{"id":11695,"date":"2022-09-02T14:32:26","date_gmt":"2022-09-02T12:32:26","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11695"},"modified":"2022-09-02T14:32:27","modified_gmt":"2022-09-02T12:32:27","slug":"skizzen-arbeiterwiderstand-in-suedbayern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11695","title":{"rendered":"Skizzen \u2013 Arbeiterwiderstand in S\u00fcdbayern"},"content":{"rendered":"<p>\u201e<em>Arbeiterwiderstand in Su\u0308dbayern \u2013 im Umland der \u201eHauptstadt der Bewegung\u201c und der \u201eReichsparteitage\u201c der Nazis? Ja, den gab es und er verdient eine eingehende Betrachtung. Dies jedenfalls kann man den Dokumenten entnehmen, die Max Brym eingesehen hat. (\u2026) Der gro\u00dfe Vorzug der Abhandlung Bryms besteht darin, ein Bild erstellt zu haben, das den ganzen<\/em><!--more--> <em>Raum der Region erfasst. Zutage kommen Ans\u00e4tze politischer Klugheit \u00f6rtlicher Gruppen, die sich u\u0308ber die Fehleinsch\u00e4tzungen iher Fu\u0308hrungen hinwegsetzen und Eigenes ausprobieren. Es wird klar, warum welche Arbeiterschichten welche Parteibindung gesucht haben und warum sich das auch \u00e4ndern konnte. Zuletzt ist Bryms kleine Geschichtsexkursion auch ein anerkennendes Gedenken an Mut und Standfestigkeit jener Aktivisten der sozialistischen Arbeiterbewegung, die gestu\u0308tzt auf gro\u00dfe Teile ihrer Klasse den erbittertsten Widerstand gegen die Machtu\u0308bertragung an den deutschen Faschismus geleistet haben. Und sie legt nahe, sich erneut zu vergegenw\u00e4rtigen, dass der Faschismus eine Gefahr bleibt, den erfolgreich zu bek\u00e4mpfen das Bewusstsein u\u0308ber die Irrwege des antifaschistischen Kampfes voraussetzt<\/em>.\u201c Info des Verlags Die Buchmacherei zum <strong>Buch von Max Brym \u2013 siehe mehr dazu und die Rezension von Jutta Schulz<\/strong> \u2013 wir danken!<\/p>\n<ul>\n<li>Buch von Max Brym: Skizzen \u2013 Arbeiterwiderstand in S\u00fcdbayern\n<ul>\n<li>6,50 \u20ac<\/li>\n<li>Seiten: 84<\/li>\n<li>ISBN 978-3-9823317-8-2<\/li>\n<li>I<a href=\"https:\/\/diebuchmacherei.de\/produkt\/skizzen-des-arbeiterwiderstands-in-suedbayern\/\">nfos und Bestellung beim Verlag<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Skizzen- Arbeiterwiderstand gegen das NS Regime in S\u00fcdbayern \u2013 Rezension von Jutta Schulz<\/strong><\/p>\n<p>Das neuen Buch von Max Brym unter dem genannten Titel ist \u00e4u\u00dferst empfehlenswert. In dem Buch wird der Arbeiterwiderstand gegen die Nazis von Weiden in der Oberpfalz bis nach Berchtesgaden gew\u00fcrdigt. Lange bevor die Nazis daran gehen konnten Kriege vorzubereiten mussten sie zuerst die damalige Arbeiterbewegung auch in S\u00fcdbayern zerschlagen. In den folgenden Text sind verschiedene Vortr\u00e4ge eingeflossen. Einerseits ein Vortrag, den der Autor am 23.6.2022 vor den Abschlussklassen der Hermann Frieb Realschule in M\u00fcnchen, Hohenzollernstra\u00dfe 140, zum Thema \u201eWer war eigentlich Hermann Frieb?\u201c hielt, und zum anderen ein am 15.7.22 im Treffpunkt \u201eEigenleben\u201c in der M\u00fcnchner Kurf\u00fcrstenstra\u00dfe 2 gehaltenes Referat zum Thema \u201eArbeiterwiderstand gegen das Nazi-Regime in S\u00fcdbayern\u201c.<\/p>\n<p>Max Brym zeichnet in den Skizzen ein ziemlich exaktes Bild des Widerstands gegen den Hitler-Faschismus in S\u00fcdbayern. Nat\u00fcrlich kann dies keine Gesamtdarstellung sein. Am Beispiel einzelner St\u00e4dte von Bad Reichenhall \u00fcber Traunstein, Rosenheim, Penzberg, Straubing, Burghausen und nat\u00fcrlich M\u00fcnchen soll an K\u00e4mpfer und Opfer aus der Arbeiterschaft, die sich dem Hitler-Faschismus widersetzt haben, erinnert werden. Denn in der g\u00e4ngigen Geschichtsschreibung kommt der Widerstand der Arbeiter viel zu kurz. DieArbeiterschaft war am schwersten f\u00fcr den Faschismus zu gewinnen. Das NS-Regime musste erst ihre Parteien, vor allem SPD und KPD, ausschalten und ihre Gewerkschaften zerschlagen, viele Aktivisten in Gef\u00e4ngnisse sperren und in Konzentrationslager deportieren.