{"id":11846,"date":"2022-10-06T10:31:12","date_gmt":"2022-10-06T08:31:12","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11846"},"modified":"2022-10-06T10:31:13","modified_gmt":"2022-10-06T08:31:13","slug":"deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11846","title":{"rendered":"Deutsche Verdr\u00e4ngungen: Der Umgang mit Russland und Israel"},"content":{"rendered":"<p><em>Georg Auernheimer.<\/em><strong> Was in Deutschland nicht opportun ist: Kritik an Israel, Proteste von Pal\u00e4stinensern, Proteste von russischsprachigen B\u00fcrgern, Kritik am ukrainischen Pr\u00e4sidenten oder an Waffenlieferungen f\u00fcr die Ukraine. Sollte das nur in geopolitischen Interessen begr\u00fcndet sein? Oder gibt es daf\u00fcr noch andere Motive? <\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Am 3. April 2022 protestierten B\u00fcrger aus der russischsprachigen Community in Berlin mit einem Auto-Corso. Der Protest war initiiert von einem Gesch\u00e4ftsmann, und es ging um Diskriminierung und Ausgrenzung, der sich die russischsprachigen Einwohner nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ausgesetzt sahen. Die Demonstration l\u00f6ste einen Shitstorm aus und die Medien schrieben vom \u201eCorso der Schande\u201c . Bis heute wehen in Berlin und anderswo ukrainische Fahnen von manchen Fenstern und Balkonen oder an Fahnenmasten. Auftritte der russischen S\u00e4ngerin Anna Netrebko wurden in mehreren St\u00e4dten abgesagt, weil sie den Angriff auf die Ukraine nicht klar genug verurteilte. So erging es allen russischen K\u00fcnstlern, die sich nicht deutlich von ihrer Regierung distanzierten. Wo sie auftraten, kam es oft zu schrillen Protesten. Damit klar ist, was in Deutschland nicht geht, verbot die Berliner Senatsverwaltung Mitte Mai auch alle Demonstrationen und Kundgebungen, mit denen Pal\u00e4stinenser an Al Nakba, die Flucht und Vertreibung durch zionistische Milizen im Jahr 1948, erinnern.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote1sym\"><sup>1<\/sup><\/a> Sogar die von der \u201eJ\u00fcdischen Stimme f\u00fcr einen gerechten Frieden in Nahost e.V.\u201c geplante Mahnwache aus Anlass der Ermordung der pal\u00e4stinensischen Journalistin Schirin Abu Aqla verbot die Verwaltung.<\/p>\n<p>Die Ereignisse haben scheinbar nichts gemeinsam. Aber eine Gemeinsamkeit l\u00e4sst sich ausmachen: Die Reaktionen von deutscher Seite sind emotional hoch besetzt, die Verwaltungsentscheidungen unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig und schwer verst\u00e4ndlich. In einigen F\u00e4llen bildet eine Verbundenheit mit der Ukraine den Hintergrund, in den anderen das besondere Verh\u00e4ltnis zu Israel.<\/p>\n<p>Die Deutschen und die Bundesrepublik, haben erkl\u00e4rterma\u00dfen ein besonderes Verh\u00e4ltnis zu Israel. Aber auch die Beziehung zu Russland ist historisch belastet. Die Konsequenzen f\u00fcr die heutige Politik sind sehr unterschiedlich. Beide Beziehungen sind aufgrund der Geschichte gest\u00f6rt, wie ich behaupten m\u00f6chte, oder in h\u00f6chstem Ma\u00df st\u00f6ranf\u00e4llig. Und das gilt auch f\u00fcr die Beziehung zu den Pal\u00e4stinensern, die dem Staat Israel weichen mussten, bis heute keinen eigenen Staat haben und zum Teil in dem Freiluftgef\u00e4ngnis namens Gaza dahinvegetieren. Irritierend und erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftig erscheint umgekehrt das Ausma\u00df, in dem man hierzulande der Ukraine Beistand leistet. Und auch das Feindbild teilt man mit ihr. Niemanden st\u00f6ren die nationalistischen, oft hasserf\u00fcllten Tiraden des Pr\u00e4sidenten. Die Eigenart der Beziehungen l\u00e4sst sich in allen vier F\u00e4llen nicht allein durch die geopolitische Interessenlage erkl\u00e4ren, so meine Hypothese.<\/p>\n<p>Diese Interessenlage im Kampf des transatlantischen Blocks unter F\u00fchrung der milit\u00e4rischen Supermacht USA gegen die wirtschaftlich erstarkende Volksrepublik China in der Allianz mit Russland soll damit nicht untersch\u00e4tzt werden. Auch das Interesse am Nahen Osten geh\u00f6rt zur geopolitischen Konstellation. Aber der historische Schuldkomplex, den ich annehme, kann den geopolitischen Interessen dienlich sein. Und er wird daf\u00fcr benutzt.<\/p>\n<p><strong>Der Nahostkonflikt im deutschen (Unter)Bewusstsein<\/strong><\/p>\n<p>Zwei Ereignisse aus der j\u00fcngsten Zeit beleuchten die Beziehung zu Israel und den Pal\u00e4stinensern: die Reaktion auf den Besuch des Chefs der pal\u00e4stinensischen Autonomiebeh\u00f6rde Mahmud Abbas im August 2022 und die Aufregung \u00fcber die documenta 15. Am Schluss der Pressekonferenz mit Abbas und Kanzler Scholz kam es zu einem Eklat. Auf die Frage aus dem Kreis der Journalisten, ob die Autonomiebeh\u00f6rde sich aus Anlass des 50. Jahrestags des Attentats auf die israelische Olympiamannschaft entschuldigen werde, lie\u00df sich Abbas zu der \u00c4u\u00dferung hinrei\u00dfen: \u201eSeit 1947 bis zum heutigen Tag hat Israel 50 Massaker in 50 pal\u00e4stinensischen D\u00f6rfern und St\u00e4dten begangen, 50 Massaker, 50 Holocausts.\u201c Die Emp\u00f6rung \u00fcber den schiefen Vergleich war riesig und einhellig. Der Regierungssprecher bezeichnete die Relativierung des Holocaust als \u201ev\u00f6llig unakzeptabel\u201c und nahm die Verantwortung daf\u00fcr auf sich, dass der Kanzler sich nicht mehr dazu ge\u00e4u\u00dfert hatte. Der Oppositionsf\u00fchrer Friedrich Merz sagte, der Kanzler h\u00e4tte Abbas \u201ebitten m\u00fcssen, das Haus zu verlassen\u201c.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote2sym\"><sup>2<\/sup><\/a> Gefordert wurde gar der Abbruch der Beziehungen. Soweit solle es nicht kommen, entgegnete der Regierungssprecher. Verst\u00e4ndlicherweise. Schlie\u00dflich ist Abbas, ein seit langem nicht mehr durch Wahlen legitimierter Pr\u00e4sident, eine von den Westm\u00e4chten gest\u00fctzte Figur, von der man sich ein Einfrieren des Konflikts mit Israel verspricht.