{"id":12230,"date":"2022-11-27T10:34:32","date_gmt":"2022-11-27T08:34:32","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12230"},"modified":"2022-11-27T10:34:33","modified_gmt":"2022-11-27T08:34:33","slug":"chef-des-us-generalstabs-ruft-zu-verhandlungen-mit-russland-auf%ef%bf%bc","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12230","title":{"rendered":"Chef des US-Generalstabs ruft zu Verhandlungen mit Russland auf\ufffc"},"content":{"rendered":"<p>Eine Stimme der Vernunft (Verhandlungen mit Russland anstreben) kommt jetzt ausgerechnet aus dem Pentagon, von Joe Bidens oberstem Milit\u00e4rberater, General Mark Milley. Letzterer machte der Administration den obigen Vorschlag und holte sich wohl eine Abfuhr \u2013 dann brach er das Schweigegebot und ging, \u00fcber die New York Times, an die \u00d6ffentlichkeit. Obwohl<!--more--> er damit seine Karriere riskiert, wollte er doch nicht den Dingen ihren Lauf lassen bis hin zu dem Punkt, an dem die NATO nur die Wahl h\u00e4tte, eine Kr\u00f6te zu schlucken oder nuklear zu eskalieren. Mehr als die Russen f\u00fcrchtet er offenbar die Inkompetenz und Hybris der Bidens, Blinkens, Nulands, Selenskis und Baerbocks dieser Welt. Der ehemalige Pentagon-Berater Colonel Doug Macgregor versucht <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2022\/11\/10\/us\/politics\/biden-ukraine-russia-diplomacy.html\">im Interview<\/a> mit dem US-amerikanischen Journalisten Aaron Mat\u00e9, unsere Sinne f\u00fcr die milit\u00e4rische Realit\u00e4t zu sch\u00e4rfen. Von <strong>Redaktion nachdenkseiten<\/strong>.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p><strong>Aaron Mat\u00e9 (AM)<\/strong>: Willkommen bei Pushback, ich bin Aaron Mat\u00e9. Zugeschaltet ist Doug Macgregor, pensionierter Oberst der US-Army und ehemaliger Berater des Pentagon. Doug, danke, dass Sie wieder bei uns auf Sendung sind.<\/p>\n<p><strong>Doug Macgregor (DMG):<\/strong> Gerne!<\/p>\n<p><strong>Aaron Mat\u00e9 (AM):<\/strong> Was ist Ihre Reaktion auf die neue Entwicklung von Ende letzter Woche? Wie aus dem Nichts erscheint pl\u00f6tzlich der oberste Offizier des US-Milit\u00e4rs, General Mark Milley, Vorsitzender der Joint Chiefs of Staff (JCS), und spricht sich f\u00fcr Verhandlungen mit Russland aus. Das geschieht nur ein paar Wochen, nachdem progressive Kongressabgeordnete gezwungen wurden, ihren Aufruf f\u00fcr die gleiche Sache, n\u00e4mlich mit Russland \u00fcber die Beendigung dieses Krieges zu sprechen, zur\u00fcckzuziehen. Und jetzt ruft der h\u00f6chste Offizier des Landes, General Milley, in offensichtlichem Dissens mit Vertretern der Biden-Regierung, zu Gespr\u00e4chen mit Russland auf. Wie beurteilen Sie die Bedeutung dieses Vorgangs, und warum ist es von allen Menschen ausgerechnet General Milley, der sich f\u00fcr Gespr\u00e4che mit Russland stark macht?<\/p>\n<p><strong>Doug Macgregor (DMG):<\/strong> Nun, zun\u00e4chst einmal ist Milley daf\u00fcr bekannt, dass er nur Sachen unternimmt, deren Ergebnis er abgesch\u00e4tzt und als f\u00fcr sich g\u00fcnstig bewertet hat. Er verriet Dinge aus Gespr\u00e4chen mit Trump, die ihm Nutzen bringen sollten. Wir hatten keine Ahnung, ob sie wahr waren oder nicht. Jetzt macht er dasselbe mit der New York Times (NYT).<\/p>\n<p>Im Wesentlichen sagte er, glaube ich, die Ukrainer h\u00e4tten alles getan, was man sinnvollerweise erwarten kann, und es sei jetzt Zeit zum Verhandeln. Ziemlich genau das hat er gesagt und h\u00f6chstwahrscheinlich auch an die Adresse von Pr\u00e4sident Biden gerichtet. Nat\u00fcrlich wollten Biden, Sullivan, Blinken und die anderen nichts davon wissen. So gibt es zwei sehr interessante Aspekte, der zweite betrifft das \u201eaus der Schule Plaudern\u201c.<\/p>\n<p>General Milley ist der wichtigste milit\u00e4rische Berater des Pr\u00e4sidenten. Ehrlich gesagt, alles was er sagt, ist vertraulich und sollte mit Schweigen behandelt werden. Er kann denken und glauben, was er will, aber sobald er etwas davon mit dem Pr\u00e4sidenten teilt \u2013 ganz offen gesagt, Aaron, dort h\u00f6rt es auf. W\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges war Admiral Leahy im Wei\u00dfen Haus etwa das, was heute der Vorsitzende der JCS ist, au\u00dferdem gab es Ernest King von den National Forces und George Marshall von den Bodentruppen und der Air Force. Sie gingen nicht an die \u00d6ffentlichkeit und lie\u00dfen nichts von dem durchsickern, was sie jemals mit dem Pr\u00e4sidenten besprochen hatten, selbst dann nicht, als dieser gestorben war. Okay, das haben wir also ziemlich strikt eingehalten. Es gibt ein paar Ausnahmen, wo jemand aus der Schule geplaudert hat, und wenn das einem hohen General passiert, dann wird er normalerweise entfernt. Denn das ist nicht sein Job, er soll beraten, er ist kein Meinungsmacher, kein politischer Stratege. Dann also drittens, was hat Milley vor?