{"id":11797,"date":"2022-09-30T11:11:40","date_gmt":"2022-09-30T09:11:40","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11797"},"modified":"2022-09-30T11:11:42","modified_gmt":"2022-09-30T09:11:42","slug":"arbeiterproteste-im-iran-produktion-und-proteste-in-haft-tappeh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11797","title":{"rendered":"Arbeiterproteste im Iran: Produktion und Proteste in Haft-Tappeh"},"content":{"rendered":"<p><em>Die Proteste der Besch\u00e4ftigten in der Zuckerrohrindustrie von Haft-Tappeh begannen im Jahr 2006, als sie sich gegen die versp\u00e4tete Auszahlung der L\u00f6hne wandten. In den vergangenen Jahren flammten die Auseinandersetzungen immer wieder auf. W\u00e4hrend dieser K\u00e4mpfe w\u00e4hlten die Arbeiter*innen die Gewerkschaft als Tr\u00e4ger ihres Kampfes und setzten mit ihrer Gr\u00fcndung<\/em><!--more--> <em>ihren Kampf in einer besser organisierten Form fort. In all diesen Jahren waren viele Mitglieder der Gewerkschaft von Haft-Tappeh Repressionen, Folter und Inhaftierungen ausgesetzt.<\/em><\/p>\n<p><em>Im <strong>Gespr\u00e4ch mit Ali Nejati<\/strong>, Mitbegr\u00fcnder der Gewerkschaft der Besch\u00e4ftigten in Haft-Tapeh, erfragt <strong>Bahram Ghadimi<\/strong> die Lehren aus diesem Kampf der Arbeiter:innen.<\/em><\/p>\n<p><strong>Welches sind die klimatischen und geografischen Bedingungen von Haft-Tappeh?<\/strong><\/p>\n<p>Haft-Tappeh liegt in der Provinz Khuzestan nordwestlich der Provinzhauptstadt Ahvaz. Das Klima in Khuzestan ist trocken, obwohl es \u00fcberall in der Region trockene und halbtrockene Klimazonen gibt. Aufgrund der geografischen Gegebenheiten des Gebiets mit flachem Land und einigen Fl\u00fcssen, die in den Zardkuh-Bergen und anderen Bergen der Provinzen Charmahal-Bajtiyari und Lorestan entspringen, flie\u00dft von den St\u00e4dten Khorramabad und Dorud viel Wasser nach Khuzestan.<\/p>\n<p>Der Dez-Damm in Andimeshk, der Abbaspour-Damm und der Getvand-Damm geh\u00f6ren zu den Staud\u00e4mmen, die aus dem Zagros-Gebirge gespeist werden und die Ebenen von Khuzestan bew\u00e4ssern. Bis vor einigen Jahren gelangte auch viel Wasser aus den Fl\u00fcssen Karun und Karjeh in die Khuzestan-Ebene, aber seit zwei Jahren gibt es in Khuzestan leider Wasserprobleme aufgrund der Umleitung des Wasserflusses in Richtung Charmahal-Bajtiyari und der St\u00e4dte Yazd und Qom. Im Westen der Provinz Khuzestan befinden sich der Karjeh-Staudamm und der gleichnamige Fluss, der in der Provinz Lorestan am Zusammenfluss von Seimareh und Kashkan entspringt; das Wasser flie\u00dft von zwei Seiten in den Seimareh-Fluss: aus der Provinz Lorestan und aus dem Westen, d. h. aus Kermanshah und Ilam, und gelangt schlie\u00dflich in den Karjeh-Fluss und den Karjeh-Staudamm. Im Westen der Provinz Khuzestan, in der N\u00e4he des Irak, gibt es ein sehr gro\u00dfes Gebiet namens Dasht-e Abbas, in dem es leider viele Probleme mit dem Grundwasser gibt, weil dort viele Brunnen gebohrt wurden \u2013 vor allem w\u00e4hrend der Zeit des ehemaligen Pr\u00e4sidenten Ahmadi Nejad.<\/p>\n<p>Haft-Tappeh liegt im Nordwesten der Provinz Khuzestan und ist im Westen mit der historischen Stadt Shush, im Norden mit der Stadt Andimeshk, im Nordosten mit der Stadt Dezful, im Osten mit den St\u00e4dten Shushtar und Masjed Soleyman und im S\u00fcden mit der Stadt Ahvaz verbunden.<\/p>\n<p><strong>Hat der Bau von Staud\u00e4mmen Auswirkungen auf das Recht auf Wasser und Bew\u00e4sserung?<\/strong><\/p>\n<p>Der Karjeh-Stausee ist ein Bew\u00e4sserungs-Stausee, aber der weiter n\u00f6rdlich von Andimeshk gelegene Staudamm hat besondere Bedingungen, da er sowohl zur Bew\u00e4sserung als auch zur Stromerzeugung dient. Das Wasserrecht von Khuzestan wird durch diese Staud\u00e4mme erf\u00fcllt; in den letzten Jahren ist das Wasser von Khuzestan aufgrund der Er\u00f6ffnung von Stahl- und anderen Industrien im Zentrum des Irans, in Yazd, Qom und anderen St\u00e4dten, und durch den Transfer von Wasser dorthin, leider zur\u00fcckgegangen und der Zugang zu Wasser nimmt immer mehr ab. Besonders in diesem Jahr hatten wir mit einer gro\u00dfen D\u00fcrre und zu wenig Regen zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><strong>Wie hat sich diese D\u00fcrre auf den Haft-Tappeh Zuckkerrohr-Industriebetrieb ausgewirkt?