{"id":11953,"date":"2022-10-19T10:32:07","date_gmt":"2022-10-19T08:32:07","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11953"},"modified":"2022-10-19T10:32:08","modified_gmt":"2022-10-19T08:32:08","slug":"das-zionistische-regime-und-die-apartheid-in-den-besetzten-gebieten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=11953","title":{"rendered":"Das zionistische Regime und die Apartheid in den besetzten Gebieten"},"content":{"rendered":"<p><em>Die israelische Menschenrechtsorganisation B\u2018Tselem dokumentiert Verbrechen gegen die Menschenrechte in den besetzten pal\u00e4stinensischen Gebieten. Mit ihren Berichten trug sie ma\u00dfgeblich dazu bei, dass auch andere NGOs das Apartheidsregime Israels offen ansprachen. <strong>Bahram Ghadimi hat mit der Vorsitzenden der Organisation, Orly Mozhgan Noy, \u00fcber ihre Arbeit gesprochen.<\/strong><\/em><!--more--><\/p>\n<p><strong><em>Erz\u00e4hlen Sie zun\u00e4chst ein wenig \u00fcber sich selbst, bevor wir \u00fcber Ihre Arbeit sprechen. Sind Sie in Israel geboren?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Ich bin in Teheran, Iran, geboren. Wir sind Ende Januar 1979 in der Hochphase der Revolution nach Israel eingewandert. Das hei\u00dft, genau am selben Tag, an dem der Schah den Iran verlie\u00df, verlie\u00dfen auch wir den Iran. Als ich aus dem Iran ausgewandert bin, war ich achteinhalb Jahre alt, und als Kind habe ich nat\u00fcrlich die tiefe Bedeutung der Revolution, die Beweggr\u00fcnde der Menschen und ihre Forderungen nur sehr oberfl\u00e4chlich verstanden. Konkret habe ich nur verstanden, dass sich die Lage sehr ge\u00e4ndert hat. Unsere Einwanderung vollzog sich so schnell, dass f\u00fcr unsere Eltern keine Zeit blieb, um uns ruhig und ernsthaft zu erkl\u00e4ren, warum wir unser Land verlassen und an einen anderen Ort ziehen.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Wann haben Sie Ihre Aktivit\u00e4t in B\u00b4Tselem begonnen und welches sind Ihre jetzigen Aufgaben?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Meine T\u00e4tigkeit in B\u2019Tselem ist nur ein Teil meiner politischen und menschenrechtlichen Aktivit\u00e4ten und eigentlich ein sp\u00e4terer Teil. Ich bin seit mehr als zwanzig Jahren als politische Aktivistin t\u00e4tig: Sowohl in meinem Job als Journalistin, in Menschenrechts- und politischen linken Institutionen als auch bei Aktivit\u00e4ten im Zusammenhang mit der Forderung nach Gerechtigkeit.<\/em><\/p>\n<p><em>Seit sieben Jahren bin ich im Vorstand von B\u00b4Tselem und habe nun, wie Sie bereits feststellten, seit dem 19. Juli 2022 den Vorsitz der NGO \u00fcbernommen. Die Arbeit unserer Aktivisten ist so strukturiert, dass sie den Vorsitzenden des Vereins in gewisser Weise begleiten und \u2013 wenn notwendig \u2013 unterst\u00fctzen: So beispielsweise bei der Durchsetzung der \u00f6ffentlichen Ziele des Vereins, bei den T\u00e4tigkeiten zur Umsetzung dieser Ziele sowie bei der Unterst\u00fctzung des Vorsitzenden in anderen Belangen. Dies bedeutet zugleich eine Art der \u00dcberwachung wie auch der Unterst\u00fctzung unserer Arbeit.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Ich habe heute Morgen auf Ihrer Facebook-Seite gesehen, dass Sie in der Stadt Jenin waren. Als Sie zur\u00fcckkehrten, wurden Sie lange an einem Kontrollpunkt aufgehalten. K\u00f6nnen sie den Grund erl\u00e4utern?