{"id":11809,"date":"2022-09-30T15:14:07","date_gmt":"2022-09-30T13:14:07","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11809"},"modified":"2022-09-30T15:14:09","modified_gmt":"2022-09-30T13:14:09","slug":"leo-trotzki-das-ukrainische-problem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11809","title":{"rendered":"Leo Trotzki: Das ukrainische Problem"},"content":{"rendered":"<p>Die ukrainische Frage, die viele Regierungen, viele \u00abSozialisten\u00bb und sogar \u00abKommunisten\u00bb zu vergessen oder in die tiefsten Schubf\u00e4cher der Geschichte zu vergraben suchten, wurde wieder einmal auf die Tagesordnung gesetzt, und diesmal mit verdoppelter Kraft. Die neueste Versch\u00e4rfung der ukrainischen Frage ist aufs engste verbunden mit der Entartung der Sowjetunion<!--more--> und der Komintern, den Erfolgen des Faschismus und der Ann\u00e4herung des n\u00e4chsten imperialistischen Krieges. Durch vier Staaten gekreuzigt nimmt heute die Ukraine im Schicksal Europas dieselbe Stellung ein, die seinerzeit Polen einnahm mit dem Unterschied jedoch, dass heute die internationalen Beziehungen unvergleichlich gespannter und die Entwicklungstempi rascher geworden sind Die ukrainische Frage wird in der allern\u00e4chsten Zukunft im Leben Europas eine gewaltige Rolle spielen. Nicht umsonst stellte Hitler so ger\u00e4uschvoll die Frage der Schaffung einer \u00abGro\u00df-Ukraine\u00bb und ebenfalls nicht umsonst lie\u00df er diese Frage mit solch verstohlener Eile wieder fallen.<\/p>\n<p>Eine Frage, die nicht ignoriert werden darf. Die zweite Internationale, die die Interessen der Arbeiterb\u00fcrokratie und der Arbeiteraristokratie der imperialistischen Staaten ausdr\u00fcckt, ignorierte die ukrainische Frage vollkommen. Selbst ihr linker Fl\u00fcgel schenkte der Frage nicht die gen\u00fcgende Aufmerksamkeit. Es gen\u00fcgt, daran zu erinnern, dass Rosa Luxemburg bei all ihrem gl\u00e4nzenden Intellekt und echt revolution\u00e4ren Geist es f\u00fcr m\u00f6glich hielt, zu erkl\u00e4ren, die ukrainische Frage sei die Erfindung einer Handvoll Intellektueller. Diese Stellungnahme hinterlie\u00df selbst bei der polnischen kommunistischen Partei einen tiefen Eindruck. Die ukrainische Frage wurde von den offiziellen F\u00fchrern der polnischen Sektion der Komintern eher als Hindernis denn als revolution\u00e4res Problem betrachtet. Daher die best\u00e4ndigen opportunistischen Versuche, dieser Frage auszuweichen, sie zu unterdr\u00fccken, mit Stillschweigen zu \u00fcbergehen oder in eine unbestimmte Zukunft zu verschieben.<\/p>\n<p>Der bolschewistischen Partei gelang es nicht ohne Schwierigkeit und nur allm\u00e4hlich unter dem st\u00e4ndigen Drucke Lenins, einen richtigen Zugang zur ukrainischen Frage zu finden. Das Selbstbestimmungsrecht, d.h. das Recht auf Lostrennung, wurde von Lenin ebenfalls auf Polen und Ukrainer ausgedehnt. Er erkannte keine aristokratischen Nationen an. Jeden geringsten Versuch, das Problem einer unterdr\u00fcckten Nationalit\u00e4t zu umgehen oder hintanzustellen, betrachtete er als einen Ausdruck des gro\u00dfrussischen Chauvinismus.