{"id":12331,"date":"2022-12-15T11:38:42","date_gmt":"2022-12-15T09:38:42","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12331"},"modified":"2022-12-15T11:38:43","modified_gmt":"2022-12-15T09:38:43","slug":"es-gibt-keine-lohn-preis-spirale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12331","title":{"rendered":"Es gibt keine Lohn-Preis-Spirale"},"content":{"rendered":"<p>Diskussionen unter der \u00dcberschrift \u201egestiegene Lebenshaltungskosten\u201d drehen sich um die Belastungen von Lohnabh\u00e4ngigen, deren Geh\u00e4lter nicht mit der Inflation Schritt halten. Nun k\u00f6nnte mensch denken, dass der Lebensunterhalt der Lohnabh\u00e4ngigen als Sorgegegenstand gesehen wird, wenn die Inflation hoch ist. Tats\u00e4chlich trifft das Gegenteil zu: Kommentator*innen warnen<!--more--> vor einer Lohn-Preis-Spirale, bei der h\u00f6here L\u00f6hne zu weiterer Inflation f\u00fchren und deswegen am besten vermieden werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p><em>Entscheidend ist also, ob die Unternehmen in der Lage sind, h\u00f6here Kosten f\u00fcr Vorprodukte in den Preisen weiterzureichen und ob die Arbeitnehmer daraufhin h\u00f6here L\u00f6hne durchsetzen k\u00f6nnen. Ist dies der Fall, droht eine Lohn-Preis-Spirale.<\/em> \u2014 Klaus Bauknecht, Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank<\/p>\n<p><em>Die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale ist real. \u2014<\/em> Christian Linder, Bundesfinanzminister<\/p>\n<p>Der nachfolgende Text wurde zun\u00e4chst in Gro\u00dfbritannien f\u00fcr ein britisches Publikum geschrieben.<a href=\"https:\/\/gegen-kapital-und-nation.org\/es-gibt-keine-lohn-preis-spirale\/#sdfootnote1sym\"><sup>1<\/sup><\/a> Deswegen werden vor allem Aussagen der Bank of England, also der englischen Zentralbank, zitiert. Die Ideologie der \u201eLohn-Preis-Spirale\u201d und auch die Funktionsweise der Geldpolitik sind aber nicht spezifisch f\u00fcr das Vereinigte K\u00f6nigreich Gro\u00dfbritannien und Nordirland. Deswegen sind die unten im Text zitierten Aussagen der Bank of England exemplarisch f\u00fcr die Haltung und Politik anderer Zentralbanken.<\/p>\n<p><strong>Die Bank of England erkl\u00e4rt Inflation I: L\u00f6hne<\/strong><\/p>\n<p>Eine direkte Aussage derjenigen, die mit der Bek\u00e4mpfung der Inflation betraut sind, der Bank of England (BoE):<\/p>\n<p><em>Governor Andrew Baily sagte, dass steigender Lohndruck die F\u00e4higkeit der BoE zur Kontrolle der Inflation bedroht, auch wenn die Haushalte den h\u00f6chsten j\u00e4hrlichen Einkommensverlust wenigstens seit 1990 hinnehmen m\u00fcssen. \u201eIch sage nicht, dass niemand eine Gehaltserh\u00f6hung bekommen soll, verstehen sie mich da nicht falsch. Aber ich denke, was ich sagen m\u00f6chte ist, dass wir Zur\u00fcckhaltung bei den Tarifverhandlungen sehen m\u00fcssen, sonst wird sie [die Inflation] au\u00dfer Kontrolle geraten\u201d, sagte Baily der BBC in einem Rundfunkinterview am Freitag<\/em> \u2014 William Schomberg und Alistair Smout. <a href=\"https:\/\/archive.today\/2022.02.05-082756\/https:\/www.reuters.com\/world\/uk\/boes-bailey-says-wage-restraint-key-keeping-grip-inflation-2022-02-04\/\">Bank of England calls for wage restraint to keep grip on inflation<\/a>, Reuters, 4. Februar 2022<\/p>\n<p>Der behauptete