{"id":11891,"date":"2022-10-12T10:22:01","date_gmt":"2022-10-12T08:22:01","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11891"},"modified":"2022-10-12T10:22:02","modified_gmt":"2022-10-12T08:22:02","slug":"energiekrise-deutschland-droht-zum-schlusslicht-in-europa-zu-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11891","title":{"rendered":"Energiekrise: Deutschland droht zum Schlusslicht in Europa zu werden"},"content":{"rendered":"<p><em>Bernd M\u00fcller. <\/em>OECD-Studie zeigt: Hohe Energiepreise treffen Deutschland im europ\u00e4ischen Vergleich besonders hart. Mit prek\u00e4rer Energieversorgung ist auch im n\u00e4chsten Jahr zu rechnen. Wird Deutschland zum kranken Mann Europas?<\/p>\n<p>Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) versucht,<!--more--> den Menschen in Deutschland Zuversicht zu geben. Gestern sagte er: Das Land k\u00f6nne die Energiekrise im Winter \u00fcberstehen, wenn Unternehmen und Haushalte an einem Strang z\u00f6gen.<\/p>\n<p>Auf absehbare Zeit sei nicht mit Energielieferungen aus Russland zu rechnen, so Scholz; aber die Situation sei beherrschbar. Schlie\u00dflich sei das Ziel fast erreicht, die Gasspeicher noch vor dem Einbruch des Winters zu 95 Prozent zu bef\u00fcllen.<\/p>\n<p>Im europ\u00e4ischen Vergleich steht die Bundesrepublik damit noch gut da, denn auf dem Kontinent wird es voraussichtlich Gasmangel geben. In diesem Jahr stehen auf dem Kontinent etwa 15 Prozent weniger Gas zur Verf\u00fcgung, als f\u00fcr einen durchschnittlichen Winter ben\u00f6tigt werden, berichtete <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/business\/energy\/germanys-scholz-urges-unity-ease-winter-energy-pain-2022-10-11\/\"><em>Reuters<\/em> am Dienstag<\/a>. Ohne den Verbrauch zu drosseln, k\u00f6nnten Stromausf\u00e4lle und Rationierungen drohen.<\/p>\n<p>Die fehlenden Gaslieferungen \u00fcber die Nord-Stream-Pipelines haben gro\u00dfe L\u00fccken bei der Versorgung des Kontinents hinterlassen, auch wenn bereits Erdgas aus anderen Quellen geliefert wird.<\/p>\n<p>Die Situation k\u00f6nnte sich <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/business\/energy\/russian-gas-supply-gap-casts-chill-europe-winter-nears-2022-10-11\/\">noch verschlimmern<\/a>, wenn der Streit zwischen dem russischen Energieriesen Gazprom und dem ukrainischen Pipeline-Betreiber Naftogaz eskaliert. Die russische Seite hatte damit gedroht, Naftogaz mit Sanktionen zu belegen, was auch die Gaslieferungen \u00fcber die Ukraine beenden w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>Fehlendes Erdgas aus Russland kann nicht komplett ersetzt werden<\/strong><\/p>\n<p>Die europ\u00e4ischen L\u00e4nder haben zwar ihre Importe von Fl\u00fcssiggas (LNG) erh\u00f6ht und haben auch die notwendige Infrastruktur ausgebaut, doch nun m\u00fcssen sich die Europ\u00e4er auf dem Weltmarkt behaupten.<\/p>\n<p>Und hier k\u00f6nnte die Konkurrenz gr\u00f6\u00dfer werden, hei\u00dft es bei <em>Reuters<\/em>, wenn das als La Nina bekannte Wetterph\u00e4nomen die asiatische Nachfrage wieder ansteigen l\u00e4sst. Unweigerlich w\u00fcrden dadurch die Preise zulegen. Versch\u00e4rft werden d\u00fcrfte diese Entwicklung, wenn auch in China die Wirtschaft wieder Fahrt aufnimmt, die durch die restriktive Coronapolitik in Mitleidenschaft gezogen wurde.<\/p>\n<p>Bislang k\u00f6nnen die zus\u00e4tzlichen Lieferungen aus anderen L\u00e4ndern nicht die weggebrochenen Gasimporte aus Russland ersetzen. \u00dcber die Leitung in der Ukraine kommen aktuell rund 86 Millionen Kubikmeter pro Tag. Im letzten Jahr lieferte Russland im Schnitt 360 Millionen Kubikmeter pro Tag nach Nordwesteuropa. Das entspricht einem R\u00fcckgang von 76 Prozent, sagten Analysten der Bernstein Group gegen\u00fcber <em>Reuters<\/em>.