{"id":12121,"date":"2022-11-12T14:56:44","date_gmt":"2022-11-12T12:56:44","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12121"},"modified":"2022-11-12T14:56:45","modified_gmt":"2022-11-12T12:56:45","slug":"brauner-herbst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12121","title":{"rendered":"Brauner Herbst?"},"content":{"rendered":"<p><em>marx21-Redaktion.<\/em><strong> Die AfD befindet sich im Aufschwung \u2013 in Umfragen wie auch auf der Stra\u00dfe. Sie dominiert die Proteste gegen Inflation und Energiekrise, aber das muss nicht so bleiben. Ein Brauner Herbst kann die Krise des Kapitalismus nicht l\u00f6sen. <\/strong><!--more--><\/p>\n<p>\u00bbWir hingegen demonstrierten gegen den Krieg und dagegen, wie unsere politischen \u203aEliten\u2039 uns v\u00f6llig unn\u00f6tig in fremde Konflikte hineinziehen. Wir demonstrierten f\u00fcr V\u00f6lkerfreundschaft und eine konstruktive Zukunft in Europa. Wir demonstrierten dagegen, wie diese Regierung rechtschaffende [sic!] B\u00fcrger f\u00fcr fremde Interessen auspl\u00fcndert und unsere Zukunft verspielt. Wir demonstrierten gegen Mangelwirtschaft und verordnete Armut. Wir demonstrierten f\u00fcr eine Politik, die wieder die Interessen des Volkes vertritt. Es ist wichtig, diese abgehobene Regierung wie 1989 daran zu erinnern: WIR sind das Volk!\u00ab<\/p>\n<p>Mit diesen Worten feierte Bj\u00f6rn H\u00f6cke seine AfD-\u00bbMontagsdemonstration\u00ab zum Tag der Deutschen Einheit in Gera, zu der laut Polizei 10.000 Menschen auf die Stra\u00dfe gingen. Landesweit waren nach Polizeiangaben an diesem 3. Oktober allein in Th\u00fcringen 36.000 Menschen an 39 Orten an den Protesten beteiligt.<\/p>\n<p>Jede Woche gehen Zehntausende auf die Stra\u00dfe und demonstrieren gegen die Politik der Ampelkoalition. Jede Woche ist \u00bbHei\u00dfer Herbst\u00ab-Stimmung auf den Stra\u00dfen Ostdeutschlands. Angef\u00fchrt werden die Proteste nicht von Gewerkschaften und Linken, sondern von Rechten und Nazis, der AfD sowie Gruppierungen wie den \u00bbFreien Sachsen\u00ab.<\/p>\n<p><strong>Proteste im Osten<\/strong><\/p>\n<p>Gerade in Th\u00fcringen ist es eindeutig die H\u00f6cke-AfD, welche die Bewegung anf\u00fchrt. Der Freistaat ist jedoch nicht nur AfD- und Nazi-Hochburg, sondern auch ein trauriges Beispiel linken Scheiterns in der Regierung. W\u00f6chentlich gibt es\u00a0 in zahlreichen St\u00e4dten und Gemeinden Proteste unter F\u00fchrung der AfD und anderen Rechten und Nazis, w\u00e4hrend die Gegenproteste selten \u00fcber mittlere zweistellige Teilnehmer:innenzahlen hinauskommen. Angriffe bis hin zur Zerst\u00f6rung von linken Strukturen sind in vielen Teilen des Landes mittlerweile Alltag. Migrantische und antirassistische Strukturen sind mehr mit ihrem Selbstschutz als ihrer eigentlichen politischen Arbeit besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die AfD den wachsenden Unmut \u00fcber steigende Preise und soziale N\u00f6te sowie die Sorgen vor einer weiteren Eskalation des Kriegs um die Ukraine erfolgreich in rechte Bahnen kanalisiert, f\u00e4llt DIE LINKE, die in Th\u00fcringen den Ministerpr\u00e4sidenten der rot-rot-gr\u00fcne Minderheitsregierung stellt, als Oppositionskraft gegen die herrschenden Verh\u00e4ltnisse aus. Das hat vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden sozialen Krise und den grassierenden Abstiegs\u00e4ngsten in gro\u00dfen Teilen der Bev\u00f6lkerung fatale Folgen. W\u00e4hrend DIE LINKE mit ihrem staatstragenden Kurs in den Wahlumfragen abst\u00fcrzt, wird die Th\u00fcringer AfD unter Bj\u00f6rn H\u00f6cke als einzig wahrnehmbare oppositionelle Kraft \u2013 nicht nur im Parlament, sondern gerade auch auf der Stra\u00dfe \u2013 mittlerweile als st\u00e4rkste Kraft im Freistaat gehandelt.