<\/strong><\/p>\n<p>Sie wissen vielleicht, dass Zuckerrohr eine Pflanze ist, die viel Wasser braucht; angesichts der Bedingungen, die wir in diesem Jahr haben, und der Nachrichten, die wir h\u00f6ren, werden wir h\u00f6chstwahrscheinlich mit einem sehr ernsten Problem des Wassermangels konfrontiert sein, nicht nur im Zuckerrohrsektor, sondern auch in den anderen Sektoren. In Juzest\u00e1n werden neben Zuckerrohr (dem sich mehrere Unternehmen widmen) auch Weizen, Mais, Raps, R\u00fcben und verschiedene Gem\u00fcsesorten sowie Zitrusfr\u00fcchte wie Orangen, saure Orangen und Zitronen angebaut. Unter den derzeitigen Bedingungen wird die Aussaat all dieser Kulturen durch den Wassermangel beeintr\u00e4chtigt. In diesen Tagen vor der diesj\u00e4hrigen Herbstbepflanzung warnen alle.<\/p>\n<p><strong>Wie ist die wirtschaftliche Struktur der Gesellschaft in diesem Gebiet?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn wir Haft-Tappeh selbst betrachten, ist ein Teil davon die Fabrik [M\u00fchle], die als industrieller Teil betrachtet wird, ein anderer ist der landwirtschaftliche Teil. Zusammen bilden sie den Haft-Tappeh Agro-Industrie-Komplex und erg\u00e4nzen sich gegenseitig. Wie ich bereits erw\u00e4hnt habe, verf\u00fcgt Khuzestan aufgrund seines Wasserreichtums und seiner ausgedehnten L\u00e4ndereien im Vergleich zu anderen Provinzen \u00fcber die besten wirtschaftlichen Ertr\u00e4ge. Aber diese Gewinne bleiben nicht in Khuzestan, sie verlassen die Provinz. Nicht nur im Agrarsektor, sondern auch in der \u00d6l- und Gasindustrie werden au\u00dferordentliche Gewinne erzielt. Die gr\u00f6\u00dften unterirdischen \u00d6l- und Gasvorkommen befinden sich in Khuzestan. Von Shush bis nach Ahvaz, Abadan, Mah-Shahr, Gachsaran, Ramhormoz und Masjed Soleyman. Was die wirtschaftlichen Gewinne angeht, so ist Khuzestan die f\u00fchrende Provinz des Landes, aber wie ich schon sagte, verlassen die Gewinne leider die Provinz. Die Lebensbedingungen der Menschen werden jeden Tag mehr und mehr beeintr\u00e4chtigt. Offiziellen Statistiken zufolge liegt Khuzestan bei der Arbeitslosenquote landesweit an zweiter oder dritter Stelle. In der Provinz, in der die h\u00f6chsten Gewinne des Landes erwirtschaftet werden, ist die Arbeitslosigkeit unglaublich hoch und w\u00e4chst st\u00e4ndig.<\/p>\n<p><strong>Bitte geben Sie uns einen kurzen \u00dcberblick \u00fcber die Geschichte des Haft-Tappeh Agro-Industriekomplexes. Wie viele Hektar werden bewirtschaftet und wie hoch ist das Produktionsvolumen?<\/strong><\/p>\n<p>Haft-Tappeh wurde 1958 gegr\u00fcndet. Drei Jahre lang wurden parallel zum Bau der Fabrik, an dem amerikanische, niederl\u00e4ndische, italienische und kubanische Unternehmen beteiligt waren, die landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen f\u00fcr den Anbau von Zuckerrohr aufgeteilt und die entsprechenden technischen Voraussetzungen geschaffen. W\u00e4hrend dieser drei Jahre wurde die Fabrik auf die Verarbeitung von Zuckerrohr vorbereitet. Zwischen 1961 und 1962 wurde in Haft-Tappeh die erste Zuckerrohrproduktion aufgenommen, und gleichzeitig wurden sowohl gelber Zucker, d. h. Rohzucker, als auch Wei\u00dfzucker hergestellt. Im Moment habe ich keine genauen Produktionsdaten aus dieser Zeit, aber nach und nach wurde mehr Land eingeebnet und bestellt, bis 1973 eine neue M\u00fchle hinzukam. Vor diesem Datum gab es nur eine \u201cA\u201d- oder Prim\u00e4rm\u00fchle. Der Haft-Tappeh-Komplex umfasst heute zwischen 20 und 24 Tausend Hektar Land, von denen 15 000 Hektar bepflanzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In Haft-Tappeh wurden unter normalen Bedingungen etwa 10 000 Hektar Land bewirtschaftet, und drei- bis viertausend Hektar wurden f\u00fcr die n\u00e4chste Aussaat vorbereitet, d. h. es wurden dort Zuckerrohrsprossen f\u00fcr das n\u00e4chste Jahr ausges\u00e4t. Als ich dort arbeitete, wurden zwischen 117 000 und 120 000 Tonnen Wei\u00dfzucker produziert, aber heute ist die Produktion r\u00fcckl\u00e4ufig und sinkt von Tag zu Tag.