<\/p>\n<p>Bleibe das Angebot auf diesem Niveau, dann stehe Europa vor einem Defizit von 155 Millionen Kubikmetern pro Tag, erkl\u00e4rten die Analysten weiter.<\/p>\n<p>Die EU-L\u00e4nder haben zwar vereinbart, den Energieverbrauch um bis zu 15 Prozent zu senken; aber das hilft nur \u00fcber den Winter. Im kommenden Jahr k\u00f6nnten die Versorgungsprobleme zunehmen, worauf auch der Vorsitzende der Internationalen Energie-Agentur (IEA), Fatih Birol, in einem aktuellen Interview mit der <a href=\"https:\/\/www.repubblica.it\/economia\/2022\/10\/10\/news\/birol_iea_inverno_gas_europa-369460765\/\">italienischen Zeitung <em>La Repubblica<\/em><\/a> hinwies.<\/p>\n<p>Nach Sch\u00e4tzungen der IEA werden die europ\u00e4ischen Lagerbest\u00e4nde bis Februar 2023 von 90 Prozent auf etwa 20 Prozent absinken. Um \u00fcber den n\u00e4chsten Winter zu kommen, m\u00fcssten die Speicher wieder aufgef\u00fcllt werden; aber unklar sei, wie das geschafft werden solle.<\/p>\n<p>Birol betonte, dass in diesem Jahr noch aus Russland kommendes Gas geholfen habe. Unterst\u00fctzend kam auch hinzu, dass sich Chinas Wirtschaft in einem Abschwung befand und somit LNG-Mengen frei wurden. Im n\u00e4chsten Jahr k\u00f6nnte sich das wieder \u00e4ndern.<\/p>\n<p><strong>OECD: Deutschland wird zum kranken Mann Europas<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Deutschland k\u00f6nnen hohe Energiepreise zum ernsten Problem werden. Die Industrie sorgte bislang f\u00fcr hohe Einkommen und machte Deutschland zur Exportnation. Billige Energie aus Russland war der Garant f\u00fcr den deutschen Erfolg. Das \u00e4ndert sich mit hohen Energiepreisen, wie eine aktuelle Analyse der OECD zeigt.<\/p>\n<p><em>Die Analyse der OECD ist eindeutig: Deutschland \u2013 lange Zeit Europas Wachstumsmotor und Stabilit\u00e4tsanker \u2013 f\u00e4llt zur\u00fcck. Nicht nur ein bisschen, sondern bis ans Ende der gro\u00dfen Industrie- und Schwellenl\u00e4nder. 2023 werde Deutschland das Land mit der tiefsten Rezession und der h\u00f6chsten Inflation.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.businessinsider.de\/wirtschaft\/energie-krise-inflation-fachkraeftemange-deutschland-droht-zum-schlusslicht-in-europa-zu-werden-atisch-gespeicherter-c\/\"><em>Business Insider<\/em><\/a><\/p>\n<p>Deutschland steht vor radikalen Ver\u00e4nderungen, hei\u00dft es bei <em>Business Insider<\/em>. Ein \u00d6konom der Deutschen Bank wird mit den Worten zitiert:<\/p>\n<p><em>Wenn wir in etwa zehn Jahren auf die aktuelle Energiekrise zur\u00fcckblicken werden, k\u00f6nnten wir diese Zeit als Ausgangspunkt f\u00fcr eine beschleunigte Deindustrialisierung in Deutschland betrachten.<\/em><\/p>\n<p>Die aktuelle Gaskrise k\u00f6nne der &#8222;strukturelle Gamechanger f\u00fcr den Industriestandort Deutschland sein&#8220; und f\u00fcr sein exportorientiertes Gesch\u00e4ftsmodell. Die Wucht der steigenden Energiepreise treffe nicht nur energieintensive Gro\u00dfindustrien, sie bedrohe auch tausende mittelst\u00e4ndische Betriebe, die nur \u00fcberleben k\u00f6nnen, wenn sie die steigenden Preise auch weitergeben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das macht noch einmal deutlich: Deutschland befindet sich in einer Sackgasse. Denn die Verluste an Wohlstand lassen sich nicht dauerhaft \u00fcber Entlastungspakete vom Staat kompensieren.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Energiekrise-Deutschland-droht-zum-Schlusslicht-in-Europa-zu-werden-7305355.html\"><em>Telepolis&#8230;<\/em><\/a><em> vom 12. Oktober 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bernd M\u00fcller. OECD-Studie zeigt: Hohe Energiepreise treffen Deutschland im europ\u00e4ischen Vergleich besonders hart. Mit prek\u00e4rer Energieversorgung ist auch im n\u00e4chsten Jahr zu rechnen. 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