<\/p>\n<p>Nun, ich kann euch versichern, dass Milley Angst hat, und das aus gutem Grund. Er hat zwar keine eigene Gefechtserfahrung, aber er kennt die einfachen, harten Tatsachen: Wir haben nicht gen\u00fcgend Munition, gen\u00fcgend Treibstoff, gen\u00fcgend Ersatzteile, gen\u00fcgend Soldaten bereit, um uns auf eine Konfrontation mit Russland einzulassen. Aber er wei\u00df auch, dass es unter bestimmten Umst\u00e4nden auf eine Konfrontation mit Russland hinausl\u00e4uft. Nun, vor ein paar Wochen war General Petraeus hier, der viel mit Milleys selbstst\u00e4ndiger Art gemeinsam hat, und er platzte mit der Idee einer multinationalen Task Force heraus, einer \u201eKoalition der Willigen\u201c, \u00fcberwiegend zusammengesetzt aus Kr\u00e4ften der USA, Polens und Rum\u00e4niens, im Ganzen 90.000 Mann stark, die irgendwann in der Westukraine auftauchen sollte, und das werde zu einem friedlichen Ergebnis f\u00fchren. Nun, Milley ist nicht dumm, er wei\u00df, dass das nicht friedlich ausgehen w\u00fcrde. Die Russen haben ganz klar gesagt, dass sie jede Einmischung in ihre Operation als feindlichen Akt behandeln werden. Au\u00dferdem ist ihm klar, dass wir nicht in der Lage sind, uns lange selbst zu versorgen.<\/p>\n<p>Die Ukrainer haben bis jetzt etwa 7.000 Artilleriegranaten am Tag verschossen. Bei den Russen sind es 20.000. Gerade haben wir mit den Koreanern die Lieferung von 100.000 Granaten vom Kaliber 155 Millimeter vereinbart. Wir haben sie f\u00fcr die Ukrainer gekauft. Nun, das Problem ist, das reicht gerade mal 14 Tage lang aus, um die Artillerie zu versorgen. Bei den Russen w\u00fcrde es f\u00fcr f\u00fcnf Tage reichen. Was ich sagen will: Wir k\u00f6nnen sie nicht konfrontieren, weil uns in der Tiefe der Nachschub fehlt. Und Milley wei\u00df noch mehr: Er wei\u00df, was kommen wird. Er hat gesehen, wie die Russen ihre Vorgehensweise v\u00f6llig ge\u00e4ndert haben. Als sie in die Ukraine einmarschierten, war es, als h\u00e4tten sie eine Hand auf dem R\u00fccken festgebunden. Sie nutzten nie mehr als 20 Prozent ihrer Bodentruppen, bei anf\u00e4nglich 110.000 Soldaten in der Ukraine. Und im August verlegten sie sich ganz auf die Defensive. Und dabei ist es geblieben: die Stellung konsolidieren, die H\u00f6rner einziehen, denn die Gener\u00e4le hatten Putin gesagt, dass der einzige Weg, dies zu beenden, der milit\u00e4rische ist.<\/p>\n<p>Wenn wir das milit\u00e4risch beenden wollen, bedeutet das: massive Offensiven, mehr Soldaten, mehr Material. Das braucht seine Zeit, und deshalb sagten die Russen: Sch\u00f6n, wir tauschen Landgewinn gegen Zeit, konsolidieren unsere Stellungen, minimieren unsere Verluste und lassen die Ukrainer sich verausgaben.<\/p>\n<p><strong>Die schlimmsten Kriegstreiber sind Zivilisten<\/strong><\/p>\n<p>Milley wei\u00df alles \u00fcber diese Dinge und ist beunruhigt, weil er mit Leuten redet, die keinen Bezug zur Realit\u00e4t zu haben scheinen. Und darin liegt die Gefahr. Er m\u00f6chte nicht eines Tages zum Pr\u00e4sidenten gehen und sagen m\u00fcssen: Herr Pr\u00e4sident, unsere konventionellen Streitkr\u00e4fte stehen kurz vor der Vernichtung, weil wir dort hineingetaumelt oder irgendwie hineingezogen worden sind, und jetzt k\u00f6nnen wir nur noch entweder die Russen um freien Abzug bitten oder nuklear antworten, aber das m\u00f6chte er nicht erleben.<\/p>\n<p>Niemand in Washington, der bei Sinnen ist, m\u00f6chte das erleben. Das Thema stand auch im Zentrum der Gespr\u00e4che zwischen China und Washington, oder zwischen Xi und Biden, und es wurde klar gesagt, dass keine Atomwaffen irgendwo eingesetzt werden sollten, unter keinen Umst\u00e4nden. Ich glaube, dass General Milley sich Sorgen macht, gro\u00dfe Sorgen wegen seiner Ansprechpartner und deren Ahnungslosigkeit in Bezug auf die Realit\u00e4t der Kriegsf\u00fchrung.<\/p>\n<p><strong>AM<\/strong>: Nur um Sie richtig zu verstehen: Milley kommt anderen Kollegen im Wei\u00dfen Haus zuvor, die Ihrer Meinung nach eine volle amerikanische Kriegsbeteiligung w\u00fcnschen?<\/p>\n<p><strong>DMG<\/strong>: Ich halte das f\u00fcr m\u00f6glich \u2013 dr\u00fccken wir\u2019s so aus: Ich glaube, dass der Vorschlag von Petraeus den Zivilisten sehr attraktiv erscheint. Denn was haben wir in den letzten 30 Jahren erlebt? Eine Reihe von Interventionskriegen, immer auf Wunsch der jeweiligen Au\u00dfenminister. Frau Albright war immer vorne mit dabei. Denken Sie an ihr ber\u00fchmtes Gespr\u00e4ch mit General Powell:<\/p>\n<p>Nun, Herr General, Sie sprechen immer \u00fcber diese tolle Armee. Warum sollten wir sie nicht einsetzen? Powell antwortete nat\u00fcrlich: Das Milit\u00e4r sollte nicht wahllos eingesetzt werden. Sondern nur, wenn es die letzte M\u00f6glichkeit ist, wenn man dazu gezwungen ist. Aber das Fazit, das alle Neocons und Globalisten von der Operation Desert Storm ziehen, ist dieses: \u201eSieh dir die sch\u00f6nen Spielsachen an. Wir k\u00f6nnen sie \u00fcberallhin mitnehmen. Wir k\u00f6nnen jeden, den wir wollen, zum Gehorsam zwingen.