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Nun, B\u2019Tselem hat vor ungef\u00e4hr anderthalb Jahren einen Bericht ver\u00f6ffentlicht, in dem wir feststellen, dass in fast allen Gebieten unter israelischer Herrschaft, ein Apartheidsregime herrscht. Was mir passiert ist entspricht der Umsetzung dieser Apartheid, n\u00e4mlich der Trennung der Menschen dieser Region aufgrund ihrer ethnischen Identit\u00e4t. Das Regime will nicht, dass israelische Juden und Pal\u00e4stinenser sich auf menschlicher Ebene treffen und sich anfreunden.<\/em><\/p>\n<p><em>Die pal\u00e4stinensischen Gebiete der Westbank gliedern sich in drei Teile: Gebiet C, welches unter vollst\u00e4ndiger israelischer Kontrolle steht. Gebiet B, welches unter milit\u00e4rischer israelischer Kontrolle steht, w\u00e4hrend die zivile Verwaltung in der Verantwortung der Pal\u00e4stinenser liegt. Und Gebiet A, welches die gro\u00dfen pal\u00e4stinensische St\u00e4dte im Westjordanland umfasst, wie Ramallah, Bethlehem, Jenin, Nablus. Gem\u00e4\u00df dem Oslo-Abkommen sollte dieses Gebiet sowohl in Bezug auf die Sicherheit als auch auf die zivile Verwaltung unter der vollst\u00e4ndigen Kontrolle der pal\u00e4stinensischen Regierung stehen. Gesetzlich hat Israel den israelischen Juden den Zutritt diesem letztgenannten Gebiet vollst\u00e4ndig untersagt. Meiner Meinung nach ist dies eine Art Gesetz, dem es nicht nur an Logik fehlt. Und sollte es irgendeine Logik darin geben, dann diejenige der Aufrechterhaltung und St\u00e4rkung des Apartheidregimes.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich habe Bekannte und Freunde in Jenin besucht und als ich zur\u00fcckkehrte, war es f\u00fcr die Soldaten des Kontrollpostens sehr merkw\u00fcrdig, dass eine j\u00fcdische Frau allein nach Jenin gefahren war. Besonders weil gestern fr\u00fch [29. August 2022] die israelische Armee Jenin erneut angegriffen und beschossen hat, wobei mehrere Menschen verletzt und festgenommen wurden. Dementsprechend wird die Lage nat\u00fcrlich von Tag zu Tag sensibler. Aber f\u00fcr israelische Soldaten und f\u00fcr neunundneunzig Prozent der israelischen Juden ist es in der Tat sehr befremdlich, dass ein Jude ohne Waffe in die pal\u00e4stinensischen Gebiete einreist. Und dies ist meiner Meinung nach eine Trag\u00f6die. Wie sind wir an den Punkt gekommen, an dem wir keine Leute treffen und mit ihnen reden k\u00f6nnen ohne eine Waffe auf sie zu richten? Der einzige Weg, den wir gelernt haben, den Pal\u00e4stinensern gegen\u00fcberzutreten, ist, zu den Waffen zu greifen.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>K\u00f6nnen Sie uns etwas \u00fcber die Geschichte von B\u00b4Tselem erz\u00e4hlen? Wann hat die NGO mit ihrer Arbeit begonnen? In welchen Bereichen arbeitet sie? Und weshalb ist eine solche Organisation n\u00f6tig?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>B\u00b4Tselem ist eine israelische Organisation und wurde vor fast 25 Jahren gegr\u00fcndet. Nach der Besetzung der pal\u00e4stinensischen Gebiete im Jahr 1967 behauptete Israel mehrere Jahre lang, dass die Besetzung nur vor\u00fcbergehend sei und die Gebiete nach Friedensverhandlungen zur\u00fcckgegeben w\u00fcrden. Mit der Zeit wurde jedoch immer deutlicher, dass Israel nicht die Absicht hatte, sich von diesen Gebieten zu trennen. Stattdessen wurden immer mehr illegale Siedlungen errichtet und Israelis dazu ermutigt, dort zu leben. Dies kann nur einhergehen mit der gleichzeitigen massiven Unterdr\u00fcckung der Rechte der Pal\u00e4stinenser in der Region.