<\/p>\n<p><strong>Die H\u00f6cke-AfD formiert sich<\/strong><\/p>\n<p>Sp\u00e4testens seit dem Austritt des ehemaligen Co-Vorsitzenden J\u00f6rg Meuthen aus der Partei hat der faschistische Fl\u00fcgel um Bj\u00f6rn H\u00f6cke endg\u00fcltig die F\u00fchrung in der AfD \u00fcbernommen. Auch im Westen haben sich die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse weiter zugunsten des H\u00f6cke-Fl\u00fcgels verschoben. Das bedeutet nicht, dass die Fl\u00fcgelk\u00e4mpfe damit beendet w\u00e4ren, aber die Nazis in der Partei sind mittlerweile klar tonangebend. Mit ihrer j\u00fcngsten H\u00e4utung hat sich die AfD zu einer im Kern faschistischen Partei entwickelt.<\/p>\n<p>Der H\u00f6cke-Fl\u00fcgel verfolgte von Beginn an das Ziel, die AfD als oppositionelle Bewegungspartei aufzubauen. Dazu setzt er auf den Aufbau von Protestbewegungen. Der Aufstieg von \u00bbPegida\u00ab im Jahr 2015 legte den Grundstein f\u00fcr H\u00f6ckes Aufstieg in der AfD. Schon damals war es, genau wie bei den rassistischen Aufm\u00e4rschen in den Folgejahren oder den Protesten der Corona-Leugner:innen, jeweils eine Gratwanderung, wie offen der Schulterschluss mit klar als solche erkennbaren Nazis vollzogen wird. Das gilt auch heute in den Krisenprotesten.<\/p>\n<p>So ist die AfD darauf bedacht, dass auf ihren Kundgebungen keine Reichskriegsflaggen oder andere offene Nazi- und Reichsb\u00fcrger:innen-Symbolik zu sehen ist. Auf ihrer Gro\u00dfdemo am 8. Oktober in Berlin wurde auch den \u00bbFreien Sachsen\u00ab untersagt, ihre Fahnen zu zeigen. Die AfD wei\u00df um ihre gute Position als f\u00fchrende Kraft einer Protestbewegung, die weit \u00fcber das stramm rechtsradikale Milieu ausstrahlt. Dementsprechend bem\u00fcht ist sie, diese Teile der Bewegung nicht zu verprellen, sondern sie nach und nach weiter nach rechts zu ziehen, zu radikalisieren und an sich zu binden. Dass sie damit Erfolg hat \u2013 auch im Westen \u2013 zeigte sich zuletzt bei der Landtagswahl in Niedersachsen, wo sie ihr Ergebnis von 2017 fast verdoppelte.<\/p>\n<p>Ohne Zweifel haben der Krieg um die Ukraine, die Energiekrise und die Preissteigerungen sowie die Krisenpolitik der Bundesregierung der AfD neuen Auftrieb gegeben. Die daraus entstandene Protestbewegung hat dar\u00fcber hinaus den bewegungsorientierten, faschistischen Fl\u00fcgel innerhalb der Partei weiter gest\u00e4rkt. Aber wie gelingt es der AfD, den Unmut und die Sorgen in gro\u00dfen Bev\u00f6lkerungsteilen nach rechts zu kanalisieren?<\/p>\n<p>Ihr erkl\u00e4rtes Ziel ist die Zerst\u00f6rung der CDU\/CSU als b\u00fcrgerlich-konservative Mitte. So \u00e4u\u00dferte sich H\u00f6cke in einem Kommentar im Bundestagswahlkampf 2021, dass eine Zusammenarbeit mit der CDU\/CSU f\u00fcr ihn nur dann in Frage k\u00e4me, wenn die Konservativen auf dem Boden zerst\u00f6rt um Hilfe bettelten. (Lies hier den marx21-Artikel <a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/meuthen-austritt-hoecke-dritte-haeutung-der-afd-zur-faschistischen-partei\/\">\u00bbMeuthens Austritt: Die dritte H\u00e4utung der AfD zur faschistischen Partei\u00ab<\/a>.)