{"id":12262,"date":"2022-12-01T11:00:00","date_gmt":"2022-12-01T09:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12262"},"modified":"2022-12-01T11:00:06","modified_gmt":"2022-12-01T09:00:06","slug":"woche-der-streiks-in-oesterreich-der-klassenkampf-ist-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12262","title":{"rendered":"Woche der Streiks in \u00d6sterreich: Der Klassenkampf ist zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p><em>Maxi Schulz. <\/em><strong>Seit Jahrzehnten gab es in \u00d6sterreich keine Streikdynamik wie derzeit. Die Bahn wurde f\u00fcr 24 Stunden lahmgelegt, in den Brauereien, bei der Telekom und in einigen Kliniken wurde ebenfalls gestreikt. Der Streik der Handelsbesch\u00e4ftigten wurde trotz schwachem Abschluss verhindert. Eine \u00dcbersicht \u00fcber die Geschehnisse. <\/strong><!--more--><\/p>\n<p>In kaum einem Land der Welt wird vergleichsweise so wenig gestreikt wie in \u00d6sterreich. Die Schlagzeilen dominieren meist korrupte und rechtsextreme Politiker:innen. Doch nun zeigt die \u00f6sterreichische Arbeiter:innenklasse ihre Macht. Aufgrund der hohen Inflation gibt es in allen organisierten Sektoren eine hohe Streikbereitschaft und gro\u00dfen Kampfeswillen. Daher k\u00f6nnen die Gewerkschaftsf\u00fchrungen nicht so einfach wie sonst Kompromisse mit den Bossen aushandeln.<\/p>\n<p>Die Eisenbahnen standen still, \u00fcber 50.000 Arbeiter:innen haben gestreikt. Zus\u00e4tzlich zu den Besch\u00e4ftigten der \u00d6sterreichischen Bundesbahnen (\u00d6BB) traten Kolleg:innen aus 60 weiteren Verkehrsunternehmen in den Streik.<\/p>\n<p>In \u00d6sterreich ist so ein gro\u00dfer Streik eine absolute Ausnahme, in vielen Jahren wird im ganzen Land nicht eine einzige Minute gestreikt. Die Besch\u00e4ftigten fordern mindestens 400 Euro mehr Lohn. Das entspricht einer Lohnerh\u00f6hung um 12-13 Prozent und w\u00fcrde somit knapp \u00fcber der Inflation von elf Prozent liegen. Der \u00d6BB-Chef Andreas Matth\u00e4 zeigte keinerlei Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Ausstand und bot bisher kein annehmbares Angebot an. Besonders fortschrittlich an diesem Streik ist auch die Allianz, die die Besch\u00e4ftigten mit der Klimabewegung bilden wollen. Die Streikenden luden Klimaaktivist:innen zu ihren Streiks ein. Diese folgten dem Aufruf, um gemeinsam gegen die soziale Krise und den Klimawandel zu k\u00e4mpfen. Die Arbeiter:innen in diesem essentiellen Sektor k\u00f6nnen mit ihrer Position die Logistik des Landes lahmlegen, weshalb sie \u00fcber eine gro\u00dfe Macht verf\u00fcgen, die sie auch f\u00fcr Klimaschutz einsetzen wollen.<\/p>\n<p>Auch die Besch\u00e4ftigten der A1 Telekom Austria k\u00e4mpfen zurzeit f\u00fcr eine Gehaltserh\u00f6hung. Am 29. November fand der erste Warnstreik statt, um die geforderten 10,6 Prozent zu erhalten. Bei diesen Kollektivvertragsverhandlungen geht es um insgesamt 10.000 Besch\u00e4ftigte. Tausende von ihnen folgten dem Aufruf der Gewerkschaft und der Betriebsr\u00e4te und zeigten auf einer Streik-Demonstration ihre Kampfbereitschaft.<\/p>\n<p>Fast einhundert Prozent der Besch\u00e4ftigten in den Ordensspit\u00e4lern (\u00f6sterreichisch f\u00fcr Privatkrankenh\u00e4user) sprachen sich f\u00fcr den Streik aus. In den Spit\u00e4lern Speising, Barmherzige Br\u00fcder, Barmherzige Schwestern, St Josef, Herz-Jesu und G\u00f6ttlicher Heiland gab es am 23. November die ersten Warnstreiks. 