{"id":11734,"date":"2022-09-07T08:44:29","date_gmt":"2022-09-07T06:44:29","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11734"},"modified":"2022-09-07T08:44:30","modified_gmt":"2022-09-07T06:44:30","slug":"mit-haltung-kann-ich-meine-wohnung-nicht-heizen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11734","title":{"rendered":"\u201eMit Haltung kann ich meine Wohnung nicht heizen\u201c"},"content":{"rendered":"<p><em>Florian Warweg. <\/em><strong>\u00dcber 1.000 Demonstranten waren dem Aufruf des B\u00fcndnisses \u201eF\u00fcr Heizung, Brot und Frieden\u201c gefolgt und hatten sich zum Protest gegen die aktuelle Regierungspolitik vor der Bundesgesch\u00e4ftsstelle von B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen eingefunden. Redebeitr\u00e4ge kamen unter anderem von Vertretern der Linkspartei, der Sammlungsbewegung<\/strong><!--more--> <strong>Aufstehen, der Naturfreunde und Gewerkschaftsgruppen. Die Kundgebungsteilnehmer und Redner forderten unter anderem eine gesetzliche Deckelung von Gas- und Strompreisen, die Vergesellschaftung der Energiewirtschaft sowie die Aufhebung der Sanktionen. <\/strong><\/p>\n<p>N\u00e4herte man sich von der Charit\u00e9 kommend gegen 18 Uhr dem Veranstaltungsort vor der Gr\u00fcnen-Zentrale, dem Platz vor dem Neuen Tor, fiel zun\u00e4chst eine Reihe von DKP-Fahnen ins Auge, etwas sp\u00e4ter sollten sich noch zahlreiche Linken-Flaggen dazugesellen, erg\u00e4nzt um Banner der Sammlungsbewegung Aufstehen (die zumindest in Berlin noch erstaunlich aktiv ist) sowie Fahnen der aus der Arbeiterbewegung Ende des 19. Jahrhunderts abstammenden Naturfreunde.<\/p>\n<p>Vereinzelt sah man auch Fahnen der \u201eFreien Linken\u201c, die allerdings im weiteren Verlauf oft von selbsternannten Antifa-Vertretern runtergerissen worden, was zu einigen unsch\u00f6nen Szenen am Rande der Veranstaltung f\u00fchrte. Vereinzelt anwesenden Vertretern der Partei dieBasis wurden von den Ordnern zu verstehen gegeben, dass ihre Pr\u00e4senz bei der Veranstaltung nicht erw\u00fcnscht sei, und des Platzes verwiesen.<\/p>\n<p>Zumindest die teilweise erfolgte Ausgrenzung der Freien Linken wurde innerhalb der B\u00fcndnisorganisation im Nachhinein kritisiert. Ein Mitinitiator des Protestes erkl\u00e4rte gegen\u00fcber den NachDenkSeiten, dass der Umgang mit den \u201eFreien Linken\u201c und auch das Agieren der Antifa beim n\u00e4chsten B\u00fcndnistreffen kritisch diskutiert werden m\u00fcsse.<\/p>\n<p>Den Aufschlag bei den Rednern machte der Anmelder der Kundgebung, der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete und Mitglied im Bundesvorstand der Naturfreunde Deutschland, Uwe Hiksch:<\/p>\n<p><em>\u201eLiebe Freunde, wir nehmen nicht mehr hin, dass die Damen und Herren im Deutschen Bundestag uns sagen, dass wir uns warm anziehen sollen, damit die ihre falsche Politik fortsetzen k\u00f6nnen. Wo leben wir denn? Nicht wir m\u00fcssen uns warm anziehen, sondern die Damen und Herren (und weist dabei auf die Eingangst\u00fcr zur Gr\u00fcnen-Zentrale), die uns dies erz\u00e4hlen wollen.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Des Weiteren betonte Hiksch, dass das B\u00fcndnis ein internationales und solidarisches B\u00fcndnis sein wird, und prangerte dann das ma\u00dfgeblich von den Gr\u00fcnen vorangetriebene gr\u00f6\u00dfte Aufr\u00fcstungspaket in der Geschichte der Bundesrepublik an. Baerbock sei vielmehr eine Aufr\u00fcstungs- denn eine Au\u00dfenministerin und daher eine komplette Fehlbesetzung. Zudem sei Armut in einem reichen Land eine Schande, daher gelte es auf die Stra\u00dfe zu gehen f\u00fcr eine Politik der Umverteilung und Besteuerung der Reichen.<\/p>\n<p>Darauf folgte ein Redebeitrag der Bundestagsabgeordneten der Linksfraktion und Obfrau im Ausw\u00e4rtigen Ausschuss, Sevim Da\u011fdelen, die unter anderem darlegte, wieso das B\u00fcndnis vor der Bundesgesch\u00e4ftsstelle der Gr\u00fcnen demonstriert:<\/p>\n<p><em>\u201eWir protestieren hier und heute, weil wir im Winter nicht frieren wollen. Wir protestieren hier und heute, weil wir nicht im Dunkeln sitzen, sondern wieder Perspektiven sehen wollen. Wir protestieren hier und heute vor der Gesch\u00e4ftsstelle der Gr\u00fcnen, weil zwei Minister dieser Partei, Annalena Baerbock und Robert Habeck, wesentlich verantwortlich sind f\u00fcr eine desastr\u00f6se Regierungspolitik. Deshalb sind sie der richtige Adressat unserer Proteste.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Zudem verwies sie auf die Rede von Au\u00dfenministerin Baerbock bei der Botschafterkonferenz in Berlin am selben Tag, in welcher diese erkl\u00e4rt hatte, es gebe f\u00fcr sie zwei entscheidende Punkte in der Au\u00dfenpolitik. Das Erste sei eine Politik der \u201eklaren Haltung\u201d und das Zweite sei eine Politik, die erl\u00e4utert und erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Auf diese Aussagen bezugnehmend erkl\u00e4rte Da\u011fdelen:<\/p>\n<p><em>\u201eLiebe Freundinnen und Freunde, von der Haltung kann ich meine Wohnung nicht heizen. Und von einer Politik, die uns erkl\u00e4rt, warum wir alle \u00e4rmer werden, will ich auch nichts wissen. Ich will eine Politik, die verhindert, dass Millionen Menschen in diesem Land \u00e4rmer werden.