{"id":12273,"date":"2022-12-02T10:38:28","date_gmt":"2022-12-02T08:38:28","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12273"},"modified":"2022-12-02T10:38:30","modified_gmt":"2022-12-02T08:38:30","slug":"raubzug-ost-erinnerungen-an-die-treuhand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12273","title":{"rendered":"Raubzug Ost \u2013 Erinnerungen an die Treuhand"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Am 5.11. fand im Berlin-Lichtenberger Cafe Wostok eine Veranstaltung des <\/em><\/strong><a href=\"https:\/\/z-p4.www.instagram.com\/stadtteilkomitee_lichtenberg\/\"><strong><em>Stadtteilkomitees Lichtenberg<\/em><\/strong><\/a><strong><em> mit Christa Luft zum Thema Treuhand statt. Die ehemalige Wirtschaftsministerin der DDR und sp\u00e4tere Bundestagsabgeordnete der PDS erz\u00e4hlte dabei von jenen bewegten Tagen, in denen die westdeutschen Eliten sich das ehemalige Volkseigentum einverleibten <\/em><em>und<\/em><\/strong><!--more--> <strong><em>einen ganzen Landesteil deindustrialisierten. Wir ver\u00f6ffentlichen den Vortrag in einer gek\u00fcrzten Fassung.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ich bin 1938 geboren, werde also in wenigen Wochen 85. Keine sch\u00f6ne Sache in einer solchen Zeit. Ich hatte mir das anders vorgestellt. Ich habe auch zwei Urenkel und denke manchmal: In welche Zeit kommen die eigentlich hinein, die jetzt begonnen hat?<\/p>\n<p>Ich komme aus einer Arbeiterfamilie, bin in einem Dorf gro\u00df geworden und da habe ich viel Kontakt gehabt mit Tieren. Das hat auch meinen ersten Berufswunsch gepr\u00e4gt. Ich wollte, falls ich das Abitur mache, was ja damals auch noch nicht so ganz allt\u00e4glich war, Veterin\u00e4rmedizin in Rostock studieren. Das war mein Wunsch.<\/p>\n<p>Dann kam es anders, wie des \u00f6fteren in meinem Leben. Es war kurz vor Ende der elften Klasse. Der Direktor der Oberschule und die Gewi-Lehrerin kamen und sagten: Wir m\u00fcssen von unserer Oberschule f\u00fcnf Leute nach Halle schicken, an die Arbeiter- und Bauernfakult\u00e4t, die ABFII, mit verst\u00e4rktem Russisch-Unterricht. Dort werde man vorbereitet auf ein Auslandsstudium.<\/p>\n<p>Ich gebe zu, ich hatte mir das nicht gew\u00fcnscht. Ich war aber auch nicht so couragiert zu sagen \u201cich habe andere Zukunftspl\u00e4ne, ich mache das nicht\u201d. Courage zu entwickeln, habe ich erst sp\u00e4ter im Leben gelernt. Jedenfalls, ich ging nach Halle. Ich kam von einem sprachlichen Zug an der Oberschule, hatte Franz\u00f6sisch, Russisch, Englisch. Und in Halle wurde ich mit diesem Hintergrund in den naturwissenschaftlichen Zug gesteckt. Da schrieb ich dann erst mal meine ersten Vieren bzw. F\u00fcnfen in Mathe und Physik. Die meisten anderen in der Gruppe waren in den F\u00e4chern alle viel weiter als ich. Was mir fehlte, musste ich dann neben dem ohnehin prallen Programm noch nachholen. Habe ich auch geschafft. Aber mit Medizin ist es nichts geworden. Mir fehlte das zweite Jahr Latein, das an der Oberschule erst in der 12. Klasse dran war, aber ich war ja nach der 11. Klasse gegangen. Das Kleine Latinum aber war damals Voraussetzung f\u00fcr das Medizinstudium. Das ist heute anders.<\/p>\n<p>So, da stand ich also vor dem Problem: Was machst du denn nun? Und da spielte wieder der Zufall eine Rolle. Es kam eine Truppe, die warb Interessenten f\u00fcr ein Studium des Au\u00dfenhandels und der Internationalen Wirtschaftsbeziehungen an der neu gegr\u00fcndeten Hochschule f\u00fcr Au\u00dfenhandel in Berlin-Staaken. Staaken geh\u00f6rt zu Spandau, war aber war damals wie ganz Berlin geteilt. Oststaaken geh\u00f6rte zum Westen und Weststaaken geh\u00f6rte zum Osten. Das war eine tolle Situation f\u00fcr das Hochschul-Kabarett. Das hatte \u00fcber die 3 Meter breite Stra\u00dfe, die die beiden Teile trennte, tolle geistreiche Programme gemacht.<\/p>\n<p>Na, jedenfalls habe ich dann 1956 an dieser Hochschule f\u00fcr Au\u00dfenhandel angefangen. 