westen von Tag zu Tag enger werden.<\/p>\n<p>Es ist auch nicht wahrscheinlich, dass Russland das gesamte oder sogar den gr\u00f6\u00dften Teil des Territoriums, das es in der Ukraine eingenommen hat, zur\u00fcckgeben wird, zumal die Animosit\u00e4ten, die den Konflikt im Donbass zwischen prorussischen Separatisten und der ukrainischen Regierung in den letzten acht Jahren angeheizt haben, intensiver sind denn je.<\/p>\n<p><strong>Die milit\u00e4rische Entwicklung im Ukraine-Krieg<\/strong><\/p>\n<p>Diese widerspr\u00fcchlichen Interessen erkl\u00e4ren, warum so viele Beobachter glauben, dass eine Verhandlungsl\u00f6sung in absehbarer Zeit nicht zu erreichen und daher eine l\u00e4nger dauernde blutige Pattsituation vorherzusehen ist. Damit d\u00fcrften sie recht haben.<\/p>\n<p>Aber diese Beobachter untersch\u00e4tzen das Potenzial f\u00fcr eine katastrophale Eskalation, die mit in einem langwierigen Krieg in der Ukraine zwangsl\u00e4ufig verbunden ist.<\/p>\n<p><strong>Drei Wege in die Eskalation<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt drei grundlegende Wege zur Eskalation, die der Kriegsf\u00fchrung innewohnen: Eine oder beide Seiten eskalieren absichtlich, um den Krieg zu gewinnen, eine oder beide Seiten eskalieren absichtlich, um eine Niederlage zu verhindern, oder die K\u00e4mpfe eskalieren nicht durch bewusste Entscheidungen, sondern unbeabsichtigt und zuf\u00e4llig.<\/p>\n<p>Jeder dieser Wege birgt das Potenzial, dass die USA mit Truppen in den Kampf eingreifen oder Russland zum Einsatz von Atomwaffen veranlasst wird, oder m\u00f6glicherweise beides.<\/p>\n<p>Nachdem die Biden-Regierung zu dem Schluss gekommen war, dass Russland in der Ukraine geschlagen werden k\u00f6nnte, schickte sie mehr und m\u00e4chtigere Waffen nach Kiew.<\/p>\n<p>Der Westen hat damit begonnen, die Angriffsf\u00e4higkeit der Ukraine zu erh\u00f6hen, indem er Waffen wie das Himars-Mehrfachraketensystem geschickt hat, zus\u00e4tzlich zu &#8222;defensiven&#8220; Waffen wie die Javelin-Panzerabwehrraketen. Im Laufe der Zeit hat sowohl die Letalit\u00e4t als auch die Quantit\u00e4t der gelieferten Waffen zugenommen.<\/p>\n<p>Bedenken Sie, dass Washington im M\u00e4rz sein Veto gegen einen Plan zur Verlegung der polnischen Mig-29-Kampfjets in die Ukraine eingelegt hatte, mit der Begr\u00fcndung, dass dies den Kampf eskalieren k\u00f6nnte. Aber im Juli erhob es keine Einw\u00e4nde, als die Slowakei ank\u00fcndigte, dass sie erw\u00e4ge, Flugzeuge des gleichen Typs nach Kiew zu schicken. Die Vereinigten Staaten erw\u00e4gen auch, der Ukraine ihre eigenen F-15- und F-16- Kampfjets zu liefern.<\/p>\n<p>Die Vereinigten Staaten und ihre Verb\u00fcndeten bilden auch das ukrainische Milit\u00e4r aus und versorgen es mit wichtigen Geheimdienstinformationen, die es zur Zerst\u00f6rung wichtiger russischer Ziele ben\u00f6tigt. Dar\u00fcber hinaus hat der Westen, wie die <em>New York Times<\/em> berichtete, &#8222;ein heimliches Netzwerk von Kommandos und Spionen&#8220; vor Ort in der Ukraine.<\/p>\n<p>Washington mag noch nicht direkt in die K\u00e4mpfe verwickelt sein, aber es ist tief in diesen Krieg verwickelt. Und die USA sind jetzt nur noch einen kurzen Schritt davon entfernt, dass ihre eigenen Soldaten die Abz\u00fcge an ihren Gewehren bet\u00e4tigen und eigene Piloten die Kn\u00f6pfe zum Einsatz der Bomben bet\u00e4tigen.