<\/p>\n<p>Um zu verstehen, wie H\u00f6cke tickt, muss man erstens verstehen, dass er ein Nazi im vollen Sinn des Begriffs ist, und man muss sich zweitens mit dem <a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/hitler-regierungsbeteiligung-nsdap-machtergreifung\/\">Aufstieg der NSDAP<\/a> und ihrer Macht\u00fcbernahme durch den Reichstagsputsch auseinandersetzen. Denn diesen Aufstieg haben H\u00f6cke und sein innerer Zirkel um Kubitschek studiert und daraus gelernt. Scheinbare Antworten auf die sogenannte \u00bbSoziale Frage\u00ab mit Rassismus und Nationalismus zu verbinden, wird trotz der neoliberalen Programmatik der AfD als richtungsweisend aufgegriffen. Der Zuspruch gibt dieser Strategie recht.<\/p>\n<p>Demnach ist die erkl\u00e4rte Taktik von Friedrich Merz, die AfD um die H\u00e4lfte ihrer Wahlstimmen zu reduzieren, in Niedersachsen vollumf\u00e4nglich gescheitert. Das Anbiedern an rechte und rassistische Narrative von Seiten der Konservativen wird der AfD nicht das Wasser abgraben, sondern im Gegenteil ihr im gesellschaftlichen Diskurs den roten Teppich an die Regierung ausbreiten.<\/p>\n<p>Trotz des Siegs der Nazis in der AfD auf dem Parteitag in Riesa sind die Auseinandersetzung zwischen den Nationalkonservativen und den Neofaschist:innen in der Partei damit jedoch nicht zu Ende. (Lies hier den marx21-Artikel <a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/mit-hoecke-stramm-nach-rechts-die-afd-nach-dem-parteitag-in-riesa\/\">\u00bbMit H\u00f6cke stramm nach rechts? \u2013 Die AfD nach dem Parteitag in Riesa\u00ab<\/a>.) Zwar haben sich auch in den West-Landesverb\u00e4nden der AfD im letzten Jahr die Gewichte zugunsten des Fl\u00fcgels betr\u00e4chtlich verschoben. Doch noch haben die Nazis in der Partei nicht das alleinige Sagen.<\/p>\n<p><strong>Brauner Herbst im Westen<\/strong><\/p>\n<p>Den aktuellen Aufwind der AfD (wieder einmal) auf den Osten (begrenzt) zu schieben wird der Situation bei Weitem nicht gerecht und ist dar\u00fcber hinaus auch noch gef\u00e4hrlich. Auch in den westlichen Bundesl\u00e4ndern gewinnt die Hetze und der Rassismus der AfD an Boden. In Krisenzeiten ist zu beobachten, dass ein Erstarken von nationalistischen Tendenzen einsetzt. Davor ist auch der vermeintlich aufgekl\u00e4rte und demokratische Westen nicht gefeit. Im Gegenteil zeigt die j\u00fcngste Landtagswahl in Niedersachsen, in der die AfD mit elf Prozent hinter den Gr\u00fcnen viertst\u00e4rkste Kraft wurde. Der nieders\u00e4chsische Landesverband hat sein Ergebnis damit beinahe verdoppelt.<\/p>\n<p>Die Verk\u00fcrzung der Analyse weiter Teile des b\u00fcrgerlichen Spektrums, dass Rechte und Neonazis nur ein ostdeutsches Ph\u00e4nomen und Problem seien wird der Realit\u00e4t in keinster Weise gerecht. Mit Blick auf den hessischen Verfassungsschutz und dem Umgang mit sowohl den NSU-Akten, der Anschlag in Hanau als auch dem Umgang mit rechten Netzwerken in der hessischen Polizei und Sicherheitsbeh\u00f6rden, zeichnet ein anderes Bild. Ja, die AfD ist im Westen Deutschlands noch nicht wie in Th\u00fcringen bei 26 Prozent, aber sie zu untersch\u00e4tzen oder sie gar abzuschreiben ist die gr\u00f6\u00dfte Unterst\u00fctzung, die die AfD aus der b\u00fcrgerlichen Mitte gerade erh\u00e4lt.