<\/p>\n<p>Nach der Machteroberung entstand innerhalb der Partei ein ernster Kampf um die L\u00f6sung der zahlreichen, vom alten zaristischen Russland geerbten nationalen Probleme. In seiner Eigenschaft als Volkskommissar f\u00fcr Nationalit\u00e4ten vertrat Stalin unabl\u00e4ssig die am meisten zentralistische und b\u00fcrokratische Tendenz. Das zeigte sich besonders deutlich an der georgischen und der ukrainischen Frage. Die Korrespondenz bez\u00fcglich dieser Angelegenheit blieb bis zum heutigen Tage unver\u00f6ffentlicht. Wir gedenken einen Teil davon zu ver\u00f6ffentlichen \u2013 den sehr kleinen Teil, der zu unserer Verf\u00fcgung steht. Jede Zeile in Lenins Briefen und Vorschl\u00e4gen atmet den dringenden Wunsch, der Nationalit\u00e4ten, die in der Vergangenheit unterdr\u00fcckt wurden, so weit wie m\u00f6glich entgegen zu kommen. In den Vorschl\u00e4gen und Erkl\u00e4rungen Stalins hingegen kommt die Tendenz des b\u00fcrokratischen Zentralismus unver\u00e4nderlich zum Ausdruck. Um \u00abadministrative Notwendigkeiten\u00bb, d.h. die Interessen der B\u00fcrokratie zu garantieren, werden die legitimsten Forderungen der unterdr\u00fcckten Nationalit\u00e4ten als \u00c4u\u00dferungen des kleinb\u00fcrgerlichen Nationalismus erkl\u00e4rt. All diese Symptome konnte man schon in den Jahren 1922-23 beobachten. Seit dieser Zeit entwickelten sie sich in ungeheurem Ausma\u00dfe und f\u00fchrten zur vollst\u00e4ndigen Erdrosselung jeder Art unabh\u00e4ngiger nationaler Entwicklung der V\u00f6lker der Sowjetunion.<\/p>\n<p><strong>Die bolschewistische Auffassung der Sowjetukraine. <\/strong><\/p>\n<p>Nach der Auffassung der alten bolschewistischen Partei sollte die Sowjetukraine eine m\u00e4chtige Achse werden, um die herum sich die anderen Teile des ukrainischen Volkes vereinigen w\u00fcrden. Unbestreitbar \u00fcbte die Sowjetukraine in der ersten Periode ihrer Existenz auch in nationaler Hinsicht eine m\u00e4chtige Anziehungskraft aus und feuerte die Arbeiter, Bauern und die revolution\u00e4re Intelligenz der durch Polen versklavten Westukraine zum Kampfe an. Aber in den Jahren der thermidorianischen Reaktion erfuhr die Position der Sowjetukraine und damit die ukrainische Frage als Ganzes eine einschneidende \u00c4nderung. Je gr\u00f6\u00dfer die erweckten Hoffnungen waren, desto gewaltiger war nun die Entt\u00e4uschung. Die B\u00fcrokratie erdrosselte und pl\u00fcnderte auch in Gro\u00dfrussland das Volk. Aber in der Ukraine wurde die Sache bei Weitem verschlimmert durch die Zerschlagung der nationalen Hoffnungen. Nirgendwo nehmen Freiheitsbeschr\u00e4nkungen, S\u00e4uberungen, Repressalien und \u00fcberhaupt alle Formen des b\u00fcrokratischen Gangstertums solche Ausma\u00dfe an als in der Ukraine im Kampfe gegen das m\u00e4chtige, tief eingewurzelte Sehnen der ukrainischen Massen nach gr\u00f6\u00dferer Freiheit und Unabh\u00e4ngigkeit. F\u00fcr die totalit\u00e4re B\u00fcrokratie wurde die Sowjetukraine die administrative Abteilung einer \u00f6konomischen Einheit und eine milit\u00e4rische Basis der UdSSR. Sicherlich errichtet die Stalinb\u00fcrokratie Schewtschenko-Statuen, aber nur um desto furchtbarer das ukrainische Volk unter ihrem Gewicht zu erdr\u00fccken und es zu zwingen, in der Sprache Kobzars der r\u00e4uberischen Kremlclique Lobeshymnen zu singen.