<\/p>\n<p>Trotz der Absurdit\u00e4t des v\u00f6llig schiefen Holocaust-Vergleichs befremdet die Reaktion der Regierung und der Medien. Der <em>Spiegel<\/em> vermisste gar \u201eProtestschreie der anwesenden Journalisten\u201c. Interessant ist wie immer bei Kommunikationsst\u00f6rungen die Frage, wie Scholz h\u00e4tte reagieren k\u00f6nnen. Wenn man von der N\u00f6tigung zu diplomatischem Umgang ausgeht, dann h\u00e4tte er das gro\u00dfe Leid der Pal\u00e4stinenser zugestehen und zugleich die Gleichsetzung mit der Shoa zur\u00fcckweisen m\u00fcssen. Damit wird klar, warum Scholz in Verlegenheit war und nicht reagiert hat. Denn er h\u00e4tte damit ein Tabu brechen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Einige Monate vor der Pressekonferenz von Scholz und Abbas schrieb die Journalistin Nemi El Hassan \u2013 ihr Vertrag mit dem <em>WDR<\/em> war zuvor gek\u00fcndigt worden wegen der Teilnahme an einer Jahre zur\u00fcckliegenden Demo, auf der angeblich antisemitische Parolen gerufen worden waren \u2013 ihre Eltern h\u00e4tten ihr immer eingebl\u00e4ut, \u201ezu schweigen, wann immer es um Nahost geht. Weil sie offenbar wussten, was wir nicht wahrhaben wollten: dass allein unsere blo\u00dfe Existenz in diesem Land eine Provokation darstellt und unsere Solidarit\u00e4t mit den pal\u00e4stinensischen Menschen in Nahost unerw\u00fcnscht ist\u201c.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote3sym\"><sup>3<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Aussagen von Pal\u00e4stinenserinnen und Pal\u00e4stinensern in Deutschland und der Schweiz, die Sarah El Bulbeisi befragt hat, best\u00e4tigen, dass Eltern ihre Kinder gar nicht mit der pal\u00e4stinensischen Herkunft belasten wollen. \u201eDie meisten Gespr\u00e4chspartner haben mit ihren Kindern kein Arabisch gesprochen.\u201c<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote4sym\"><sup>4<\/sup><\/a> Die Situation der Befragten im Aufnahmeland interpretiert die Autorin so: \u201eNicht nur die Gewalt an ihnen durfte es nicht geben, auch sie selbst als Pal\u00e4stinenserInnen nicht: Man befand sich immer schon im Raum eines wilden Au\u00dfen.\u201c<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote5sym\"><sup>5<\/sup><\/a> Und an anderer Stelle hei\u00dft es mit Bezug auf ihre Umwelt: \u201eSolange Pal\u00e4stinenserInnen unsichtbar sind, kann man Israel als etwas mythisch Zeitloses imaginieren und damit die Hintergr\u00fcnde seiner Entstehungsgeschichte in der europ\u00e4ischen Geschichte verdr\u00e4ngen\u201c.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote6sym\"><sup>6<\/sup><\/a> Die Pr\u00e4senz des pal\u00e4stinensischen Anderen, so die Annahme der Autorin, gef\u00e4hrde das europ\u00e4ische Selbstbild, weshalb dessen Sichtbarkeit \u201epeinlich ber\u00fchrt\u201c oder sogar \u201ebedrohlich wirkt\u201c.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote7sym\"><sup>7<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Bei ihrer Analyse l\u00e4sst sich El Bulbeisi vom psychoanalytischen Erkl\u00e4rungsmodell der Projektion leiten. Dieses geht davon aus, dass eine mit Schuld oder Scham besetzte Handlung, die das Selbstbild beeintr\u00e4chtigt, auf andere projiziert wird, um sich zu entlasten. Wenn wir den Umgang mit Pal\u00e4stinensern oder mit der Pal\u00e4stinenserfrage betrachten, wirkt das sehr plausibel.<\/p>\n<p>Auf politischer Ebene ist die radikale Haltung gegen\u00fcber der BDS-Kampagne aufschlussreich. Zur Erinnerung: 2005 haben 171 zivilgesellschaftliche pal\u00e4stinensische Organisationen die Kampagne \u201eBoykott, Divestment and Sanctions\u201c initiiert. Sie riefen zum Boykott von Waren aus Israel, zur Beendigung von Investitionen in Israel und zu wirtschaftlichen Sanktionen auf. Das ist angesichts der geopolitischen Machtverh\u00e4ltnisse ein relativ hilfloser Akt der Verzweiflung. Dennoch verabschiedete der Bundestag im Mai 2019 mit \u00fcberw\u00e4ltigender Mehrheit einen Beschluss mit dem Titel \u201eDer BDS-Bewegung entschlossen entgegentreten \u2013 Antisemitismus bek\u00e4mpfen\u201c (BT-Drucksache 19\/10191). Vorausgegangen war 2017 die \u00dcbernahme der umstrittenen Antisemitismus-Definition der Internationalen Allianz f\u00fcr Holocaust-Gedenken (IHRA) durch den Bundestag. Sie setzt Kritik an Israel mit Antisemitismus gleich. Wegen Unterst\u00fctzung der BDS-Kampagne zog im September 2019 die Jury den Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund zur\u00fcck, den die britische Schriftstellerin Kamila Shamsie erhalten sollte. Im Oktober 2019 zog sich die Stadt Aachen von der Vergabe des Aachener Kunstpreises an den Konzeptk\u00fcnster Walid Raad wegen vermeintlicher N\u00e4he zur BDS-Bewegung zur\u00fcck. Dabei ist anzumerken, dass der Beschluss des Bundestags f\u00fcr staatliche Organe und Kommunen nicht rechtsverbindlich ist.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote8sym\"><sup>8<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Ihren H\u00f6hepunkt erreichte die Exkommunikation von K\u00fcnstlern wegen des Vorwurfs des Antisemitismus im Sommer 2022 bei der documenta 15. Die gr\u00f6\u00dfte Aufregung konzentrierte sich auf das gro\u00dfformatige Banner des indonesischen K\u00fcnstlerkollekivs Taring Padi.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote9sym\"><sup>9<\/sup><\/a> Auf einer Art Wimmelbild waren Figuren zu entdecken, die wegen der Symbole und der karikaturhaften Darstellung als antisemitisch gedeutet werden konnten. Das Bild war zwanzig Jahre vorher in einem au\u00dfereurop\u00e4ischen politischen Kontext entstanden, worauf Sozialwissenschaftler hinwiesen. Die K\u00fcnstlergruppe selbst erkl\u00e4rte, dass es sich bei der Installation \u201ePeople\u2019s Justice\u201c um den Teil einer Kampagne gegen Unterdr\u00fcckung und Gewalt handle, die man w\u00e4hrend der 32-j\u00e4hrigen Milit\u00e4rdiktatur Suhartos erlebt habe. Mehrere Wissenschaftler, unter anderem der Politologe Werner Ruf und der Indonesist Ingo Wandelt, haben dar\u00fcber aufgekl\u00e4rt, dass der israelische Geheimdienst Mossad dem repressiven Regime Suharto dienstbar war, was Aspekte der inkriminierten Darstellung erkl\u00e4ren d\u00fcrfte.