{"id":12202,"date":"2022-11-22T12:50:57","date_gmt":"2022-11-22T10:50:57","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12202"},"modified":"2022-11-22T12:50:58","modified_gmt":"2022-11-22T10:50:58","slug":"tuerkei-bombardiert-kurdische-kraefte-in-syrien-und-dem-irak","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12202","title":{"rendered":"T\u00fcrkei bombardiert kurdische Kr\u00e4fte in Syrien und dem Irak"},"content":{"rendered":"<p><em>Bar\u0131\u015f Demir &amp; Ula\u015f Ate\u015f\u00e7i. <\/em>Das t\u00fcrkische Verteidigungsministerium k\u00fcndigte am Sonntagmorgen den Beginn der \u201eLuftwaffenoperation Klauenschwert\u201c gegen kurdisch-nationalistische Milizen im Norden des Iraks und Syriens an. Laut der Erkl\u00e4rung wurden Qandil, Asos und Hakurk im Nordirak und Kobane, Tel Rifaat, Cizire und Derik in Nordsyrien angegriffen. In Nordsyrien kam es<!--more--> Berichten zufolge in vielen Orten zu Massenprotesten gegen die Luftangriffe.<\/p>\n<p>Das Ministerium erkl\u00e4rte, die Luftangriffe seien \u201eim Einklang mit dem Recht auf Selbstverteidigung gem\u00e4\u00df Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen durchgef\u00fchrt worden\u201c. Berichten zufolge benutzen die t\u00fcrkischen Kampfflugzeuge den von Russland kontrollierten syrischen Luftraum, wonach die russische Regierung die Luftangriffe stillschweigend zul\u00e4sst.<\/p>\n<p>Die Operation gegen die von den USA unterst\u00fctzten Volksverteidigungseinheiten (YPG), den bewaffneten Fl\u00fcgel der Partei der Demokratischen Union (PYD), und die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) erfolgt inmitten des Nato-Kriegs gegen Russland in der Ukraine.<\/p>\n<p>Laut dem t\u00fcrkischen Verteidigungsministerium richteten sich die Luftangriffe gegen \u201eSchutzr\u00e4ume, Bunker, H\u00f6hlen, Tunnel, Munitionsdepots und so genannte Hauptquartiere sowie Ausbildungslager\u201c der PKK und der YPG; Zivilisten kamen angeblich nicht zu Schaden. Die Hawar News Agency (ANHA) meldete jedoch den Tod von elf Zivilisten, darunter des ANHA-Reporters \u0130sam Ebdullah, sowie sechs Verwundete, darunter ein weiterer Journalist. Dem Bericht zufolge wurden auch 14 syrische Soldaten get\u00f6tet.<\/p>\n<p>Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana best\u00e4tigte den Tod von syrischen Soldaten, nannte aber keine Zahlen.<\/p>\n<p>Das t\u00fcrkische Innenministerium machte die PKK und die YPG f\u00fcr einen Raketenangriff auf den Grenz\u00fcbergang \u00d6nc\u00fcp\u0131nar verantwortlich, bei dem am Sonntag acht Sicherheitskr\u00e4fte verwundet wurden. Die Nachrichtenagentur Anadolu berichtete au\u00dferdem \u00fcber den Einschlag von vier Raketen im Bezirk Karkam\u0131\u015f in der Provinz Gaziantep, die am Sonntagabend aus Nordsyrien abgefeuert wurden und in unbewohntem Gebiet niedergegangen seien. Der Bericht machte die YPG daf\u00fcr verantwortlich.<\/p>\n<p>Farhad Shami, Leiter der Medienabteilung der Syrischen Demokratischen Kr\u00e4fte (SDF), deren R\u00fcckgrat die YPG bildet, erkl\u00e4rte, die Luftangriffe h\u00e4tten das Corona-Krankenhaus in Kobane, das Kraftwerk in Derik und Getreidespeicher in Dahir al Arab zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>SDF-Generalkommandeur Mazlum Ebdi warnte vor einer Eskalation des Konflikts: \u201eWir wollen nicht, dass ein gro\u00dfer Krieg ausbricht. Aber wenn der t\u00fcrkische Staat unbedingt einen Krieg gegen uns f\u00fchren will, sind wir zu starkem Widerstand bereit. Der Krieg ist nicht auf dieses Gebiet beschr\u00e4nkt, er breitet sich \u00fcberall aus, und jeder ist davon betroffen.