<\/em><\/p>\n<p><em>B\u2019Tselem wurde mit dem Ziel gegr\u00fcndet, vor allem die Verletzung der Menschenrechte des pal\u00e4stinensischen Volkes in den besetzten Gebieten zu dokumentieren und die israelische Gesellschaft dar\u00fcber zu informieren. Damals dachten wir, dass die Israelis vielleicht nicht wissen, was in den besetzten Gebieten passiert, was die Soldaten und die Siedler in den besetzten Gebieten tun. Deshalb war das erste Ziel, die Dokumentation dar\u00fcber und die Information der Israelis \u00fcber diese Menschenrechtsverletzung in den besetzen Gebieten.<\/em><\/p>\n<p><em>Da die Besetzung im Laufe der Zeit viel umfassender und gewaltt\u00e4tiger wurde, schreiben wir inzwischen jedes Jahr mehrere Berichte: Jeder behandelt ein anderes gro\u00dfes Thema, wie beispielsweise die Enteignung von pal\u00e4stinensischem Land. Die Besatzung der West-Bank ist die eine Sache, aber durch die Enteignung des eigentlich pal\u00e4stinensische Besitzes geht dieses in den legalen Besitz der Israelis \u00fcber und die urspr\u00fcnglichen Eigent\u00fcmer verlieren ihre Rechte daran.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Bedeutet dies, dass die israelische Regierung pal\u00e4stinensischen Besitz zugunsten von Israelis legal beschlagnahmt?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Ja, genau. Ein Beispiel ist eben die nach israelischem Recht legale Beschlagnahmung von pal\u00e4stinensischem Land zugunsten eines Israelis. Ein anderes Beispiel ist die Wasserfrage, die in dieser Region zu einem sehr kritischen Thema geworden ist. Dies ist einer der wesentlichen Aspekte der Arbeit von B\u00b4Tselem: Das Schreiben von Berichten zu wichtigen Themen.<\/em><\/p>\n<p><em>Eine weitere zentrale Aufgabe ist die Zusammenarbeit mit internationalen Diplomaten, um sie mit tatsachengerechten und wahrheitsgem\u00e4\u00dfen Informationen zu versorgen, damit sie diese bei ihren politischen Entscheidungen in Bezug auf Israel ber\u00fccksichtigen.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Glauben Sie, dass Ihre Berichte einer der Faktoren war, warum viele NGOs und internationale Foren Israel als Apartheidsregime anerkannten?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Zweifellos haben sie eine gro\u00dfe Wirkung gehabt. Allerdings muss ich feststellen, dass es bereits zuvor pal\u00e4stinensische Institutionen gab, die Israel als Apartheidsstaat charakterisiert haben. Aber erst seitdem auch B\u2019Tselems Israel als Apartheidregime bezeichnet hat, wurde diese Position von anderen internationalen Organisationen \u00fcbernommen: So ver\u00f6ffentlichten beispielsweise Amnesty International oder auch Human Rights Watch etwas Vergleichbares ebenso wie noch weitere internationale Organisationen. Ohne Zweifel wurden jedoch diesbez\u00fcglich die ersten Schritte von B\u00b4Tselem unternommen.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Haben sie Beziehungen zu pal\u00e4stinensischen Gruppen und Organisationen und kooperieren sie mit diesen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Ja, intensive. Bei allen relevanten Themen sind die pal\u00e4stinensischen Menschenrechtsinstitutionen nat\u00fcrlich eine der wichtigsten Adressen f\u00fcr eine Kooperation. Ich wei\u00df nicht, ob Ihnen bekannt ist, dass Israel k\u00fcrzlich sechs pal\u00e4stinensische Menschenrechtsorganisationen als terroristische Organisationen eingestuft und geschlossen hat. B\u00b4Tselem hat sich umgehend solidarisch erkl\u00e4rt und ver\u00f6ffentlicht, dass es sich um unsere Kollegen handelt, mit denen wir unsere Zusammenarbeit fortsetzen und die wir weiterhin unterst\u00fctzen werden. Dies ist ein sehr wichtiger Teil unserer Arbeit.