Zusammenhang von L\u00f6hnen und Preisen ist verkehrt. Es ist vielleicht am einfachsten, mit einem Beispiel zu beginnen. Nehmen wir an, Alice stellt Bob an, um irgendwelche Waren f\u00fcr sie zu machen. Sie zahlt ihm 10 Euro pro Ware, jede Ware ben\u00f6tigt 10 Euro f\u00fcr Werkzeuge und Rohmaterialien zu ihrer Herstellung und Alice schafft es, ihre Waren f\u00fcr 30 Euro zu verkaufen. Nachdem sie Bob und die Rohmaterialien bezahlt hat, bleiben ihr 10 Euro Gewinn, um Zigarren f\u00fcr ihren privaten Konsum zu kaufen. Nehmen wir nun an, dass Bob Alice davon \u00fcberzeugen kann, ihm 15 Euro zu zahlen. Wenn sich sonst nichts \u00e4ndert, geht Bob mit 15 Euro pro Ware nach Hause und Alice mit 5 Euro. Die Zigarren, die vorher von Alice verpafft wurden, werden nun teilweise von Bob konsumiert. Wir haben hier keine Inflation vor uns und keine erh\u00f6hte Kaufkraft, sondern wir haben eine Umverteilung.<a href=\"https:\/\/gegen-kapital-und-nation.org\/es-gibt-keine-lohn-preis-spirale\/#sdfootnote2sym\"><sup>2<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Aber vielleicht ist das \u00f6konomische Ergebnis ja ein anderes, wenn wir unterstellen, dass (fast) <em>alle<\/em> Lohnabh\u00e4ngigen in einer Gesellschaft eine Lohnerh\u00f6hung bekommen, vermutlich das Szenario, \u00fcber das die Bank of England sich Sorgen macht?<\/p>\n<p>Wenn, einerseits, die Ware in unserem Beispiel f\u00fcr G\u00fcter steht, die von Lohnabh\u00e4ngigen und Unternehmer*innen (entweder als Unternehmer*innen zum Betrieb ihrer Gesch\u00e4fte oder f\u00fcr ihren pers\u00f6nlichen Bedarf als Privatpersonen) gekauft werden, dann sind die Alices dieser Welt mit einer Marktlage konfrontiert, in der ein Teil ihrer Kundschaft (die Lohnabh\u00e4ngigen) mehr Geld hat und ein anderer Teil weniger (die Unternehmer*innen). Alice versucht nun also die Preise zu erh\u00f6hen, um den verringerten Profit aufgrund der Lohnerh\u00f6hung auszugleichen. Nun sind in unserem Beispiel ja fast alle Unternehmer*innen vor diese Situation gestellt, weil die Lohnerh\u00f6hungen fast alle Lohnabh\u00e4ngigen betrifft. Alice und ihre Wettbewerber*innen k\u00f6nnen dann zwar mehr an Lohnabh\u00e4ngige verkaufen, aber weniger an ihre Mitunternehmer*innen. Die gesamte Zahlungsf\u00e4higkeit hat sich aus dem gleichen Grund wie oben nicht erh\u00f6ht: Eine Lohnerh\u00f6hung ist eine Verringerung der Profite und umgekehrt umgekehrt.<\/p>\n<p>Wenn, andererseits, die Ware in unserem Beispiel f\u00fcr G\u00fcter steht, die nur von Lohnabh\u00e4ngigen gekauft werden, dann haben die Kund*innen von Alice tats\u00e4chlich mehr Geld zum Ausgeben. Dann k\u00f6nnte Alice mit ihrer versuchten Preiserh\u00f6hung erfolgreich sein. Aber als Kehrseite haben die anderen Unternehmer*innen weniger Kaufkraft die sich auf ihre Waren richtet. Damit w\u00fcrde sich die Marktlage beispielsweise f\u00fcr Dosenbier verbessern, w\u00e4hrend es auf dem Markt f\u00fcr Zigarren oder Sportwagen zu Problemen k\u00e4me. Alice, von der wir hier annehmen, dass sie in der Brauereiindustrie ist, w\u00fcrde in dieser Situation einen ordentlichen Profit machen, w\u00e4hrend ihre Mitunterehmer*innen, die Zigarren herstellen, das nicht t\u00e4ten, die sehen alt aus. Nach derselben Logik wie oben fielen deswegen die Preise f\u00fcr Zigarren.