<\/p>\n<p><strong>In welchem Umfang werden in Haft-Tappeh Industriemaschinen eingesetzt, und wie ist der Zustand der Maschinen?<\/strong><\/p>\n<p>Wie ich bereits erw\u00e4hnt habe, besteht Haft-Tappeh aus zwei Teilen: einem landwirtschaftlichen und einem industriellen. Die erste hat mit Landwirtschaft und Anbau zu tun, die zweite mit der Fabrik.<\/p>\n<p>Die Fabrik hat mehrere Abteilungen; es gibt zwei M\u00fchlen, in denen die geschnittenen St\u00f6cke mit speziellen Steinen gemahlen werden, die R\u00fcckst\u00e4nde werden abgetrennt und der Sirup wird durch ein spezielles Verfahren in gelben Zucker umgewandelt. Das Rohmaterial f\u00fcr die Herstellung von MDF und Papier wird aus den Zuckerrohrr\u00fcckst\u00e4nden gewonnen. Diese R\u00fcckst\u00e4nde werden durch Vakuumr\u00f6hren direkt von Haft-Tappeh zur Papierfabrik in Pars transportiert.<\/p>\n<p><strong>Haft-Tappeh produziert also noch andere Dinge als Zucker?<\/strong><\/p>\n<p>Die Zuckerrohrreste wurden an die Papierfabrik Pars Paper geliefert, die sie von Haft-Tappeh f\u00fcr die Papierproduktion kaufte. Das Unternehmen Pars Paper selbst ist ein separater Industriekomplex mit Maschinen f\u00fcr die Herstellung von Zellstoff, der zu Papier verarbeitet wird. Fr\u00fcher haben sie sehr hochwertiges Papier in verschiedenen Formaten hergestellt, aber das hat sich jetzt verschlechtert.<\/p>\n<p>Zuckerrohrreste werden auch als Viehfutter verwendet: Sie werden mit Melasse, Hafer und Maisk\u00f6rnern gemischt, um Futtermittel f\u00fcr Rinder und Gefl\u00fcgel herzustellen. Dar\u00fcber hinaus wurden in der Vergangenheit die besten Weine und Lik\u00f6re aus Melasse hergestellt und verkauft. Seit einigen Jahren gibt es kein religi\u00f6ses Problem in dieser Hinsicht mehr und Ethylalkohol wird direkt in Haft-Tappeh hergestellt.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem gibt es eine MDF-Fabrik, die es vorher nicht gab. Die Pars Papierfabrik wurde zu Beginn der Gr\u00fcndung von Haft-Tappeh gegr\u00fcndet. Unter normalen Bedingungen, wenn es keine Probleme gab, kamen t\u00e4glich etwa 100 000 bis 200.000 Tonnen Zuckerrohr in die Fabrik, und es musste etwas mit den Abf\u00e4llen gemacht werden, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Deshalb wurde die Papierfabrik Pars er\u00f6ffnet. Aufgrund der Bedingungen, die sie geschaffen haben, und wegen der Reduktion der Pars-Paper-Maschinen in den letzten 10-12 Jahren haben sie auch eine MDF-Fabrik in Haft-Tappeh gegr\u00fcndet, die Pakchub hei\u00dft.<\/p>\n<p><strong>Wie viele Arbeitnehmer sind bei Haft-Tappeh besch\u00e4ftigt und in welchen Abteilungen?<\/strong><\/p>\n<p>Ab 1981 hatte Haft-Tappeh etwa 6000 bis 6500 Arbeiter und Angestellte, die direkt unter der Aufsicht des Unternehmens arbeiteten. In der Zuckerrohrerntezeit stellten sie zus\u00e4tzlich 2000 bis 3000 Personen zum Schneiden des Zuckerrohrs ein. Die Zuckerrohrschneider sind Zeitarbeiter. Normalerweise begann die Ernte Ende Juli. Aber das hing von der Menge der Ernte und der Gr\u00f6\u00dfe der Anbaufl\u00e4che ab.<\/p>\n<p>Je gr\u00f6\u00dfer die Anbaufl\u00e4che war, desto l\u00e4nger arbeiteten die Zuckerrohrschneider, 5 bis 7 Monate. Au\u00dferdem spielten die Witterungsbedingungen eine Rolle: Wenn es regnete, konnte das Zuckerrohr manchmal einen Monat oder 40 Tage lang nicht in die Fabrik gebracht werden, weil es schlammig war und die Maschinen, die das Rohr zu den Traktoren bringen mussten, im Schlamm stecken blieben. Unter diesen Bedingungen arbeiteten die Zuckerrohrschneider durchschnittlich 6 bis 7 Monate.<\/p>\n<p><strong>Wie hoch ist der Anteil der weiblichen Besch\u00e4ftigten in Haft-Tappeh?<\/strong><\/p>\n<p>A: Der Prozentsatz der weiblichen Arbeiterinnen ist im Vergleich zu den M\u00e4nnern sehr gering, unvergleichbar. Im landwirtschaftlichen Bereich des Anbaus und der Bew\u00e4sserung d\u00fcrfen Frauen [angeblich] wegen der hohen Temperaturen und der schwierigen klimatischen Bedingungen in diesem Gebiet nicht arbeiten: Die Arbeiter in diesen Bereichen sind ausschlie\u00dflich M\u00e4nner. In der Industrieabteilung sind ebenfalls nur M\u00e4nner t\u00e4tig, aber wir haben Frauen in den Labors und als Sekret\u00e4rinnen in den Verwaltungsb\u00fcros. Auf 2000 M\u00e4nner kommen vielleicht 20 Frauen.