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Werden Sie im Rahmen Ihrer Aktivit\u00e4ten von der israelischen Regierung unter Druck gesetzt?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Die israelische Regierung versucht seit Jahren, die Arbeit von Menschenrechtsaktivisten, sowohl von Organisationen als auch von Einzelpersonen, so weitgehend einzuschr\u00e4nken. Sie hat beispielsweise mehrere Gesetze erlassen, um Organisationen wie B\u2019Tselem finanziell unter Druck zu setzen.<\/em><\/p>\n<p><em>Allerdings ist es wichtig zu wissen, dass die Bedeutung des Apartheidsregimes darin besteht, pal\u00e4stinensische Institutionen zu terroristischen Organisationen zu erkl\u00e4ren, ihre B\u00fcros zu schlie\u00dfen und ihre Mitglieder zu verhaften. Aber wir als israelische Juden \u2013 auch wenn die Regierung uns nicht mag \u2013 stehen unter dem Schutz dieses Apartheidsregimes und das nur, weil wir Juden sind.<\/em><\/p>\n<p><em>Genau das ist einer der Vorteile, der Apartheid f\u00fcr Juden: Sie erlaubt es nicht, gegen j\u00fcdische Organisationen genauso vorzugehen wie gegen pal\u00e4stinensische Organisationen. Denn dies widerspricht der Logik der Apartheid. Vielleicht wird sich die Situation eines Tages auch f\u00fcr uns \u00e4ndern, so dass wir uns darauf vorbereiten m\u00fcssen. M\u00f6glicherweise werden eines Tages auch unser B\u00fcro geschlossen oder unsere Aktivisten verhaftet. Wir bereiten uns zwar auf diesen Tag vor, aber ich glaube derzeit nicht, dass ein solcher Tag nahe ist.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Viele Menschen in Europa, insbesondere die Regierungen, betrachten die Boykott- und Desinvestitionsbewegung in Israel, d.h. den BDS, als antisemitische Bewegung. Wie stehen Sie dazu?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Ich m\u00f6chte feststellen, dass es nicht nur um BDS geht, sondern dass Israel seit seiner Unabh\u00e4ngigkeit den Holocaust politisch instrumentalisiert. Er dient nicht nur als eine Keule um Kritiker mundtot zu machen, sondern auch als ein Vorhang, mit dem er seine eigenen Verbrechen verschleiert. Diese Methode ist so weit fortgeschritten, dass jegliche Kritik an Israels Politik als antisemitisch diffamiert wird. Und ich muss sagen, als J\u00fcdin gibt es wenige Sachen, die mich mehr aufregen als diese Methode. Weil sie die gr\u00f6\u00dfte Trag\u00f6die, die meinem Volk widerfahren ist, mit F\u00fc\u00dfen tritt und sie als Instrument missbraucht.<\/em><\/p>\n<p><em>Das ist f\u00fcr mich als J\u00fcdin deshalb auch deshalb so schmerzhaft, weil es weltweit echten und zunehmenden Antisemitismus gibt, aber mit seiner Politik bek\u00e4mpft Israel nicht diesen echten Antisemitismus, sondern missbraucht den Antisemitismus als politische Keule. Gleichzeitig verhandelt sie mit internationalen F\u00fchrern, die antisemitischen Gruppen nahestehen und l\u00e4dt sie \u00f6ffentlich als Gast der israelischen Regierung ein, um mit ihnen milit\u00e4rische Gesch\u00e4fte abzuschlie\u00dfen. Sie verschlie\u00dft also wegen finanzieller und milit\u00e4rischer Vorteile die Augen vor echtem Antisemitismus, w\u00e4hrend gleichzeitig Menschenrechtler als Antisemiten diffamiert werden.