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, es w\u00e4re es nicht einmal inflation\u00e4r, wenn Alice und ihre Wettbewerber*innen erfolgreich h\u00f6here Preise f\u00fcr Waren durchsetzen w\u00fcrden. Nur weil eine Ware teurer wird, bedeutet das nicht, dass das Geld an Wert verliert. Wenn der Preis von einigen Waren steigt, dann bedeutet dies f\u00fcr sich dass es weniger Kaufkraft zum Kauf anderer Waren gibt. Wenn es in der Gesellschaft 100 Euro an Zahlungsf\u00e4higkeit gibt und nun 35 Euro anstelle von 30 Euro f\u00fcr eine Ware ausgegeben werden, dann bleiben f\u00fcr den Kauf anderer Waren nur noch 65 Euro anstatt 70 Euro \u00fcbrig.<\/p>\n<p>Schlussendlich werden, wenn der Zigarrenmarkt schlecht l\u00e4uft, andere Unternehmer*innen ihre Produktion von Zigarren auf Dosenbier umstellen, was Druck nach Unten auf den Dosenbierpreis auswirken wird. Die Ausgaben in der Gesellschaft werden so umverteilt, aber insgesamt nicht erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Der entscheidende Punkt ist der: Verk\u00e4ufer*innen k\u00f6nnen Preise nicht einfach so setzen, dass sie ihrem gew\u00fcnschten Gewinn entsprechen. Damit sie Preise erh\u00f6hen k\u00f6nnen, muss vorher die Zahlungsf\u00e4higkeit anderer erh\u00f6ht worden sein. Lohnsteigerungen erh\u00f6hen die Zahlungsf\u00e4higkeit in der Gesellschaft aber nicht, sie verteilen sie nur um.<a href=\"https:\/\/gegen-kapital-und-nation.org\/es-gibt-keine-lohn-preis-spirale\/#sdfootnote3sym\"><sup>3<\/sup><\/a><\/p>\n<p><strong>Die BoE erkl\u00e4rt Inflation II: Kreditfinanzierte Gesch\u00e4fte<\/strong><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich gibt die Bank of England mit ihrer eigenen Geldpolitik praktisch zu, dass sie der Theorie einer Lohn-Preis-Spirale selbst nicht so ganz glaubt. Durch Anpassung des \u201eGeldangebots\u201d, d.h. des Zinssatzes der BoE erkennt sie an, dass sie selbst wei\u00df, dass Inflation mit dem Geld zusammenh\u00e4ngt, das sie ausgibt. Damit hat die BoE einen Satz von Antworten auf die Frage: \u201eWo kommt die Inflation her?\u201c, die sie in ihrem Brief an den britischen Finanzminister gibt. Da steht die \u201eLohn-Preis-Spirale\u201d gleich neben \u201estarker Nachfrage\u201d und \u201eEnergiekosten\u201d. Eine andere Antwort gibt sie in ihrer Geldpolitik. In diesem Fall ist ihre praktische Antwort auf die Frage nach der Inflation: \u201eAngebot und Nachfrage\u201d von Geld.<\/p>\n<p><em>Die Aufgabe der Bank of England ist die Bestimmung der Geldpolitik \u2013 ein Werkzeugkasten, der benutzt wird, um die Inflation gering und stabil zu halten. Wir tun dies haupts\u00e4chlich durch Zinss\u00e4tze. Ein Zinssatz ist der Geldbetrag, den Leute f\u00fcr ihre Spareinlagen erhalten. Es ist auch der Preis, den sie f\u00fcr Kredite und Hypotheken zahlen m\u00fcssen. Was ist also die Verbindung zwischen Zinss\u00e4tzen und Inflation? H\u00f6here Zinss\u00e4tze machen es f\u00fcr die Menschen teurer, Geld zu leihen und ermutigen sie zum Sparen. Das bedeutet, dass sie insgesamt weniger ausgeben. Wenn Menschen insgesamt weniger f\u00fcr G\u00fcter und Dienstleistungen ausgeben, werden die Preise in der Tendenz langsamer steigen. Das verringert die Inflationsrate.<\/em> \u2014 Bank of England. <a href=\"https:\/\/www.bankofengland.co.uk\/knowledgebank\/what-is-inflation\">What is inflation?