<\/p>\n<p><strong>Unterschiedliche Szenarien f\u00fcr einen direkten Kriegseintritt der USA<\/strong><\/p>\n<p>Das US-Milit\u00e4r k\u00f6nnte sich auf verschiedene Weise in die K\u00e4mpfe einmischen. Stellen Sie sich eine Situation vor, in der sich der Krieg ein Jahr oder l\u00e4nger hinzieht, und es ist weder eine diplomatische L\u00f6sung in Sicht noch ein gangbarer Weg zu einem ukrainischen Sieg.<\/p>\n<p>Gleichzeitig versucht Washington verzweifelt, den Krieg zu beenden- vielleicht, weil es glaubt, sich darauf konzentrieren zu m\u00fcssen, China einzud\u00e4mmen, oder weil die wirtschaftlichen Kosten der Unterst\u00fctzung der Ukraine politische Probleme im Inland und\/oder in Europa verursachen.<\/p>\n<p>Unter diesen Umst\u00e4nden h\u00e4tten die politischen Entscheidungstr\u00e4ger in den USA vermeintlich gute Gr\u00fcnde daf\u00fcr, riskantere Schritte in Betracht zu ziehen- wie die Einf\u00fchrung einer Flugverbotszone \u00fcber der Ukraine oder die Einsetzung kleiner Kontingente von US-Bodentruppen-, um die Ukraine dabei zu unterst\u00fctzen, Russland zu besiegen.<\/p>\n<p>Ein wahrscheinlicheres Szenario f\u00fcr eine US-Intervention w\u00fcrde eintreten, wenn die ukrainische Armee zu kollabieren beginnt und es so aussieht, als ob Russland wahrscheinlich einen bedeutenden Sieg erringen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>In diesem Fall k\u00f6nnten die Vereinigten Staaten, angesichts der bisherigen gro\u00dfen Anstrengungen der Biden-Regierung, eine solche Entwicklung zu verhindern, versuchen, das Blatt zu wenden, indem sie sich direkt in die K\u00e4mpfe eingreifen.<\/p>\n<p>Man kann sich gut vorstellen, dass US-Beamte dann davon ausgehen w\u00fcrden, dass die Glaubw\u00fcrdigkeit ihres Landes auf dem Spiel stehe und selbst davon \u00fcberzeugt w\u00e4ren, dass ein begrenzter Einsatz von direkter Gewalt die Ukraine retten k\u00f6nnte, ohne Putin zum Einsatz von Atomwaffen zu veranlassen.<\/p>\n<p>Alternativ k\u00f6nnte eine verzweifelte Ukraine gro\u00df angelegte Angriffe auf russische St\u00e4dte starten, in der Hoffnung, dass eine solche Eskalation eine massive russische Reaktion provozieren w\u00fcrde, die die Vereinigten Staaten schlie\u00dflich zwingen w\u00fcrde, direkt in die K\u00e4mpfe einzugreifen.<\/p>\n<p>Bei einem weiteren Szenario f\u00fcr eine direkte amerikanisches Beteiligung am Krieg handelt es sich um eine unbeabsichtigte Eskalation: Ohne es zu wollen, wird Washington durch ein unvorhergesehenes Ereignis, das sich immer weiter ausschaukelt, in den Krieg hineingezogen.<\/p>\n<p>Es k\u00f6nnte eine versehentliche Kollision von US-amerikanischen und russischen Kampfjets auftreten, die \u00fcber der Ostsee in zu engem Kontakt gekommen sind. Ein solcher Unfall k\u00f6nnte angesichts der angespannten Situation auf beiden Seiten, des Mangels an Kommunikation und der gegenseitigen D\u00e4monisierung leicht eskalieren.<\/p>\n<p>Oder m\u00f6glicherweise blockiert Litauen den Transport von sanktionierten Waren auf ihrem Weg von Russland nach Kaliningrad, der russischen Enklave, die vom Rest des Landes getrennt ist.