\u201c<\/p>\n<p>Nun, es gibt da ein kleines Problem. Russland kann man nicht zum Gehorsam zwingen, ebensowenig China. Wenn wir es trotzdem versuchen, verlieren wir in Osteuropa. Milley hat das ausgerechnet, versteht es und macht sich Sorgen, dass Blinken, Sullivan und Biden es nicht verstehen, weil sie von Kool-Aid [<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90830#foot_1\">1<\/a>] besoffen sind. Was meine ich mit Kool-Aid? Seit dem 24. Februar haben du und ich und alle Leute der ukrainischen Siegesrede gelauscht: \u201eDie Ukrainer gewinnen, sieh doch, sie gewinnen\u2026\u201c<\/p>\n<p>Nun, sieh dir die Landkarte an. Sie gewinnen mitnichten. Und sie haben schon mehr als 100.000 Tote und noch mehr Verletzte. Und eine gro\u00dfe Menge an Ausr\u00fcstung ging verloren \u2013 zerst\u00f6rt oder gestohlen. Sie pfeifen momentan auf dem letzten Loch. Sie haben nichts mehr aufzubieten \u2013 sie warten nur noch, bis der Hammer erscheint, der sie zermalmen wird, und deshalb sagt Milley: \u201eSie haben ungef\u00e4hr alles getan, was man erwarten kann, ich finde, sie sollten jetzt verhandeln\u201c und welche Antwort bekommt er? \u201eAuf keinen Fall. Wir m\u00fcssen die Russen kleinkriegen, sie besiegen, sie m\u00fcssen begreifen, wir m\u00fcssen ihnen diese Lektion erteilen\u201c. Es ist verr\u00fcckt.<\/p>\n<p><strong>AM<\/strong>: Hier ist eine Meldung von CNN, die zu Ihrer These passt, dass die B\u00fcrokraten, die Zivilisten im Au\u00dfenministerium viel aggressivere Falken sind als die Leute im Pentagon. CNN sagt, \u201eein Beamter erkl\u00e4rte, dass das Au\u00dfenministerium genau die Gegenposition von General Milley vertritt. Diese Dynamik f\u00fchrte zu der einzigartigen Situation, in der die Milit\u00e4rs in st\u00e4rkerem Ma\u00dfe als die US-Diplomaten zur Diplomatie dr\u00e4ngen.\u201c<\/p>\n<p><strong>\u00dcbersch\u00e4tzung der US-Streitkr\u00e4fte<\/strong><\/p>\n<p><strong>DMG<\/strong>: Nat\u00fcrlich. Nun, du wei\u00dft, dass wir seit mindestens 20, eher 30 Jahren das amerikanische Volk bel\u00fcgen \u2013 wieso bel\u00fcgen \u2013 wir haben immer gesagt: \u201ewir sind die gr\u00f6\u00dfte Milit\u00e4rmacht der Welt, niemand kann sich mit uns messen.\u201c Aaron, das stimmte schon damals nicht! Und seit 1991 haben wir den gr\u00f6\u00dften Teil unserer F\u00e4higkeiten abgebaut. Was wir heute haben, ist ein Schatten von dem, was vor 30 Jahren existierte. Und heute haben wir kein Monopol mehr auf die Technologien, die uns so erfolgreich machten. Vieles davon ist Mikroelektronik, die die Waffen pr\u00e4ziser macht.<\/p>\n<p>Tatsache ist, die Gener\u00e4le haben sich alle zwei Wochen mit neu geschaffenen Medaillen f\u00fcr Weihnachten geschm\u00fcckt und allen erz\u00e4hlt, sie seien Helden, und wir k\u00f6nnten alles erreichen, aber das stimmt nicht, und sie sahen, dass der Bluff nicht funktionierte, und dann ging, denke ich, Milley ins Wei\u00dfe Haus und sagte: Seht her, ihr wisst, dass das sehr gef\u00e4hrlich ist, wir wollen das nicht fortsetzen, wir m\u00fcssen das beenden, bevor es unkontrollierbar wird. Nebenbei, als wir vor diesem Interview am Diskutieren waren, h\u00f6rten wir von zwei irregeleiteten Raketen, die kurz hinter der polnischen Grenze eingeschlagen sind, wobei zwei Polen get\u00f6tet wurden. Deshalb tagt jetzt der polnische nationale Verteidigungsrat.<\/p>\n<p>Nun, ich wei\u00df nicht, was dabei herauskommen wird, ich nehme an, die Russen werden sagen, wie leid es ihnen tut [<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90830#foot_8\">8<\/a>], und versprechen, daf\u00fcr zu sorgen, dass es nicht wieder passiert. Ob dann die Polen damit zufrieden sein werden, ist schwer zu sagen, aber auf Seiten der NATO sehe ich kein Bed\u00fcrfnis, die Allianz zum Kampf gegen Russland zu motivieren, ich sehe einfach nichts dergleichen. Vielleicht wollen die Polen k\u00e4mpfen, oder einige der Rum\u00e4nen, aber das h\u00e4ngt alles von uns ab, wir sind das R\u00fcckgrat. Wir haben angefangen, die F\u00fchrung liegt bei uns.<\/p>\n<p><strong>AM<\/strong>: Lassen Sie uns \u00fcber den Zustand der ukrainischen Streitkr\u00e4fte sprechen. Wie Sie schon sagten, ist das \u00fcbliche Bild, das man uns vermittelt, dass die Ukraine diesen Krieg gewinnt, und zum Beweis f\u00fchrt man die Siege in Cherson und Charkow an.