1958 wurden wir mit der Hochschule f\u00fcr Plan-\u00d6konomie in Berlin-Karlshorst vereinigt. Ein Jahr vorher waren schon die Finanzer aus Potsdam-Babelsberg gekommen. Insofern war im Grunde damals eine \u00f6konomische Universit\u00e4t in Karlshorst entstanden.<\/p>\n<p>Da habe ich dann von 1956 an studiert, bis 1960. Wir lagen an der Protokollstrecke, das werde ich nie vergessen. Wenn <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ddr\/politik-gesellschaft\/sport\/taeve-schur-radsport-biografie-100.html\">T\u00e4ve Schur<\/a> mit seinen Teamkollegen vorbeifuhr, standen wir nat\u00fcrlich alle auf der Stra\u00dfe und haben applaudiert. Wenn Angela Davis in Berlin war und bei uns in der N\u00e4he, waren wir immer auf der Stra\u00dfe. Also es war wunderbar.<\/p>\n<p>1960 wurde ich fertig mit dem Studium und hatte bereits einen Arbeitsvertrag mit einem Au\u00dfenhandelsunternehmen in Berlin. Und dann passierte, was mir schon mal passiert war: Ein Plan wurde umgeworfen. Von der Hochschulleitung erfuhren ein paar andere Absolventen und ich, dass bis Jahresende 10 kurzfristig zugeteite Assistenten-Stellen zu besetzen seien. Und da wir uns vor Studienbeginn verpflichtet haben, nach dem Abschluss f\u00fcr mindestens drei Jahre dort zu arbeiten, wo wir dringend gebraucht w\u00fcrden, mussten wir die Verpflichtung jetzt einl\u00f6sen. Und so wurde ich Assistentin an der Hochschule f\u00fcr \u00d6konomie im Fach Au\u00dfenhandel.<\/p>\n<p>Ich habe dann dort 1964 promoviert, meine Habilitationsschrift geschrieben und 1968 verteidigt, als wissenschaftliche Assistentin, als Oberassistentin und Dozentin gearbeitet und wurde 1971 zur Ordentlichen Professorin f\u00fcr Au\u00dfenwirtschaft berufen. Sp\u00e4ter war ich \u2013 dann schon mit der ganzen Familie \u2013 ein paar Jahre in Moskau an einem internationalen Forschungsinstitut.<\/p>\n<p>Einige Jahre nach meiner R\u00fcckkehr aus Moskau wurde ich zur Rektorin der Hochschule f\u00fcr \u00d6konomie berufen. Und da habe ich bei meiner Investitur <em>(Einsetzung in ein Amt, Anm. d. Red.)<\/em> in einem Vortrag auch \u00fcber meine Zukunftsvorstellungen gesprochen. Unter anderem habe ich gesagt: Ich m\u00f6chte, dass dieses gro\u00dfe, leistungsf\u00e4hige und leistungswillige Kollektiv nicht immer im Nachhinein die Beschl\u00fcsse der Parteif\u00fchrung als weise begr\u00fc\u00dfen und popularisieren soll, sondern dass wir Gelegenheit bekommen, im Vorfeld daran mitzuarbeiten. Nicht, weil wir uns als Besserwisser verstehen, sondern weil Wissenschaft eine Bringschuld gegen\u00fcber der Gesellschaft hat, von der sie finanziert wird. Wir aber konnten uns oft nicht des Eindrucks erwehren, dass die Parteioberen wissenschaftlichen Rat eher als versuchte Einmischung und nicht als Unterst\u00fctzungsbereitschaft empfanden. Das Auditorium Maximum war bis zum letzten Platz \u00fcbervoll. In den ersten zwei Reihen sa\u00df die Politprominenz, die aus den Ministerien, aus Parteieinrichtungen usw.<\/p>\n<p>Und ich habe gedacht, du sagst jetzt mal das, was dir schon so lange auf der Seele liegt.<\/p>\n<p>Der Saal tobte vor Beifall. In den beiden ersten Reihen des Auditoriums maximum, wo die besagten Vertreter von Partei und Staat sa\u00dfen, guckten diese eher pikiert nach unten.<\/p>\n<p>Ja, es gab so ein paar Situationen in meinem Leben, wo ich nicht alles mitgemacht habe, was gewollt war. Das h\u00e4tte damals schiefgehen k\u00f6nnen. Aber es ist gut gegangen.<\/p>\n<p>Ich war dann dort ein ein gutes Jahr Rektorin. Und nach der Grenz\u00f6ffnung 1989 und dem R\u00fccktritt der Regierung Stoph erhielt Hans Modrow den Auftrag, eine neue Regierung zu bilden. Ich bekam einen Anruf aus der Kaderabteilung des Ministeriums f\u00fcr Hoch- und Fachschulwesen. Gefragt wurde, ob ich am n\u00e4chsten Tag Zeit h\u00e4tte. Hans Modrow wolle mich gern sprechen. Ich hatte ihm vor Tagen die Studien geschickt, die wir nach meiner Investitur erarbeitet hatten und in dem Begleitbrief geschrieben, dass, falls er anders als seine Vorg\u00e4nger Rat entgegen nehmen w\u00fcrde, die Hf\u00d6 dazu bereit w\u00e4re.