<\/p>\n<p>Litauen tat genau das Mitte Juni, machte aber Mitte Juli einen R\u00fcckzieher, nachdem Moskau deutlich gemacht hatte, dass es &#8222;harte Ma\u00dfnahmen&#8220; in Betracht zieht, um die als illegal angesehene Blockade zu beenden.<\/p>\n<p>Das litauische Au\u00dfenministerium hat sich jedoch dagegen gewehrt, die Blockade vollst\u00e4ndig aufzuheben. Da Litauen ein Nato-Mitglied ist, w\u00fcrden die Vereinigten Staaten mit ziemlicher Sicherheit Soldaten zu ihrer Verteidigung einsetzen, wenn Russland das Land angreifen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Oder vielleicht zerst\u00f6rt Russland ein Geb\u00e4ude in Kiew oder einen Trainingsplatz irgendwo in der Ukraine und t\u00f6tet unbeabsichtigt eine betr\u00e4chtliche Anzahl von Amerikanern, darunter Entwicklungshelfer, Geheimdienstler oder Milit\u00e4rberater. Die Biden-Regierung, die dann m\u00f6glicherweise zu Hause mit einem \u00f6ffentlichen Aufruhr konfrontiert ist, beschlie\u00dft, dass sie Vergeltung \u00fcben und russische Ziele angreifen muss, was dann zu einer Reihe sich aufschaukelnder Vergeltungsma\u00dfnahmen zwischen den beiden Seiten f\u00fchren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich besteht die M\u00f6glichkeit, dass die K\u00e4mpfe in der S\u00fcdukraine das von Russland kontrollierte Kernkraftwerk Saporischschja, das gr\u00f6\u00dfte in Europa, bis zu dem Punkt besch\u00e4digen, an dem es zu einer radioaktiven Verseuchung in der Region kommt, was Russland dazu veranlasst, in einer vergleichbaren Weise zu reagieren.<\/p>\n<p>Dmitri Medwedew, der ehemalige russische Pr\u00e4sident und Premierminister, hat einen drohenden Hinweis sich auf diese M\u00f6glichkeit ge\u00e4u\u00dfert. Er sagte im August: &#8222;Vergessen Sie nicht, dass es auch in der Europ\u00e4ischen Union Atomanlagen gibt. Und auch dort sind Zwischenf\u00e4lle m\u00f6glich.&#8220; Sollte Russland einen europ\u00e4ischen Atomreaktor angreifen, w\u00fcrden die Vereinigten Staaten mit ziemlicher Sicherheit direkt in den Krieg eintreten.<\/p>\n<p><strong>Szenarien f\u00fcr eine russische Eskalation<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich k\u00f6nnte auch Moskau die Eskalation ansto\u00dfen. Man kann die M\u00f6glichkeit nicht ausschlie\u00dfen, dass Russland, wenn es sich in einer verzweifelten Situation befindet, versucht, den Zustrom westlicher Milit\u00e4rhilfe in die Ukraine zu stoppen und die L\u00e4nder mit Raketen angreift, durch die der Gro\u00dfteil der Waffen flie\u00dft: Das sind Polen und Rum\u00e4nien, die beide Nato-Mitglieder sind.<\/p>\n<p>Es besteht auch die M\u00f6glichkeit, dass Russland einen massiven Cyberangriff auf ein oder mehrere europ\u00e4ische L\u00e4nder startet, die der Ukraine helfen, was zu gro\u00dfen Sch\u00e4den an deren kritischer Infrastruktur f\u00fchren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Ein solcher Angriff k\u00f6nnte die Vereinigten Staaten dazu veranlassen, einen Vergeltungsangriff gegen Russland zu starten. Wenn er gel\u00e4nge, k\u00f6nnte Moskau milit\u00e4risch reagieren. Wenn er aber scheitert, k\u00f6nnte Washington entscheiden, dass der einzige Weg, Russland zu bestrafen, darin best\u00fcnde, es direkt milit\u00e4risch anzugreifen.