\u201c Die PYD f\u00fcgte hinzu: \u201eRussland und die internationale Koalition unter F\u00fchrung der USA sind f\u00fcr die Gr\u00e4ueltaten des t\u00fcrkischen Staats gegen unser Volk verantwortlich.\u201c<\/p>\n<p>Die Regierung von Pr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan stellte die Operation als Reaktion auf den Terroranschlag vom letzten Sonntag dar, der sich gegen Zivilisten in der Istanbuler Unabh\u00e4ngigkeitsstra\u00dfe (\u0130stiklal Cadessi), eine der belebtesten Stra\u00dfen der Stadt, richtete. Das Verteidigungsministerium schrieb zu den Luftangriffen auf Twitter: \u201eZeit f\u00fcr Vergeltung! Die Schurken werden f\u00fcr ihre heimt\u00fcckischen Anschl\u00e4ge zur Rechenschaft gezogen.\u201c Pr\u00e4sidentensprecher Ibrahim Kalin twitterte: \u201eDer Tag der Abrechnung f\u00fcr \u0130stiklal!\u201c<\/p>\n<p>Die t\u00fcrkische Regierung macht die PKK und die YPG f\u00fcr den Terroranschlag verantwortlich, bei dem sechs Menschen, darunter zwei Kinder, ums Leben kamen und weitere 81 verwundet wurden \u2013 was beide jedoch bestritten haben. Die mutma\u00dfliche Hauptt\u00e4terin, Ahlam Albashir, soll ausgesagt haben, sie sei \u201eein Mitglied der YPG\u201c, allerdings h\u00e4tte die YPG ihr \u201egedroht, ihren Geschwistern etwas anzutun\u201c, um sie zu dem Anschlag zu zwingen. Nach dem Anschlag wurden 19 Menschen verhaftet und 29 weitere abgeschoben.<\/p>\n<p>Abgesehen von den Verd\u00e4chtigungen gegen Albashir, die angeblich eine \u201eGeheimdienstoffizierin der YPG\u201c ist, haben Enth\u00fcllungen \u00fcber Telefonate zwischen ihr und der faschistischen Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP), die mit Erdo\u011fans Regierung verb\u00fcndet ist, Zweifel an den offiziellen Erkl\u00e4rungen geweckt. Mehmet Emin \u0130lhan, der MHP-Vorsitzende des Bezirks G\u00fc\u00e7l\u00fckonak in \u015e\u0131rnak, erkl\u00e4rte, der auf ihn registrierte Telefonanschluss sei illegal beschafft worden. Er habe nicht mit Albashir gesprochen.<\/p>\n<p>Daraus ergibt sich die Frage, ob Erdo\u011fans Beschuldigung, die PKK und die YPG seien f\u00fcr den Terroranschlag in Istanbul verantwortlich, Teil von Ankaras Pl\u00e4nen f\u00fcr eine Operation gegen kurdische Milizen in Syrien waren.<\/p>\n<p>Bezeichnenderweise hat das amerikanische Konsulat in Erbil in den letzten Tagen auf seiner Website ebenfalls eine Warnung an US-Staatsb\u00fcrger herausgegeben, in der es hei\u00dft, es beobachte \u201eglaubw\u00fcrdige Open-Source-Berichte \u00fcber potenzielle t\u00fcrkische Milit\u00e4raktionen im Norden Syriens und des Irak in den kommenden Tagen. Die US-Regierung r\u00e4t US-Staatsb\u00fcrgern weiterhin eindringlich, diese Gebiete zu meiden.\u201c<\/p>\n<p>Letztlich hat die Erdo\u011fan-Regierung den Terroranschlag als Vorwand f\u00fcr eine neue Operation gegen kurdisch-nationalistische Kr\u00e4fte in Syrien und dem Irak benutzt. Tats\u00e4chlich gehen Ankaras Vorbereitungen auf eine Invasion Syriens bis in den Mai zur\u00fcck. Am 23. Mai erkl\u00e4rte Erdo\u011fan: \u201eWir werden bald neue Schritte hinsichtlich der unvollendeten Teile der Arbeit einleiten, die wir begonnen haben, um eine 30 Kilometer tiefe Schutzzone entlang unserer S\u00fcdgrenze zu schaffen.