<\/p>\n<p>Ich hatte Zeit und ging zum gew\u00fcnschten Treffen. Modrow hatte von Willi Stoph noch keine Erlaubnis, das Geb\u00e4ude des Ministerrates zu betreten und dort einen Arbeitsplatz einzunehmen. Willi Stoph wollte, dass er erst gew\u00e4hlt wird von der Volkskammer \u2013 und dann k\u00f6nne er dort hin. Also musste er seinen Arbeitsplatz im Johanneshof, einem Hotel, aufschlagen und das Treffen mit mir war im G\u00e4stehaus des Ministerrates gegen\u00fcber dem M\u00e4rkischen Museum anberaumt. Es war alles ein bisschen seltsam. Und ich komme also dorthin. Ich musste ein bisschen unten warten und sehe, dass nacheinander aus dem ersten Stock die Vorsitzenden der Parteien des demokratischen Blocks, wie das hie\u00df, nacheinander runterkommen. Und da dachte ich mir, hier scheint irgendwie sowas wie eine Koalitionsverhandlung zu laufen. Und so war es auch.<\/p>\n<p>Hans Modrow holt mich von unten ab, f\u00fchrt mich in einen gro\u00dfen Raum mit einem Tisch, auf dem ich schon meine Papiere liegen sehe. Mein Blick f\u00e4llt darauf und er sagt: Ja, darum geht es auch. Vor allem aber geht es mir darum, dass ich dich als Person brauche. Ich hatte im Leben viele Kadergespr\u00e4che, wo immer allerhand Leute dabei waren. Dieses Mal waren wir zwei allein und ich kam innerhalb weniger Minuten in die h\u00f6chste Funktion meines Lebens. Ich habe es damals nicht fertiggebracht zu sagen \u201cNein Hans, ich mache das nicht\u201d. Ich wusste, was da auf mich zuk\u00e4me, in seiner Regierung mitzumachen \u2013 und zwar als seine Erste Stellvertreterin. Ich wusste auch, was ich meiner Familie aber niemals zumuten werde, und deshalb konnte ich nicht Ja sagen. Ich habe aber auch nicht laut und vernehmlich Nein gesagt, er war in solcher Bedr\u00e4ngnis, musste am n\u00e4chsten Tag seine Regierungsmannschaft auf dem Papier haben und absegnen lassen von der Volkskammer. So bin ich also in dieses Amt gekommen.<\/p>\n<p>Und da begann eine neue Periode mit allen Stolpersteinen und mit allen Widrigkeiten, die man so im Leben erleben kann.<\/p>\n<p><strong>Vernichtung von Volkseigentum<\/strong><\/p>\n<p>Nun, wir wollen heute Abend \u00fcber die Treuhand reden? Ja, also wenn das Stichwort \u201eTreuhand\u201c f\u00e4llt, beobachte ich, dass bei den meisten Ostdeutschen auch so viele Jahre, nachdem die Anstalt ihre Tore geschlossen hat, die Emotionen hochschlagen \u2013 und das kommt ja nicht von ungef\u00e4hr\u2026<\/p>\n<p>Diese Treuhand steht f\u00fcr die Abwicklung, f\u00fcr die Au\u00dferdienststellung oder f\u00fcr die Verscherbelung von 9000 DDR-Unternehmen, die unter ihrer Regie standen. Zumeist n\u00e4mlich zu 85 Prozent an westdeutsche Interessenten, zu 10 Prozent an Ausl\u00e4nder und zu mageren 5 Prozent an DDR-B\u00fcrger. Es gab keine Evaluation des DDR-Wirtschaftsbestandes, es gab nur Konkurrenz und Interessen. Und die hat die Treuhand brav bedient. In einem Satz gesagt: Die Treuhand steht f\u00fcr mich f\u00fcr die gr\u00f6\u00dfte Vernichtung von Produktivverm\u00f6gen in Friedenszeiten. Eine solche Vernichtungsaktion von Dingen, die nach dem Zweiten Weltkrieg unter riesigen inneren Schwierigkeiten, mit viel Schwei\u00df von vielen, vielen Menschen und mit von au\u00dfen errichteten H\u00fcrden aufgebaut worden waren, ist bemerkenswert. Und das in nur vier Jahren. An den Folgen krankt Ostdeutschland bis heute. Und viele, viele Menschen litten und leiden daran bis jetzt. Nicht wenige Suizide gehen auf diese Politik zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Also die Treuhand steht \u2013 ich wiederhole das \u2013 f\u00fcr die gr\u00f6\u00dfte Vernichtung von Produktivverm\u00f6gen in Friedenszeiten und das unter den Augen der Bundesregierung, mit deren Duldung, auf deren Gehei\u00df und mit deren Weichenstellung. Dieser Aspekt kommt mir bis heute viel zu wenig zur Sprache.