<\/p>\n<p><strong>Corona-Proteste<\/strong><\/p>\n<p>Die Corona-Pandemie und die Preisteuerungen als Folge der Sanktionen gegen den\u00a0 russischen Angriff auf die Ukraine sind genau jene Krisen, die der AfD massiv in die H\u00e4nde spielen. Die Regierenden, sowohl die Gro\u00dfe als auch die Ampel-Koalition, wollten in vergangenen und aktuellen Krisenzeiten an der Seite des Kapitals die Profite der Konzerne sch\u00fctzen, w\u00e4hrend die Bev\u00f6lkerung der massivsten Verelendung seit Jahrzehnten ins Auge blickt. Es ist ein systemischen Ph\u00e4nomen des Kapitalismus, dass Profite \u00fcber Menschenleben stehen \u2013 das wei\u00df auch H\u00f6cke und seine AfD. Auch wenn die AfD das genaue Gegenteil einer sozialen Partei ist und Militarismus gegen\u00fcber einem handlungsf\u00e4higen Sozialstaat bef\u00fcrwortet, so nutzt sie dennoch den Unmut der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr ihre Sache, um Rassismus und Hass gegen gefl\u00fcchtete Menschen und die Stellung der Rechten in der Gesellschaft zu verst\u00e4rken. (Lies hier den marx21-Artikel <a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/afd-partei-der-sozialen-ungleichheit\/\">\u00bbAfD: Partei der sozialen Ungleichheit\u00ab<\/a>.)<\/p>\n<p>H\u00f6ckes Strategie, das Vertrauen in den Staat und seine Institutionen zu schw\u00e4chen, um sich gleichzeitig als Krisenmanager zu inszenieren, f\u00e4llt in weiten Teilen der unteren Mittelschicht, die sich einem massiven Wohlstandsverlust gegen\u00fcber sieht, auf fruchtbaren Boden. (Lies hier den marx21-Artikel <a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/querdenken-spaziergaenger-afd-analyse-was-tun-gegen-corona-proteste\/\">\u00bbQuerdenken, Spazierg\u00e4nger und die AfD: Eine Analyse der Corona-Proteste\u00ab<\/a>.) Die Intransparenz bei den Ma\u00dfnahmen der Pandemiebek\u00e4mpfung sorgte f\u00fcr eine Infrastruktur zur Verbreitung von Verschw\u00f6rungsmythen aber auch zur Mobilisierung von Protesten, etwa von Querdenken oder den Freien Sachsen, gegen die Regierung. Diese Strukturen werden von der Rechten, die die Ma\u00dfnahmenproteste ma\u00dfgeblich mitorganisiert hat, reaktiviert und genutzt um gegen die Teuerungen zu mobilisieren.<\/p>\n<p>Die AfD, die sich seit Beginn an die Seite von Querdenken und Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen gestellt hat, wei\u00df um das Potential, das in diesen protestwilligen Teilen der Bev\u00f6lkerung liegt \u2013 und sie nutzt sie. W\u00e4hrend die Linke zu Hause sa\u00df und die richtigerweise gegen das Virus sozial distanziert hat, konnten die Rechten auf den Stra\u00dfen agitieren.<\/p>\n<p><strong>Anti-Kriegs-Rhetorik<\/strong><\/p>\n<p>Neben der Pandemie spielt der AfD noch ein weiterer Faktor in die Karten: Der russische Angriff auf die Ukraine und die westlichen Sanktionen, die damit einhergingen.<\/p>\n<p>\u00bbFrieden schaffen ohne Waffen!\u00ab Diese bekannte Forderung der Anti-Kriegsbewegung und der LINKEN irritiert, wenn sie pl\u00f6tzlich von einer Partei ge\u00e4u\u00dfert wird, deren Mitglieder zu ma\u00dfgeblichen Anteil aus Polizist:innen und Soldat:innen besteht. Dennoch warb H\u00f6cke mit diesem Slogan auf einer Kundgebung gegen Waffenlieferungen an die Ukraine im Krieg gegen die russische Invasion.