<\/p>\n<p><strong>Haben weibliche Kolleginnen die gleichen Rechte wie m\u00e4nnliche?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, sie hatten das gleiche Gehalt. Es gab keinen Unterschied. Vielmehr kam es auf das Dienstalter, das Bildungsniveau und so weiter an. Die Entlohnung richtete sich nach den Arbeitsbedingungen, aber da alle nach dem Arbeitsgesetz arbeiteten, waren alle Angestellten in Bezug auf Entlohnung, Arbeitsbedingungen und Vorschriften gleich.<\/p>\n<p><strong>Gibt es unterschiedliche Kategorien von Arbeitern und werden ihre L\u00f6hne nach diesen Kategorien festgelegt?<\/strong><\/p>\n<p>Ja: einfache Arbeiter, Arbeiter der Stufe eins, Arbeiter der Stufe zwei, Lehrer usw. Als ich eingestellt wurde, betrug mein Gehalt einen bestimmten Betrag, und jedes Jahr, wenn mein Dienstalter stieg, erh\u00f6hte sich auch mein Gehalt. Die Geh\u00e4lter h\u00e4ngen nat\u00fcrlich auch von der Spezialisierung ab; so erh\u00e4lt beispielsweise der Maschinenf\u00fchrer, der sowohl der Verantwortliche als auch der Fachmann ist, ein anderes Gehalt als die Person, die ihm assistiert und \u00fcber ein geringeres Dienstalter und eine geringere Spezialisierung verf\u00fcgt.<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie uns einen kurzen \u00dcberblick \u00fcber den Privatisierungsprozess in Haft-Tappeh und seine Auswirkungen auf das Leben der Arbeiter und das Leben der Menschen in diesem Gebiet im Allgemeinen geben?<\/strong><\/p>\n<p>Haft-Tappeh war ein zu 100 % \u00f6ffentliches Unternehmen, aber nach der Verabschiedung von Artikel 44 der Verfassung wurden viele \u00f6ffentliche Unternehmen privatisiert. Im Jahr 2015 wurde Haft-Tappeh nach einer Reihe von \u00c4nderungen und Anpassungen ebenfalls an den privaten Sektor \u00fcbergeben. Dabei ging es nicht darum, das Unternehmen an einen spezialisierten Privatsektor zu \u00fcbergeben; diese \u00dcbergabe beruhte nicht auf Spezialisierung oder auf einem logischen und korrekten Vertrag, sondern es wurde im Sinne von Vetternwirtschaft und G\u00fcnstlingswirtschaft an Personen \u00fcbergeben, die in Wirklichkeit keinerlei Kenntnisse oder Spezialisierung in der Zuckerrohrindustrie hatten.<\/p>\n<p>Die Folge war, dass sich die Arbeit und das Leben der Menschen nicht nur nicht verbessert, sondern sogar verschlechtert haben. Als Haft-Tappeh an den privaten Sektor \u00fcbergeben wurde, sahen wir uns zahlreichen Problemen gegen\u00fcber. Nach den Statistiken, die mir meine Freunde vor einigen Tagen \u00fcbermittelt haben, sind nur 50 Prozent der Ernte eingebracht worden, und die Produktion, die fr\u00fcher mindestens 100 000 Tonnen betrug, ist auf 8 bis 9 Tonnen Zucker zur\u00fcckgegangen, und zwar nicht auf wei\u00dfen Zucker, sondern auf gelben oder Mascabado-Zucker. Laut Statistik ist bei der Umwandlung von Mascabado in Wei\u00dfzucker ein R\u00fcckgang von einer Tonne pro 10.000 Tonnen zu verzeichnen.<\/p>\n<p>Nach der \u00dcbergabe an den privaten Sektor war die Situation sehr schwierig und schuf Bedingungen, die die Menschen in dem Gebiet, insbesondere die Arbeiter in Haft-Tappeh, ernsthaft beeintr\u00e4chtigten. Wie bekannt, begannen die Streiks und Proteste im ersten Jahr der Privatisierung des Unternehmens, und heute, nach einer Reihe von Protesten und dank der Bem\u00fchungen der Arbeiter, befindet sich das Unternehmen in einem \u201cnormalen\u201d Zustand. Das Unternehmen wurde aus der Privatwirtschaft herausgel\u00f6st, was aber nicht bedeutet, dass es wieder \u00f6ffentlich ist, sondern es steht unter der Aufsicht von zwei Banken; seine Zukunft ist jedoch noch nicht gekl\u00e4rt. Das einzige, was klar ist, ist, dass sich das Unternehmen in einem ziemlich \u201cnormalen\u201d Zustand befindet und die L\u00f6hne und Geh\u00e4lter der Arbeitnehmer gezahlt werden, aber leider produziert es nicht effektiv.