<\/p>\n<p><strong>Die russische Strategie<\/strong><\/p>\n<p>Aber mittlerweile wird auch still und leise zugegeben, wie hier in der NYT, dass das russische Milit\u00e4r trotz dieser Schlappen auf dem Schlachtfeld immer noch eine effektive Kampagne mit Raketen und Drohnen gegen die ukrainische Infrastruktur betreibt, was nach Ansicht von US-Beamten und milit\u00e4rischen Analysten auf L\u00fccken in dem schwer belasteten ukrainischen Luftverteidigungssystem schlie\u00dfen l\u00e4sst. Und vielleicht aus diesem Grund sagte j\u00fcngst ein US-Beamter in dem Magazin *Politico*:<\/p>\n<p>\u201eWarum nicht \u00fcber Friedensverhandlungen reden, bevor wir weitere 100.000 Soldaten ins Verderben schicken?\u201c<\/p>\n<p>Ist es nicht bezeichnend, dass es nun Kommentare dieser Art aus offiziellen Quellen gibt, was es meines Wissens bisher in diesem Krieg noch nicht gab?<\/p>\n<p><strong>DMG<\/strong>: Nun, die russische Entscheidung, sich nach anf\u00e4nglichen Gebietsgewinnen in den russisch sprechenden Regionen passiv und defensiv zu verhalten, hat sich in Wirklichkeit bezahlt gemacht, und die Ukrainer verloren zigtausende Soldaten in der endlosen Reihe ihrer Gegenangriffe. Nun verweisen viele Leute auf Charkow und sagen, das war doch ein sch\u00f6ner Erfolg dort oben \u2013 nun, dort standen aber nur 2.000 Russen. Nichts in dem flachen Gel\u00e4nde konnte die Russen aufhalten, bis sie den Fluss erreichten, der kurz vor der russischen Grenze verl\u00e4uft. Die Russen sagten: Wir brauchen diese 2.000 Mann und werden sie nicht opfern, also holt sie dort raus und lasst die Ukrainer das Gebiet besetzen.<\/p>\n<p>Und, nebenbei, w\u00e4hrend sie dort drin sind, wollen wir mit einem Gegenangriff so viele von ihnen t\u00f6ten, wie wir k\u00f6nnen \u2013 und genau das taten sie, und die Ukrainer verloren 30 bis 40 Prozent dieser Soldaten, von urspr\u00fcnglich 30.000, ein herber Verlust. Und \u00e4hnliche Situationen gab es entlang dieser ganzen \u00f6stlichen Front, erst in Cherson war es dann anders. In Cherson hatten wir 30.000 russische Soldaten in der Stadt, und flussaufw\u00e4rts am Dnepr gab es einen Staudamm. Wenn dieser zerst\u00f6rt w\u00fcrde, w\u00fcrde die ganze Stadt \u00fcberschwemmt werden. Die Russen entschieden sich gegen dieses Szenario. Sie wussten, dass sie die Stellung halten konnten, darum ging es nicht, sie hatten enorme Verteidigungsanlagen gebaut.<\/p>\n<p>Doch der oberste Kommandeur sagte zu Putin: Herr Pr\u00e4sident, ich will die Truppen da rausholen, wir brauchen dieses Gebiet jetzt nicht, wir k\u00f6nnen es jederzeit aufs Neue in Besitz nehmen. Holen wir die Soldaten raus, lassen sie sich ausruhen und regenerieren, dann k\u00f6nnen wir sie in den Gro\u00dfoffensiven dieses Winters einsetzen.<\/p>\n<p>Die Russen haben Territorien immer als etwas betrachtet, das nur gut ist, wenn es der eigenen Seite Vorteile bringt. Sie haben eine lange Geschichte, Gebiete links und rechts aufzugeben, wenn es strategisch sinnvoll war. So haben sie die Mongolen bek\u00e4mpft, so haben sie die Hunnen bek\u00e4mpft, und auch die T\u00fcrken, die Tartaren, jeden Gegner. Und sie bek\u00e4mpften mit dieser Methode auch Napoleon und die Franzosen, und sp\u00e4ter im Zweiten Weltkrieg die Deutschen. Gel\u00e4nde an und f\u00fcr sich hat nicht viel Wert, au\u00dfer wenn es dem Besitzer Vorteile bringt. Wenn du einen Vorteil hast, halt ihn fest, und das haben sie entlang der ganzen Ostfront beherzigt. Sie haben den Frontverlauf so gew\u00e4hlt, dass sich ihr Gel\u00e4nde leicht verteidigen l\u00e4sst, denn du willst dich mit dem geringsten Aufwand verteidigen und dabei zugleich m\u00f6glichst viele Angreifer t\u00f6ten.<\/p>\n<p>Darauf verstehen sich die Russen, sie haben das erfolgreich praktiziert. Die jetzige Situation kann nicht lange so bleiben, weil es der Ukraine an Soldaten fehlt. Sie haben nicht einmal mehr Treibstoff f\u00fcr ihre gepanzerten Fahrzeuge. Deshalb mussten sie viele davon, die meisten, zur\u00fcckziehen. So kommen sie keinen Schritt weiter. Sie k\u00f6nnen auch ihre Verwundeten nicht mehr vom Schlachtfeld in Sicherheit bringen. So sterben viele Ukrainer unn\u00f6tig an ihren Verletzungen. Wir schicken ihnen 100 M113-Mannschaftstransporter in unterschiedlichem Zustand, und die meisten m\u00fcssen dann als Krankenwagen herhalten. Auf schwer umk\u00e4mpften Schlachtfeldern kannst du nicht mit Helikoptern landen, um Menschen zu evakuieren.