\u201c<\/p>\n<p>Doch damals erhielt Ankara f\u00fcr seine neue Operation kein gr\u00fcnes Licht aus Washington, das die YPG als Stellvertreter gegen das syrische Regime von Pr\u00e4sident Assad benutzt, und ebenso wenig von Russland und dem Iran, die das Assad-Regime unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Die <em>World Socialist Web Site<\/em> und die Socialist Equality Group in der T\u00fcrkei rufen Arbeiter auf, den Missbrauch eines Terroranschlags als Vorwand f\u00fcr Militarismus und Krieg abzulehnen, und warnen Arbeiter weltweit vor den Gefahren einer milit\u00e4rischen Eskalation. Die Tatsache, dass bereits Soldaten der syrischen Regierung get\u00f6tet wurden, verdeutlicht die M\u00f6glichkeit einer weiteren Eskalation zwischen t\u00fcrkischen und syrischen Truppen. Bereits im Jahr 2020 waren die zunehmenden Spannungen zwischen Damaskus und Ankara \u2013 einem \u00fcberzeugten Unterst\u00fctzer des Nato-Kriegs f\u00fcr einen Regimewechsel in Syrien \u2013 zu einer direkten Konfrontation <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2020\/02\/22\/turk-f22.html\">eskaliert<\/a>.<\/p>\n<p>Ankara hat seit 2016 zahlreiche Operationen in Syrien gestartet, um die Entstehung eines kurdischen Staats an seiner S\u00fcdgrenze zu verhindern, und seine Nato-Verb\u00fcndeten, vor allem die USA, dazu aufgefordert, die YPG nicht mehr als Stellvertretertruppe in Syrien zu benutzen. Die t\u00fcrkischen Streitkr\u00e4fte und ihre islamistischen Stellvertreter kontrollieren derzeit etwa zehn Prozent des syrischen Gebiets. Dort leben 4,4 Millionen Menschen.<\/p>\n<p>Die Erdo\u011fan-Regierung ist dar\u00fcber hinaus mit einer scharfen wirtschaftlichen und sozialen Krise im eigenen Land konfrontiert. Die j\u00e4hrliche Inflationsrate liegt offiziell bei \u00fcber 85 Prozent, Dutzende Millionen Arbeiter leiden unter beispielloser Verarmung. W\u00e4hrend die Unzufriedenheit in der Arbeiterklasse w\u00e4chst, stehen in der T\u00fcrkei im Jahr 2023 Pr\u00e4sidentschafts- und Parlamentswahlen bevor.<\/p>\n<p>Unter diesen Umst\u00e4nden versucht Erdo\u011fan, durch das Sch\u00fcren von t\u00fcrkischem Nationalismus und Militarismus die Klassenspannungen zu unterdr\u00fccken und seinen R\u00fcckhalt wieder zu festigen. Die Regierung will die YPG au\u00dferdem aus Nordsyrien vertreiben, um syrisch-arabische Fl\u00fcchtlinge aus der T\u00fcrkei dorthin zu verbringen.<\/p>\n<p>Die einzige progressive Antwort auf diesen Konflikt \u2013 ein Nebenprodukt des Kriegs, den die imperialistischen M\u00e4chte unter der F\u00fchrung der USA im Nahen Osten seit 30 Jahren f\u00fchren \u2013 ist die revolution\u00e4re sozialistische Einheit der Arbeiterklasse gegen den Imperialismus und alle seine kapitalistischen Stellvertreter.<\/p>\n<p><em>#Bild: Inspektion eines Gel\u00e4ndes am Sonntag, dem 20. November 2022, das von t\u00fcrkischen Luftangriffen besch\u00e4digt wurde. Die Angriffe zerst\u00f6rten ein Elektrizit\u00e4tswerk im Dorf Taql Baql in der syrischen Provinz Hasakeh (AP Photo\/Baderkhan Ahmad) [AP Photo\/Baderkhan Ahmad]<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2022\/11\/21\/hbgp-n21.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 22. November 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bar\u0131\u015f Demir &amp; Ula\u015f Ate\u015f\u00e7i. Das t\u00fcrkische Verteidigungsministerium k\u00fcndigte am Sonntagmorgen den Beginn der \u201eLuftwaffenoperation Klauenschwert\u201c gegen kurdisch-nationalistische Milizen im Norden des Iraks und Syriens an. 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