{"id":12322,"date":"2022-12-13T11:34:18","date_gmt":"2022-12-13T09:34:18","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12322"},"modified":"2022-12-13T11:34:20","modified_gmt":"2022-12-13T09:34:20","slug":"horst-haenisch-kann-der-marxismus-den-holocaust-erklaeren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12322","title":{"rendered":"Horst Haenisch: Kann der Marxismus den Holocaust erkl\u00e4ren?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Holocaust l\u00e4sst sich nicht mit Profitinteressen erkl\u00e4ren. Dennoch bietet die marxistische Theorie \u00fcberzeugende Antworten, wie es dazu kommen konnte. Von J\u00fcrgen Ehlers<\/strong><\/p>\n<p>Das Buch von Horst Haenisch, das der Frage nachgeht, ob der Marxismus den Holocaust<!--more--> erkl\u00e4ren kann, schlie\u00dft eine L\u00fccke. Es liefert auf Grundlage einer marxistischen Analyse eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr ein monstr\u00f6ses Verbrechen, das weder der Kriegsf\u00fchrung noch den Profitinteressen der Kapitalistenklasse in Deutschland diente. Der Aufbau der Vernichtungslager, die Deportation von Millionen Menschen in ganz Europa, um sie dann umzubringen, band in der entscheidenden Kriegsphase wichtige Transportkapazit\u00e4ten und Personal. Der Judenhass der Nazis gef\u00e4hrdete damit den milit\u00e4rischen Erfolg. Die ab 1942 von den Nazis angestrebte \u00bbEndl\u00f6sung der Judenfrage\u00ab geriet in Widerspruch zu den Profitinteressen der Kapitalistenklasse, die Hitler vor 1933 massiv unterst\u00fctzt hatte. In ihm sahen sie den einzigen Mann, der in der Lage war, die Arbeiterbewegung zu zerschlagen, um bereits zwei Jahrzehnte nach dem Gemetzel im Ersten Weltkrieg einen erneuten Krieg zu f\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>Industrieller Massenmord trotz Kriegsmaschinerie<\/strong><\/p>\n<p>Dieses politische Motiv der herrschenden Klasse in Deutschland, mittels der Nazis einen erneuten Krieg zu f\u00fchren, um \u00f6konomische Interessen durchzusetzen, kann gut marxistisch erkl\u00e4rt werden, denn es wird ein Zusammenhang von \u00f6konomischen und politischen Entwicklungen hergestellt. Wobei das \u00d6konomische nicht das einzige, aber letztlich das entscheidende Moment ist, das politischen Entscheidungen und Entwicklungen zugrunde liegt. Der gro\u00dfe Aufwand der Nazis, um sechs Millionen Menschen zu ermorden, steht im Widerspruch dazu.<\/p>\n<p>Zahllose Publikationen haben sich immer wieder mit den entsetzlichen Verbrechen der Nazis besch\u00e4ftigt. Dabei stehen verst\u00e4ndlicherweise immer die Suche nach dem Motiv f\u00fcr die Vernichtung der J\u00fcdinnen und Juden sowie die Ursachen f\u00fcr den Zweiten Weltkrieg im Vordergrund. Die angebotenen Erkl\u00e4rungen reichen von psychologischen Ursachen, die mit der deutschen Geschichte in Verbindung gebracht werden, bis hin zum Verweis darauf, dass der Kapitalismus den Krieg in sich tr\u00e4gt, \u00bbwie die Wolke den Regen\u00ab. Mit diesem Bild wird auf das Streben nach Profit um jeden Preis als Motor des Kapitalismus angespielt. Das ist eine entscheidende Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Ursachen von Kriegen, sagt aber nichts dar\u00fcber aus, warum ein Staat als \u00bbideeller Gesamtkapitalist\u00ab das Erreichen von Kriegszielen, so wie die Nazis mit dem Holocaust, gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p><strong>Ein \u00dcberblick auf die Frage nach dem \u00bbWarum\u00ab des Holocaust<\/strong><\/p>\n<p>Um eine Antwort auf diese Frage geht es dem Autor. Dabei steht die bereits von Marx und Engels herausgearbeitete \u00bbrelative Unabh\u00e4ngigkeit\u00ab des Staates gegen\u00fcber den Interessen der herrschenden Klasse im Mittelpunkt. Horst Haenisch seziert in seinem Buch die verschiedenen Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze f\u00fcr den Holocaust sehr akribisch. Die Leser:innen erhalten so einen umfassenden \u00dcberblick aller Theorien zu der Frage nach dem Warum. Es ist nicht immer leicht, alle Aspekte seiner Argumentation auf Anhieb nachzuvollziehen. Aber die Anstrengung lohnt sich.<\/p>\n<p>Haenischs Buch ist auch ein wichtiger Beitrag, um zu zeigen, dass es sich beim Marxismus nicht um eine tote Ideologie, sondern um eine wissenschaftliche Herangehensweise an gesellschaftliche Entwicklungsprozesse handelt, die tiefe Einblicke in gesellschaftliche Prozesse erm\u00f6glicht. Der Marxismus ist deshalb immer noch ein sinnvolles Werkzeug, um die Ursachen von Kriegen und V\u00f6lkermord zu erkennen und durch die \u00dcberwindung des Kapitalismus zu beseitigen. (Lies hier den marx21-Artikel <a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/holocaust-erklaerung-marxismus-callinicos\/\">\u00bbAusloten der Abgr\u00fcnde \u2013 Marxismus und der Holocaust\u00ab<\/a>.)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/editionaurora.de\/kann-der-marxismus-den-holocaust-erklaeren\/\">\u00bbKann der Marxismus den Holocaust erkl\u00e4ren?\u00ab<\/a> ist eine \u00fcberarbeitete und erheblich erweiterte Neuausgabe des 2017 in der edition aurora erschienen Buches: <a href=\"https:\/\/editionaurora.de\/faschismus-und-der-holocaust\/\">\u00bbFaschismus und der Holocaust \u2013 Versuch einer Erkl\u00e4rung\u00ab<\/a>. Diese Publikation hatte Diskussionen ausgel\u00f6st. Die damit verbundenen zahlreichen Anregungen und Fragen haben in dieser erweiterten Neuauflage ihren Niederschlag gefunden.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/haenisch-marxismus-holocaust\/\"><em>marx21.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 13. Dezember 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Holocaust l\u00e4sst sich nicht mit Profitinteressen erkl\u00e4ren. Dennoch bietet die marxistische Theorie \u00fcberzeugende Antworten, wie es dazu kommen konnte. 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