<\/p>\n<p>So funktionierte es in Vietnam und Korea: Ein MASH-Helikopter [<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90830#foot_2\">2<\/a>] taucht auf, sammelt die Verletzten ein, fliegt sie aus und ihr Leben wird gerettet. Hier funktioniert das nicht! Die Russen haben ein integriertes Luftverteidigungssystem. Deshalb ist auch die ukrainische Luftwaffe nicht sehr effektiv. Wenn wir mit unserer Air Force dort reingingen, w\u00fcrden wir in k\u00fcrzester Zeit viele Maschinen verlieren. Und k\u00fcrzlich wurde bekanntgegeben, dass auch der Bereitschaftsgrad unserer Air Force zu w\u00fcnschen \u00fcbrigl\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>Befreiungsversuche<\/strong><\/p>\n<p>Daher glaube ich, unsere Gener\u00e4le haben endlich reinen Tisch gemacht und sich gegen die Regierungslinie positioniert. Wie weit sie unter vier Augen gegangen sind, wei\u00df ich nicht, aber ich glaube, Milley bef\u00fcrchtet, man werde sie zu Fehlentscheidungen zwingen, also hat er seine Stimme h\u00f6ren lassen, und nachdem er mit der Antwort sehr unzufrieden war, beschloss er, es durchsickern zu lassen. Vielleicht kriegen wir in den kommenden Tagen ein klareres Bild, wie schlimm es auf unserer Seite wirklich aussieht, das w\u00e4re hilfreich. Das amerikanische Volk sollte wissen, dass, w\u00e4hrend wir nicht allzu starke Kr\u00e4fte haben und diese nicht in optimalem Zustand sind, wir auf die Truppenst\u00e4rke bezogen mehr Gener\u00e4le und Admir\u00e4le haben als w\u00e4hrend unserer ganzen Geschichte. Es ist, als fielen sie von den B\u00e4umen. Wir hatten so viele Hauptquartiere mit so vielen Admir\u00e4len und Gener\u00e4len, dass einem das Lachen dar\u00fcber vergeht. Es ist eine Schande.<\/p>\n<p><strong>AM:<\/strong> Erst diese Woche hat sich CIA-Chef Bill Burns mit seinem russischen Amtskollegen zusammengesetzt. Das Wei\u00dfe Haus bestand darauf, dass es nicht um die Beendigung des Krieges gegangen sei oder eine \u00dcbereinkunft, sondern nur um Deeskalation und die Vermeidung eines Atomkrieges. Glauben Sie das?<\/p>\n<p><strong>DMG:<\/strong> Ja, da wei\u00df ich nicht mehr als du. Es kann gut sein, dass Bill Burns, angesichts seines Hintergrundes, strikte Order hat, auf keinen Fall einen Waffenstillstand zu er\u00f6rtern. Denn die erste Voraussetzung f\u00fcr Friedensgespr\u00e4che ist ein Waffenstillstand, und gegen den hat sich jeder gestellt, denn es hei\u00dft ja, die Ukraine gewinnt, und dann will man keinen Waffenstillstand.<\/p>\n<p>Also kann es gut sein, dass sie die Wahrheit sagen, au\u00dferdem, wenn Du jetzt zu den Russen gingest, glaube ich nicht, dass du einen Waffenstillstand herausholen k\u00f6nntest. Verhandeln k\u00f6nntest du, aber was w\u00fcrdest du erreichen? Ich meine, ihre urspr\u00fcnglichen Ziele, um das mal so zu sagen, waren ganz einfach. Nummer 1: Die Ukraine soll nicht in die NATO. Kein NATO-Land darf in der Ukraine Truppen stationieren. Nummer 2: Die beiden abgespaltenen Ostgebiete erhalten Autonomie. Die Einwohner sind schlie\u00dflich Russen. Nummer 3: Die Krim sollte als legitimer Teil Russlands anerkannt werden. Das war sie seit 1700. Die Episode mit Chruschtschow, der in betrunkenem Zustand Kiew mit der Krim beschenkte, ist Unsinn. Und schlie\u00dflich, zur\u00fcck zu den Ministergerichten, gib den in der Ukraine lebenden Russen die gleichen Rechte wie anderen B\u00fcrgern. Und das ist alles.<\/p>\n<p>Und wenn du jetzt pl\u00f6tzlich auftauchtest, was glaubst du, dass du von den Russen bek\u00e4mest? Ich glaube nicht, dass du viel herausholen w\u00fcrdest. Sie w\u00fcrden dich anh\u00f6ren, aber ich glaube nicht, du w\u00fcrdest viel erreichen.<\/p>\n<p><strong>Zivile versus milit\u00e4rische Ziele<\/strong><\/p>\n<p><strong>AM: <\/strong>Nach dem Angriff auf die Kerch-Br\u00fccke, die Russland mit der Krim verbindet, antwortete Russland mit den bis heute schlimmsten Angriffen auf die zivile Infrastruktur in der Ukraine, und k\u00fcrzlich wurden sie fortgesetzt. Ich frage mich, wenn kein Waffenstillstand kommt, sondern eine gro\u00dfe russische Offensive mit den neu ausgehobenen Hunderttausenden von Soldaten, was glaubst du, wie das aussehen wird?<\/p>\n<p><strong>DMG<\/strong>: Zuallererst muss ich zur\u00fcck zu einem Punkt, um dich dort zu korrigieren. Wir reden immer von ziviler Infrastruktur. Aber wenn du im Krieg bist und das Stromnetz versorgt deine [<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90830#foot_3\">3<\/a>]) Armee, und du zerst\u00f6rst das Stromnetz, dann nicht, weil du der Bev\u00f6lkerung schaden willst. Sondern du versuchst, das Milit\u00e4r vom Zugang zu Energie abzuschneiden. Also sollten wir eines verstehen: die Russen haben nicht absichtlich Zivilisten als Ziel ausgew\u00e4hlt \u2013 umgekehrt jedoch gibt es eine Menge Beweise, dass der amerikanische HIMARS-Raketenwerfer von den Ukrainern wissentlich zum Angriff auf Zivilisten in Donezk, Luhansk, der Krim und anderen Orten eingesetzt wurde. [<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90830#foot_4\">4<\/a>]<\/p>\n<p>Dar\u00fcber redet keiner, weil ja die Ukraine immer makellos, demokratisch und perfekt ist, und Russland b\u00f6se, autorit\u00e4r und f\u00fcrchterlich. Aber in Wahrheit bietet die ukrainische Seite keinen sch\u00f6nen Anblick. Bei den Russen hat man sich bisher recht genau an Ziele von milit\u00e4rischem Wert gehalten. Wie es aber in Zukunft sein wird, wei\u00df ich nicht.