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Wenn aus ihrer Sicht die Arbeit des BDS richtig ist, wie sch\u00e4tzen dann die Unterst\u00fctzer des BDS die Arbeit von B\u00b4Tselem ein?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>B\u00b4Tselems Arbeit ist unabh\u00e4ngig vom BDS. BDS bedeutet nicht, dass alles Israelische boykottiert werden soll \u2013 m\u00f6glicherweise gibt es allerdings Leute, die es so auslegen. Aber dies ist dann eine falsche Interpretation der politischen Ideen des BDS. Der BDS boykottiert lediglich diejenige Zusammenarbeit, aus welcher Israel politische und sonstige Vorteile erzielt. Dies hat jedoch nichts mit B\u2019Tselem zu tun. Gleichzeitig respektieren und verstehen wir es aber, wenn Pal\u00e4stinenser die Arbeit des BDS so deuten, dass es keinerlei Beziehungen zu israelischen Organisationen geben soll. Denn wir wollen den Menschen unter der Besatzung nicht vorschreiben, wie sie k\u00e4mpfen sollen \u2013 dies ist die Entscheidung der Pal\u00e4stinenser selbst.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Wie sch\u00e4tzen Sie den Stand der \u00f6ffentlichen Meinung in Israel bez\u00fcglich der Pal\u00e4stinenserfrage ein? Halten Sie den Traum vom Frieden zwischen den beiden Nationen und die Zwei-Staaten-L\u00f6sung noch f\u00fcr m\u00f6glich?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Dies sind zwei verschiedene Probleme. Ich wei\u00df nicht, ob es praktikabel ist, zwei unabh\u00e4ngige Staaten zu bilden. Aber meiner Meinung nach, sollte der internationale Druck darin bestehen, Unterdr\u00fcckung und Besatzung in den besetzten pal\u00e4stinensischen Gebiete zu beenden: Stopp des Baus illegaler Siedlungen; Stopp der israelischen Milit\u00e4roperationen in den besetzten Gebieten.<\/em><\/p>\n<p><em>Ob es letztlich eine Ein- oder Zwei-Staaten-L\u00f6sung geben soll \u2013 wir als Menschenrechtsorganisation haben keine Stellungnahme dazu, wie dieser Konflikt beendet werden soll. Unser einziges Ziel ist die Beendigung der Menschenrechtsverletzungen und dies ist nicht m\u00f6glich, ohne die Beendigung der Apartheid und die Besetzung der pal\u00e4stinensischen Gebiete.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Es ist interessant zu wissen, was gew\u00f6hnliche Israelis \u00fcber Aktivisten wie Sie denken. Ich meine damit nicht rechtsextreme Gruppen in Israel, sondern die Israelis im Allgemeinen. Wie verhalten sich diese Ihnen gegen\u00fcber, wenn sie h\u00f6ren, dass Sie die Rechte der pal\u00e4stinensischen Nation verteidigen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Ich denke, Menschen wie ich, die offensichtlich nicht-zionistische Juden sind, machen weniger als ein Prozent der israelischen Bev\u00f6lkerung aus. Wie Sie sich vorstellen k\u00f6nnen, werden wir nicht sehr geachtet. Ich bin Journalistin und die Artikel, die ich verfasse, werden von Dutzenden Menschen in dem Sinne kommentiert, dass ich eine Spionin oder ein innerer Feind sei, dass ich dies oder jenes tun m\u00fcsse oder des Landes verwiesen werden sollte und so weiter. Es gibt zahlreiche solcher Kommentare. Aber ich f\u00fchre mir immer wieder vor Augen, dass meine Situation trotz all dieser Vorw\u00fcrfe immer noch viel, viel komfortabler und sicherer ist als die Situation meiner rechtlosen pal\u00e4stinensischen Freunde. Mir als J\u00fcdin kann dagegen nichts passieren.