<\/p>\n<p>Ich bin als Sachverst\u00e4ndige eingeladen zu einem Treuhand-Untersuchungsausschuss im Land Th\u00fcringen. Der l\u00e4uft schon und im Dezember bin ich da dran. Ich werde die Rolle der Bundesregierung dort ganz dick unterstreichen, denn diese hat daf\u00fcr gesorgt, dass wir einen W\u00e4hrungsumtauschkurs zwischen der D-Mark und der Mark der DDR bekamen, der \u2013 das wussten alle \u00f6konomisch Bewanderten in Ost und West, dazu f\u00fchren mu\u00dfte, dass die meisten DDR-Betriebe zugrunde gehen.<\/p>\n<p>Wenn diese fr\u00fcher vor der W\u00e4hrungsunion in westliche L\u00e4nder oder sagen wir konkret in die Bundesrepublik exportiert haben, bekamen sie f\u00fcr einen Erl\u00f6s von einer DM im Innern 4,40 Mark der DDR gutgeschrieben. Damit bezahlten sie L\u00f6hne, Material, Mieten und alles andere. Nach der W\u00e4hrungsunion war der Kurs 1:1, d.h. sie bekamen f\u00fcr eine D-Mark, unabh\u00e4ngig davon, wie hoch der Inlandsaufwand war, nur eine D-Mark gutgeschrieben. Das musste zum Untergang f\u00fchren und ist trotzdem wissentlich, auch gegen laute Warnungen prominenter westdeutscher \u00d6konomen, so gemacht worden.<\/p>\n<p>Dann gab es eine Altschulden-Regelung, die die Bundesregierung vorgegeben hat. Kredite, die die DDR-Kombinate und Betriebe aufgenommen hatten, wurden ihnen vor der Privatisierung als Schulden in die B\u00fccher geschrieben, obwohl sie mit Schulden wie im b\u00fcrgerlichen Gesetzbuch definiert, nichts zu tun hatten. Es waren selbst erwirtschaftete Gewinne, die die Betriebe mit Ausnahme von \u00dcberplan-Gewinnen abf\u00fchren mussten an die \u00fcbergeordneten Ministerien. Wenn sie Investitionen planten, mussten sie bei denen vorstellig werden und um entsprechende Mittel bitten. Wenn sie Gl\u00fcck hatten, haben sie was gekriegt. Und wenn sie keins hatten, gingen sie leer aus. Das hei\u00dft, selbst erarbeitete Gewinne wurden ihnen dann sp\u00e4ter als Schulden angerechnet, weil sie Kredite brauchten.<\/p>\n<p>Diese belasteten die Privatisierungsobjekte mit einem Schuldenrucksack, der dazu f\u00fchren musste, dass Kaufinteressenten das gen\u00fcsslich in Verhandlungen als Mangel ansahen und den Preis dr\u00fccken konnten.<\/p>\n<p>Das haben auch Rechtswissenschaftler in der Wendezeit thematisiert und gewarnt, dass das nicht geht. Die Art der Investitionsfinanzierung in der DDR interessierte die Westseite aber nicht.<\/p>\n<p>Zu den falschen Weichenstellungen geh\u00f6rte auch, dass die Treuhand nicht dem Wirtschaftsministerium unterstellt wurde, das f\u00fcr Strukturpolitik verantwortlich ist, sondern dem Finanzministerium. Man hatte also nur im Kopf Geld herauszuschlagen, nicht aber, dass die zu privatisierenden Betriebe im Besch\u00e4ftigunginteresse schnell auf dem Markt wieder Fu\u00df fassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Emp\u00f6rend ist, dass die Treuhandmanager f\u00fcr rasche Privatisierung von der Bundesregierung Boni zugesagt bekamen. Kein Wunder, dass denen das Verkaufstempo wichtiger war, als die Qualit\u00e4t und Seriosit\u00e4t der erzielten L\u00f6sung. So kamen auch Westinteressenten ohne Referenzen zum Zuge, d.h. sie mussten nicht einmal den Nachweis erbringen, dass sie schon jemals einen Betrieb gef\u00fchrt und zum Erfolg gebracht hatten.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich, das ist der H\u00f6hepunkt, erteilte die Regierung dem Treuhandmanagement Haftungsfreistellung selbst f\u00fcr grobe Fehler. Unglaublich, aber wahr!<\/p>\n<p><strong>Zwei Arten Treuhand<\/strong><\/p>\n<p>Die Bundesregierung hatte also einen wesentlichen Anteil daran, was in Ostdeutschland passiert ist. Was mich deshalb besonders \u00e4rgert, ist, dass unbedarfte oder b\u00f6swillige Westjournalisten, Schriftsteller und selbst Wissenschaftler meinen, die Treuhand sei doch ein Produkt der letzten DDR-Regierung unter Hans Modrow gewesen. Und insofern habe diese auch Schuld an dem, was daraus geworden ist. Das ist ein b\u00f6sartiger Fake.