<\/p>\n<p>Im Kosovokrieg, w\u00e4hrend der Luftangriffe auf Serbien, war ich Direktor des Joint Operation Center. Und wir hatten schon nach eineinhalb Wochen alle im engsten Sinne milit\u00e4rischen Ziele zerst\u00f6rt: alle Flugpl\u00e4tze, Kasernen und solche Dinge. Es war nicht mehr viel \u00fcbrig \u2013 Jugoslawien war fast noch ein Dritte-Welt-Land, es war nicht sehr weit entwickelt.<\/p>\n<p>Dann hatten wir eine Sitzung, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Sollen wir die Yugo-Fabrik angreifen? [<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90830#foot_5\">5<\/a>] Nun, dort werden tats\u00e4chlich auch Fahrzeuge f\u00fcr die jugoslawische Armee gebaut. OK, wir greifen sie an. Was ist mit den Donaubr\u00fccken? Nun, von diesen wurden nur zwei vom Milit\u00e4r benutzt. Aber es gab 23 Br\u00fccken \u2013 k\u00f6nnte die jugoslawische Armee auch die anderen benutzen? Ja \u2013 also griffen wir alle dreiundzwanzig an.<\/p>\n<p>Was ich sagen will, ist, wenn du in den Krieg ziehst, dann r\u00fcckt das, was anf\u00e4nglich rein zivil war, mit dem Fortschreiten des Krieges und des Mobilisierungsgrades immer mehr in die Kategorie des \u201ewarte mal, das hat auch m\u00f6gliche milit\u00e4rische Anwendungen\u201c.<\/p>\n<p>Ich finde, wir haben es damals im Kosovokrieg \u00fcbertrieben. Ich glaube nicht, dass die Russen diesen Punkt schon erreicht haben. Aber ich glaube, wenn die gro\u00dfen Offensiven beginnen, werden sie alles vernichten, was Widerstand leisten k\u00f6nnte. Sie werden es nicht darauf ankommen lassen.<\/p>\n<p>(\u2026)<\/p>\n<p><strong>Die Optionen der Russen<\/strong><\/p>\n<p>Aber soweit ich das bisher aus der Ferne sehen konnte, sind die Russen bisher viel vorsichtiger und sorgf\u00e4ltiger bei der Auswahl ihrer Ziele gewesen als die NATO in Serbien.<\/p>\n<p>Wenn sie jetzt auch die Wasserversorgung angreifen \u2013 und es sieht danach aus \u2013 das hei\u00dft: Angriff auf Wasserwerke, auf Kraftwerke, auf Treibstoffdepots f\u00fcr Diesel, Benzin, auf jede Art von Raffinierungskapazit\u00e4t und Produktionskapazit\u00e4t, nicht nur milit\u00e4risch \u2013 all das muss sein, wenn du das Niveau der gegen dich gerichteten F\u00e4higkeiten senken willst, und ich glaube, wir werden erleben, dass die Russen nun jeden Tag und jede Nacht bis zur Gro\u00dfoffensive dazu nutzen werden, auch die restlichen F\u00e4higkeiten des Gegners zu dezimieren.<\/p>\n<p>Es ist nun im russischen Interesse, die Ukrainer frieren zu lassen. Es ist im russischen Interesse, die Europ\u00e4er frieren zu lassen. Ganz besonders die Deutschen. Wir haben daf\u00fcr gesorgt und es herbeigef\u00fchrt [<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90830#foot_6\">6<\/a>]. Nicht die Russen waren es, sondern wir. Und das wissen die Russen. Es geh\u00f6rt nicht zu den Sachen, die sie zu Beginn ihrer Operation, dieser SMO, geplant hatten.<\/p>\n<p>Diese SMO begann sehr begrenzt, sehr gezielt und sollte ein bestimmtes Ergebnis liefern. Doch dazu kam es nicht. Die zugrundeliegenden Annahmen waren fehlerhaft. Die Russen konnten nicht ahnen, dass wir milit\u00e4rische Ausr\u00fcstung im Wert von so vielen Milliarden Dollar liefern w\u00fcrden. Ich glaube auch nicht, dass sie damit rechneten, dass wir Angestellte britischer oder US-amerikanischer Firmen, ehemalige oder sogar aktive Soldaten in ziviler Kleidung, an die Front schicken w\u00fcrden, um komplexe Systeme wie den HIMARS-Raketenwerfer zu bedienen. Wir kennen nicht einmal das volle Ausma\u00df dieser Aktivit\u00e4ten. Ich glaube auch nicht, dass sie damit rechneten, dass auf Kommandeursebene NATO-Personal zur Unterst\u00fctzung des ukrainischen Personals eingesetzt werden w\u00fcrde. Und sie ahnten nicht, dass NATO-Hauptquartiere die ukrainische Kriegsf\u00fchrung aus der Ferne lenken w\u00fcrden.<\/p>\n<p>So haben die Russen den Gegner falsch eingesch\u00e4tzt, diese Einsch\u00e4tzung m\u00fcssen sie nun korrigieren und unbarmherzig werden, um diesen Krieg zu einem Ende zu bringen. Und ich glaube, General Milley wei\u00df \u00fcber diese Dinge Bescheid. Und Milley kann nicht der Einzige sein, und deshalb glaube ich, er ging ins Wei\u00dfe Haus, sagte dort die Wahrheit und war nicht zufrieden mit der Antwort, die man ihm gab.<\/p>\n<p><strong>AM:<\/strong> Mit Bezug auf das, was Sie gerade ausgef\u00fchrt haben, wie dieser Krieg f\u00fcr Russland zu einem Imperativ wird, die Ukrainer und Europ\u00e4er frieren zu lassen: Wenn Sie in Washington kraft Ihres Amtes diesen Krieg beenden k\u00f6nnten, w\u00fcrden Sie doch diese Option ergreifen, au\u00dfer wenn Ihnen ukrainische und europ\u00e4ische Menschenleben egal w\u00e4ren?