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote10sym\"><sup>10<\/sup><\/a> Aber das half alles nichts. Der Kanzler und die Kulturstaatsministerin Claudia Roth versicherten, wie erschrocken, emp\u00f6rt, fassungslos sie seien, die Medienmacher und Journalisten dergleichen. Man \u00fcberbot sich in \u00c4u\u00dferungen der Emp\u00f6rung. Von vielen Seiten wurde der R\u00fccktritt der Verantwortlichen gefordert, ja sogar die Schlie\u00dfung der Ausstellung. Dass das beanstandete Bild verh\u00e4ngt wurde, stellte viele nicht zufrieden. Auch bei anderen Ausstellungsobjekten wurden Ma\u00dfnahmen gefordert, die an religi\u00f6ses Bilderverbot erinnern. Die Reaktionen hatten etwas von Hysterie.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote11sym\"><sup>11<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Das Verh\u00e4ltnis zu Israel hat pathologische Z\u00fcge. Verr\u00e4terisch ist die \u201eRitualsprache\u201c. So nennt die Journalistin Charlotte Wiedemann die Sprache, die die \u00f6ffentlichen Verlautbarungen beherrscht. Insgesamt sieht sie die Haltung der Gesellschaft \u201ein Formelhaftigkeit erstickt\u201c.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote12sym\"><sup>12<\/sup><\/a> Moshe Zuckermann meint: \u201eWer als Deutscher Israelkritik zwangsl\u00e4ufig f\u00fcr antisemitisch erachtet, ist kollektiv-narzistisch gekr\u00e4nkt.\u201c<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote13sym\"><sup>13<\/sup><\/a> Man kann das wohl so \u00fcbersetzen: Wer ohne Pr\u00fcfung der Realit\u00e4ten im Nahost-Konflikt urteilt, bei dem muss man annehmen, dass er die Kritik als Kr\u00e4nkung des positiven Selbstbilds als Deutscher empfindet. Es gibt viele Tabus. Auch rechtsstaatliche Prinzipien wie die Meinungsfreiheit (Art. 5 GG) gelten beim Thema Israel teilweise nicht mehr. Zwischen 2009 und 2020 wurden \u00fcber einhundert Veranstaltungen in zig St\u00e4dten behindert oder verhindert, teilweise verboten,<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote14sym\"><sup>14<\/sup><\/a> darunter auch Veranstaltungen von j\u00fcdischen Organisationen. Viele Verbote hatten vor Gericht nicht Bestand. Verr\u00fcckt ist, dass sich auch j\u00fcdische Organisationen wie die \u201eJ\u00fcdische Stimme f\u00fcr gerechten Frieden in Nahost\u201c oder Israelkritiker j\u00fcdischer Herkunft wie Moshe Zuckermann in Deutschland dem Vorwurf des Antisemitismus ausgesetzt sehen. Im Oktober 2020 entzog die Kunsthochschule Wei\u00dfensee in Berlin dem Projekt \u201eSchool for UnlearningZionism\u201c die Unterst\u00fctzung, in dem sich j\u00fcdische Israelis mit dem hegemonialen Diskurs in ihrem Land auseinandersetzen wollten.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote15sym\"><sup>15<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Bisher haben weder die Gesellschaft noch die Regierungen die St\u00e4rke aufgebracht, das \u201ej\u00fcdische und das pal\u00e4stinensische Narrativ\u201c gleichzeitig zu ertragen, was Charlotte Wiedemann f\u00fcr n\u00f6tig hielte. Und statt sich mit Kritikern Israels auseinanderzusetzen, verdammt man sie.<\/p>\n<p>Dabei sieht sich die deutsche Gesellschaft als Vorbild in Sachen \u201eVergangenheitsbew\u00e4ltigung\u201c. Eine \u201eBew\u00e4ltigung\u201c kann es nicht geben, nur eine Bearbeitung. Ich gebe zu, dass die schwierig ist nach dem geplanten und b\u00fcrokratisch verwalteten industriellen Massenmord, der historisch beispiellos ist. Bis heute entlastet man sich mit sprachlichen Wendungen, die suggerieren, dass \u201edie Nazis\u201c das Verbrechen begangen haben. Aber damit wird die historische Wahrheit grob verzerrt. Neben der Wehrmacht waren Abertausende bei den Kommunalverwaltungen, in Unternehmen, bei der Polizei, bei der Bahn in das Verbrechen verstrickt. Ohne sie h\u00e4tte man die Juden nicht registrieren, die Transporte in die Vernichtungslager nicht durchf\u00fchren, das Gas nicht produzieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nach dem sogenannten \u201eZusammenbruch\u201c waren die Deutschen mit sich selbst und ihrer Lage besch\u00e4ftigt. Zur gleichen Zeit fanden fern in Pal\u00e4stina die K\u00e4mpfe zwischen Israelis und Arabern statt. Hunderttausende Pal\u00e4stinenser wurden vertrieben. Hanna Arendt, die Deutschland besuchte, fand es verst\u00f6rend, dass sich das Verh\u00e4ltnis der Deutschen zu dem, was geschehen war, meist in Selbstmitleid ersch\u00f6pfte. Adenauer, der erste Kanzler der neuen Bundesrepublik bem\u00fchte sich mit Unterst\u00fctzung der USA um Wiederaufnahme in die internationale Gemeinschaft, das hie\u00df, in die westliche \u201eWertegemeinschaft\u201c; denn der Kalte Krieg hatte begonnen. Nach Gespr\u00e4chen Adenauers mit dem israelischen Ministerpr\u00e4sidenten David Ben Gurion zahlte die BRD 1952 knapp 3,5 Milliarden DM zur \u201eWiedergutmachung\u201c an Israel und die Jewish Claim Conference. Bemerkenswert ist der \u201ePersilschein\u201c, den Adenauer den Deutschen im Jahr zuvor in einer Bundestagserkl\u00e4rung ausstellte. \u201eDas deutsche Volk\u201c habe die Verbrechen \u201ein seiner \u00fcberwiegenden Mehrheit \u201everabscheut\u201c und \u201esich nicht an ihnen beteiligt\u201c.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote16sym\"><sup>16<\/sup><\/a><\/p>\n<p>\u201eDer deutsche Bund mit Israel hat allerdings einen Geburtsfehler. Er war keineswegs Ausdruck einer gelungenen \u00dcberwindung des Antisemitismus. Der Staat, der ihn ins Werk setzte, war von Nazis und ihren Mitl\u00e4ufern auf allen Ebenen durchseucht \u2013 er stand mit dem Dritten Reich personell und oft genug mental in einer obsz\u00f6nen Kontinuit\u00e4t. Adenauers rechte Hand, Hans Globke, war bekanntlich Kommentator der N\u00fcrnberger Rassegesetze gewesen\u201c, so der Soziologe und Sinologe Heiner Roetz in der <em>Frankfurter Rundschau<\/em> vom 9.9.2022.