500 Euro mehr Lohn lautet die Forderung der Besch\u00e4ftigten. Das Angebot der Arbeitgeber:innen ist davon meilenweit entfernt, sie boten eine Einmalzahlung in H\u00f6he von circa 400 bis 700 Euro an. Das ist unglaublich dreist und verantwortungslos. Der Streik ist absolut gerechtfertigt!<\/p>\n<p>Frustriert sind auch die Besch\u00e4ftigten im Braugewerbe. Sie fordern elf Prozent mehr Lohn, um die Inflation auszugleichen. Bisher gab es noch kein faires Angebot. Bei Stiegl in Salzburg, Ottakringer in Wien und vielen mehr blieben daher die Braukessel leer. Wenn die Verhandlungen im Dezember weiterhin kein Ergebnis bringen, werden mindestens weitere Warnstreiks folgen.<\/p>\n<p>Den Bossen wollten auch die Besch\u00e4ftigten im Einzelhandel Dampf machen. Ihr letzter Streik war im Jahr 1951. Nach mehreren Verhandlungsrunden waren die Bosse immer noch nicht bereit, \u00fcber ihr Angebot von vier Prozent hinauszugehen. In \u00fcber 300 Unternehmen lagen daher bereits Streikbeschl\u00fcsse vor. Doch in der letzten Verhandlungsrunde einigten sich die Gewerkschaft GPA und die Arbeitgeber:innen auf eine Lohnerh\u00f6hung von 8,6 Prozent. W\u00e4hrenddessen sind die Lebensmittelpreise um 33 Prozent gestiegen, Strom um 120 Prozent, Sprit um 42 Prozent und die Mieten um 16 Prozent. Dieses Ergebnis ist ein Schlag ins Gesicht der 430.000 Arbeiter:innen. Mit den bereits vorbereiteten Streiks h\u00e4tte es sicherlich noch weitaus h\u00f6here Lohnerh\u00f6hungen geben k\u00f6nnen. In den sozialen Netzwerken mehren sich daher kritische Kommentare:<\/p>\n<p><em>Das \u201aErreichte\u2018 ist eine einzige Mogelpackung und die GPA ist (wiedermal) umgefallen wie ein St\u00fcck Holz. [\u2026] Der Reallohnverlust in nicht zu vernachl\u00e4ssigender H\u00f6he ist somit f\u00fcr viele Leute eingetreten. [\u2026] Wir alle wissen, dass wir mit nur einem Warnstreik an einem Adventswochenende eine deutlich fairere Erh\u00f6hung zustande gebracht h\u00e4tten.<\/em><\/p>\n<p>Diese Verhandlung ist nun abgeschlossen, die Verhandlungen in den anderen Branchen laufen weiter.<\/p>\n<p>Die Besch\u00e4ftigten in all diesen Sektoren d\u00fcrfen keine Spaltung der Belegschaften durch ungleiche Gehaltserh\u00f6hungen oder sonstige faule Kompromisse wie etwa Einmalzahlungen oder Lohnerh\u00f6hungen unter der Inflationsrate wie im Handel hinnehmen. Ein Inflationsausgleich f\u00fcr alle Kolleg:innen im Betrieb muss das Ziel sein! Auf dem Weg dahin werden weitere Streiks vonn\u00f6ten sein. Ob diese zustande kommen werden, ist noch unklar. So oder so, der Klassenkampf ist zur\u00fcck in \u00d6sterreich.<\/p>\n<p><em>#Bild. Der \u00d6BB-Streik fegt die Bahnsteige am Wiener Hauptbahnhof leer, 28. November 2022. Bild: Robert Marktl \/ shutterstock.com<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle:. <a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/woche-der-streiks-in-oesterreich-der-klassenkampf-ist-zurueck\/\">klassegegenklasse.org&#8230;<\/a> vom 1. Dezember 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Maxi Schulz. Seit Jahrzehnten gab es in \u00d6sterreich keine Streikdynamik wie derzeit. Die Bahn wurde f\u00fcr 24 Stunden lahmgelegt, in den Brauereien, bei der Telekom und in einigen Kliniken wurde ebenfalls gestreikt. 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