<\/p>\n<p><strong>DMG:<\/strong> Nun, Aaron, ich habe nicht viele Hinweise auf gro\u00dfes Mitgef\u00fchl in dieser Abteilung entdecken k\u00f6nnen. Wenn es dieses Mitgef\u00fchl g\u00e4be, h\u00e4tten wir den Krieg niemals so weit kommen lassen. Und, wie ich dir und deinen Kollegen schon gesagt habe, h\u00e4tte ich auch nicht geglaubt, dass uns mal ein US-Pr\u00e4sident in Osteuropa in einen Krieg mit Russland verwickeln w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Unser einziges wirkliches Interesse an dieser Region liegt in der Beendigung des Krieges und der Implementierung einer L\u00f6sung, was immer dazu n\u00f6tig ist. Ende Februar schrieb ich einen Gastartikel und schlug vor, eine Armee aus neutralen Staaten zusammenzustellen, aus Finnland, Indien, \u00d6sterreich, Malaysia und anderen, die zwischen den Armeen der Russen und Ukrainer f\u00fcr eine Waffenstillstandszone sorgen sollte. Und dann Gespr\u00e4che f\u00fchren, bis eine L\u00f6sung gefunden ist. Aber niemand interessierte sich daf\u00fcr. Doch jetzt gibt es auf einmal wenigstens *eine* Stimme der Vernunft, und bestimmt gibt es noch mehr Menschen in Uniform, die auch sagen: es ist Zeit aufzuh\u00f6ren \u2013 aber ich glaube nicht, dass wir das schaffen.<\/p>\n<p><strong>Die UNO ist keine Hilfe<\/strong><\/p>\n<p><strong>AM<\/strong>: Glauben Sie, dass Russland ausreichende Anstrengungen unternommen hat in dieser Richtung \u2013 einmal sprach ja Putin von Friedenstruppen f\u00fcr den Donbass? Aber aus meiner Perspektive, und vielleicht t\u00e4usche ich mich ja, konnte ich nicht erkennen, dass sie viel Aufhebens davon machten. Ich habe sie nicht im UN-Sicherheitsrat gesehen, um dort zu sagen, wir brauchen internationale Friedenstruppen, um die Bewohner des Donbass zu sch\u00fctzen und einen Krieg zu vermeiden, oder wir werden selbst einmarschieren m\u00fcssen, weil es kein anderer tut, und die USA sind zur\u00fcck in der Ukraine, die diese ethnischen Russen im Donbass mit Artilleriefeuer belegt. Deshalb brauchen wir internationale Friedenstruppen. Hat Ihrer Meinung nach Russland sich ausreichend engagiert, um die Gewalt zu vermeiden?<\/p>\n<p><strong>DMG<\/strong>: Nun, ich wei\u00df, dass viele Russen in den St\u00e4dten und D\u00f6rfern des Donbass leben, die laut eigener Aussage kurz davorstanden, von Mitgliedern des Asow-Regiments liquidiert zu werden, als im letzten Moment russische Truppen und Panzer auftauchten und verhinderten, dass sie erschossen und ihr Dorf niedergebrannt wurde. Also war das eine reale Gefahr.<\/p>\n<p>Ich glaube nicht, dass Putin viel Vertrauen in die UNO hatte, und vermute, dass er wahrscheinlich damit richtig lag, wenn man an die letzte Abstimmung denkt. Ich meine, die meisten Delegierten der UNO, wenn wir sagen, ihr sollt auf eine bestimmte Weise abstimmen, werden sie es tun, weil wir \u00fcber Mittel verf\u00fcgen, ihr Leben zu beeinflussen, indem wir die dollarbasierte Wirtschaft und Finanzen zusammen mit den Finanzinstitutionen kontrollieren. Wir kontrollieren den IWF und die Weltbank, und folglich, wenn du in Zentralafrika, Lateinamerika oder S\u00fcdwestasien bist, wirst du dich dann widersetzen und sagen, es tut uns leid, wir sind nicht eurer Meinung, die Russen haben ein stichhaltiges Argument? Viel eher werden wir sagen: Seht, wir m\u00f6gen zwar diesmal mit den Russen sympathisieren, aber es ist nicht in unserem Interesse, uns damit zu exponieren, deshalb werden wir mit den USA stimmen.<\/p>\n<p>So hatte er [Putin] wahrscheinlich recht mit der Schlussfolgerung, dass er von dort nicht viel Hilfe zu erwarten hatte. Ich glaube, sein gr\u00f6\u00dftes Problem war, nicht zu verstehen, was uns derzeit in Washington regiert, diese Bande die *entschlossen ist*, auf Teufel komm raus, Russland zu ruinieren, das Land und seine Regierung zu zerschlagen, und zweitens glaube ich, er untersch\u00e4tzte, in welchem Ausma\u00df wir tats\u00e4chlich in Kiew das Sagen hatten.<\/p>\n<p><strong>Selenski als Spielball des Westens<\/strong><\/p>\n<p><strong>AM:<\/strong> Und wie weit reicht diese Kontrolle, zum Beispiel\u2026<\/p>\n<p><strong>DMG<\/strong>: Absolut. Sie ist absolut. Wenn der US-Pr\u00e4sident Verhandlungen zu einer Friedensl\u00f6sung wollte, w\u00fcrde er Selenski anweisen, die Klappe zu halten. Nun gibt es die Theorie, dass Selenski von Ultranationalisten umgeben ist, die ihn t\u00f6ten wollen, wenn er so etwas tut. Ich wei\u00df nicht \u2026 dazu kann ich nichts sagen. Aber wenn ihm die Ukraine am Herzen liegt, sollte er vielleicht dieses Risiko eingehen, um Menschenleben zu retten. Bis jetzt konnte ich jedoch keine Ans\u00e4tze in dieser Richtung erkennen, oder hast du welche gesehen?