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote17sym\"><sup>17<\/sup><\/a><\/p>\n<p>1967 erregte der Sechstagekrieg die Aufmerksamkeit der westdeutschen \u00d6ffentlichkeit. Aufschlussreich ist die kaum zu verhehlende Identifikation mit dem siegreichen Helden Moshe Dayan. Boulevardmedien bezeichneten ihn als neuen Rommel.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote18sym\"><sup>18<\/sup><\/a> Ulrike Meinhof schrieb im Juni 1967: \u201e<em>Bild<\/em> gewann in Sinai endlich, nach 25 Jahren, doch noch die Schlacht von Stalingrad [\u2026] nicht die Einsicht in die eigenen Verbrechen, sondern der israelische Blitzkrieg f\u00fchrte zu fragw\u00fcrdiger Vers\u00f6hnung.\u201c <a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote19sym\"><sup>19<\/sup><\/a><\/p>\n<p>1985 gelang dem damaligen Bundespr\u00e4sidenten Richard von Weizs\u00e4cker eine geniale Diskursstrategie. Er bezeichnete den V\u00f6lkermord an den Juden als \u201ebeispiellos in der Geschichte\u201c und wandte sich gegen das \u201eVergessenwollen\u201c. Indem er zugleich eine Analogie herstellte zwischen der vierzigj\u00e4hrigen W\u00fcstenwanderung der Israeliten<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote20sym\"><sup>20<\/sup><\/a> und dem Verhaftetsein der Deutschen in ihrer Schuld setzte er \u201ezu einer Art metaphysischer Verschmelzung von \u201aDeutschen\u2018 und \u201aJuden\u2018 an\u201c.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote21sym\"><sup>21<\/sup><\/a> Aus der \u201evieldeutigen Analogisierung der beiden \u201aV\u00f6lkerschicksale\u2018\u201c wurde nach Cornelia Siebeck eine \u201eL\u00e4uterungserz\u00e4hlung zur ged\u00e4chtnispolitischen Staatsr\u00e4son\u201c.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote22sym\"><sup>22<\/sup><\/a><\/p>\n<p>So wird die vorbehaltlose Unterst\u00fctzung der israelischen Politik verst\u00e4ndlich. Die v\u00f6lkerrechtswidrige Besatzung, die wiederholten Bombardements in Gaza, das Apartheidsystem und \u00fcberhaupt die zahllosen Menschenrechtsverst\u00f6\u00dfe, aber auch die Angriffe auf Nachbarstaaten (Libanon, Syrien) und die Annexion der Golanh\u00f6hen \u2013 alles verfolgen wir Deutschen mit Nachsicht. Auch die fehlende Empathie f\u00fcr das Schicksal der Pal\u00e4stinenser wird verst\u00e4ndlich. Sobald sie sich auflehnen, gelten sie als Terroristen, weil sie uns an das von uns tolerierte Unrecht erinnern.<\/p>\n<p><strong>Der russische Aggressor und die Ukraine als sein Opfer und sein Verh\u00e4ngnis<\/strong><\/p>\n<p>Auf andere Weise gest\u00f6rt ist die Beziehung zu Russland vor dem Hintergrund der verbrecherischen Politik Nazi-Deutschlands. Der Vernichtungsfeldzug der deutschen Wehrmacht, um neuen Wirtschaftsraum f\u00fcr das deutsche Volk zu gewinnen, war verbunden mit einem kalkulierten Massenmord. Er wird erinnerungspolitisch gegen\u00fcber dem Holocaust vernachl\u00e4ssigt. Dabei handelt es sich auch um ein Verbrechen \u201evon unfassbarer Gr\u00f6\u00dfenordnung\u201c, schreibt unter anderem der Historiker Ulrich Herbert.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote23sym\"><sup>23<\/sup><\/a> Mindestens 27 Millionen Menschen verloren auf sowjetischer Seite ihr Leben, davon etwa die H\u00e4lfte Zivilisten. Die sowjetischen Kriegsgefangenen wurden oft dem Hungertod ausgeliefert. Russen und Ukrainer wurden zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich deportiert.<\/p>\n<p>Das Verh\u00e4ltnis zu Russland und den Russen erscheint ambivalent und im Verlauf der neueren Geschichte wechselhaft. Es oszillierte in einem Spannungsfeld zwischen Furcht und Faszination. Das zaristische Russland unterst\u00fctzte Preu\u00dfen im Kampf gegen Napoleon. Die Sympathie, die ihm das einbrachte, verscherzte es sich unter einem anderen Zaren, als russische Truppen 1849 die \u00f6sterreichischen Verb\u00e4nde bei der Niederschlagung der ungarischen Revolution unterst\u00fctzten. Best\u00e4tigung fand das negative Bild von Russland bei der brutalen Unterdr\u00fcckung des Aufstands in Polen. In Kongresspolen und in den litauisch-belarussischen Gouvernements hatte sich 1863 der Adel erhoben. Die Aufst\u00e4ndischen erlitten eine Niederlage. Eine Karikatur aus jenem Jahr, erschienen in der M\u00fcnchner Satirezeitschrift <em>Punsch<\/em>, zeigt die helle Emp\u00f6rung \u00fcber das zaristische Russland.<\/p>\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/bild.jpeg.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/bild.jpeg.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-11847\" width=\"798\" height=\"617\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/bild.jpeg.jpg 500w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/bild.jpeg-300x232.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 798px) 100vw, 798px\" \/><\/a><figcaption><em>Karikatur aus der Zeitschrift Punsch im Jahr 1963: \u201cDie einzige Volksvertretung, welche die Russen den Polen gew\u00e4hren wollen.\u201d<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/attachment\/karikatur\/\">Mehr Infos<\/a><\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<p>Massaker, wie sie der Karikaturist suggeriert, gab es nicht, wenn auch die Bestrafung der Aufst\u00e4ndischen \u00e4u\u00dferst hart war.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote24sym\"><sup>24<\/sup><\/a> Das Pikante an der Karikatur ist, dass Preu\u00dfen unter Bismarck damals mit einer preu\u00dfisch-russischen Konvention die zaristische Repression unterst\u00fctzte. Zwei M\u00e4chte sicherten also bestehende territoriale Verh\u00e4ltnisse in ihrem Interesse. Das wurde durch die Anprangerung des russischen Regimes verdeckt, wie schon beim ungarischen Unabh\u00e4ngigkeitskampf ausgeblendet worden war, dass die \u00d6sterreichisch-Ungarische Monarchie ihre Interessen bedroht sah.