<\/p>\n<p>Solche Szenarien klingen vielleicht etwas weit hergeholt, sind aber nicht unm\u00f6glich. Und das sind nur einige der vielen Wege, auf denen sich das, was jetzt noch ein lokaler Krieg ist, sich in etwas viel Gr\u00f6\u00dferes und viel Gef\u00e4hrlicheres verwandeln k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>Drei Umst\u00e4nde, unter denen Russland Atomwaffen einsetzen k\u00f6nnte<\/strong><\/p>\n<p>Obwohl das russische Milit\u00e4r der Ukraine enormen Schaden zugef\u00fcgt hat, hat Moskau bisher gez\u00f6gert zu eskalieren, um den Krieg zu gewinnen.<\/p>\n<p>Putin hat die Gr\u00f6\u00dfe seiner Truppen nicht durch eine gro\u00df angelegte Mobilisierung in Russland aufgestockt. Er hat auch nicht das Stromnetz der Ukraine ins Visier genommen, was relativ einfach zu bewerkstelligen w\u00e4re und diesem Land massiven Schaden zuf\u00fcgen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich haben ihn viele Russen daf\u00fcr kritisiert, dass er den Krieg nicht energischer gef\u00fchrt hat. Putin hat diese Kritik zur Kenntnis genommen, aber wissen lassen, dass er notfalls eskalieren w\u00fcrde. &#8222;Wir haben noch nicht einmal ernsthaft angefangen&#8220;, sagte er im Juli und deutete an, dass Russland mehr tun k\u00f6nnte und w\u00fcrde, wenn sich die milit\u00e4rische Situation verschlechtert.<\/p>\n<p>Was ist mit der ultimativen Form der Eskalation? Es gibt drei Umst\u00e4nde, unter denen Putin Atomwaffen einsetzen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die erste w\u00e4re, wenn die Vereinigten Staaten und ihre Nato-Verb\u00fcndeten in den Kampf eintreten w\u00fcrden. Diese Entwicklung w\u00fcrde nicht nur das milit\u00e4rische Gleichgewicht zu Ungunsten Russlands deutlich verschieben und die Wahrscheinlichkeit seiner Niederlage erheblich erh\u00f6hen, sondern auch bedeuten, dass Russland einen Krieg mit einer Gro\u00dfmacht vor seiner Haust\u00fcr f\u00fchren m\u00fcsste, der leicht auf sein Territorium \u00fcbergreifen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die russische F\u00fchrung w\u00fcrde sicherlich denken, dass ihr \u00dcberleben in Gefahr ist, was f\u00fcr sie ein starker Anreiz w\u00e4re, Atomwaffen einzusetzen, um die Situation zu retten. Zumindest w\u00fcrden sie demonstrative Atomwaffenexplosionen in Betracht ziehen, die den Westen davon \u00fcberzeugen sollen, sich zur\u00fcckzuziehen. Ob ein solcher Schritt den Krieg beenden oder au\u00dfer Kontrolle geraten lassen w\u00fcrde, ist im Voraus unm\u00f6glich zu sagen.<\/p>\n<p>In seiner Rede vom 24. Februar 2022, in der er die Invasion ank\u00fcndigte, deutete Putin nachdr\u00fccklich an, dass er sich Atomwaffen zuwenden w\u00fcrde, wenn die Vereinigten Staaten und ihre Verb\u00fcndeten in den Krieg eintreten w\u00fcrden. Er wandte sich an &#8222;diejenigen, die versucht sein k\u00f6nnten, sich einzumischen&#8220;, und sagte:<\/p>\n<p><em>Sie m\u00fcssen wissen, dass Russland sofort reagieren wird, und die Konsequenzen werden so sein, wie Sie sie in Ihrer gesamten Geschichte noch nie gesehen haben.