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich gab es zwei Sorten von Treuhand, wenn ich das so sagen darf. Es gab eine Treuhand, die unter der Regierung Modrow gegr\u00fcndet worden ist und am 1. M\u00e4rz 1990 die Arbeit aufnahm. Man kann es nachlesen im Gesetzbuch. Die hatte die Aufgabe, das Volkseigentum im Interesse der Allgemeinheit zu erhalten und nicht etwa zu privatisieren oder zu verscherbeln.<\/p>\n<p>Am 1. M\u00e4rz 1990 war aber schon klar, dass es am 18. M\u00e4rz bei den Volkskammerwahlen eine andere Parteien-Konstellation geben wird und dass die SED\/PDS dann nicht mehr in der Regierung sein wird. Es kam dann ja so, dass die \u201eAllianz f\u00fcr Deutschland\u201c \u2013 also CDU, DSU (ein Partner der CSU) und der \u201eDemokratische Aufbruch\u201c \u2013 gewannen. Gesteuert und in jeder Hinsicht gef\u00f6rdert wurde das von der Bundesregierung. Und Herr de Maizi\u00e8re machte sich dann sofort als neuer Ministerpr\u00e4sident daran, die alte Modrow-Treuhand auf Gehei\u00df der Bundesregierung aus dem Feld zu r\u00e4umen und eine neue Treuhand zu gr\u00fcnden. In deren Auftrag stand dann, sie solle das Volkseigentum so rasch wie m\u00f6glich privatisieren. Aus einer Anstalt zur Bewahrung des Volkseigentums im Interesse der Allgemeinheit war eine Privatisierungsanstalt geworden. Auch im Osten liefen damals schon, das darf man nicht verschweigen, Bestrebungen einiger fr\u00fcherer Generaldirektoren, die schon lange Gesch\u00e4ftskontakte mit Westmanagern hatten. Man wollte schon mal aushandeln, wer bei der Privatisierung was bekommt. Also die Modrow-Treuhand hat es im Grunde nur sechs Wochen gegeben.<\/p>\n<p>Diese Treuhand von de Maizi\u00e8re hatte als ersten Leiter einen Chef, der kam von der Deutschen Bahn. Das war Herr Gohlke. Der warf nach sechs Wochen das Handtuch, weil er merkte, was f\u00fcr eine Aufgabe er dort \u00fcbernehmen sollte. Er merkte, dass das nicht geht mit dem genannten W\u00e4hrungskurs. Er verstand, dass das alles \u00fcberhaupt nicht funktionieren konnte.<\/p>\n<p>Dann kam Herr Rohwedder (SPD). Der war ein ausgewiesener Sanierer vom Konzern Hoesch und war auch einmal im Bundeswirtschaftsministerium besch\u00e4ftigt gewesen. Er war im Grunde ein Sch\u00fcler von Karl Schiller, einem sehr bekannten Wirtschaftsminister der alten Bundesrepublik. Der hatte bei einem Besuch bei Hans Modrow und mir im Januar 1990, als er sich \u2013 begleitet von Henning Voscheau, dem Ersten B\u00fcrgermeister von Hamburg \u2013 informieren wollte \u00fcber die Wirtschaftsreform der Modrow-Regierung, gesagt: Wenn es zum Zusammenwachsen der beiden deutschen Staaten kommt, muss die DDR-Wirtschaft nicht von heute auf morgen die Strukturen annehmen, die die BRD hat. Es kann durchaus Jahre dauern und in Schritten vor sich gehen, allerdings mu\u00df das Ziel sein, dass die Unternehmen l\u00e4ngerfristig marktf\u00e4hig werden. Dem Motto schloss sich Rohwedder an. Er wollte erst sanieren und dann privatisieren, nicht wie seine Nachfolgerin Breuel, die es umgekehrt wollte. Er meinte immer, einige gro\u00dfe Unternehmen k\u00f6nnten durchaus noch bis zu zehn Jahre, ohne privatisiert zu werden, im Eigentum z.B. von Bund oder L\u00e4ndern bleiben. So geschah das zum Beispiel mit der Jenoptik, hervorgegangen aus <em>Carl Zeiss Jena<\/em>. Dieses Unternehmen blieb lange Jahre zu 100 Prozent im th\u00fcringischen Landeseigentum, entwickelte sich gut, auch weil die Landesregierung sich in der Pflicht sah, M\u00e4rkte zu erhalten, bzw. neu zu schaffen. Solche Positionen waren vielen ein Dorn im Auge und Rohwedder wurde leider nicht alt in dieser Funktion.<\/p>\n<p>Dann kam Birgit Breuel. Und jetzt hie\u00df es: Erst privatisieren und dann sanieren. Sie sagte immer: Der neue Eigent\u00fcmer wei\u00df am besten, was er mit den Unternehmen macht. Das m\u00fcsse man denen nicht vorschreiben. Das war ihre Position.<\/p>\n<p>Breuel war \u00fcbrigens eine fr\u00fchere CDU-Finanzministerin in Niedersachsen gewesen. Man schickte sie dann in diesen horrend gut bezahlten Job als Treuhandchefin und sie zog das dann auch durch bis zum Ende. 1994 schraubte sie das Schild vom Haus der Ministerien ab, wo sie gesessen hatte.