<\/p>\n<p><strong>Einige Leute versuchen, die Arbeiter in Haft-Tappeh anhand ihrer ethnischen Zugeh\u00f6rigkeit zu unterscheiden. K\u00f6nnen Sie uns erkl\u00e4ren, welcher Ethnie die Arbeiter angeh\u00f6ren?<\/strong><\/p>\n<p>Die Arbeiter hier sind Luren und Araber. Aber die Araber sind die Mehrheit. Ich selbst stamme von hier und bin hier aufgewachsen, und wir haben nie \u00fcber ethnische Zugeh\u00f6rigkeit gesprochen. Diese Gewerkschaft, die wir 2008 gegr\u00fcndet haben, ist ein Beispiel daf\u00fcr: Obwohl die Mehrheit der Arbeitnehmer in Haft-Tappeh Araber waren (60 % Araber und 40 % Luren und andere Ethnien), waren von den 30 bis 40 Personen, die kandidiert hatten, 14 bis 15 Personen Araber und ebenso viele Nicht-Araber; bei dieser Wahl, bei der wir neun Personen in den Vorstand gew\u00e4hlt haben, waren 8 Luren oder Nicht-Araber und nur eine Person war Araber.<\/p>\n<p><strong>Welchen Einfluss hat die ethnische Zugeh\u00f6rigkeit der Arbeitnehmer auf den Prozess und die Art ihrer Einstellung?<\/strong><\/p>\n<p>Keine. Aber Vetternwirtschaft hat es schon immer gegeben. Heutzutage haben sich die Bedingungen stark ver\u00e4ndert. Als ich dort arbeitete, waren die meisten Landarbeiter Araber, vielleicht wegen ihrer Spezialisierung oder der Art der Arbeit, die sie verrichteten. In der Industrie waren sie im Vergleich zu Arbeitern anderer Ethnien weniger vertreten. In unserem Teil der Fabrik waren wir zwischen 5000 und 6000 Menschen, und nur sehr wenige von ihnen waren Araber. Ob jemand Araber war oder nicht, spielte bei der Einstellung keine Rolle, aber leider hat sich die Situation jetzt ein wenig ge\u00e4ndert, und die ethnische Zugeh\u00f6rigkeit wirkt sich auf die Einstellung aus. Seitdem das Unternehmen einen normaleren Status angenommen hat, ist dieses Thema eher in den Hintergrund getreten.<\/p>\n<p><strong>Wie wurde die Gewerkschaft der Haft-Tappeh-Besch\u00e4ftigten gegr\u00fcndet und was hat sie erreicht?<\/strong><\/p>\n<p>Die Gewerkschaft wurde aufgrund der Streiks gegr\u00fcndet, die wir 2006 und 2007 durchgef\u00fchrt haben. Seit 2006 hatte sich die Lage des Unternehmens verschlechtert, und das Problem der Lohnzahlung hatte sich manifestiert; so begannen die mehrst\u00fcndigen und mehrt\u00e4gigen Proteste, die bis 2007 andauerten. Wenn die Arbeiter als Vertreter des \u201eIslamischen Rats der Arbeiter\u201c sprachen, wurden sie, da sie bei den anderen nicht glaubw\u00fcrdig waren, sehr schlecht behandelt, niemand h\u00f6rte dem Islamischen Rat der Arbeiter zu. Zu dieser Zeit hatten wir noch keinen eigenen Rat.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend dieser Proteste kamen wir aktiven Arbeiter nach und nach zusammen. Jedes Mal, wenn wir mit der Unternehmensleitung \u00fcber bestimmte Themen sprachen oder diskutierten, sagten sie uns: \u201eIhr seid keine Vertreter und m\u00fcsst euch als solche pr\u00e4sentieren, um sprechen zu k\u00f6nnen.\u201c Wir haben einen Brief an das Arbeitsministerium geschrieben und erkl\u00e4rt, dass die Arbeiter den Islamischen Rat der Arbeiter nicht wollen und eine andere Gruppe bilden m\u00f6chten. Nach dem Arbeitsgesetz kann eine solche Gruppierung drei Formen annehmen: Arbeitnehmervertreter, Betriebsrat oder Versammlung. Wir sammelten etwa 3000 Unterschriften und reichten sie beim Arbeitsministerium der Provinz ein; wir blieben hartn\u00e4ckig, bis wir dank der Proteste und Streiks in der Lage waren, die Gewerkschaft wiederzubeleben, neun Personen in den Vorstand zu w\u00e4hlen und dar\u00fcber abzustimmen, einen Fonds einzurichten.<\/p>\n<p>Die Errungenschaften der Gewerkschaft, zumindest in den 7-8 Jahren nach 2001, waren folgende: da das Unternehmen den Arbeitern keine unbefristeten Vertr\u00e4ge gab, war eine unserer Forderungen, dass die Kollegen unbefristete Vertr\u00e4ge statt Zeitvertr\u00e4gen erhalten sollten. Gleichzeitig konnten wir die L\u00f6hne um 70.000 Touman aufstocken, was damals ein beachtlicher Betrag war.