<\/em><\/p>\n<p>Diese damalige Warnung von Putin ist Avril Haines, der US-Direktorin der nationalen Geheimdienste, nicht entgangen, die im Mai voraussagte, dass er Atomwaffen einsetzen k\u00f6nnte, wenn die Nato &#8222;entweder interveniert oder kurz davor steht, einzugreifen&#8220;, zum guten Teil, weil dies &#8222;offensichtlich zu seiner Wahrnehmung beitragen w\u00fcrde, dass er im Begriff ist, den Krieg in der Ukraine zu verlieren&#8220;.<\/p>\n<p>In einem zweiten Atomkriegsszenario gelingt es der Ukraine, das Blatt auf dem Schlachtfeld ohne direkte Beteiligung der USA zu ihren Gunsten zu wenden. Wenn die ukrainischen Streitkr\u00e4fte dabei w\u00e4ren, die russische Armee zu besiegen und das verlorene Territorium ihres Landes zur\u00fcckzuerobern, gibt es wenig Zweifel, dass Moskau dieses Ergebnis als eine existenzielle Bedrohung betrachten k\u00f6nnte, die eine nukleare Reaktion erfordert.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich sind Putin und seine Berater durch die zunehmende Ausrichtung Kiews auf den Westen so alarmiert gewesen, dass sie sich bewusst f\u00fcr einen Angriff auf die Ukraine entschieden haben, trotz klarer Warnungen der Vereinigten Staaten und ihrer Verb\u00fcndeten vor den schwerwiegenden Konsequenzen, mit denen Russland bei einem Angriff konfrontiert sein w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Anders als im ersten Szenario w\u00fcrde Moskau in diesem Fall Atomwaffen nicht im Rahmen eines Krieges gegen die Vereinigten Staaten einsetzten, sondern gegen die Ukraine. Russland w\u00fcrde dies mit weniger Bef\u00fcrchtungen vor nuklearen Vergeltungsma\u00dfnahmen tun, da Kiew keine Atomwaffen hat und Washington kein Interesse daran h\u00e4tte, einen Atomkrieg zu beginnen. Das Fehlen einer klaren Vergeltungsdrohung w\u00fcrde es Putin erleichtern, \u00fcber den Einsatz von Atomwaffen nachzudenken.<\/p>\n<p>Zu einem dritten Szenario k\u00f6nnte es kommen, wenn der Krieg in eine langwierige Pattsituation \u00fcbergeht, die keine diplomatische L\u00f6sung er\u00f6ffnet und f\u00fcr Moskau \u00e4u\u00dferst kostspielig wird. Putin w\u00fcrde verzweifelt versuchen, den Konflikt zu g\u00fcnstigen Bedingungen zu beenden, und k\u00f6nnte eine nukleare Eskalation anstreben, um zu gewinnen. Wie beim vorherigen Szenario, in dem er eskaliert, um eine Niederlage zu vermeiden, w\u00e4re eine nukleare Vergeltung der USA h\u00f6chst unwahrscheinlich.<\/p>\n<p>In diesen beiden Szenarien k\u00f6nnte Russland wahrscheinlich taktische Atomwaffen gegen eine kleine Gruppe milit\u00e4rischer Ziele einsetzen, zumindest zu Beginn. Es k\u00f6nnte St\u00e4dte in sp\u00e4teren Angriffen treffen, wenn n\u00f6tig. Einen milit\u00e4rischen Vorteil zu erlangen, w\u00e4re das eine Ziel der Strategie, aber das andere wichtigere w\u00e4re, im Westen mit einem derartigen Einsatz eine solche Angst zu verbreiten, so dass die Vereinigten Staaten und ihre Verb\u00fcndeten schnell handeln k\u00f6nnten, um den Konflikt zu f\u00fcr Moskau g\u00fcnstigen Bedingungen zu beenden.<\/p>\n<p>Kein Wunder, dass William Burns, der Direktor der CIA, im April bemerkte:<\/p>\n<p><em>Keiner von uns kann die Bedrohung durch einen m\u00f6glichen R\u00fcckgriff auf taktische Atomwaffen oder Atomwaffen mit geringer Sprengkraft auf die leichte Schulter nehmen.<\/em><\/p>\n<p><strong>Wohin f\u00fchrt der Krieg in der Ukraine?