<\/p>\n<p>Sie war eine Verfechterin der schnellen Privatisierung. Ihr war egal, was mit den Menschen, die da ihre Arbeit verloren, passieren wird. Ihr war egal, welche Wirtschaftsstruktur in Ostdeutschland bleiben wird. Es kam zu einer kleinteiligen Struktur ohne Unternehmenszentralen und mit einer minimierten Zahl von Gro\u00dfbetrieben.<\/p>\n<p><strong>Im Goldrausch der Privatisierung<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe 1992 einen Treuhand Report ve\u00f6ffentlicht, den ersten, den es \u00fcberhaupt gegeben hat. Dazu hatte mich der Chef des <em>Aufbau<\/em> Verlages animiert. Und in dem Zusammenhang musste ich oft die Treuhand besuchen. Die sa\u00df im Haus der Elektroindustrie am Alexanderplatz. Wenn man dort hochkam, standen links und rechts B\u00e4nke in den G\u00e4ngen. Da sa\u00dfen dunkel gekleidete junge M\u00e4nner, meistens mit Goldkettchen, mit dicken goldenen Armbanduhren, mit Aktenkoffern. Das waren alles Interessenten f\u00fcr Angebote der Treuhand. Die strahlten alle, wenn sie wieder rauskamen aus dem Besprechungszimmer. Die hatten in der Regel bekommen, was sie wollten und brauchten nicht einmal Referenzen. Ob sie schon irgendwo mal ein Unternehmen geleitet hatten, das spielte keine Rolle. Die Hauptsache war: Sie hatten eine Postleitzahl aus dem Westen.<\/p>\n<p>Ein Beispiel: Der Anlagenbau in der Berliner Allee der Kosmonauten war ein Werk, das internationale Kontakte hatte, gute Absatzm\u00e4rkte, 1000 Mitarbeiter, keine Schulden, volle Auftragsb\u00fccher. Das wurde zur Privatisierung angeboten. Bekommen hat es eine Schweizer Firma, die hatte wenig mehr als 50 Mitarbeiter. Geleitet wurde sie von einem Deutschen, einem Herrn Rottmann. Was hat der nun gemacht? Ostdeutsche Kombinate und Betriebe hatten alle gro\u00dfe Lagerpl\u00e4tze, um Material vorzuhalten. Die haben die neuen Manager erstmal verscherbelt und sich den Erl\u00f6s eingesteckt. Es war ein Goldrausch.<\/p>\n<p>Rottmann hat dann angefangen, peu a peu die Maschinen aus dem Betrieb zu verkaufen. Die qualifizierten Mitarbeiter hat er in den Westen vermittelt, das Gesch\u00e4ftskonto gepl\u00fcndert. Und als er alles rausgeholt hatte, was da rauszuholen ging, ist er abgehauen. Der wurde drei Jahre lang gesucht. Man hat ihn dann irgendwo auf Mallorca gefunden. Aber dann hat er gesagt: alles Geld sei weg. Das war zwar ein extremer, aber kein Einzelfall.<\/p>\n<p><strong>Nicht mehr zu retten? <\/strong><\/p>\n<p>Ich will noch einmal von vorne anfangen. Nat\u00fcrlich war die Wirtschaft der DDR 1990 reformbed\u00fcrftig. Das ist \u00fcberhaupt keine Frage. Das wussten wir DDR-\u00d6konomen schon lange. Die Kombinate und Betriebe wurden v\u00f6llig bestimmt durch Planvorgaben \u2013 bis ins Kleinste. Plan, Richtungsvorgaben, Koeffizienten, Bilanzanteile, so hie\u00df das alles. Au\u00dferdem haben sie meistens Naturalkennziffern vorgegeben bekommen. Der Gewinn spielte eine untergeordnete Rolle. Es ging um Hektoliter, um Quadratmeter, um Tonnen. So entstand ja dann auch der Begriff der Tonnen-Ideologie. Das haben wir \u00d6konomen lange schon moniert. Aber die SED-F\u00fchrung war resistent gegen\u00fcber Ratschl\u00e4gen aus der Wissenschaft. Das ist offenbar ein Problem, das es in allen Gesellschaftsordnungen gibt. Das beobachte ich jetzt auch.<\/p>\n<p>Also wir wussten, die Wirtschaft muss reformiert werden, aber das war nicht deckungsgleich mit dem Mythos, der bis heute kursiert: Die Wirtschaft der DDR sei \u201emarode\u201c gewesen und der Staat \u201epleite\u201c. Das sind die zwei Adjektive, die immer kursierten und die sich zum Teil bis heute halten.