<\/p>\n<p>Der Hinweis auf die repressive Zarenherrschaft erleichterte es 1914 der SPD-F\u00fchrung, bei der Mitgliedschaft eine breite Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Kriegskredite zu gewinnen. \u2013 Neun Jahre zuvor war die erste Revolution in Russland blutig niedergeschlagen worden. Es gab also eine revolution\u00e4re Stimmung in jenem Volk, aber das ging in der Wahrnehmung unter. Dass im folgenden Ersten Weltkrieg ein Feindbild verbreitet wurde wie in jedem Krieg, ist klar.<\/p>\n<p>Dagegen wurde 1922 der Vertrag von Rapallo zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion in Teilen der Gesellschaft positiv gesehen, weil es in beiden Staaten darum ging, die internationale Isolation zu \u00fcberwinden, so dass eine Konvergenz der Interessen entstand. Innerhalb der Arbeiterbewegung, jedenfalls in der KPD, gab es ohnehin gro\u00dfe Sympathien f\u00fcr Russland als der F\u00fchrungsmacht der Sowjetunion und der Komintern.<\/p>\n<p>Daneben war aber das schon im Kaiserreich verbreitete Negativklischee von den Slawen<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote25sym\"><sup>25<\/sup><\/a> unausrottbar. Dieses griffen die Nazis bei der Kriegsvorbereitung und im Krieg gegen die Sowjetunion auf, um moralische Skrupel beim Kujonieren und Morden auszutreiben. Russen und Slawen \u00fcberhaupt galten als Angeh\u00f6rige einer minderen Rasse. In Wochenschauen wurden Bilder von Russen gezeigt, zerlumpt, dreckig, mit dumpfem Ausdruck, die so dem Klischee der Propaganda entsprachen.<\/p>\n<p>Das eingetrichterte Bild von den Untermenschen r\u00e4chte sich 1945. Denn es weckte \u2013 vermutlich zusammen mit der Furcht vor Rache f\u00fcr die Gr\u00e4ueltaten der eigenen Seite \u2013 enorme Angstfantasien. Verst\u00e4rkt wurden diese noch durch die gezielte Verbreitung von Nachrichten \u00fcber Vergewaltigungen, die es unleugbar gab. Hier soll aber auf die propagandistische Nutzung der Berichte dar\u00fcber und deren Wirkung hingewiesen werden. Tragische Folgen zeitigte die panische Angst in der Kleinstadt Demmin in Mecklenburg, wo zahlreiche Frauen 1945 zum Schutz vor den Russen sich selbst und ihre Kinder umbrachten.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote26sym\"><sup>26<\/sup><\/a> Die Vorstellung von den Russen, die pl\u00fcndern und vergewaltigen, war lange Zeit bei den Angeh\u00f6rigen der Kriegsgeneration verbreitet. Dass die Sowjetarmee nicht nur aus Russen bestand, war, nebenbei gesagt, anscheinend kaum jemandem klar. Landser brachten oft nach der Gefangenschaft auch das positive Klischee vom gutm\u00fctigen Muschik mit. Aber auch das mit Primitivit\u00e4t konnotiert. Fasziniert war man in bestimmten Milieus von der russischen \u201eS\u00e4\u00e4le\u201c. Die Donkosaken feierten auf ihren Konzertreisen gro\u00dfe Erfolge. Aber sie galten zugleich als Zeugen der Unterdr\u00fcckung.<\/p>\n<p>Die irrationale Angst vor einer russischen Invasion wurde im Kalten Krieg absichtlich wachgehalten. Dass da quasi \u00fcber Nacht Panzer anrollen, schien niemand ganz ernst zu nehmen, aber f\u00fcr abwegig hielt man es nicht. Der bayerische Kabarettist Gerhard Polt griff das mehrfach auf und nahm seine Landsleute auf den Arm. Franz Josef Degenhardt packte es in dem Lied \u201eEs denken die Leute von gestern wieder an morgen\u201c (1982) in einen politischen Kontext.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote27sym\"><sup>27<\/sup><\/a> Teilweise war die Angst vor \u201edem Russen\u201c die stets gesch\u00fcrte Angst vor den kommunistischen Weltherrschaftspl\u00e4nen.<\/p>\n<p>In der DDR galt die Sowjetunion als \u201egro\u00dfer Bruder\u201c, und die Russen wurden als Freunde und Besch\u00fctzer gefeiert wie im Westen die USA. Kontakte zwischen der Bev\u00f6lkerung und den sowjetischen Einheiten waren aber auf offizielle Anl\u00e4sse beschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Eine positive F\u00e4rbung in Gesamtdeutschland erhielt das Bild von Russland und den Russen durch Michail Gorbatschow, ab 1985 Generalsekret\u00e4r der KPdSU. Er wurde teilweise sogar liebevoll Gorbi genannt. Das hat zum einen seine Entspannungspolitik gegen\u00fcber den Westm\u00e4chten bewirkt, insbesondere die Zustimmung zur Vereinigung der beiden deutschen Staaten. Auch Glasnost und Perestroika brachten ihm viel Sympathie ein. Zum anderen korrigierte sein Auftreten, h\u00e4ufig zusammen mit seiner Frau Raissa, die Klischeevorstellung von den Russen. Die Ausstrahlung von Politikern und Politikerinnen ist ja in heutigen Gesellschaften entscheidend f\u00fcr ihre Sympathiewerte.<\/p>\n<p>Boris Jelzin, der nach ihm Russland repr\u00e4sentierte, hatte keinerlei Ausstrahlung. Er genoss lediglich wegen seiner Gef\u00fcgigkeit die Sympathien der westlichen Regierungen. F\u00fcr die Bev\u00f6lkerung best\u00e4tigte er mit seiner Alkoholfestigkeit ein Klischee von russischer Lebensart. Wladimir Putin, sein Favorit f\u00fcr die Nachfolge im Pr\u00e4sidentenamt, konnte die Macht der Oligarchen eind\u00e4mmen, wovon bis heute sein innenpolitisches Prestige zehrt. Dass er auch den Einfluss ausl\u00e4ndischer Organisationen beschr\u00e4nken wollte, brachte ihm die ersten Sympathieverluste im Westen ein. Seine Bem\u00fchungen, Russland zugleich nach Westen zu \u00f6ffnen, die er 2001 in seiner Rede im Bundestag bekundete, wurden nicht honoriert. Die K\u00fcndigung von Abr\u00fcstungsvertr\u00e4gen seitens der USA und die NATO-Osterweiterung bedingten eine Festungsmentalit\u00e4t in Russland.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote28sym\"><sup>28<\/sup><\/a> Der hegemonial werdende nationalistische Diskurs best\u00e4tigte im Westen das Fremdbild, das den neuen Kalten Krieg legitimierte. Das Feindbild repr\u00e4sentierte allerdings zeitweise nicht mehr \u201eder Russe\u201c, sondern ab circa 2010 Putin.