<\/p>\n<p>Dass mit dieser Forderung nicht ein baldiger Waffenstillstand oder gar ein Frieden verbunden ist, f\u00e4llt nicht schwer zu erkennen. So sind die Verbindungen von sogar prominenten AfD-Politiker:innen <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/investigativ\/ndr-wdr\/russland-afd-oligarch-101.html,\">nach Russland<\/a>, zur russischen Rechten bis hin zu Zarist:innen mehrfach <a href=\"https:\/\/andreaskemper.org\/2020\/01\/30\/zivile-allianz\/\">dokumentiert<\/a>. Viel mehr verbirgt sich hinter dieser Forderung ein Eintreten f\u00fcr die russische Seite im Ukrainekrieg, aber auch ein heuchlerische Oppositionsposition, die leider den gew\u00fcnschten Erfolg erzielt.<\/p>\n<p>Der Wut in der Bev\u00f6lkerung gegen die Inflation und die Preisteuerungen, sowie gegen die mangelhaften Entlastungspakete der Ampel-Regierung bieten einen immensen sozialen Sprengstoff \u2013 das wei\u00df nicht nur die Linke, sondern auch die Rechte.<\/p>\n<p>So hat der ehemalige Fraktionssprecher der AfD Christian L\u00fcth in heimlich aufgenommenen <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/christian-lueth-heimliche-videoaufnahmen-belasten-ex-afd-fraktionspressesprecher-a-c586e347-0254-4a11-8582-a1fda7dc756b\">Gespr\u00e4chen im September 2020<\/a> neben dem \u00bbErschie\u00dfen\u00ab und \u00bbVergasen\u00ab von gefl\u00fcchteten Menschen auch ge\u00e4u\u00dfert, dass \u00bb(\u2026) je schlechter es Deutschland geht, desto besser f\u00fcr die AfD (\u2026). Wenn jetzt alles gut laufen w\u00fcrde (\u2026), dann w\u00e4re die AfD bei drei Prozent. Wollen wir nicht. Deshalb m\u00fcssen wir uns eine Taktik \u00fcberlegen.\u00ab<\/p>\n<p><strong>Gegen den Westen<\/strong><\/p>\n<p>Die AfD war zu Beginn des russischen Angriffs sehr gespalten, wie sie sich verhalten sollte und tat dies auch nicht einheitlich. Erst mit dem Voranschreiten der Eskalation und dem damit verbundenen Preisanzug, positionierte sich die H\u00f6cke-AfD zunehmend prorussisch \u2013 mittlerweile offen. Sie tut dies in Verbindung mit einem antiwestlichen Narrativ, das in den Erinnerungen vieler Ostdeutscher Anklang findet. Alice Weidels \u00c4u\u00dferungen eines <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/alice-weidel-afd-ukraine-krieg-100.html\">\u00bbWirtschaftskriegs gegen Deutschland\u00ab<\/a> der von den USA gegen Russland initialisiert und von der Ampel-Regierung mitgetragen wird, sind hier die Vorlage f\u00fcr Chrupallas Slogan \u00bbUnser Land zuerst\u00ab.<\/p>\n<p>Die Ressentiments vieler Ostdeutscher gegen den Westen durch die Annektion der DDR durch die Bundesrepublik nach dem Zerfall der Sowjetunion bieten ein fruchtbaren Boden f\u00fcr die Rhetorik der AfD. So erscheinen Forderungen \u00bbNorth Steam [zu] reparieren und wieder in Betrieb [zu] nehmen\u00ab f\u00fcr Viele nach einem sinnvollen Weg raus aus den stetigen Teuerungen von Lebensmittel- und Energiepreisen. Das Ausbleiben linker Alternativen zum rechts-nationalistischen Gebaren der AfD beschleunigt den Rechtsruck weiter.<\/p>\n<p><strong>Solidarischer Herbst muss die linke Antwort sein<\/strong><\/p>\n<p>DIE LINKE, die auf ihrem Bundesparteitag in Erfurt beschlossen hat, den Kampf gegen Teuerung, Hochr\u00fcstung und Klimawandel an der Seite der Besch\u00e4ftigten und der sozialen Bewegungen anzugehen, muss dies mit dem Kampf gegen rechts und die AfD verbinden.