<\/p>\n<p>Wenn man die Wirtschaft der DDR betrachtet, gab es gen\u00fcgend Probleme. Und gemessen an der produktivsten Wirtschaft in Europa, n\u00e4mlich der der alten Bundesrepublik, lagen wir zur\u00fcck. Keine Frage. Das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner lag in der DDR bei etwa bei 55% bis 60% des damaligen Niveaus der alten Bundesrepublik. Aber wir lagen bei 80% des britischen Bruttoinlandsprodukts pro Kopf und die Spanier lagen weit hinter uns, andere L\u00e4nder auch. Also das alles auf einen Begriff zu bringen, \u201emarode\u201c, \u201cnicht mehr zu retten\u201d \u2013 das ist absolut falsch und unseri\u00f6s.<\/p>\n<p>Und zu der Idee, die DDR w\u00e4re pleite gewesen: Egon Krenz hatte als neuer Erster Sekret\u00e4r des ZK der SED nach Honeckers Abgang eine Kommission gebildet, die eine ungeschminkte Analyse des Zustandes der DDR vorlegen sollte. Schalck-Golodkowski hatte die geleitet. Diese Analyse hat 25 Seiten. Und in der ersten H\u00e4lfte f\u00e4nde ich wirklich nichts, was man f\u00fcr falsch halten k\u00f6nnte. Da ist aufgeschrieben, was die DDR unter schwierigsten inneren und \u00e4u\u00dferen Bedingungen seit ihrer Existenz geschaffen hat: Wir mussten eine Schwerindustrie neu aufbauen, wir mussten einen eigenen Hochseehafen bauen, gerade bei den Grundstoffen der Rohstoffindustrie mussten wir von Null anfangen. Und es gab Sabotage und Blockaden aus dem Westen. Und trotzdem ist uns vieles gelungen: Das gro\u00dfe Wohnungsbauprogramm der DDR geh\u00f6rt dazu, das Bildungssystem, das Gesundheitssystem und vieles mehr.<\/p>\n<p>Das ist in dieser Studie alles fein s\u00e4uberlich aufgelistet.<\/p>\n<p>Dann kommt die n\u00e4chste H\u00e4lfte dieses Papiers, da stehen die Probleme drin. Und auch da kann man nicht widersprechen: Umweltprobleme, Probleme mit der Beschaffung von Ersatzteilen, Probleme in der Versorgung mit moderner Technologie, R\u00fcckstand vor allem bei der Chipproduktion. So weit, so richtig.<\/p>\n<p>Aber dann kommt der allergr\u00f6\u00dfte Hammer. In dem Papier steht, die DDR h\u00e4tte 49 Milliarden D-Mark Schulden gegen\u00fcber westlichen L\u00e4ndern. Wenn man die bedienen wolle, m\u00fcsse man die Inlandskonsumption die n\u00e4chsten Jahre um ein Drittel reduzieren, um Waren exportieren zu k\u00f6nnen, mit deren Erl\u00f6sen man dann die Zinsen bezahlen kann. Die Autoren selber gaben aber auch zu, dass man das der Bev\u00f6lkerung gar nicht zumuten k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Ja, und was dann? Sie empfahlen, man m\u00fcsse noch enger kooperieren mit den L\u00e4ndern, die eine ordentliche Position zur DDR haben, also mit Finnland, mit Frankreich und auch mit Japan sowie mit anderen L\u00e4ndern, mit denen wir schon l\u00e4nger in Kontakt waren.<\/p>\n<p>Aber damit die Bundesrepublik nicht denkt, wir wollen sie irgendwie austricksen, wolle man ihr anbieten, im Jahr 2004 die Olympiade in Ost- und Westberlin gemeinsam zu veranstalten. Das sollte ein Zeichen der Hoffnung sein? Als ich den Satz gelesen habe, bin ich fast vom Stuhl gefallen.<\/p>\n<p>Diese Analyse war eine geheime Analyse. Also so geheim, man musste sie sozusagen vor dem Lesen verbrennen. Jeder, der da ein Mitautor war, hatte diese GVS zur\u00fcckzugeben. Also auch Schalck-Golodkowski. Der ist aber am 2. Dezember 1989 mit seiner Frau per Auto \u00fcber Westberlin abgehauen. Wenn der die Analyse nicht k\u00f6rperlich mit hatte, wovon ich ausgehe, dann hatte er das im Kopf. Er wurde dann von Herrn Sch\u00e4uble drei Wochen in Pullach im Zentrum des Geheimdienstes der Bundesrepublik vernommen. Und er hat dort geplaudert, geplaudert, geplaudert.<\/p>\n<p>Der Westen wusste also viel eher vom Inhalt dieser geheimen Analyse als zum Beispiel ich oder andere Mitglieder der Regierung. Und wir waren als Modrow-Regierung am 13. und 14. Februar nach Bonn eingeladen.<\/p>\n<p><strong>\u201cSie m\u00fcssen noch viel lernen\u201d<\/strong><\/p>\n<p>Ich werde nie vergessen, wie dieser Besuch verlaufen ist. Der war so sch\u00e4big, dass man sich fast sch\u00e4mt, dar\u00fcber zu reden. Wir steigen in Sch\u00f6nefeld ins Flugzeug, fliegen mit der Interflug nach K\u00f6ln\/Bonn. Auf unseren Pl\u00e4tzen fand jeder die neue Ausgabe des <em>Spiegel<\/em> mit einem Artikel von Herrn Teltschik, Kohls Kanzleramtsberater. Der ging in etwa so: Unsere Br\u00fcder und Schwestern im Osten, die stehen ein paar Stunden vor der Pleite. In diesem Umfeld fand unser Empfang dort statt.