<\/p>\n<p><strong>AM<\/strong>: Nein. Ich meine, wir wissen von Fiona Hill [<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90830#foot_7\">7<\/a>], dass nach offiziellen Angaben Ende April ein Entwurf f\u00fcr ein Friedensabkommen existierte. Sie erkl\u00e4rte nicht, was diesen Plan vereitelt hat, aber Putin behauptet, und die ukrainischen Medien berichten gest\u00fctzt auf Selenski-nahe Quellen, dass der damalige britische Premierminister Boris Johnson nach Kiew kam und Selenski wissen lie\u00df, dass der Westen seine Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine beenden w\u00fcrde, falls er ein Friedensabkommen mit Russland schlie\u00dfen sollte. Er befahl ihm also de facto, weiterzuk\u00e4mpfen, und Selenski gehorchte.<\/p>\n<p><strong>DMG<\/strong>: Wir d\u00fcrfen nicht vergessen, dass London und Washington in dieser Angelegenheit am selben Strang ziehen. Dass Boris Johnson in Kiew diese Dinge sagen konnte, w\u00e4re niemals denkbar gewesen ohne vorherige Abstimmung mit Washington. Man kann also sicher sein, dass sie sich einig waren. Und London, das au\u00dfer uns der sch\u00e4rfste Bef\u00fcrworter des Krieges mit Russland ist, wie du am Einsatz ihrer Spezialkr\u00e4fte als Trainer und Assistenten an allen m\u00f6glichen Stellen in der Ukraine sehen kannst, bildet auf britischem Boden tausende ukrainischer Soldaten aus, schon seit einiger Zeit. Deshalb sollten wir nicht so sehr Boris Johnson als Akteur sehen, sondern London als Teil jener Achse mit Washington, das im Sinne von Washington agiert.<\/p>\n<p>(\u2026)<\/p>\n<p>\u00dcbersetzung: Max Stadler<\/p>\n<p><strong>Fussnoten<\/strong><\/p>\n<p>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90830#note_1\">\u00ab1<\/a>] Kool-Aid ist ein in den 1920-er Jahren in Nebraska hergestelltes Getr\u00e4nkekonzentrat. \u201eDrinking the Kool-Aid\u201c ist eine Metapher f\u00fcr die \u00dcbernahme einer Ideologie unter Gruppenzwang.<\/p>\n<p>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90830#note_2\">\u00ab2<\/a>] Das Akronym M*A*S*H steht f\u00fcr den Hubschrauber Bell 47. Die Buchstaben bedeuten: Mobile Army Surgical Hospital.<\/p>\n<p>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90830#note_3\">\u00ab3<\/a>] Macgregor meint hier wohl eher: die feindliche Armee.<\/p>\n<p>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90830#note_4\">\u00ab4<\/a>] \u00dcber derartige Angriffe wird in RT auf t\u00e4glicher Basis sowie in Dokumentationen berichtet, w\u00e4hrend westliche Medien das Thema konsequent verschweigen.<\/p>\n<p>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90830#note_5\">\u00ab5<\/a>] Gemeint ist die heutige serbische Firma Zastava, die damals den Yugo, einen Kleinstwagen, baute.<\/p>\n<p>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90830#note_6\">\u00ab6<\/a>] Die Amerikaner sagen immer \u201ewir\u201c, wenn sie von den USA reden, und bleiben diesem \u201ewir\u201c treu, egal in wie unvorteilhaften Licht die USA erscheinen. Der Satz bezieht sich ansonsten auf die Gasknappheit angesichts des kommenden Winters, ausgel\u00f6st durch die Sanktionspolitik und die Sabotageakte an den Nordstream-Pipelines. Was Macgregor hier sagen will, ist wahrscheinlich: Es w\u00e4re im russischen Interesse, wenn auch die Deutschen endlich begriffen, wer ihnen die Energieprobleme eingebrockt hat, n\u00e4mlich nicht Putin, sondern sie selbst und die USA.<\/p>\n<p>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90830#note_7\">\u00ab7<\/a>] Fiona Hill arbeitete als Expertin f\u00fcr russische und europ\u00e4ische Beziehungen unter den Pr\u00e4sidenten Bush, Obama und Trump.<\/p>\n<p>[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90830#note_8\">\u00ab8<\/a>] Man \u201estellte fest\u201c, bald danach, dass die fehlgeleitete Rakete von einer ukrainischen S-300-Luftverteidigungsbatterie stammte, und verk\u00fcndete dies von h\u00f6chster Stelle aus (Biden). Es ist schon ungew\u00f6hnlich, dass man diesmal nicht den Russen die Schuld gab, und es zeigt den dringenden Wunsch, eine direkte Kriegsbeteiligung nach NATO-Artikel 5 zu vermeiden.<\/p>\n<p><em>Titelbild: Von U.S. Secretary of Defense \u2013 SECDEF USSOCOM Change of Command, CC BY 2.0, <\/em><a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=122488581\"><em>commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=122488581<\/em><\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90830\"><em>nachdenkseiten.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 27. November 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Stimme der Vernunft (Verhandlungen mit Russland anstreben) kommt jetzt ausgerechnet aus dem Pentagon, von Joe Bidens oberstem Milit\u00e4rberater, General Mark Milley. 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