<\/a>3. Februar 2022<\/p>\n<p>\u201e<strong>Geld leihen\u201d<\/strong> \u2013 Bestaunen wir die Existenz dieser \u201eMenschen\u201d. Die Kaufkraft, die den meisten Leuten zur Verf\u00fcgung steht, kommt nicht vom billigem Kredit, sondern dem Verkauf von irgendetwas, typischerweise ihrer Zeit an eine*n Unternehmer*in. Sie m\u00fcssen ihre F\u00e4higkeit zu arbeiten an ein Unternehmen verkaufen, weil sie selbst f\u00fcr das N\u00f6tige zahlen m\u00fcssen: Miete, Essen, Telefonrechnungen, usw.<\/p>\n<p>\u201e<strong>Ermutigung zum Sparen\u201d<\/strong> \u2013 Die \u201eKrise der Lebenshaltungskosten\u201d wird weit und breit diskutiert, weil diese Notwendigkeiten eben ziemlich notwendig sind. Leute fragen sich nicht, ob sie mehr oder weniger sparen wollen, sondern, wie sie mit dem Geld bis zum Ende des Monats auskommen. Angesichts dessen ist es arg schr\u00e4g zu behaupten, dass eine Entscheidung \u201eder Menschen\u201d, h\u00f6here Zinss\u00e4tze beim Sparen mitzunehmen, die Preise senken w\u00fcrde. Die Lohnabh\u00e4ngigen haben schlicht kaum Geld zum Sparen. Die Bank of England kann sich ankumpeln wie sie will, was sie hier beschreibt sind nicht \u201edie Menschen\u201d.<\/p>\n<p>Die Bank of England kann nur die Unternehmen meinen, wenn sie davon redet dass h\u00f6here Zinss\u00e4tze das \u201eLeihen\u201c ver\u00e4ndert. Aber dann muss die Erkl\u00e4rung auch behandeln, dass die Zahlungsf\u00e4higkeit von Unternehmen anders zustande kommt als bei den meisten Leuten. Unternehmen sind in ihren Ausgaben nicht durch die Geldsumme beschr\u00e4nkt, die sie bereits verdient haben, sondern geben \u2013 regelm\u00e4\u00dfig und in gro\u00dfem Umfang \u2013 geliehenes Geld aus. Aber die Bank of England (wie jede andere Zentralbank auch) hat noch nicht einmal direkt mit den Unternehmen zu tun, sondern mit Gesch\u00e4ftsbanken.<\/p>\n<p>\u201e<strong>Wir tun dies haupts\u00e4chlich durch Zinss\u00e4tze. Ein Zinssatz ist der Geldbetrag, den Leute f\u00fcr ihre Spareinlagen erhalten.\u201d<\/strong> Der Fehler steckt in \u201eein\u201d. Die BoE setzt n\u00e4mlich nicht <em>den<\/em> Zinssatz fest, den Leute oder Unternehmen bekommen oder zahlen m\u00fcssen.<a href=\"https:\/\/gegen-kapital-und-nation.org\/es-gibt-keine-lohn-preis-spirale\/#sdfootnote4sym\"><sup>4<\/sup><\/a> Diese Zinss\u00e4tze werden von Finanzinstitutionen nach ihren eigenen Berechnungen festgesetzt (auf Grundlage der allgemeinen Marktbedingungen und ihrer Konkurrenz miteinander). Die BoE bestimmt die Zinss\u00e4tze, die Finanzinstitution zahlen, wenn sie von der BoE Geld leihen (oder bekommen, wenn sie der BoE Geld verleihen). Das hat normalerweise einen Einflu\u00df auf die Zinss\u00e4tze, die von Privatbanken gefordert werden. Allerdings ist diese Beziehung, zum Frusst der BoE, seit 2013 alles andere als direkt.