<\/strong><\/p>\n<p>Obwohl eines dieser theoretischen katastrophalen Szenarien Wirklichkeit werden k\u00f6nnte, kann man bei einer Abw\u00e4gung zu dem Ergebnis kommen, dass die Chancen daf\u00fcr gering sind und daher die Situation nicht besorgniserregend ist. Schlie\u00dflich bestehen f\u00fcr die Politiker auf beiden Seiten starke Anreize, die USA aus den K\u00e4mpfen herauszuhalten und selbst einen begrenzten nuklearen Einsatz zu vermeiden, ganz zu schweigen von einem tats\u00e4chlichen umfassenden Atomkrieg.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde mir nat\u00fcrlich sehr w\u00fcnschen, dass wir so optimistisch sein k\u00f6nnten. Tats\u00e4chlich untersch\u00e4tzt diese konventionelle Sichtweise die Gefahren einer Eskalation in der Ukraine jedoch erheblich, denn an ihrem Beginn neigen Kriege dazu, eine eigene Logik zu entwickeln, was es schwierig macht, ihren Verlauf vorherzusagen.<\/p>\n<p>Wer sagt, er wisse mit Sicherheit, welche Entwicklung der Krieg in der Ukraine im weiteren Verlauf nehmen wird, der irrt. Die Dynamik der Eskalation in Kriegszeiten ist \u00e4hnlich schwer vorherzusagen oder zu kontrollieren, was eine Warnung f\u00fcr diejenigen sein sollte, die zuversichtlich sind, dass sie die Ereignisse in der Ukraine unter Kontrolle w\u00fcrden halten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus f\u00f6rdert der Nationalismus, wie der preu\u00dfische Milit\u00e4rtheoretiker Carl von Clausewitz erkannte, in modernen Kriegen die Entstehung von extremsten Formen einer Eskalation, insbesondere, wenn f\u00fcr beide Seiten viel auf dem Spiel steht. Das soll nicht hei\u00dfen, dass Kriege nicht begrenzt werden k\u00f6nnen, aber das ist meist nur schwer zu erreichen. Angesichts der zu erwartenden unvorstellbar grauenhaften Folgen eines Atomkriegs zwischen Gro\u00dfm\u00e4chten sollte selbst eine geringe Chance, dass es dazu kommt, jeden Menschen dazu bringen, lange und intensiv dar\u00fcber nachzudenken, wohin dieser Konflikt in der Ukraine f\u00fchren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Diese gef\u00e4hrliche Situation schafft zwar einen starken Anreiz, eine diplomatische L\u00f6sung f\u00fcr den Krieg zu finden. Bedauerlicherweise ist jedoch derzeit keine politische L\u00f6sung in Sicht, da sich beide Seiten fest zu Kriegszielen bekennen, die einen Kompromiss fast unm\u00f6glich machen.<\/p>\n<p>Die Biden-Regierung h\u00e4tte mit Russland zusammenarbeiten sollen, um die Ukraine-Krise beizulegen, bevor im Februar der Krieg ausbrach. Das hat sie aber abgelehnt und jetzt ist es zu sp\u00e4t, um einen solchen Deal abzuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Russland, die Ukraine und der Westen stecken in einer schrecklichen Situation fest, aus der es offensichtlich keinen Ausweg gibt. Man kann nur hoffen, dass die ma\u00dfgeblichen Politiker auf beiden Seiten den Krieg so f\u00fchren, dass eine katastrophale Eskalation vermieden wird. F\u00fcr die vielen Millionen Menschen, deren Leben auf dem Spiel steht, ist das jedoch ein schwacher Trost.