<\/p>\n<p>Wir berechneten, dass sich die Zuschl\u00e4ge f\u00fcr Ehepartner, Kinder, schlechte Wetterbedingungen, Transport, Unterkunft usw. auf 70.000 Tuman summierten. Einige Genossinnen und Genossen hatten Probleme, sie waren entlassen worden und durften den Arbeitsplatz nicht mehr betreten; wir f\u00fchrten Verhandlungen und konnten erreichen, dass sie wieder arbeiten konnten. Dabei handelte es sich in erster Linie um finanzielle Hilfen, aber gleichzeitig konnten wir durch die Erhebung eines geringen Mitgliedsbeitrags Flugbl\u00e4tter mit dem Titel \u201cWas jeder Arbeiter wissen sollte\u201d drucken, die u.a. Belehrungen \u00fcber die Rechte der Kolleginnen und Kollegen enthielten.<\/p>\n<p><strong>Wir wissen, dass viele der Haft-Tappeh-Arbeiter verhaftet und unter Druck gesetzt wurden, wurden auch Sie verhaftet? Wurden neben den Arbeitern selbst auch andere Personen verhaftet, die mit ihnen in Verbindung stehen?<\/strong><\/p>\n<p>Reden hat nichts gebracht! Sechs von uns Vorstandsmitgliedern wurden entlassen. Ich war die erste Person, die entlassen wurde. Im Jahr 2008 wurde der gesamte Vorstand verhaftet; ich, der Sekret\u00e4r des Vorstands, wurde inhaftiert, die anderen wurden nach drei oder vier Tagen freigelassen. Im Gef\u00e4ngnis von Ahvaz und im Haftzentrum des Geheimdienstes war ich etwa zwei Monate lang in einer Isolationszelle gefangen: mein Gesundheitszustand verschlechterte sich, meine Herzerkrankung begann und ich wurde nach dieser Zeit mehrfach am Herzen operiert; obwohl zehn bis zw\u00f6lf Jahre vergangen sind, muss ich immer noch Medikamente nehmen.<\/p>\n<p>Als ich entlassen wurde, durfte ich nicht zur Arbeit oder in die Fabrik zur\u00fcckkehren. Die anderen inhaftierten Genossen kehrten jedoch an ihren Arbeitsplatz zur\u00fcck. Im Jahr 2009 wurden f\u00fcnf weitere Personen und ich (der ein Jahr zuvor entlassen worden war) zu sechs Monaten Gef\u00e4ngnis verurteilt. Nach dieser Zeit wurde ich 2011 erneut zu einem Jahr Gef\u00e4ngnis verurteilt und f\u00fcnf weitere Personen wurden entlassen. Nach zwei Jahren kehrten sie einer nach dem anderen zur Arbeit zur\u00fcck, aber als meine Strafe abgelaufen war, durfte ich nicht mehr zur\u00fcckkehren. Ganz gleich, wie viele Klagen ich beim Arbeitsministerium, beim Arbeitsgericht und anderen Stellen einreichte, sie hielten an der Verf\u00fcgung \u00fcber meinen Ausschluss fest.<\/p>\n<p>In Wirklichkeit wurde dieses Urteil nicht von diesen Stellen ausgesprochen, sondern ihnen vom Sekretariat des Staatsgeheimdienstes diktiert, da ihnen mitgeteilt worden war, dass ich unter keinen Umst\u00e4nden an meinen Arbeitsplatz zur\u00fcckkehren d\u00fcrfe. Im Jahr 2015 verhaftete die Geheimdienstabteilung der Pasdaran mich und andere Genossinnen und Genossen wegen Gewerkschaftsaktivismus. Wir wurden zu sechs Monaten verurteilt und sa\u00dfen einen weiteren Monat und etwas mehr in einem Gef\u00e4ngnis des Geheimdienstsekretariats ab. Das n\u00e4chste Mal wurde ich zusammen mit anderen Haft-Tappeh-Arbeitern im Jahr 2018 verhaftet. Auch Esmail Bakhsi und Sepideh Gholyanii befanden sich unter den Verhafteten. In den letzten Jahren sind wir aufgrund des Aktivismus als Arbeiter und als Person, die in der Gesellschaft lebt, auch auf wirtschaftliche Probleme gesto\u00dfen. Im Moment habe ich eine f\u00fcnfj\u00e4hrige Haftstrafe zu verb\u00fc\u00dfen, und ich wei\u00df nicht, was mit ihr geschehen wird.<\/p>\n<p><strong>Sie sagten, dass viele Arbeiter entlassen worden sind. Was sind heutzutage die Ausreden der Regierung f\u00fcr die Entlassung von Arbeitnehmern?<\/strong><\/p>\n<p>Esmail Bakhshi zum Beispiel wurde wegen seines Aktivismus entlassen. Allerdings sind viele Kollegen nicht ausgesperrt worden und arbeiten weiter. Die Demonstranten, z.B. die Zuckerrohrschneider, sagen, dass jetzt, da das Unternehmen in den \u00f6ffentlichen Sektor zur\u00fcckgef\u00fchrt oder aus dem privaten Sektor herausgenommen wurde (sie sagen, es wurde in die Regierung zur\u00fcckgef\u00fchrt, aber sie wissen es nicht genau), warum sollten die Sub-Unternehmer uns einstellen und warum k\u00f6nnen wir die Vertr\u00e4ge nicht direkt mit dem Unternehmen unterzeichnen?<\/p>\n<p><strong>Ich erinnere mich, dass es viele Diskussionen gab, als die Arbeiter von Haft-Tappeh in der letzten Phase ihres Kampfes die Besetzung der Fabrik und ihre Selbstverwaltung vorschlugen. Ist es m\u00f6glich, dass diese Diskussionen auch mit den Erfahrungen der Arbeiter in anderen L\u00e4ndern zu tun hatten oder dass diese in den Gespr\u00e4chen ber\u00fccksichtigt wurden?