<\/p>\n<p>Schon Empfang ist \u00fcbertrieben. Kohl hatte seine komplette Regierungsmannschaft aufgereiht, die standen alle vor dem Kanzleramt. Die hatten Mienen, als k\u00e4men wir alle zu einer Beerdigung. So k\u00fchl war der Empfang. Und so ging es dann im NATO-Saal des Kanzleramtes weiter im Plenum. Wir kriegten von Kohl und von Waigel alle eine F\u00fcnf bescheinigt f\u00fcr das, was wir sagten. \u201eAlso Sie verstehen die Marktwirtschaft nie\u201c, so in dem Ton. \u201eSie m\u00fcssen noch viel lernen\u201c und so weiter.<\/p>\n<p>Es hie\u00df immer, erz\u00e4hlen Sie doch hier keine M\u00e4rchen. Ihre Wirtschaftsinsider, also Schalck-Golodkowski, Gerhard Sch\u00fcrer und andere haben in der genannten Analyse doch geschrieben, wie es um die DDR steht. Immer mu\u00dften die 49 Mrd. DM Schulden herhalten. Ich habe diese Gr\u00f6\u00dfenordnung immer angezweifelt. Ironie der Geschichte: Im August 1998 hat die Bundesbank nach achtj\u00e4hriger Recherchem\u00f6glichkeit unter dem Titel: \u201cVerschuldung der DDR in konvertierbaren Devisen zum 30. Juni 1990\u201c, also einen Tag vor der W\u00e4hrungsunion, ver\u00f6ffentlicht, die DDR habe zu dem Zeitpunkt 19,9 Mrd. D-Mark Schulden gegen\u00fcber L\u00e4ndern mit konvertierbarer W\u00e4hrung gehabt. Nicht einmal diese Quelle wollten die West-Leute dann akzeptieren, weil sie ja dann h\u00e4tten zugeben m\u00fcssen, dass das Argument mit der Total-Pleite t\u00fcchtig \u00fcbertrieben ist.<\/p>\n<p>Bis heute ist so viel an diesem Treuhand-Thema dran, dass ich froh bin, dass in Th\u00fcringen zum Beispiel jetzt ein Untersuchungsausschuss aufgelegt ist. Ich bin dort auch eingeladen als eine, die dort als Sachverst\u00e4ndige etwas sagen soll. Ich nehme an, in anderen Bundesl\u00e4ndern wird das auch noch geschehen.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist eine der entscheidenden Fragen dabei: Frau Breuel hat unerh\u00f6rtes Unheil angerichtet. Sie leistet auch keiner Einladung folge. Sie stellt sich keinen Fragen. Aber sie hat es getan unter der Aufsicht der Bundesregierung. Und das ist mir bisher viel zu wenig thematisiert worden. Das muss zur Sprache kommen, weil dort liegt der Schl\u00fcssel f\u00fcr das Ungl\u00fcck, das im Osten der BRD ja bis heute Folgen hat.<\/p>\n<p>Und das, was jetzt passiert im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg und den Sanktionen gegen\u00fcber Russland trifft Ostdeutschland abermals besonders, denn unsere Beziehungen dorthin, die Beziehungen unserer Unternehmen dorthin, waren immer st\u00e4rker als die in Westdeutschland. Schwedt steht doch jetzt schon vor dem Problem. Was wird denn, wenn dieses Erd\u00f6l nicht mehr kommt? Was passiert dann? Da verlieren Tausende von Menschen allein in dem betreffenden Unternehmen ihre Jobs.<\/p>\n<p>Aber auch all die B\u00e4cker, die Fleischer, alle im Umfeld, die davon leben, dass dort Menschen einkaufen k\u00f6nnen, verlieren ihre Arbeit. Es ist ein riesiger Komplex von Themen, die sowohl mit der Treuhand, wie auch mit der gegenw\u00e4rtigen Politik zusammenh\u00e4ngen \u2013 und wo offen ist, wie die gel\u00f6st werden sollen. Man kann nur sagen, dass hoffentlich nicht die kriegsl\u00fcsternen Damen und Herren in der jetzigen Bundesregierung weiterhin ganz alleine agieren k\u00f6nnen. Denen muss man in den Arm fallen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/lowerclassmag.com\/2022\/11\/29\/raubzug-ost-die-letzte-wirtschaftsministerin-der-ddr-erinnert-sich-an-die-treuhand\/\"><em>lowerclassmag.com&#8230;<\/em><\/a><em> vom 2. Dezember 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 5.11. fand im Berlin-Lichtenberger Cafe Wostok eine Veranstaltung des Stadtteilkomitees Lichtenberg mit Christa Luft zum Thema Treuhand statt. 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