<\/p>\n<p>Die Haltung des Kreml gegen\u00fcber den Teilen der Ukraine, die sich jetzt au\u00dferhalb der Grenzen der UdSSR befinden, ist heute die gleiche wie die gegen\u00fcber allen unterdr\u00fcckten Nationalit\u00e4ten, allen Kolonien und Halbkolonien, d.h. der Kreml betrachtet sie als Wechselgeld in seinen internationalen Kombinationen mit den imperialistischen Regierungen. Auf dem k\u00fcrzlich stattgefundenen 18. Kongress der \u00abKommunistischen Partei\u00bb erkl\u00e4rte Manuilski, einer der unw\u00fcrdigsten Renegaten des ukrainischen Kommunismus ganz offen, nicht nur die UdSSR, sondern auch die Komintern lehne es ab, die Befreiung der unterdr\u00fcckten V\u00f6lker zu fordern, wenn deren Unterdr\u00fccker keine Feinde der herrschenden Moskauer Clique sind. Indien wird heute von Stalin, Dimitrow und Manuilski verteidigt gegen \u2013 Japan, aber nicht gegen England. Sie sind bereit, die Westukraine f\u00fcr immer Polen zu \u00fcberlassen im Austausch gegen ein diplomatisches Abkommen, das den Kremlb\u00fcrokraten im gegenw\u00e4rtigen Augenblick g\u00fcnstig erscheint. Wir sind weit entfernt von jenen Tagen, als sie in ihrer Politik nicht \u00fcber episodische Kombinationen hinausgingen.<\/p>\n<p><strong>Stalin, Hitler und die Ukraine.<\/strong><\/p>\n<p>Von dem fr\u00fcheren Vertrauen und der Sympathie der westukrainischen Massen f\u00fcr den Kreml bleibt keine Spur mehr \u00fcbrig. Nach der letzten m\u00f6rderischen \u00abS\u00e4uberung\u00bb in der Ukraine w\u00fcnscht im Westen niemand mehr, ein Teil der Kreml-Satrapie zu werden, die weiter den Namen Sowjetukraine tr\u00e4gt. Die Arbeiter- und Bauernmassen in der westlichen Ukraine, der Bukowina und der Karpato-Ukraine befinden sich in einem Zustand v\u00f6lliger Verwirrung: Wohin sollen sie sich wenden? was fordern? In dieser Situation ger\u00e4t nat\u00fcrlich die F\u00fchrung in die H\u00e4nde der reaktion\u00e4rsten ukrainischen Cliquen, die ihren \u00abNationalismus\u00bb durch den Versuch ausdr\u00fccken, das ukrainische Volk an den einen oder anderen Imperialismus zu verkaufen gegen das Versprechen einer fiktiven Unabh\u00e4ngigkeit. Auf dieser tragischen Verwirrung begr\u00fcndet Hitler seine Politik in der ukrainischen Frage. Seinerzeit sagten wir: ohne Stalin (d.h. ohne die verh\u00e4ngnisvolle Politik der Komintern in Deutschland) w\u00fcrde es keinen Hitler gegeben haben. Dem k\u00f6nnen wir jetzt hinzuf\u00fcgen: ohne die Vergewaltigung der Sowjetukraine durch die stalinistische B\u00fcrokratie w\u00fcrde es keine Hitlersche ukrainische Politik geben.<\/p>\n<p>Wir wollen hier nicht bei einer Analyse der Motive verweilen, die Hitler dazu bewegten, die Losung einer Gro\u00df-Ukraine, vorl\u00e4ufig wenigstens, aufzugeben. Diese Motive m\u00fcsste man suchen in den betr\u00fcgerischen Kombinationen des deutschen Imperialismus einerseits und andererseits in der Furcht, einen b\u00f6sen Geist heraufzubeschw\u00f6ren, den man nur schwer wieder los werden k\u00f6nnte. Hitler brachte den ungarischen Schl\u00e4chtern die Karpato-Ukraine als Geschenk dar. Dies geschah, wenn nicht mit Moskaus offener Billigung, so doch jedenfalls im Vertrauen auf eine nachtr\u00e4gliche Billigung. Es war als ob Hitler zu Stalin gesagt h\u00e4tte: \u00abSollte ich mich darauf vorbereiten, die Sowjetukraine morgen anzugreifen, dann w\u00fcrde ich doch die Karpato-Ukraine in den H\u00e4nden behalten haben\u00bb. Als Antwort darauf \u00fcbernahm Stalin auf dem 18. Parteikongress \u00f6ffentlich die Verteidigung Hitlers gegen die Verleumdungen der \u00abwestlichen Demokratien\u00bb. Hitler beabsichtigt die Ukraine anzugreifen? Kein Denken daran! Mit Hitler k\u00e4mpfen? Nicht der geringste Grund daf\u00fcr. Stalin interpretiert offensichtlich die \u00dcbergabe der Karpato-Ukraine an Ungarn als einen Akt des Friedens.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr eine freie, unabh\u00e4ngige Sowjetukraine!