<a href=\"https:\/\/gegen-kapital-und-nation.org\/es-gibt-keine-lohn-preis-spirale\/#sdfootnote5sym\"><sup>5<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Zusammengefasst bedeutet dies, dass \u2013 nach Aussage der Bank of England \u2013 der Zinssatz, den sie von Gesch\u00e4ftsbanken fordert und zahlt, sowie die privaten Kreditgesch\u00e4fte dieser Gesch\u00e4ftsbanken mit den Unternehmen <em>irgendwie<\/em> die Stabilit\u00e4t und den Wert des Geldes beeinflussen, das die BoE schafft und in die Welt setzt. Hier stimmt, dass Unternehmen, wenn sie Kredite aufnehmen und investieren, Waren produzieren, also Dinge, die sie selbst und ihre Arbeiter*innen mit Geld kaufen. An dieser Stelle kommen also beide Seiten zusammen: Zahlungsf\u00e4higkeit, die nicht von vorher erzielten Einnahmen herr\u00fchrt, sondern von Kredit, und zus\u00e4tzlich produzierte Waren. Irgendwie verl\u00e4uft dieser Prozess im Moment so, dass er genau das Ding entwertet, mit dem der Erfolg des ganzen Prozesses, d.h. der Profit, gemessen wird: Geld. Dies geschieht gerade in einem Umfang, der der Bank of England Sorgen macht.<a href=\"https:\/\/gegen-kapital-und-nation.org\/es-gibt-keine-lohn-preis-spirale\/#sdfootnote6sym\"><sup>6<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Einerseits folgt daraus, dass eine Erkl\u00e4rung der Inflation bei von der Zentralbank gedeckter und kreditfinanzierter Profitmacherei anfangen muss und nicht bei den L\u00f6hnen.<a href=\"https:\/\/gegen-kapital-und-nation.org\/es-gibt-keine-lohn-preis-spirale\/#sdfootnote7sym\"><sup>7<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Andererseits ist das ein Hinweis darauf, warum die Bank of England wegen der L\u00f6hne so besorgt ist. Sie kennt den Zusammenhang von Profiten und L\u00f6hnen, auf den wir unsere Argumente im ersten Teil aufgebaut haben: H\u00f6here L\u00f6hne verringern die Profite. Sie wei\u00df auch, dass alles, angefangen beim Wert des von der BoE geschaffenen Geldes bis hin zum Lebensunterhalt aller Leute in dieser Gesellschaft, von der Profitabilit\u00e4t der Unternehmen abh\u00e4ngt, also ihrer F\u00e4higkeit, (kreditfinanzierte) Vorsch\u00fcsse in Gewinne zu verwandeln.<\/p>\n<p>Die Bank of England warnt nicht vor einer \u201ePreis-Preis-Spirale\u201d und sie warnt auch nicht die Unternehmen davor, ihre Preise zu erh\u00f6hen. Sie warnt vor einer \u201eLohn-Preis-Spirale\u201d weil sie die Notwendigkeit des Profits verstanden hat. Das wiederum liegt daran, dass die Reproduktion der Gesellschaft davon abh\u00e4ngig gemacht ist. Der Ratschlag an die Lohnabh\u00e4ngigen, dass sie ihren Lebensstandard zugunsten des Profitinteresses einschr\u00e4nken sollen, sagt viel \u00fcber den Platz von Lohnabh\u00e4ngigen in dieser Gesellschaft aus: Ihr Lebensstandard ist nicht der Zweck, sondern ein Hindernis.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/gegen-kapital-und-nation.org\/es-gibt-keine-lohn-preis-spirale\/#sdfootnote1anc\">1<\/a> Von der Gruppe Critisticuffs, mit der wir zusammenarbeiten: <a href=\"https:\/\/critisticuffs.org\/texts\/wage-price-spiral\">https:\/\/critisticuffs.org\/texts\/wage-price-spiral<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/gegen-kapital-und-nation.org\/es-gibt-keine-lohn-preis-spirale\/#sdfootnote2anc\">2<\/a> Es k\u00f6nnte eingewandt werden, dass Alice einen Teil ihrer Profite spart oder reinvestiert und dass die Wirkung von Bobs Lohnerh\u00f6hung auf das Sparen oder Investieren die Inflation antreiben k\u00f6nnte. Unterstellt das stimmt, m\u00fcsste mensch von einer \u201eErsparnismangel-Preis-Spirale\u201d oder einer \u201cInvestitionsmangel-Preis-Spirale\u201d sprechen, wenn Spar- oder Investitionsquoten die Faktoren w\u00e4ren, die die Inflation entscheidend