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote29sym\"><sup>29<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Bei einer Forsa-Umfrage von 2007 bekundeten 20 Prozent der Befragten, dass sie ein negatives Bild von Russland h\u00e4tten, zugleich hielt die Mehrheit die Mediendarstellung f\u00fcr von Vorurteilen gepr\u00e4gt.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote30sym\"><sup>30<\/sup><\/a> Bis zum Angriff auf die Ukraine blieb das negative Stereotyp noch auf den rein politischen Diskurs beschr\u00e4nkt und war leidenschaftslos. Das \u00e4nderte sich mit dem ersten Tag des unerwarteten Einmarsches, wobei die Emp\u00f6rung sicher auch deshalb so hohe Wellen schlug, weil die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber den achtj\u00e4hrigen Krieg gegen den Donbass in Unwissenheit gehalten worden war. Aber dass die Russen, soweit sie nicht den Angriff verurteilten, zunehmend als verabscheuungsw\u00fcrdige Menschenfeinde betrachtet werden,<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote31sym\"><sup>31<\/sup><\/a> l\u00e4sst sich ebenso wenig ausreichend mit der medialen Kampagne erkl\u00e4ren, wie die identifikatorische \u00dcbernahme der Opferrolle der Ukraine, nicht nur der Ukrainer.<\/p>\n<p>Politiker, die heute fordern, den Russen Visa f\u00fcr die Einreise in die EU zu verweigern, sto\u00dfen auf keinen Widerspruch, sie k\u00f6nnen ihre Umfragewerte sogar erh\u00f6hen. Das zeigt: Die Propaganda und die \u201eVolksmeinung\u201c bilden einen Resonanzraum. Nicht nur Putin ist zur Inkarnation des B\u00f6sen geworden. Wer hierzulande seine russische Herkunft nicht verleugnen kann oder Russe zu sein scheint, kann Leute gegen sich aufbringen, wie man h\u00f6rt. Gewerbetreibende k\u00f6nnen gesch\u00e4ftliche Schwierigkeiten bekommen. Margot K\u00e4\u00dfmann, ehemalige Landesbisch\u00f6fin der EKD, meinte in einem Interview, der Hass gegen alles Russische (\u201eRussenhass\u201c) mache ihr inzwischen Angst. Sie erw\u00e4hnte die Aufk\u00fcndigung von St\u00e4dte- und Universit\u00e4tspartnerschaften etc.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote32sym\"><sup>32<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Das Gegenbild bieten die Ukrainer. Das sind im \u00f6ffentlichen Bild Demokraten, Helden, clevere Verteidiger, Menschen, die man herzlich willkommen hei\u00dft, und zwar selbst in politischen Milieus, in denen man sonst die Festung Europa begr\u00fc\u00dft. Nachrichten, die Zweifel am Idealbild von der Ukraine aufkommen lassen k\u00f6nnten, werden \u00fcbergangen, soweit solche Nachrichten \u00fcberhaupt durchdringen.<\/p>\n<p>Die Psychoanalyse bietet als Ethnopsychoanalyse auch bei diesen beiden Fremdbildern m\u00f6gliche Erkl\u00e4rungen. Putin und die Russen k\u00f6nnten zum Objekt einer Schuldprojektion geworden sein. Denn der Vernichtungsfeldzug der deutschen Wehrmacht hat neben Belorussland vor allem die Ukraine getroffen. Dort herrschte Willk\u00fcrjustiz, wurden D\u00f6rfer gepl\u00fcndert und vernichtet, Massaker ver\u00fcbt, M\u00e4nner und Frauen deportiert. Verr\u00e4terisch ist die wiederholte \u00c4u\u00dferung, Putin wolle die Ukraine \u201evernichten\u201c, wof\u00fcr sich in der Realit\u00e4t kein Anhaltspunkt findet. Zugleich bietet sich die Identifikation mit dem heldenhaften Kampf der Ukrainer an. Die Frage ist, ob das Beharren auf einem Sieg \u00fcber Putin blo\u00df dem geopolitischen Kalk\u00fcl entspringt oder zumindest in Deutschland nicht auch aufgrund kollektiver Erinnerung befriedigt. Soll auch hier der Kampf um Stalingrad noch einmal ausgetragen werden?<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote33sym\"><sup>33<\/sup><\/a><\/p>\n<p><strong>Die Beziehung zu Israel und zu Russland \u2013 eine stark kontrastierende Verarbeitung der deutschen Geschichte<\/strong><\/p>\n<p>Am Schluss stehen wir vor Erkl\u00e4rungsschwierigkeiten, wenn wir uns den unterschiedlichen, ja gegens\u00e4tzlichen Umgang mit Israel und den Juden auf der einen und mit der Russl\u00e4ndischen F\u00f6deration und den Russen auf der anderen Seite vor Augen f\u00fchren. In beiden F\u00e4llen haben sich die Deutschen ungeheurer Verbrechen schuldig gemacht. Gegen\u00fcber Israel, dem Zufluchtsort und anerkannten Repr\u00e4sentanten der Opfer, ist die Schuldverstrickung gesellschaftlicher Konsens und staatliches Diktum. Die daraus erwachsende Verpflichtung ist zur Staatsr\u00e4son geworden. Vorw\u00fcrfe von Menschenrechtsorganisationen k\u00f6nnen das positive Bild von Israel nicht tr\u00fcben. Man hat volles Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Besatzungspolitik, f\u00fcr die Rechtlosigkeit der Menschen in Gaza usw. Die Opfer, die Pal\u00e4stinenser, sind kein Thema, werden zum Schweigen gebracht, wenn sie nicht als lebender Vorwurf unsichtbar gemacht werden k\u00f6nnen. Schlimmstenfalls werden sie zu Terroristen erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Ganz anders die Beziehung zu den Russen, der Titularnation der Russischen F\u00f6deration: Die historischen Belege f\u00fcr den Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjetunion mit mindestens 27 Millionen Toten, zur H\u00e4lfte Zivilisten, werden nicht bestritten. Aber nie gab es ein offizielles Schuldbekenntnis. Die Grundhaltung gegen\u00fcber der Sowjetunion und sp\u00e4ter gegen\u00fcber der Russl\u00e4ndischen F\u00f6deration blieb, von kurzen Sch\u00f6nwetterperioden unterbrochen, feindselig und misstrauisch, und zwar auch in Teilen der Gesellschaft. Mit dem negativen Stereotyp belegt wurden dabei die Russen. Mit Russlands Angriff gegen die Ukraine kippte das Negativbild sofort ins Feindbild um. Misstrauen schlug in Hass um. Dass die Vorgeschichte des Angriffs f\u00fcr den Durchschnittsdeutschen in Dunkel geh\u00fcllt ist, ist ein Erfolg der strategischen Kommunikation des Westens. Aber selbst unter aufgekl\u00e4rten Zeitgenossen gibt es nur wenige, die Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr haben, dass Russland aufgrund seiner historischen Erfahrungen die Politik der NATO-Staaten alarmierend finden musste. Anders als bei Israel gibt es kein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr einen Rechtsbruch. Man identifiziert sich nur mit den Opfern \u2013 ein absolutes Kontrastschema. Die Einsicht, dass sich die Ukrainer von extremen Nationalisten und von ihrer Regierung f\u00fcr geopolitische Interessen instrumentalisieren lie\u00dfen, w\u00fcrde dabei nur st\u00f6ren. Die helle Emp\u00f6rung \u00fcber die Russen und die Hilfe f\u00fcr die Ukrainer bis zur Selbstaufopferung \u2013 beides l\u00e4sst sich mit der t\u00e4glichen Propaganda allein nicht erkl\u00e4ren. Propaganda macht Deutungsangebote f\u00fcr das Weltgeschehen. Diese werden nur aufgenommen, wenn eine subjektive Pr\u00e4disposition, zum Beispiel durch Projektionenen und Feindbilder, sie f\u00fcr die Menschen attraktiv macht. Soweit \u00e4hnelt die Wirksamkeit von Propaganda der von Ideologien.