<\/strong><\/p>\n<p>Das bedeutet, dass Teile des ukrainischen Volkes f\u00fcr den Kreml zu blo\u00dfem Wechselgeld in seinen internationalen Kalkulationen werden. Die Vierte Internationale muss die gewaltige Bedeutung der ukrainischen Frage im Schicksal nicht nur S\u00fcdost- und Osteuropas, sondern ganz Europas voll und ganz begreifen. Wir stehen ganz auf Selten eines Volkes, das seine Lebensf\u00e4higkeit bewies, das numerisch der Bev\u00f6lkerung Frankreichs gleichkommt und ein au\u00dfergew\u00f6hnlich reiches Territorium besitzt, ein Territorium, das zudem von der h\u00f6chsten strategischen Bedeutung ist. Die Frage des Schicksals der Ukraine stellt sich in ihrem ganzen Umfang. Wir brauchen eine klare und bestimmte Losung, die der neuen Situation entspricht. Meiner Meinung nach kann es heute gar keine andere Losung geben als diese: <em>Eine einige freie und unabh\u00e4ngige Arbeiter-und-Bauern-Sowjetukraine.<\/em><\/p>\n<p>Dieses Programm steht in erster Linie in unvers\u00f6hnlichem Widerspruch mit den Interessen der drei imperialistischen M\u00e4chte, Polen, Rum\u00e4nien und Ungarn. Nur hoffnungslose pazifistische Kohlk\u00f6pfe k\u00f6nnen meinen, die Befreiung und Einigung der Ukraine k\u00f6nne durch friedliche diplomatische Mittel, durch Referendums, durch Beschl\u00fcsse des V\u00f6lkerbunds etc. vollbracht werden. Ihnen keineswegs \u00fcberlegen sind nat\u00fcrlich jene \u00abNationalisten\u00bb, die vorschlagen, die ukrainische Frage dadurch zu l\u00f6sen, dass man bei dem einen Imperialisten gegen den anderen in Dienst tritt. Hitler gab diesen Abenteurern eine unsch\u00e4tzbare Lehre, indem er (f\u00fcr wie lange?) die Karpato-Ukraine den Ungarn zuwarf, die auf der Stelle nicht wenige gutgl\u00e4ubige Ukrainer hinmordeten. Insofern die Sache von der milit\u00e4rischen Kraft der imperialistischen Staaten abh\u00e4ngt, kann der Sieg der einen Gruppierung \u00fcber die andere nichts anderes bedeuten als eine Zergliederung und eine noch brutalere Unterjochung des ukrainischen Volkes. Das Programm der Unabh\u00e4ngigkeit der Ukraine ist in der imperialistischen Epoche direkt und unl\u00f6slich verbunden mit dem Programm der proletarischen Revolution. Es w\u00e4re verbrecherisch, in dieser Hinsicht irgendwelche Illusionen zu hegen.<\/p>\n<p><strong>Die Sowjetverfassung gew\u00e4hrt das Selbstbestimmungsrecht.<\/strong><\/p>\n<p>Aber die Unabh\u00e4ngigkeit einer Vereinigten Ukraine w\u00fcrde die Lostrennung der Sowjetukraine von der UdSSR bedeuten, werden die \u00abFreunde\u00bb des Kreml im Chore ausrufen. Was ist daran so furchtbar? antworten wir. Verherrlichung der Staatsgrenzen ist uns fremd. Wir teilen nicht die Position eines \u00abgeeinten und unteilbaren\u00bb Ganzen. Au\u00dferdem gew\u00e4hrt sogar die Verfassung der UdSSR den V\u00f6lkern, die einen Teil der F\u00f6deration bilden, das Selbstbestimmungsrecht, das hei\u00dft das Recht auf Lostrennung. Selbst die allm\u00e4chtige Kremloligarchie wagt also nicht einmal, dieses Prinzip zu leugnen. Gewiss bleibt es nur auf dem Papier. Der geringste Versuch, die Frage einer unabh\u00e4ngigen Ukraine offen zu stellen, w\u00fcrde sofortige Hinrichtung wegen Hochverrat bedeuten. Aber gerade diese sch\u00e4ndliche Zweideutigkeit, gerade diese Hetzjagd auf jeden freien nationalen Gedanken brachte die ukrainischen Massen dazu, die Kremlherrschaft in noch gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfe als die gro\u00dfrussischen Massen als eine ungeheure Unterdr\u00fcckung zu betrachten. Angesichts dieser inneren Situation kann man nat\u00fcrlich unm\u00f6glich daran denken, dass sich die Westukraine der UdSSR, so wie sie heute besteht, freiwillig anschlie\u00dfen wird. Folglich hat die Einigung der Ukraine die Befreiung der sogenannten Sowjetukraine vom stalinistischen Stiefel zur Voraussetzung. Auch in dieser Hinsicht wird die bonapartistische Clique ernten, was sie ges\u00e4t hat.