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Die zum Wagenknecht-Fl\u00fcgel geh\u00f6rende Da\u011fdelen f\u00fchrte im weiteren Verlauf ihrer Rede noch die \u201eabsurden\u201c Folgen der \u201eirrsinnigen Sanktionen\u201c aus:<\/p>\n<p><em>\u201eDer russische Energieriese Gazprom, den man mit den Sanktionen ja treffen wollte, meldet dank gestiegener Weltmarktpreise infolge der Wirtschaftssanktionen des Westens Rekordgewinne von 41,6 Milliarden Dollar. Und die US-amerikanische Fracking-Industrie verdient mit ihrem dreckigen Fl\u00fcssiggas 200 Millionen Dollar pro LNG-Tanker, w\u00e4hrend Millionen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger nicht wissen, wie sie Tausende Euro Mehrkosten f\u00fcr Gas und Strom bezahlen sollen.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Ihre Rede beendete sie mit der Aufforderung an die Demoteilnehmer, sich von Politik und Medien nicht verunsichern zu lassen:<\/p>\n<p><em>\u201eWir brauchen diesen Protest. Lasst uns diese Kampfansage weiterf\u00fchren. Und lasst euch nicht f\u00fcr dumm verkaufen. Es ist eine Propagandamasche, eine unliebsame Meinung und Position in eine bestimmte Ecke zu stellen, um diese Position indiskutabel zu machen. Manchmal sagen sie, wir sind Rechte, manchmal sagen sie, wir sind \u201ePutin-Trolle\u201c. Wir sind nichts von dem. Wir sind Demokraten, die hier das Recht auf Versammlungsfreiheit praktizieren und gegen die Ampel-Regierung protestieren.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Als Abschlussredner und Vertreter der Sammlungsbewegung Aufstehen sprach der in der Au\u00dfenstelle des Lagers F\u00f6renwald bei M\u00fcnchen f\u00fcr j\u00fcdische \u00dcberlebende des Holocaust geborene Harri Gr\u00fcnberg. Als einziger Redner des B\u00fcndnisses forderte er im Namen von Aufstehen die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland:<\/p>\n<p><em>\u201eEine Sache, die uns bei Aufstehen bewegt, ist die Frage der Sanktionen. Wir denken, dass, solange nicht gen\u00fcgend Gas flie\u00dft, die Spekulationen und damit die Preise nach oben gehen werden und wir sie nicht mehr bezahlen k\u00f6nnen. Deswegen ist es wichtig, die Sanktionen aufzuheben und den Gashahn aufzudrehen, damit genug Gas flie\u00dft (starker Applaus der Demoteilnehmer). Und das Gleiche gilt f\u00fcr die Verteidigung unserer sozialen Rechte, unseres Lebensstandards und dies ist eng verbunden mit der Frage des Friedens.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Das Bundesvorstandsmitglied von Aufstehen erkl\u00e4rte weiter, man m\u00fcsse aufpassen, \u201ewas unter rechts verstanden wird\u201c. Er verwies auf seine Biografie als \u201e\u00dcberlebender der Shoa\u201c und seinen Dienst in der israelischen Armee, er wisse daher, was Antisemitismus und Rassismus ist:<\/p>\n<p><em>\u201eAber wenn man Menschen weiter entwickeln will, dann muss man sie mitnehmen und mit ihnen k\u00e4mpfen. Und nicht jeder, der eine andere Meinung hat zu Covid, ist automatisch ein Rechter. Dieser Ansatz hat die linke Bewegung stark gespalten. Das d\u00fcrfen wir nicht wiederholen, denn sonst werden wir scheitern.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Weiter f\u00fchrte er aus, dass die Bundesregierung Deutschland immer weiter in einen Krieg hineinziehe, der in einer Katastrophe enden k\u00f6nne. Deshalb sei es auch so dringlich geboten, dass soziale Frage und Forderung nach Verhandlungen und Frieden zusammenlaufen. Auf Basis \u201edieses Konsens\u201c k\u00f6nne man dann auch der AfD \u201eden W\u00e4hlerboden unter den F\u00fc\u00dfen wegziehen\u201c, denn diese unterst\u00fctze programmatisch die Politik der Ausbeutung. Er schloss seinen Beitrag mit dem Wunsch, dass \u201edie linke Bewegung\u201c bald wieder st\u00e4rker auf der Stra\u00dfe pr\u00e4sent sei und die AfD dann nicht mehr diejenige sein k\u00f6nne, die als einzige Oppositionskraft in Erscheinung trete.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=87713\"><em>nachdenkseiten.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 7. September 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Florian Warweg. \u00dcber 1.000 Demonstranten waren dem Aufruf des B\u00fcndnisses \u201eF\u00fcr Heizung, Brot und Frieden\u201c gefolgt und hatten sich zum Protest gegen die aktuelle Regierungspolitik vor der Bundesgesch\u00e4ftsstelle von B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen eingefunden. 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