<\/p>\n<p><strong>&#8212;&#8212; Ende des Textes von John Mearsheimer &#8212;&#8212;-<\/strong><\/p>\n<p><strong>Abschlie\u00dfende Gedanken<\/strong><\/p>\n<p>Die Welt ist durch den seit 2014 bestehenden B\u00fcrgerkrieg im Donbass<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Brinkmanship-in-der-Ukraine-7246879.html?view=fussnoten#f_5\">5<\/a> und den seit dem 24.2.2022 gef\u00fchrten Angriffskrieg Russlands in der Ukraine, bei dem es sich in Wirklichkeit um einen Stellvertreter-Krieg zwischen den USA und Russland handelt<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Brinkmanship-in-der-Ukraine-7246879.html?view=fussnoten#f_6\">6<\/a>, an einem h\u00f6chst gef\u00e4hrlichen Punkt angekommen.<\/p>\n<p>Der vorliegende Text von Mearsheimer ist eine \u00fcberzeugende und illusionslose Darstellung der m\u00f6glichen Folgen des schrecklichen Krieges in der Ukraine.<\/p>\n<p>Durch die milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung der USA und des Westens scheint eine Patt-situation in der Ukraine zu bestehen, so dass der Krieg noch l\u00e4ngere Zeit- zu bef\u00fcrchten ist, bis zum letzten Ukrainer- weitergehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Mearsheimer zeigt anhand einer Reihe von Szenarien, dass, je l\u00e4nger der Krieg dauert, desto eher die M\u00f6glichkeit der Eskalation bis zu einem gro\u00dfen Krieg in Europa besteht, bei dem auch Atomwaffen zum Einsatz kommen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Wie wahrscheinlich eine derartige M\u00f6glickeit tats\u00e4chlich ist, kann niemand mit Sicherheit sagen. Aber die M\u00f6glichkeit ist wieder real, und das sollte uns allen einen Schauer \u00fcber den R\u00fccken jagen.<\/p>\n<p>Mearsheimer weist darauf hin, dass eine gro\u00dfe Kluft zwischen der realen Gefahr eines neuen gro\u00dfen Krieges bzw. eines Atomkrieges und der Tatsache besteht, dass diese Gefahr von der Bev\u00f6lkerung noch nicht wahrgenommen wird.<\/p>\n<p>Zum heutigen Wissensstand geh\u00f6rt, dass wir im ersten Kalten Krieg nicht nur einmal, sondern viele Male nur um Haaresbreite und mit viel Gl\u00fcck einem nuklearen Inferno entkommen sind, und f\u00fcr die junge Generation ist es kaum vorstellbar, dass erneut das Szenario eines Armageddons entstanden ist, vor dem sich ihre Gro\u00dfeltern schon f\u00fcrchten mussten.<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Brinkmanship-in-der-Ukraine-7246879.html?view=fussnoten#f_7\">7<\/a><\/p>\n<p>Auch wissen wir heute, dass wir beim Einsatz von Atomwaffen nicht nur deren unvorstellbar zerst\u00f6rerische direkte Wirkungen (Hitze- und Druckwelle und die radiaktive Verstrahlung) zu erleiden h\u00e4tten, sondern auch mittel-und langfristige desastr\u00f6se \u00f6kologische Folgewirkungen.<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Brinkmanship-in-der-Ukraine-7246879.html?view=fussnoten#f_8\">8<\/a><\/p>\n<p>So k\u00f6nnte selbst ein &#8222;begrenzter&#8220; Atomkrieg zu einer globalen Abk\u00fchlung f\u00fchren und mittelfristig eine langfristige weltweite Hungerkatastrophe mit vielen Millionen Toten verursachen.<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Brinkmanship-in-der-Ukraine-7246879.html?view=fussnoten#f_9\">9<\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Brinkmanship-in-der-Ukraine-7246879.html?seite=all&amp;hg=1&amp;hgi=1&amp;hgf=false\"><em>Telepolis&#8230;<\/em><\/a><em> vom 30. 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