<\/p>\n<p>Aber w\u00fcrde das nicht eine milit\u00e4rische Schw\u00e4chung der UdSSR bedeuten? werden die \u00abFreunde\u00bb des Kreml entsetzt ausrufen Wir erwidern: die Ursache der Schw\u00e4chung der UdSSR liegt in den stets wachsenden Zentrifugaltendenzen, die die bonapartistische Diktatur erzeugte. Im Falle eines Krieges kann der Hass der Massen gegen\u00fcber der herrschenden Clique zum Zusammenbruch aller sozialen Errungenschaften des Oktober f\u00fchren. Die Quelle der def\u00e4tistischen Stimmungen liegt im Kreml. Eine unabh\u00e4ngige Sowjetukraine andererseits w\u00fcrde, allein schon auf Grund ihrer eigenen Interessen, ein m\u00e4chtiges Bollwerk f\u00fcr die UdSSR im S\u00fcdwesten bedeuten. Je eher die heutige bonapartistische Kaste geschw\u00e4cht, gest\u00fcrzt, vernichtet und hinweggefegt wird, desto st\u00e4rker wird die Verteidigung der Sowjetrepublik werden und desto sicherer ihre sozialistische Zukunft sein. Gegen Imperialismus und Moskauer Bonapartismus. Nat\u00fcrlich m\u00fcsste eine unabh\u00e4ngige Arbeiter- und Bauern-Ukraine sich in der Folge bei der Sowjet-F\u00f6deration anschlie\u00dfen; aber freiwillig und unter Bedingungen, die sie selbst als annehmbar betrachtet und die nat\u00fcrlich eine revolution\u00e4re Erneuerung der UdSSR voraussetzen. Die wirkliche Befreiung des ukrainischen Volkes ist undenkbar ohne eine Revolution oder eine Reihe von Revolutionen im Westen die schlie\u00dflich zur Schaffung der Vereinigten Sowjetstaaten von Europa f\u00fchren m\u00fcssten. Eine unabh\u00e4ngige Ukraine w\u00fcrde sich dieser F\u00f6deration als gleichberechtigtes Mitglied anschlie\u00dfen k\u00f6nnen und unzweifelhaft anschlie\u00dfen wollen. Die proletarische Revolution ihrerseits w\u00fcrde von dem emp\u00f6renden Geb\u00e4ude des stalinistischen Bonapartismus keinen Stein auf dem anderen lassen. In diesen Falle w\u00fcrde da engste B\u00fcndnis zwischen den Vereinigten Sowjetstaaten von Europa und der erneuerten UdSSR unvermeidlich und f\u00fcr den europ\u00e4ischen und asiatischen Kontinent. einschlie\u00dflich nat\u00fcrlich der Ukraine, unendlich vorteilhaft sein. Aber hier geht es schon um Frage zweiter oder dritter Ordnung Die Hauptfrage ist die revolution\u00e4re Garantie der Einheit und Unabh\u00e4ngigkeit einer Arbeiter- und Bauern-Ukraine im Kampf.<\/p>\n<p>Die Ukraine ist besonders reich an Erfahrung mit falschen Wegen des Kampfes f\u00fcr nationale Befreiung. Dort wurde alles versucht: die kleinb\u00fcrgerliche Rada, Skoropadski, Petljura, \u00abB\u00fcndnis\u00bb mit den Hohenzollern und Kombinationen mit der Entente. Nach all diesen Erfahrungen k\u00f6nnen nur politische Leichname weiterhin ihre Hoffnung auf Fraktionen der ukrainischen Bourgeoisie als den F\u00fchrer des nationalen Befreiungskampfes setzen. Das ukrainische Proletariat allein ist f\u00e4hig, nicht nur die Aufgabe zu l\u00f6sen, die wesentlich revolution\u00e4r ist, sondern auch die Initiative f\u00fcr ihre L\u00f6sung zu ergreifen. Das Proletariat und nur das Proletariat kann die Bauernmassen und die wirklich revolution\u00e4re nationale Intelligenz um sich vereinigen.