<\/p>\n<p>Aktuell sehen wir jedoch eine gegenteilige Entwicklung: Die Radikalisierung der AfD und ihrer Anh\u00e4ngerschaft greift weit aus, w\u00e4hrend die Mobilisierungsf\u00e4higkeit der LINKEN und der Gewerkschaften deutlich zu w\u00fcnschen \u00fcbrig l\u00e4sst. Zu lokalen und bundesweiten solidarischen Herbst-Demonstrationen in den vergangenen Wochen hat die politische Linke nicht einmal 50.000 Menschen auf die Stra\u00dfe bringen k\u00f6nnen. Diese waren haupts\u00e4chlich von bereits organisierten und politisierten Menschen getragen, aber eben nicht von jenen, die wir f\u00fcr die sozialen Proteste gegen Inflation und Teuerungen agitieren und organisieren wollen.<\/p>\n<p>F\u00fcr DIE LINKE, die durch interne Konflikte Kr\u00e4fte bindet, die beim Hei\u00dfen Herbst dringend gebraucht werden, muss es hei\u00dfen: Konsequente Opposition statt Spaltung! Dies bedeutet auch die Lehren aus den Regierungsfallen in Th\u00fcringen, Bremen und Berlin zu ziehen und sich in den n\u00e4chsten Wahlk\u00e4mpfen, wie etwa n\u00e4chstes Jahr in Hessen, nicht in falsche Regierungsfantasien zu verlieren.<\/p>\n<p>DIE LINKE hat einen guten Auftakt zu einem solidarischen und linken Hei\u00dfen Herbst geleistet, aber auf diese kleinen Erfolge m\u00fcssen gr\u00f6\u00dfere folgen. Ebenfalls darf sie sich nicht in Details verlieren, sondern muss selbstbewusst und offen die Systemfrage stellen. Im vergangenen Jahr hat Deutschland \u00fcber 100.000 Million\u00e4r:innen hinzubekommen. Wir haben in Deutschland die viert meisten Milliard\u00e4re der Welt. Dieses Verm\u00f6gen gilt es umzuverteilen. Es muss uns darum gehen Energiekonzerne zu Vergesellschaften und Profite abzusch\u00f6pfen, um damit Menschen effektiv zu entlasten.<\/p>\n<p>Die AfD wird keine dieser Asse im \u00c4rmel der Linken spielen k\u00f6nnen. Sie wird auf keine der Fragen der aktuellen sozialen Verwerfungen, die quer durch die Gesellschaft gehen, eine soziale Antwort geben k\u00f6nnen. Im Gegenteil wird sie versuchen, die Spaltung der Gesellschaft weiter voranzutreiben und mit Nationalismus und Rassismus von eben jener Unf\u00e4higkeit f\u00fcr soziale Gerechtigkeit einzustehen abzulenken.<\/p>\n<p>In den Tarifrunden muss DIE LINKE den Gewerkschaften R\u00fcckendeckung f\u00fcr ihre Arbeitsk\u00e4mpfe geben, die mit Blick auf die Forderungen beim TV\u00f6D ins Kreuzfeuer der Arbeitgeberverb\u00e4nde mit Sch\u00fctzenhilfe der b\u00fcrgerlichen Presse geraten wird.<\/p>\n<p>Dies m\u00fcssen DIE LINKE und die Gewerkschaften sowohl nach innen als auch nach au\u00dfen klar machen und ihre Arbeitsk\u00e4mpfe und Proteste gegen die Hetze der AfD ausrichten. Am Ende d\u00fcrfen Lohnverhandlungen und Entlastungen aus der Politik zum Wohl von \u00bbdeutschen\u00ab Besch\u00e4ftigten nicht auf dem R\u00fccken von migrantisierten und rassifizierten Menschen ausgetragen werden.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/brauner-herbst\/\"><em>marx21.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 12. November 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>marx21-Redaktion. Die AfD befindet sich im Aufschwung \u2013 in Umfragen wie auch auf der Stra\u00dfe. Sie dominiert die Proteste gegen Inflation und Energiekrise, aber das muss nicht so bleiben. 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