<\/p>\n<p><strong>Endnoten<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote1anc\">1<\/a> Der Rechtswissenschaftler Ralf Michels, Direktor am Max-Planck-Institut, sah das Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit verletzt ( <a href=\"https:\/\/verfassungsblog.de\/versammlungsfreiheit-gilt-auch-fur-palastinenser\/\">https:\/\/verfassungsblog.de\/versammlungsfreiheit-gilt-auch-fur-palastinenser\/<\/a> Zugriff am 17.05.22).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote2anc\">2<\/a> Der Gro\u00dfvater von Friedrich Merz, Josef P. Sauvigny, hat als Kommunalpolitiker und NSDAP-Mitglied die Rassenpolitik der Nazis mitgetragen. Damit soll F. Merz nicht in Sippenhaft genommen werden. Aber seine lautstarke Forderung ist vor dem famili\u00e4ren Hintergrund interessant. So \u00e4hnlich d\u00fcrfte sich das bei vielen Deutschen \u201eaus gutem Hause\u201c verhalten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote3anc\">3<\/a> Nemi El Hassan: \u201eIch bin Pal\u00e4stinenserin \u2013 deal with it!\u201c in: Berliner Zeitung am 02.11.21<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote4anc\">4<\/a> Sarah El Bulbeisi (2020): Tabu, Trauma und Identit\u00e4t. Subjektkonstruktionen von Pal\u00e4stinenserInnen in Deutschland und der Schweiz, 1960 \u2013 2015. Bielefeld, S.199<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote5anc\">5<\/a> a. a. O., S. 174<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote6anc\">6<\/a> a. a. O., S. 190<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote7anc\">7<\/a> a. a. O., S. 87f.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote8anc\">8<\/a> Der Aachener B\u00fcrgermeister, der den K\u00fcnstler nach seiner Stellung zu BDS befragt hatte, in seiner Auskunft an die Presse, dessen Antwort sei \u201emokant und s\u00fcffisant\u201c gewesen und werde dem Ernst des Themas in keiner Weise gerecht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote9anc\">9<\/a> Das Kollektiv wurde 1998 nach dem Ende der Schreckensherrschaft von Suharto gegr\u00fcndet. Zu Taring Padis Praxis kollektiver und individueller Kunstproduktion geh\u00f6ren Stra\u00dfenproteste, Holzschnitt-Workshops, Kunstkarnevals und Ausstellungen an ungew\u00f6hnlichen Orten. <a href=\"https:\/\/documenta-fifteen.de\/lumbung-member-kuenstlerinnen\/taring-padi\/\">https:\/\/documenta-fifteen.de\/lumbung-member-kuenstlerinnen\/taring-padi\/<\/a> abgerufen am 23.08.22<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote10anc\">10 <\/a>Werner Ruf, Ingo Wandelt, Rainer Werning: Ein offener Brief an den documenta15-Aufsichtsrat, an die Bundesregierung und an die Medien. In: Nachdenkseiten v. 28. Juli 2022, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86355\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=86355<\/a>, siehe au\u00dferdem: <a href=\"https:\/\/www.arnstrohmeyer.de\/zeitgeschehen\/israelpalaestina\/die-documenta-war-eine-grosse-chance-aber-sie-wurde-vertan\">https:\/\/www.arnstrohmeyer.de\/zeitgeschehen\/israelpalaestina\/die-documenta-war-eine-grosse-chance-aber-sie-wurde-vertan<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote11anc\">11<\/a> Bei der Angsthysterie ist die Angst auf ein bestimmtes Objekt oder eine Vorgang fixiert. Hier w\u00e4re es die Verunglimpfung oder Verurteilung Israels.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote12anc\">12 <\/a>Charlotte Wiedemann in der TAZ v. 03.05.2018<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote13anc\">13<\/a> In junge Welt v. 03.09.2018, S.12<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote14anc\">14<\/a> Christoph Rinneberg, <a href=\"https:\/\/www.palaestina-portal.eu\/Anlagen\/AT.pdf\">https:\/\/www.palaestina-portal.eu\/Anlagen\/AT.pdf<\/a>, abgerufen am 28.08.22<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote15anc\">15<\/a> Das Projekt wurde in der \u201eChronik antisemitischer Vorf\u00e4lle\u201c der Amadeu-Antonio-Stiftung gelistet. Siehe: Call for Action des Koordinationsteams am 18. Oktober 2020. Die v\u00f6llig unverst\u00e4ndliche Listung der Projekts k\u00f6nnte auf den Einfluss des Bundesfamilienministeriums zur\u00fcckzuf\u00fchren sein, wichtigster Geldgeber der Stiftung.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote16anc\">16<\/a> Als Persilscheine bezeichnete man die positiven Zeugnisse, die Mitb\u00fcrger f\u00fcr Belastete bei der Entnazifizierung ausstellten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote17anc\">17<\/a> <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/gesellschaft\/nach-dem-holocaust-die-last-den-anderen-aufbuerden-91776058.html\">&nbsp;https:\/\/www.fr.de\/kultur\/gesellschaft\/nach-dem-holocaust-die-last-den-anderen-aufbuerden-91776058.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote18anc\">18<\/a> Dayan trug wie der Nazi-General Rommel eine Augenbinde, was beide Figuren in der Vorstellung verschmelzen half.