<\/p>\n<p>Zu Beginn des letzten imperialistischen Krieges versuchten die Ukrainer Meienewski (\u00abBasok\u00bb) und Skoropis-Yeltuchowoski die ukrainische Freiheitsbewegung dem Schulze des Hohenzollerngenerals Ludendorff zu unterstellen. Dabei deckten sie sich mit linken Phrasen. Mit einem Fu\u00dftritt warfen die revolution\u00e4ren Marxisten diese Leute hinaus. So m\u00fcssen die Revolution\u00e4re weiter handeln, um die Zukunft f\u00fcr sich zu haben. Der drohende Krieg wird eine g\u00fcnstige Atmosph\u00e4re schaffen f\u00fcr Abenteurer. Wunderj\u00e4ger und Sucher des goldenen Vlieses aller Art. Diese Herren, die sich besonders gerne in der Nachbarschaft der nationalen Frage die H\u00e4nde w\u00e4rmen, d\u00fcrfen in den Schlachtreihen der Arbeiterbewegung nicht geduldet werden. Nicht das geringste Kompromiss mit dem Imperialismus, weder dem faschistischen noch demokratischen! Nicht die geringste Konzession an die ukrainischen Nationalisten, weder die klerikal-reaktion\u00e4ren noch die liberal-pazifistischen! Keine \u00abVolksfronten\u00bb! Vollst\u00e4ndige Unabh\u00e4ngigkeit der proletarischen Partei als der Avantgarde der Arbeiter.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr eine internationale Diskussion.<\/strong><\/p>\n<p>Dies scheint mir die richtige Politik in der ukrainischen Frage zu sein. Ich spreche hier pers\u00f6nlich und in meinem eigenen Namen. Eine internationale Diskussion \u00fcber diese Frage m\u00fcsste er\u00f6ffnet werden. Der erste Platz in dieser Diskussion muss den ukrainischen revolution\u00e4ren Marxisten geh\u00f6ren. Wir werden mit gr\u00f6\u00dfter Aufmerksamkeit auf ihre Stimme h\u00f6ren. Aber es w\u00e4re gut, wenn sie sich eeilen w\u00fcrden. Es bleibt uns nur wenig Zeit zur Vorbereitung!<\/p>\n<p>Den 22. April 1939<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.sites.google.com\/site\/sozialistischeklassiker2punkt0\/trotzki\/1939\/leo-trotzki-das-ukrainische-problem\"><em>sozialistischeklassiker&#8230;<\/em><\/a><em> vom 30. September 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ukrainische Frage, die viele Regierungen, viele \u00abSozialisten\u00bb und sogar \u00abKommunisten\u00bb zu vergessen oder in die tiefsten Schubf\u00e4cher der Geschichte zu vergraben suchten, wurde wieder einmal auf die Tagesordnung gesetzt, und diesmal mit verdoppelter Kraft. &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":11810,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6],"tags":[25,39,18,12,119,22,20,83,4,21,19],"class_list":["post-11809","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","tag-arbeiterbewegung","tag-deutschland","tag-imperialismus","tag-lenin","tag-polen","tag-politische-oekonomie","tag-sowjetunion","tag-stalinismus","tag-strategie","tag-trotzki","tag-ukraine"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11809","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11809"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11809\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11811,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11809\/revisions\/11811"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/11810"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11809"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11809"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11809"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}