<\/p>\n<p><strong>Die Arbeiterbewegung in S\u00fcdbayern<\/strong><\/p>\n<p>Die Arbeiterbewegung war vor 1933 auch in S\u00fcdbayern das zentrale Hindernis beim Vormarsch der Nazibewegung. Oftmals erkannten die Arbeiter, vor allem in den kleinen und mittleren St\u00e4dten, die Notwendigkeit, die Nazis gemeinsam zu bek\u00e4mpfen. Diese spontane und richtige Erkenntnis h\u00e4tte zum Vorbild f\u00fcr die Politik dem Gesamtdeutschland dienen k\u00f6nnen. Doch die Parteileitungen von SPD und KPD im fernen Berlin ergingen sich bis 1933 wesentlich darin, sich gegenseitig zu beschimpfen. Die Sozialdemokraten nannten die Kommunisten \u201eKommunazis\u201c, die kommunistische Parteileitung beschimpfte die Sozialdemokratie als angebliche \u201eSozialfaschisten\u201c. Die Wahlergebnisse von SPD und KPD, auch in Bayern, lagen die Weimarer Republik hindurch wesentlich auf dem gleichen Level. Einmal waren die Kommunisten etwas st\u00e4rker, dann wieder die Sozialdemokraten, und umgekehrt. Zusammengerechnet bildeten die beiden Arbeiterparteien, auch in Bayern, vor 1933 ein von den Nazis nicht zu \u00fcberwindendes Hindernis.<\/p>\n<p><strong><em>Jutta Schulz (zugesandt am 1.9.2022)<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Aus dem Buch \u2014\u2014- Auszug<\/strong><\/p>\n<p>\u201e<em>Die Nazis allerdings nahmen die Realit\u00e4t zur Kenntnis. Ihre Partei machte sich \u00fcber ihren Hauptgegner, die Arbeiterbewegung, keinerlei Illusionen. Nach dem 9. M\u00e4rz 1933 und dem Gesetz zur sogenannten \u201eGleichschaltung der L\u00e4nder\u201c setzte der Terror gegen die organisierte Arbeiterbewegung in Bayern ein. Massenverhaftungen begannen, oft verbunden mit der Abriegelung ganzer Stadtteile in den gr\u00f6\u00dferen Orten. Und am 22. M\u00e4rz 1933 wurde das KZ Dachau fertigstellt. Das entlastete die Polizeigef\u00e4ngnisse in den Orten. Denn auch die Zuchth\u00e4user waren \u00fcberf\u00fcllt. Vielen Arbeiter war klar, dass sie vom III. Reich nichts zu erwarten haben und sich ihre Situation nur zum Schlechteren wenden w\u00fcrde. Der KPD-Aktivist Simon Vorburger aus Burghausen wird vor 1933 in Polizeiberichten immer wieder mit dem Satz zitiert: \u201eHaben wir Hitler, kommt der Krieg.\u201c Diese Erkenntnis war weit verbreitet. Die Arbeiterklasse wusste, was Krieg bedeutet und hatte noch genug vom letzten. Auch verfing das Gift des Antisemitismus im marxistisch infizierten Milieu \u2013 im Gegensatz zur b\u00fcrgerlichen Welt, vor allem im Kleinb\u00fcrgertum kaum. So bestand die gr\u00f6\u00dfte Berufsgruppe vor 1933 unter den Mitgliedern der Nazipartei in M\u00fcnchen aus Zahn\u00e4rzten. Das hatte einen sehr einfachen Grund: Schon im Kaiserreich diskriminierte der antisemitische Professorenp\u00f6bel j\u00fcdische Studenten. Sie mussten besser sein als ihre \u201edeutschen Mitstudenten\u201c. Letzteres hatte zur Folge, dass es in den Zwanzigerjahren einen \u00fcberproportional hohen j\u00fcdischen Zahnarztanteil in M\u00fcnchen gab. Klar, die \u201earischen Recken\u201c hatten in ihrer Studienzeit herum gesoffen und sich in Burschenschaften Schmisse verabreichen lassen. Im Ergebnis waren die \u201ej\u00fcdischen Zahn\u00e4rzte\u201c besser. Wer Zahnschmerzen hat, fragt allerdings nicht nach der Religion des Zahnarztes. Der \u201eSozialismus\u201c der Nazis versprach den ehemaligen Burschenschaftlern nun die Praxis seines Konkurrenten.In den Betrieben fassten die Nazis nur schwer Fu\u00df. Die Betriebsratswahlen im April 33 endeten f\u00fcr die Faschisten auch in Bayern katastrophal. Immer wieder tauchten illegale Flugzettel, Zeitungen und Parolen aus der Arbeiterschaft auf. Das alles \u00fcber sehr lange Zeit, trotz schrecklichem Terror und Lebensgefahr.\u201c Wirklich spannen zu lesen. Au\u00dferdem ist das B\u00fcchlein ein Werk gegen das Vergessen. Geschichte ist geronnene Erfahrung aus der es zu lernen gilt. Das Buch gibt eine sehr umfassende Darstellung des Widerstandes in S\u00fcdbayern. Ein ganzes Kapitel ist der Gruppe \u201e Neu Beginnen\u201c unter Leitung von Hermann Frieb in M\u00fcnchen gewidmet<\/em>.\u201c<\/p>\n<ul>\n<li>Siehe auch von 2021 das <a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/?p=189227\">Buch \u201e Roter Widerstand in der bayerischen Provinz\u201c von Max Brym<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/politik\/gw\/geschichte\/buch-skizzen-arbeiterwiderstand-in-suedbayern\/\"><em>labournet.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 2. September 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eArbeiterwiderstand in Su\u0308dbayern \u2013 im Umland der \u201eHauptstadt der Bewegung\u201c und der \u201eReichsparteitage\u201c der Nazis? Ja, den gab es und er verdient eine eingehende Betrachtung. 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