beeinflussen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/gegen-kapital-und-nation.org\/es-gibt-keine-lohn-preis-spirale\/#sdfootnote3anc\">3<\/a> Wir verwenden den Begriff \u201eZahlungsf\u00e4higkeit\u201d anstelle von \u201eGeld\u201d, um zu betonen, dass es schon sehr darauf ankommt, <em>wer<\/em> das Geld in der Tasche hat und es damit auch ausgeben kann, und nicht auf eine gesamte Geldmenge. Das steht in Gegensatz zu der g\u00e4ngigen Weise, \u00fcber Inflation zu sprechen, in der eine Gesamtmenge Geld einer Gesamtmenge von G\u00fctern gegen\u00fcbergestellt wird a la \u201eViel Geld, wenig G\u00fcter also Inflation\u201d. Die Kreisl\u00e4ufe von Geld und G\u00fctern sind ineinander verwoben, Alice verkauft an Bob und kann mit den Einnahmen von Karl kaufen usw, und keine Gegen\u00fcberstellung der beiden Gesamtmengen. Ein Zehn-Euro-Schein kann z.B. an einem Tag f\u00fcr 100 K\u00e4ufe verwendet werden; aber auch f\u00fcr keinen einzigen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/gegen-kapital-und-nation.org\/es-gibt-keine-lohn-preis-spirale\/#sdfootnote4anc\">4<\/a> Das erkl\u00e4rt die Bank of England selber in Michael McLeay, Amar Radia and Ryland Thomas. <a href=\"https:\/\/www.bankofengland.co.uk\/-\/media\/boe\/files\/quarterly-bulletin\/2014\/money-creation-in-the-modern-economy.pdf\"><em>Bulletin 2014 Q1: Money creation in the modern economy<\/em><\/a>. 2014<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/gegen-kapital-und-nation.org\/es-gibt-keine-lohn-preis-spirale\/#sdfootnote5anc\">5<\/a> Siehe auch \u201cDie Abrechnung ist aufgehalten, schlechte Schulden sind allseitig in Wert gehalten worden \u2013 die Wirtschaft kommt nicht so richtig in Gang \u2013 was tun? Zentralbankpolitik seit 2013\u201d in <a href=\"https:\/\/antinational.org\/die-wirtschaftskrise-2008-bis-juni-2020-und-die-staatlichen-massnahmen-ein-seminarskript\/\"><em>Die Wirtschaftskrise 2008 bis Juni 2020 und die staatlichen Ma\u00dfnahmen &#8211; ein Seminarskript<\/em><\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/gegen-kapital-und-nation.org\/es-gibt-keine-lohn-preis-spirale\/#sdfootnote6anc\">6<\/a> Die Bank of England hat sich \u2013 wie die anderen wichtigen Zentralbanken auch \u2013 ein Inflationsziel von 2 % pro Jahr gesetzt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/gegen-kapital-und-nation.org\/es-gibt-keine-lohn-preis-spirale\/#sdfootnote7anc\">7<\/a> Wie die Unternehmen durch kreditfinanziertes Gesch\u00e4fte die Inflation erzeugen besprechen wir in einem Text der vorl\u00e4ufig nur <a href=\"https:\/\/critisticuffs.org\/texts\/inflation\">auf Englisch verf\u00fcgbar<\/a>ist. Auf Deutsch wird er aber auch noch auf unserer Webpage erscheinen. Dort wird dann auch die Rolle der Staatsverschuldung f\u00fcr die Inflation besprochen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/gegen-kapital-und-nation.org\/es-gibt-keine-lohn-preis-spirale\/\"><em>gegen-kapital-und-nation.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 15. Dezember 2022<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diskussionen unter der \u00dcberschrift \u201egestiegene Lebenshaltungskosten\u201d drehen sich um die Belastungen von Lohnabh\u00e4ngigen, deren Geh\u00e4lter nicht mit der Inflation Schritt halten. 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