<\/strong><\/p>\n<p>Das l\u00e4sst sich nicht mit Sicherheit sagen. Es wurde implizit gesagt, dass die Arbeiter in der Lage sind, die Fabrik selbst zu f\u00fchren. Diese Meinung habe ich auch mehrmals ge\u00e4u\u00dfert, d.h. dass die Arbeiter die Fabrik technisch wirklich leiten k\u00f6nnen; aber angesichts der bestehenden Bedingungen und des kapitalistischen Systems, das nicht nur den Iran, sondern die ganze Welt beherrscht, stellt sich die Frage, ob die Arbeiter von Haft-Tappeh durch die Selbstverwaltung der Fabrik mit dem herrschenden System konkurrieren k\u00f6nnen oder nicht.<\/p>\n<p>Stellen wir uns zum Beispiel vor, dass die Fabrik jetzt in den H\u00e4nden der Arbeiter ist und sie den produzierten Zucker verkaufen wollen; nehmen wir an, dass die Kapitalisten ihren Zucker f\u00fcr 10.000 Touman pro Kilo von irgendwoher kaufen, w\u00e4hrend der Zucker von Haft-Tappeh zum Beispiel 20.000 kostet. K\u00f6nnen sie mit solchen Problemen die ben\u00f6tigten Werkzeuge kaufen? Wenn wir es logisch angehen, ist es wirklich eine unerreichbare Parole. Werden sie unter den gegenw\u00e4rtigen Bedingungen ihre Unabh\u00e4ngigkeit bewahren k\u00f6nnen, wenn sie die Leitung des Werks in die eigenen H\u00e4nde nehmen? Denn diese Bedingungen lassen es nicht zu und machen es unm\u00f6glich, wettbewerbsf\u00e4hig zu sein.<\/p>\n<p><strong>Wie sehen Sie generell die Zukunft des Haft-Tappeh-Komplexes?<\/strong><\/p>\n<p>In Anbetracht der klimatischen Bedingungen und der Wassersituation gibt es keinen Grund, optimistisch in die Zukunft von Haft-Tappeh zu blicken. Haft-Tappeh braucht Wasser, und deshalb bin ich nicht optimistisch, was das Wachstum seiner Produktion im kommenden Jahr angeht (niemand wei\u00df, was Jahre sp\u00e4ter passieren wird). Ich meine nicht, dass die Arbeiter in Haft-Tappeh Probleme mit ihren Geh\u00e4ltern haben werden, da wir uns in einem Gebiet befinden, das reich an unterirdischen \u00d6l- und Gasvorkommen ist und eine Vorreiterrolle in der Industrie und der Landwirtschaft einnimmt; das hei\u00dft, selbst wenn die Sanktionen andauern, wird der Staat f\u00fcr die Ausgaben und Geh\u00e4lter aufkommen, damit er das Gebiet weiterhin ohne staatliche Sicherheitsprobleme kontrollieren kann.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Ich denke, es wird ein Auf und Ab geben, aber keine endg\u00fcltigen Einschnitte. In jedem Fall handelt es sich nur um Theorien, und es ist nicht bekannt, was in Zukunft geschehen k\u00f6nnte. Vielleicht wird nichts passieren und sich nichts \u00e4ndern. Vielleicht wird es noch schlimmer werden. Vielleicht wird die Fabrik geschlossen oder nicht. Ich formuliere diese Theorien auf der Grundlage sozialer Realit\u00e4ten. Aufgrund der Wetterbedingungen und der D\u00fcrre sehe ich wirklich nichts Positives am Horizont, denn Wasser ist eine der Grundvoraussetzungen f\u00fcr die Zuckerrohrproduktion.<\/p>\n<p><strong>Sie sind also der Meinung, dass Klimaprobleme, der Bau von Staud\u00e4mmen und Eingriffe in die Natur Ursachen sind, die Haft-Tappeh einer hoffnungsvollen Zukunft berauben?<\/strong><\/p>\n<p>Der Bau des Staudamms, die Eingriffe in die Natur und das Klima sind eigene Themen, aber der Mangel an Niederschl\u00e4gen in diesem Jahr, die Wetterbedingungen und die Tatsache, dass sich der \u00fcbliche Lauf der Natur ge\u00e4ndert hat, werden nicht nur f\u00fcr Haft-Tappeh, sondern f\u00fcr ganz Khuzestan Probleme schaffen, und dar\u00fcber bin ich sehr besorgt. Daran besteht kein Zweifel.<\/p>\n<p><strong>W\u00fcrden Sie Unterst\u00fctzung und Solidarit\u00e4t von Arbeitern in anderen L\u00e4ndern erwarten, die dieses Interview lesen?