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote19anc\">19<\/a> Zitiert nach Stefan Reinecke in der TAZ v. 06.06.2017, <a href=\"https:\/\/taz.de\/Israel-und-Linke\/!5411952\/\">https:\/\/taz.de\/Israel-und-Linke\/!5411952\/<\/a> abgerufen am 25.08.22<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote20anc\">20<\/a> Nach der Befreiung von der Herrschaft des Pharao musste das Volk wegen Auflehnung gegen Gott zur Strafe 40 Jahre durch die W\u00fcste wandern (4. Buch Mose).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote21anc\">21<\/a> Cornelia Siebeck (2015): \u00bb\u2026 und das Geheimnis der Erl\u00f6sung hei\u00dft Erinnerung\u00ab. Postnationalsozialistische Identit\u00e4ts- und Gedenkst\u00e4ttendiskurse in der Bundesrepublik vor und nach 1990. In: Beitr\u00e4ge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland 16. Gedenkst\u00e4tten- und Geschichtspolitik. S.29-41, Zitat S.34.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote22anc\">22<\/a> a. a. O., S.35<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote23anc\">23<\/a> <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/deutscher-vernichtungsfeldzug-im-osten-kalkulierter-100.html\">https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/deutscher-vernichtungsfeldzug-im-osten-kalkulierter-100.html<\/a>, abgerufen am 25.08.22<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote24anc\">24<\/a> 400 Hingerichtete, 2.500 zu Zwangsarbeit Verurteilte, zig-tausend nach Sibirien Verbannte, eine Unzahl eingezogener Adelsg\u00fcter.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote25anc\">25<\/a> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Slawenfeindlichkeit\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Slawenfeindlichkeit<\/a>, abgerufen am 26.08.22<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote26anc\">26<\/a> <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/geschichte\/chronologie\/kriegsende\/Massensuizid-in-Demmin-1945-Erhaengt-erschossen-vergiftet,demmin232.html\">https:\/\/www.ndr.de\/geschichte\/chronologie\/kriegsende\/Massensuizid-in-Demmin-1945-Erhaengt-erschossen-vergiftet,demmin232.html<\/a>, abgerufen am 26.08.22<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote27anc\">27<\/a> Polt: \u201eDer Russ, wann der kimmt, dann kimmt er anders als wia ihr eich des vorstellts. Da machts huiiii \u2013 und dann iss aus mitm Freibier.\u201c Degenhardt (Auszug): \u201eSie wachen morgens auf\/ \u00f6ffnen die Schlafzimmert\u00fcre nach drau\u00dfen\/ die Sonne scheint\/ Sie recken sich\/ da sehen Sie mitten auf Ihrem englischen Rasen\/ steht\/ ein russischer Panzer\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote28anc\">28<\/a> Joachim H\u00f6sler (2022): Vom Demokratieabbau zum Krieg in der Ukraine. In: Forum Wissenschaft 2\/22, S.43-47, hier S. 44<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote29anc\">29<\/a> Siehe: <a href=\"https:\/\/www.cicero.de\/aussenpolitik\/die-deutschen-haben-ein-positives-russlandbild\/42425\">https:\/\/www.cicero.de\/aussenpolitik\/die-deutschen-haben-ein-positives-russlandbild\/42425<\/a>, aber auch: <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/europa\/russland\/47998\/das-russlandbild-in-den-deutschen-medien\/\">https:\/\/www.bpb.de\/themen\/europa\/russland\/47998\/das-russlandbild-in-den-deutschen-medien\/<\/a>, abgerufen am 22.09.22<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote30anc\">30<\/a> <a href=\"https:\/\/www.lifepr.de\/pressemitteilung\/wintershall-holding-gmbh\/Forsa-Untersuchung-zum-Russlandbild-der-Deutschen\/boxid\/26076\">https:\/\/www.lifepr.de\/pressemitteilung\/wintershall-holding-gmbh\/Forsa-Untersuchung-zum-Russlandbild-der-Deutschen\/boxid\/26076<\/a>, abgerufen am 22.09.22<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote31anc\">31<\/a> Objektiv zielten die Vorw\u00fcrfe nicht auf die Russen, sondern auf die Russl\u00e4nder (rossijskij). Die undifferenzierte Sichtweise ist aufschlussreich.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote32anc\">32<\/a> Interview mit Jakob Augstein in: der Freitag Nr. 38 v. 22.09.22, S. 7<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/#sdfootnote33anc\">33<\/a> Siehe Anmerkung 19! Nicht ohne eine gewisse Aktualit\u00e4t erscheint mir folgender Ausschnitt aus dem genannten Degenhardt-Lied: \u201eDiesmal sind wir nicht allein\/ Diesmal ist der Ami doch auf unserer Seite\/ Wollen mal sehn\/ Was er dann f\u00fcr Augen macht der Iwan\/ Wenn auf einmal NATO-Panzer\/ Auf dem Rasen stehen\/ In unserem K\u00f6nigsberg.\u201c<\/p>\n<p><em>#Bild: Zweierlei Erinnerung in Berlin: links das Denkmal f\u00fcr die ermordeten Juden in Europa, rechts das Sowjetische Ehrenmal.Foto rechts: <\/em><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Sowjetisches_Ehrenmal_im_Treptower_Park-23._Juni_2016.jpg\"><em>JoachimKohlerBremen<\/em><\/a><em>(rechts), Lizenz: <\/em><a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\/deed.de\"><em>CC BY-SA<\/em><\/a><em>; Foto links: <\/em><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Memorial_to_the_Murdered_Jews_of_Europe_%E2%80%94_working_hours_of_information_centre.jpg\"><em>Vasyatka1<\/em><\/a><em>, Lizenz: <\/em><a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\/deed.de\"><em>CC BY-SA<\/em><\/a><em>; Bearbeitung: Hintergrund, Lizenz: <\/em><a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\/deed.de\"><em>CC BY-SA<\/em><\/a><em>, <\/em><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/attachment\/erinnerungspolitik\/\"><em>Mehr Infos<\/em><\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/deutsche-verdraengungen-der-umgang-mit-russland-und-israel\/\"><em>hintergrund.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 6. Oktober 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Georg Auernheimer. Was in Deutschland nicht opportun ist: Kritik an Israel, Proteste von Pal\u00e4stinensern, Proteste von russischsprachigen B\u00fcrgern, Kritik am ukrainischen Pr\u00e4sidenten oder an Waffenlieferungen f\u00fcr die Ukraine. 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