<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Welche Perspektive sehen Sie \u2013 aufgrund Ihrer Erfahrung \u2013 in dieser Situation einerseits f\u00fcr die Aktivit\u00e4ten von B\u00b4Tselem und andererseits f\u00fcr die gesamte Region (d.h. Israel und Pal\u00e4stina)?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Sehen Sie, jahrelang dachten wir wirklich, dass wir mit unseren Informationen und Berichten die j\u00fcdischen Israelis davon \u00fcberzeugen k\u00f6nnten, dass diese Situation niemandem nutzt. Warum sollen wir unsere Kinder und Enkel zur Armee schicken und zulassen, dass sie ein anderes Volk unterdr\u00fccken? Denn solange die Besatzung andauert, wird der pal\u00e4stinensische Widerstand weitergehen. Wir waren uns sicher, dass die Israelis dies eines Tages verstehen und die Politik \u00e4ndern w\u00fcrden.<\/em><\/p>\n<p><em>Nun m\u00fcssen wir jedoch erkennen, dass die Denkweise der israelischen Gesellschaft sich immer weiter nach rechts entwickelt: In Richtung von mehr Gewalt, von vermehrter Unterdr\u00fcckung, von zunehmender Landnahme, von verst\u00e4rktem Bau illegaler Siedlungen usw. Wenn ich mir heute eine Zukunft vorstellen m\u00f6chte, dann nur in der Hoffnung, dass die internationale Gemeinschaft erkennen wird, dass die Verteidigung Israels zugleich eine Beteiligung an diesen Verbrechen Israels bedeutet. Um der Rechte beider V\u00f6lker willen, sowohl des pal\u00e4stinensischen als auch des israelischen, sollte die internationale Gemeinschaft Druck auf Israel aus\u00fcben und es zwingen, von dieser Politik gegen\u00fcber den Pal\u00e4stinensern Abstand zu nehmen. Das hei\u00dft, sie m\u00fcssen Israel an einen Punkt bringen, an dem dieses erkennt, dass es nicht l\u00e4nger vorteilhaft ist, die Gebiete weiter zu besetzen und jeden Tag mehrere Millionen Pal\u00e4stinenser zu unterdr\u00fccken und ihre Rechte zu negieren. Und die Einzigen, die Israel davon \u00fcberzeugen k\u00f6nnen, dass ihnen ihre aktuelle Politik auch selbst schadet, ist die internationale Gemeinschaft.<\/em><\/p>\n<p><em>Lassen Sie mich Ihnen als Iranerin abschlie\u00dfend etwas sagen: Es hat lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass mir als neunj\u00e4hrige iranische Einwanderin, noch bevor ich aus dem Flugzeug ausgestiegen und einen Fu\u00df auf israelischen Boden gesetzt habe, mehr Rechte in diesem Land zustanden als einer pal\u00e4stinensischen Familie, die hier seit hunderten von Jahren lebt. Das versetzt mich in eine kolonialistische Lage.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Besatzer nimmt dem Besetzen den Respekt, aber der Besatzer selbst verdient \u00fcberhaupt keinen Respekt. F\u00fcr uns ist die gesamte Situation sehr besch\u00e4mend. Wenn wir etwas von unserer Menschlichkeit und Selbstachtung retten wollen, m\u00fcssen wir diese Situation beenden. \u201eSolange es nur einen Gefangenen auf der ganzen Welt gibt, gibt es nirgendwo auf der Welt Freiheit.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/lowerclassmag.com\/2022\/10\/13\/in-fast-allen-gebieten-unter-israelischer-kontrolle-herrscht-ein-apartheidsregime\/\">lowerclassmag.com&#8230;<\/a> vom 19. Oktober 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die israelische Menschenrechtsorganisation B\u2018Tselem dokumentiert Verbrechen gegen die Menschenrechte in den besetzten pal\u00e4stinensischen Gebieten. 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