<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich w\u00fcrde ich das. Als Arbeiter ist unser Kampf und unsere Perspektive ein Klassenkampf, und dieser kennt keine Grenzen und ist auch nicht auf eine bestimmte Region oder ein bestimmtes Land beschr\u00e4nkt. Arbeitnehmer in aller Welt, die die gleichen Klassenvorstellungen und Zugeh\u00f6rigkeiten haben, m\u00fcssen sich gegenseitig begleiten und unterst\u00fctzen. Denn die Arbeiterklasse k\u00e4mpft gegen das internationale kapitalistische System. Dieses System kennt keine Grenzen, d.h. seine Unterdr\u00fcckung, Ausbeutung und die schlechten Lebensbedingungen, die es f\u00fcr die Arbeiterklasse schafft, kennen ebenfalls keine Grenzen. Es handelt sich also um einen Klassenkampf auf internationaler Ebene. Die Arbeiter des Iran erwarten aufgrund der Bedingungen, unter denen sie leiden, dass alle Arbeiter der Welt sie in jeder Hinsicht begleiten und unterst\u00fctzen; es ist ein Kampf gegen die Welt des Kapitals.<\/p>\n<p><strong>Haben Sie, die Arbeiter von Haft-Tappeh, oder andere Arbeiter, die in Khuzestan k\u00e4mpfen, wie die Arbeiter von Ahvaz Steel usw., einen Streikfonds? Wovon leben sie, wenn sie streiken?<\/strong><\/p>\n<p>In Anbetracht unserer Bedingungen hier k\u00f6nnen wir leider keinen Streikfonds einrichten. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: W\u00e4hrend unseres Streiks in Haft-Tappeh in den Jahren 1997 und 1998 haben wir versucht, einen Streikfonds oder einen Wirtschaftsfonds einzurichten, aber wir wurden auf die denkbar schlechteste Weise behandelt. Wir hatten Tarifkarten, so dass jeder Arbeiter eintausend oder f\u00fcnfhundert Touman oder einen beliebigen Betrag als Mitgliedsbeitrag zahlen konnte. Aber das durften wir nicht. Damals haben wir sogar die Finanzabteilung gebeten, dies f\u00fcr uns zu tun, aber sie drohten uns und sagten uns, dass wir absolut kein Recht h\u00e4tten, so etwas zu tun. Aufgrund der Bedingungen, unter denen iranische Arbeitnehmer heutzutage arbeiten, haben sie in den meisten Fabriken und Bereichen, in denen sie t\u00e4tig sind, sei es in der Stadtverwaltung, im Erd\u00f6l-, Landwirtschafts- oder Bergbausektor, im Dienstleistungssektor oder in jedem anderen Bereich, das Problem, dass sie ihre L\u00f6hne nicht rechtzeitig erhalten. Manchmal verz\u00f6gern sich die Zahlungen um zwei oder drei Monate. F\u00fcr einen Arbeitnehmer, der zwei oder drei Monate lang keinen Lohn erhalten hat, ist es nicht wirklich m\u00f6glich, sich an einem Streikfonds oder einem Finanzfonds zu beteiligen, wenn es Streikbedingungen gibt oder wenn ein Arbeitnehmer mit einem spezifischen Problem konfrontiert ist. Ein Streikfonds w\u00e4re m\u00f6glich, wenn man die Gewissheit h\u00e4tte, dass es bei seiner Einrichtung keine Sicherheitsprobleme geben w\u00fcrde. Wir sind nicht in der Lage, einen Streikfonds einzurichten, weder unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit noch unter dem der Lohnzahlungen.<\/p>\n<p><strong>Haben Sie eine Botschaft an die Arbeiterinnen und Arbeiter, die dieses Interview lesen?<\/strong><\/p>\n<p>Das Mittel der Arbeiter ist Einheit und Solidarit\u00e4t auf internationaler Ebene. Wie entstehen Einheit und Solidarit\u00e4t? Durch die Organisationen an den Arbeitspl\u00e4tzen. Wir m\u00fcssen versuchen, uns an unseren Arbeitspl\u00e4tzen zu organisieren. Diese Organisationen k\u00f6nnen eine organische Beziehung zu anderen Fabriken und Unternehmen aufbauen und ein breites Aktionsb\u00fcndnis unter den Arbeitenden schaffen. Aber aufgrund der Bedingungen, die wir im Iran haben, ist das f\u00fcr uns sehr schwierig. Wenn sie sich von der Unterdr\u00fcckung, die sie erleiden, und der t\u00e4glichen Ausbeutung, der sie ausgesetzt sind, befreien wollen, wenn sie wollen, dass das, was sie von ihrer Arbeit haben, ihnen selbst geh\u00f6rt, m\u00fcssen sie sich in unabh\u00e4ngigen Gruppen an ihrem Arbeitsplatz organisieren.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/lowerclassmag.com\/2022\/09\/22\/arbeiterproteste-im-iran-produktion-und-proteste-in-haft-tappeh\/\"><em>lowerclassmag.com&#8230;<\/em><\/a><em> vom 30. September 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Proteste der Besch\u00e4ftigten in der Zuckerrohrindustrie von Haft-Tappeh begannen im Jahr 2006, als sie sich gegen die versp\u00e4tete Auszahlung der L\u00f6hne wandten. In den vergangenen Jahren flammten die Auseinandersetzungen immer wieder auf. 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